Die Stammesgeschichte der Reptilien

Xenoceratops foremostensis (© N. Tamura)

Xenoceratops foremostensis (© N. Tamura)

Stammesgeschichtlich stammen Reptilien von amphibischen Landwirbeltieren ab. Im Unterschied zu den Reptilien fehlt dem Ei der Amphibien das Amnion, das bei dem Amnioten den sich entwickelnden Embryo umgibt. Die Amnioten sind im Gegensatz zu den Lurchen zur Fortpflanzung nicht auf Gewässer angewiesen und auch generell besser an trockene Lebensräume angepasst. Amniota besitzen kein Seitenlinienorgan, wie es meist bei den Amphibien zu finden ist.

Die Amniota spalteten sich in zwei Zweige auf, die nach der charakteristischen Anzahl und Lage von seitlichen Öffnungen im Schädel, der Schläfen- oder Temporalfenster, als Synapsida (eine Öffnung) und Diapsida (zwei Öffnungen) bezeichnet werden; die Ur-Amniota (Anapsida) hatten keine Schläfenöffnungen. Von den Diapsida stammen die Reptilien mit so bekannten Gruppen wie den Dinosauriern (Dinosauria) oder den ausgestorbenen Flugsauriern (Pterosauria). Als noch heute lebende (rezente) Vertreter der Dinosaurier gelten nach neuerer Ansicht die Vögel.
Bislang ungeklärt ist die systematische Stellung der Schildkröten: Ihr Schädel weist keine seitlichen Öffnungen auf, daher wird diese Gruppe zumeist den Anapsiden zugeordnet; einige Paläontologen nehmen jedoch an, dass die Schildkröten Nachfahren von Diapsiden sind, welche ihre Schläfenöffnungen nachfolgend reduziert haben. Auch aufgrund der Lage der Halsarterien und der Ausbildung der Aorta werden sie heute in die Verwandtschaft der Reptilien als Schwestergruppe der Archosauria eingeordnet. Die Fossilsituation erlaubt derzeit keine endgültige Klärung.

Griechische Landschildkröte (Wilhelma Stuttgart)

Griechische Landschildkröte (Wilhelma Stuttgart)

Die ältesten Reptilien sind aus dem frühesten Perm vor etwa 300 Mio. Jahren fossil überliefert. Die ältesten Zeugnisse sind jedoch Fußabdrücke in einem etwa 315 Mio. Jahre alten Gestein aus dem Bashkirium, der ältesten Stufe des Oberkarbons (Pennsylvanium), von Nordamerika. Die Spurenfossilien belegen zugleich erstmals die Existenz dieser frühen Amnioten in einer wasserarmen Umwelt, in der das Amnionei vermutlich einen Fortpflanzungsvorteil bedeutet hat. Eine erste Aufspaltung fand sehr früh in uneigentliche Reptilien (Parareptilia) und eigentliche Reptilien (Eureptilia) statt. Vertreter der Parareptilia sind die im Trias ausgestorbenen Procolophonida, die oft als nahe Verwandte der Schildkröten angesehen werden, und die schon im Perm ausgestorbenen Pareiasauria.
Die Eureptilia spalteten sich in eine Vielzahl von Zweigen auf. Der Zweig der Archosauria umfasst die Krokodile, die Flugsaurier und die Dinosaurier einschließlich der Vögel. Der parallele Zweig der Lepidosauria enthält die nahe verwandten Echsen, Schlangen und Doppelschleichen sowie die etwas entfernteren Brückenechsen. Die Sauropterygia oder Flossenechsen sind eine Gruppe ausgestorbener Meeresreptilien aus dem Mesozoikum.

Siehe auch:
Die Stammesgeschichte der Vögel
Die Stammesgeschichte der Krokodile

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