Berlin, Sittiche, Blaskiewitz…

Schon lange hat der Beutelwolf-Blog nicht mehr über den scheidenden Berliner Zoodirektor berichtet. Dieser Beitrag ist zum einen ein Update über die derzeitige Lage und der Bericht über einen neuen „Skandal“ in den Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz verstrickt ist.
Für den einen oder anderen mag hier nichts wirklich neues stehen, für andere mag vielleicht doch etwas Neues vorhanden sein, auch wenn es sich um Kleinigkeiten handelt, jedenfalls in meinen Augen.
Nachfolger von Bernhard Blaszkiewitz ist Andreas Knierim, der erst vor einigen Jahren nach München kam. Nachfolger für Knierim in München ist mir noch nicht bekannt.
Blaskiewitz und einige Verwaltungsangestellte sind (wie schon seit längerem geplant) in das Schloss Friedrichsfelde umgezogen. Dadurch fühlen sich die Freunde der Hauptstadtzoos verraten, da der Verein das Schloss für verschiedene Veranstaltungen nutzt und nun einige Räume scheinbar nicht genutzt werden können.
Es scheint so, als ob man Blaszkiewitz jeden kleinen Fehltritt (oder vermutlichen Fehltritt) ankreiden will, um sein Ausscheiden so schnell wie möglich voranzutreiben. Vielleicht gehört Blaskiewitz auch einfach zu den Menschen, die aus jedem Fettnäpfchen einen See machen.

Und vor Kurzem wurden dem Zoodirektor noch zwei Fehler zugeschustert:
Eine Gruppe Sittiche, bestehend aus 24 Wellen- und zwei Nymphensittichen, sollte an kleine Raubtiere verfüttert werden. Dr. Ulrich Lindemann, Amtsveterinär von Mitte, fiel das Fehlen der Vögel auf. Er stellte Nachforschungen an und konnte die Tiere, die sich in die Gruppe im neuen Vogelhaus nicht integrieren ließen, vor dem Futtertod retten.
Als sogenanntes Garniturfutter sollten die Vögel enden. Das nicht sehr schöne Wort (wie ich finde) besagt lediglich, dass es sich um kleine Appetithappen handelt, die Raubtiere zu ihrer normalen Ratio gegeben werden. Leckerli sozusagen. Angeblich hätte aber die Verfütterung der Vögel gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.
Jetzt sollen die Vögel trotzdem im Vogelhaus sein und Blaskiewitz weiß nichts von einer Verfütterungsabsicht.
Ich werde mich jetzt nicht daran setzen und das Tierschutzgesetz lesen, um eine Antwort zu bekommen, aber ich kann mir nicht vorstellen, warum das Verfüttern der Vögel tierschutzwidrig sein soll. Auch Raubtiere müssen ernährt werden, und Ratten, Mäuse, Küken und Meerschweinchen, bzw. auch größere Tiere, werden regelmässig verfüttert. Vielleicht hätte man sich auch für einen anderen Platz umsehen können (Privathalter, andere Zoos…), aber ich finde am Verfüttern von Vögeln kein Verbrechen. Man mag mich eines besseren belehren, und es mag den betroffenen Vögeln kein Trost sein, aber auch Raubtiere müssen sich von irgendwas ernähren und ich denke, dass Garniturfutter durchaus eine gern gesehene und gefressene Abwechslung ist.

Aber es geht noch weiter:
Zoo-Insider berichten von stark gestiegenen Tiertransporten, oft nach Osteuropa. Sie verdächtigen Noch-Chef Blaszkiewitz, seinem Nachfolger einen Scherbenhaufen hinterlassen zu wollen. Er selbst dementiert und spricht von normalen Transporten.
Zoo-Mitarbeiter berichten indes allein von 300 Wasservögeln, die abtransportiert worden seien, und zwar die schönsten und seltensten Exemplare. Eine Zoo-Jahreskartenbesitzerin sagt, sie habe nachgefragt, wo die Tiere seien, doch da komme jetzt immer die Antwort, sie seien im Winterquartier. Das ließe sich spätestens dann wiederlegen, wenn im Frühling die Tiere wieder zu sehen sind (oder auch nicht). Allerdings ist derzeit in vielen Zoos der Schwund an vor allem exotischen Wasservögeln zu bemerken (und eine Zunahme an Stockenten, Graureihern und anderen heimischen Wasservögeln, die auf den Zoogewässern eine einfache und geschützte Überwinterungsmöglichkeit finden.
Auch andere Transporte sollen stattfinden, oft von Zoo über den Tierpark, da dort andere Amtstierärzte zuständig sind. Diesen wird vorgeworfen, dass sie eher ein Auge zudrücken (oder einfach nur schlampig arbeiten) und Tiertransporte eher genehmigen, als die zuständigen Amtstierärzte in Mitte.
Auch von einer schwangeren Elenantilope ist die Rede, deren Transport gestoppt wurde, da der Transport Auswirkungen auf die Schwangerschaft haben könnte.

Ich sehe in beiden Vorfällen (Tiertransporte und Sittichtöten) keine großen vergehen. Selbst wenn es gehäuft viele Tiertransporte sein sollten (was bisher jedoch nicht bestätigt wurde), so kann ich darin keinen Schaden feststellen, der dem neuen Direktor entstehen sollte. Anders wäre es vermutlich, wenn der ganze Zoo leergeräumt werden würde, aber das glaube ich nicht.
Dass es sich bei den Tiertrransporten um Nacht- und Nebelaktionen, die vor der Zooöffnungszeit stattfinden, handelt, finde ich auch nicht verwerflich, da stehen wenigstens die Besucher nicht im Weg.
Seit bekannt wurde, dass Blaszkiewitz gehen muss, häufen sich die Anschuldigungen und ich habe den Eindruck, dass alltägliche Kleinigkeiten zu Skandalen aufgebauscht werden (Politik und Medien sind daran nicht gerade unschuldig, man muss sich ja nur die BZ oder den Tagesspiegel durchlesen). Welchen Zweck das allerdings haben soll, weiß ich nicht. Früher oder später geht Blaszkiewitz und eigentlich spielt es doch keine große Rolle mehr, ob das ein paar Wochen früher geschieht.

Man darf gespannt sein, welche Entwicklungen es noch geben wird und wie die Situation mit/für Andreas Knierim weitergeht. (Und dich als Münchner bin natürlich auch gespannt, wer Knierims Nachfolger in Hellabrunn sein wird und welche Veränderungen das mit sich zieht, auch wenn man bisher an Knierims Vermächtnis weiterarbeiten will, was ich nicht so verkehrt finde) .

Mehr zur Person Bernhard Blaszkiewitz findet man hier.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen