Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

16.12.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Biodiversität im Rückgang: Dringender Handlungsbedarf für Agrargebiete
Vögel in der Agrarlandschaft sind wichtige Bioindikatoren für den Zustand unserer Umwelt. Das Julius Kühn-Institut (JKI) veröffentlichte in seiner Reihe „Julius Kühn-Archiv“ nun den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zur Lage von Agrarvögeln. Die Publikation ist das Ergebnis einer von der Fachgruppe „Vögel in der Agrarlandschaft“ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) und des Julius Kühn-Instituts durchgeführten interdisziplinären Fachgesprächs, das in Kleinmachnow bei Berlin stattfand.
Agrarvögel zeigen aktuell einen verstärkten Rückgang der Biodiversität in den Agrargebieten an. Als Hauptursachen wurden aktuelle Nutzungsintensivierungen und der zunehmende Anbau von Energiepflanzen, besonders Mais, identifiziert. Die bisherigen Naturschutzmaßnahmen sind nicht ausreichend, um die Biodiversität zu erhalten. Die Ansprüche von Agrarvögeln an ihre Lebensräume weisen darauf hin, dass die für ein Greening von der EU vorgeschlagenen ökologischen Vorrangflächen in Ackerbaugebieten von sieben Prozent nicht ausreichend sind. Um die Biodiversitätsziele 2020 zu erreichen, sind daher Flächen mit ökologisch besonders hohen Habitatwertigkeiten zu etablieren. Dazu gehören zum Beispiel natürlich begrünte oder mit Wildpflanzen-Saatmischungen eingesäte Äcker, oder Teilflächen von diesen.
Jörg Hoffmann (Hrsg.) (2013). Agrarvögel – ökologische Bewertungsgrundlage für Biodiversitätsziele in Ackerbaugebieten. Julius-Kühn-Archiv 442: 160 S.
DOI 10.5073/jka.2013.442.000

16.12.2013, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Maifische vermehren sich wieder im Rhein
Gemeinsames Artenschutzprojekt von Nordrhein-Westfalen und Hessen erfolgreich
Düsseldorf (agrar-PR) – Erfolg für den Artenschutz: Erstmals seit Zusammenbruch des Maifisch-Bestandes in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden in einer Kühlwasserentnahmestelle am Oberrhein drei junge Maifische entdeckt. Die Maifische wurden an einem Kraftwerk in Philippsburg bei Karlsruhe während Routineuntersuchungen gefunden. Die mutmaßlichen Elterntiere der Maifische wurden 2008 erstmals am Düsseldorfer Rheinufer ausgesetzt und haben nach mehrjährigem Aufenthalt im Meer offenkundig den Weg zurück in den Rhein gefunden und eigenständig für Nachwuchs gesorgt. „Seit vielen Jahrzehnten wurden keine jungen Maifische mehr in diesem Rheinabschnitt nachgewiesen.
Der aktuelle Fund von drei Jungtieren belegt, dass Maifische südlich von Karlsruhe in diesem Jahr erfolgreich abgelaicht haben und sich aus dem Laich auch Jungfische entwickelten“, freuten sich NRW-Umweltminister Johannes Remmel und seine Amtskollegin Lucia Puttrich, Hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Die Hoffnungen auf eine weitere Zunahme von Maifischen im Rhein stützen sich insbesondere auf das europäische „Life+ Projekt“ zur Wiederansiedlung des Maifischs unter der Federführung von Nordrhein-Westfalen, welches seit einigen Jahren mit großem Engagement umgesetzt wird. In den letzten sechs Jahren, erstmals 2008 am Düsseldorfer Rheinufer, wurden bereits rund 8,6 Millionen Maifische in nordrhein-westfälischen und hessischen Rheinabschnitten ausgesetzt. Dadurch soll sich der Maifischbestand so weit erhöhen, dass sich der Fisch künftig eigenständig vermehren und im Rhein etablieren kann. NRW-Umweltminister Remmel: „Die Nachweise der Jungfische in Philippsburg belegen den Erfolg unseres Projekts zur Wiederansiedlung des Maifischs und bekräftigen uns, den eingeschlagenen Weg mit unseren Partnern entlang des Rheins und in Frankreich weiter zu gehen.“
Mitte November war auch einem Berufsfischer in Wörth am Oberrhein ein erwachsenes Exemplar ins Netz gegangen, das durch Experten der Universitäten Koblenz-Landau und Düsseldorf auf sein Geschlecht und den Reifezustand hin untersucht wurde. Demnach handelt es sich übereinstimmend um einen vollständig abgelaichten weiblichen Maifisch, was als weiterer Beleg für die natürliche Fortpflanzung der europaweit stark gefährdeten Wanderfischart zu werten ist.
Bisher werden die ausgesetzten Maifische von Muttertieren aus den Flüssen Garonne und Dordogne in der hessischen Partnerregion Aquitaine in Frankreich gewonnen und importiert. Künftig soll auch die Nachzucht von Besatzfischen in Deutschland sichergestellt werden. „Im hessischen Aßlar, auf dem Gelände der Hermann-Hofmann-Gruppe betreiben wir deutschlandweit die einzige Anlage für die Zucht von jungen Maifischen, die wir zukünftig auch für den Besatz im Rhein verwenden wollen,“ so die hessische Umweltministerin Puttrich.
Durch die gebündelten Aktionen für den Maifisch entlang des Rheins stehen die Chancen gut, dass eines Tages der Maifisch im Rhein wieder dauerhaft heimisch wird.

16.12.2013, Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein
Analyse von Genetikproben: Segeberger Wolf wanderte in den Norden Dänemarks
Kiel (agrar-PR) – Eine erneute Prüfung von Genetikproben am Forschungsinstitut Senckenberg (Gelnhausen) hat überraschende Erkenntnisse über den im letzten Jahr nachgewiesenen „Segeberger Wolf“ gebracht. Der Wolf, der zwischen Juni und September 2012 mehrfach durch Fotofallenbilder und Genetik-Untersuchungen im westlichen Kreis Segeberg nachgewiesen wurde, ist bis in den norddänischen Thy Nationalpark gewandert. Dort starb er im November 2012 in Folge von Krankheit. Dies teilte das Umweltministerium Schleswig-Holstein heute (16. Dezember 2013) mit.
Auch die Herkunft des Wolfes ist nun geklärt: Er stammte aus dem „Milkeler Rudel“ in Sachsen. Von dort aus wanderte er in den 412 km Luftlinie entfernten Kreis Segeberg, wo er den ganzen Sommer über blieb. Es deutete alles darauf hin, dass der dreijährige Rüde ein geeignetes Revier gefunden hatte. Die erneute Abwanderung in das 365 km Luftlinie entfernte Thy (DK) ist ungewöhnlich. Wolfsexperten gehen davon aus, dass diese zweite Abwanderung durch eine massive Störung ausgelöst wurde. Worin die Störung lag, ist bisher nicht geklärt. Insgesamt ist das Tier weit über 1.000 km gewandert, was nicht so häufig vorkommt.
Auch zum Wolf, der im Mai und Juli 2013 im nördlichen Kreis Dithmarschen nachgewiesen wurde, gibt es neue Erkenntnisse.
Die Genetik-Untersuchungen am Forschungsinstitut Senckenberg (Gelnhausen) ergaben, dass es sich um eine junge Wölfin aus dem aus dem 307 km Luftlinie entfernten „Altengrabower Rudel“ in Sachsen-Anhalt handelt. Es ist der erste weibliche in Schleswig-Holstein nachgewiesene Wolf.
Anhand dieser Ergebnisse zeigen sich die Möglichkeiten und die Effektivität des Wolfsmonitorings in Schleswig-Holstein. Zuständig für die Koordinierung ist das Wolfsinfozentrum Schleswig-Holstein im Wildpark Eekholt mit den ehrenamtlichen Wolfsbetreuern. Aufgaben des Wolfinfozentrums sind Information- und Aufklärungsarbeit für die Bevölkerung und Lagerung und Bereitstellung von Materialien zum Schutz von Haustierherden vor Wölfen (Elektrozäune, Lappzäune etc.). Das Zentrum ist zentraler Ansprechpartner für die Meldung von Wolfssichtungen und Beratung von Meldenden und Betroffenen. Das Wolfsinfozentrum ist unter Tel.: 01746330335 jederzeit erreichbar.

16.12.2013, Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV)
Umweltministerin Lucia Puttrich: „Naturschutzarbeit im Internet sichtbar machen“
Neue Version des hessischen Naturschutz-Informationssystems vorgestellt
Wiesbaden (agrar-PR) – Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich hat heute die neueste Version des Naturschutz-Informationssystems „NATUREG-Viewer“ (www.natureg.hessen.de) freigegeben. „Wer sich für Karten und Luftbilder von Naturschutzgebieten und Biotopen interessiert, oder wer wissen will, wo bestimmte Tier- oder Pflanzenarten in Hessen nachgewiesen wurden, kann das jetzt jederzeit im Internet nachsehen“, so Puttrich. Hinter den Themen „Schutzgebiete“, „Biotope und Lebensräume“, „Tiere“, „Pflanzen“ sowie „Informationsmaterial/Download“ verbergen sich Karten und Sachinformationen zu vielen wichtigen Aspekten des Naturschutzes. So sind z.B. in der aktuellen Version rund zwei Millionen Einzelnachweise von mehr als 6.000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten online abfragbar. Mehr als 2.600, zum Teil sehr umfangreiche Gutachten und Fachinformationen sind ebenfalls enthalten und können direkt eingesehen und heruntergeladen werden.
Die hessische Naturschutzverwaltung veröffentlicht bereits seit dem Jahr 2010 ihre Daten und Gutachten im Internet. Die Aufbau- und Erprobungsphase für die neue Version sei jetzt beendet, die Verwaltung habe die Menge an dargestellten Inhalten noch einmal deutlich gesteigert und die Aktualität der Informationen weiter verbessert. Die Fülle der Inhalte kommt durch eine bundesweit herausragende Zusammenarbeit der Naturschutzbehörden mit dem ehrenamtlichen Naturschutz zustande. „Ich freue mich, dass die Kooperationen, die das Land mit den hessischen Fachverbänden vereinbart hat, so erfolgreich sind. Der Datenaustausch zwischen dem Ehrenamt und dem amtlichen Naturschutz funktioniert auf Grundlage einer stabilen, langjährigen Vertrauensbasis“, so Umweltministerin Puttrich zur Freigabe der Informationssammlung. „Mein Dank gilt besonders denjenigen, die in ihrer Freizeit Tiere beobachten und Pflanzen kartieren und die Ergebnisse der behördlichen Naturschutzarbeit zur Verfügung stellen.“ Der größte Teil der Informationen stammt vom Land Hessen selbst. Die Daten und Untersuchungen werden von den Regierungspräsidien in Kassel, Gießen und Darmstadt, sowie von den Fachbehörden bei Hessen-Forst und der Staatlichen Vogelwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland beauftragt, gesammelt, aufbereitet, für eigene Zwecke verwendet und auch im Internet veröffentlicht.
Der „NATUREG-Viewer“ hat einen sehr bürgerfreundlichen, umfassenden Ansatz: Naturschutzinformationen aus vielen unterschiedlichen Quellen sollen an einer Stelle zentral zusammengeführt werden, unabhängig von Fragen der Zuständigkeit.
„Naturschutzarbeit wird mit der Veröffentlichung im Internet transparenter, Entscheidungen sind nachvollziehbarer und der Zugang zu Informationen ist deutlich vereinfacht“, so die hessische Umweltministerin. „Davon profitieren alle Beteiligten, die Behörden, Planer, Verbände und Bürger. Aber vor allem die Natur, denn: nur was wir kennen, können wir auch schützen.

16.12.2013, Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Brandenburg
Fahndung nach Spinnern und Spannern: Winterbodensuche in Brandenburger Kiefernwäldern
Im Landesbetrieb Forst Brandenburg starten in den Oberförstereien in jedem Jahr nach den ersten Frösten die als Winterbodensuche bezeichneten Kontrollen in ausgewählten Kiefernwäldern.
Potsdam (agrar-PR) – Während die Raupen der Schmetterlinge und die Larven der Blattwespen durch Nadelfraß an der ganzen Baumkrone gefährlich werden können, verursachen Waldgärtnerarten in den Jung- und Altholzbeständen Zweig- und Triebschäden, „beschneiden“ also die Baumkronen – daher ihr Name.
Forleule und Kiefernspinner zählen zu den gefürchtetsten Kiefernschädlingen, da sie zu Massenvermehrungen neigen und schon ein einmaliger Kahlfraß zum flächigen Absterben von Bäumen führen kann.
In der Streuschicht, im Humus und im oberen Mineralboden wird bei der Suche nach einer vorgegebenen Methode nach den Überwinterungsstadien gesucht. Das sind die Raupen, Puppen oder Kokons dieser Insekten. Bei den Waldgärtnerarten werden die am Boden liegenden frischen Triebabbrüche gezählt.
Das zuerst in Preußen und ab 1937 zeitweise für ganz Deutschland verbindliche Probesuchenverfahren hat sich bis heute bei der Vorhersage des Schädlingsauftretens bewährt. Geändert hat sich nicht das Prinzip der Suche, aber statistischen Untersuchungen folgend die Lage, Verteilung und Größe der Probeflächen.
Heute sind es fünf Quadratmeter je Suchbestand, verteilt auf zehn Probeflächen. Im Land Brandenburg werden jährlich Puppensuchen in zirka 1.800 Suchbeständen durchgeführt. Bei stärkerem Befall wird das Suchraster verdichtet.
Mikroskopische Laboruntersuchungen im Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde geben anschließend Auskunft über den Vitalitätszustand der gefundenen Schadinsekten. So können realistische Gefährdungseinschätzungen getroffen und die ab dem Frühjahr intensiver zu überwachenden Waldbestände und die notwendigen Bekämpfungsstrategien festgelegt werden.
Vor allem für den Südosten Brandenburgs wird nach Aussage des Landeskompetenzzentrums Forst der Nachweis kritischer Raupenzahlen des Kiefernspinners erwartet.

16.12.2013, NABU
Wieder ein Wolf erschossen – NABU verurteilt illegale Wolfstötung in der Lausitz
Berlin (ots) – Wie das Sächsische Ministerium für Umwelt am heutigen Montag mitteilte, wurde vergangenen Freitag ein Wolf nahe Bautzen illegal geschossen. Der Abschuss ereignete sich im Territorium des Milkeler Rudels mit einem Schrotgewehr. Der NABU verurteilt die Tat auf das Schärfste und prüft Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. „Dreizehn Jahre ist der Wolf nun wieder in Deutschland heimisch. Dieser Abschuss ist die insgesamt neunte bekannte illegale Tötung seither. Für eine streng geschützte Art ist das nicht akzeptabel“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
Nach Bundesnaturschutzgesetz ist der Wolf eine streng geschützte Tierart. Seine illegale Tötung kann mit bis zu fünf Jahren Haft und 50.000 Euro Geldstrafe geahndet werden. Erst im April 2012 hatte ein Jäger im Westerwald den ersten Wolf seit über 120 Jahren in Rheinland-Pfalz illegal geschossen.
In Sachsen war der Wolf im Jahr 2012 in das Jagdrecht aufgenommen worden. Er ist somit der Jägerschaft unterstellt und trotz ganzjähriger Schonzeit als jagdbare Tierart benannt. „Die gewünschte Akzeptanzsteigerung, die der Landesjagdverband erreichen wollte, ist nicht absehbar“, so Bernd Heinitz, Vorsitzender des NABU Sachsen. „Der Jagdverband hat eine Bringschuld und sollte sich aktiv auf die Suche nach dem Täter begeben. Wenn der Jagdverband so zum Schutz des Wolfes steht, wie dies gerne verkündet wird, sollte er beweisen können, dass der Täter nicht aus seinen Reihen stammt“, so Heinitz.
Wölfe besiedeln seit dem Jahr 2000 wieder erfolgreich Deutschland. Aus den ersten Wölfen sind bis heute 25 Rudel, von der Nordsee bis zur tschechischen Grenze, entstanden. Nach Einschätzung des NABU werden Wölfe langfristig in allen Flächenbundesländern vorkommen. Die Erfahrungen aus dreizehn Jahren Nachbarschaft von Mensch und Wolf in Sachsen beweisen, dass der Wolf keine Bedrohung für Mensch, Wild oder die Existenz von Schafhaltern ist. Um seinen Bestand, der europaweit als stark gefährdet gilt, zu sichern, bedarf es weiterer Schutzbemühungen.

17.12.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Der Austernfischer — Seevogel des Jahres 2014
Der Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur hat den Austernfischer als „Seevogel des Jahres 2014“ ausgewählt, um auf den starken Rückgang dieser Art hinzuweisen. Allein im schleswig-holsteinischen Wattenmeer sank die Zahl der Brutpaare in den letzten 15 bis 20 Jahren um 50 Prozent auf nur noch etwa 10.000. Insgesamt brüten im Wattgebiet von Borkum bis Sylt sowie im küstennahen Binnenland noch über 25.000 Paare. Auch europaweit nahmen die Bestände von rund einer Million auf etwa 800.000 ab.
Die Gründe für den Niedergang des charismatischen Küstenvogels sind vielfältig. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Herz- und Miesmuscheln, eine Hauptnahrungsquelle der Vögel, nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen. Zum anderen ist der Bruterfolg an der Festlandküste vor allem aufgrund starker Prädation zu gering. Ein weiterer Grund könnte der von der Klimaerwärmung angetriebene Anstieg des Meeresspiegels sein. Läuft das Wasser im flachen Watt höher auf, dann verbleibt den Vögeln wenig Zeit für die Suche nach Muscheln und Wattwürmern. Auch haben Frühsommerfluten zur Brutzeit im Mai und Juni zugenommen. Dabei werden viele Gelege zerstört und Jungvögel ertrinken. Freizeitaktivitäten aller Art sorgen ebenfalls für Störungen.
Ein weiteres Problem ist ebenfalls Folge des Klimawandels: Die Pazifische Auster breitet sich im Wattenmeer stark aus und verdrängt vielfach die Muschelbänke der einheimischen Arten. Auch das könnte die Nahrungsgründe des Austernfischers einschränken. Denn, auch wenn der Vogel so heißt, die harten Austernschalen kann er trotz seines langen kräftigen Schnabels nicht knacken. All diese Veränderungen in der Wattenmeernatur treffen natürlich nicht nur den Seevogel des Jahres. Auch viele andere Küstenvögel, um deren Schutz sich der Verein Jordsand bemüht, sind davon betroffen.
Internationale Zählungen haben ergeben, dass 14 von 34 untersuchten Wat- und Wasservogelarten Bestandsverluste erleiden. Neben den Möwen ist der Austernfischer die auffälligste Vogelart an der Nordsee. Seine markanten „kliip-kliip-kliip“- und schrillen „biik“-Rufe sind weithin zu hören. Wegen seiner kontrastreichen Färbung mit schwarz-weißem Gefieder und knalligem Rot von Schnabel und Beinen wird der etwa 40 Zentimeter große Austernfischer auf den Inseln auch „Halligstorch“ genannt.
Die größten Vorkommen finden sich auf den Inseln vor Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie auf den nordfriesischen Halligen. Entlang der großen Flüsse Elbe, Weser und Rhein hat die Art auch angrenzende Teile des Binnenlandes besiedelt. Die meisten Austernfischer brüten in Großbritannien und den Niederlanden, dann folgen Norwegen, Deutschland und Dänemark. Im Ostseeraum sind die Bestände erheblich kleiner. Im Winterhalbjahr nutzen rund 300.000 Exemplare das Wattenmeer als Überwinterungsgebiet, darunter große Scharen von Zugvögeln aus dem Norden und Nordosten Europas.

17.12.2013, Dachverband der Deutschen Avifaunisten
Statusbericht zum Vogelmonitoring in Polen 2012/13 erschienen
Im Rahmen des staatlichen Umweltmonitorings wurde 2006 auch in Polen mit der Unterstützung des Nationalfonds für Umweltschutz und Wassermanagement ein Vogelmonitoring etabliert. Insgesamt 19 Erfassungsprogramme werden von der Polnischen Vogelschutz-Gesellschaft (OTOP) in Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen und Instituten durchgeführt. Mehr als 800 Kartiererinnen und Kartierer erfassen dabei die Vogelwelt in mehr als 1500 Gebieten. Etwa 162 Brutvogelarten (rund 65 % der gesamten Avifauna Polens) werden behandelt.
Unter den Bestandstrends fallen vor allem die enormen Rückgänge von Alpenstrandläufer (Unterart schinzii), Blauracke, Wiesenweihe und Eisvogel auf, während Arten wie Graugans, Singschwan, Kranich oder auch Gartenrotschwanz zugenommen haben. Wie in vielen weiteren europäischen Ländern ist der Zustand der Vögel der Agrarlandschaft besorgniserregend. Seit 2008 zeigt der Farmland Bird Index (FBI) einen negativen Trend und die Bestände der behandelten Arten liegen im Durchschnitt 20% unter dem Wert des Jahres 2000. Die speziell erfassten Bestände der Saatkrähe haben sich seit 2001 halbiert.
Sehr positiv ist der Trend hingegen bei einer Reihe von Waldvogelarten. Durchschnittlich stiegen die Bestände der Arten dieses Lebensraumes in den vergangenen 13 Jahren um 25%. Große Erfolge zeigen sich auch im Greifvogelschutz. Die Bestände von Seeadler und Rotmilan steigen jährlich um etwa 10% an. Der Mäusebussard geht als häufigster Greifvogel Polens allerdings leicht zurück.
In den Jahren 2009-2013 konnten 100-130 Brutpaare der Moorente erfasst werden. 90% der Vorkommen beschränken sich dabei jedoch auf nur drei Gebiete. Die Blauracke war in den letzten beiden Jahren mit 25-30 Paaren vertreten. 2013 konnte dabei leider erstmalig keine Brut in der Region Białystok nachgewiesen werden, einem Gebiet, das einst eine der höchsten Blauracken-Dichten aufwies. Der Seggenrohrsänger kommt in Polen in drei Regionen vor. Während die Populationen in Biebrza und Lublin stabil sind, ging der kleine pommersche Bestand von 44 Männchen 2010 auf nur noch 18 im Jahr 2013 zurück. Sehr positiv ist der Trend des Nachtreihers. Fast 1000 Paare konnten 2013 in zahlreichen Kolonien nachgewiesen werden. Der erste Brutnachweis im Biebrza-Tal könnte zudem auf eine Arealausweitung hinweisen.
Statusbericht Vogelmonitoring in Polen 2012/13

18.12.2013, Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (MUGV)
Tack: Gutes Beispiel macht Schule, Kinder schaffen biologische Vielfalt
Lenzen (agrar-PR) – Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack hat heute das Naturwachtprojekt „Lern- und Erlebnisort Baggerkuhle in Lenzen“ als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt gewürdigt. Die „Baggerkuhle“ ist das dritte Projekt im Land Brandenburg, das mit diesem Titel ausgezeichnet wird.
„Gute Beispiele machen Schule und Projekte wie dieses begeistern sicher nicht nur mich. Kinder haben hier eine biologische Vielfalt geschaffen und können die Erfolge ihres Engagements hautnah erleben. Etwa wenn Uferschwalben in den eigens angelegten Steilwänden brüten, wenn sie eine neue Libellenart entdecken oder wenn Sandstrohblumen eine neue Heimat erhalten“, erklärte Tack bei der Preisübergabe..
Rangerin Ricarda Rath beschreibt die bis Mitte der 90er Jahre genutzte Baggerkuhle in ihrer Projektpräsentation „als kleinen Tümpel mit magischer Anziehungskraft für neugierige und abenteuerlustige Kinder“. Sie erinnert an die stets wissbegierigen Fragen der Nachwuchsforscher wie: Sind aus Kaulquappen Frösche geworden? Wer fängt die meisten Teichmolche und geht heute wieder ein Blutegel oder ein Gelbrandkäfer ins Netz? Sie erinnerte daran, dass das heutige Vorzeigeprojekt noch vor wenigen Jahren eine Müllhalde war. Zudem seien sämtliche ehemaligen Wasserflächen zugewachsen und verlandet gewesen. Bis die Kinder angepackt hätten und ihr kleines Paradies für Tier- und Pflanzenarten geschaffen haben.
Dass diese dynamische Lernlandschaft nun von Ministerin Tack als deutschlandweit vorbildliches Projekt der UN-Dekade für Biologische Vielfalt ausgezeichnet wird, beeindruckt auch Sabine Döpel. Die Schulleiterin der Grundschule „Gijsels van Lier“ in Lenzen betonte, dass die Baggerkuhle ein Lern- und Erlebnisort nicht nur für ihre Schülerinnen und Schüler, sondern auch für weitere Gruppen aus der Umgebung geworden ist: „Kitakinder, Feriengäste und Schulklassen kommen von weit her, um diesen einzigartigen Ort der Biologischen Vielfalt zu erkunden.“
Neben einer Urkunde und einem Auszeichnungsschild überreichte Ministerin Tack an Manfred Lütkepohl, dem Leiter der Naturwacht Brandenburg, und die für Umweltbildung in der Naturwacht zuständige Betina Post, einen „Baum der Vielfalt“, der symbolisch für den Abwechslungsreichtum und die einzigartige Schönheit der Natur steht. Jetzt wird das Projekt auf der deutschen UN-Dekade-Webseite unter www.un-dekade-biologische-vielfalt.de vorgestellt.
Die Vereinten Nationen haben das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 zur „UN-Dekade für Biologische Vielfalt“ erklärt. In diesem Rahmen werden Projekte und Menschen ausgezeichnet, die sich engagiert für die Biologische Vielfalt einsetzen. Und die dazu beitragen, dass der Wert der Biologischen Vielfalt in weiten Kreisen der Bevölkerung erkannt und gewürdigt wird.

18.12.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Kraniche auf neuen Wegen? Gemeinsame Auswertung der ornitho-Portale Deutschlands, Luxemburgs, Österreichs, der Schweiz und Italiens veranschaulicht möglichen neuen Zugweg
Der Durchzug der Kraniche gehört zu den besonders beeindruckenden Naturschauspielen, die sich hierzulande erleben lassen. Selbst ornithologisch eigentlich wenig interessierte Menschen erfreuen sich an den laut rufenden Keilformationen, die vielerorts in Deutschlands alljährlich vor allem von Februar bis März sowie von September bis November beobachtet werden können. Der europäische Kranichzug lässt sich dabei in zwei Routen unterteilen. Der baltisch-osteuropäische Zugweg führt Kraniche im Herbst aus Finnland, dem Baltikum, Polen und Teilen Russlands zu den großen Rastplätzen der Ungarischen Tiefebene. Von dort fliegt ein Teil der Vögel westlich über den Balkan und Sizilien bis nach Tunesien, während andere Kraniche über die Türkei bis nach Israel und von dort weiter bis nach Äthiopien ziehen. Den westeuropäischen Zugweg nutzen im Wesentlichen Kraniche aus Mitteleuropa und Skandinavien sowie in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend auch aus den baltischen Staaten, Finnland und Weißrussland. Ihre wichtigsten Winterquartiere liegen in Frankreich und Spanien.
Kraniche auf neuen Wegen von Ungarn nach Frankreich?
Vor allem Mitte Oktober sowie Anfang und Mitte November 2013 zogen zehntausende Kraniche von den großen Rastplätzen in der Rügen-Bock-Region, Linum/Nauen oder der Diepholzer Moorniederung im Norden Deutschlands auf den beiden traditionellen Zugstraßen über Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Luxemburg bzw. Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Luxemburg in Richtung der Rastgebiete in Frankreich.
Abseits dieser engen Zugkorridore machen sich Kraniche recht rar, so auch bislang im äußersten Süden des Landes. Das ändert sich offenbar seit 2011, als während des Herbstzuges in Bayern rund 5.000 Individuen und im Jahr darauf noch einmal mehr Kraniche beobachtet wurden. Im Herbst 2013 wiederholte sich das Schauspiel erneut auf eindrucksvolle Weise: Am 1. November wurden von Österreich kommend viele Tausend Kraniche gemeldet, die über das südliche Bayern und Baden-Württemberg zogen und am 2. November schließlich in der Schweiz eintrafen und dort für das stärkste Auftreten von Kranichen überhaupt sorgten.
Hintergrund dieses verstärkten Auftretens ist möglicherweise eine neue Zugroute der auf dem baltisch-osteuropäischen Zugweg wandernden Kraniche. Denn seit den 2000er Jahren werden auch in Norditalien in zunehmender Anzahl westwärts ziehende Kraniche gemeldet. Im Herbst 2011 kam es dann erstmals zu einem Massenzug von mehreren Tausend Kranichen von Ungarn kommend über Österreich, Südbayern und die Schweiz bzw. über Österreich und Norditalien nach Frankreich (Camargue) und somit in die Überwinterungsgebiete der auf dem westeuropäischen Zugweg wandernden Kraniche. Ausgelöst wurde dieser starke westwärts gerichtete Zug vermutlich durch eine anhaltende Ostwetterlage Anfang November 2011. Im Jahr darauf wiederholte sich dieses Schauspiel ebenso wie 2013 bei steigenden Anzahlen — und ohne markante Ostwetterlagen. Welche Mechanismen hinter dieser Entwicklung stehen und ob sich die neue Zugroute langfristig etablieren wird, werden detailliertere Analysen und vor allem die kommenden Jahre zeigen.
Im Rahmen unseres Rückblickes auf den Herbst 2013 in der Januar-Ausgabe von DER FALKE werden wir u.a. auf diese spannende Entwicklung näher eingehen. Wir danken dem Aula-Verlag für die freundliche Genehmigung, einen Auszug aus dem Text sowie die untenstehende Karte bereits jetzt veröffentlichen zu dürfen.
Das Beispiel zeigt einmal mehr die zahlreichen neuen Möglichkeiten, die das europäische Netzwerk der Online-Portale u.a. zur Beschreibung und Erforschung des Phänomens Vogelzug bietet. Partner in diesem neuen Netzwerk sind für Luxemburg und Deutschland ornitho.lu bzw. ornitho.de.
Wir danken den vielen Tausend Melderinnen und Meldern in Deutschland, Luxemburg, Österreich, der Schweiz und Italien, ohne die solche aktuellen und faszinierenden Einblicke nicht möglich wären!

19.12.2013, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Neue Rote Liste: 70 Prozent der heimischen Nutztierrassen gefährdet
Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) veröffentlichte zum dritten Mal eine Rote Liste mit gefähr-deten Nutztierrassen. Durch wirksame Fördermaßnahmen stabilisierten sich die Bestände des Krainer Steinschafes, des Leineschafes und des Weißen Bergschafes. Die Deutsche Landrasse und das Deutsche Edelschwein sind hingegen drastisch im Bestand gesunken.
Über die Entwicklung der einheimischen Nutztierrassen informiert die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in mehrjährigen Abständen mit der Veröffentlichung der Roten Liste einheimischer Nutztierrassen. Grundlage hierfür sind die jährlich von der BLE erhobenen Bestandszahlen aller in Deutschland gezüchteten Nutztierrassen. Basierend auf diesen Zahlen empfiehlt der Fachbeirat Tiergenetische Ressourcen die Einstufung der einzelnen Nutztierrassen in eine von vier Gefährdungskategorien. Aktuell stufte der Fachbeirat 52 der 74 einheimischen Nutztierrassen als gefährdet ein. Während sich die Situation bei den Schafrassen etwas verbesserte, geben vor allem die Entwicklungen in der Schweinezucht Anlass zur Sorge.
Haltungsprämien sind ein effektives Förderinstrument
Die Bestände des Krainer Steinschafes, des Leineschafes und des Weißen Bergschafes konnten sich unter anderem durch die Haltungsprämien gut entwickeln. Der Fachbeirat hat diese Schafrassen deshalb in eine jeweils niedrigere Gefährdungskategorie eingestuft. Auch die Pferderasse Schwarzwälder Kaltblut konnte aufgrund der erfolgreichen Fördermaßnahmen in eine geringere Gefährdungskategorie eingeordnet werden.
Strukturwandel in der Schweinezucht gefährdet einheimische Schweinerassen
In der Schweineproduktion setzen sich immer stärker Hybridsauen aus international agierenden Zuchtunternehmen durch. Folglich geht der Einsatz einheimischer Schweinerassen aus der Herdbuchzucht weiter zurück. Waren noch vor wenigen Jahren die Deutsche Landrasse und das Deutsche Edelschwein weit verbreitet, mussten diese Rassen nun als bedroht eingestuft werden. Somit gibt es in Deutschland keine ungefährdete einheimische Schweinerasse mehr.
Ziegenrassen ebenfalls unter Druck, kaum Veränderungen bei Rindern
Im Jahr 2010 galt zumindest noch die Bunte Deutsche Edelziege als ungefährdet. Aufgrund des Bestandsrückgangs musste auch diese Rasse nun als gefährdet eingestuft werden. Bei den Rinderrassen ist die Situation auf verbesserungsbedürftigen Niveau stabil. Von 21 einheimischen Rinderrassen sind 15 Rassen gefährdet.
Nutztierrassen-Vielfalt: Wichtig für die Landwirtschaft der Zukunft
Die Landwirtschaft muss sich auf ändernde Rahmenbedingungen, zum Beispiel veränderte Verbraucherwünsche oder Haltungsbedingungen, einstellen können. Hierzu braucht sie ein breites Spektrum verschiedener Nutztierrassen, aus dem sie die geeigneten Tiere auswählen kann. Nutztierrassen die unter heutigen Bedingungen prädestiniert sind, müssen dies nicht unbedingt auch in Zukunft sein. Dass es wirksame Instrumente gibt, die Vielfalt an Nutztierrassen zu erhalten, zeigen die Erfolge bei den Schafrassen.
Die Rote Liste gibt einen Überblick über die anhaltende Gefährdungssituation der Nutztierrassen in Deutschland. Darüber hinaus empfiehlt sie entsprechend dem von Bund und Ländern verabschiedeten Nationalen Fachprogramm zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung tiergenetischer Ressourcen Maßnahmen, um die einheimischen Nutztierrassen zu erhalten.
Sie kann bei der BLE unter der Telefonnummer 0228/ 99 68 45 -3694 angefordert werden. Zusätzlich steht das Dokument auch zum Download unter http://www.genres.de/haus-und-nutztiere/gefaehrdung/ bereit.

19.12.2013, WWF
Gewinner und Verlierer 2013
WWF stellt animalische Jahresbilanz für den Artenschutz vor (FOTO)
Berlin (ots) – Für Löwen, Elefanten, Nashörner, Finnwale und Pinguine war 2013 laut WWF-Jahresbilanz kein gutes Jahr. „Das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier dauert an. Und der Mensch ist der Verursacher“, warnt daher Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland anlässlich des Jahreswechsels. „Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse. Eine Folge davon ist der dramatische, immer weiter voranschreitende Verlust der Artenvielfalt.“ Lebensraumzerstörung, Überfischung und Klimawandel machten deutlich, dass die Menschheit ihr Naturkapital leichtfertig verspiele. Auch die Wilderei habe 2013 erneut zahlreichen Arten wie Elefanten und Nashörnern massiv zugesetzt.
Doch es gibt laut WWF auch positive Nachrichten: Dank neuer Schutzgebiete und konstanter Naturschutzmaßnahmen fände sich der Amur-Leopard – zum zweiten Mal in Folge – auf der Gewinnerseite wieder. Und bedrohte Hai-Arten sollen durch strengere, internationale Handelssanktionen geschützt werden. In Deutschland dürfen sich die wiederangesiedelten Wisente und – dank des beschlossenen Nationalsparks im Schwarzwald -die seltenen Auerhühner freuen. Unangenehmer für den Menschen ist hingegen, dass auch die Tigermücke zu den Gewinnern 2013 zählt. Steigende Temperaturen machen es dem Krankheiten übertragenden Insekten einfacher, sich nördlich des Mittelmeers festzusetzen.
Verlierer 2013
Elefanten und Nashörner: Seit Anfang 2013 wurden mindestens 22.000 Elefanten in Afrika Opfer skrupelloser Krimineller, die es auf die Stoßzähne abgesehen haben. Die Wilderei liegt damit seit 2010 über der natürlichen Reproduktionsrate, sodass einzelne Populationen vom Aussterben bedroht sind. In Afrika leben noch ca. 430.000 Elefanten. Auch Nashörner sind von betroffen. Allein in Südafrika wurden 2013 über 900 Tiere getötet. Die Hörner gehen vor allem nach Vietnam, wo sie als Statussymbol oder in geriebener Form als dubiose Heilmittel gelten. Derzeit leben in Afrika nur noch etwa 25.000 Nashörner, davon 20.000 in Südafrika.
Finnwale: Über 130 bedrohte Finnwale wurden durch Island erlegt. Und das, obwohl in dem Inselstaat kaum Nachfrage nach Walfleisch besteht und der internationale Handel damit verboten ist. Nach zwei Jahren Enthaltsamkeit bewertet der WWF diesen Bruch des Walfangmoratoriums als „einen Rückfall in dunkle Zeiten“.
Pinguine: Die Ausweisung riesiger Meeresschutzgebiete in der Antarktis ist 2013 auf einer internationalen Konferenz im australischen Hobart erneut gescheitert. Der Druck durch Fischerei, Schifffahrt und Klimawandel auf das Südpolarmeer wird damit weiter zunehmen. Die Antarktis umfasst die am wenigsten berührten Meere der Erde und ist Heimat von fünf verschiedenen Pinguinarten. Darunter die größten aller Frackträger: die Kaiserpinguine.
Löwen: Bereits heute gilt der Afrikanische Löwe laut Roter Liste als „gefährdet“ – und der Trend zeigt weiter nach unten. Die Population wird auf etwa 32.000 Tiere geschätzt, was einer Abnahme um die 30 Prozent in 20 Jahren gleichkäme. Auch besiedelt der „König der Tiere“ nur noch knapp ein Fünftel seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets. Vor allem Tötungen durch den Menschen in Folge von Konflikten bei der Viehzucht stellen ein gravierendes Problem dar.
Gewinner 2013
Amur-Leopard: Die Bestandszahlen des Amur-Leoparden in Russland haben laut einer Zählung deutlich zugenommen. Derzeit sollen rund 50 Tiere durch die Wälder nahe Wladiwostoks streifen. Hinzu kommen Aufnahmen aus einer Kamerafalle in China. Sie zeigen eine Leopardin mit zwei Jungtieren. Das spräche dafür, dass sich die Art auch wieder in der Volksrepublik ausbreitet. Amur-Leoparden zählen zu den gefährdetsten Säugetieren der Welt. Beim Zensus 2008 waren nur rund 30 Tiere identifiziert worden. Bereits 2012 zählte die Art zu den Gewinnern. Damals war ein neuer Nationalpark eingerichtet worden.
Wisent: Der Europäische Wisent ist durch eine Aussetzung im Rothaargebirge erstmals seit mehreren Jahrhunderten wieder in Deutschland heimisch. Zurzeit prüft der WWF gemeinsam mit der Weltnaturschutzunion IUCN und der Berliner Humboldt-Universität, wo und in welchem Umfang weitere Wisente wieder dauerhaft und langfristig angesiedelt werden könnten. Die seltenen Wildrinder benötigen große, relativ unzerschnittene Waldgebiete.
Auerhahn: Im November hat Baden-Württemberg die Errichtung eines Nationalparks im Schwarzwald beschlossen. Damit erhält eine einmalige Waldregion in Deutschland den höchst möglichen Schutzstatus. Dies kommt auch dem bedrohten Auerhuhn zugute. Die Vögel sind in Mitteleuropa akut gefährdet. In Deutschland leben derzeit allerhöchstens noch 800 Brutpaare.
Haie: Auf der Internationalen Artenschutzkonferenz CITES wurde im März der Schutz von fünf bedrohten Hai-Arten beschlossen. Heringshai, Weißspitzen-Hochseehai und drei Hammerhaiarten dürfen nur noch nachhaltig gehandelt werden. Viele Haie sind laut WWF sehr anfällig für Überfischung, da sie hohe Fangzahlen nicht durch eine schnellere Reproduktionsrate ausgleichen können.
Tigermücke: Der Klimawandel schreitet weiter voran. Die Weltklimakonferenz in Warschau ist gescheitert. – Beste Voraussetzungen für die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke. Deren kälteempfindliche Eier können milde Winter überdauern. Im Mittelmeerraum habe sich die Tigermücke inzwischen längst dauerhaft festgesetzt, so die Befürchtung. Die Mücken können für den Menschen gefährliche Krankheiten wie das West-Nil-Fieber übertragen.

20.12.2013, Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften – ISAS – e. V.
Artenschutz dank Protein-Profil
Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften (ISAS) in Dortmund planen, eine völlig neue Methode zur Klassifizierung von Tier- und Pflanzenarten zu entwickeln: Anstatt die Gene zur Einordnung der Art heranzuziehen, wollen sie ein spezifisches Protein-Profil erstellen, aus dem sich die Verwandtschaftsverhältnisse ableiten lassen. Dazu haben sie ein gemeinsames Projekt mit dem Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) der Senckenberg Gesellschaft, dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) und der TU Dortmund initiiert, das von der Leibniz-Gemeinschaft mit 1,2 Millionen Euro gefördert wird.
Benötigt wird die neue Methode vor allem aus drei Gründen: Erstens sorgen massive Eingriffe des Menschen in die Natur dafür, dass die biologische Vielfalt (Biodiversität) seit Jahrzehnten stark zurückgeht. So geraten ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht und rauben den Menschen die Lebensgrundlage: Wir gewinnen Trinkwasser, Nahrungsmittel, Baumaterialien und medizinische Wirkstoffe aus der Natur und sind abhängig von intakten Böden und einem funktionierenden Klima. Der globale ökonomische Wert dieser Leistungen wird auf mehrere Billionen Euro geschätzt.
Zweitens kämpfen Biodiversitätsforscher mit einem großen Problem: Eigentlich wissen sie gar nicht so genau, wie viele und welche Arten überhaupt existieren. Vermutlich sind erst zehn Prozent aller Spezies auf der Erde überhaupt wissenschaftlich beschrieben. Noch dazu ist der Begriff „Art“ nur schwer zu definieren: Neue Arten entstehen nicht plötzlich, sondern graduell, etwa wenn sich einzelne Gruppen derselben Art in unterschiedlichen Lebensräumen allmählich in verschiedene Richtungen entwickeln. Entsprechend schwierig ist es für Biodiversitätsforscher, die ganze Komplexität eines Ökosystems zu erfassen und effektive Maßnahmen zum Schutz der Arten zu entwickeln.
Drittens hat die seit Jahren dominierende Klassifizierungsmethode auf Genombasis – das so genannte DNA-Barcoding (s. unten) – zwar viele Vor-, aber auch einige gravierende Nachteile. So können manche Mutationen etwa das untersuchte Markergen so stark verändern, dass zwei Arten als „entfernt verwandt“ eingestuft werden, obwohl sie sich nur an einzelnen Stellen im Erbgut unterscheiden (Änderung des „Leserasters“ im genetischen Code). Außerdem können immer wieder Kopien eines Markergens – so genannte Pseudogene – entstehen, die unbenutzt im Zellkern schlummern, jedoch beim Barcoding erfasst werden und dann falsche Ergebnisse liefern. Zusätzlich leben alle Pflanzen und Tiere in einer Symbiose mit Mikroorganismen, deren Genprofile ebenfalls die Ergebnisse verfälschen können. Ein weiteres Problem stellt die Tatsache dar, dass Markergene nicht bei allen Arten demselben Selektionsdruck unterliegen: Wenn ein solches Gen bei einer Spezies eine bestimmte Funktion erfüllt, werden Mutationen eventuell nicht so leicht toleriert wie bei anderen Arten.
Um einige dieser Probleme zu umgehen, wollen die ISAS-Wissenschaftler und ihre Kooperationspartner zukünftig statt eines Markergens die Proteinzusammensetzung von Organismen prüfen. Benötigt wird dafür zunächst ein geeignetes Protein-Profil: ein Set verschiedener Proteine, die möglichst unabhängig von Umwelteinflüssen sind und sich zwischen den Arten hinreichend unterscheiden. Zusätzlich erlaubt die Methode einen Rückschluss von der Zusammensetzung der Proteine auf die Zusammensetzung der DNA, da diese den „Bauplan“ für Proteine darstellt. Ein gründlich analysiertes Proteinprofil kann somit helfen, aus einem Wust von DNA-Daten die dazu passende Sequenz zu finden und einem Organismus zuzuordnen.
Als Ersatz für das DNA-Barcoding sehen die Forscher ihre neue Methode allerdings nicht: Sie glauben vielmehr, dass sich beide Ansätze ideal ergänzen und zu einer schnelleren, zuverlässigeren Klassifizierung führen werden. Eine solche Erweiterung der verfügbaren Methoden habe das Forschungsgebiet dringend nötig, schreiben sie im Projektantrag.
Eine ganz entscheidende Rolle bei der Entwicklung der neuen Methode spielt die enge Kooperation der beteiligten Institute: „Keiner der Projektpartner wäre in der Lage, ein solches Projekt alleine durchzuführen“, meint Albert Sickmann, Vorstandsvorsitzender des ISAS. „Erst die ungewöhnliche Kombination völlig verschiedener Fachgebiete ermöglicht es uns, ganz neue Entwicklungen anzustoßen.“ Das ISAS zum Beispiel verfügt über umfassende Kenntnisse auf dem Gebiet der Proteinanalyse, während die Kollegen vom BiK-F und vom ZMT ihre Erfahrungen im Bereich Biodiversitätsforschung in das Projekt einbringen. Die TU Dortmund wird sich der Datenanalyse und statistischen Auswertung widmen.
Das Projekt mit dem Titel „(Reverse) Proteomics as novel tool for biodiversity research“ ist auf drei Jahre angelegt und wird unter Federführung des ISAS durchgeführt.

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