Wissenswertes über Mammuts

Südelefant  (© N. Tamura)

Südelefant (© N. Tamura)

Als Mammuts, wissenschaftlicher Name Mammuthus, bezeichnet man eine ausgestorbene Gattung von Elefanten, die im Pliozän und Pleistozän mit verschiedenen Arten in Nordamerika, Europa, Asien und Afrika vorkam. Die letzten Vertreter der Gattung starben erst vor rund 4000 Jahren auf der Wrangelinsel im sibirischen Eismeer aus.
Im Allgemeinen meint man mit „Mammut“ das während der letzten Eiszeit in Europa und Nordasien verbreitete Wollhaarmammut; die meisten Mammutarten waren aber wahrscheinlich weitgehend unbehaart. Irreführend ist der Umstand, dass der Gattungsname Mammut nicht etwa die Mammuts bezeichnet, sondern eine nur entfernt verwandte Gattung der Echten Mastodonten (Mammutidae), Rüsseltiere mit vier Stoßzähnen, die in der letzten Eiszeit ebenfalls behaarte Formen entwickelten.
Im November 2008 wurde in der Fachzeitschrift „Nature“ die Genomsequenz des Wollhaarmammuts publiziert. Circa 70 Prozent der Erbinformation konnten entschlüsselt werden. Das Mammutgenom ist das erste Genom eines ausgestorbenen Tieres, das sequenziert wurde.

Die Mammuts haben sich im frühen Pliozän in Afrika entwickelt und verbreiteten sich von dort aus bis Eurasien und Nordamerika. Dabei spezialisierten sie sich zunehmend auf Grasnahrung und entwickelten Anpassungen an die Kälte. Laut molekulargenetischen Untersuchungen hatten sie sich bereits vor 6,7 Millionen Jahren von der Linie, die zum Asiatischen Elefanten führte, abgetrennt. Die ältesten Funde von Mammuts sind etwa 4,5 Millionen Jahre alt und stammen aus der Landsenke von Afar in Äthiopien, ein möglicherweise etwas höheres Alter weisen Zahnreste aus dem Sinda-Fluss im östlichen Kongobecken auf. Diese Funde gehören der Art Mammuthus subplanifrons an, die auch in Kenia und Südafrika nachgewiesen wurde. Die Art überlebte sicher bis vor etwa drei Millionen Jahren und kurz darauf tauchte sein vermutlicher direkter Nachfolger Mammuthus africanavus in Nordafrika auf. Diese Art war entweder eine evolutionäre Sackgasse oder der Vorfahre des Südelefanten. Aus dem Südelefanten entwickelte sich vor etwa 750.000 Jahren das Steppenmammut, das zum Vorfahren des Wollhaarmammuts wurde. Das Präriemammut Nordamerikas hat sich wahrscheinlich ebenfalls aus dem Südelefanten entwickelt, der vor etwa 1,5 Millionen Jahren nach Amerika eingewandert ist. Einige Experten sehen auch einen Ursprung des Präriemammuts im Steppenmammut, welches bisher aber noch nicht in Nordamerika nachgewiesen ist. Es trat erstmals im Altpleistozän vor rund 1,2 Millionen Jahren auf.
Folgende Arten sind heute anerkannt:
Afrikanisches Mammut (Mammuthus africanavus) Arambourg 1952; Pliozän bis Altpleistozän; Nordafrika
Präriemammut (Mammuthus columbi) Hibbard 1955; Alt- bis Jungpleistozän; Nord- und Zentralamerika
Kreta-Zwergmammut (Mammuthus creticus) Bate 1907; Altpleistozän; Südeuropa
Zwergmammut (Mammuthus exilis) Maglio 1970; Mittel- bis Jungpleistozän; Nordamerika
Mammuthus lamarmorai Major 1883; Jungpleistozän; Südeuropa
Südelefant (Mammuthus meridionalis) Nesti 1825; Pliozän bis Altpleistozän; Afrika, Eurasien, Nordamerika
Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius) Blumenbach 1799; Mittelpleistozän Mittelholozän; Eurasien, Nordamerika
Mammuthus subplanifrons Osborn 1928; Pliozän; Ost- und Zentralafrika
Steppenmammut (Mammuthus trogontherii) Pohlig 1885; Alt- bis Mittelpleistozän; Eurasien
Im Allgemeinen meint man mit „Mammut“ das während der letzten Eiszeit in Europa und Nordasien verbreitete Wollhaarmammut; die meisten Mammutarten waren aber wahrscheinlich weitgehend unbehaart. Irreführend ist der Umstand, dass der Gattungsname Mammut nicht etwa die Mammuts bezeichnet, sondern eine nur entfernt verwandte Gattung der Echten Mastodonten (Mammutidae), Rüsseltiere mit vier Stoßzähnen, die in der letzten Eiszeit ebenfalls behaarte Formen entwickelten.

Steppenmammut (Dmitry Bogdanov)

Steppenmammut (Dmitry Bogdanov)

Die Gattung Mammuthus stammt aus Afrika, wo sie als Mammuthus subplanifrons schon im frühen Pliozän und als Mammuthus africanavus auch im Pleistozän nachgewiesen ist. Aus Mammuthus subplanifrons entwickelte sich dann der Südelefant, welcher vor knapp drei Millionen Jahren auch als einer der ersten Vertreter der Elefanten eurasischen Boden betrat. Von diesem spaltete sich dann vor rund 1,5 Millionen Jahren das Steppenmammut ab. Mit den einzelnen evolutiven Stufen gingen skelettanatomische Veränderung einher, die u. a. die Verlängerung des Hinterhauptes und damit die Ausbildung eines hohen Craniums, aber auch die allmähliche Krümmung der Stoßzähne und Änderung der Backenzahnstruktur umfassen. Letztere zeigen eine deutliche Zunahme der Schmelzlamellen bei gleichzeitiger Abnahme der Dicke des Zahnschmelzes. Hatte der Südelefant nur 13 bis 18 Schmelzlamellen mit einer durchschnittlichen Dicke von 2,0 bis 3,9 mm, so besaß sein phylogenetischer Nachfolger das Steppenmammut bereits zwischen 17 und 23 mit einer Dicke von 1,0 bis 3,5 mm. Die Zunahme der Schmelzfalten ist ein Anzeichen für eine stärkere Anpassung an offene Landschaftsverhältnisse und eine steigende Spezialisierung auf die daraus resultierende Grasnahrung.
Das Steppenmammut hatte sein größtes Ausdehnungsgebiet im späten Altpleistozän vor rund 800.000 Jahren erreicht und kam damals von Ostasien bis nach Westeuropa vor. Mit einer Schulterhöhe von bis zu 4,5 m und einem Gewicht von 10 t gehörte es zu den größten Vertretern der Elefanten überhaupt. Aus dem Steppenmammut entwickelte sich letztendlich das Wollhaarmammut mit seinen charakteristischen Eigenschaften. Der genaue Prozess ist aber noch nicht abschließend geklärt. Der Ausgangspunkt für die Entwicklung des Wollhaarmammuts liegt wahrscheinlich im östlichen Eurasien. In Nordostsibirien, im Olyor-Faunenkomplex, treten vor 800.000 bis 600.000 Jahren die ersten fortgeschrittenen Mammuts auf, die sich durch eine höhere Lamellenzahl (22 bis 24) in den Backenzähnen und eine größere Zahnhöhe auszeichnen. Der Prozess ist dann vor 200.000 Jahren mit dem Auftreten des typischen Wollhaarmammuts abgeschlossen. Damit scheint diese Region eines der Zentren der Entstehung des Wollhaarmammuts zu sein.
Im westlichen Eurasien unterzieht sich das Steppenmammut in derselben Zeit einer deutlichen Reduktion der Körpergröße. Sind in Süßenborn (Thüringen) und Mosbach vor 500.000 bis 600,000 Jahren noch relativ große Individuen nachgewiesen, so besitzen sie im späten Mittelpleistozän vor 200.000 Jahren schon eine wesentlich geringere Körpergröße, wie Funde von Ilford (England) und Ehringsdorf (Thüringen) zeigen. Einhergehend ist damit auch eine leichte Zunahme der Lamellenanzahl zu verzeichnen, die aber noch nicht die typische hohe Anzahl wie bei den späteren Wollhaarmammuts erreicht und bei durchschnittlich 19 Lamellen liegt. Auch erreichen die Zahnkronen noch nicht die Werte des späteren Wollhaarmammuts.

Präriemammut (Robert Bruce Horsfall)

Präriemammut (Robert Bruce Horsfall)

Die dergestaltige morphologische Änderung des Steppenmammuts ließ viele Forscher in westlichen Eurasien vermuten, es handle sich hierbei um eine Misch- oder Übergangsform zum Wollhaarmammut. Deshalb wurde für die Mammutfunde aus dem späten Mittelpleistozän häufig die Bezeichnung Mammuthus trogontherii-primigenius verwendet, um diese Zwischenstellung anzuzeigen; für die Reste aus Steinheim, die rund 300.000 Jahre alt sind und rekonstruiert ein 3,7 m hohes Skelett ergeben, wurde gar der Begriff Mammuthus primigenius fraasi eingeführt. Manche Forscher stellten sogar den Artstatus des Steppenmammuts in Frage, doch wurde dies von den meisten strikt abgelehnt. Heute geht man dazu über, die älteren Funde des Steppenmammuts als Mammuthus trogontherii trogontherii und die jüngeren als Mammuthus trogontherii chosaricus zu bezeichnen.
Allerdings traten bereits in der frühen Saale-Kaltzeit vor rund 250.000 Jahren erste Wollhaarmammuts in Europa auf und lebten gemeinsam mit den Steppenmammuts, wie z. B. das Mammut von Pfännerhall aus dem Geiseltal. In der späten Saalekaltzeit vor rund 200.000 Jahren sind dann im westlichen Eurasien nur noch Mammutformen nachweisbar, die von den typischen weichselkaltzeitlichen nicht mehr zu trennen sind. Zu solchen spätsaalekaltzeitlichen Wollhaarmammutfunden gehören Balderton (England) und Zemst (Belgien). Im Laufe der Weichsel-Kaltzeit kommt es dann erneut zu einer Größenreduktion, die meist als weitere klimatische Anpassung verstanden wird. Einige Forscher gehen auch von einer fluktuierenden Körpergröße aus, die größere Individuen in warmklimatischen Phasen (Interstadiale) und kleinere in kühleren Phasen (Stadiale) umfassen, doch fehlt hier eine Korrelation mit absoluten Alterswerten. Da die Wollhaarmammuts teilweise regional deutliche Populationsunterschiede zeigen, gibt es in der Literatur eine unübersichtlich große Anzahl an Unterarten.

Im asiatischen Teil Russlands werden immer wieder nahezu vollständig im Eis eingeschlossene gut erhaltene Mammutkörper gefunden. Entdeckt werden diese meist durch den kilometerweit wahrnehmbaren, beißenden Moschus- und Verwesungsgeruch, sobald Teile des Tierkörpers durch den Auftauvorgang freigelegt wurden. Neben der raschen Verwesung sorgen auch Aasfresser dafür, dass solche bis dahin über Jahrtausende ununterbrochen gefrorenen Kadaver oft schon binnen Wochen vollständig zerstört werden. Im Mai 2013 wurde auf den Ljachow-Inseln im Arktischen Ozean von russischen Wissenschaftlern ein äußerst gut erhaltenes älteres weibliches Mammut entdeckt, aus dessen Kadaver eine Probe flüssigen Blutes gewonnen werden konnte.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen