Artenschutz im Zoo

Waldrapp (Zoo Mulhouse)

Waldrapp (Zoo Mulhouse)

Artenschutz umfasst den Schutz und die Pflege bestimmter, aufgrund ästhetischer oder ökologischer Prinzipien als schützenswert erachteter, wild lebender Tier- und Pflanzenarten in ihrer historisch gewachsenen Vielfalt (Artenvielfalt) durch den Menschen. Hierdurch unterscheidet sich der Artenschutz vom Tierschutz, bei dem Menschen das individuelle Tier um seiner selbst willen schützen wollen. Gegenstand des Artenschutzes sind dem gegenüber wildlebende Populationen der von ihm zu schützenden Zielarten. Ist diese Population lebensfähig, sind Tod und Verlust von Individuen hinnehmbar. Artenschutz bezieht sich im Prinzip ausschließlich auf wild lebende Tier- oder Pflanzenarten. Vergleichbare Bemühungen bestehen in der Landwirtschaft auch für selten werdende Nutztierrassen oder alte Obst-, Gemüse- und Getreidesorten. Übergreifendes Ziel ist der Schutz der biologischen Vielfalt.

Die ersten Artenschutzbemühungen der Zoos gehen auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück: 1905 wurde im Bronx Zoo (Neuyork) die „American Bison Society“ mit dem Ziel gegründet, den amerikanischen Bison zu retten. 1923 erfolgte in Berlin die Gründung der “Internationalen Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents”, mit dem heute noch bestehenden Wisent-Zuchtbuch.

Die Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) sind ein zooübergreifendes Projekt zur gezielten und koordinierten Zucht von in Zoos gehaltenen Tierarten. Das ursprüngliche Ziel war, diese Tierarten auch ohne weiteren Erwerb von Wildfängen dauerhaft mit ausreichender genetischer Diversität in den Zoos zu erhalten. Seit den 1990er Jahren verschiebt sich der Schwerpunkt mehr und mehr zur Erhaltung vom Aussterben bedrohter Arten aus Artenschutz-Gründen.

Artenschutz in Zoos bedeutet (mehr oder weniger) Populationsschutz: Die Erhaltung der Zoopopulation (ohne Zufuhr von Wildfängen) zum direkten Schutz von Individuen bedrohter Arten und von deren Lebensräumen auch die Bestandsstützung durch spezielle Erhaltungszuchtprogramme und die Wiedereinbürgerung.

Einige Tiere konnten durch die Bemühungen der Zoologischen Gärten (und anderen Tierhaltungen und Privatpersonen) vor dem Aussterben bewahrt werden. Bekannte Beispiele sind der Waldrapp und das Przewalskipferd.

Alpensteinbock (Zoo Salzburg)

Alpensteinbock (Zoo Salzburg)

Was aber nicht vergessen werden darf: Zoos haben nur eine begrenzten Raum zur Verfügung und viele Tiere erreichen ein Alter von mehreren Jahrzehnten und vermehren sich während ihres Lebens (wünschenswerterweise) mehrmals.
Der Lebenszyklus eines Tieres läuft grundsätzlich in der freien Natur wie im Zoo ab. Das Leben im Zoo ignoriert jedoch einige Naturgesetze: Gefressen und gefressen werden trifft für Zootiere normalerweise nicht zu. Zebras und Antilopen müssen nicht die Angriffe von großen afrikanischen Katzen fürchten und Krankheiten sind auch nicht zwingend tödlich, was bedeutet, dass auch schwächere Tiere eine Überlebenschance haben.
Es mag dahin gestellt sein, wie frei ein Tier in der Natur ist, im Zoo kümmert sich der Mensch um die Tiere. Das bedeutet allerdings auch, dass er eine Art von Populationsmanagment betreiben muss.
Gerade bei bedrohten Tieren ist das nicht so einfach, möchte man doch die Tierart erhalten, gleichzeitig aber kämpft man gegen das Platzproblem. Dazu kommt die Schwierigkeit des Auswilderns, denn nicht alle Tiere lassen sich ohne weiteres in ihren ursprünglichen Lebensraum auswildern. Aber darauf will ich gar nicht eingehen (hier zumindest nicht)
Irgendwann wären auch die größten Zoos überfüllt. Aber die Art muss weiter gezüchtet werden, um sie zu erhalten. Dabei sollte die genetische Vielfalt erhalten bleiben und Inzucht vermieden werden.
Beides ist nicht so einfach. Über Inzuchtprobleme informiert der Beutelwolf-Blog an dieser Stelle.
Die genetische Vielfaltist bei vielen Zootieren eher gering, vor allem, wenn es sich nur noch um wenige Individuen handelt. Dies trifft auch bei wildlebenden Tieren zu. Diese genetische Verarmung in der Natur wird als genetischer Flaschenhals bezeichnet.
Viele Arten sind in den letzten zweihundert Jahren durch genetische Flaschenhälse gegangen oder gehen gerade durch solche hindurch, unter anderem der Alpensteinbock, der Wisent und das Przewalski-Pferd.
Bei Zootieren, von denen man aus Platzgründen nur wenige Individuen halten kann werden genetisch unterschiedliche Zuchttiere aufwändig aus anderen Zoos importiert, um die genetische Vielfalt zu erhalten und Inzucht zu vermeiden. Dies wird durch diverse Zuchtprogramme gesteuert. Dadurch lässt es sich nicht vermeiden, dass Tiere getötet werden müssen, sei es aus Gründen der Inzucht oder des genetischen Hintergrunds.

So zumindest die Theorie.
Leider ist das Konzept der Erhaltungszucht bzw. des Artenschutzes eine relativ junge Erkenntnis. Früher wurden in Zoos und Zirkussen Arten gehalten und gezüchtet, ohne auf Unterarten zu achten. Auf diese Weise entstanden einige Zootiere, die in der freien Wildbahn in dieser genetischen Zusammenstellung nicht existieren würden: Giraffen, Löwen, Elefanten, Tiger, um nur einige Beispiele zu nennen.
Zoos sind inzwischen bemüht die Reinrassigkeit der Unterarten zu bewahren, aber nach wie vor, werden auch Zootiere gezüchtet.
Mag es auf der einen Seite sinnvoll erscheinen ein gesundes Tier zu töten, weil es genetisch „nicht wertvoll“ ist und einem anderen genetisch „wertvollerem“ Tier den Platz „weg nehmen“ oder die Nachkommen einer Inzucht zu töten, so ist es fraglich, warum nach wie vor Zootiere gezüchtet werden.

Beispielhaften Artenschutz zeigen folgende Beispiele:
2008 wurden in Magdeburg drei kleine Tiger getötet, nachdem der Vater sich als nicht reinrassiger Amurtiger entpuppte.
Die Zucht der Asiatischen Löwen in Heidelberg und Straubing wurde gestoppt, nachdem sich die Tiere als nicht reinrassig herausstellten.
Auch das Töten von Marius (siehe hier und hier) lässt sich aus Gründen des Artenschutzes rechtfertigen. Nur der wenig sensible Umgang mit dem toten Tier sollte verurteilt werden.

Artenschutz bedeutet nun mal auch den Tod eines Tieres. Allerdings sind Artenschutzgründe nach dem deutschen Tierschutzgesetz keine vernünftigen Günde, und deswegen verboten. Deswegen hatte auch das Töten der Tigerbabys strafrechtliche Folgen.

Die Erhaltung von Tieren ist nicht so leicht, wie es auf den ersten Blick vielleicht erscheinen mag. Nach wie vor zerstört der Mensch die Lebensräume und Rückzugsnmöglichkeiten, so dass eine Auswilderung nur in wenigen Fällen Sinn macht. Die Poupationen nehmen ab, dadurch auch die genetische Vielfalt der Arten. Zoos und ähnliche Einrichtungen bieten auch nicht viel Platz und irgendetwas muss mit überschüssigen Tieren passieren. Nur was?
Eine weitere Diskussion würde an dieser Stelle zu weit führen (und wird bestimmt anderswo fortgeführt), aber das Töten von Tieren im Zoo ist kein Ereignis von schwarz und weiß. Die Gründe dafür müssen gut erwogen werden und vielleicht ist es sinnvoll auch zooferne Experten in die Tötungsüberlegungen miteinzubeziehen, um auch rechtlich auf der sicheren Seite sein zu können.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen