Portrait: Ostkaukasischer Steinbock

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Antilopinae
Tribus: Ziegenartige (Caprini)
Gattung: Eigentliche Ziegen (Capra)
Art: Ostkaukasischer Steinbock (Capra cylindricornis)
Ostkaukasischer Steinbock (Zoo Liberec)

Ostkaukasischer Steinbock (Zoo Liberec)

Der Ostkaukasische Steinbock wird auch Daghestan-Tur genannt und bewohnt die östlichen Teile des Kaukasus. Wie die anderen Steinböcke gehört er zur Gattung der Ziegen. Traditionell werden Ostkaukasischer Steinbock und Westkaukasischer Steinbock als eigenständige Arten aufgefasst. Genetische Studien scheinen diese Trennung zu bestätigen. Der Westkaukasische Steinbock scheint demzufolge enger mit der Bezoarziege als mit dem Ostkaukasischen Steinbock verwandt zu sein. Die äußerlichen Ähnlichkeiten innerhalb der kaukasischen Steinböcke könnten daher auf Hybridisierungen zwischen den beiden Arten zurückzuführen sein. Diese These wird auch durch die Tatsache gestützt, dass das mitochondriale Genom einzelner Westkaukasischer Steinböcke dem von Ostkaukasischen entspricht.

Der Ostkaukasische Steinbock erreicht eine Körperlänge von 140 bis 170 Uentimeter, eine Schulterhöhe von 75 bis 105 Zentimeter, eine Schwanzlänge von bis zu 15 Zentimeter sowie ein Gewicht von 55 bis nahezu 140 Kg. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das Männchen (Bock) verfügt über zwei gewaltige Hörner, die nach unten stark spiralartig gekrümmt sind und durchaus eine Länge von 70 bis 90 Zentimeter erreichen können. Weibchen haben deutlich kleinere und weniger stark gekrümmte Hörner. Sie erreichen bei den Weibchen lediglich eine Länge von 20 bis 30 Zentimeter. Die Hörner sind fest mit dem Kopf verwachsen und werden nicht abgeworfen und wachsen ein lebenlang. Die Verbindung zwischen Horn und Schädeldecke stellen sogenannte Knochenzapfen dar. Das Männchen hat auf der Stirn zudem massive Verknöcherungen, die bei Kämpfen die Kopfstöße abmildern.
Das Sommerfell des Männchen ist braun bis rotbraun und geht bei älteren Böcken ins gräuliche über. Das Fell des Weibchen ist eher rotbraun bis hellbraun. Im Winter tragen beide Geschlechter ein deutlich dichteres Fell, das eine dunkelbraune Färbung aufweist. Die Bauchseite ist deutlich heller. Der Bock hat unter seinem Kinn einen kleinen Bart. Alle Sinne der Ostkaukasischen Steinböcke sind sehr gut entwickelt. Vor allem der gut ausgebildete Geruchssinn hilft ihnen bei der Nahrungssuche. Insgesamt ist der Körperbau der Ostkaukasischen Steinböcke kräftig untersetzt; die Beine, mit den extrem gut angepassten Hufen, sind eine Anpassung an den Lebensraum im Hochgebirge. Die Laufzehen verfügen zusätzlich über sogenannte Felssporne, die aufgesetzt werden können. Damit haben sie selbst im steilsten Gelände einen guten Halt. Sie sind natürlich gute Kletterer und Springer, die mühelos Sprünge von mehreren Metern absolvieren können. Überhaupt bewegen sich die Tiere im Hochgebirge mit traumwandlerischer Sicherheit.

Kaukasische Steinböcke leben auf Felsklippen und Steilhängen des Kaukasus in Höhen zwischen 800 und 4200 Metern. Dort kann man sie sowohl auf Wiesen, Geröllfeldern als auch im Waldgelände antreffen. Wie alle Steinböcke klettern sie ausgezeichnet. Im Sommer halten sich die Tiere für gewöhnlich in größeren Höhen auf als im Winter. Im Herbst steigen sie um 1500-2000 Meter in niedrigere Lagen ab. Im Gegensatz zum Winter, wenn sich diese Steinböcke gern auf sonnigen, offenen Hängen aufhalten, suchen sie während des Sommers gern schattige Plätze auf. Ihre Nahrung besteht aus Gräsern, Blättern und Kräutern, wobei Laubnahrung im Winter eine größere Rolle spielt als im Sommer, wenn sie sich vor allem von Gräsern ernähren. Die Tiere bilden zeitweilig große Herden, so konnten schon Ansammlungen von 500 Tieren beobachtet werden. Die stabileren Kleingruppen, aus denen sich diese großen Herden zusammensetzen, bestehen meist jedoch nur aus etwa einem dutzend Tieren.

Ostkaukasischer Steinbock (Zoo Augsburg)

Ostkaukasischer Steinbock (Zoo Augsburg)

Die Geschlechtsreife erreichen Weibchen der Ostkaukasischen Steinböcke mit etwa zwei bis vier Jahren. Männchen brauchen meist ein oder zwei Jahre länger. Zur Fortpflanzungszeit stossen die Männchen zu den Geißgruppen. Dabei kann es zu heftigen Kämpfen unter den Männchen kommen, denn nur der stärkste Bock hat ein Recht auf Paarung mit allen Weibchen der Gruppe. Daher haben junge geschlechtsreife Böcke in jungen Jahren kaum eine Chance auf die Fortpflanzung. Nach einer Tragezeit von 150 bis 160 Tagen bringt das Weibchen an einer geschützten Stelle ein, selten zwei Jungtiere zu Welt. Die ersten Tage bleibt das Jungtier in der Vegetation verborgen, erst dann ist das Kitz in der Lage, der Mutter und der Gruppe zu folgen. Sie haben ein besonders dichtes Fell, das sie gegen Kälte schützt. Sie wachsen innerhalb der Gruppe in Kindergruppen mit mehreren Jungtieren auf. Sie werden rund acht Monate von der Mutter gesäugt. Unhabhängig sind die Jungtiere meist mit 18 Monaten. Die Lebensdauer eines Ostkaukasischen Steinbocks kann in Freiheit bis 15 Jahre betragen, in Gefangenschaft auch bis zu 22 Jahren.

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