Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

27.11.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Rote Liste Vögel 2013: Anzahl vom Aussterben bedrohter Vogelarten so hoch wie nie
Laut der Roten Liste der Vögel 2013 von BirdLife International sind heute nahezu 200 Vogelarten weltweit in ernster Gefahr, für immer vom Globus zu verschwinden — mehr als jemals zuvor. Gefahren drohen von vielerlei Seiten: Lebensraumverlust, Veränderungen in der Landwirtschaft, invasive Arten und Klimawandel gelten als Hauptursachen. In die höchste Risikokategorie „vom Aussterben bedroht“ der Roten Liste bedrohter Arten der IUCN, für die BirdLife International die Vogelarten bearbeitet, werden Arten aufgenommen, die einem extrem hohen Risiko des Aussterbens in der Wildnis gegenüberstehen.
Die jüngste Ergänzung der Liste vom Aussterben bedrohter Arten ist die Spiegelralle Sarothrura ayresi Äthiopiens. Zerstörung und Veränderung ihrer feuchten Hochland-Lebensräume durch Entwässerung, Umwandlung in Ackerland, Wasserentnahme beispielsweise für Bewässerung, Überweidung durch Vieh und Mähen der Wiesenvegetation haben diese heimliche und unauffällige Vogelart der Sub-Sahara in diesen Zustand gebracht. Um die Spiegelralle vor dem Aussterben zu bewahren, müssen Kenntnislücken zu ihrer Biologie geschlossen und dringende Maßnahmen zur Abwendung von Gefahren unternommen werden.
Die Weidenammer Emberiza aureola ist ein weiteres Extrembeispiel. In den letzten Jahren wurde hauptsächlich wegen unkontrollierter Fänge in den Überwinterungsgebieten in Südchina und Südostasien ein katastrophaler Bestandszusammenbruch verzeichnet. Noch im Jahr 2000 wurde die einstmals häufige Weidenammer in der Roten Liste als „nicht gefährdet“ geführt — alleine im vergangenen Jahrzehnt musste die Art jedoch dreimal (!) in eine jeweils höhere Kategorie eingestuft werden. Jetzt gilt die Weidenammer als gefährdet und ist nur noch einen letzten Sprung davon entfernt, die nächste Art in der Kategorie „vom Aussterben bedroht“ zu werden.
Es gibt aber auch gute Nachrichten und Erfolge im Naturschutz. Zwei Albatrosarten, eine der am meisten gefährdeten Vogelfamilien weltweit, werden als weniger gefährdet angesehen, nachdem ihre Bestände wieder zugenommen haben. Schwarzbrauen-Albatros und Schwarzfußalbatros konnten beide aus höheren Gefährdungskategorien heruntergestuft werden, so dass Naturschützer Hoffnung schöpfen, das Schicksal der Albatrosse umkehren zu können. Die Hauptgefahr für Albatrosse liegt im Beifang in der Fischerei. Zahlreiche Langleinen- und Schleppnetzfischer weltweit bemühen sich, die Todeszahlen unter Seevögeln durch Beifang zu reduzieren. Wenn der positive Trend anhält, könnten Schwarzbrauen-Albatros und Schwarzfußalbatros ein Zeichen für die Zukunft setzen.
Zwei weitere Arten der Insel Rodgrigues im indischen Ozean, Rodriguezweber Foudia flavicans und Rodrigues-Rohrsänger Acrocephalus rodericanus, konnten ebenfalls als Ergebnis von Schutzmaßnahmen in eine niedrigere Gefährdungskategorie heruntergestuft werden –Lebensraumschutz und Wiederaufforstungen im Zuge von Erosionsschutz waren der Schlüssel zur Erholung der beiden Arten. Weiterhin hat das Fehlen katastrophaler Zyklone in den letzten Jahren positiv zur Bestandserholung beigetragen. Die meisten Flächen wurden zwar mit exotischen Baumarten aufgeforstet, an einigen Stellen begann man aber auch mit der Wiederherstellung des natürlichen Lebensraumes. Nicht heimische Baumarten wurden entfernt, durch heimische Arten ersetzt und die Flächen zum Schutz vor Wildverbiss und Holzeinschlag eingezäunt.
Die Rote Liste der Vögel 2013 ist eine Mischung guter sowie schlechter Nachrichten. Sie zeigt, dass Naturschutzorganisationen überall auf der Welt Erfolge vorweisen und Arten vor dem Aussterben bewahren können. Die erfolgreichen Bemühungen müssen auch weiterhin verstärkt werden.

29.11.2013 Dachverband Deutscher Avifaunisten
Nils Holgersson 2.0: Flug auf dem Rücken eines Basstölpels
Britische Forscher der Universität Exeter und der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) haben unglaubliche Filmaufnahmen veröffentlicht, die die rasanten Flüge von Basstölpeln aus einer völlig neuen Perspektive zeigen. Die Wissenschaftler statteten einige Vögel in der mit fast 40.000 Brutpaaren viertgrößten Basstölpel-Kolonie der Welt auf der Wales vorgelagerten Insel Grassholm mit Mini-Kameras aus. Die faszinierenden Bilder zeigen einen Vogel hoch über der walisischen Küstenlinie, bei der Landung in der lebhaften Kolonie, beim Flug knapp über der Wasseroberfläche und im Sturzflug bei spektakulären Tauchgängen.
Da Seevögel einen Großteil ihres Lebens auf offener See verbringen, sind sie nur schwer zu untersuchen. Durch die neue Kameratechnik können nun das Verhalten abseits der Kolonien, Reaktionen auf Fischtrawler oder Interaktionen mit anderen Vögeln genauer studiert werden, was bisher von Land aus unmöglich war. Die sehr leichten Kameras sind mit GPS-Sendern ausgestattet, sodass sich die Flüge der Vögel exakt verfolgen lassen und neue Erkenntnisse darüber gewonnen werden können, wie lange die Vögel fliegen sowie wann und wo sie Nahrung suchen oder ruhen. Die neue Technik hat bereits erste Erkenntnisse gebracht: So wurde festgestellt, dass männliche Basstölpel Abfälle der Fischtrawler offenbar deutlich stärker als Nahrung nutzen als die Weibchen.
Der neue Einblick in die „Privatsphäre“ der Basstölpel soll auf lange Sicht maßgeblich zum Schutz der Basstölpel und zur Ausweisung von Meeresschutzgebieten beitragen.

Fly with a gannet from DaMan on Vimeo.

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