Inzest-Giraffe getötet und an Löwen verfüttert

Netzgiraffe (Tierpark Hellabrunn)

Netzgiraffe (Tierpark Hellabrunn)

So lautete die Schlagzeile bei Bild.de
Gestern wurde im Zoo von Kopenhagen ein Giraffenbulle getötet und anschließend (vor Publikum) an die Löwen verfüttert. Marius war kerngesund und wurde nur getötet, weil er „wertlos“ für die Zoopopulation der Netzgiraffen war. Würde er weiterzüchten, würde er nichts zur genetischen Vielfalt der Netzgiraffen beitragen. In Kopenhagen selbst würde man mit ihm nur Inzucht (nicht Inzest, wie es die BILD reißerisch und unkorrekt bezeichnet, siehe hier) betreiben.
Bevor Marius (so der Name des Giraffenbullen) sterben musste, wurde das Vorhaben vom Zoo bekannt gegeben. Der Aufschrei war groß (und selbst jetzt, nachdem die Tat vollzogen wurde, hagelt es Vorwürfe und selbst Zoofreunde sind geteilter Meinung). Der Zoo ignorierte diverse Petitionen und Proteste vor dem Zoo und setzte sein Vorhaben in die Tat um.
Angeblich gab es keinen geeigneten Zoo, der die Giraffe aufnehmen konnte. Zoosprecher Tobias Stenbaek Bro verteidigte die Tötung mit einer Empfehlung der Europäischen Vereinigung von Zoos und Aquarien (EAZA).
Es gebe bereits sehr viele Verwandte von „Marius“ mit ähnlichen Genen im Zuchtprogramm der Organisation, sagte er. Eine Kastration wäre demnach grausamer gewesen und hätte „unerwünschte Folgen gehabt“. Empfängnisverhütungsmittel könne man Giraffen nicht verabreichen, eine solche Behandlung würde die inneren Organe der Tiere zu sehr belasten. Auch eine Auswilderung in die Natur wäre keine Option, sieht man davon ab, dass die Kosten, die ein solches Vorhaben mit sich bringen würden, immens wären.
Trotzdem hätte Marius nicht sterben müssen. Ein Zoo in Östersund hatte vergeblich einen Platz angeboten. Außerdem soll auch eine Privatperson, die die Giraffe retten wollte, dem Zoo rund 500.000 Euro geboten haben. Natürlich weiß man nicht, wie die Haltungsbedingungen dort gewesen wären, aber vielleicht hätte sich ein Zoo außerhalb der EAZA gefunden, der dem Bullen einen Platz geboten hätte (Nachtrag: Das ist von der EAZA verboten)

Positiv hervorzuheben ist die Transparenz, mit der der Zoo mit dem Vorhaben umging. In Deutschland wird oft schon geschrien wenn der Zwergziegennachwuchs verfüttert wird, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass manche Zootiere an andere verfüttert werden. Das hat auch seine Vorteile, auch wenn es dem einen oder anderen bitter aufstoßen sollte.
Es mag ungewöhnlich sein, Giraffen zu verfüttern, aber von Zebras und Elenantilopen weiß man es (und Zebras kann man leicht erkennen).
Die Frage, die sich mir stellt ist jedoch, warum es überhaupt zu Marius‘ Geburt gekommen ist. Der Bulle ist gerade mal 18 Monate alt (geworden), da sollte man doch schon vor der Geburt wissen, dass er keinen genetischen Gewinn für die Zoonetzgiraffenpopulation darstellt. Man hätte also die Geburt, bzw. die Empfängnis, von Anfang an verhindern müssen. Jedenfalls habe ich nicht herausfinden können, ob es sich bei seiner Geburt um einen „Unfall“ handelte.

 

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