Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

21.10.2013, Agrar-Presseprotal (agrar-PR)
Ein tierischer Energiesparmodus
Hirsch, Fuchs & Co wappnen sich für den Winter, der Mensch ist oft Störfaktor
Erfurt (agrar-PR) – Ab Mitte Oktober wird das Nahrungsangebot im Wald knapper, die Nachttemperaturen sinken immer öfter unter null Grad. Die Tiere des Waldes bereiten sich jetzt auf den Winter vor, das große Energiesparen im Wald steht an. Dabei hat jede Art ihre eigene Überlebensstrategie. Ein hochinteressantes Neben- und Miteinander von Freund und Feind, bei dem auch der Mensch eine wichtige Rolle spielt.
„Igel, Haselmaus und Siebenschläfer haben die markanteste Überlebensstrategie: sie verschlafen vier bis sieben Monate lang einfach den kalten Winter in einem sicheren Versteck auf oder im Waldboden“, erläutert ThüringenForst-Vorstand Henrik Harms, mit knapp 200.000 ha größter Waldbesitzer im Freistaat. Die Winterschläfer senken ihre Körpertemperatur, setzen den Stoffwechsel drastisch herab und verbrauchen so ein Minimum an Energie. Und wenn der Winter nicht zu lange ist, reichen die im Herbst angelegten körpereigenen Fettreserven auch aus. Eichhörnchen, Biber und Waschbär haben es da nicht so einfach. Sie beginnen zwar auch das große Schlafen im Wald, wachen aber regelmäßig auf um zu fressen. Sie halten Winterruhe, in dem sie die Körpertemperatur aufrechterhalten, aber die Herzschlagfrequenz vermindert – ein weiterer Energiesparmodus der Natur. Frosch, Kröte und Ringelnatter sind wechselwarme Tiere und verfallen in eine Kältestarre. Ihr Körper nimmt die Umgebungstemperatur an, eine völlig andere Überlebensstrategie. Die Tiere produzieren hierzu eine Glyzerinverbindung, um ein Gefrieren der Körperflüssigkeit zu verhindern – gleichsam ein Frostschutzmittel. Aber selbst vermeintlich „winterharte“ Waldtiere wie etwa Rotwild, Rehwild oder Wildschweine haben ihren eigenen Energiesparmodus. Dazu gehören die Einschränkung der Bewegungsaktivitäten, der Fellwechsel zu dunkleren, die Sonnenenergie aufnehmenden Farben und die unterschiedliche Wärmeversorgung der inneren Organe. „Alle diese „tierischen“ Strategien funktionieren nur dann, wenn der Mensch sich im winterlichen Wald richtig verhält“, so Harms abschließend. Die Tiere nicht unnötig durch Rufen und Schreien aufschrecken, den Vierbeiner an der Leine halten und das Wegegebot beachten. Mit diesen wenigen Tipps kann der Wald- und Naturfreund Hirsch, Fuchs & Co helfen, auch einen harten Winter erträglich zu überstehen.

21.10.2013, Deutsche Wildtier Stiftung
Feldhamster müssen keine Schäfchen zählen!
Deutsche Wildtier Stiftung: Zeitumstellung ist für Winterschläfer kein Problem
Hamburg (agrar-PR) – Wenn am nächsten Wochenende die Uhren wieder auf die Winterzeit um eine Stunde zurückgestellt werden, rebelliert bei viele Menschen die „innere Uhr“: Sie reagieren mit Schlafstörungen. Die Winterschläfer im Tierreich haben mit der Zeitumstellung kein Problem: „Sie werden müde, weil sich ihr Organismus auf den Winterschlaf einstellt“, sagt Peer Cyriacks, Biologe und Leiter des Feldhamsterschutzprojektes der Deutschen Wildtier Stiftung. „Der Feldhamster verkriecht sich jetzt in seinen Bau unterm Acker und kommt erst im nächsten Frühjahr wieder hervor.“ Schäfchen zählen, um in den Schlaf zu kommen, muss der Feldhamster allerdings nicht. Pünktlich springt seine „innere Uhr“ von Sommerzeit auf Winterzeit um, denn das Schlafhormon Melatonin schnellt in die Höhe.
Auch für den Menschen ist Melatonin als Neurotransmitter im Zusammenspiel mit anderen Hormonen eine wichtige Einschlafhilfe. Melatonin synchronisiert beim Menschen den Tag-Nacht-Rhythmus. „Bei Feldhamstern ist das anders“, erläutert Peer Cyriacks. „Sie sind die einzigen Säugetiere, die die meiste Zeit des Jahres keinen Tag-Nacht-Rhythmus haben und deshalb wahrscheinlich auch keinen zusammenhängenden Schlaf kennen.“ Zu diesen Erkenntnissen ist die Forschungspreisträgerin der Deutschen Wildtier Stiftung, Dr. Stefanie Monecke, bei ihren Arbeiten rund um den Aktivitätsrhythmus des Feldhamsters gekommen.
Feldhamster können ihre Körpertemperatur während des Winterschlafes auf bis zu 1,9 Grad senken, um Energie zu sparen. Die Umgebungstemperatur ist bei diesem Prozess ausschlaggebend. Herrschen im Hamsterbau fünf Grad, hat das Tier im Winterschlaf auch eine Körpertemperatur von fünf Grad – erst wenn es gefriert, sinkt die Körpertemperatur auf bis zu 1,9 Grad. Feldhamster nehmen während des Winterschlafes kräftig ab, obwohl sie im Tages-Rhythmus zwischendurch aufwachen, um zu fressen. „Dafür schmeißen sie ihren Stoffwechsel kurzzeitig an. Anschließend fallen sie wieder in einen Tiefschlaf“, sagt Cyriacks. Wenn die Futtervorräte nicht reichen, müssen die Tiere verhungern.
Immer weniger Feldhamster können zur Erntezeit genügend Getreide und Sämereien sammeln, um zu überleben. Moderne Erntemaschinen verwandeln Getreidefelder innerhalb kürzester Zeit in öde Ackerwüsten. Deshalb bleiben die Hamsterbacken oft leer. Mittlerweile sind Feldhamster in ganz Mitteleuropa vom Aussterben bedroht. Sie stehen auf der Roten Liste und sind streng geschützt. Deshalb arbeitet die Deutsche Wildtier Stiftung mit Landwirten und Forschern zusammen, um das Tier vor dem Aussterben zu bewahren. Landwirte können ihre Felder hamstergerecht bewirtschaften, indem sie z.B. Erntestreifen belassen und Luzerne anbauen, die dem Tier ganzjährig Nahrung und Deckung bieten.

21.10.2013, Deutsche Umwelthilfe e. V.
Städte brauchen wilde Natur, wilde Natur braucht Städte
Salamanca / Berlin (ots) – Der 10. Welt-Wildnis-Kongress beschließt Entwicklung von Leitlinien für mehr Naturschutz und Bürgerbeteiligung in Städten – Entschließung auf Initiative von Chicago Wilderness und Deutsche Umwelthilfe verabschiedet – Umwelthilfe fordert Umsetzung des Zwei-Prozent-Wildnisziels der Bundesregierung
Wissenschaftler, Naturschutzorganisationen und Unternehmen aus allen Kontinenten fordern „mehr Mut zu wilder Natur in den Städten“. In einer von den Umweltorganisationen Chicago Wilderness und Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) initiierten Erklärung an die Staatengemeinschaft beschlossen die Teilnehmer des 10. Welt-Wildnis-Kongresses („WILD10“) im spanischen Salamanca die Entwicklung von Leitlinien zu mehr Naturschutz und Bürgerbeteiligung in Städten. „Mit der Erklärung von Salamanca ermutigen wir Städte und Metropolen naturnäher und wilder zu werden: Es ist nur scheinbar ein Widerspruch, aber gerade die vom Menschen geprägten Ballungszentren brauchen wilde Natur und wilde Natur braucht auch die Städte“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Michael Spielmann. Zu den Erstunterzeichnern des Beschlusses gehören Organisationen, Städte und Einzelpersönlichkeiten aus Deutschland und den USA, aber auch aus Schwellenländern wie Mexiko, Südafrika und Indien.
„Im neuen, urbanen Jahrtausend, in dem erstmals eine wachsende Mehrheit der Weltbevölkerung in Städten lebt, muss ernsthaft versucht werden, die Entwicklung von Städten und Natur zusammenzubringen und die enorme Bedeutung grüner Infrastruktur für die Stadtmenschen und die biologische Vielfalt zu erkennen“, sagte der Leiter Naturschutz der DUH und Mitautor der Beschlüsse, Ulrich Stöcker. Ganz eigene und biologisch vielfältige Lebensräume in Städten und in Stadtnähe sind mit ihrer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt und ihren Ökosystemleistungen ein wesentlicher Bestandteil der weltweiten Biodiversität. Einerseits tragen sie erheblich zur Lebensqualität in verdichteten Räumen bei. Andererseits hängt der dauerhafte Schutz der unterschiedlichen Ökosysteme existenziell ab von einer starken öffentlichen Wertschätzung. „In diesem Sinne stehen Umweltkommunikation und Bildung für nachhaltige Entwicklung im Zentrum urbaner Naturschutzstrategien“, sagte Stöcker. Weltweit seien Bürgerinnen und Bürger Treuhänder der Natur. Ihre aktive und bewusste Einbeziehung gerade in den Ballungszentren sei unabdingbar für den Erhalt und die Entwicklung biologischer Vielfalt.
Auf Basis dieser Erkenntnis beschloss die WILD10-Konferenz die Entwicklung von Best-Practice-Leitlinien, um mit ihrer Hilfe eine nachhaltige Aufwertung des Naturschutzes in der Stadtplanung und eine Stärkung der Bürgerbeteiligung sicherzustellen. Folgerichtig unterstützt der Kongress auch weltweit Städte, die mit dem Ziel antreten, als „Wild Cities“ positive internationale Aufmerksamkeit für das Anliegen zu gewinnen.
„Die Erklärung von Salamanca ist eine Aufforderung an die Staatengemeinschaft, die Bedeutung von Städten und ihrer Bürger und Verwaltungen für den Schutz der Biologischen Vielfalt stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken,“ erklärte Spielmann. „Wir appellieren an die künftige Bundesregierung, die von der letzten Großen Koalition 2007 beschlossene Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt und insbesondere auch deren Ziel, bis 2020 auf zwei Prozent der Landesfläche wieder Wildnisgebiete entstehen zu lassen, uneingeschränkt umzusetzen.“ Auch der von neun europäischen Nicht-Regierungsorganisationen – darunter aus Deutschland die DUH und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt – entwickelte und in Salamanca verabschiedete Aktionsplan „A Vision for a Wilder Europe“ enthalte zahlreiche Hinweise zur Umsetzung der Nationalen Strategie, schloss Spielmann.
Hintergrund:
Der World Wilderness Congress ist ein 1977 von Ian Player (Südafrika) gegründetes und von der US-amerikanischen WILD Foundation organisiertes Umweltforum, das alle vier Jahre zusammentritt. Es ist damit der älteste, regelmäßig zusammenkommende und global ausgerichtete Umwelt-und Naturschutz-Kongress der Welt. Umwelt- und Naturschutzaktivisten aus allen Kontinenten tauschen Erfahrungen aus, formulieren Strategien zum Erhalt und der Wiederherstellung von Wildnisgebieten und bilden Koalitionen für wichtige Naturschutzprojekte. Der vor wenigen Tagen zu Ende gegangene 10. World Wilderness Congress in Salamanca war der erste seit 20 Jahren in Europa. Im Zentrum der Tagung standen Strategien zur Wildnisentwicklung in Europa.
Die DUH arbeitet mit Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und des Bundesamts für Naturschutz an verschiedenen Wildnis-Projekten, insbesondere im Projekt „Städte und wilde Natur“. Sie führt zudem die Geschäfte des „Bündnis der Kommunen für biologische Vielfalt“.
Die WILD10-Resolution zu Wild Cities können Sie ab dem 22.10. unter http://www.wild.org/main/world-wilderness-congress/, die „Vision for a Wilder Europe“ können Sie unter http://wild10.org/en/wp-content/uploads/2013/04/A-Vision-for-a-Wilder-Europe-Oct-2013.pdf nachlesen.

23.10.2013, NABU
Zwölf Staaten, ein Ziel: die Rettung der Schneeleoparden
Bischkek (ots) – Die zwölf Schneeleoparden-Verbreitungsstaaten treffen sich heute im kirgisischen Bischkek zum ersten „Globalen Forum zum Schutz der Schneeleoparden“. Veranstaltet und organisiert wird das Forum von dem Präsidenten und der Regierung der Kirgisischen Republik mit organisatorischer und finanzieller Unterstützung der Global Tiger Initiative, des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), der Weltbank, des NABU und weiterer Nichtregierungsorganisationen für den Schneeleoparden-Schutz. Das gemeinsame Ziel ist die Erhaltung der letzten Schneeleoparden der Welt und ihres Lebensraumes, der Berg-Ökosysteme.
Es ist das erste Mal, dass die Staaten zusammenkommen, um eine Tierart vor dem Aussterben zu bewahren. „Die internationale Schutzkonferenz bringt Staaten und Naturschutzorganisationen an einen Tisch und ist damit ein Meilenstein im Schutz für den Schneeleoparden“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. „Als Initiator des Forums freuen wir uns besonders über diese erste grenzübergreifende Kooperation. Der NABU setzt sich in Zusammenarbeit mit dem kirgisischen Staat bereits seit 1998 für den Schutz der Schneeleoparden ein.“
Die offiziellen Vertreter der zwölf zentral- und südasiatischen Schneeleoparden-Verbreitungsstaaten und Artenschützer aus der ganzen Welt einigten sich auf die „Bischkek-Deklaration“ zur Erhaltung der Schneeleoparden und auf das „Global Ecosystem Snow Leopard Recovery Program“ (GSLEP). „Auch der NABU wird künftig gerne bei dem Globalen Schneeleoparden-Schutzprogramm mitwirken und damit die Realisierung der Bischkek-Deklaration unterstützen“, so Tschimpke. Die Vereinbarungen zielen darauf ab, Wilderei einzudämmen, Landschaften zu erhalten, die Bewohner von Berggemeinden zu unterstützen und auf Bedrohungen durch den Klimawandel zu reagieren. Denn die Bedrohung der Schneeleoparden und seiner Hochgebirgslebensräume ist in den vergangenen Jahren auch bedingt durch den Klimawandel gestiegen. Das Schmelzen der Gletscher in Zentralasien könnte das Risiko für Schneeleoparden und viele andere Tier- und Pflanzenarten noch erhöhen. Dürre und Wasserknappheit könnten sich auf Ökosysteme und damit auch auf die Beutetiere des Schneeleoparden auswirken, die immer seltener werden.
Schneeleoparden sind zudem noch immer Opfer von Wilderei. Die Großkatzen werden in vielen Staaten illegal gehandelt – begehrt sind ihre Felle, aber auch ihre Knochen, die unter anderem in der traditionellen asiatischen Medizin eingesetzt werden. Lebende Tiere werden an Zoos und Zirkusse verkauft. Experten schätzen die weltweite Population von Schneeleoparden auf 4000 bis 6600 Exemplare. Genaue Angaben liegen nicht vor, denn die Großkatzen leben in abgelegenen Gebieten. „Die Zusammenarbeit zur verstärkten wissenschaftlichen Forschung und das Monitoring sind wichtige Ziele des heute vereinbarten Schutzplans“, sagte Tschimpke. „Erst kürzlich hat der NABU Fotofallen im kirgisischen Tian-Shan-Gebirge für das Schneeleoparden-Monitoring installiert.“

23.10.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Deutsche Ornithologen-Gesellschaft zeichnet Martin Flade mit dem Hans-Löhrl-Preis aus
Zur Eröffnung ihrer Jahresversammlung vom 2.-7. Oktober 2013 in Regensburg zeichnete die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) Martin Flade für seine kritische Einschätzung des Vogelschutzes in Deutschland in seiner Publikation „Von der Energiewende zum Biodiversitäts-Desaster — zur Lage des Vogelschutzes in Deutschland“ aus. Mit seinem Beitrag rückte Martin Flade die dramatischen Verluste der Vogelartenvielfalt in der Agrarlandschaft in den Fokus der Öffentlichkeit, die aufgrund des ungebremsten Anbaus nachwachsender Rohstoffe für den Energiebedarf enormen Veränderungen unterworfen ist. Die Bilanz der Bestandsentwicklung häufiger Brutvogelarten Deutschlands fiel — trotz einiger eindrucksvoller Erfolge beim Schutz von „Flaggschiffarten“ — katastrophal aus. Die Energiewende entpuppe sich, so Martin Flade, deshalb immer mehr als eine der größten Gefahren für die biologische Vielfalt, und von politischer Seite sei versäumt worden, rechtzeitig Belastungsgrenzen für die Natur zu definieren und mögliche Alternativen einzuplanen.
Martin Flade hat sich schon als Schüler mit Brutvogelgemeinschaften beschäftigt. Seit inzwischen über 35 Jahren analysiert er die langfristigen Veränderungen von Vogelgemeinschaften auf regionaler und überregionaler Ebene und hat darüber in mehreren wegweisenden Publikationen berichtet. Innerhalb seines vielfältigen Tätigkeitsspektrums beschäftigt er sich unter anderem mit praktischem Naturschutz, landschaftsökologischen Themen und wurde zum Pionier des internationalen Schutzes des Seggenrohrsängers. Martin Flade hat durch vorausschauenden und engagierten Einsatz maßgeblich zum Aufbau des Vogelmonitorings in Deutschland beigetragen, durch das hierzulande inzwischen für viele Vogelarten langfristige Bestandstrends vorliegen.
Der Dachverband Deutscher Avifaunisten gratuliert Martin Flade ganz herzlich zu diesem Preis und wünscht ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner Arbeit im Natur- und Vogelschutz. Darüber hinaus sei ihm an dieser Stelle noch einmal für die jahrelange hervorragende Zusammenarbeit gedankt.

24.10.2013, Bundesamt für Naturschutz
Bundesprogramm Biologische Vielfalt: Die Wildkatze wird auch in Bayern wieder heimisch
Berlin/Nürnberg/Bonn: 24.Oktober. 2013: Die Wildkatze ist in Deutschland und in Bayern wieder auf dem Vormarsch. Das zeigen die ersten Ergebnisse der vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durchgeführten deutschlandweiten Wildkatzeninventur, die in verschiedenen großen Waldgebieten Bayerns Erstnachweise erbrachte. So konnten die scheuen Tiere jetzt im Nürnberger Reichswald, dem Steigerwald, den Hassbergen und der Fränkischen Schweiz belegt werden. Im Spessart und der Rhön wurden Einzelfunde der letzten Jahre bestätigt. In den genannten Regionen galt die bedrohte Art lange Zeit als nicht mehr vorkommend. „Die Analysen erlauben eine Schätzung von 100 bis 150 Tieren für Bayern. Dieses Ergebnis lässt uns hoffen, dass die Wildkatze in einigen Jahren wieder ganz selbstverständlich in unseren Wäldern leben kann“, meint Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. „Wir freuen uns darüber, dass die Wildkatze ihre alten Lebensräume allmählich wieder zurück erobert – das ist ein großer Erfolg, der nicht zuletzt auf aktive Naturschutzmaßnahmen zurück zu führen ist“, meint Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). „Daher dürfen wir auch nicht nachlassen darin, störungsarme Wälder und unzerschnittene Räume zu erhalten und zu schaffen. Diese müssen die Wildkatzen über Korridore erreichen können“ so BfN-Präsidentin Jessel.
Das Projekt des BUND „Wildkatzensprung“ wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms für Biologische Vielfalt durch das BfN mit Mitteln des Bundesumweltministeriums. In Bayern wurde die Erfassung zusätzlich vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Mitteln der Jagdabgabe unterstützt.
Für die Inventur der Wildkatzen werden in bundesweit über 50 Waldparzellen mit dem Lockstoff Baldrian besprühte Holzpflöcke ausgebracht. Die Katzen reiben sich an den Stöcken und hinterlassen Haare, die im Anschluss genetisch analysiert werden können.
215 sichere Nachweise von Wildkatzen sind dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) im vergangenen Winter allein in Bayern gelungen. In ganz Deutschland wurden seit dem Winter 2011/2012 ungefähr 4400 Haarproben gesammelt, die zum Teil noch ausgewertet werden müssen. Über 500 Ehrenamtliche unterstützen den BUND bei den Zählungen. Im ersten Jahr der Untersuchung wurden bereits für den Kottenforst bei Bonn und im Odenwald erstmals Wildkatzen nachgewiesen. Die Inventur ist Teil eines umfangreichen Wildkatzen-Schutzprogramms des BUND.
Wildkatzen auf länderübergreifender Wanderschaft
Besonders erfreulich bei den Ergebnissen aus Bayern: Auch an der Ländergrenze zu Baden-Württemberg sind Wildkatzen nachgewiesen worden, eine wichtige Verbindung in Richtung der dort bereits bekannten Vorkommen. Zudem wurden in Bayern nicht nur die in den 90er Jahren ausgewilderten Wildkatzen und ihre Nachkommen nachgewiesen – auch Wildkatzen aus Thürin-gen und Hessen sind offenbar nach Bayern eingewandert.
Damit wird deutlich, dass die Wildkatze nur länderübergreifend gerettet werden kann. Neue ge-eignete Lebensräume sind dabei ein Schlüssel für die Stabilisierung und Wiederausbreitung der Art. Aus diesem Grund engagiert sich der BUND für ein bundesweites Netzwerk von Waldverbindungen. Langfristig soll so ein Waldverbund von insgesamt 20.000 grünen Kilometer in ganz Deutschland entstehen. Dafür werden Korridore zwischen isolierten Wäldern bepflanzt. „Die ersten Ergebnisse der Wildkatzennachweise bestärken uns in unserem Vorhaben.“, so Hubert Weiger. „Die Wildkatze, und mit ihr viele weitere Arten, nutzen offenbar die Waldverbindungen, um neue Lebensräume zu erobern.“
Wildkatzennachweise durch Haarproben
Die Wildkatze (Felis silvestris) ist keine verwilderte Hauskatze, sondern eine eigene Katzenart. Da sie im Wald kaum von wildfarbenen Hauskatzen unterschieden werden kann und überwiegend in der Abenddämmerung und der Nacht aktiv ist, hilft nur der genetische Nachweis. Im vergangenen Winter wurden dazu über 1.300 sogenannte Lockstöcke überprüft. „Die Entwicklung der Lockstockmethode war der Durchbruch. Endlich konnten wir nähere Informationen zur Verbreitung dieser scheuen Katze bekommen.“, so Hubert Weiger. „Möglich wird diese flächendeckende Untersuchung erst durch die Ehrenamtlichen, die jeweils in ihrer Region mithelfen, die Vorkommen und Wanderbewegungen der Wildkatze zu erforschen.“
Bundesweite Analyse der Wildkatzenvorkommen
In allen Ländern mit möglichen Vorkommen wird seit 2011 der Wildkatzenbestand im Rahmen des BUND-Projekts „Wildkatzensprung“ erforscht: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Parallel dazu werden in sechs Pilotprojekten geeignete Wildkatzenwälder durch gepflanzte Korridore miteinander verbunden. Das BUND-Projekt Wildkatzensprung wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms für Biologische Vielfalt. Die Erhebung wird im Winter 2013/2014 fortgesetzt.
Weitere Informationen zum BUND-Projekt „Wildkatzensprung“ und zum Wildkatzenschutz in Bayern finden Sie unter: www.bund.net/wildkatzensprung bzw. unter http://www.bund-naturschutz.de/projekte/wildkatze.

25.10.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
„Vögel in Deutschland 2012“ erschienen
Bei einem Fünftel der wandernden Vogelarten, die in Deutschland vorkommen, sind die Bestände rückläufig. Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie „Vögel in Deutschland 2012“, die in dieser Ausgabe den Vogelzug beleuchtet. Als wichtige Ursachen für den Rückgang der Zugvogelarten wertete die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Beate Jessel, die verschlechterten Lebensbedingungen für Greif- und Singvogelarten in großflächigen strukturarmen Agrarlandschaften und den beginnenden Klimawandel.
Konkret nahmen in den letzten 25 Jahren die Rast- oder Überwinterungsbestände von 64 (21%) der 305 wandernden und regelmäßig in Deutschland auftretenden Vogelarten ab. Die besorgniserregende Entwicklung zeigt sich zum Beispiel bei Raufußbussard und Ohrenlerche. Die Autoren der Studie vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten und dem BfN fordern daher erhöhte Schutzanstrengungen. „Es zeigt sich, dass der Klimawandel nicht ohne Folgen für die Zugvögel bleibt. Die Zugzeiten der Vögel verschieben sich meist nicht synchron zu den Änderungen in der jahreszeitlichen Vegetations- und Insektenentwicklung. Der Bruterfolg verringert sich dadurch und die Arten werden seltener“, sagte BfN-Präsidentin Jessel.
„Insbesondere viele Singvögel und Greifvögel der offenen Kulturlandschaft sind stark betroffen. Die aktuelle Bestandssituation der wandernden Vogelarten, die in der Agrarlandschaft rasten, zeigt dringenden Handlungsbedarf an“, mahnte Bernd Hälterlein, Vorsitzender des DDA. „Die Rastbestände von über 35 % aller Arten, die die offene, landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft außerhalb der Brutzeit zur Rast und Nahrungssuche aufsuchen, nehmen in Deutschland ab.“ Zum Schutz der Arten sollten nach Ansicht der Autoren Stilllegungs- und Brach- sowie Ernteverzichtsflächen eingerichtet und der Strukturreichtum der Landschaft erhöht werden. „Wenn mehr Ernterückstände als wichtige Nahrungsressourcen auf den Felder verbleiben sowie auf einen schnellen Umbruch abgeernteter Felder verzichtet wird, dann kann sich die herbst- und winterliche Artenvielfalt in der Agrarlandschaft ebenfalls erhöhen und sogar den Bruterfolg im Folgejahr verbessern,“ ergänzte Christof Herrmann, Geschäftsführer der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten.
Die Studie zeigt außerdem deutlich, dass vor allem die südlich der Sahara überwinternden Langstreckenzieher erheblicher Schutzanstrengungen bedürfen. Beispielsweise werden sie in Südeuropa und Afrika immer noch Opfer von illegalem Massenfang. „Für die Verbesserung der Bestandssituation vor allem dieser Arten müssen zeitnah geeignete, international abgestimmte Maßnahmen ergriffen werden“, forderte BfN-Präsidentin Beate Jessel. „Um wirksame Strategien für einen nachhaltigen Zugvogelschutz entwickeln zu können, bedarf es einer konzertierten Erforschung grundlegender Zusammenhänge, die den gesamten Jahreslebensraum von Zugvogelpopulationen bzw. -arten betrachtet“, sagte Christof Herrmann von der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten.
Auch wenn der Abnahmetrend insgesamt bei den Vogelarten negativ zu beurteilen ist, so bestätigt die Studie bei einzelnen Arten eine leichte Stabilisierung der Bestände. „Erfreulich ist der in den letzten 25 Jahren positive Trend bei Wanderfalke und Seeadler. Möglicherweise haben hier die Naturschutzmaßnahmen bereits gegriffen.“ so Prof. Beate Jessel.
Geschätzte 50 Milliarden Vögel bewegen sich weltweit alljährlich auf ihren saisonalen Wanderungen zwischen Brutgebiet und Winterquartier. Die Distanz der Vogelwanderungen reicht je nach Vogelart von kleinräumigen Bewegungen auf regionaler Ebene bis hin zu Zugstrecken über mehrere Kontinente und viele tausend Kilometer. Einzelne Langstreckenzieher sind in der Lage, mehr als 10.000 km in jeder Zugsaison zurückzulegen. Dabei schaffen sie bis zu 1.000 km an einem Tag bei mittleren Geschwindigkeiten von 90 km/h.
Die Studie „Vögel in Deutschland“ erscheint seit 2007 jährlich und wird gemeinsam vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) im Auftrage des BfN erstellt. Sie ist eine komprimierte Zusammenfassung aktueller Entwicklungen in der heimischen Vogelwelt. Der Schwerpunkt der diesjährigen aktuellen Studie liegt auf der Beschreibung der Bestandssituation ziehender Greifvögel und Eulen, Singvögel und anderer Nicht-Wasservogelarten. Die Ergebnisse des Vogelmonitorings basieren auf dem Engagement von bundesweit mehr als 5000 ehrenamtlich tätigen Beobachterinnen und Beobachtern.
Hinweis
In gedruckter Form können Sie den Bericht „Vögel in Deutschland 2012“ zum Preis von 9,80 Euro zzgl. Versand über den DDA-Schriftenversand beziehen. Sie können den Bericht außerdem als PDF herunterladen.
Bezug über:
DDA-Schriftenversand
z. H. Thomas Thissen
An den Speichern 6
48157 Münster

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