Portrait: Bartagame

ohne Rang: Toxicofera
ohne Rang: Leguanartige (Iguania)
Familie: Agamen (Agamidae)
Unterfamilie: Amphibolurinae
Gattung: Bartagamen (Pogona)
Art: Bartagame (Pogona vitticeps)
Bartagame (Zoo Frankfurt)

Bartagame (Zoo Frankfurt)

(Streifenköpfige) Bartagamen sind große, kräftig gebaute und dorsoventral stark abgeflachte Agamen. Sie erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 250 mm und eine Schwanzlänge bis etwa 300 mm. Der „Bart“ ist gut entwickelt, allerdings ist er weniger stark ausgeprägt als bei Pogona barbata. Sowohl Vorder- als auch Hinterbeine sind kurz und wirken kräftig. Die Beschuppung variiert je nach Körperbereich: An beiden Seiten des Barts und in der Kehlregion, sind Stacheln erkennbar. Weitere Stachelreihen befinden sich oberhalb des Trommelfells, am Hinterkopf, an den Mundwinkeln und an beiden Seiten entlang bis zum Schwanz. Vor allem die seitlichen Stacheln erscheinen bei Berührung eher weich und gummiartig. In die feinere Rückenbeschuppung sind vergrößerte gekielte Schuppen eingestreut. Ebenfalls gekielt sind die Bauchschuppen. Die Bartagame besitzt 9–19 Präanofemoralporen, welche benutzt werden, um Duftmarken zu setzen.
Die Bartagame weist eine hell- bis dunkelbraun/schwärzliche Färbung auf, es gibt aber auch graubraune, rötliche und gelbe Exemplare. Beispielsweise färben sich Tiere aus der Umgebung der Eyre-Halbinsel bei Erregung rot. Es gibt auch Exemplare mit roten Köpfen oder roten Augen. Hinsichtlich der Färbung gilt die Bartagame daher als variabelste aller Pogona-Arten. Ein dunkler, hell begrenzter Streifen, der Augenzügel, verläuft vom Trommelfell bis zu den Augen. Der Bauch ist meist einfarbig hell mit teilweise leichten Schattierungen oder Flecken. Der Schwanz ist gebändert und anders als bei Pogona barbata regelmäßig beschuppt. Entlang der Wirbelsäule besitzt die Bartagame eine klare Zeichnung in Form von helleren und dunkleren Farbsegmenten. Der Bart wird bei Drohgebärden mithilfe des Zungenbeinapparates abgespreizt und färbt sich schwarz. Bei manchen Exemplaren färbt sich der restliche Körper ebenfalls deutlich dunkler. Die ovalen Ohröffnungen sind gut sichtbar.
Zucht – Bartagamen sind heute in ganz unterschiedlichen und zahlreichen Farbvarianten durch gezielte Züchtungen entstanden. Die Entwicklung hin zu farbigen Bartagamen – Zuchten fing in Amerika an und wurde auch nach Deutschland exportiert.
Die Bartagame bewohnt das östliche zentrale Australien. Das große Verbreitungsgebiet umfasst das südwestliche Queensland, das südöstliche Northern Territory, das westliche New South Wales, den Nordwesten Victorias und das östliche South Australia. Die Bartagame bewohnt halbtrockene Wälder und Trockenwälder und bevorzugt Gebiete mit hoher Sonneneinstrahlung.

Die Bartagame sitzt gerne auf Steinen, Baumstümpfen, Zaunpfosten und anderen erhöhten Plätzen, die meistens nur zu Nahrungsaufnahme verlassen werden. Je kälter die Umgebung ist, desto dunkler ist das Tier gefärbt und desto inaktiver verhält es sich. Erst wenn es sich mithilfe der Sonneneinstrahlung genügend aufgewärmt hat, hellt sich die Färbung auf und Aktivitäten wie Jagen, Fressen, Verdauen und soziale Interaktionen werden ausgeführt. Sobald die Körpertemperatur unter eine bestimmte Schwelle gesunken ist, muss erneut ein sonniger Platz aufgesucht werden. Wird es zu heiß, suchen die Tiere den Schatten auf und hecheln mit weit geöffnetem Maul, um Verdunstungskälte zu erzeugen.
Männliche Tiere verhalten sich territorial und verteidigen ihr Revier. Dringt ein anderes Männchen in das Revier ein, nickt der Inhaber mit dem Kopf und spreizt bald darauf seinen Bart ab. Jüngere und schwächere Eindringlinge ziehen sich daraufhin meist freiwillig kopfnickend zurück; etwa gleich starke Exemplare reagieren jedoch nicht und provozieren so einen Kampf. Zunächst blähen beide Kontrahenten ihre Körper auf und platten sie seitlich ab, um die Körperumrisse gewaltiger erscheinen zulassen. Nach mehrmaligem Umkreisen des Gegners verbeißen sich die Tiere schließlich ineinander. Die Gegner versuchen sich an der Schwanzwurzel zu packen. Gelingt dies, so wird das unterlegene Tier hochgehoben und durchgeschüttelt. Dies wird so oft wiederholt, bis die schwächere Bartagame den Sieger durch kreisende Bewegungen mit den Vorderbeinen besänftigt. Der Schwanz wird bei diesen Kämpfen oft abgerissen oder verstümmelt.
Im Winter, wenn die Temperaturen unter 20 °C fallen, hält die Bartagame eine zweimonatige „Winterruhe“ in einem geschützten Quartier. Dabei schlafen die Tiere aber nicht ständig, sondern können in kurzen Aktivitätsphasen aufstehen, fressen und sich bewegen. Bartagamen ernähren sich omnivor, verzehren also pflanzliche und tierische Kost. Gefressen wird alles, was überwältigt werden kann, zum Beispiel Insekten, Nager, Frösche, Wirbellose, Jungvögel und kleinere Echsen (auch Artgenossen). Jungtiere ernähren sich größtenteils von tierischer Kost. Diese macht bei adulten Exemplaren nur etwa 20 % der aufgenommenen Nahrungsmenge aus, die restlichen 80 % bestehen aus Samen und Pflanzenteilen.

Bartagame (Wilhelma Stuttgart)

Bartagame (Wilhelma Stuttgart)

Bartagamen erreichen die Geschlechtsreife mit einem bis zwei Jahren. Die Paarungszeit beginnt mit Beendigung der Winterruhe. Die Balz ist beim Männchen gekennzeichnet durch heftiges Kopfnicken und Stampfen mit Beinen und Imponiergehabe. Ist ein Weibchen paarungsbereit verbeisst sich das Männchen in den Nacken des Weibchen und führt seine Schwanzwurzel an die des Weibchen. Dabei drückt er seine Kloake an die des Weibchen. Der Paarungsakt kann durchaus mehrere Minuten dauern.
Nach einer Tragezeit von fünf bis sechs Wochen legt das Weibchen zwischen 20 und 30 Eier in eine selbstgegrabene Höhle oder Grube, die sich an geschützter Stelle befindet. Je nach Umgebungstemperatur schlüpfen die Jungtiere nach 60 bis 80 Tagen. Je kühler die Temperatur desto länger die Inkubationszeit. Die durchschnittliche Inkubationstemperatur liegt bei rund 29 Grad. Mittels ihres Eizahnes befreien sich die Jungechsen aus den Eiern. Der Eizahn fällt noch während des Schlupfvorganges ab. Jungtiere weisen eine Schlupflänge von etwa fünf bis acht cm auf. Die Jungechsen ernähren sich von Kleinstinsekten. Die Bartagame kann in Gefangenschaft ein Alter von bis zu fünfzehn, selten sogar bis knapp zwanzig Jahren erreichen. Die Lebeserwartung in Freiheit dürfte deutlich darunter liegen.

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