Neues Tierschutzgesetz in Deutschland

von Luisa Dziki

Vor genau zwei Monaten, am 13.07 2013 ist das neue Tierschutzgesetz in Deutschland in Kraft getreten, nachdem bereits 2012 sowohl der Bundestag, als auch der Bundesrat einer erneuten Änderung zugestimmt hatten. Doch was sind eigentlich die wichtigsten Verbesserungen und welchen Stellenwert hat das Tierschutzgesetz in Deutschland eigentlich?

Geschichtliches zum Tierschutzgesetz

Seit 2002 ist der Tierschutz  in Deutschland im Grundgesetz als Staatsziel verankert, allerdings war das nicht immer so. Überhaupt gab es im deutschen Staatsgebiet erst 1819 eine erste dokumentierte Schrift, die sich um das Wohlergehen der Tiere drehte. Verfasser war der schwäbische Pfarrer Christian Adam Dann, der  in „Bitte der armen Thiere“ seine Mitmenschen dazu aufforderte, das Leben der Tiere erträglich zu machen und ihren Tod kurz und schmerzlos. Danns Nachfolger Albert Knapp gründete 1837 den ersten deutschen Tierschutzverein, der in Stuttgart und Cannstadt ansässig war. Bis Tierquälerei allerdings laut Gesetz unter Strafe gestellt wurde, dauerte es noch eine ganze Weile: Erst im Reichsstrafgesetzbuch vom 15. Mai 1871 (§ 360 Nr. 13) wurde festgelegt, dass jeder, der „öffentlich oder in Aergerniß erregender Weise Thiere boshaft quält oder roh mißhandelt“ eine Geldstrafe entrichten muss. Zu  bemerken ist hier allerdings, dass nur öffentliche Tierquälerei strafbar war, wer in seinen eigenen Vierwänden oder unbeobachtet Vierbeiner gequält hat, ist ungestraft davongekommen. Das erste eigenständige Tierschutzgesetz, verfassten die Nationalsozialisten 1933 und nutzen es als Propagandamittel für ihre Ideologie, nach dem Krieg galten in beiden deutschen Staaten die meisten der Paragraphen aus diesem Gesetzen weiterhin, bis 1972 in der BRD ein neues Tierschutzgesetz verfasst wurde, das in den folgenden Jahren häufig novelliert wurde, bis es 2006 komplett neu verfasst worden ist. Dieses neueste Gesetz hat aktuell bereits wieder die dritte Änderung erfahren.

Was ist neu?

Eine der wichtigsten Änderungen im aktuellen Tierschutzgesetz betrifft die Versuchstierhaltung, hier wurde die 2010 beschlossene EU-Versuchtstierrichtlinie umgesetzt. Einer der wichtigsten Punkte ist das Verbot, Menschenaffen in Tierversuchen einzusetzen. Es gibt nur noch einige wenige, sehr spezielle Ausnahmen, in denen die Haltung von Menschenaffen für Versuchszwecke erlaubt ist. Eine weitere Verbesserung betrifft die s.g. „Qualzuchten“. Diese waren zwar schon in der alten Fassung verboten, allerdings wurde der betroffene Paragraph überarbeitet, so dass er nun leichter anzuwenden ist und sowohl Züchtern, als auch den Vollzugsbehörden eine Gesetzesgrundlage geben, aufgrund derer sie handeln können. Interessant für alle Pferdebesitzer ist, dass der Schenkelbrand zukünftig zwar nicht verboten ist, aber ab 2019 nur noch unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden darf. Besonders lobenswert ist es außerdem, dass beim Verkauf von Heimtieren den Käufern Informationsblätter mitgegeben werden müssen, die den zukünftigen Tierbesitzer über die wichtigsten Bedürfnisse seines Haustieres in spe in Kenntnis setzen. So sollen die vielen Missstände in der Haltung der kleinen Heimtiere entgegengewirkt werden.  Außerdem benötigen zukünftig Hundetrainer eine Erlaubnis, um ihr Gewerbe betreiben zu dürfen. Dadurch solch sichergestellt werden, dass Mindestqualitätsstandards in Hundeschulen eingehalten werden. Einen Überblick über die wichtigsten Änderungen finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Was können wir für den Tierschutz tun?

Tierschutz beginnt in den eigenen vier Wänden: Sorgen Sie dafür, dass Ihre eigenen Haustiere artgerecht gehalten werden. Ein Stichwort ist hier die Einzelhaft bei den Kaninchen, über welche ich bereits berichtet habe. Informieren Sie sich vor der Anschaffung eines Tieres über seine Bedürfnisse und seien Sie wirklich streng zu sich selbst. Können Sie dem Tier wirklich alles bieten, was es braucht und verdient? Halten Sie auch in der Nachbarschaft die Augen offen: Die Pferde auf Nachbars Koppel wirken verwahrlost und man sieht die Rippen? Sprechen Sie ihn darauf an und informieren Sie gegebenenfalls das Veterinäramt. Lieber wird dieses einmal zu viel gerufen, als einmal zu wenig. Fälle wie der „Hof der Schande“ in Süstedt hätten so schon viel früher aufgedeckt werden können. Wenn jeder von uns die Augen ein bisschen besser offen hält, kann vielen Tieren jahrelanges Leid erspart bleiben.

Schon kleine Gesten sind viel Wert

Sie haben immer Sonntag Nachmittags Zeit und verbringen diese sowieso oft im Freien? Haben Sie dann schon einmal darüber nachgedacht, einen Tierheimhund Gassi zu führen? Die Hunde freuen sich riesig, wenn sie ihren Zwinger verlassen dürfen und Sie kostet es nichts außer ein wenig Zeit. Außerdem ist das eine gute Möglichkeit, Ihren Kindern den Umgang mit einem Hund beizubringen, wenn Sie keinen eigenen haben. Generell ist es sinnvoll, seinen Kindern den Umgang mit Tieren zu ermöglichen. Natürlich ist nicht jeder dazu in der Lage, ein Haustier halten zu können, aber es gibt viele Möglichkeiten seine Kinder mit Tieren zusammenzubringen. Besuchen Sie zum Beispiel verschiedene Gnadenhöfe oder Streichelzoos. In einem Streichelzoo können die Kinder zahme Ziegen, Schafe, Katzen, Kaninchen und vieles mehr streicheln und lernen viel über das Verhalten der Tiere. So bekommen sie einen Bezug zur Tierwelt und werden vielleicht die Tierfreunde von morgen. Natürlich können Sie auch einen Tierschutzverein Ihrer Wahl eine kleine Spende zukommen lassen, aber ich empfehle Ihnen dabei, den Verein genau unter die Lupe zu nehmen. Telefonieren Sie mit dem Vorsitzenden und fragen Sie nach, ob es sich bei den Tierschützern um einen eingetragenen Verein handelt. Leider gibt es im Tierschutz auch immer wieder schwarze Schafe, die gutgläubigen Tierfreunden nur das Geld aus der Tasche ziehen möchten. Wenn der Verein Ihr Vertrauen gewonnen hat, dann freut er sich mit Sicherheit über eine kleine Geld- oder Sachspende oder Ihre Mithilfe.

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