Funktioniert ein Eurozoo?

Löwe, Tiger, Eisbären, Elefanten und Giraffen sind Tiere, die man in einem Zoo erwartet. Manchmal fehlen einige dieser Tiere, aber in jedem größeren Zoo sind mindestens ein paar dieser Tiere vertreten. Dazu kommen Nashörner, Antilopen und Krokodile.
Aber muss das sein? Könnte ein Zoo nur mit europäischen Tieren nicht auch funktionieren? Dann wird man zwar weder Löwen, noch Elefanten vorfinden, aber man erfährt einiges über die heimische Tierwelt. Und ich glaube, dass das Wissen über die europäischen Tiere geringer ist, als das über die Tiere Afrikas.
Wer kennt sich schon mit der heimischen Vogelwelt aus oder weiß über das Erscheinungsbild der europäischen Megafauna.
Europäische Tiere sind nicht langweiliger oder weniger sehenswert als Tiere anderer Kontinente und weniger farbenprächtig sind sie auch nicht, wenn man sich Blauraken, Bienenfresser und zahlreiche Sperlingsvögel ansieht.
Trotzdem wagen sich nur wenige Zoos daran, rein europäische Tiere zu zeigen.
Natürlich gibt es zahlreiche Wildparks, die heimische Tiere zeigen. Laut Wikipedia sind Wildparks Zoos, die vor allem einheimische Wildtiere in naturnahen Gehegen hält. Ein Zoo bezeichnet eine große, meist parkartige Anlage zur Haltung und öffentlichen Zurschaustellung verschiedener Tierarten. Typisch für Zoos sind auch begehbare Gebäude (Aquarien, Terrarien, Tropenhallen…), die einem Wildpark fehlen. Übergänge mögen vorhanden sein (beispielsweise im Tierpark Sababurg, der eigentlich ein Wildpark ist, aber mit Affen, Pinguinen und Meerkatzen auch exotische Tiere zeigt), aber mir sind nur drei Einrichtungen bekannt, die sich als Zoo mit heimischen Tieren bezeichnen: Der Alpenzoo Innsbruck (Österreich), der Bayerwald-Tierpark Lohberg (Deutschland) und der Zoopark Chomutov (Tschechien).

Im Forum der Zoofreunde wurden vor einiger Zeit Überlegungen angestellt, wie ein Eurozoo aussehen muss, um genügend Besucher anzulocken.
Meine Überlegungen werde ich hier wiedergeben. Ob es so wirklich funktionieren würde weiß ich nicht, aber ich könnte mir das durchaus vorstellen. Auf ein Delfinarium würde ich verzichten, da die Haltung von Delfinen und anderen Kleinwalen sehr umstritten ist. Ich habe zwar gute Vorstellungen davon, wie ein ideales Delfinarium aussehen könnte, aber das würde den Rahmen eines kleinen Zoos sprengen.
Natürlich ist jeder eingeladen, seine Meinungen einzubringen.

Im Eingangsbereich des Zoos könnte man einen Schaubauernhof errichten, vergleichbar mit dem Tiroler Hof in Wien oder dem Bauernhof im Thüringer Zoopark.
Neben bedrohten Haustierrassen und einem Streichelzoo (Kombinationen von beidem ist möglich), könnten Hühner und Gänse auch freilaufend durch das Gelände laufen.
Außerdem könnte man mit etwas Aufwand (dem entsprechenden Personal, oder in Zusammenarbeit mit der Vhs) verschiedene Kurse anbieten, die sich rund um das Leben im Bauernhof beschäftigen (das muss jetzt auch nicht unbedingt tierbezogen sein).
Und ein Spielplatz sollte auch nicht fehlen, zwar nichts zoospezifisches, aber man muss auch (oder vor allem) an Kinder denken, die bringen ihre Eltern mit, wenn sie in den Zoo wollen…und ohne Abwechslung hat man bald lauter quengelnde Kinder.

Waldvogelvoliere (Wildpark Klaushof)

Waldvogelvoliere (Wildpark Klaushof)

Nach dem Haustierbereich könnte eine Art Miniwildpark durch den Lebensraum Wals führen. Neben dem Tierbesatz könnte man durch Infotafeln auf den Lebensraum hinweisen und mit verschiedenen Spielen das Interesse von Kindern an den Lebensraum wecken. Neben Gehegen für europäische Waldtiere (Rothirsch, Reh, Eichhörnchen, Rotfuchs, verschiedene Marderarten, Braunbär, Wolf) könnten begehbare Volieren dem Besucher die Vogelwelt nahebringen. Beispiele dafür kann man bereits im Alpenzoo Innsbruck (Auenwald) und dem Zoo Ohrada (Böhmischer Wald) bieten.

Dem Lebensraum Wald folgt der Lebensraum Gebirge mit Gehegen mit Steinböcken, Gämsen und Murmeltiere, begehbare Geiervoliere und eine begehbare Voliere mit kleineren Gebirgsvögeln.
Natürlich sollten auch hier Infotafeln und Spielmöglichkeiten für Kinder nicht fehlen. Es muss ja nicht immer ein riesiger Spielplatz sein. Lehrpfade zu einer bestimmten Tierart bieten Informationen für Groß und Klein.

Der Lebensraum Wasser kann sich durch den gesamten Zoo ziehen. Auf größeren Seen können Krauskopf- und Rosapelikane, sowie Rosaflamingos gehalten werden. Kleinere Wasserflächen eignen sich für Enten und Gänse.

Strandgehege (Vivarium Darmstadt)

Strandgehege (Vivarium Darmstadt)

Als Besatz würden sich neben europäischen Enten/Gänsearten auch Mandarin- oder Brautenten eignen (als Bioinvasoren). Es sollten allerdings schon mehr als die üblichen Stockenten sein. Es gibt einige Entenarten, die in vielen Zoos gar nicht auffallen, weil sie nicht ganz so farbig sind, aber Krick- und Knäkenten (als Beispiel genannt) gäben ein schönes Bild ab.
Ein Aquarium, vergleichbar mit Innsbruck und Straubing zeigt die heimische Fischwelt, auch Nordsee- und Mittelmeerbecken würden passen. Bei entsprechender Lage (oder Bauweise) wäre auch ein Freiluftaquarium wie im Tiergarten Schönbrunn denkbar.
In einem Gartenteich wäre Platz für freilebende, einheimische Amphibien (und Insekten).
Größere Anlagen könnten wasserlebende Säugetiere zeigen: Fischotter, Biber, Seehunde…
Und natürlich darf eine begehbare Strandvoliere (wie man sie immer häufiger in deutschen Zoos zu sehen bekommt) nicht fehlen.

Ein eigenständiger Themenbereich bietet die Arktis. Rentiere, Moschusochsen, Polarfüsche, Schnee-Eulen und Eisbären wären nur einige Beispiele für Tiere dieses Lebensraums.

Mediterraneum (Tiergarten Nürnberg)

Mediterraneum (Tiergarten Nürnberg)

Ein Terrarium kann sowohl Innen- als auch Außenterrarien zeigen, eine Vergesellschaftung wie im Nürnberger Mediterraneum (Ziesel, Sumpf- und Landschildkröten, Eidechsen) wäre ebenso denkbar.

Der „Zoo der unsichtbaren Tiere“ kann neben nachtaktiven auch unterirdisch lebende Tiere zeigen.

Das sind nur einige Vorschläge, ich bin mir sicher, dass es noch viele andere Möglichkeiten gibt und dass man einen Eurozoo durchaus attraktiv gestalten kann.

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