Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

10.11.2013, WWF
Wale zwischen Schiff und Schall
WWF: Belugas und Narwale leiden unter Industrialisierung der Arktis
Hamburg (ots) – Die zunehmende Industrialisierung der Arktis, ermöglicht durch Klimawandel und Rückgang des Meereises, macht den dort heimischen Walen das Leben schwer. Etwa die Hälfte der arktischen Verbreitungsgebiete von Grönlandwal, Beluga- und Narwalen sind identisch mit Zonen, in denen jetzt oder in naher Zukunft Öl und Gas gefördert werden soll. Dies geht aus einer vom WWF unterstützen Studie hervor. Zunehmender Schiffsverkehr durch Fischerei, Gütertransport und Arktis-Tourismus verändert ebenso wie seismische Untersuchungen die Lebensbedingungen der Meeressäuger. „Die Welt der arktischen Wale wird lauter und gefährlicher. Das Risiko von tödlichen Kollisionen mit Schiffen und Verschmutzung durch ausgetretenes Öl und andere giftige Substanzen steigt mit dem Zuwachs menschlicher Aktivitäten“, so Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF. Alle drei Walarten kommen nur in arktischen Gewässern vor und halten sich ganzjährig hier auf – häufig in Arealen die von bis zu 90 Prozent mit Eis bedeckt sind. Der WWF fordert bei der wirtschaftliche Erschließung der Arktis Natur- und Walschutz zu berücksichtigen.
Besonders bedrohlich ist die Industrialisierung für Narwale, die „Einhörner der Meere“, die aufgrund kleinerer Verbreitungsgebiete, fester Wanderrouten und Nahrungsspezialisierung weniger Ausweichmöglichkeiten haben. „Narwale sind besonders scheu und lärmempfindlich. In einen Großteil arktischer Gewässer nimmt aber der Unterwasserlärm zu. Manche Gebiete sind im Winter konstant beschallt, obwohl die seismischen Untersuchungen tausend Kilometer entfernt stattfinden“, berichtet Homes. Der Lärm von bei seismischen Untersuchungen eingesetzten „Airguns“ kann sich unter Wasser bis zu 4.000 Kilometer weit verbreiten.
Das schmelzende Eis führt auch zu intensiverer Fischereiaktivität, insbesondere auf Grönländischen Heilbutt – die wichtigste Beute der Narwale, von der sie während der Wintermonate abhängig sind. Fischereischiffe machen mit über 2,5 Millionen gefahrener Seemeilen fast die Hälfte des Schiffsverkehrs in arktischen Gewässern aus, gefolgt von Cargoschiffen. Schon an dritter Stelle stehen Passagierschiffe u.a. durch wachsenden Arktis-Tourismus. „Schifffahrtsrouten müssen sorgfältig geplant und unter Umständen korrigiert werden. Teilweise können auch Geschwindigkeitsbegrenzungen helfen, die negativen Folgen für Wale einzudämmen“, so WWF Experte Homes. Hilfreich kann hier der für 2014 geplante „Polar Code“ der IMO (International Maritime Organisation) für Schiffe in internationalen Gewässern der Arktis werden. Besonders wichtige Habitate wie Kinderstuben oder Nahrungsplätze sollten aber als besonders sensible Meeresregionen (PSSA) ausgewiesen und geschützt werden. Der WWF fordert eine strikte Reglementierung für seismische Untersuchungen und andere Quellen von Unterwasserlärm und begleitendes Monitoring der Walpopulationen.
Der Klimawandel erhöht einerseits die menschliche Aktivität in der Arktis, hat zudem aber auch Einfluss auf das ökologische Gefüge: Arten, die wegen steigender Wassertemperaturen nach Norden einwandern, können unbekannte Parasiten und Viren einschleppen und erhöhen die Konkurrenz um Nahrung. Bei vermehrter Zuwanderung z.B. von Orcas, dem einzig natürlichen Feind der drei Walarten, der kaum in Eisgebiete schwimmt, könnten die arktischen Wale selbst zur Beute werden. Ändert sich das Timing im jahreszeitlichen Entstehen und Zerfall des Meereises, verschiebt sich auch das Vorkommen des dort entstehenden Phytoplaktons und der Ruderfußkrebse, einer saisonalen Hauptnahrungsquelle der Grönlandwale. „Narwale, Belugas und Grönlandwale sind an einen Lebensraum angepasst, dessen Extrembedingungen seit Millionen Jahren existierten. Jetzt aber gehört die Arktis zu den Erdteilen, die sich am schnellsten verändern. Die Umweltauswirkungen müssen berücksichtigt werden, wenn dieses abgelegene Ökosystem wirtschaftlich erschlossen wird“, so Artenschützer Homes.

12.11.2013, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Minister Remmel: „Die Festplatte der Natur wird unwiederbringlich gelöscht“
Ministerium veröffentlicht „Umweltbericht NRW 2013“: Artensterben schreitet weiter voran – Nur acht Prozent der Fließgewässer haben intaktes Ökosystem – Millionen Menschen leiden unter Lärm
Düsseldorf (agrar-PR) – Das Artensterben schreitet auch in NRW voran. Nach dem jüngsten Umweltbericht der Landesregierung ist die Zahl der ausgestorbenen oder verschollenen Arten in Nordrhein-Westfalen so hoch wie nie und liegt inzwischen bei über neun Prozent. 1979 waren es bereits fünf Prozent.
Insgesamt sind nach der jüngsten Roten Liste etwa 45 Prozent der beobachteten Arten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder ausgestorben. „Wir konnten zwar zwischen 1999 und 2011 eine weitere Verschlechterung bei verschiedenen gefährdeten Arten durch eine aktive Naturschutzpolitik abwenden. So sind Weißstorch, Uhu und Biber wieder an vielen Stellen im Land heimisch geworden. Trotzdem gilt weiterhin, dass etwa die Hälfte der rund
3.000 seit 1979 beobachteten Tier- und Pflanzenarten in ihrer Existenz bedroht sind“, sagte Umweltminister Johannes Remmel bei der Vorlage des aktuellen „Umweltberichtes NRW 2013“ in Düsseldorf. Besorgniserregend ist vor allem, dass die Gefährdung typischer Arten der Feldflur und bisher ungefährdeter „Allerweltsarten“ deutlich zunimmt. „Täglich verschwinden weltweit Arten unwiederbringlich, gegenwärtig ist die Aussterberate weltweit 100 bis 1000 Mal höher als die natürliche Aussterberate und das hat auch Folgen für uns Menschen. Denn wir sind dabei, die Festplatte unserer Natur zu löschen“, erklärte Remmel.
Zu den in NRW in den letzten Jahrzehnten ausgestorbenen Arten zählen etwa die Rohrdommel, das Birkhuhn und die Kornrade. Weitere Tierarten wie Kreuzotter, Gelbbauchunke, Mopsfledermaus und Feldhamster drohen in absehbarer Zeit zu verschwinden, wenn nicht gegengesteuert wird.
Die Ursachen für diesen alarmierenden Befund seien, so Minister Remmel, neben den Folgen der Industrialisierung der weiterhin hohe Flächenverbrauch auf Kosten der Natur, eine intensive Landwirtschaft und eine zum Teil nicht standortgerechte oder zu intensive Wald-Bewirtschaftung. Als weitere Gefährdung kommen gebietsfremde Arten hinzu, die einheimische Arten verdrängen können. „Dabei spielt der Klimawandel eine entscheidende Rolle.
Wir stehen hier vor neuen Herausforderungen für die Sicherung und Entwicklung der Artenvielfalt“, sagte Minister Remmel. „Die Folgen des Klimawandels werden auch Bestandteil unserer Biodiversitätsstrategie sein, die derzeit erarbeitet wird. Das Ziel der Strategie wird sein, Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt in NRW zu entwickeln.“ Darüber hinaus kündigte der Minister eine Neuausrichtung der Naturschutzgesetzgebung des Landes an, mit dem zentralen Ziel, das wertvolle und vielfach bedrohte Naturerbe in NRW zu bewahren. Hierzu wird das Landschaftsgesetz zu einem NRW-Naturschutzgesetz ausgebaut.
Die Zahlen zur Gefährdung und zum Artensterben in NRW stammen aus dem aktuellen Umweltbericht des Landes NRW. Zum dritten Mal nach 2006 und 2009 werden in einem Umweltbericht für Nordrhein-Westfalen Zustand und Entwicklung der Umwelt sowie die aktuellen umweltpolitischen Handlungsfelder anhand von 27 Umweltindikatoren ausführlich dargestellt. Der rund 140 Seiten umfassende Bericht stellt den Zustand von Luft, Wasser, Boden, Abfall und Naturschutz dar. Hinzu gekommen sind neue Herausforderungen, etwa der Klimaschutz und die Folgen des Klimawandels. Nach dem Umweltinformationsgesetz Nordrhein-Westfalens muss der Bericht spätestens alle vier Jahre vorgelegt werden.
Das Ziel des aktuellen Berichts ist laut Minister Remmel, allen Bürgerinnen und Bürgern Informationen über die Umweltbedingungen kompakt und leicht erreichbar zur Verfügung zu stellen.
Weitere wichtige Erkenntnisse des neuen Umweltberichtes sind:
1. Klimawandel
Der Klimawandel ist bei uns angekommen. Allein in den letzten 30 Jahren stieg die mittlere Tagestemperatur in unserem Bundesland um ein Grad Celsius, mit entsprechenden Folgen für die Menschen, Tiere und Pflanzen in NRW.
2. Treibhausgase
Der Ausstoß von Treibhausgasen in NRW liegt weiterhin auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2011 wurden rund 301 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen. Zwischen 2005 und 2011 sind die klimaschädlichen Emissionen insgesamt nur leicht zurückgegangen. Für das Jahr 2012 ist mit einem vorläufigen Wert von 305,5 Millionen Tonnen sogar ein Anstieg des Ausstoßes zu befürchten.
3. Luftqualität
Die aus Feuerungsanlagen und Motoren freigesetzten Stickstoffoxide und die Stickstoffdioxidkonzentrationen gingen zwar leicht zurück. An den Straßen in Ballungsräumen sind die Konzentrationen dennoch weiterhin deutlich zu hoch.
Auch die Feinstaubkonzentration in der Luft ist rückläufig. Dennoch wurden im Jahr etwa 25.000 Tonnen Feinstaub emittiert. Besonders Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen und der Nahbereich industrieller Anlagen sind Belastungsschwerpunkte.
4. Lärm
Ein beträchtlicher Teil der Menschen in NRW ist hohen Lärmbelastungen ausgesetzt, verursacht durch Straßen-, Schienen- und Flugverkehr, Industrie und Gewerbe. Allein unter nächtlichem Lärm von über 55 Dezibel (A) leiden rund 1,4 Millionen Bürgerinnen und Bürger unseres Landes.
5. Flächenverbrauch
In NRW verschwinden täglich rund zehn Hektar Natur durch Bebauung. Der Trend zum Flächenverbrauch ist zwar rückläufig, trotzdem ist der Verlust von Freiflächen zu Gunsten von Siedlungs- und Verkehrsflächen weiterhin zu hoch.
6. Gewässer
Die Fließgewässer in Nordrhein-Westfalen sind zum Großteil weiterhin nicht in einem ökologisch guten Zustand. Demnach verfügen lediglich acht Prozent der untersuchten 13.750 Gewässerkilometer in NRW über ein intaktes Ökosystem. 92 Prozent sind in einem mäßigen bis schlechten ökologischen Zustand.
7. Grundwasser
Nach der aktuellen Bestandsanalyse sind rund 40 Prozent der Grundwasserkörper in NRW wegen hoher Nitratbelastungen derzeit nicht in einem guten chemischen Zustand. Seit 1990 gibt es keine nennenswerten Verbesserungen.
8. Wald
Beim Waldzustand gibt es noch immer keine Entwarnung. Bei 30 Prozent der
Laub- und 19 Prozent der Nadelbäume sind in der Vergangenheit deutliche Schädigungen der Baumkronen festzustellen.
9. Schwermetalleinträge
Der Eintrag von Blei und Cadmium im Staubniederschlag an den Messstationen im ländlichen Raum ist in den letzten 25 Jahren in NRW um fast 90 Prozent reduziert worden. Auch 2010 und 2011 gingen die Belastungen weiter zurück.
„Viele Erkenntnisse machen Sorgen, einige sind erfreulich und machen Mut“, sagte Minister Remmel. „Manche haben internationalen Bezug, einzelne haben scheinbar nur regionale Bedeutung. Doch alle Indikatoren zeigen, dass mit einer ambitionierten Umweltpolitik die Fehlentwicklungen der Vergangenheit angegangen werden können und dass Umweltschutzmaßnahmen Wirkung zeigen. Wenn auch langsam und nicht von heute auf morgen“, erklärte Remmel.
„Wir brauchen daher eine ambitionierte Umweltpolitik in NRW. Eine moderne Umweltpolitik ist auch gleichzeitig Wirtschafts-, Sozial-, Verkehrs-,
Gesundheits- und Verbraucherschutzpolitik“, ergänzte der Minister. „Für den Schutz der Umwelt und damit der Menschen vor Umweltgiften, Luftschadstoffen, Lärm und Elektrosmog muss der Staat seine Schutzfunktion wahrnehmen. Dies wollen wir insbesondere mit einer umfassenden integrierten Gesamtkonzeption in Form eines ‚Masterplans Umwelt und Gesundheit NRW’ erreichen. Die Vorarbeiten zu dieser Maßnahme aus dem Koalitionsvertrag haben bereits begonnen.“
Remmel verwies zudem darauf, dass viele Zahlen und Entwicklungen aus dem Umweltbericht direkt auch mit dem Klimawandel zusammenhingen: „Der Klimawandel ist verknüpft mit Treibhausgasemissionen, mit unserem Energie- und Rohstoffverbrauch, mit Luftschadstoffen, mit dem Flächenverbrauch, mit dem Artensterben, mit der Landwirtschaft und vielem mehr. In der Konsequenz sind die Ergebnisse des Umweltberichtes nicht nur isoliert, sondern ganzheitlich zu betrachten und unterstreichen die Notwendigkeit, die bereits in NRW angestoßene Diskussion um ein ‚Nachhaltiges NRW’ weiter zu betreiben.“ In diesem Zusammenhang bedankte sich der Minister für die analytischen Vorworte von Reinhard Loske, Klaus Töpfer und Ernst Ulrich von Weizsäcker.
Den vollständigen Umweltbericht NRW 2013 finden Sie hier: www.umweltbericht.nrw.de
Zentrales Suchportal für Umweltdaten in ganz NRW
Die NRW-Landesregierung verbessert den Zugang zu Umweltdaten im Netz. Ende September hat das NRW-Umweltministerium den Startschuss für das neue „NRW-Umweltportal“ gegeben, ein zentrales Online-Suchportal, das einen schnellen und einfachen Zugang zu Umweltinformationen aller Behörden in NRW bietet.
Neben der zentralen Suchfunktion bietet das Umweltportal auf seiner Startseite aktuelle Messwerte und Warnhinweise rund um die Themen Umwelt und Verbraucherschutz. Nutzerinnen und Nutzer können sich eine personalisierte Startseite einrichten, die sie laufend und tagesaktuell über umweltbezogene Entwicklungen an ihrem Wohnort informiert – von allgemeinen Wetterdaten über Feinstaubbelastung bis hin zu Wasserständen und -temperaturen. Gezielte Informationen zu den Themen Lärm, Abwasser, Abfall und Verbraucherschutz finden Nutzerinnen und Nutzer für jeden Ort in NRW im umfangreichen Kartenmaterial des Umweltportals: Dieses zeigt zum Beispiel, wie hoch die Feinstaubbelastung an einer bestimmten Straße oder wie es um die Wasserqualität der nordrhein-westfälischen Seen bestellt ist.
Dass Umweltschadstoffe krank machen können, verdeutlichte beispielsweise eine umfassende Langzeitstudie des Umweltministeriums aus dem Jahr 2010. Die Studie zeigte Zusammenhänge zwischen Sterblichkeitsraten, Wohnortnähe und Feinstaubbelastung auf.
Link zum neuen Suchportal: www.umweltportal.nrw.de

12.11.2013, Deutsche Wildtier Stiftung
Tierische Untermieter suchen Zuflucht im Garten
Die Deutsche Wildtier Stiftung rät zu Winterquartieren für Wildtiere
Hamburg (agrar-PR) – Marienkäfer und Molche, Igel und Insekten aller Art, aber auch Fledermäuse, Amphibien, kleine Säuger wie Haselmäuse und daheimgebliebene Vogelarten wie Rotkehlchen, Amsel, Grün- und Buchfink sowie der Gimpel suchen jetzt Schutz vor Kälte und Wind und einen geeigneten Schlafplatz. Reisig-, Laub- und Steinhaufen, Erdlöcher und Hecken helfen Wildtieren, gut durch den Winter zu kommen. Wer ein wenig Mut zur Wildnis beweist und nicht jeden Laubhaufen zusammenfegt, hilft vielen Tieren Unterschlupf zu finden. Insekten und Käfer verkriechen sich nicht nur in altem Laub, sondern auch in Mauerritzen. Frösche und Kröten graben sich gern in lockeren Boden ein und überleben am Grund des Gartenteiches, Fledermäuse schlafen in frostfreien Höhlen, Dachböden und Kirchtürmen. Igel überwintern in Reisig- und Laubhaufen. „Ein bisschen Mut zu mehr Wildnis im Garten hilft tierischen Untermietern durch die kalte Jahreszeit“, sagt Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung.
Spezielle Überwinterungs-Schlafplätze wie zum Beispiel eigens für Igel konstruierte Igel-Burgen sind besonders beliebt. Auch die klassischen Nisthilfen, die eigentlich für die „Familienplanung“ der Vögel im Frühjahr gedacht sind, dienen im Winter oft als Ersatz für Baumhöhlen. Nistkästen sind für Spatzen, Meisen und Zaunkönig bei Regen, Schnee und kaltem Wind ein beliebter Zufluchtsort. Sie bieten Kälteschutz und sind als perfekter Unterschlupf bei eisigen Frostnächten überlebenswichtig. Auch Siebenschläfer und Haselmäuse belegen im Winter gern Nistkästen. „Es empfiehlt sich, jetzt ein Spatzen-Reihenhaus aufzuhängen, damit die Tiere den Standort bereits kennen, bevor Schnee und Frost ihnen das Überleben erschweren“, rät Eva Goris.
Wer den Tieren heimische Pflanzen als Unterschlupf bietet, versorgt sie auch mit Nahrung. In vielen Sträuchern hängen jetzt noch Beeren, die gerade von den Weichfressern unter den Vögeln wie zum Beispiel Amseln gern gefressen werden. Fallobst wie alte Äpfel und Birnen einfach auf dem Boden liegen lassen – im Fallobst wird gern herumgepickt. Samenstände sind jetzt für viele Vögel ein Leckerbissen. Wer zusätzlich füttert, hilft vielen Vögeln über die karge Jahreszeit. „In einer einzigen Frostnacht kann ein kleiner Vogel bis zu 20 Prozent seines Körpergewichtes einbüßen“, sagt die Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. „Damit die verlorene Energie am Tage sofort wieder problemlos aufgenommen werden kann, hilft das Füttern von Vögeln im Winter.“

Saola, Kamerafalle (WWF)

Saola, Kamerafalle (WWF)

13.11.2013, WWF
Saola-Waldrind wiederentdeckt
Erster Nachweis nach 14 Jahren: Seltenes Säugetier in WWF-Fotofalle (FOTO)
Berlin (ots) – Hanoi/Berlin 13.11.13 Das seltene Saola-Waldrind in Asien ist nicht ausgestorben. Dieser Nachweise gelang der Naturschutzorganisation WWF nun erstmals seit 14 Jahren. Ein Exemplar der 1992 entdeckten Säugetierart wurde im vietnamesischen Regenwald von einer Kamerafalle fotografiert.
„Als wir zum ersten Mal die Fotos aus der Kamerafalle sahen, konnten wir es kaum glauben. Das Saola ist so etwas wie der Heilige Gral unter den Tierarten Südostasiens“, sagt Stefan Ziegler WWF-Referent für die Region. Bis heute ist kaum etwas über die Lebensweise und die Zahl der noch existierenden Tiere bekannt. Die Wiederentdeckung sei ein positives Signal für die Zukunft der stark bedrohten Art, so Ziegler. Der WWF engagiert sich seit der Entdeckung der seltenen Hornträger-Art für deren Überleben.
Der WWF versucht gemeinsam mit Wissenschaftler mehr über Populationsgröße und Lebensweise des Waldrindes herauszufinden, um die Schutzmaßnahmen verbessern zu können. „Optimistische Schätzungen gehen von einigen hundert Saolas aus. Es könnten auch nur noch ganz wenige Individuen existieren“, befürchtet Stefan Ziegler. Das Forschungsprojekt, durchgeführt vom WWF und den vietnamesischen Forstbehörden ist Teil eines Vorhabens, das den Artenreichtum in den Wäldern Südostasiens bewahren will.
Der Lebensraum des Waldrinds – die Annamiten-Region – erstreckt sich über die Grenzregion zwischen Laos und Vietnam. Während auf laotischer Seite vor allem der illegale Holzeinschlag den Lebensraum bedrohe, stellt Wilderei auf der vietnamesischen Seite ein Problem dar, so der WWF. Um das Saola vor dem Aussterben zu bewahren, wurde in den beiden Ländern ein Netz aus Schutzgebieten und Korridoren u.a. mit Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) über die KfW Entwicklungsbank eingerichtet.

14. November, NABU
Hoffnung für eine der seltensten Vogelarten der Welt
Expedition entdeckt 140 Löffelstrandläufer nahe Shanghai
14. November 2013 – Ein internationales Forscherteam machte an der chinesischen Küste einen sensationellen Fund: In den Wattflächen nahe Shanghai entdeckten die Biologen 140 Löffelstrandläufer (Calidris pygmeus), eine der seltensten und bedrohtesten Vogelarten weltweit. „Das dürfte fast der gesamte noch existierende Altvogelbestand dieser Art sein“, vermutet Expeditionsteilnehmer Dr. Nigel Clark vom British Trust for Ornithology.
Vertreter der Provinzregierung stellen jetzt die Ausweisung eines speziellen Löffelstrandläufer-Schutzgebietes in Aussicht. „Dies ist ein historischer Moment! Zum ersten Mal seitdem unsere Schutzbemühungen begannen, können wir hoffen, dass die Art doch noch gerettet werden kann“, freut sich Dr. Christoph Zöckler, Koordinator der Löffelstrandläufer-Task-Force und Projektleiter bei der Manfred-Hermsen-Stiftung in Bremen. Die internationale Löffelstrandläufer-Task-Force ist im Rahmen des East Asian-Australasian Flyway Partnership (EAAFP) gebildet worden und führt Naturschutzmaßnahmen für den Löffelstrandläufer durch.
Rekordfunde von Löffelstrandläufern und Tüpfelgrünschenkeln
Die Expedition fand vom 15. bis 19. Oktober an einem 120 Kilometer langen Küstenabschnitt in der Provinz Jiangsu statt. Das Expeditionsteam fand neben den 140 Löffelstrandläufern auch noch rund 1.200 Tüpfelgrünschenkel (Tringa guttifer ), eine ebenfalls extrem seltene und weltweit bedrohte Watvogelart. Dies ist die größte Ansammlung des rapide abnehmenden Löffelstrandläuferbestandes, die jemals seit seiner Einstufung als weltweit „vom Aussterben bedroht“ 2008 gefunden wurde. Auch für den als „stark gefährdet“ eingestuften Tüpfelgrünschenkel ist es die höchste jemals festgestellte Ansammlung. Beide Arten brüten ausschließlich in Russland und sind auf ihrem Zugweg stark von intakten Wattflächen als Rast- und Mausergebieten abhängig.
Der nur spatzengroße Strandläufer mit dem ungewöhnlichen, löffelartig verbreiterten Schnabel brütet im äußersten Nordosten Russlands an der Küste der Beringsee und wandert alljährlich 8000 Kilometer durch 14 Länder über China, Japan und Korea nach Südostasien zum Winterquartier. Massive Verluste von Küstenbiotopen auf dem Zugweg und der Vogelfang in Myanmar, Bangladesh, aber auch in China haben den Bestand seit dem Jahr 2000 von 1000 Paaren auf heute weniger als 100 Paare dezimiert.
Reservat soll Wattflächen als Rastgebiet bewahren
Auch entlang der Jiangsu-Küste sind viele der Wattflächen durch fortwährende Eindeichungen zur landwirtschaftlichen und industriellen Entwicklung bedroht. Es ist von daher als positives Zeichen zu sehen, dass die lokalen und regionalen Regierungen der chinesischen Provinz die Auszeichnung eines speziellen Löffelstrandläufer-Schutzgebietes ankündigen, das zumindest Teile der wichtigen Wattflächen sichern wird.
„Ich bin angenehm überrascht, so viele Löffelstrandläufer hier in Rudong zu sehen”, sagt der Task-Force-Vorsitzende Dr. Evgeny Syroechkovskiy vom Russischen Ministerium für Natürliche Ressourcen. „Wir hoffen, dass diese wichtigen Gebiete für die Zukunft gesichert werden können. Ich werde meinem Minister vorschlagen, beide bedrohten Arten mit in das erst unlängst unterzeichnete bilaterale Abkommen zwischen China und Russland zur Zusammenarbeit im Schutz wandernder Tierarten aufzunehmen.“

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