Wissenswertes über Heterodontosaurier

Heterodontosaurus tucki (© N. Tamura)

Heterodontosaurus tucki (© N. Tamura)

Die Heterodontosauridae („Echsen mit verschiedenartigen Zähnen“) sind eine Gruppe zweibeiniger, pflanzen- oder allesfressender Dinosaurier, die von der Obertrias bis zur Unterkreide lebten. Die Gruppe wird innerhalb der Vogelbeckensaurier klassifiziert, die genaue systematische Stellung ist jedoch umstritten. Die am besten bekannte Gattung, Heterodontosaurus, stammt aus dem Unterjura Südafrikas; die Gruppe ist jedoch mit zumeist sehr fragmentarischen Funden auch aus Nord- und Südamerika, Europa und Asien belegt. Charakteristisches und namensgebendes Merkmal war die Heterodontie, das Vorhandensein verschiedener Zahntypen im Gebiss, die sowohl Mahlzähne als auch oft stark vergrößerte „Hauer“ mit einschließen. Heterodontosauriden zählen zu den kleinsten bekannten Vogelbeckensauriern; so misst beispielsweise Fruitadens eine Länge von nur 65 bis 75 Zentimetern. Das Skelett des chinesischen Tianyulong zeigt filamentöse Strukturen, die als Protofedern interpretiert wurden.

Derzeit gehören folgende Gattungen zu den Heterodontosauridae gezählt:
Abrictosaurus
Echinodon
Fruitadens
Heterodontosaurus
Lycorhinus
Manidens
Pegomastax
Tianyulong

Das erste Heterodontosaurus-Fossil wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts von Robert Broom entdeckt, allerdings erst kürzlich als solches erkannt. Broom verkaufte das Fossil 1913 zusammen mit zahlreichen anderen südafrikanischen Fossilien an das American Museum of Natural History in New York, wo es seitdem zusammen mit den Synapsiden-Fossilien der Broom-Sammlung archiviert wurde (Exemplarnummer AMNH 24000). Erst ein knappes Jahrhundert später wurde Paul Sereno bei der Durchsicht der Sammlung auf das Fossil aufmerksam, das noch immer größtenteils in einem Gesteinsblock eingeschlossen war. Die anschließende Präparation brachte das Schädelfragment eines noch nicht erwachsenen Heterodontosaurus zum Vorschein. Hinter dem Schädel fanden sich zudem Teile mehrerer Halswirbel, was darauf hindeutet, dass möglicherweise auch Teile des restlichen Skeletts erhalten waren, die jedoch an der Fundstelle im Gestein verblieben. Wie Sereno angibt, stammt das Fossil wahrscheinlich aus der Clarens-Formation. 2012 wurde der Fund erstmals publiziert.

Tianyulong confuciusi (© N. Tamura)

Tianyulong confuciusi (© N. Tamura)

Mit einer maximalen Körperlänge von ein bis zwei Metern gelten die verschiedenen Gattungen der Heterodontosauridae als die kleinsten bekannten Vertreter der Vogelbeckensaurier (Ornithischia). Sie waren Pflanzen- oder Allesfresser und bewegten sich biped, d. h. nur auf den Hinterbeinen fort.
Hauptsynapomorphie der Gruppe ist das Vorhandensein verschiedenartig ausgebildeter Zahngruppen (Heterodontie) in ihrem Gebiss. Dieses Merkmal ist für Synapsiden (Synapsida) und deren Nachkommen, den Säugetieren, typisch; Reptilien zeigen aber für gewöhnlich ein homodontes Gebiss mit nur einem Zahntyp. Auf dem Maxillare und im mittleren und hinteren Teil des Dentale saßen hochkronige, mit Höckern versehene Mahlzähne, dazu geeignet pflanzliche Nahrung zu zermahlen. Im vorderen Teil des Unterkiefers und auf dem Prämaxillare im Oberkiefer saßen große fangähnliche Zähne („Hauer“). Die Hauer des Unterkiefers griffen in eine zahnfreie Lücke (Diastema) zwischen den Hauern und den vorderen Mahlzähnen des Oberkiefers.
Bei den Heterodontosauridae traten erstmals in der Stammesgeschichte der Vogelbeckensaurier Wangen in Erscheinung. Damit wurde das Zurückhalten der Nahrung im Maul erleichtert und eine bessere Aufbereitung der Nahrung vor der Verdauung erreicht.
Bei dem erst im Jahre 2009 beschriebenen chinesischen Tianyulong sind federartige Strukturen auf der Haut fossil erhalten worden. Protofedern wurden zuvor nur bei fortschrittlichen Theropoden festgestellt.

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