Was verdient eigentlich ein Tierarzt?

von Luisa Dziki

Schon als kleines Mädchen wollte ich Tierärztin werden. Als ich noch jung war, fanden meine Eltern das noch ganz süß, doch als ich älter wurde und immer noch bei diesem Berufswunsch blieb, hat sich mein Vater doch langsam Sorgen gemacht: „Da musst du rund um die Uhr erreichbar sein, auch nachts und verdienen tust du da auch nichts!“, hat er gesagt. Nun ja, „nichts“ ist dabei schon stark übertrieben, aber doch sind viele Bekannte immer wieder erstaunt, wenn ich Ihnen sage, was ein Tierarzt nach seinem Studium in der Regel erstmal im Schnitt verdient. „Und dafür studierst du so lange?!“, fragen sie mich dann.

Und was verdient man als Tierarzt so?

Wird in einem Gespräch mein Studium erwähnt, ernte ich oft – gar nicht selten sogar im vorwurfsvollen Ton – die Aussage: „Na, da verdienst du später ja mal richtig Kohle!“. Irgendwann habe ich mir angewöhnt, mein Gegenüber dann nach seiner Vorstellung zu fragen. Kaum jemand gibt eine Schätzung unter 3500€ Brutto pro Monat ab, die meisten liegen darüber. Die Realität sieht aber anders aus. Als Anfangsassistenz liegt man deutlich darunter, vor 2010 empfahl die Bundestierärztekammer 2000€, inzwischen ist diese Empfehlung auf 2600€ gestiegen. Laut einer Umfrage des Bundesverbands der Veterinärmedizinstudierenden Deutschlands e.V. von 2011 unter den Assistenten erreicht allerdings nicht einmal die Hälfte die alten Empfehlungen, sprich sie verdienen unter 2000€ brutto. Nur 27% erhalten das aktuell empfohlene Gehalt. Bedenkt man, dass dabei 72% der Befragten eine 50 Stunden Woche haben, ja, knapp 40% sogar mehr als 60 Stunden die Woche in der Praxis stehen, bekommen diese Zahlen noch einmal eine ganz andere Dimension. Wenn ich diesen Sachverhalt meinen Gesprächspartnern erkläre, können viele das gar nicht glauben und bringen ihren Unglauben in dem oben genannten Ausruf zum Ausdruck.

„Dann mach doch was anderes…“

Natürlich muss man nach dem Studium nicht als praktizierender Tierarzt arbeiten und rund ein Drittel aller Tierärzte hat sich tatsächlich dagegen entschieden. Stattdessen widmen sie sich der Lehre, der Forschung oder sind beim Staat als Amtstierarzt angestellt. Laut Gehaltsvergleich.com verdient man in der Pharmakologie als Tierarzt am besten, jedoch ist das für mich – zumindest aktuell – keine Alternative. Was dagegen durchaus ihren Reiz hat, ist, dass ich mich in die Reihe „fachfremd tätiger Tierärzte“ einreihe, wie es die Bundestierärztekammer bezeichnet, sprich einen Beruf ergreife, der kaum oder nichts mit meinem erlernten Beruf zu tun hat. Doch bis ich mich endgültig entscheiden muss, liegen ja noch ein paar Jahre vor mir und wir werden sehen, wie sich die Arbeitssituation der Tierärzte weiter entwickelt.

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