Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

20.02.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Die ADEBAR-Familie wächst: Atlas der „Brutvögel in Sachsen“ veröffentlicht
Vögel sind wie kaum eine andere Organismengruppe gute Indikatoren zur Bewertung des Zustands von Landschafts- und Ökosystemen. Bezogen auf die Brutvogelwelt verfügt Sachsen über eine einzigartige Datengrundlage aus drei vergleichbaren landesweiten Kartierungen in einem Zeitraum von über dreißig Jahren: die erste 1978-1982, die zweite von 1993-1996 und die jüngste von 2004-2007. Letzere lieferte zugleich die sächsischen Daten für ADEBAR, den Atlas deutscher Brutvogelarten. Wesentlich angereichert wurde der Inhalt des Werkes durch ergänzende Auswertungen ornithologischer Jahresberichte sowie durch das Einbeziehen von Regionalavifaunen, Fachpublikationen, Feinrasterkartierungen, Siedlungsdichteuntersuchungen und Ergebnissen des Vogelmonitorings in Sachsen.
Mit dem neuen Atlas der „Brutvögel in Sachsen“ bündelt das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) die Ergebnisse und zieht anhand der Veränderungen von Häufigkeit und Verbreitung der einzelnen Arten — zum Guten wie zum Schlechten — Bilanz und bewertet die Situation.
Beschrieben werden Verbreitung, Lebensraum, Brutbiologie, Bestand und Bestandsentwicklung sowie Gefährdung und Schutz von 213 aktuellen und ehemals in Sachsen vorkommenden Brutvogelarten: für 177 Arten ausführlich mit Text, Grafiken, Karten und Bildern. 19 sehr seltene Brutvögel oder auch Brutgäste, wie der über vier Jahre in der Sächsischen Schweiz brütende Würgfalke, werden mit einer Kurzdarstellung bedacht. Ebenso ehemals vorkommende, teilweise auch ausgestorbene Arten, wie Auerhuhn und Großtrappe.
Das in mehrjähriger Gemeinschaftsarbeit entstandene Buch ist eine umfassende Informationsquelle für alle im Natur- und Vogelschutz tätigen Personen, Verbände, Behörden und viele weitere Einrichtungen. Nicht zuletzt ist es ein spannendes Nachschlagewerk für Naturfreunde und Vogelliebhaber.
Das Buch ist ein Gemeinschaftswerk sächsischer Ornithologinnen und Ornithologen. Den Auswertungen liegen über 1,5 Millionen Beobachtungen zugrunde, die von mehr als 800 ehrenamtlich Engagierten in den zurückliegenden 30 Jahren zusammengetragen worden sind — darunter auch viele Mitglieder des Vereins Sächsischer Ornithologen. Das sei nicht nur eine Mammutarbeit gewesen, sondern auch beispielgebend in Sachsen, hob Landesamtspräsident Norbert Eichkorn bei der Präsentation der Ergebnisse und des Buches hervor. Kein anderes Projekt in vergleichbaren Fachdisziplinen habe jemals mehr ehrenamtliche Mitarbeiter gebunden wie dieses.
„Ich danke an dieser Stelle ausdrücklich allen Mitwirkenden für ihre geleistete Arbeit“, sagte der Präsident. „Möge der Atlas der ′Brutvögel in Sachsen′ nicht nur das Interesse für die Vogelwelt sowie das Engagement für ihren Schutz weiter stärken, sondern auch als Lohn für die Freizeitforschung der Ornithologen gesehen werden.“, so Eichkorn weiter.
Diesen Wünschen schließen sich der DDA und die Stiftung Vogewelt an, verbunden mit der Hoffnung, dass der Vogelschutz durch das neue Werk in Sachsen und über seine Landesgrenzen hinaus einen nachhaltigen Aufschwung erfährt.
Das über 600 Seiten umfassende Werk mit dem Titel „Brutvögel in Sachsen“ kann ab sofort über den Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung bezogen werden: Hammerweg 30, 01127 Dresden / publikationen@sachsen.de
Es kostet 35 Euro (reine Schutzgebühr).
Für Internetnutzer steht der Brutvogelatlas kostenlos zur Einsicht und zum Download bereit: http://www.publikationen.sachsen.de

20.02.2014, Universität Regensburg
Junge Wespenweibchen sind wählerischer bei der Partnerwahl
Paarungen zwischen Partnern, die nahe verwandten Arten angehören, sind im Tierreich keine Seltenheit. Dies kann für die Beteiligten jedoch fatale Folgen haben, da die Nachkommen oftmals unfruchtbar oder nicht lebensfähig sind. Deshalb haben Tiere im Laufe der Evolution Strategien entwickelt, um solche Fehlpaarungen möglichst frühzeitig zu vermeiden. Forscher der Universität Regensburg konnten nun an der parasitischen Wespe Nasonia vitripennis zeigen, dass sehr junge Weibchen besonders wählerisch bei der duftgesteuerten Partnerwahl sind.
Paarungen zwischen Partnern, die nahe verwandten Arten angehören, sind im Tierreich keine Seltenheit. Dies kann für die Beteiligten jedoch fatale Folgen haben, da die Nachkommen oftmals unfruchtbar oder nicht lebensfähig sind. Deshalb haben Tiere im Laufe der Evolution Strategien entwickelt, um solche Fehlpaarungen möglichst frühzeitig zu vermeiden. Eine Möglichkeit hierzu bietet die Nutzung artspezifischer Sexuallockstoffe, die eine Unterscheidung geeigneter und ungeeigneter Partner bereits vor der Verpaarung ermöglichen. Forscher der Universität Regensburg konnten nun an der parasitischen Wespe Nasonia vitripennis zeigen, dass sehr junge Weibchen besonders wählerisch bei der duftgesteuerten Partnerwahl sind. Auf diese Weise verringern sie das Risiko von Fehlpaarungen mit Männchen einer gemeinsam vorkommenden Schwesternart, welches in den ersten Stunden nach dem Schlupf besonders hoch ist. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit haben die Wissenschaftler jetzt in der renommierten Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht (DOI: 10.1371/journal.pone.0089214).
Wespen der Art Nasonia vitripennis entwickeln sich parasitisch in den Puppen verschiedener Fliegenarten. In Teilen Nordamerikas kann Nasonia vitripennis innerhalb derselben Wirtspuppe gemeinsam mit der nahe verwandten Art Nasonia giraulti vorkommen. Paarungen zwischen beiden Arten führen dazu, dass die Weibchen nur männlichen Nachwuchs produzieren, da Eizelle und Spermien nicht kompatibel sind. Das Fehlen weiblicher Nachkommen bedeutet – zumindest bei diesen Wespen – einen klaren Nachteil. Männchen von Nasonia giraulti begatten die eigenen Weibchen bereits in der Wirtspuppe und sind dabei auch den artfremden Weibchen von Nasonia vitripennis nicht abgeneigt. Diese gehen jedoch erst nach dem Schlupf aus der Wirtspuppe auf Partnersuche und nutzen dabei einen Sexuallockstoff der Männchen. Doch hier locken auch die Männchen der Schwesternart mit einem Duft, der dem von Nasonia vitripennis chemisch sehr ähnlich ist. Diesem Bouquet fehlt jedoch eine Komponente, die nur die Männchen von Nasonia vitripennis besitzen und durch die sie sich von allen anderen Nasonia-Arten unterscheiden.
„Wir nehmen an, dass es die Nachteile zwischenartlicher Paarungen waren, die letztlich zur Evolution der neuen Duftstoffkomponente bei Nasonia vitripennis geführt hat, damit die Weibchen arteigene Männchen von artfremden Konkurrenten unterscheiden können“, sagt Prof. Dr. Joachim Ruther vom Institut für Zoologie. In ihren Experimenten konnten die Forscher tatsächlich zeigen, dass junge Weibchen, für die das Risiko, an ein Männchen der „falschen“ Art zu geraten, besonders groß ist, nur den speziellen Duft der eigenen Männchen attraktiv fanden. Auch, wenn artfremde Männchen nach Kontakt intensive Balzbemühungen zeigten, widersetzten sich junge Weibchen diesen meist erfolgreich. Im „fortgeschrittenen“ Alter von zwei Tagen hingegen zeigten sich die Wespenweibchen bei der Partnerwahl weniger wählerisch. Die Forscher nehmen jedoch an, dass dies in der Natur keine große Rolle mehr spielt, da sie sich aufgrund ihres Wahlverhaltens frühzeitig mit den arteigenen Männchen verpaaren können.
Die Ergebnisse der Regensburger Studie stützen die Hypothese, dass die gemeinsam Nutzung von sexuellen Signalen durch nahe verwandte Tierarten letztlich dazu führt, dass sich diese Signale im Laufe der Evolution verändern, um die Nachteile zwischenartlicher Paarungen zu vermeiden. Verblüffend ist zudem die Erkenntnis, dass die Spezifität der Reaktion auf sexuelle Signale zeitlich begrenzt sein kann.
Originalartikel unter: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0089214

19.02.2014, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
„Nature“-Artikel zum Bienensterben: Wildbienen stecken sich offenbar direkt bei Honigbienen an
Bestimmte typische Krankheiten von Honigbienen lassen sich auch bei wild lebenden Bienen, zum Beispiel Hummeln, nachweisen. Das bedeutet, dass eine Ursache für das zunehmende Sterben von Wildbienen in Krankheiten liegen könnte, die von Honigbienen verbreitet werden. Britische Wissenschaftler konnten unter Beteiligung von Prof. Dr. Robert Paxton, Institut für Biologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig, zeigen, dass es eine direkte Übertragung dieser Krankheiten geben könnte. Die Ergebnisse, die auf Untersuchungen in Großbritannien basieren, wurden in „Nature“ veröffentlicht.
Weltweit ist der Bestand an Bienen rückläufig. Aufgrund ihrer zentralen Rolle bei der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen versuchen Wissenschaftler weltweit die Hintergründe dieser Entwicklung zu verstehen. Die Studie, die nun in „Nature“ veröffentlicht ist, entstand unter Federführung der Royal Holloway University of London und unter Beteiligung der MLU und iDiv sowie der University of Exeter (England). Für die Studie wurden typische Krankheiten aus der Bienenzucht darauf untersucht, ob deren Übertragung von Honigbienen auf Hummeln möglich ist. Es zeigte sich, dass sowohl das Krüppelflügelvirus (Deformed Wing Virus) als auch der parasitäre Pilz Nosema ceranae – die beide für Honigbienen äußerst schädlich sind – in der Lage sind, Hummel-Arbeiterinnen zu infizieren und im Fall des Krüppelflügelvirus auch deren Lebenserwartung zu verkürzen.
Die Studie ist die erste Arbeit zur örtlich übergreifenden Bestimmung der Epidemiologie dieser Krankheiten. Für sie wurden in 26 Orten in ganz Großbritannien Honigbienen und Hummeln gesammelt und diese auf Befall mit dem Krüppelflügelvirus und dem Pilz Nosema ceranae untersucht. Landesweit waren Virus und Pilz unter Hummeln wie Honigbienen weit verbreitet. „Deutlich wurde dabei sogar, dass sich das Krüppelflügelvirus, eine der weltweit häufigsten Ursachen für das Sterben von Honigbienen, nicht nur weit verbreitet unter Hummeln ist, sondern sich in ihnen sogar repliziert. Hummeln sind tatsächlich nicht nur passive Träger des Virus. Sie werden angesteckt und sterben an dem Virus“, erklärt Prof. Dr. Robert Paxton.
Die Forscher untersuchten auch die Verbreitung der Krankheiten und die genetischen Gemeinsamkeiten des Krüppelflügelvirus in verschiedenen Populationen. Drei Faktoren wiesen dabei darauf hin, dass Honigbienen die Parasiten auf Hummeln übertragen. So ist 1) unter Honigbienen die Belastung mit dem Virus und dem Pilz höher als unter Hummeln. 2) Konnte die Infektion der Hummeln anhand von Mustern der Honigbieneninfektion prognostiziert werden. Und 3) waren bei Honigbienen und Hummeln am selben Ort auch die genetischen Stämme des Virus gleich.
„Seit 2006 wissen Naturwissenschaftler, dass das Krüppelflügelvirus nicht nur in Honigbienen, sondern auch in anderen pollensammelnden Insekten in Deutschland, England und Nordamerika vorhanden ist. Nun haben wir das Gewicht an Beweisen für eine Übertragung von Honigbienen zu anderen Bienenarten – zumindest in Bezug auf das tödliche Krüppelflügelvirus“, sagt Robert Paxton.
Die neue Studie zeigt, dass unter wilden Bienen und Nutzbienenvölkern die selben Erreger grassieren. Infizierte Honigbienen können auf besuchten Blüten Spuren der Krankheit, etwa eine Pilzspore oder einen Viruspartikel, hinterlassen, die dann Wildbienen infizieren. „Die Ergebnisse legen nahe, dass dringend Empfehlungen für die Praxis ausgesprochen werden müssen, um wilde und von Imkern gezüchtete Bienen besser vor diesen verheerenden Krankheiten zu schützen, weil beide eine unerlässliche Rolle als Bestäuber von vielen Wild- und Kulturpflanzen spielen“, sagt Robert Paxton. Zumeist gingen Behörden weltweit davon aus, dass die Krankheiten lediglich eine Bedrohung für Honigbienen darstellen. Diese Annahme sei falsch. Richtlinien zum Umgang mit diesen Krankheiten müssten auch die Bedrohungen für wilde Bienen berücksichtigen, so Paxton weiter.
Publikation:
„Disease associations between honeybees and bumblebees as a threat to wild pollinators.“
Autoren: Matthias Fürst, Dino McMahon, Juliet Osborne, Robert Paxton und Mark Brown
Nature, 19.02.2014; DOI: 10.1038/nature12977

20.02.2014, Universität Ulm
Fitnesstest für Wirbeltiere: Prof. Sommer forscht zwischen Ökologie und Medizin
Mit ihrem Konzept „Ecohealth“ baut Professorin Simone Sommer Brücken zwischen Biologie und Medizin. Die neue Leiterin des Ulmer Instituts für Experimentelle Ökologie untersucht nämlich, welchen Einfluss Umweltveränderungen auf den Gesundheitszustand von Wirbeltieren haben. Ihr Ansatz ist allgemeingültig. Deshalb sind madagassische Lemuren, brasilianische Beuteltiere und Gelbhalsmäuse in Hamburger Stadtparks gleichermaßen lohnende Studienobjekte für die Biologin. Simone Sommer erweitert also das Spektrum des Instituts, das zuvor von der 2011 verstorbenen Fledermausforscherin Professorin Elisabeth Kalko geleitet wurde.
Bereits als Studentin entdeckte Simone Sommer ihr Interesse an der Tropenökologie, für ihre Doktorarbeit forschte sie im madagassischen Trockenwald zu Riesenspringratten. „Doch irgendwann merkte ich, dass feldökologische Arbeiten alleine wohl nicht für eine akademische Karriere ausreichen und suchte nach ergänzenden Methoden. Ich stieß auf den Immunkomplex MHC, der mir ein guter Marker für den Gesundheitszustand von Wildtieren zu sein schien“, erinnert sich die Wissenschaftlerin. Fortan kombinierte sie Analysen zur Immungen-Variabilität mit ökologischer Grundlagenforschung. Tatsächlich sind Gene des Immunkomplexes MHC für die Abwehr von Krankheitserregern und Parasiten wichtig. Zudem scheinen sie bei der Partnerwahl („Inzuchtvermeidung“) eine Rolle zu spielen.
Doch wie beeinflussen Umweltveränderungen die Gesundheit der Tiere? „Wird zum Beispiel ein ursprünglich großes Waldgebiet durch Abholzung oder Straßenbau zerschnitten, können sich die Bewohner nicht mehr frei bewegen und verpaaren. So wird die immunrelevante genetische Variabilität reduziert – mit negativen Folgen für die Gesundheit der Tiere und letztlich für die Biodiversität“, erklärt Sommer. Sowohl bei Mäusen in deutschen Stadtparks, Beuteltieren als auch bei Lemuren habe sie einen Zusammenhang zwischen genetischer Variabilität und Parasitenbefall als Hinweis auf eine reduzierte Fitness gefunden. Tiere mit Darmwürmern oder einer veränderten Zusammensetzung der Darmbakterien könnten beispielsweise ihre Nahrung weniger gut verwerten, häufig litten sie an Koinfektionen und erhöhtem Zeckenbefall.
Allerdings gibt es in der Tierwelt auch „Generalisten“ die problemlos mit Umweltveränderungen fertig werden und ein sehr hohes Anpassungspotential an neue Krankheitserreger zeigen. Längst haben zum Beispiel Füchse und Waschbären Großstädte für sich entdeckt.
Anders als ihre Vorgängerin und Freundin Elisabeth Kalko ist die neue Institutsleiterin also nicht auf eine Säugetierart festgelegt. Mit ihrem allgemeingültigen Ansatz untersucht sie alle Wirbeltiere – von Fledermäusen über Beutel- und Nagetiere bis zu Geparden, Leoparden oder Flamingos. Ein Projekt, das Kalko besonders am Herzen lag, wird von Simone Sommer weitergeführt: Gemeinsam mit PD Dr. Marco Tschapka engagiert sie sich im Smithsonian Tropical Research Institute auf Barro Colorado Island (Panama). „Die bisherigen Forschungsarbeiten zu Fledermäusen werden künftig durch genomweite Analysen ergänzt. In Panama möchte ich zusätzlich Proben von Beutel- und Nagetieren nehmen und ihren Gesundheitszustand bestimmen. Dazu setzen wir die neuesten Sequenzierungstechnologien (‚next generation sequencing‘) ein“, erläutert die Biologieprofessorin, die das gegenwärtige Fledermaus-Projekt einst mit Kalko angestoßen hatte.
Weitere laufende Forschungsprojekte Simone Sommers sind in Namibia und Australien angesiedelt. Hier forscht die Biologin auch zur Krankheitsübertragung von Wildtieren auf Nutztiere und auf den Menschen. Prominente Beispiele für solche „Zoonosen“ sind übrigens Ebola, die Schweinegrippe oder etwa das Humane Immundefizienz Virus (HIV).
In diesem Zusammenhang plant die Wissenschaftlerin, ein „Ecogenomisches Labor“ auf dem Eselsberg einzurichten. Entsprechend geschulte Mitarbeiter hat sie aus Berlin, ihrer vorherigen Station, mitgebracht. Sommer selbst bezeichnet ihre Forschung als „hochaktuell“. Sie hofft, evolutionsökologische und genomische Grundlagen zu verstehen, die die Anpassung von Tieren an ihre Umwelt bestimmen. Aktuell beweist die Mutter einer dreieinhalbjährigen Tochter Organisationstalent: „Mein Mann ist als Verkaufsleiter einer internationalen Firma viel unterwegs und so müssen wir unsere ,Auslandseinsätze‘ koordinieren“, sagt die Professorin mit einem Schmunzeln.
Zur Person:
Professorin Simone Sommer (Jahrgang 1967) hat Biologie an den Universitäten Heidelberg und Tübingen studiert. Sie promovierte am Institut für Verhaltensphysiologie der Uni Tübingen und am dortigen Max Planck Institut für Immungenetik. Später folgte sie ihrem Doktorvater nach Hamburg, wo sie sich auch habilitierte. Forschungsaufenthalte führten Sommer unter anderem in die USA, nach Brasilien, Südafrika und Madagaskar. Vor ihrem Wechsel nach Ulm hatte die Wissenschaftlerin eine außerplanmäßige Professur für Evolutionäre Ökologie am Institut für Biochemie und Biologie der Uni Potsdam inne. Außerdem leitete sie seit 2006 die Forschergruppe Evolutionäre Genetik am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. 2013 erhielt Simone Sommer einen Ruf auf die W3-Professur „Molekulare Ökologie und Evolution“ an die Universität Potsdam, den sie aber ablehnte, um dem Ruf nach Ulm zu folgen.

21.02.2013, Naturhistorisches Museum Wien
DAS KLEINSTE SÄUGETIER DER WELT und HIGHLIGHT-FÜHRUNG im NHM
Hummelfledermaus in Artensterben-Ausstellung und Diensthundevorführung auf der Suche nach artgeschützten Tieren
Wien (OTS) – Ein Exemplar der kleinsten Fledermaus der Welt in der Sonderausstellung „Das Geschäft mit dem Tod – das letzte Artensterben?“ im NHM Wien zu sehen ab Dienstag, dem 25. Februar 2014
Anlässlich der Sonderausstellung „Das Geschäft mit dem Tod das letzte Artensterben?“, die aufgrund des großen Erfolges beim Publikum bis 30. Juni 2014 verlängert wurde, wird ab 25. Februar 2014 ein neues Objekt präsentiert: Ein Totfund der stark bedrohten Hummelfledermaus (Craseonycteris thonglongyai), die neben der Etruskerspitzmaus als kleinstes Säugetier der Welt gilt und nur ca. 2 Gramm wiegt.
Die Hummelfledermaus wurde in den 1970er Jahren entdeckt und gilt unter Chiropterologen (Fledermaus-ForscherInnen) als besonderes Kleinod: Sie kommt, soweit bekannt, nur in rund 40 Kalksteinhöhlen Thailands und Myanmars vor, und man weiß sehr wenig über sie. Ihr Bestand umfasst nur mehr einige tausend Tiere bei rückläufiger Tendenz, was vor allem am Habitatverlust durch Düngerabbau und das Abbrennen von Weihrauch im Rahmen religiöser Zeremonien in ihren
Höhlen, aber auch am Tourismus, liegt. Aus diesen Gründen wurde sie auch in die sogenannte EDGE-Liste (Evolutionarily Distinct and Globally Endangered) aufgenommen, die sich dem Schutz von bedrohten und evolutionär besonderen Arten widmet.
Mit dem neuen Objekt – ein Totfund – ist das NHM Wien eines der wenigen Museen weltweit, das eine solche Fledermaus in seiner Sammlung hat.
Mag. Georg Scattolin, Leiter des Internationalen Artenschutzes beim WWF Österreich, recherchierte in den vergangenen Jahren im Norden Thailands im Rahmen des WWF Tiger-Schutzprojekts, und konnte im November 2011 in einer Höhle im Sai-Yok Nationalpark eine Hummelfledermauskolonie entdecken. Das Exemplar fand mit freundlicher Unterstützung von Shawn Scott (USA) seinen Weg nach Wien.
HIGHLIGHT-FÜHRUNG: VERLÄSSLICHE SPÜRNASEN BEIM ZOLL
Diensthundevorführung auf der Suche nach artgeschützten Tieren
Am Fr, dem 14. März 2014, 19 Uhr und am Fr, dem 04. April 2014,
jeweils um 19 Uhr
NHM Wien, Untere Kuppelhalle

Mit Rudolf Druml (Bundesleiter Diensthundewesen/ BMF) und Dr. Harald
Schwammer (Stv. Direktor Tiergarten Schönbrunn)
Eine Hundestaffel – 5 Spürhunde verschiedener Rassen – und Zollexperten des Bundesministeriums für Finanzen suchen im NHM Wien nach illegalen Souvenirs in Gepäckstücken. Die Suche wird nach artgeschützten Tieren sowie nach harten und weichen Drogen gehen. In einem der Gepäckstücke wartet eine ganz besondere Überraschung! Der Tiergarten Schönbrunn stellt für diese Veranstaltungen lebende Tiere zur Verfügung, die häufig – am Zoll vorbei – nach Österreich geschmuggelt werden. Die Museumsbesucherinnen und -besucher beobachten live die Arbeit der Zollexperten und können die spannende Arbeit der Spürhunde sehen.
Veranstaltungskarte Euro 7,- I Kinder unter 14 Jahren: Euro 2,-

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