Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

09.12.2013, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT)
„Natürliche Klimaanlage“ schützt Korallen vor Bleiche
Am ZMT gehen Riffökologen der Frage nach, unter welchen Bedingungen Korallen dem Phänomen der Korallenbleiche trotzen können. Im Tayrona National Park an der Karibikküste Kolumbiens fanden sie jüngst eine Kombination von Umweltfaktoren, die diese Meeresregion zu einem natürlichen Refugium für Korallen macht. Die Forscher empfehlen, dass solche Habitate Umweltschutzpriorität haben sollten. Weltweit kommt es immer wieder zu starken Korallenbleichen, vor allem aufgrund der Meereserwärmung. Die geisterhafte Blässe kann ganze Korallenriffe befallen. In vielen Fällen können sich die betroffenen Korallen nicht mehr oder nur teilweise davon erholen. Am Bremer Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) gehen Riffökologen der Frage nach, unter welchen Bedingungen Korallen dem Phänomen der Korallenbleiche trotzen können. An der Karibikküste Kolumbiens fanden sie eine Kombination von Umweltfaktoren, die diese Meeresregion zu einem natürlichen Refugium für Korallen macht. In einer Bucht des Tayrona National Park, einem Meeresschutzgebiet im Norden Kolumbiens, untersuchten die Ökologin Elisa Bayraktarov und ihre Kollegen über zweieinhalb Jahre Umweltbedingungen, Bleichereignisse und Erholungsprozesse der Riffkorallen. In diesem Zeitraum führte das Klimaphänomen „El Niño“, bei dem sich das Meerwasser stark erwärmt, vor der Küste Kolumbiens zweimal zu Korallenbleichen. Die Ergebnisse Ihrer Forschung sind nun online in der Public Library of Science (PLOS) erschienen. Ein saisonaler Auftrieb schafft im Tayrona National Park besondere Umweltbedingungen. Von Dezember bis April treiben ablandige Passatwinde das Oberflächenwasser von der Küste fort. Kaltes, nährstoffreiches Wasser aus den Tiefen des Meeres dringt dann nach oben. Der Unterschied ist gewaltig, bis zu 10 Grad kühler kann das Wasser hier im Vergleich zu anderen Küstenabschnitten werden. Der Auftrieb setzt in der trockenen, heißen Jahreszeit ein, also genau dann, wenn die Wassertemperatur am höchsten ist. „Die kühlen Wassermassen wirken wie eine natürliche Klimaanlage für die Korallen“ beschreibt Elisa Bayraktarov das Phänomen. „Sie konnten während der „El Niño“ Ereignisse die Temperatur zum Teil ausgleichen“. In der Tat fanden sich in der Bucht bis zu neunmal weniger geblichene Korallen als in anderen benachbarten Küstenabschnitten ohne Auftrieb, wo an die 70% der Korallen betroffen waren. Eine weitere Entdeckung überraschte die Forscher besonders. Bayraktarov und ihre Kollegen untersuchten zwei gegenüberliegende Seiten der Bucht: die windzugewandte war starken Wasserströmungen ausgesetzt, die andere davor geschützt – beide wiesen jedoch die gleiche Temperatur auf. Das Team konnte feststellen, dass die Korallen an der geschützten Seite viel stärker von der Bleiche betroffen waren und sich auch deutlich schlechter regenerieren konnten. „Wir vermuten, dass die Korallen durch die Wasserbewegung besser mit Nährstoffen versorgt werden. Schädliche Sauerstoffradikale, die durch die Meereserwärmung entstehen, könnten effektiver abtransportiert werden“, erklärt Bayraktarov. Sie betont auch den Wert derartiger Auftriebsgebiete für die empfindlichen Korallen: „Diese Rückzugsorte werden immer wichtiger, je mehr die globale Klimaerwärmung fortschreitet. Vielleicht wird es in 50 Jahren nur noch Korallen in solchen natürlichen Refugien geben. Deswegen sollten diese Gebiete eine Umweltschutzpriorität haben.“ Vor allem lokale Verschmutzungen durch nährstoffbelastetes Wasser gelte es im Tayrona National Park zu vermeiden. Bereits jetzt wird die Bucht einer besonderen Nutzung zugeführt: Kolumbianische Projektpartner haben hier eine Korallenaufzuchtsfarm errichtet. Dort werden Baby-Korallen von Arten aufgezogen, die in der Karibik nahezu ausgestorben sind, wie z.B. die Elchgeweihkoralle. Die Studie von Elisa Bayraktarov und ihren Kollegen zeigt, dass sie im Tayrona Nationalpark die besten Überlebenschancen haben.

09.12.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Seevögel in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee — Monitoringbericht 2011/12 erschienen
Der aktuelle Bericht zum Monitoring von Seevögeln in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftzone (AWZ) von Nord- und Ostsee ist jetzt verfügbar. Der vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Universität Kiel im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz erstellte Bericht beschreibt die Ergebnisse der schiffs- und flugzeuggestützten Seevogelerfassungen aus der Berichtsperiode vom 01.09.2011 bis 31.10.2012. Schwerpunkte des Seevogel-Monitorings im Berichtszeitraum waren die Erfassung des Wintervorkommens von Seevögeln in der deutschen Ostsee, des Winter- und Frühjahrsvorkommens von Seetauchern, Zwergmöwen und anderen Seevogelarten in der deutschen Nordsee, der (nach-) brutzeitlichen Seevogelvorkommen in der Nordsee, des Rastvorkommens von Zwergmöwen auf dem Herbstzug in der Pommerschen Bucht (Ostsee) und des potenziellen Mauservorkommens von Trauerenten auf der Oderbank im SPA „Pommersche Bucht“ (Ostsee) sowie vor der niedersächsischen Küste in der deutschen Nordsee. Neben der Darstellung der Vogelvorkommen enthält der Bericht eine Bewertung der Erfassungsmethode, ein Beurteilung der erhobenen Daten in Hinblick auf die Erfüllung der Natura2000- und MSRL-Berichtspflichten sowie einen Ausblick auf die nachfolgenden Untersuchungen im Rahmen des Seevogel-Monitorings. Quelle: FTZ Westküste der Universität Kiel Bericht herunterladen

09.12.2013, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz
„Lebensader Oberrhein“: Höfken startet Naturschutzgroßprojekt
Mainz (agrar-PR) – Seltene Arten aus dem Mittelmeerraum wie Purpurreiher, Bienenfresser oder Schwimmfarn sind hier heimisch geworden. Trotz dichter Besiedelung durch den Menschen zwischen Wörth und Bingen bilden der Rhein und seine Nebengewässer, Flugsanddünen und Auen ein einzigartiges Mosaik von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. „Der Oberrhein ist ein Zentrum der Artenvielfalt in Deutschland und deshalb besonders schützenswert“, sagte Umweltministerin Ulrike Höfken am Montag bei der Auftaktveranstaltung des Naturschutzgroßprojekts „Lebensader Oberrhein – Naturvielfalt von nass bis trocken“ in Mainz. „Mit diesem grenzüberschreitenden Vorhaben bewahren wir wertvolle Biotope für künftige Generationen“, betonte die Ministerin und bedankte sich beim NABU Rheinland-Pfalz, der die Koordination übernommen habe. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat die nördliche Oberrheinebene im Dreiländereck von Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen zu einem von 30 „Hotspots der Biologischen Vielfalt“ in Deutschland ernannt. Gemeinsam mit den drei Ländern hat das BfN das Großprojekt zum Erhalt dieses Naturschatzes nun auf den Weg gebracht. Das Bundesumweltministerium wird dazu in den kommenden sechs Jahren 3,8 Millionen Euro bereitstellen. Rheinland-Pfalz steuert rund 365.000 Euro bei. Ministerin Höfken erinnerte daran, dass der Mensch die Millionen Jahre alte Ober-rheinlandschaft in den vergangenen zwei Jahrhunderten für Schifffahrt, Landwirtschaft und Besiedlung gewaltig umgestaltet habe: „Es ist erstaunlich, wie viele Tier- und Pflanzenarten in unmittelbarer Nachbarschaft des Menschen überlebt haben.“ Aktuell sei die Natur durch den steigenden Flächenverbrauch, den Klimawandel, Überdüngung und auch durch invasive Arten bedroht. Das Projekt „Lebensader Oberrhein“ schließe an bisherige Programme des Landes zur Renaturierung an. Unter anderem sollen Feuchtwiesen rekultiviert, Eiablageplätzen für die Sumpfschildkröte eingerichtet oder totholzreiche Auenwälder gesichert werden. Darüber hinaus soll das Projekt die Vernetzung des Naturschutzes über den Rhein hinweg voran bringen, etwa mit flussübergreifenden Beweidungsmaßnahmen. Nicht zuletzt soll intensive Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern das Verständnis für den Naturschutz am Oberrhein verbessern.

10.12.2013, NABU
Ins Feld, Forscher!
Helfer für Schneeleoparden-Schutzprojekt gesucht
Verschneite Berggipfel, wilde und seltene Tiere, Eintauchen in eine ganz andere Kultur – so manch einen ergreift das Fernweh, wenn er an das nördliche Tian-Shan-Gebirge in Kirgistan denkt. Doch die Region benötigt vor allem Hilfe, um eine der am stärksten gefährdeten Großkatzen der Welt zu schützen: den Schneeleoparden. Daher hat der NABU Kirgistan eine Kooperation mit der Naturschutzorganisation Biosphere Expeditions gestartet.
„Biosphere Expeditions ermöglicht es Laien, an echten Naturschutz-Mitforscherreisen teilzunehmen.“, erklärt Dr. Matthias Hammer, Gründer und Chef von Biosphere Expeditions. „Das lokale Wissen des NABU Kirgistan und unser Know-how im Bereich des sanften Öko- und Wissenschaftstourismus bilden dabei die Grundlage für die Expedition.“
Expedition ins Tian-Shan-Gebirge
Die Teilnehmer der Expedition arbeiten vor Ort aktiv mit. Zusammen mit den NABU-Wildhütern der „Gruppa Bars“ bauen sie Fotofallen auf oder prüfen bestehende Fotofallen. Je nach Tageszeit werden auch Beutetiere wie Steinböcke beobachtet und identifiziert. Dabei ist der Austausch mit den Hirten vor Ort sehr wichtig und gehört ebenfalls zu den Aufgaben der Expeditionsteilnehmer. Denn die Hirten und andere Einheimische sollen für das Thema Schneeleoparden-Schutz sensibilisiert werden. Die Feldarbeit der Expedition, die auch Einheimische einstellt, und das Interesse der Expeditionsteilnehmer sollen zudem Anreize für die lokale Bevölkerung darstellen, im Schneeleoparden-Schutz aktiv mitzuwirken und davon zu profitieren.
Teilnehmer werden für die Feldarbeit geschult
„Um bei einer solchen Expedition mitmachen zu können, müssen die Teilnehmer körperlich fit sein.“, erklärt Dr. Matthias Hammer. „Außerdem sind Schulenglisch und mindestens zwei Wochen Zeit Voraussetzungen. Was man für die Feldarbeit wissen muss, wird vor Ort vermittelt – weitere Vorkenntnisse oder spezielle Fähigkeiten sind nicht erfordertlich und es gibt keine Altersgrenzen.“
Die deutsch-britische Naturschutzorganisation Biosphere Expeditions ist bekannt für ihre erfolgreiche Einbindung von Laienhelfern in Artenschutzprojekte weltweit. Der NABU Kirgistan und seine Wildhütertruppe „Gruppa Bars“ freuen sich auf die Zusammenarbeit und die zusätzlichen Kapazitäten, die Biosphere Expeditions für den Schneeleopardenschutz mit sich bringt.

12.12.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
„The State of the UK′s birds 2013“ — Aktuelle Trends der Vögel Großbritanniens veröffentlicht
Die alljährlichen Statusberichte „The State of the UK′s Birds“ befassen sich mit den Bestandsveränderungen der Vögel Großbritanniens. In der vor kurzem veröffentlichten 13. Ausgabe werden Ergebnisse einer Reihe unterschiedlicher Studien und Monitoringprogramme veröffentlicht. Ein Kapitel des Berichts befasst sich mit den 107 meistverbreiteten Brutvogelarten Großbritanniens. Bei einigen dieser Arten sind die Bestände seit 1995 um mehr als 50 % zurückgegangen, darunter Rebhuhn, Weidenmeise und Waldlaubsänger. Den dramatischsten Rückgang zeigte mit -85 % in den letzten zwanzig Jahren die Turteltaube. Der enorme Rückgang zahlreicher Vögel der Normallandschaft wurde durch die jüngste Publikation des „Bird Atlas 2007-11“ noch weiter in den Fokus gerückt. Seit dem letzten Atlas 1988-91 ist das Verbreitungsgebiet der Turteltaube in Großbritannien demnach um 34 % geschrumpft, das der Bekassine in den letzten vierzig Jahren um etwa 31 %. Eine der dramatischsten Entwicklungen hat sich bei der Weidenmeise gezeigt. War zwischen den ersten beiden britischen Brutvogelatlanten (1968-72 und 1988-91) ein Rückgang um etwa 10 Prozent ermittelt worden, ist das Brutgebiet seit den frühen 1990er Jahren sogar um weitere 50 Prozent geschrumpft. Auch bei Turteltaube und Waldlaubsänger ist derzeit kein Ende des Negativtrends in Aussicht. Seit 1999 sind die Ringdrossel-Bestände um 29 Prozent, die des Mornellregenpfeifers sogar um 43 Prozent gesunken. Doch nicht nur unter den Brutvögeln sind besorgniserregende Ergebnisse zu finden. Die Überwinterungsgebiete der Tafelente sind seit Anfang der 1980er Jahre vor allem in Irland um insgesamt 21 Prozent zurückgegangen. Es finden sich jedoch auch positive Beispiele: Die Bestände des lange Zeit verfolgten Rotmilans sind in den vergangenen 20 Jahren um 676 % gestiegen und auch unter den brütenden Wasservogelarten, z.B. bei Höckerschwan und Reiherente, sind Zuwächse zu verzeichnen. Stieglitz und Mönchsgrasmücke legten seit 1995 um 109 bzw. 133 % zu, unter den Waldarten stiegen die Bestände von Kleiber und Buntspecht. „The State of the UK′s Birds 2013“ ist ein Gemeinschaftswerk der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) und dem British Trust for Ornithology (BTO) in Zusammenarbeit mit weiteren britischen Naturschutzorganisationen.

12.12.2013, Komitee gegen den Vogelmord e. V.
Goldregenpfeifer in Gefahr
Bonn/Valletta. Vogelschützer schlagen Alarm: Der Goldregenpfeifer steht in Mitteleuropa kurz vor dem Aussterben. Die letzte verbliebene Population brütet in Niedersachsen, wo trotz aufwändiger Schutzmaßnahmen durch das Land in diesem Jahr nur 4 Gelege entdeckt wurden. Hauptgrund für den Rückgang des kleinen Watvogels ist laut Komitee die weitgehende Zerstörung von Hochmooren durch Entwässerungsmaßnahmen und Torfabbau. Dazu kommen Gefahren auf dem Zugweg wie zum Beispiel Wilderei und legale Abschüsse von Goldregenpfeifern wie auf Malta. „Theoretisch kann die gesamte Mitteleuropäische Restpopulation mit wenigen Schüssen oder durch einen einzigen Fänger ausgelöscht werden“, warnt Komiteesprecher Axel Hirschfeld.
Das Komitee gegen den Vogelmord hat deshalb den maltesischen Premierminister Joseph Muscat deshalb aufgefordert, den zur Zeit legalen Fang von Goldregenpfeifern zu verbieten, bis sich die Population wieder erholt hat. Um dem Appell Nachdruck zu verleihen, hat der Verein alle Vogelfreunde in Deutschland aufgefordert, sich persönlich an den maltesischen Premierminister zu wenden und zu diesem Zweck mehr als 20.000 Protestpostkarten drucken lassen. Auf der Vorderseite ist ein wenige Tage alter Goldregenpfeifer aus dem niedersächsischen Schutzprojekt zu sehen, daneben der Schriftzug „Handle with care – mit Sorgfalt behandeln“. Auf der Homepage des Komitees können zusätzlich vorgefertigte Protest-Emails verschickt werden.
Goldregenpfeifer gehören im November und Dezember zu den regelmäßigen Besuchern des maltesischen Archipels und werden seit Jahrhunderten für den Kochtopf gefangen und geschossen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Tiere aus Skandinavien und Russland, wo noch größere Populationen vorhanden sind. Ob auch die Vögel aus Niedersachsen im Mittelmeerraum überwintern, soll durch ein zur Zeit laufendes Beringungsprogramm geklärt werden. Das Komitee appelliert deshalb an alle Fänger und Jäger auf Malta, bis auf weiteres freiwillig auf den Fang und Abschuss dieser bedrohten Art zu verzichten und Beobachtungen farbberingter Vögel (Email an CABS(at)komitee.de) zu melden.
Der Abschuss eines Goldregenpfeifers hatte bereits am Dienstag dieser Woche auf Malta für Wirbel gesorgt. Die Tageszeitung MaltaToday veröffentlichte auf ihrer Internetseite ein Video, dass zeigt, wie das stark blutende Tier minutenlang vor den Füßen des Schützen umherflattert, während dieser am Telefon einem Freund von seinem Jagderfolg berichtet. Das Video kann hier angesehen werden.

12.12.2013, NABU
Ökologische Novellierung überfällig
NABU stellt aktualisierte Position zur Jagd vor
Der NABU hat heute sein Positionspapier zur Ausrichtung der Jagd in Deutschland vorgelegt, in dem er eine grundlegende Novellierung der Gesetzgebung fordert. „Das vor 60 Jahren in Kraft getretene Bundesjagdgesetz ist bis jetzt im Wesentlichen nahezu unverändert. Wissenschaftliche Erkenntnisse der Wildtierökologie und des Natur-, Arten- und Tierschutzes sowie sich ändernde gesellschaftliche Erwartungen an die Jagd wurden seitdem nicht berücksichtigt. Daher müssen die derzeitigen Jagdgesetze endlich auf den Prüfstand und nach ökologischen und ethischen Kriterien novelliert werden. Die Jägerschaft muss auf diese Veränderungen ebenso reagieren wie Bund und Länder“, sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
In seinem Positionspapier bekennt sich der NABU ausdrücklich zu einer naturverträglichen Jagd als eine legitime Form der Landnutzung, wenn sie den Kriterien der Nachhaltigkeit entspricht und ethischen Prinzipien nicht widerspricht. So muss das erlegte Tier sinnvoll genutzt werden, die bejagte Art darf in ihrem Bestand nicht gefährdet sein und zum Zweck der Jagd nicht aktiv gefördert werden, Störungen in der Brut- und Aufzuchtzeit von Wildtieren sind zu reduzieren und natur- und artenschutzrechtliche Regelungen zu beachten.
Für den NABU ergibt sich daraus, dass die Liste der jagdbaren Arten deutlich gekürzt wird. „Auch wenn wir den Fuchs als jagdbare Art einstufen, ist es trotzdem nicht nachvollziehbar, weshalb in Deutschland jährlich gut eine halbe Million Füchse erlegt werden, ohne dass eine sinnvolle Nutzung stattfindet“, so Tschimpke. Eine Neuausrichtung der gesamten Jagdpolitik ist daher mehr als überfällig. Auch Reh und Wildschwein werden vom NABU als jagdbar eingestuft.
Ferner fordert der NABU eine Vereinheitlichung der Jagdzeiten auf die Monate September bis Dezember und eine Überarbeitung der derzeit üblichen Jagdmethoden. Aus Sicht des NABU sind in einem zukunftsfähigen Jagdgesetz nur noch Ansitz- und Bewegungsjagden zuzulassen, während Beiz-, Fallen- und Baujagden abgeschafft werden sollten. Die Jagd sollte ferner mit bleifreier Munition erfolgen, um Tiere, Umwelt und Verbraucher nicht weiter mit Blei zu belasten. Auf die Fütterung von Wild sollte grundsätzlich verzichtet werden.
Zudem darf die Jagd in Schutzgebieten des Naturschutzrechts ausschließlich dem Schutzzweck dienen, Kernzonen von Großschutzgebieten sind als Wildruhezonen auszuweisen.
Der NABU fordert darüber hinaus, dass künftig deutlich zwischen der Jagd als eine Form der Landnutzung und dem Wildtiermanagement als geeignetes Instrument für Konfliktlösungen im Bereich von wirtschaftlichen Schäden sowie bei Artenschutzmaßnahmen unterschieden wird. Sogenannte Neozoen wie Marderhund, Mink und Waschbär sind aus NABU-Sicht aufgrund der nicht vorhandenen Verwertung keine jagdbaren Arten. „Für diese Tiere ist unter Umständen ein Wildtiermanagement zum Schutz anderer gefährdeter Arten erforderlich. Auch wenn dabei jagdliche Methoden zur gezielten Regulierung von Beständen angewendet werden können, soll das Wildtiermanagement dem Naturschutzrecht unterliegen“, so NABU-Jagdexperte Stefan Adler.

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