Dinge, die mich aufregen 2 – Füttern von Enten und Tauben

2011 führte ich eine Rubrik ein („Dinge, die mich aufregen„), aber es dauerte lange, bis ich sie fortsetzte. Damals ging es um das Füttern von Zootieren (ein immer wieder aktuelles Thema),  jetzt muss ich meinen Ärger Luft machen, der sich auf das Füttern von Wildtieren bezieht. Natürlich nicht jedes Wildtier, nur Tauben und Enten. Warum?
Für viele Menschen ist es eine große Freude, Enten, Schwäne, Blässhühner und andere Wasservögel zu füttern. Zum einen kann das den Tieren in harten Wintern helfen. Zum anderen können gerade Kinder beim Entenfüttern intensive Erfahrungen mit der Natur machen. Allerdings nur, wenn die Eltern oder Großeltern sich entsprechend vorbereiten.

Beispielsweise gibt der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. Tipps zum richtigen Füttern von Wasservögeln:
Füttern Sie nur an Land und werden Sie kein Futter ins Wasser, damit das Gewässer nicht unnötig verschmutzt wird.
Füttern Sie nur so viel, wie die Tiere auch fressen. Wenn Sie merken, dass der Hunger der Vögel zurückgeht oder die Tiere schon satt sind, dann hören Sie sofort auf.
Brot nur in ganz kleinen Mengen verfüttern. Viel besser sind z.B. Haferflocken oder Obst.
Verschimmeltes schadet auch den Tieren! Nicht füttern, sondern in die Restmülltonne.
Zerkleinern Sie das Futter, damit die Tiere es gut fressen können. Hoffen Sie nicht darauf, dass es im Wasser rechtzeitig einweicht (zumal Sie ja ohnehin nur an Land füttern sollten, s.o.)

Anmerkung: Brot ist Fastfood für die Tiere, egal ob Weiß- oder Vollkornbrot, Brezen oder sonstige Getreideprodukte. Brot ist für Menschen da, nicht für Tiere.

Allerdings ist das Füttern von Wasservögeln meist unnötig, auch wenn viele von ihnen gelernt haben, zu betteln, da diese Art der Nahrungsbeschaffung einfacher ist als das Gründeln nach Nahrung.
Exzessives Füttern kann auch Nachteile mit sich führen: Probleme mit verdreckten und verkoteten Badewiesen sind eine Folge davon. Aufgeweichtes, unangetastete Brotreste sinke an den Gewässerboden (da ja meist doch im Wasser gefüttert wurd) und verfault dort. Die biologischen und chemischen Prozesse dieses Abbaus verbrauchen große Mengen Sauerstoff, der Fischen und anderen Wassertieren fehlt. Es kann dazu kommen, dass Algen stark wachsen und das Gewässer „umkippt“. Wenn nur an bestimmten Stellen gefüttert wird können sich auch Krankheiten leichter ausbreiten.

Genauso beliebt (und vermutlich noch viel schlimmer) wie das Füttern von Wasservögeln ist das Füttern von Tauben.
Stadttauben gelten in Deutschland als Schädlinge im Sinne des Tierschutzgesetzes, wenn sie in hohen Populationsdichten auftreten. In fast allen Städten ist das Füttern von Tauben verboten. Aus gutem Grund:
Der Kot einer gesunden Taube ist ein mehr oder weniger geformtes Bällchen, das in früheren Jahrhunderten als hervorragender Pflanzendünger verwendet wurde. Durch die ungesunde und mangelnde Nahrung der Stadttauben sowie durch diverse Krankheiten verändert sich die Konsistenz des Kots ins Wässerige (z. B. Hungerkot). Der Taubenkot ist ein Nährboden für Pilze, die Säure abscheiden, welche zum Beispiel Fassaden angreifen kann. Die Beseitigung des Taubenkots von Fassaden und Dächern erfordert erheblichen materiellen Aufwand.
Die von Stadttauben ausgehende Gefahr für die Gesundheit der Menschen ist gering. Tauben können unter bakteriellen Erkrankungen (Salmonellose, Ornithose, Tuberkulose, Kokken- und Coli-Infektionen), Mykosen (Aspergillose, Soor) oder Viruskrankheiten (Taubenpocken, Taubenherpes, Paramyxovirusinfektion, Newcastle-Krankheit, Circovirusinfektion, Leukose, Adenovirusinfektion) leiden. Zu den Endoparasiten der Tauben gehören die Kokzidiose, Trichomoniasis, Hexamitiasis, Toxoplasmose und diverse Wurmsorten. Als Außenparasiten sind Federlinge, Milben, Flöhe, Wanzen und Zecken zu nennen. Es ist anzumerken, dass die meisten der genannten Krankheiten und Parasiten nicht taubenspezifisch sind, sondern ebenso bei anderen Vögeln wie z. B. Singvögeln, Greifvögeln und Geflügel vorkommen. Die durchschnittliche Stadttaube hat erfahrungsgemäß eine Kokzidiose sowie Federlinge und Milben. Diese sind für Menschen nicht ansteckend.
Ein Problem können jedoch Ornithose (Chlamydien), Salmonellen und Tuberkulose sein. Die meldepflichtige Ornithose befällt jährlich laut den Statistiken des Bundesgesundheitsamtes ca. 300 Personen, wovon nur 8 % auf Tauben zurückgeführt werden können. Hierunter sind vorwiegend Taubenzüchter, die engen Kontakt zu ihren Vögeln haben.
Die Salmonellose gehört zu den am häufigsten bei Menschen vorkommenden Infektionen. Hierbei handelt es sich jedoch um die Vergiftung durch Salmonellen in Lebensmitteln. Man geht davon aus, dass der direkte Kontakt mit infizierten Vögeln, das Einatmen von Staub oder die Aufnahme über den Mund die Krankheit beim Menschen auslösen kann. Bei Tauben kommt jedoch überwiegend der Typ Salmonella typhimurium in der Variante Copenhagen vor, und dieser Typ konnte bei an Salmonellen erkrankten Menschen bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.
Auch die Geflügeltuberkulose ist meldepflichtig. Tauben können sich an der Geflügeltuberkulose (Mycobacterium avium), die vorwiegend Hühnervögel befällt, über verunreinigtes Wasser oder Futter anstecken. Der trockene, zu Staub zerfallene Kot der Tauben ist für Menschen die häufigste Ansteckungsquelle. Die Ansteckung mit Geflügeltuberkulose verläuft weniger schwer als bei einer humanen Tuberkulose oder Rindertuberkulose, kann jedoch für stark immungeschwächte Personen gefährlich sein.
Tauben sind einer Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts zufolge für das hochaggressive Influenzavirus vom Typ H5N1 nicht empfänglich. Sie können zwar Träger des Virus sein, scheiden es jedoch nur in geringen Mengen aus und verenden nur mit geringer Wahrscheinlichkeit.
Generell wird frischer Kot als ansteckender eingestuft als bereits ausgetrockneter und von der Sonne gebleichter Kot, da z. B. Kokzidien und Trichomonaden dadurch abgetötet werden. Bei der Beseitigung des Taubenkots können hohe Konzentrationen von Mikroorganismen in der Luft vorkommen. Infektionskrankheiten beim Menschen durch Tauben (Zoonosen) treten offensichtlich nur selten auf. Meist sind Personen mit geschwächtem Immunsystem betroffen. Infektionsquelle ist beinahe immer das Einatmen von infiziertem Taubenkot.

Aber Schildchen wie „Tauben füttern verboten“ helfen nur selten, das Taubenfüttern zu unterbinden und wenn man sich die Tauben genauer ansieht, kann man diverse Krankheiten und Verstümmelungen erkennen.
Durch das Füttern wird auch das (vermutlich, bzw. hoffentlich vorhandene) Taubenmanagement der Stadt erschwert, wenn nicht sogar verhindert. Wer beim Taubenfüttern erwischt wird kann also durchaus mit einer Geldbuße rechnen.
Trotzdem wird es immer wieder getan und vermutlich sind das dann auch die Personen, die sich darüber aufregen, dass die alten Gebäude und Kunstwerke durch den Taubenkot zu schaden kommen.

Wenn man unbedingt Vögel oder andere Tiere füttern will, soll man einen Zoo oder Wildpark aufsuchen, der ein Streichelgehege besitzt, in dem man die Tiere auch füttern darf. Oder man macht aus dem eigenen Balkon oder Garten eine Futterstelle für Vögel. Hilfreich dabei ist vielleicht das Buch Vögel füttern, aber richtig: Das ganze Jahr füttern, schützen und sicher bestimmen.

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