Wissenswertes über Hadrosaurier

Hadrosaurier (Heinrich Harder)

Hadrosaurier (Heinrich Harder)

Die Hadrosaurier waren eine Gruppe pflanzenfressender Vogelbeckendinosaurier zur Zeit der Kreide. Sie gehörten zu den erfolgreichsten Dinosauriertaxa. Bis heute sind 25 Gattungen nachgewiesen.
Bekannter sind die Hadrosaurier unter ihrem Trivialnamen Entenschnabelsaurier.
Hadrosaurier besaßen verbreiterte und abgeflachte Schnauzen (entenschnabelähnlich, daher der deutsche Name) mit Hornschneiden. Ihre Bezahnung wies viele Ähnlichkeiten zu Iguanodonten auf, doch sie besaßen pro Zahnreihe mehr Einzelzähne, und jede Zahnposition verfügte über ein Magazin von fünf Ersatzzähnen. Dadurch wurde eine lange, schmale sekundäre Kaufläche ermöglicht, welche in Verbindung mit speziellen Mahlbewegungen ein gutes Zerkauen der Pflanzennahrung gewährleistete. Die Hinterbeine waren sehr stark entwickelt, doch zeigten Hadrosaurier wohl eine große Tendenz zu quadrupeder (vierbeiniger) Fortbewegung. Nur bei schnellem Lauf während der Flucht liefen sie biped auf ihren Hinterbeinen.
Vermutlich wuchsen die Hadrosaurier mit ähnlicher Geschwindigkeit wie heutige Großsäuger. Maiasaura peeblesorum hatte seine volle Größe wohl in sechs bis acht Jahren erreicht.
In der Hell-Creek-Formation im US-Bundesstaat North Dakota wurde 1999 die versteinerte Mumie („Dakota“) eines Edmontosaurus gefunden. Der hervorragende Erhaltungszustand verhalf zu grundlegenden neuen Erkenntnissen über die Weichteilanatomie (Haut, Muskulatur) und Biologie der Dinosaurier.
Die Lambeosaurier unterschieden sich speziell im Aufbau des Schädels von anderen Hadrosauriern: Sie hatten röhrenförmige, kammähnliche Strukturen, welche aus Prämaxillaria und Nasalia gebildet wurden. Sie dienten vermutlich dazu, trompetenähnliche Laute zu erzeugen. Größendimorphismus der „Trompete“ zwischen den Geschlechtern legt nahe, dass er beim Balzverhalten eine Rolle gespielt hat.
Über die Lebensweise von Hadrosauriern ist aufgrund guter Funde viel mehr bekannt als über andere Dinosaurier. Wahrscheinlich lebten sie in großen Gruppen und zeigten ein Sozialverhalten, welches dem der heutigen Huftiere glich. Über die Ernährung von Hadrosauriern ist man unter anderem durch einen Edmontosaurus-Fund gut unterrichtet, welcher heute im Frankfurter Senckenberg-Museum ausgestellt ist: In seinem Magen wurden große Mengen Koniferennadeln gefunden.

Maiasaura peeblesorum  (© N. Tamura)

Maiasaura peeblesorum (© N. Tamura)

Maiasaura brütete in Kolonien, wie es von vielen heute lebenden Vogelarten bekannt ist. Die Forscher fanden auf engstem Raum gleich mehrere teilweise noch recht gut erhaltene Nester vor. Da in manchen Nestern die Überreste frisch geschlüpfter bzw. noch sehr junger Tiere gefunden wurden, deren Beinknochen noch nicht vollständig ausgebildet waren, und der Boden der Nester mit Eierschalensplittern übersät war, vermuten Forscher, dass Maiasaura Nesthocker waren und die Eierschalen zertrampelt hatten. Wahrscheinlich blieben die jungen Maiasaura so lange im Nest, bis sie alt genug waren, um mit auf Futtersuche zu gehen.
Für diese Theorie sprechen auch die Überreste gut durchgekauter, vermutlich ausgewürgter Pflanzennahrung, die man in den Nestern fand. Auch die Art des Maiasaura-Nestes, das etwa einen Meter tief, zwei Meter breit und rund angelegt war, wird als Beweis für die Theorie des Nesthockens von Maiasaura herangezogen. Die meisten Eier standen in aufrechter Position. Sie waren etwa 20 Zentimeter lang, liefen spitz zu und steckten mit dem schmaleren Ende im Boden. Der Rand des Nestes war vermutlich aus Schlamm oder Schlick hochgezogen worden, das Innere des Nestes war mit weicher Vegetation ausgekleidet.
Der Umstand, dass die Jungen der Maiasaura Nesthocker gewesen sein könnten, setzt eine äußerst aktive Brutpflege der Elterntiere voraus. So mussten diese das Nest vor Feinden schützen, zunächst den Eiern und später dann den Jungen die nötige Wärme geben, um ihnen ein Überleben zu sichern, und die Jungen stetig mit Nahrung versorgen. Daher der Gattungsname, der „Gute-Mutter-Echse“ bedeutet.
Diese Art der Brutpflege, vergleichbar dem heutiger Tiere, erscheint überraschend bei Dinosauriern, doch sind die Überlebenschancen der Jungen in einer Brutkolonie wesentlich höher, als wenn diese als Nestflüchter von Beginn an für sich selbst hätten sorgen müssen.
Bei den Hadrosauriern wurde zudem die Fähigkeit nachgewiesen, dass sie Laute ausstoßen und somit wahrscheinlich einen Warnruf von sich geben konnten, wenn Gefahr drohte. Es wird vermutet, dass die Muttertiere immer zum Brüten und Jungenaufzucht an denselben Ort zurückgekehrt sind. Die Jungen wuchsen sehr schnell heran, schon nach zwei Jahren hatten sie eine Länge von etwa drei Metern erreicht. Dann verlangsamte sich das Wachstum und mit etwa acht Jahren waren sie ausgewachsen.
Hadrosaurier sind die phylogenetisch höchstentwickelten Ornithopoden und bilden eine Schwestergruppe der Iguanodonta. Sie stammen nicht voneinander ab, dies ist durch viele Parallelen im Körperbau belegt. Nach dem Körperbau des Hadrosauriers Camptosaurus prestwichi aus dem Kimmerdigium wird vermutet, dass sich die Hadrosaurier schon zu diesem Zeitpunkt abgespalten hatten. Nach aller Wahrscheinlichkeit ist Cedrorestes der älteste Hadrosaurier, der vor ca. 130 Mio. Jahren in Spanien lebte. Daraus folgert ein paläogeographisches Verbreitungsmuster, nach dem Iguanodontiden vor der Kreide Asien noch nicht besiedelt hatten. Dort haben sich die Hadrosaurier entwickelt.
Diese These passt jedoch nicht vollkommen mit anderen Nachweisen zusammen, so etwa Fossilien im Jura Chinas. Klar definierte Hadrosaurier sind auch mit Gilmoreosaurus und Bactrosaurus erst ab der Oberkreide bekannt. Die Hadrosaurier, die in ihrer Morphologie den Iguanodontiden am meisten gleichen, sind Probactrosaurus und Ouranosaurus.
Die Monophylie der Hadrosaurier wird aufgrund vieler Autapomorphien derzeit kaum angezweifelt.

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2 Antworten auf Wissenswertes über Hadrosaurier

  1. Tim sagt:

    Unglaublich spannend, ich fand als Kind Dinos so unglaublich aufregend das mein Lieblingsort das Museum war.
    Selbst heute noch lese ich Artikel wie diese unglaublich gern 🙂
    Toller Artikel 🙂

  2. tylacosmilus sagt:

    Seit der Kindheit hat sich ja einiges geändert, was das Bild der Saurier anbelangt. Aber sie haben nichts an ihrer Faszination verloren.
    Bisher habe ich die Dinosaurier hier eher vernachlässigt, aber das ändert sich ja gerade.
    Freut mich, dass dir der Artikel gefällt (auch wenn er größtenteils nur das wiedergibt, was bereits bei Wikipedia zu finden ist)

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