Totes Elefantenbaby im Bergzoo Halle

Bei der Zusammenstellung des nächsten Zootickers fiel mir auf, wieviel es zu einem einzigen Thema zu sagen gibt, einer Elefantengeburt im Bergzoo Halle mit Todesfolge:

17.09.2013, Bergzoo Halle
Elefantennachwuchs im halleschen Bergzoo verstorben
Monatelang hielt die Trächtigkeit der Afrikanische Elefantenkuh Bibi die Hallenser und das Team des Bergzoos in ihrem Bann, denn in der 112-jährigen halleschen Zoogeschichte wurde erstmals Nachwuchs bei den Elefanten erwartet. Da der damals erst 10 jährige Bulle „Abu“ die Elefantenkuh „Bibi“ im Jahr 2011 mehrfach gedeckt hatte, konnte kein genauer Geburtstermin errechnet werden. Die früheste Prognose ging von einer Geburt Ende Oktober vorigen Jahres aus, aber Bibi ließ sich Zeit. Heute Morgen, kurz nach 9 Uhr, war es dann soweit, das langersehnte Elefantenkalb wurde geboren. Allerdings attackierte „Bibi“ ihr Jungtier unmittelbar nach der Geburt überaus heftig. Es gelang wenige Minuten später, die Elefantenkuh von dem Jungtier zu trennen. Leider konnten alle Rettungs- und Wiederbelebungsversuche durch die Tierpfleger und den Tierarzt dem Kalb nicht mehr helfen. Der Körper des Elefantenkalbes wurde bereits an die Pathologie der Tierklinik Leipzig überführt um die genaue Todesursache zu ermitteln. Sobald die daraus resultierenden Ergebnisse vorliegen wird eine gesonderte Pressekonferenz erfolgen.
Mit der Eröffnung der neuen Elefantenanlage im Jahr 2006, war die Haltung von Elefanten im halleschen Zoo, nach einer längeren Pause wieder möglich. Zusammen mit der Afrikanischen Elefantenkuh „Sabi“, traf ihr damals 5 Jahre alter Sohn „Abu“, aus dem Tiergarten Schönbrunn (Wien), im Juli 2006 im Zoo Halle ein. Die beiden Dickhäuter aus dem Tiergarten Schönbrunn waren die ersten Bewohner der neuen ca. 3600 m² großen Elefantenanlage. Im Dezember 2006 kam dann die 25- jährige Afrikanische Elefantenkuh „Mafuta“ aus dem Tierpark Berlin in den halleschen Zoo. Die 7- jährige Elefantenkuh Tana, im Tierpark Berlin geboren, schloss sich im Juli 2008 der Gruppe an. Komplettiert wurde diese, als im November 2008 die Elefantenkuh Bibi (1985 in Simbabwe geboren) und ihre einjährige Tochter „Panya“ (geboren am 22. August 2007 im Tierpark Berlin) im Zoo Halle eintrafen.

Jetzt steht der Zoo in der Kritik und nicht nur der Bergzoo, auch die Elefantenhaltung im Zoo wird hinterfragt.

17.09.2013, PETA
Zoo Halle: Elefantenmutter trampelt eigenes Baby tot – PETA übt scharfe Kritik an Zoo-Verantwortlichen
Halle / Gerlingen, 17. September 2013 – Nachdem die Elefantenmutter Bibi im Bergzoo Halle heute früh ihr eigenes Baby kurz nach der Geburt tottrampelte, übt die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. scharfe Kritik an den Zoo-Verantwortlichen. Die Organisation sieht das unnatürliche Verhalten der Elefantenmutter in den mangelhaften Haltungsbedingungen für die Elefanten im Bergzoo Halle begründet. In freier Natur ist es äußerst selten, dass Elefantenmütter ihre Babys töten – In Gefangenschaft jedoch tritt dieses atypische Verhalten von Elefanten sogar derart häufig auf, dass in vielen Zoos die Mütter bei der Geburt in Ketten gelegt werden. Im Zoo Halle sind vor allem die viel zu kleinen Gehege sowie die unnatürliche soziale Zusammensetzung der Elefantengruppe Merkmal der tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen. PETA fordert ein generelles Zucht- und Importverbot für Elefanten, damit die Haltung in Zoos mittelfristig ausläuft.
„Für Elefanten ist das Leben in Zoo-Gefangenschaft eine Qual. Viele Tiere sind dadurch derart verhaltensgestört, dass es immer wieder zu Attacken auf Artgenossen oder Menschen kommt“, so Diplom-Zoologe Peter Höffken, Zooexperte bei PETA. „Erst in der vergangenen Woche wollte eine Elefantenmutter ihr Neugeborenes im Zoo von Shandong in China töten.“
Die Afrikanische Elefantendame Bibi wurde 1987 als Baby ihrer Familie und der Natur entrissen, um fortan Besucher in deutschen Zoos zu unterhalten. Dieses Trauma tragen Elefanten ihr Leben lang mit sich. Elefantenkinder, die nicht mit ihrer Mutter und anderen weiblichen Anverwandten aufwachsen können, leiden oft unter sozialen Störungen. Zusammen mit den mangelhaften Haltungsbedingungen in zoologischen Einrichtungen führt dies immer wieder zu Verhaltensauffälligkeiten, aggressiven Handlungen und einer stark verkürzten Lebensdauer. Einer wissenschaftlichen Studie zufolge(1) beträgt die durchschnittliche Lebensdauer Afrikanischer Elefanten in Zoos 17 Jahre – in der Natur sind es durchschnittlich 54 Jahre, in denen die Elefanten große Reviere besiedeln und bis zu 80 Kilometer am Tag wandern.
(1) Clubb R., Moss C. et al (2008): Compromised Survivorship in Zoo Elephants., Science 12 December 2008: 1649.

17.09.2013, ENDZOO
Tod Elefantenbaby Zoo Halle: Mensch als Todesursache?
EndZOO spricht von erheblichen Haltungsmängeln und fordert einen Zuchtstopp

Halle – Im Zoo Halle hat Elefantenmutter BIBI heute Morgen, kurz nach der Geburt, ihr Baby angegriffen und tödlich verletzt. Die internationale Tierrechtsorganisation EndZOO macht Haltungsmängel im Zoo von Halle dafür verantwortlich und fordert ein Auslaufen der Elefantenhaltung. Nach Meinung der Organisation ist auch der Zoo in Halle einer von vielen vorgeblich wissenschaftlich geführten deutschen Zoos, die permanent ignorieren, dass Elefanten in Freiheit in gewachsenen und streng hierarchischen Familienverbänden leben. In solch einem natürlich gewachsenen Verband herrschen besonders feste Bindungen unter befreundeten weiblichen Individuen. Gerade diese Bindungen spielen dann bei einer Geburt eine bedeutende Rolle. Geburtserfahrene Mütter helfen dann unerfahrenen Müttern. In Halle gibt es solch einen natürlich gewachsenen Verband nicht.
EndZOO geht derzeit fest davon aus, dass Elefantenmutter BIBI ihr Baby ohne Hilfe anderer Elefanten, also völlig allein, wohlmöglich verängstigt und auf engstem Boxenraum, zur Welt gebracht hat. Offenbar mit fatalen Folgen. Im Jahr 2007 hatte BIBI ihr Baby PANYA auf der Freianlage des Tierparkes Berlin und in ihrer vertrauten Gruppe geboren. EndZOO spricht in Bezug auf das aktuelle Drama im Zoo Halle daher von einer Fehlentwicklung und von der „Todesursache Mensch“!
„Im Zoo von Halle hatten die Elefanten nie die Chance, einen langsam anwachsenden und stabilen Verband oder so etwas wie eine natürliche Hierarchie aufzubauen. Die Gruppe in Halle ist ein zusammengewürfelter Haufen. Es ist also kein Wunder, dass langanhaltende menschliche Ignoranz bei einem so sozialen Akt wie der Geburt letztendlich in einem solchen Drama endet“, so EndZOO-Sprecher Frank Albrecht.

18.09.2013, Bergzoo Halle
Erste Obduktionsergebnisse von getötetem Elefantenkalb
Nach Informationen der Universitätstierklinik Leipzig an den halleschen Universitäts- und Zootierarzt Dr. Jens Thielebein, liegen erste Obduktionsergebnisse des gestern im Zoo Halle von Ihrer Mutter Bibi getöteten Elefantenkalbs bereits vor. Dieses wog demnach bei der Geburt 110 Kilogramm und ist ein weibliches Tier. Beim Angriff im Affekt verletzte die Mutter das Kalb mit ihren Stoßzähnen an Lunge und Herz und durchtrennte die Hauptschlagader, welches den unmittelbaren Tod des Jungtieres zur Folge hatte. Ein ausführliche Obduktionsbericht, insbesondere zum Gesundheitszustandes des Elefantenkalbes folgt noch und wird in einer gesonderten Pressemitteilung bekanntgegeben.

19.09.2013, EndZOO
Totes Elefantenbaby Zoo Halle: Zoo soll Geburtsvideo veröffentlichen!
EndZOO fordert eine lückenlose Aufklärung und Zuchtstopp

Halle – Nach der Kindestötung von Elefantenmutter BIBI im Zoo Halle wird die Kritik der Tierschutzorganisation EndZOO nun schärfer. So ist die Organisation darüber empört, dass der Zoo nach dem Desaster behauptet, dass Kindestötungen durch die eigene Mutter nach oder während der Geburt (Infantizid) bei Elefanten in Freiheit ein ebenso häufiger und normaler Vorgang seien und dem Zoo demnach kein Vorwurf zu machen sei. EndZOO spricht in diesem Zusammenhang nun von bewusster „Volksverdummung“. Der Zoo wolle von selbst gemachten Fehlern und Grundproblemen der weltweiten Zoo-Gefangenschaftshaltung von Elefanten ablenken. EndZOO verlangt vom Zoo Halle nun, Beweise für die Behauptungen von Infantizid in freier Wildbahn vorzulegen. Zudem verlangt die auch in Österreich tätige zookritische Organisation, die Veröffentlichung des Geburtsvideos in voller Länge. Nach Auffassung der Tierschützer hätten die Bürgerinnen und Bürger von Halle, die den Zoo mit Steuergeldern subventionieren, ein Anrecht darauf, sich ein eigenes Bild von dem Desaster zu machen. Nur mit 100%iger Transparenz, so EndZOO, könne der Zoo für eine „lückenlose Aufklärung“ sorgen. Zudem verlangt die Organisation ein Zuchtstopp in Halle. Weitere Geburts-Desaster sind vorprogrammiert.
„Mit dem Erzählen von Märchen spielt der Zoo Halle, wie fast alle Zoos bei einem Skandal, jetzt auf Zeit. Kritik wird wie immer weitestgehend ausgesessen. Und wahrscheinlich wird auch der Zoo in Halle damit Erfolg haben. EndZOO ist jedenfalls aus keiner Fachliteratur auch nur ein Fall von einer solchen Kindestötung in Freiheit bekannt. Belegt dagegen ist, dass die Tötung von Babys durch die Mutter kurz nach der Geburt einer der häufigsten Ursachen der Jungtiersterblichkeit in der Zoo-Gefangenschaft ist. Erwiesen ist auch, dass immer dann Babys von ihren Müttern getötet werden, wenn eine nicht natürlich gewachsene Gruppenzusammensetzung besteht, die Geburt außerhalb der Gruppe stattfindet und Menschen anwesend sind. Wenn dem Zoo hierzu keine Fehler vorzuwerfen sind, wird er mit der Veröffentlichung des Videos überhaupt keine Probleme haben“, so EndZOO-Sprecher und Zoo-Experte Frank Albrecht abschließend.

Dieser Beitrag wurde unter Halle, Zoo abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Totes Elefantenbaby im Bergzoo Halle

  1. Zoobesucher sagt:

    Hallo Martin,

    der Zoo Halle hat ein schweres Jahr hinter sich. Das totes Elefantenbaby war nicht das erste Mal, dass der Zoo dieses Jahr ein Tier verlor und in die Schlagzeilen geriet.

    Im Frühsommer wurde die Tigerdame „Momoe“ bei einem Paarungsversuch von ihrem Kater so schwer verletzt, dass sie kurz darauf verstarb.

    Dem Zoo wünsche ich für die Zukunft ein „glücklicheres“ Händchen.

    • Martin sagt:

      Es ist immer schwer, wenn Tiere in Zoos sterben. Dabei spielt es oft gar keine Rolle ob Neugeboren, Totgeboren oder langjähriger Zoobewohner. Und der Bergzoo ist nicht der einzige Zoo, der Probleme hat. Ich habe keine Statistik vor Augen, aber es sind einige Jungtiere gestorben. Ob diese größer oder kleiner als die der überlebenden Tiere sind kann ich nicht sagen.
      Nun ja, dieser Beitrag ist schon älter und es ist traurig, dass es in Halle sowohl 2013 als auch 2015 ein totes Kalb gab. Ich hoffe, dass das nächste Kalb überleben wird. Wäre für den Zoo wünschenswert.

Kommentar verfassen