Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

18.11.2013, Niederösterreichische Landesregierung
Naturland Niederösterreich hat Vorreiterrolle
St. Pölten (OTS/NLK) – Eine aktuelle Flash-Eurobarometer-Studie des EU-Umweltbüros bestätigt, dass die Menschen in Europa über das Verschwinden diverser Tier- und Pflanzenarten besorgt sind. Über 90 Prozent der Befragten halten es für wichtig, den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen, mehr als ein Drittel werden sogar persönlich aktiv im Kampf gegen das Artensterben. 78 Prozent der Befragten geben an, einen Beitrag zu leisten, indem sie beim Einkauf
auf umweltfreundliche Produkte achten.
Hintergrund der Umfrage sind dramatische Zahlen zur Artenvielfalt. Mehr als ein Drittel der bekannten Arten sind weltweit vom Aussterben bedroht. In der EU ist sogar jede vierte Art gefährdet. 60 Prozent der Ökosysteme wurden in den letzten 50 Jahren mehr oder weniger nachhaltig zerstört. Intensive Landnutzung, Raubbau an einzigartigen
Lebensräumen, die Einschleppung nicht standortgerechter Arten, aber auch die Beeinträchtigung oder Zerstörung von Lebensräumen führen zu einem dramatischen Rückgang der Arten.
„Diese Studienergebnisse bestätigen, dass wir bereits vor Jahrzehnten den richtigen Weg eingeschlagen haben: 1924 erließ Niederösterreich als erstes Bundesland ein Naturschutzgesetz und arbeitet erfolgreich an Schutz und Erhalt der Artenvielfalt“, so Naturschutz-Landesrat Dr. Stephan Pernkopf. 30 Prozent der NÖ Landesfläche sind als Schutzgebiet ausgewiesen. Insgesamt gibt es im Bundesland Niederösterreich 68 Naturschutzgebiete, 36 Europaschutzgebiete, ein Wildnisgebiet, einen Biosphärenpark, zwei Ramsar-Gebiete, zwei Nationalparks, 23 Naturparke, 1.612 Naturdenkmäler und 29 Landschaftsschutzgebiete.
„Der Schutz der einzigartigen ökologischen Vielfalt ist ein Ziel, welches auch bei den Bürgerinnen und Bürgern hohen Stellenwert hat“, so Mag. Maria Lackner, Leiterin der Initiative Naturland Niederösterreich. Um die Biodiversität zu erhalten, brauche es aber zahlreiche helfende Hände. „Viele Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher engagieren sich bereits freiwillig“, sagt Lackner.
Auf der Webseite www.naturland-noe.at finden Interessierte Informationen zu Pflegeeinsätzen und Mitmachmöglichkeiten.

18.11.2013, Niederösterreichische Landesregierung
Start des neuen LIFE-Projekts „Auenwildnis Wachau“
St. Pölten (OTS/NLK) – Nach der Erweiterung des größten Urwalds Mitteleuropas, dem Wildnisgebiet Dürrenstein um knapp 1.000 Hektar, wird nun in Niederösterreich bereits der nächste Schritt in Richtung mehr Wildnis gesetzt: Bis zum Jahr 2020 sollen 50 Hektar naturnahe Auwaldbereiche in der Wachau als Auenwildnis-Naturschutzgebiete ausgewiesen werden. Das Projekt wird vom NÖ Landesfischereiverband, dem Lebensministerium und dem Land Niederösterreich finanziell
unterstützt. Das Projektbudget ist mit rund 3,9 Millionen Euro veranschlagt, wovon bei einer Bewilligung durch die Europäische Union diese knapp 2 Millionen Euro beisteuern wird. Projektträger des eingereichten LIFE+ Projekts ist die Via Donau. Partner für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen sind der Arbeitskreis Wachau und die Marktgemeinde Rossatz-Arnsdorf.
„Zusätzlich zu ihrer Funktion als Lebensräume für seltene und gefährdete Arten leisten Auen als Retentionsräume auch einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz“, unterstreicht Naturschutz-Landesrat Dr. Stephan Pernkopf die positiven Effekte des Öko-Projekts. „Niederösterreich ist Spitzenreiter bei der Umsetzung von LIFE-Projekten. Von 45 Projekten österreichweit wurden 21 in unserem Bundesland realisiert. Dabei wurden rund 80 Millionen Euro investiert, wobei der Finanzierungsanteil der Europäischen Union 46 Prozent ausmacht“, führt Pernkopf weiter aus.
Das kürzlich bei der Europäischen Union eingereichte Projekt „Auenwildnis Wachau“ soll an zwei vorangegangene LIFE-Projekte in der Region anschließen. Im Zeitraum von 2015 bis 2020 sind umfangreiche Maßnahmen zur Revitalisierung von Altarmresten geplant. Bestehende Auwaldflächen auf bereits vorhandenen und neu entstehenden Inseln sollen verbessert bzw. erweitert werden. Für stark gefährdete Amphibien wie die Gelbbauchunke und den Donau-Kammmolch ist die Anlage von eigenen Laichgewässern vorgesehen, für den Seeadler werden Horste angelegt, wertvolle Altbäume werden geschützt.

20.11.2013,20.11.2013, Hessisches Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Rote Liste „Faltenwespen“ und Rote Liste „Moose“ neu erschienen
Wiesbaden (agrar-PR) – Mit der „Roten Liste der Faltenwespen“ sowie der „Roten Liste Moose“ wurden zwei weitere Verzeichnisse veröffentlicht, die über gefährdete Pflanzen- und Tierarten in Hessen informieren. Somit sind für den Bereich des Bundeslandes Hessen inzwischen 25 Rote Listen verfügbar. Die Aufstellung der Roten Listen der Faltenwespen und Moose Hessens basiert auf der Kenntnis von Spezialisten und der Auswertung von Literaturdaten. „Ohne diese Meldungen könnte niemals der aktuelle Stand der Erkenntnisse zu Hessens Fauna und Flora wiedergegeben werden. Mein Dank gilt deshalb den Spezialisten, die die Daten teilweise über Jahre hinweg gesammelt und nun zur Verfügung gestellt haben“, sagte Umweltministerin Lucia Puttrich.
Rote Listen sind Verzeichnisse ausgestorbener, verschollener und auch in unterschiedlicher Weise gefährdeter Tier- und Pflanzenarten beziehungsweise Biotoptypen oder auch Artgesellschaften. Sie geben damit Auskunft über Gefährdungskategorien der jeweilig betrachteten Arten oder deren Gesellschaften. „In Hessen gibt es seit nunmehr über 30 Jahren Rote Listen zu gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Sie sind seitdem zu wichtigen Instrumenten des Naturschutzes geworden und dienen damit auch der Erhaltung der biologischen Vielfalt“, berichtete Lucia Puttrich.
Basis zur Erstellung neuer Roter Listen ist die Bewertung der Gefährdung anhand eines Kriteriensystems bestehend aus der heutigen Verbreitung und Bestandsgrößen, der Abschätzung der kurz- und langfristigen Bestandsentwicklung sowie der Zuordnung von Risikofaktoren. Die Roten Listen besitzen keine Gesetzeskraft, sondern haben eher den Charakter eines wissenschaftlichen Gutachtens, das in der Regel von ehrenamtlichen Experten in Zusammenarbeit mit dem behördlichen Naturschutz erstellt wird. Sie bieten damit Argumentations- und Entscheidungshilfen bei umwelt- und raumrelevanten Planungen, sind Anregung für Gebietsschutz- und Artenschutzmaßnahmen; darüber hinaus dienen sie der Information der Öffentlichkeit, zeigen auch Forschungsbedarf auf und dienen ebenfalls der Erfolgskontrolle von Maßnahmen des Naturschutzes.
Die herausgegebenen Roten Listen können beim Regierungspräsidium Gießen bestellt werden. Als Ansprechpartner steht Herr Sven Venter (Tel. 0641/303-5567, Email: Sven.Venter@rpgi.hessen.de) zur Verfügung. Alle Roten Listen sind außerdem im Internet auf der Homepage des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (www.hmuelv.hessen.de) als kostenloser Download verfügbar.

21.11.2013, „No to biodiversity offsetting“
NGO-Bündnis fordert: Keine Biodiversitäts-Offsetts!
Anlässlich des heute beginnenden Weltforums zu Naturkapital in Edinburgh haben sich 140 Umweltorganisationen aus der ganzen Welt gegen sogenannte Biodiversitäts-Offsetts ausgesprochen. Biodiversitäts-Offsets sehen vor, dass Unternehmen Natur für einzelne Projekte zerstören können, wenn sie stattdessen an anderer Stelle Schutzmaßnahmen durchführen.
Mit der Forderung weist das NGO-Bündis darauf hin, dass die Ausgleichsmaßnahmen das Umweltrecht untergraben würden, da umweltschädliche Aktivitäten somit unter bestimmten Bedingungen erlaubt würden. „Offsetts behandeln die Natur wie eine Ansammlung austauschbarer Produkte, die man im Supermarkt kauft. Einen Wald oder einen Fluss zu zerstören, mit dem Versprechen, dafür einen anderen zu schützen, erkennt nicht an, dass diese Teile eines breiteren Ökosystems sind. Die Zerstörung komplexer und spezifischer Biodiversität kann nicht ausgeglichen werden. Offsets helfen nicht im Kampf gegen den Verlust der Biodiversität, sondern tragen nur zur Verarmung von Regionen bei“, sagte Hannah Mowat von der europäischen Waldschutzorganisation FERN.
Auch die EU plant derzeit mit der „No Net Loss Initiative“ Ausgleichsmaßnahmen einzuführen und so die bestehenden Umweltschutzrichtlinien aufzuweichen.

21.11.2013, Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Herausragender Fund in der Grube Messel: Eine neue Großkopfechse in der Sammlung des HLMD
Bei der letztjährigen Grabungskampagne des HLMD wurde eine hervorragend erhaltene Großkopfechse entdeckt. Derartige Funde sind noch seltener als die berühmten „Urvögel“ (Archaeopteryx). Während man von diesen inzwischen bereits etwa zehn Exemplare kennt, gab es von den Großkopfechsen bislang gerade einmal sieben.
Das Hessische Landesmuseum Darmstadt besitzt eine der ältesten und weltweit bedeutendsten Messel Sammlungen. Diese umfasst, neben weltberühmten Funden, wie z.B. dem „Ameisenbären“ Eurotamandua joresi, dem „Urtapir“ Hyrachyus minimus, und etlichen Exemplaren der bekannten „Urpferdchen“, auch historisch wichtiges Material aus der heutzutage für Grabungen nicht mehr zugänglichen Grube Prinz von Hessen. Seit 1966 werden planmäßige Grabungen im UNESCO-Weltnaturerbe-Denkmal durchgeführt, bei denen auch heute noch bedeutende Funde zu Tage kommen können.
Der Neufund hat eine Kopf-Schwanzlänge von stattlichen 91,39 cm und ist bis auf die Schwanzspitze und die Finger der rechten Vorderextremität vollständig. Die Erhaltung ist hervorragend, sogar der Hautschatten und kleinere Reste des „Mageninhalts“ sind an manchen Stellen zu sehen. Neben dem Holotyp dürfte es sich um das beste Exemplar dieser Art handeln.
Die Großkopfechsen sind bislang nur aus der Grube Messel bekannt. Der Gattungsname bezieht sich auf das auffällig skulpturierte Schädeldach (Ornatocephalus bedeutet in etwa „verzierter Kopf“), der Artname (O. metzleri) ehrt einen Donatoren. Sie gehören zur Überfamilie Scincoidea, in die sowohl die echten Skinke (Familie Scincidae) als auch die Gürtelechsen (Familie Cordylidae), Schildechsen (Familie Gerrhosauridae) und die Nachtechsen (Familie Xanthusiidae) gestellt werden. Unter den heutigen Formen kann man die Großkopfechsen noch am ehesten mit dem Smaragdwaran (Varanus prasinus) oder dem Schwarzen Baumwaran (Varanus beccarii) vergleichen. Der lange Greifschwanz in Kombination mit den stark gekrümmten Krallen an den Vorder- und Hinterextremitäten spricht für eine baumgebundene Lebensweise. Der stark gepanzerte Schädel war wahrscheinlich relativ unbeweglich, so dass die Tiere wohl keine flinken und effektiven Jäger waren, sondern sich eher von Pflanzen und Insekten ernährt haben dürften. Dies stimmt mit den bislang nachgewiesenen Inhalten des Magen-Darm -Traktes überein.
Der jetzt vorgestellte Fund wurde am 07. August 2012 von Phillip Müller, einem unserer damaligen Grabungspraktikanten, entdeckt (Fundbuch Nr. 2012-5-129, Planquadrat I 8, 58 cm unter dem Leithorizont).
Die Präparation war vor allem deshalb schwierig, weil der Kopf- und ein Teil des Brustbereiches noch vollständig vom Ölschiefer bedeckt waren und in einer sehr dünnen Ölschieferplatte lagen. Diese musste sorgsam angepasst und stabilisiert werden, bevor mit dem Freilegen begonnen werden konnte.
Diese Mühen sieht man dem Exemplar heute nicht mehr an. Nachdem die Fehlstellen sorgsam retuschiert wurden, präsentiert sich die Großkopfechse als ein nicht nur wissenschaftlich überaus wichtiges, sondern auch in ästhetischer Hinsicht äußerst beeindruckendes Exponat.

21.11.2013, Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde
Die Gelbbauchunke ist der Lurch des Jahres 2014
Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) hat die Gelbbauchunke zum Lurch des Jahres 2014 ernannt.
Fachlich unterstützt wird die alljährliche Wahl von den Kooperationspartnern NABU und BUND sowie von der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH), der Koordinationszentrale für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (karch) und dem Nationalmuseum für Naturgeschichte in Luxemburg.
„Mit der Wahl der seltenen Gelbbauchunke wollen wir eine bedrohte und durch Aussehen und Verhalten ungewöhnliche Amphibienart in den Blickpunkt rücken. Der Froschlurch des Jahres hat bei uns seine natürlichen Lebensräume durch menschliches Tun weitgehend verloren, findet aber Ersatzbiotope in Abbaugruben und auf militärischen Übungsplätzen“, erklärt DGHT-Vizepräsident Dr. Axel Kwet.
Dennoch steht es nicht gut um die einheimische Gelbbauchunke! Zwar ist die Art, allen Unkenrufen zum Trotz, europaweit nicht vom Aussterben bedroht, doch gilt sie in Deutschland als stark gefährdet. Hand aufs Herz, wer hat den Lurch des Jahres 2014 schon einmal am Wegesrand gesehen, wer den melodischen Klang einer rufenden Unke vernommen? Wer weiß, was ein Unkenreflex und was ein Unkenschnupfen ist?
Die Gelbbauchunke besitzt zwei ganz unterschiedliche Seiten: Von oben erscheint sie durch die dezent graubraune bis lehmgelbe Rückenfärbung als graue Maus, von unten ist sie durch ihren individuell gelb-schwarz gemusterten Bauch unser auffallendster Froschlurch, der mit seinen herzförmigen Pupillen auch sofort sympathisch wirkt. Eine lebensrettende Strategie der kaum 4–5 cm langen Unke ist es, Feinde durch das plötzliche Zeigen der plakativ gefärbten Unterseite zu erschrecken. Das eigenartige Abwehrverhalten, bei dem sich die Unke in einer Kahnstellung „nach oben biegt“ und so leuchtend gelbe Körperpartien präsentiert, wird Unkenreflex genannt. Auch der Unkenschnupfen hängt mit der Feindabwehr zusammen, denn die giftigen Sekrete der Tiere sind schleimhautreizend und können beim Menschen schnupfenähnliche Reaktionen auslösen.
„Die besten Lebensräume der Gelbbauchunke sind flache, sonnenexponierte Kleingewässer im waldnahen Offenland, die sich leicht erwärmen und eher vegetationsarm sind“, erläutert der Sprecher der AG Feldherpetologie und Artenschutz der DGHT, Richard Podloucky. Überschwemmungsgewässer, Quelltümpel oder dynamische Bachkolke entlang von Fließgewässern bildeten früher die natürlichen Laichgewässer der Art, heute werden in unserer Kulturlandschaft bevorzugt Sekundärbiotope wie wassergefüllte Fahrspuren und Kleingewässer im Wald genutzt. Zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen zählen die regelmäßige Pflege vorhandener Laichgewässer und deren Wiederherstellung bei Verlandung, aber auch die Neuanlage von Kleingewässern und Vernetzung der Lebensräume.

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