Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

07.01.2014, MA 49 – Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien
Rathausplatz-Weihnachtsbaum: Bienenhotels und Holz für „Jugend am Werk“
Holz als Zuhause für nützliche Wildbienen und Unterstützung eines Sozialprojekts
Wien (OTS) – Am 7. Jänner wurde die 30 Meter hohe Fichte von den ForstfacharbeiterInnen der MA 49 gefällt. Mit dem Holz werden dieses Jahr gleich zwei besondere Projekte verwirklicht. Dazu wurde der Christbaum in das Stadt Wien eigene Sägewerk Hirschwang in Niederösterreich gebracht und zu Brettern verarbeitet.
Bienenhotels als Zuhause für unsere Wildbienen
Auch nach seinem Schnitt wird der Christbaum einen wichtigen Beitrag für unsere Umwelt leisten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MA 49 fertigen aus einem Teil der Bretter Bienenhotels, die im
Frühjahr in den Wiener Parks aufgestellt werden. Die den meisten Menschen als Honigbiene bekannte Nutzbiene kann
bei Weitem nicht alle Blüten bestäuben. Deshalb sind auch die über 700 verschiedenen Wildbienenarten wichtige Blütenbestäuber – etwa die Sand- und Erdbienen oder die uns allen bekannten Hummeln. Für sie sind die Bienenhotels ein wichtiger Unterschlupf!
Holz vom Christbaum für soziale Einrichtung
Einen Gutteil der Bretter erhält die Organisation „Jugend am Werk“ als Spende. Mit diesem besonderen Holz werden
Tischlerlehrlinge, die im Rahmen der Berufsausbildung arbeiten sowie Menschen mit Behinderung, verschiedene Werkstücke – wie z.B. Holzfiguren – anfertigen.
Unterstützen. Begleiten. Fördern. Qualifizieren.
Der Verein „Jugend am Werk“ betreibt zwei gemeinnützige Tochtergesellschaften. Die „Jugend am Werk Berufsausbildung für Jugendliche GmbH“ ermöglicht Jugendlichen, die keine Lehrstelle gefunden haben, eine qualifizierte Berufsausbildung.
Die „Jugend am Werk Begleitung von Menschen mit Behinderung GmbH“ unterstützt und begleitet Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderung auf ihrem Weg zur Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Teilhabe an der Gesellschaft in den Bereichen Arbeit und Beschäftigung, Wohnen sowie in der beruflichen Integration und
Qualifizierung.
Einfache Tipps von der „umweltberatung“ für die Erhaltung der Wildbienen
Wie kann ich selbst zum Schutz der Wildbienen beitragen oder ein Nützlingshaus für Wildbienen bauen? Informationen dazu sowie zum naturnahen Gärtnern bittet die Homepage der Umweltberatung Wien.
Telefon: 01 803 32 32

08.01.2014, Freie Universität Berlin
Die Honigbiene auf der Grünen Woche
Im Rahmen der Sonderschau des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft auf der Internationalen Grünen Woche Berlin präsentieren Wissenschaftler und Studierende der Freien Universität Wissenswertes rund um die Biene. Dabei stellen sie gemeinsam mit Imkern des Imkervereins Berlin-Zehlendorf und Umgebung e. V. Bienenprodukte und ihre Heilwirkung vor und zeigen, wie im Schülerlabor NatLab der Freien Universität die Sorte eines unbekannten Honigs analysiert wird. Erörtert werden zudem Aspekte und Probleme, die mit der Haltung von Bienen einhergehen.
Die Internationale Grüne Woche Berlin findet von Freitag, den 17. Januar bis Sonntag, den 26. Januar 2014 statt. Am Sonnabend, den 25. Januar, hält der Neurobiologie-Professor Randolf Menzel einen Vortrag mit dem Thema „Wie Bienen sich verständigen und in der Welt zurechtfinden“.
Mit 30 eigenen Bienenvölkern – ein Bienenvolk umfasst zwischen 30.000 und 50.000 Bienen – ist die Freie Universität Berlin ein wichtiger Partner des Imkervereins Berlin-Zehlendorf und Umgebung e. V. Die Freie Universität bietet eine Ausbildung zum Tierwirt in der Fachrichtung Bienenhaltung unter Leitung eines Imkermeisters an. Im Schülerlabor NatLab der Freien Universität haben Grundschüler die Möglichkeit, einen unbekannten Honig selbst zu analysieren und im Rahmen der Kinderuniversität Einblicke in die Lebensweise der Honigbiene zu gewinnen.
In Berlin werden etwa 3.500 Bienenvölker von rund 750 Imkern betreut; in ganz Deutschland werden rund 700.000 Bienenvölker gehegt. Lediglich 5 Prozent aller Imker in Deutschland sind Berufsimker, 95 Prozent sind sogenannte Hobbyimker. Die Honigbiene gehört zu den wichtigsten Haustieren des Menschen. Rund 80 Prozent aller von Insekten bestäubten Pflanzen werden von Bienen bestäubt. Die Honigbiene ist daher für den Arterhalt von Nutz- und Wildpflanzen von größter Wichtigkeit. Wegen der Bestäubungsleistung ist sie für die Landwirtschaft und die Versorgung der Menschen das drittwichtigste Nutztier nach Schwein und Rind.
Zeit und Ort
Öffnungszeiten der Internationalen Grünen Woche Berlin 2014: Freitag, den 17. Januar 2014 bis Sonntag, den 26. Januar 2014 von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr, Sonnabend, den 18. Januar, Freitag, den 24. Januar und Sonnabend, den 25. Januar von 10.00 Uhr bis 20.00 Uhr
Internationale Grüne Woche Berlin, Messe Berlin GmbH, Messedamm 22, 14055 Berlin (S-Bahnhöfe: Eichkamp/Messe Süd, Westkreuz, Witzleben/Messe Nord; U-Bahnhöfe: Theodor-Heus-Platz, Kaiserdamm)
Stand des NatLab der Freien Universität Berlin und des Imkervereins Berlin-Zehlendorf und Umgebung e. V. auf der Sonderschau des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: Mitte der Halle 23 a
Vortrag von Prof. Dr. Randolf Menzel „Wie Bienen sich verständigen und in der Welt zurechtfinden“: Sonnabend, den 25. Januar 2014 von 15.00 bis 17.00 Uhr, ICC, Saal 6

08.01.2014, Universität Basel
Das Klima verändert die Höhenverteilung von Pflanzen und Tieren
Die Pflanzen, Schmetterlinge und Vögel in den Schweizer Tieflagen sind im Zeitraum 2003–2010 zwischen 8 und 42 Meter die Hügel hinaufgewandert. Das berichten Forscher der Universität Basel im Online-Fachmagazin «Plos One».
Der Klimawandel verändert weltweit die Verbreitung von Pflanzen und Tieren. So wurde kürzlich gezeigt, dass die europäischen Vogel- und Schmetterlingsarten in den letzten zwei Jahrzehnten durchschnittlich um 37 bzw. 114 Kilometer nach Norden gewandert sind.
Die Biologen Dr. Tobias Roth und PD Dr. Valentin Amrhein von der Universität Basel berichten nun, dass zwischen 2003 und 2010 die Schweizer Pflanzen, Schmetterlinge und Vögel auch die Hügel hinauf gewandert sind. Auf Höhe des Schweizer Mittellandes sind die Pflanzenarten im Durchschnitt 8 Meter nach oben gewandert, Schmetterlinge 38 Meter und Vögel 42 Meter. Die Ergebnisse beruhen auf Daten des Schweizer Biodiversitäts-Monitoring, in dem auf landesweit verteilten Flächen Pflanzen und Tiere bis in eine Höhe von etwa 3000 Metern gezählt werden.
«Durchschnittlich acht Meter Höhenunterschied in acht Jahren und über alle Pflanzenarten, das ist für die meist nicht besonders mobilen Pflanzengesellschaften recht viel», sagt Valentin Amrhein. «Die Resultate zeigen, dass die biologischen Auswirkungen des Klimawandels nicht erst langfristig sichtbar werden. Die Tiere und Pflanzen der Schweiz reagieren bereits heute und mit erstaunlicher Geschwindigkeit auf die steigenden Temperaturen.»
Andere Trends oberhalb der Waldgrenze
Während Vögel auch in höheren Lagen nach oben wanderten, zeigten die Pflanzen und Schmetterlinge über der Waldgrenze allerdings keine signifikanten Höhenänderungen. Im Gegensatz zur Entwicklung in tieferen Lagen war sogar eine leichte Tendenz für eine Abwärtsbewegung von Pflanzen und Schmetterlingen zu finden. Die Gründe dafür sind noch unklar. «Möglicherweise wirken Änderungen der Lebensräume an der Waldgrenze den Einflüssen des Klimawandels entgegen, zum Beispiel der Umstand, dass viele Alpweiden nicht mehr bewirtschaftet werden», so Tobias Roth. «Eine andere Möglichkeit ist, dass alpine Pflanzen aufgrund des sehr vielfältig strukturierten Reliefs vor den Folgen des Klimawandels besser geschützt sind.»
Dass sich die Höhenverteilung von Pflanzen- und Schmetterlingsarten gegenwärtig im Tiefland und in den Hochlagen unterschiedlich ändert, ist jedenfalls nicht mit unterschiedlichen Temperaturentwicklungen auf den verschiedenen Höhenstufen erklärbar. Die Forscher haben auch Messdaten der Lufttemperatur von 14 meteorologischen Stationen untersucht: Während der 16 Jahre von 1995 bis 2010 stiegen in der Schweiz die Sommertemperaturen auf allen Höhenstufen um etwa 0,07 °C pro Jahr.
Originalbeitrag
Tobias Roth, Matthias Plattner & Valentin Amrhein
Plants, birds and butterflies: short-term responses of species communities to climate warming vary by taxon and with altitude
Plos One, published January 8th, 2014, doi: 10.1371/journal.pone.0082490

08.01.2014, Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Erstes Hai-Genom entschlüsselt
Barbara Abrell Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation
Das Erbgut der Australischen Pflugnasenchimäre liefert wichtige Einblicke in Immunität und Knochenbildung
Ein internationales Forscherteam, an dem auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg beteiligt waren, hat das Erbgut der Australischen Pflugnasenchimäre sequenziert und untersucht. Der genetische Vergleich mit Mensch und anderen Wirbeltieren zeigte, dass das Immunsystem der Haie deutlich einfacher aufgebaut ist als beim Menschen und weshalb bei Haien das Skelett weitestgehend aus Knorpel besteht und nicht mit der Zeit verknöchert. Die Ergebnisse von Byrappa Venkatesh und Kollegen wurden in der neuesten Ausgabe des Fachblattes Nature publiziert.
Bei der Erbgut-Analyse stießen die Forscher auf eine Überraschung: Den Haien fehlen bestimmte Typen von Immunzellen aus der Gruppe der T-Helferzellen. Diese Zelltypen galten bislang bei Wirbeltieren als unentbehrlich für die Abwehr von Viren und Bakterien und für die Vermeidung von Autoimmun-Erkrankungen wie Diabetes und Rheuma.
Trotz dieser scheinbar primitiveren Form der Immunabwehr können sich Haie während ihres langen Lebens gut gegen Infektionserreger verteidigen. „Der Aufbau des Immunsystems bei Haien weicht von dem anderer Wirbeltiere stark ab“, sagt Thomas Boehm, Koautor und Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg. „Die Tiere können aber offensichtlich trotzdem Infektionen sehr effektiv bekämpfen. Das deutet darauf hin, dass die Natur unterschiedliche Lösungen für das gleiche Problem entwickelt hat.“
Was geschieht, wenn beim Menschen die T-Helfer-Zellen zerstört werden, lässt sich bei AIDS-Erkrankten beobachten. Der Körper ist dann viralen oder bakteriellen Infektionen weitgehend hilflos ausgeliefert. Bislang war man darum davon ausgegangen, dass T-Helfer-Zellen für ein funktionierendes Immunsystem unentbehrlich sind. Die neuen Ergebnisse stellen diese altbekannte Gewissheit nun in Frage und bieten neue Denkansätze, wie das menschliche Immunsystem bei Fehlfunktionen positiv beeinflusst werden kann.
Außerdem untersuchten die Forscher, weshalb Knorpelfische, zu denen auch der die Australische Pflugnasenchimäre gehört, den relativ weichen Knorpel des Skeletts nicht in harte Knochensubstanz umwandeln können, wie dies beim Menschen und anderen Wirbeltieren der Fall ist. Die genetische Vergleichsstudie zeigte nun, dass den Tieren eine bestimmte Gen-Gruppe fehlt, die für die Verknöcherung von Bedeutung ist. Schalteten die Forscher diese Gene in Knochenfischen aus, unterblieb auch dort die Verknöcherung. Das ist ein starker Hinweis darauf, dass die untersuchte Gen-Gruppe auch beim Menschen ein wichtiger Ansatzpunkt für das Verständnis menschlicher Knochen-Erkrankungen, wie etwa Osteoporose, sein kann.
Die Forscher zeigten außerdem, dass sich das Erbgut der Australischen Pflugnasenchimäre im Laufe der Evolution langsamer verändert hat als das Erbgut aller bisher untersuchten Wirbeltiere. Sie schlägt selbst den Quastenflosser, der den Beinamen „lebendes Fossil“ trägt und dessen Erbgut sich ebenfalls nur extrem langsam verändert. Damit dürfte das Genom der Australischen Pflugnasenchimäre einem gemeinsamen Vorfahren aller Wirbeltiere so ähnlich sein wie kein anderes Tier bisher.
Knorpelfische (Haie, Rochen, Chimären) bilden unter den Kiefer-Wirbeltieren die älteste Gruppe. Sie haben sich vor etwa 450 Millionen Jahren von den knochenbildenden Wirbeltieren getrennt. Die Australische Pflugnasenchimäre (Callorhinchus milii) gehört zu den Chimären, einem nahen Verwandten der Haie, und lebt in gemäßigten Gewässern Neuseelands und des südlichen Australien in Tiefen von etwa 200 bis 500 Metern. Von den etwa 1000 Knorpelfischarten wurde die Australische Pflugnasenchimäre aufgrund ihres relativ kleinen Genoms ausgewählt, das etwa ein Drittel des menschlichen Genoms misst.
Das Projekt wurde in erster Linie von den National Institutes of Health (NIH), USA, gefördert. Wissenschaftler aus 12 internationalen Forschungseinrichtungen, darunter auch dem Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik (MPI-IE) in Freiburg, waren daran beteiligt.
Viren, Bakterien und andere Parasiten sind eine ständige Bedrohung für jedes Lebewesen. Die meisten besitzen deshalb ausgefeilte Verteidigungsstrategien, mit denen sie Eindringlinge bekämpfen. Am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik erforscht Thomas Boehm, wie das Immunsystem im Laufe der Evolution entstanden ist – aber auch, wie es sich vom Embryo bis zum ausgewachsenen Organismus entwickelt. Für seine Arbeiten zur Entwicklung, Differenzierung und Evolution zentraler Elemente des Immunsystems wird der Wissenschaftler am 16. Mai 2014 mit dem angesehenen Ernst Jung-Preis für Medizin 2014 ausgezeichnet.
Publikation:
Venkatesh B et al. (2014). Elephant shark genome provides unique insights into gnathostome evolution.
Nature doi:10.1038/nature12826

09.01.2014, Max-Planck-Institut für Ornithologie
Kuckucke bleiben auf Kurs
Kuckucke legen jährlich eine 16000 Kilometer lange Rundreise aus ihren Brutgebieten in Nordeuropa in die Überwinterungsplätze in Zentralafrika zurück. Erstmals beobachteten Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und ein internationales Wissenschaftlerteam mit Hilfe von Satellitendaten die Routen der einzelnen Vögel. Sie weichen trotz der enormen Distanz kaum voneinander ab. Selbst von Computermodellen errechnete Flugstrecken, die nur auf einem angeborenen Orientierungssinn beruhen, verlaufen deutlich unterschiedlicher. Kuckucke verlassen sich also nicht nur auf ein angeborenes Kompass-Uhr-Navigationsvermögen, sondern nutzen zusätzliche Orientierungshilfen.
Jedes Jahr brechen Milliarden von Vögeln aus ihren Brut- und Überwinterungsgebieten auf und fliegen rund um den Erdball. Die verschiedenen Vogelarten finden dabei auf unterschiedliche Weise ans Ziel. Bei manchen Arten können die Jungvögel lediglich einem angeborenen Orientierungssinn nach dem Kompass-Uhr-Prinzip folgen, der ihnen die richtige Flugrichtung sowie die zurückgelegte Zeit und damit die Entfernung angibt. Auf ihrem Jungfernflug lernen sie dann von älteren Artgenossen, Abweichungen von der richtigen Route zu korrigieren. Erfahrene Tiere kennen beispielsweise auffällige Merkmale der Landschaft oder orientieren sich vielleicht sogar an den Sternen. Manche Arten nutzen auch das Magnetfeld der Erde oder riechen, wo sie sich gerade befinden.
Woran sie sich genau orientieren und entlang welcher Routen sie fliegen, liegt für viele Vogelarten noch immer im Dunkeln. Die Beringung einzelner Tiere gab lange Zeit nur stichprobenartig Stationen ihrer Reise preis. Erst seit wenigen Jahren können Wissenschaftler die Position einzelner Individuen über einen längeren Zeitraum kontinuierlich aufzeichnen und in Echtzeit verfolgen. Sie statten die Tiere dafür mit batteriebetriebenen Minisendern aus, die Angaben zu Ort und Bewegung an Satelliten übermitteln. Damit können die Forscher auch die Wanderungsbewegungen von Vögeln wie dem Kuckuck untersuchen, die nicht in großen Schwärmen über den Himmel ziehen und deshalb schwer zu beobachten sind.
Sender im Fluggepäck
Zusammen mit Kollegen aus Dänemark, den Niederlanden, Schweden und den USA hat Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut in Radolfzell die Routen von Kuckucken (Cuculus canorus) aus Dänemark und Südschweden mit dem satellitengestützten Ortungssystem ARGOS über ein Jahr hinweg verfolgt. Die fünf Gramm schweren Minisender auf dem Rücken der Vögel funkten ihre Positionsangaben alle zwei Tage zehn Stunden lang an acht Satelliten in 850 Kilometer Höhe. Von den acht im Frühjahr 2010 mit Sendern versehenen Vögeln kehrten drei im darauffolgenden Jahr wieder in ihr Brutareal zurück, zwei davon genau an den Ort, wo sie gefangen worden waren.
Zwischen Ende Juni und Anfang August brechen die skandinavischen Kuckucke offenbar in ihre Überwinterungsgebiete auf. Auf ihrer im Schnitt rund 7100 Kilometer langen Reise nach Afrika im Herbst legen die Kuckucke mehrere Zwischenstopps ein: Zunächst rasten sie für jeweils etwa einen Monat im nördlichen Mitteleuropa (Polen) sowie in Südosteuropa (Ungarn, Griechenland), bevor sie im September im Grenzgebiet von Libyen und Ägypten die Sahara überfliegen. Von dieser Etappe erholen sie sich rund anderthalb Monate lang in der östlichen Sahelzone und überwintern dann drei Monate in Waldgebieten im südwestlichen Zentralafrika. Von dort machen sie sich im Februar auf den 9100 Kilometer langen Heimflug und kommen nach Zwischenstopps in Ghana und der Elfenbeinküste, Westafrika und Italien im Mai wieder in ihren Brutgebieten an – mehr als zehn Monate nach ihrem Start. Keine zwei Monate später bereiten sie sich schon wieder auf den nächsten Rundflug vor.
Der Flug der Kuckucke ist genau auf Nahrungs- und Brutbedingungen vor Ort abgestimmt. So landen die Vögel beispielsweise genau dann südlich der Sahara, wenn dort nach der Regenzeit ein reiches Nahrungsangebot herrscht. Außerdem müssen sie ihre Ankunft in den Brutgebieten mit dem Brutverhalten ihrer Wirtsvögel abstimmen: Je nördlicher sie brüten, desto später brüten die potenziellen Stiefeltern ihrer Küken. Folglich müssen sie in den nördlichen Brutgebieten später ankommen. Kuckucke aus unterschiedlichen Populationen, zum Beispiel aus Großbritannien, fliegen deshalb entlang anderer Routen und zu anderen Zeiten.
Meister in der Navigation
Im Schnitt landet jeder der Kuckucke bei seinen Zwischenstopps innerhalb von 460 Kilometern – und das nach einem tausende Kilometer langen Flug. „Ein besonders beeindruckendes Beispiel für den erstaunlichen Orientierungssinn der Kuckucke ist der Überflug über die Sahara: Nach über 5000 Kilometer Flug sind die von uns besenderten Vögel im Abstand von 160 Kilometern voneinander im Süden des Tschad gelandet“, sagt Martin Wikelski.
Doch wie schaffen es die Kuckucke, ihr Flugziel so genau anzupeilen? Jeder Vogel fliegt nämlich für sich alleine und das noch dazu meist bei Nacht. Außerdem verlassen die Altvögel das Brutgebiet meist vor den Jungtieren. Diese können sich also wahrscheinlich nicht die Erfahrungen der Routiniers zunutze machen und sich auch nicht an auffälligen Landschaftsmerkmalen orientieren.
Stattdessen folgen sie vermutlich einem angeborenen Flugprogramm, das ihnen die Richtung und Wegstrecke vorgibt. Doch ein solches fest eingebautes Navi reicht alleine nicht aus, das zeigen Berechnungen am Computer. Die Forscher haben nämlich am Computer simuliert, wie die Flugbahnen verlaufen würden, wenn die Vögel ausschließlich einem Kompass-Uhr-Navigationssystem folgen oder wenn sie sich zusätzlich an Geländemerkmalen orientieren. „Selbst bei kürzeren Etappen lagen die Zwischenstopps in den Simulationen weiter auseinander als die in der Natur beobachteten. Sogar wenn wir in den Simulationen berücksichtigten, dass Abweichungen von der korrekten Flugroute an besonderen Barrieren wie Gebirgen oder Meeren tödlich für Jungvögel enden, waren die berechneten Flugkorridore immer noch breiter“, erklärt Wikelski.
Ein reines Kompass-Uhr-Navigationssystem kann die engen Flugkorridore der Kuckucke also nicht erklären. „Kuckucke berücksichtigen offenbar zusätzliche Informationen aus ihrer Umgebung wie Winde, Gerüche oder Strukturen in der Landschaft. Sie folgen aber nicht nur solchen Hinweisen, sondern wissen darüber hinaus immer genau, wo sie sind und steuern gezielt Zwischenziele an – möglicherweise dank der Gerüche von Landschaften, die sie von früheren Reisen kennen“, erklärt Wikelski.
Wie die jungen Kuckucke beim ersten Mal ihren Weg finden und wie sich später so genau an ihren Flugplan halten, wissen die Forscher also noch nicht. Dazu müssen sie Kuckucke fangen, an neue Orte transportieren, ohne dass sich die Tiere währenddessen orientieren können, und sie wieder freilassen. Die eingeschlagene Route kann dann Hinweise auf das Orientierungsverhalten geben. Außerdem soll das geplante für 2015 auf der Internationalen Raumstation geplante Forschungsprogramm ICARUS es möglich machen, mehr und kleinere Vögel zu verfolgen und das mit tausendfach höherer Genauigkeit.
In jedem Fall haben die schmalen Flugkorridore der Kuckucke große Bedeutung für den Bestand der Tiere. Eine Zerstörung der Lebensräume in den eng begrenzten Zwischenstopps, Flughindernisse oder intensive Jagd kann für ganze Populationen existenzbedrohend sein. Der Schutz dieser Korridore ist also ähnlich wichtig wie die Bewahrung der Rast- und Brutplätze so prominenter Arten wie Küstenvögel, Gänse oder Kranichen.

09.01.2014, NABU
Der Feldsperling überholt die Blaumeise
41.500 Gärten ausgewertet / Noch bis Dienstag (14.) Vögel melden
Bis Donnerstagabend haben sich an der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“ bereits mehr als 58.000 Vogelfreunde beteiligt. In 41.500 Gärten notierten sie knapp 1,6 Millionen Vögel. Damit liegt die Durchschnittszahl der Vögel je Beobachtungsort nun bei 38, das sind zwölf Prozent weniger als im Vorwinter. Die milde Witterung macht sich also doch deutlicher bemerkbar, als es zu Beginn der Aktion schien.
Auch in dieser späten Phase – Meldungen können noch bis einschließlich Dienstag (14.) online abgegeben oder per Post eingeschickt werden – kommt es immer wieder noch zu Verschiebungen. So hat inzwischen der Feldsperling die Blaumeise überholt und rangiert nun auf dem dritten Platz. Genauer gesagt ist die Blaumeise zurückgefallen, denn die Feldsperlingwerte bleiben stabil, während die der Blaumeise weiter nachgaben.
Überhaupt macht der Feldsperling, vom Haussperling unterscheidbar durch die bei Männchen wie Weibchen rotbraune Kappe, eine interessante Entwicklung durch. Bei der „Stunde der Gartenvögel“ im Mai haben sich die Feldsperling-Beobachtungen im Siedlungsraum in den letzten Jahren Stück für Stück verdreifacht. Wissenschaftliche Untersuchungen sehen ihn dagegen eher im Rückgang. Drängt es den Feldspatzen also möglicherweise aus der ausgeräumten Kulturlandschaft immer mehr in die Dörfer und Städte?
Jedenfalls gehört der Feldsperling wie die Meisen zu den Arten, die als Wintervogel häufiger beobachtet werden als im Frühjahr. Wie die Tabelle zeigt, lässt sich trotz der erwähnten Zunahme im Mai pro Garten gerade mal ein Feldsperling sehen, während es im Winter fast viermal so viele sind. Der Haussperling dagegen hat im Frühjahr wie im Winter ähnliche Werte.
Update 10. Januar: Bis Freitagabend ist die Zahl der Meldungen auf nunmehr 42.400 gestiegen. Dabei beobachteten 60.200 Teilnehmer mehr als 1,6 Millionen Vögel.

09.01.2014, NABU
Grünes Filmfestival rückt näher
Wolfsgeheul und Gletscherbewegungen auf der „Green Me“ 2014
Kurz vor der Berlinale 2014 wird es grün auf Berlins Leinwänden: Zum „Green Me“ Filmfestival versammeln sich über 20 der besten Natur- und Umweltfilme im Cinemaxx am Potsdamer Platz. Sie konkurrieren am 1. und 2. Februar 2014 um die „Green Me Awards“, die am Vorabend der Berlinale vergeben werden. Rund um das Festival diskutieren Gäste und Regisseure über Nachhaltigkeit im deutschen Film und grüne Helden nehmen Kinder und Jugendliche mit auf die Reise in die faszinierende Welt der Natur.
Zwei Tage lang dreht sich alles um die Themen Umwelt, Klima und die Vielfalt der Natur – gepaart mit Unterhaltung für Jung und Alt. Schwerpunkt-Thema des Filmfestivals 2014 ist der Wolf. Das Wildtier lebt seit mehr als zehn Jahren wieder in deutschen Wäldern. Seit Jahrhunderten ranken sich hartnäckige Mythen um ihn.
Ein Höhepunkt des Festivals ist zum Beispiel die „lange Wolfsnacht“ am 1. Februar. Ab 19.30 Uhr laufen dann im Kino 1 der Dokumentarfilm „Deutschlands wilde Wölfe“ sowie der Polizeiruf „Wolfsland“ über einen Kriminalfall rund um den Abschuss eines Wolfes in Brandenburg. Begleitet wird die „lange Wolfsnacht“ durch ein Diskussions-Panel mit dem Tierfilmer Sebastian Körner („Deutschlands wilde Wölfe“) und dem NABU-Wolfsbotschafter Andreas Hoppe.
„Für mich ist es eine echte Herzensangelegenheit bei ‚Green Me‘ dabei zu sein“, sagt Schauspieler Andreas Hoppe. Seit vielen Jahren setzt sich der Berliner intensiv für Natur- und Umweltschutz ein. Rund um sein Landhaus in Mecklenburg-Vorpommern baut er eigenes Obst und Gemüse an, im Selbstversuch ernährte er sich ein Jahr lang nur von Lebensmitteln aus der jeweiligen Region. Ein Thema, das ihm besonders am Herzen liegt, sind die Wölfe.
Der Tatort-Kommissar, der eine beeindruckende Dokumentarfilmsammlung zum Wolf sein Eigen nennt, begleitet die Rückkehr des Wildtieres nach Deutschland. „Zum Wolf sind noch immer so viele Vorurteile unterwegs. Mir ist es wichtig, dass alle bei dem Thema mitgenommen werden, und die Wölfe so langfristig bei uns überleben können“, so Hoppe. Das „Green Me“-Filmfestival sei dazu ein wichtiger Baustein.
Neben Andreas Hoppe unterstützen weitere Prominente wie Schauspieler Peter Lohmeyer, die Moderatorin des ZDF-Morgenmagazins Dunja Hayali, ARD-Wettermann Karsten Schwanke, Moderatorin Nina Eichinger, der Schweizer Filmregisseur Markus Imhoof („More than Honey“) das Festival.
Sie werden am Ende gemeinsam mit Naturschutzexperten wie NABU-Geschäftsführer Leif Miller sowie dem Umweltaktivisten und Journalisten Bernward Geier, die besten Filme mit den „Green Me“-Awards auszeichnen. Schirmherr des grünen Filmfestivals 2014 ist der ehemalige Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Klaus Töpfer. Projektpartner und Hauptsponsoren des Naturfilmfestivals sind Volkswagen und Rewe.
Tickets sind an der Kino-Kasse im CinemaxX am Potsdamer Platz erhältlich. Kinder bis 16 Jahre haben freien Eintritt, Erwachsene zahlen fünf Euro pro Festivaltag. Im Preis inbegriffen sind kostenlose Snacks.

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