Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

15.10.2013,Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
Wie überlebt Krill den Winter in der Antarktis?
Zweimonatige Tauchexpedition mit FS Polarstern endet in Kapstadt
Forscher des Alfred-Wegener-Instituts konnten gemeinsam mit internationalen Kollegen erstmals Verteilung und Verhalten von jungem Krill unter dem winterlichen Meereis der Antarktis beobachten. Um den Lebenszyklus dieser ökologisch sehr bedeutenden Art zu entschlüsseln, waren 51 Wissenschaftler und Techniker sowie 44 Besatzungsmitglieder 63 Tage mit dem Forschungseisbrecher Polarstern im Weddellmeer unterwegs. Die in Punta Arenas (Chile) gestartete Expedition endet am Mittwoch, den 16. Oktober in Kapstadt (Südafrika).
Jeden Winter bildet das Meereis rund um die Antarktis auf einer Fläche von rund 19 Millionen Quadratkilometer eine feste Oberfläche. Dieses Gebiet ist damit fast doppelt so groß wie die USA, jedoch wegen seiner Abgelegenheit und der unwirtlichen Bedingungen im Winter ein nahezu weißer Fleck auf der Forschungslandkarte. Die Polarstern ist eines der wenigen Schiffe weltweit, das auch im Winter in diese Region vordringen kann – und so in der Lage ist, eines der großen Rätsel der Antarktisbiologie aufzuklären: Wie überlebt Krill den Winter, wenn es im Wasser scheinbar kaum Nahrung gibt?
Der Antarktische Krill (Euphausia superba) ist eine garnelenähnliche Krebsart und spielt eine Schlüsselrolle im gesamten antarktischen Ökosystem. Um ihn in der eisbedeckten Antarktis unter dem Meereis aufzuspüren und genau zu erforschen, hat Expeditionsleiterin Dr. Bettina Meyer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), ein internationales Expertenteam zusammengestellt. Es besteht neben AWI-Kollegen aus Forschern der Australischen Antarktisdivision (AAD), dem Südafrikanischen Department für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei (DAFF), dem Südafrikanischen Environmental Observation Network (SAEON) sowie den Südafrikanischen Universitäten von Grahamstown, Kapstadt und Stellenbosch und der Universität Istanbul (Türkei).
„Der Krill hat zusammengenommen vermutlich die höchste Biomasse aller wildlebenden Tiere auf der Welt“, sagt AWI-Biologin Meyer. Er bildet die Nahrungsgrundlage für Pinguine, Robben und Wale. Das Krillvorkommen hat in den letzten Jahren jedoch deutlich abgenommen. Dieser Rückgang scheint einherzugehen mit Veränderungen im zeitlichen Auftreten und der Ausdehnung des Meereises in wärmer werdenden Teilen der Antarktis.
Um den Krill in seinem Lebensraum direkt zu beobachten, hat der Forschungseisbrecher Polarstern während der Expedition zweimal für etwa zehn Tage an einer großen Eisscholle im Packeis festgemacht. Dort errichteten die Forscher Tauchcamps, von denen aus sowohl Forschungstaucher als auch ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug (ROV) für Messungen und Videoaufnahmen unter das Eis tauchten. „Das Videomaterial ist wirklich außergewöhnlich“, sagt Meyer. „Wir konnten sehen, dass das Eis von unten sehr komplex sein kann und Höhlen und Terrassen bildet, wo sich eine Eisscholle über eine andere geschoben hat. Unter dem Eis gibt es nicht den einen Lebensraum, sondern eine Vielzahl von Mikrohabitaten, so strukturreich wie ein umgedrehtes Riff“, erläutert Dr. Ulrich Freier, Leiter der achtköpfigen wissenschaftlichen Tauchgruppe. „Das Licht, das durch den Schnee und das Eis dringt, reicht aus, um diesem Lebensraum die Atmosphäre einer gotischen Kathedrale zu verleihen, wunderschöne Blau- und Grüntöne des Ozeans verbinden sich mit dem Weiß des Eises, in das fleckenhaft Braun und Gelbtöne eingebettet sind“, sagt Freier, „ein Zeichen, dass die biologischen Prozesse bereits im Spätwinter der Südhalbkugel in vollem Gange sind.“ Dr. Klaus Meiners von der AAD fügt hinzu: „Diese Farben stammen von Algen, die im Eis wachsen.“ Er manövrierte ein Radiometer mit dem ROV unter das Eis, das das Lichtspektrum der einfallenden Strahlung misst. So ist es möglich, die Biomasse der im Eis lebenden Algen zu quantifizieren.
Die Forscher konnten Krilllarven und juvenilen Krill in großen Schwärmen beobachten, die sich eng an das Eis hielten. An einigen Stellen erreichte der Krillnachwuchs eine Dichte von 10.000 Tieren pro Quadratmeter. „Die Verteilung der Tiere ist sehr unregelmäßig. Die Tiere scheinen die Höhlen und Terrassen zu bevorzugen, die durch überlagerte Eisschollen gebildet werden. Sie bieten geschützte Regionen, in denen die Larven fressen und sich vor Verdriftung schützen können“, sagt AWI-Biologin Meyer.
Tagsüber filmten die Forscher Krill, der direkt am Eis fraß. Nachts war das Bild jedoch anders: Die Tiere verließen die Eisunterseite und hielten sich in den obersten 20 Metern in der Wassersäule auf – möglicherweise um sich vor Fraßfeinden zu schützen, die im Dunkeln an die Oberfläche kommen. „Wir konnten erstmals solche tageszeitlichen Wanderungen junger Stadien des Krills beobachten“, erläutert Dr. Mathias Teschke vom Alfred-Wegener-Institut. „Die Wanderungen in der Wassersäule zwischen Tag und Nacht deuten darauf hin, dass Krilllarven eine steuernde innere Uhr haben könnten“, vermutet der Chronobiologe Teschke. Weitere Aufschlüsse soll ihm die genetische DNA-Analyse von Larven bringen, die er zu diesem Zweck eingefroren mit ins Bremerhavener AWI-Labor bringen wird.
Die Ergebnisse der Expedition bestätigen die Bedeutung von Meereis für den Lebenszyklus des Krills. Laut Expeditionsleiterin Meyer könnte neben der Ausdehnung des Meereises auch der Zeitpunkt der Eisbildung eine entscheidende Rolle spielen: „Krill scheint auf Meereis angewiesen zu sein, das ausreichend früh im Jahr gebildet wird. Es kann einerseits hohe Mengen Biomasse einschließen und schiebt sich andererseits übereinander und bildet so die Mikrohabitate, die der Krill bevorzugt.“ Bei der Prognose der Effekte des Klimawandels im Ökosystem Antarktis müssen die Forscher solche komplexen Wechselwirkungen mit berücksichtigen.
Die Polarstern wird nach viereinhalb Monaten in der winterlichen Antarktis jetzt zu routinemäßigen Wartungs- und Reparaturarbeiten in Kapstadt in die Werft gehen. Am 9. November soll planmäßig die Sommersaison mit einer fünfwöchigen Expedition in den Südatlantik beginnen. Ihren Heimathafen Bremerhaven läuft die Polarstern im April 2014 nach eineinhalb Jahren auf der Südhalbkugel wieder an.

15.10.2013, Max-Planck-Institut für Ornithologie
Musik aus dem Regenwald
Seit langer Zeit spekulieren Philosophen, Kulturwissenschafter und Naturforscher über den Ursprung menschlicher Musik. Nun haben Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und des Cornish College of the Arts in den USA verblüffende Parallelen zwischen unserer Musik und dem Gesang eines Vogels aus dem Amazonasregenwald entdeckt. Flageolettzaunkönige benutzen in ihrem Gesang häufiger konsonante als dissonante Intervalle, was dazu führt, dass er auf Menschen sehr musikalisch wirkt. Die Musikalität der Vögel geht aber noch viel weiter: Sie singen hauptsächlich perfekte Konsonanzen (Oktaven, reine Quinten und Quarten), was zuvor noch nie bei einer Tierart beobachtet wurde.
Der Flageolettzaunkönig (Cyphorhinus arada) aus dem Amazonasgebiet heißt auf Englisch „musician wren“ und trägt diesen Namen zurecht, wie jetzt die Komponistin und Musikwissenschaftlerin Emily Doolittle und der Biologe Henrik Brumm in einer zoomusikologischen Studie herausgefunden haben. Die Tiere benutzen in ihrem Gesang die gleichen Intervalle, die in vielen menschlichen Kulturen als konsonant empfunden werden. Konsonanzen werden als gut zueinander passend, ruhig und stabil klingend wahrgenommen und sind die Grundlage der Tonarten in der Abendländischen Musik. Da die Flageolettzaunkönige perfekte konsonante Intervalle wie Oktaven, Quinten und Quarten bevorzugen, zeigt ihr Gesang eine sehr erstaunliche formale Ähnlichkeit mit menschlicher Musik.
Tatsächlich fanden die Wissenschaftler im Gesang der Flageolettzaunkönige Passagen, die geradezu verblüffende Ähnlichkeiten mit Motiven haben, die z.B. Bach und Haydn in ihren Kompositionen verwendet haben. “Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Flageolettzaunkönig in einer bestimmten Tonart singt, so wie es ein Mensch tun würde. Die Vorliebe der Vögel für perfekte Intervalle führt dazu, dass die aufeinanderfolgenden Töne seines Gesangs auf Menschen den Eindruck erwecken, als ob sie einer Tonleiter folgen“, sagt Emily Doolittle. Die Komponistin vom Cornish College of the Arts in den USA verbrachte ein Forschungssemester am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen, wo sie zusammen mit dem Naturwissenschaftler Henrik Brumm die Beziehungen von Musik und Vogelgesang untersucht hat. Ein Höhepunkt dieses interdisziplinären Austausches zwischen Kunst und Wissenschaft stellte die Uraufführung von Doolittles durch Vogelgesänge inspirierten Kompositionen in der Bayrischen Staatsoper dar.
In der jetzt veröffentlichten Forschungsarbeit wird deutlich, dass der Gesang des „Uirapuru“, so der portugiesische Namen für den Flageolettzaunkönig, immer wieder in der brasilianischen Musik vorkommt. Der Komponist Heitor Villa-Lobos hat 1917 sogar ein Ballettstück namens Uirapuru geschrieben. Ihm nah verwandten Vogelarten wurden solche Ehrungen nicht zuteil: Sie haben simplere Gesänge und vor allem fehlen die musikalischen Intervalle, wie Doolittle und Brumm jetzt herausgefunden haben. Die beiden Wissenschaftler zeigten in einem biopsychologischen Experiment, dass tatsächlich die besonders harmonischen Intervalle im Gesang der Flageolettzaunkönige dazu führen, dass Menschen genau diese Vogelart als außergewöhnlich musikalisch wahrnehmen. Dazu testeten sie 91 Probanden mit von einem Synthesizer generierten Tonfolgen. Das Ergebnis war eindeutig: Im Vergleich zu denselben Tönen, allerdings in anderer Reihenfolge, wurden die Melodien der Flageolettzaunkönige als besonders musikalisch empfunden.
“Unsere Befunde erklären, warum diese Vogelart so eine prominente Rolle in der Mytholgie und Kunst spielt. Unsere Entdeckung bedeutet aber nicht, dass Vogelgesang generell wie menschliche Musik aufgebaut ist – es gibt ungefähr 4000 verschiedene Singvogelarten und jede hat ihre eigene Art zu singen, einige sind dabei geradezu unmusikalisch,“ sagt Henrik Brumm, Forschungsgruppenleiter in Seewiesen.
Rätselhaft bleibt, wie die Vögel selbst ihren Gesang wahrnehmen und ob sie ein Konzept von Konsonanz, Tonart oder Motiv haben. Diese Fragen sind besonders im Hinblick auf eine mögliche Evolution menschlicher Musik interessant.
Originalveröffentlichung:
Emily Doolittle & Henrik Brumm: O Canto do Uirapuru: Consonant intervals and patterns in the song of the musician wren. Journal of Interdisciplinary Music Studies. Online veröffentlicht am 15.10.2013 (Open Access, pdf verfügbar unter http://www.musicstudies.org/)

15.10.2013, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Asiatische Tigermücke wiederholt in Süddeutschland aufgetaucht
Hamburg/Regensburg/Waldsee, 15. Oktober 2013 – Erneut ist die asiatische Tigermücke Aedes albopictus sowohl in Baden-Württemberg als auch in Bayern aufgetaucht. Im Rahmen eines groß angelegten Überwachungsprogramms des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, Hamburg, und zahlreicher Kooperationspartner gingen gleich mehrere Exemplare dieser Stechmückenart an verschiedenen Autobahnraststätten den Wissenschaftlern in die Falle.
Die asiatische Tigermücke Aedes albopictus ist Überträger verschiedener tropischer Viruserkrankungen, insbesondere des Dengue-Fiebers. Sie hat sich im Zuge der Globalisierung des internationalen Warenhandels von Asien über weite Teile der Welt ausgebreitet. Auch in einigen Ländern Europas südlich der Alpen ist die asiatische Tigermücke mittlerweile fest etabliert.
Um Einschleppungen nach Deutschland frühzeitig zu erfassen, führt das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) zusammen mit verschiedenen universitären und außeruniversitären Kooperationspartnern seit April 2012 umfangreiche Überwachungsmaßnahmen durch, die vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) unterstützt werden: An den möglichen Einfallspforten wie Flughäfen, Bahnhöfen und Autobahnen stellten die Wissenschaftler Mückenfallen auf. Dabei fingen sie in den Sommermonaten 2012 und 2013 an verschiedenen Rastplätzen entlang der Autobahnen A5 und A93 über 30 Exemplare der asiatischen Tigermücke und identifizierten mehrere Eigelege. „Offenbar stammen die Mücken aus Italien und sind als blinde Passagiere mit dem Güterverkehr über die Schweiz beziehungsweise Österreich nach Deutschland gekommen“, erklärt Prof. Egbert Tannich vom BNITM, der die Überwachungsmaßnahmen koordiniert.
Bereits in den vergangenen Jahren wurden gelegentlich einzelne Exemplare der asiatischen Tigermücke in Baden-Württemberg gefunden. „Das zeitgleiche Auftreten dieser Mücke an mehreren Standorten und jetzt regelmäßig auch in Bayern könnte ein Hinweis sein, dass die Einschleppung von Aedes albopictus nach Deutschland immer häufiger passiert“, vermutet Dr. Andreas Rose von der Firma Biogents AG in Regensburg, Leiter der Untersuchungen in Bayern.
Schnelles Handeln gegen die Ausbreitung
Gleich nach Bekanntwerden der Funde intensivierten die Wissenschaftler vor Ort die Überwachung und beseitigten Eigelege und potentielle Brutstätten der Mücken. „Wir hoffen, dass die frühe Erfassung und die schnelle Reaktion eine weitere Ausbreitung der Mücken verhindert hat“, sagt Prof. Norbert Becker, Leiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) in Waldsee, der für die Fänge in Baden-Württemberg verantwortlich ist.
Keine der gefangenen Mücken enthielt tropische Viren, wie Untersuchungen am BNITM bestätigen. In der kalten Jahreszeit von November bis April sei nicht mit weiteren Mückenfunden zu rechnen, beruhigt Tannich. Daher bestehe aktuell keine Gesundheitsgefahr für den Menschen.

16.10.2013, Veterinärmedizinische Universität Wien
Studie fehlinterpretiert – Katzenhalter können ihre Vierbeiner ruhig streicheln
In einer kürzlich veröffentlichten Studie im Fachjournal „Physiology & Behavior“ untersuchte ein internationales Forscherteam, ob Katzen in Mehrkatzenhaushalten gestresster sind als alleine gehaltene Katzen. Viele Medien reagierten auf die Studienergebnisse mit einer falschen Interpretation der Ergebnisse und titelten unter anderem mit „Katzen hassen Streicheln“. Der Mitautor Rupert Palme vom Institut für Medizinische Biochemie der Veterinärmedizinischen Universität Wien klärt auf: „Tatsächlich genoss es die Mehrheit der Katzen gestreichelt zu werden. Nur Tiere, die es eigentlich nicht mögen, aber trotzdem über sich ergehen lassen, sind dabei gestresst.“
Eigentlich ging es in der Studie darum, ob Katzen gestresster sind, wenn sie in größeren Gruppen in einem Haushalt zusammen leben, oder ob gerade das den Stress verringert. Beides konnte in der vorgelegten Studie nicht bestätigt werden. Die Anzahl der Katzen pro Haushalt hat keinen Einfluss auf den Stress der Tiere. Stress bei Hauskatzen hängt eher von der Sozialisierung der Tiere ab, von der Beziehung zum Menschen, von den zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten oder auch vom Zugang zu Nahrung.
Jede Katze fühlt und reagiert anders
Die Forscher untersuchten 60 Katzenhaushalte mit insgesamt 120 Katzen in Brasilien. Diese wurden in drei verschiedene Kategorien eingeteilt: Gruppe I: 23 Single-Katzenhaushalte; Gruppe II: 20 Mehrkatzenhaushalte mit je zwei Katzen; Gruppe III: 17 Mehrkatzenhaushalte mit drei bis vier Katzen. Die Katzenbesitzer wurden nach dem Temperament ihrer Vierbeiner gefragt und konnten zwischen „herrisch“, „ängstlich“ oder „entspannt“ wählen. Zusätzlich gaben die Tierbesitzer für jede einzelne Katze an, wie gern diese gestreichelt wird. Den Stresslevel der Tiere erhoben die Forscher, indem sie Kotproben der einzelnen Tiere einsammelten und auf Abbauprodukte der Stresshormone untersuchten.
Großteil der Katzen lässt sich gerne streicheln
85 der 120 untersuchten Katzen mochten es gestreichelt zu werden. So wurde es zumindest von den jeweiligen Katzenhaltern beschrieben. Die wenigen, die es laut Besitzer nicht mochten, entzogen sich wahrscheinlich dem „Streichler“. Die restlichen 13 Tiere „tolerierten“ das Streicheln und waren dabei gestresster als ihre Artgenossen. „Genau diese 13 Tiere haben möglicherweise zur Fehlinterpretation der Studie geführt“, erklärt Palme, „Katzen sind keinesfalls grundsätzlich gestresst, wenn sie gestreichelt werden. Das hängt viel mehr von der Situation und vom Charakter des einzelnen Tieres ab.“
Der Wissenschafter ao.Univ.Prof. Rupert Palme vom Institut für Medizinische Biochemie an der Vetmeduni Vienna war im Rahmen der Studie für die Analyse der Kotproben verantwortlich.
„Are cats /Felis catus) from multi-cat households more stressed? Evidence from assessment of fecal glucocorticoid metabolite analysis” von D. Ramos, A. Reche-Junior, P.L. Fragoso, R. Palme, N.K. Yanasse, V.R. Gouvêa, A. Beck und D.S. Mills wurde am 8. September im Journal Physiology & Behavior veröffentlicht und ist unter folgendem Link abrufbar: http://dx.doi.org/10.1016/j.physbeh.2013.08.028

17.10.2013, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
Flucht vor der Wärme: Der Atlantische Kabeljau erobert die Arktis
Der Atlantische Kabeljau ist im Zuge des Klimawandels so weit Richtung Norden gewandert, dass er inzwischen sogar in den Gewässern Spitzbergens in großen Mengen vorkommt.
Zu diesem Ergebnis kommen Biologen des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), nach einer Expedition in jenes arktische Meeresgebiet, das einst vom Polardorsch dominiert wurde. Die Wissenschaftler wollen jetzt untersuchen, ob es zwischen den beiden Dorscharten zu einem Konkurrenzkampf kommt und welche sich besser an die veränderten Lebensbedingungen in der Arktis anpassen kann.
August 2013, das deutsche Forschungsschiff Heincke steuert die Gewässer vor der nordöstlichen Küste Spitzbergens an. An Bord bereiten sich sechs Biologen des Alfred-Wegener-Instituts auf den ersten Fischzug ihrer Arktisexpedition vor. Sie wollen in Höhe des 80. Breitengrades junge Atlantische Kabeljaue und Polardorsche fangen. Doch als das Schiff sein Zielgebiet erreicht, zeigt das Thermometer eine Wassertemperatur von 4,5 Grad Celsius an. Viel zu warm für den Polardorsch, der Temperaturen um 0 Grad Celsius bevorzugt. „Diese warmen Wassermassen stammen aus dem Atlantik und überlagern in den Sommermonaten die kalten arktischen Wassermassen aus der Barentssee in den Fjorden“, sagt Dr. Felix Mark, Biologe am Alfred-Wegener-Institut.
Er leitet die Schiffsexpedition in die Arktis. Gemeinsam mit seinen AWI-Kollegen und einem Doktoranden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf möchte er die Verbreitung von Atlantischen Kabeljauen und Polardorschen in den Fjorden Spitzbergens untersuchen. Nach dem ersten Fischzug aber zappeln hauptsächlich junge Kabeljaue im Netz. Ein Zeichen grundlegender Veränderungen in der Arktis. „Die steigenden Wassertemperaturen führen dazu, dass der Atlantische Kabeljau hier optimale Lebensbedingungen vorfindet. Wir gehen davon aus, dass diese Art, die einst auch in der Nordsee heimisch war, schon jetzt das wärmere Oberflächenwasser rund um Spitzbergen dominiert“, erklärt Dr. Felix Mark.
Für ihn stellt sich jetzt die Frage, ob und in welchem Ausmaß der Atlantische Kabeljau und der Polardorsch in einem Konkurrenzkampf zueinander stehen und inwiefern die zunehmende Versauerung des Meeres eine mögliche Rivalität beeinflusst. „Die Ozeanversauerung wirkt sich vermutlich nicht nur auf die Körperfunktionen beider Fischarten aus, sie beeinflusst auch ihre Beutetiere“, sagt Dr. Felix Mark.
Während der Kabeljau Jagd auf verschiedene Ruderfußkrebse, auf Flügelschnecken und auch auf kleine Fische macht und damit einen vielseitigen Speiseplan besitzt, stellt der Polardorsch nur bestimmten Krebsarten nach. Würden diese jedoch im Zuge der zunehmenden Versauerung der arktischen Gewässer nur noch in kleinen Mengen vorkommen, hätte der Polardorsch das Nachsehen. „Das Ziel unserer Expedition nach Spitzbergen war es deshalb, Kabeljaue, Polardorsche und ihre Hauptbeute, die Ruderfußkrebse, zu fangen und die Tiere lebendig nach Bremerhaven zu transportieren. Erst so haben wir die Chance, im Labor zu untersuchen, wie die Fische und das Zooplankton auf einen sinkenden pH-Wert des Wassers reagieren“, sagt der Biologe.
Er und seine Kollegen vermuten, dass sich der Kabeljau besser an das saurer werdende Wasser anpassen kann und auf diese Weise in der Lage sein wird, den Polardorsch aus dem gemeinsamen Lebensraum zu verdrängen. „Ein solcher Konkurrenzkampf hätte weitreichende Folgen für das arktische Ökosystem, denn der Polardorsch ist ein wichtiger Bestandteil des arktischen Nahrungsnetzes und Futter für andere Fischarten, sowie Vögel und Meeressäuger wie Wale oder Robben“, sagt Dr. Felix Mark.
Die Untersuchungen zum Atlantischen Kabeljau und Polardorsch sind Teil des nationalen Forschungsprojektes zur Ozeanversauerung, BIOACID. Der Name steht als Akronym für „Biological Impacts of Ocean Acidification“, unter dessen Schirm 14 Institute untersuchen, wie marine Lebensgemeinschaften auf Ozeanversauerung reagieren und welche Konsequenzen dies für das Nahrungsnetz, die Stoff- und Energieumsätze im Meer sowie schließlich auch für Wirtschaft und Gesellschaft hat. Im Rahmen dieses Programms leitet Dr. Felix Mark das so genannte Fisch-Konsortium.

17.10.2013, Universität Kassel
Forschungsprojekt bringt bedrohte Pflanzen und Tierrassen auf den Tisch
Hier sind Restaurantgäste Forschungsteilnehmer: Ein Projekt der Universität Kassel untersucht, wie Genuss und der Erhalt von Sorten- und Rassenvielfalt zusammenpassen.
Ob Pommersche Landschafe oder Palmkohl: Alte Pflanzensorten und Tierrassen erhalten durch ein Forschungsprojekt der Universität Kassel derzeit neue Aufmerksamkeit. In acht ausgewählten Restaurants in ganz Deutschland (s.u.) können Gäste Gerichte mit diesen Spezialitäten probieren – und im Rahmen eines Forschungsprojektes ihre Meinung dazu äußern. Ziel des Projekts ist es, zum Erhalt alter Sorten und Rassen beizutragen.
Wieso Erhalten und Aufessen zusammen gehören, erklärt Christina Bantle Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Agrar- und Lebensmittelmarketing der Universität Kassel: „Damit es alte Sorten und regionale Tierrassen auch in Zukunft noch gibt, müssen sich Anbau oder Haltung für die Erzeuger wieder lohnen. Doch das funktioniert nur, wenn wieder mehr Menschen diese Produkte wertschätzen und kaufen.“ Momentan verschwinden viele alte Sorten und Rassen.
In dem Projekt, das vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft gefördert wird, sind deshalb engagierte Gastronomen gefragt. Die hat Christina Bantle, die das Projekt koordiniert, über ganz Deutschland verteilt gefunden. Für einen Monat, größtenteils bis Ende Oktober, bieten die Restaurants Gerichte mit alten Sorten oder Rassen an; die Zutaten beziehen sie direkt von Erzeugern aus ihrer Region. „In Köln gibt es Fleisch vom Roten Höhenvieh, das ist typisch für die Mittelgebirge. Ein Restaurant in Rostock bietet ein Gericht vom Rauhwolligen Pommerschen Land-Lamm an“, erzählt Christina Bantle. Haferwurz und andere seltene Wurzelgemüse gibt es z.B. in Blunk bei Schleswig-Holstein. Das Restaurant dort bezieht sein Gemüse von der Gärtnerei „Wilde Kost“, die sich auf alte Sorten spezialisiert hat. Die Inhaberin der Gärtnerei, Anja Christiansen, hat gute Gründe für den Anbau alter Sorten: „Unsere Flächen grenzen ans Tarbeker Moor. Moderne Sorten wachsen hier nicht, die sind auf Masse gezüchtet und brauchen viele Nährstoffe. Die alten Sorten, die wachsen hier gut.“
In den am Projekt teilnehmenden Restaurants informieren Einleger in der Speisekarte oder Aufsteller auf den Tischen die Gäste über das Projekt und jeder darf einen Fragebogen ausfüllen, mit dem seine Einstellung zu dem Thema abgefragt wird. Ein Gast in der Kantine Vauban in Freiburg, die einen Monat lang alte Gemüsesorten anbietet, findet es wichtig, dass alte Sorten erhalten werden. „Erstens schmecken die besser“, sagt er, außerdem will er die großen Agrarkonzerne nicht unterstützen.
„Als Gast im Restaurant kann man ganz einfach dazu beitragen, alte Sorten und Rassen und damit auch ein Stück regionale Identität zu erhalten: Indem man diese Dinge genießt“, fasst Christina Bantle zusammen. Sie hofft, dass möglichst viele Leute auf den Geschmack kommen – und es dadurch in Zukunft weiterhin eine große Vielfalt zu erleben gibt.
Teilnehmende Restaurants: Landhaus Schulze-Hamann, Segeberger Straße 32, 23813 Blunk; Hafenrestaurant Borwin, Am Strande 2, 18055 Rostock; Landhotel Am Rothenberg, Rothenbergstraße 4, 37170 Uslar; Gasthaus Zum Rabenauer Grund, Somsdorfer Straße 6, 01705 Freital; Kantine, Marie-Curie-Str. 1, 79100 Freiburg; Restaurant Rose, Ortsstraße 13, 74541 Vellberg; Mercato deluxe, Bremer Straße 5, 50670 Köln; Restaurant Schönblick, Berliner Straße 48, 15569 Woltersdorf.

17.10.2013, Hochschule Osnabrück
Hochschule Osnabrück: Internationales Netzwerk „Pferdewissen“ gegründet
Die Hochschule Osnabrück will mit vier weiteren Hochschulen aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden den internationalen Wissensaustausch von Studierenden der Pferdewissenschaften fördern.
(Bern/Osnabrück, 17. Oktober 2013) Seit Jahren nehmen die Pferdebestände zu: Freizeitverhalten und boomender Pferdesport haben dazu geführt, dass es allein in Deutschland etwa 1,2 Million Pferde gibt. In den Niederlanden sind es rund 400.000, in der Schweiz 100.000 Pferde. Die Branche ist deshalb auf fundiert ausgebildete Pferdewissenschaftlerinnen und Pferdewissenschaftler angewiesen. Die Hochschulen tragen diesem Bedürfnis Rechnung – die Hochschule Osnabrück bietet zum Beispiel seit 2008 einen Studienschwerpunkt Pferdemanagement im Studiengang Landwirtschaft an.
Doch die Branche hat sich zunehmend internationalisiert. Während der Austausch unter Wissenschaftlern mit diesem Trend mitgehalten hat, fehlte bislang eine Initiative auf der Stufe eines Studierendenaustauschs. Das soll sich mit dem Netzwerk „Pferdewissen“, das die Hochschule Osnabrück, die Hochschule Nürtingen-Geislingen, die Universität Göttingen, die Hochschule Van Hall Larenstein (Niederlande) und die Berner Fachhochschule – Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Schweiz) jetzt gegründet haben, ändern. „Ziel des Netzwerkes ist es, den Austausch unter den Hochschulen zu fördern und Synergien zu nutzen“, unterstreicht Prof. Dr. Heiner Westendarp, Koordinator des Studienschwerpunktes Pferdemanagement an der Hochschule Osnabrück.
Neben der aktiven Bewerbung von Auslandsstudiensemestern im Rahmen des ERASMUS-Programms planen die Hochschulen gemeinsame wissenschaftliche Tagungen für die Studierenden der fünf Hochschulen sowie einen Themenaustausch für Abschlussarbeiten. Zudem wollen die Hochschulen mittelfristig den angehenden Pferdewissenschaftlerinnen und Pferdewissenschaftlern den Zugang zu weiteren Arbeitsmärkten erleichtern, etwa mit Job-Plattformen. „Internationale Erfahrung gewinnt auch in den Pferdewissenschaften immer mehr an Bedeutung“, so Prof. Dr. Conny Herholz von der Berner Fachhochschule. „Mit dem Netzwerk schaffen wir für Studierende und die Branche noch bessere Perspektiven.“

18.10.2013, NABU
Ein echter Europäer hat gut lachen
Der Grünspecht ist „Vogel des Jahres 2014“
Der NABU und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den farbenprächtigen Grünspecht (Picus viridis) zum „Vogel des Jahres 2014“ gekürt. Auf den „Meckervogel“ 2013, die Bekassine, folgt damit der „Lachvogel“: Wegen seines markanten Rufs, der wie ein gellendes Lachen klingt, erhielt er diesen Beinamen.
„Im Gegensatz zur vom Aussterben bedrohten Bekassine hat sich der Bestand des Grünspechts in Deutschland erholt: Er liegt derzeit bei über 42.000 Brutpaaren und damit mehr als doppelt so hoch wie vor 20 Jahren“, sagt NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. Diese Entwicklung sei unter Deutschlands häufigen Vogelarten einmalig.
Seine Bestandserholung verdankt der Grünspecht einer Reihe von milden Wintern und einer zunehmenden Einwanderung in städtische Grünflächen. „Die letzten drei kalten Winter haben jedoch gezeigt, dass es auch für ihn schnell wieder abwärts gehen kann. Der Verlust von Streuobstwiesen und extensiv genutztem Grünland, beispielsweise durch Umbruch in neue Maisanbauflächen, verschlechtert die vorhandenen Lebensräume, so dass Bestandserholungen wie in den vergangenen Jahrzehnten in Zukunft immer schwieriger werden “, so Opitz weiter.
Trotz seines auffälligen Lachens und farbenfrohen Gefieders ist der Grünspecht nicht leicht zu entdecken. Die rote Kappe und die schwarze Augenmaske bescherten ihm schon den liebevollen Spitznamen „Zorro“. Er findet überall ein Zuhause, wo es alte Bäume zum Bau von Nisthöhlen und Grünland mit ausreichend Ameisen als Futter gibt. Mit seinem Schnabel und der bis zu zehn Zentimeter langen klebrigen Zunge kann er seine Leibspeise aus dem Boden oder aus den Bäumen herausholen. Zentrale Merkmale des Grünspechts sind sein freudiger Gesang und sein dynamisch, meist mehrsilbiger Ruf, der einem gellenden Lachen gleicht: „kjückkjückkjück“. Dieser ist zu jeder Jahreszeit zu hören. Zur Balzzeit baut der Grünspecht diesen Ruf zu einer langen Gesangsstrophe aus. Er ist nach dem Buntspecht und vor dem Schwarzspecht die zweithäufigste Spechtart Deutschlands. Aufmerksame Beobachter können ihn in halboffenen Waldlandschaften, Gärten und Parks oder auf Streuobstwiesen und Brachen finden – überall dort, wo Grünland mit alten Bäumen vorkommt.
Besonders geeignete Bedingungen findet der Grünspecht unter anderem auf Streuobstwiesen. Die Fläche dieses Lebensraums ist jedoch in ganz Deutschland dramatisch zurückgegangen. „Um den Lebensraum des Grünspechts besser zu schützen, sollte konsequent auf Pestizide in Hausgärten, auf Streuobstwiesen und städtischen Grünanlagen verzichtet werden. Dazu wollen wir im kommenden Jahr unsere Arbeit und Gespräche intensivieren, denn die länderpolitische Unterschutzstellung von Streuobstwiesen und eine Erhöhung der Forschungsgelder für den Streuobstbau müssen vorangetrieben werden“, sagte LBV-Vorsitzender Ludwig Sothmann. Da Streuobstwiesen für den Grünspecht immer seltener zu finden sind, hat die Vogelart stattdessen den Siedlungsraum für sich entdeckt – hier nehmen ihre Bestände zu. Im städtischen Bereich bieten besonders alte Parks, Industriebrachen, Ortsränder und Gegenden mit altem Baumbestand ideale Bedingungen für den Grünspecht.
Übrigens ist der Grünspecht ein echter Europäer: Mehr als 90 Prozent seines weltweiten Verbreitungsgebietes befinden sich in Europa. Hier besiedelt er fast den ganzen Kontinent, mit Ausnahme Irlands, Teilen Skandinaviens und den nördlichen und östlichen Teilen des europäischen Russlands. Der europäische Bestand des Grünspechts wurde im Jahr 2004 auf insgesamt rund 860.000 Brutpaare geschätzt.
NABU und LBV setzen sich seit Jahren für den Schutz von Grünlandflächen ein. Denn durch die Intensivierung der Landwirtschaft und dem Anbau von Mais zur Energiegewinnung verlieren der Grünspecht und andere Vogelarten zunehmend ihren Lebensraum und ihre Nahrungsgrundlage. Damit sich der Bestand des Grünspechtes weiterhin positiv entwickeln kann, müssen extensives Grünland zur Nahrungssuche und dicke Bäume zur Höhlenanlage erhalten werden, und zwar sowohl im Wald und Flur als auch in Gärten und Parks.

Und hier die Pressemitteilung des Landesbund für Vogelschutz:

18.10.2014, LBV
Grünspecht – der Vogel des Jahres 2014
Der farbenprächtige Grünspecht hat gut Lachen
Normalerweise stellen wir Ihnen als Jahresvogel eine bedrohte Art und einen gefährdeten Lebensraum vor. Diesmal ist es anders. Als einzige der häufigeren Vogelarten in Deutschland hat der Grünspecht zwischen 1991 und 2010 stark zugenommen. Mit der Jahresvogelwahl möchten wir diesmal eine weitgehend positive Entwicklung zeigen.
Seiner Stimme verdankt der Grünspecht den Namen „lachender Specht“. Er darf sich über seine Bestandszunahme freuen. Seine Lebensräume spielen hierbei eine große Rolle: Er ist vielseitig und lebt in lichten Wäldern, auf Streuobstwiesen, Brachflächen und in Gärten und Parks.
Liebevolle Spitznamen und ein ansteckendes Lachen
Obwohl der Grünspecht so auffällig lacht, ist er von seinem Wesen eher scheu. Wer ihn aus der Nähe ansehen möchte, sollte ausdauernd sein. Beobachten lässt er sich am besten bei seiner routinierten Ameisensuche. Mit seinem kantigen Schnabel bohrt er Löcher in Wiesen und holt seine Leibspeise mit seiner langen Zunge aus dem Boden. Sein farbenprächtiges Gefieder erfreut uns und sorgt für Aufmerksamkeit. Die rote Kappe und die schwarze Augenmaske bescherten ihm schon liebevolle Beinamen wie „Zorro“ oder „der Specht mit der Räubermaske“.
Der Grünspecht macht sich besonders durch seinen Gesang und seine Rufe bemerkbar. Sein dynamischer, meist mehrsilbiger Ruf gleicht einem gellenden Lachen: „kjückkjückkjück“. Man kann ihn das ganze Jahr über hören. Er wird oft im Flug geäußert. Zur Balzzeit baut der Grünspecht diesen Ruf zu einer langen lachenden Strophe aus, seinem Gesang: „klüklüklüklüklü“. Der Grünspecht singt, um sein Revier abzustecken und um Weibchen anzulocken. Neben diesem Gesang bringt der Grünspecht nur selten einen der bekannten Trommelwirbel hervor, die bei anderen Spechtarten die Hauptform der Revierabgrenzung darstellen.

18.10.2013. NABU
Steine für Sonnenanbeter
Erhalt von Magerrasen und Heideflächen für Zauneidechse und Heidelerche
Einst landschaftsprägende Heidegebiete mit ihrer charakteristischen Pflanzen- und Tierwelt sind heute aus unserer Landschaft bis auf wenige, inselartige Restflächen verschwunden. Sie wurden im Verlauf der letzten 200 Jahre weitgehend aufgeforstet oder in Acker umgewandelt. Auf Usedom finden sich Heideflächen und Magerrasen nennenswerter Ausdehnung nur noch im Süden der Insel. Vor allem in der Mellenthiner Heide befanden sich ehemals große zusammenhängende Bereiche ehemaliger Landwirtschaftsflächen, die aus der regulären Ackernutzung genommen wurden, weil sie als unrentabel galten. Auf ihnen konnte sich die typische Artengemeinschaft der Heiden, Trocken – und Magerrasen entwickeln. Aber durch die zunehmende Flächenspekulation der letzten Jahre sind diese Lebensräume bedroht. Der NABU Mecklenburg-Vorpommern engagiert sich für den dauerhaften Schutz dieser Flächen und beabsichtigt, diese als Naturschutzflächen zu erwerben.
Außerdem hat der NABU im Rahmen eines vom Land Mecklenburg-Vorpommern geförderten Naturschutzprojektes dortige Heideflächen und typische Strukturelemente wie Steinhaufen und Trockenmauern wiedergestellt. Durch diese Maßnahmen sollen die Lebensräume typischer Tier- und Pflanzenarten erhalten werden.
Schonende Beweidung
So haben Heidelerche, Neuntöter und Ziegenmelker in der Mellenthiner Heide ihren Verbreitungsschwerpunkt auf Usedom. Auch Wendehals, Steinschmätzer und Braunkehlchen brüten hier. Sogar die Zauneidechse, die aus vielen Regionen Deutschlands mittlerweile verschwunden ist, hat hier noch stabile Vorkommen. Sie ist eine besonders geschützte Art und gilt in Mecklenburg-Vorpommern als stark gefährdet. Grund ist vor allem die Verbuschung und Wiederaufforstung geeigneter Lebensräume sowie die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung und dem damit einhergehenden Verdrängen wertvoller Strukturelemente wie Steinhaufen, die sowohl Sonn-Plätze als auch Winterquartiere der gefährdeten Reptilien sind.
Um diese Strukturvielfalt wieder zu erhöhen, hat der NABU Mecklenburg-Vorpommern auf Teilflächen mittlerweile Lesesteinhaufen und Einzelgeschiebe platziert. Außerdem wurden Trockenmauern eingerichtet und in sonnigen Lagen Findlinge positioniert. Derzeit werden feste Zäune gesetzt, um eine zukünftige schonende Beweidung der Flächen zu ermöglichen. Ohne Beweidung oder Mahd würden sich bald Hochstauden und Sträucher ausbreiten und die niedrig wachsenden Gräser und Kräuter verdrängen. Damit ginge auch der Lebensraum für die zahlreichen geschützten Tier- und Pflanzenarten verloren.

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