Zoos und Naturschutz I

Zoos und Naturschutz II – Tierpark Hellabrunn
Zoos und Naturschutz III – Augsburg und Straubing
Zoos und Naturschutz IV – Tiergarten Nürnberg
Zoos und Naturschutz V – Salzburg und Linz
Zoos und Naturschutz VI – Augsburg

Luchs (Wildpark Poing)

Luchs (Wildpark Poing)

Tierrechtsorganisationen werfen Zoos immer wieder vor, zu wenig für den Naturschutz zu unternehmen und viel mehr Geld für aufwändige Tiergefängnisse auszugeben. Das mag auf den ersten Blick auch so sein, aber es wird ignoriert, dass viele Zoos sehr wohl etwas für den Naturschutz unternehmen. Nur ist die Pressearbeit der Tierrechtsorganisatinen aggressiver, als die der Zoos, die sich (meist) eher auf Neuzugänge im Tierbestand beschränken. Dass viele Zoos auch aktiv im Naturschutz (und Artenschutz in freier Wildbahn) beteiligt sind, wird meist übersehen oder wenig bekannt sein.
Dass sich auch Zoos für den Natur- und Artenschutz einsetzen zeigt der Beutelwolf-Blog bereits an anderer Stelle (z. B. die Stiftung Artenschutz oder den Verein Sphenisco – Schutz des Humboldt-Pinguin e.V.), aber es gibt noch viel mehr.
Tierrechtsorganisationen werfen den Zoos immer wieder vor, zu wenig für den Natur- und Artenschutz zu unternehmen, aber: Wenn die Bemühungen der Zoos wegfallen würden, würde noch weniger für Natur- und Artenschutz unternommen. Ist es die einzige Aufgabe von Tierrechtsorganisationen sich gegen Zootierhaltung auszusprechen und Spendengelder für ihre Bemühungen zu sammeln? Gelder, die besser dem Natur- und Artenschutz zugute kommen würden. Zoos versuchen die Besucher auch für die Natur zu sensibilisieren, auch durch die Haltung exotischer Tiere. Dass das nicht immer erkannt wird, liegt wohl eher am Besucher, als an den Zoos, denn wenn man als Besucher die Augen offen hält, kann man einiges über die Bemühungen der Zoos erkennen.
Der Beutelwolf-Blog wird versuchen, den Besucher für die Bemühungen der Zoos in Bezug auf Natur- und Artenschutz zu sensibilisieren. Zahlreiche Zoos beteiligen sich an Zuchtprogrammen, die direkt in der Auswilderung dieser Arten resultieren:

Feldhamster
Obwohl die Bestände abnehmen, gilt die Art noch nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), ist aber regional bedroht und gebietsweise ausgestorben, z.B. in Luxemburg.
Feldhamster kann man u. a. in den Zoos von Heidelberg und Worms sehen. Die Hamsterzuchtstation im Heidelberger Zoo gehört zum Mannheimer Artenhilfsprogramm.

Europäischer Nerz
Der Europäische Nerz ist eine vom Aussterben bedrohte Tierart. Gründe für die Bedrohung sind Lebensraumverlust und nicht nachhaltige Nutzung, hauptsächlich aber Konkurrenz durch aus Pelzfarmen entkommene oder von „Tierschützern“ freigelassene Amerikanische Nerze.
Am Steinhuder Meer – dem größten Binnensee in Nordwestdeutschland – findet ein Projekt zur Wiederansiedlung statt. In enger Kooperation vereinen die Wildtier- und Artenschutzstation e.V. in Sachsenhagen, die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer e.V. (ÖSSM) und EuroNerz e.V. ihre Bemühungen.
Die Stiftung Artenschutz unterstützt die Arbeiten der Vereine.
Europäische Nerze können in einigen deutschen Zoos gesehen werden (oder auch nicht, bedenkt man deren nachtaktive Tätigkeit), u. a. im Opel-Zoo Kronberg, im Zoo Osnabrück oder im Wildpark Connewitz. Viele Zoos beteiligen sich am Erhaltungszuchtprogramm (EEP) und stellen Tiere zur Auswilderung zur Verfügung.

Europäischer Luchs
Der Europäische Luchs ist in weiten Teilen Europas ausgestorben und konnte nur stellenweise während der letzten Jahrzehnte wieder eingebürgert werden. In Deutschland und der Schweiz, wo es wieder eingebürgerte Populationen gibt, wird die Art auf den nationalen Roten Listen als „stark gefährdet“ bzw. als „vom Aussterben bedroht“ aufgeführt.
Die heute wieder im Bayerischen Wald vorkommenden Luchse gehören zur böhmisch-bayerischen Population, die auf 17 Tiere zurückgeht, die in den 1980er-Jahren im tschechischen Šumava-Gebirge ausgesetzt wurden, nachdem ein Jahrzehnt zuvor ein ähnlicher Wiederansiedlungsversuch im Bayerischen Wald gescheitert war.
Die Luchse im Harz gehen auf die Auswilderung von 24 Luchsen aus Zoos und Wildpärken im Zeitraum 2000-2006 zurück.
In der Schweiz , wo der letzte autochthone Luchs 1902 im Wallis geschossen worden war, wurden von 1970-76 Jahren zehn Luchse mit behördlicher Genehmigung wiederangesiedelt. Diese Luchse waren zuvor in den Karpaten gefangen und danach in den Zoo von Mährisch Ostrau (Moravské Ostrava) verbracht worden, wo sie auf den Transport in die Schweiz vorbereitet wurden. Vor der Freilassung wurde jeweils noch eine Quarantäne im Zoo Basel durchgeführt.
In Österreich war der Luchs 1892 ausgerottet worden. In den letzten Jahrzehnten wanderten immer wieder einzelne Tiere aus den Nachbarländern ein. Zusätzlich wurden in der Steiermark neun Luchse ausgesetzt. Heute kommt der Luchs in Österreich vor allem im nördlichen Mühl- und Waldviertel sowie im Dreiländereck Salzburg-Steiermark-Kärnten (Gurktaler Alpen) und in Südkärnten (Karawanken) vor, zählt aber immer noch zu den seltensten Säugetieren des Landes. Am 9. Mai 2011 wurde erstmals ein Luchs aus der Schweiz in den Nationalpark Kalkalpen (Oberösterreich) umgesiedelt.
Europäische Luchse werden in einigen deutschen Zoos und Wildparks gezeigt, u. a. im Wildpark Pforzheim, in der Alten Fasanerie Hanau und im Wisentgehege Springe.

Waldrapp

Waldrapp (Zoo Mulhouse)

Waldrapp (Zoo Mulhouse)

Aufgrund der Zuchterfolge in Zoos stehen heute genügend Tiere zur Auswilderung zu Verfügung. Ursprünglich von der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau im Almtal in Österreich ausgehend, wurden vom Artenschutzprojekt Waldrappteam einige Auswilderungsprojekte für Österreich (Grünau im Almtal), Deutschland (Burghausen) und Italien gestartet.
Das Hauptproblem für die Auswilderung ist die Tatsache, dass der Waldrapp ein Zugvogel ist, die Flugroute aber im ersten Jahr von den Eltern erlernt werden muss. Von Menschen aufgezogene Jungvögel kennen diese Flugroute nicht. Sie fliegen zwar im August von ihren Wohnplätzen ab, aber nicht gemeinsam und in verschiedene Richtungen. Eine Möglichkeit, sie anzulernen, besteht darin, dass ihre menschlichen Zieheltern, auf die sie geprägt sind, ihnen mit Leichtflugzeugen vorausfliegen und ihnen den Weg zeigen.
Beim ersten Migrationsversuch 2003 gab es noch verschiedene Probleme, die aber wichtige Erkenntnisse für das Projekt lieferten. Alle Vögel dieses ersten Versuchs leben jetzt im Wildpark Rosegg (Kärnten), wo sie im Freiflug gehalten werden und seit 2005 brüten. Nach einer ersten erfolgreichen Migration mit sieben Vögeln im Jahre 2004 konnte das Waldrappteam im Folgejahr 2005 erneut sieben handaufgezogene Waldrappe in die WWF Oasi della Laguna di Orbetello in der südlichen Toskana führen; seit 350 Jahren sind Waldrappe nun erstmals wieder von Mitteleuropa in ein Wintergebiet geflogen. Dies zeigt, dass einer Wiederansiedlung der Waldrappe im nördlichen Voralpengebiet, also dem historischen Verbreitungsgebiet in Mitteleuropa, keine unüberwindlichen Hindernisse entgegenstehen. Im Jahr 2007 kamen erstmals auch wieder Waldrappe selbstständig aus Italien nach Österreich zurück. Ein Paar zog erfolgreich drei Jungtiere auf, die aber während der Migration verloren gingen. 2008 wurden schließlich die beiden ersten Waldrappe seit Hunderten von Jahren von einem erwachsenen Artgenossen in ein Überwinterungsgebiet geführt. 2007 bis 2010 wurden jeweils etwa 15 handaufgezogene Waldrappe von Bayern Burghausen mit Leichtflugzeugen in die WWF-Oasi della Laguna di Orbetello geführt; seit 2008 östlich um die Alpen herum, da der direkte Weg über die Alpenpässe für Leichtflugzeug und Vögel problematisch war. 2011 wurden die ersten zwei Waldrappe der erfolgreichen Migration 2008 geschlechtsreif, flogen aber nicht alleine zurück in das Brutgebiet Burghausen. Sie sollen dennoch die ersten Waldrappe sein, die in der Neuzeit Jungvögel über den gesamten Zugweg in das Überwinterungsgebiet führen. Ein weiteres Tier, das allerdings noch nicht geschlechtsreif war, ist ohne menschliche Hilfe ins Brutgebiet zurückgekehrt.
Ein weiteres Auswilderungsprojekt läuft in Mezguitem in Marokko, wo Waldrappe bis 1985 brüteten und bis 1995 vorkamen. 2001 sind dort bereits die ersten Jungvögel geschlüpft.
Auch in Spanien läuft seit dem Jahre 2003 ein fünfjähriges Auswilderungsprojekt. In La Janda in Andalusien in der Nähe von Cádiz wurden im Dezember 2004 21 Tiere ausgewildert. Ein Paar brütete im Jahre 2009 erfolgreich im Parque Natural de La Breña y Marismas del Barbate in der Nähe von Cádiz.
In Syrien, nahe der Stadt Palmyra, wurde 2010 eine Supplementierung der Restpopulation mit Jungvögeln aus der türkischen Freiflughaltung versucht. Dabei wurden drei Junge in eine Voliere in die Wüste gebracht. Tatsächlich vergesellschafteten sich die drei letzten wildlebenden Altvögel mit diesen. Ein erwachsenes Weibchen nahm die Jungvögel auf dem Zug Richtung Äthiopien über eine weite Strecke bis Saudi-Arabien mit, bevor sich die Tiere trennten. Derartige Programme erscheinen als einzige Möglichkeit, die restliche Waldrapp-Population im nahen Osten zu retten und sollen in Zukunft fortgesetzt werden.
Ein wichtiger technischer Bestandteil der Projekte mit ziehenden Waldrappen ist die Anwendung hochmoderner, leichter GPS-Geräte. Diese werden den Vögeln auf den Rücken geschnallt, um die genaue Position der Tiere jederzeit abrufen zu können.
Walrappe kann man u. a. in München, Walsrode und Wuppertal sehen.

Amphibien
Von den zur Zeit bekannten Amphibienarten stuft die Rote Liste gefährdeter Arten der IUCN fast ein Drittel als in ihrem Gesamtbestand bedroht ein: 489 Arten vom Aussterben bedroht (critically endangered), 787 Arten stark gefährdet (endangered) und 715 Arten gefährdet (vulnerable), zusammen 1991 Arten. Zusätzlich werden mindestens 39 der „modernen“ Arten offiziell als bereits ausgestorben geführt. Weitere 130 Lurcharten wurden seit Jahren nicht mehr gefunden und könnten ebenfalls ausgestorben sein. Etwa ein Viertel der Amphibien (1533 Arten) können aufgrund mangelnder Daten derzeit nicht bewertet werden. Unter diesen dürften sich viele weitere bedrohte Arten befinden. Als Ursachen für die hohe Gefährdung werden die Zerstörung oder Fragmentierung der Lebensräume, Chemikalien in der Umwelt (unter anderem Pestizide, Schwermetalle, Stickstoffdünger), Wildfänge seltener Arten sowie Parasiten und Virus- oder Pilzkrankheiten genannt (siehe beispielsweise: Chytridpilz). Diskutiert werden auch Effekte des globalen Klimawandels auf die Lebensräume sowie die Auswirkungen von UV-Strahlung, die aufgrund des Ozonlochs in vielen Regionen zunimmt. Eine amerikanische Studie zeigte 2005 einen Zusammenhang zwischen hoher Amphibiensterblichkeit und dem weltweit meistverwendeten Unkrautvernichtungsmittel „Roundup“ auf. Die Universität Florida kritisierte den Versuch wegen der Methodik als unrealistisch und sah einen Zusammenhang nicht bestätigt.
Es ist indes davon auszugehen, dass nicht eine Ursache allein Auslöser der starken Bedrohung der Amphibienbestände ist, sondern sich in Wechselwirkung mehrere der genannten Faktoren gegenseitig bedingen bzw. verstärken. Die meisten bedrohten Arten sind in Lateinamerika und auf den Karibik-Inseln zu verzeichnen, also in den natürlicherweise amphibienreichsten Regionen.
Zoos aller Kontinente sind sie zusammen mit dem Weltnaturschutzbund IUCN unter dem Namen „Amphibian Ark“ eine Kooperation eingegangen. 2008 haben sie als „Jahr des Frosches“ proklamiert und der Europäische Zoo- und Aquarienverband führte unter dem Slogan „Frog Alarm!“ eine Kampagne durch. Der Verein Deutscher Zoodirektoren und seine Mitgliedzoos engagieren sich im internationalen Vergleich überdurchschnittlich stark für die Amphibien. Dies geschieht im Rahmen eines langfristigen Programms der Zoos und Privathalter im deutschsprachigen Raum (DASP), das 2007 in die Wege geleitet wurde.
Während des Jahres des Frosches führten Zoos, Tier- und Wildparks zahlreiche Projekte durch und sammelten Geld sowie Unterschriften für eine weltweite Petition. Danach verselbständigte sich das Deutschsprachige Amphibienschutz-Programm (DASP) und wurde in Zusammenarbeit des VDZ mit den anderen Zooverbänden, Berufsverbänden, der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) sowie der Stiftung Artenschutz durchgeführt.
Die Stiftung Artenschutz hat das Sonderkonto „Amphibien-Fonds“ eingerichtet, aus dem Projekte für den Schutz, die Erforschung und die Erhaltungszucht von Amphibien gefördert werden. Die Auswahl der Projekte trifft die Stiftung gemeinsam mit den Zooverbänden.
Zu den geförderten Projekten 2013 gehören u. a.:
Forschung und Erhaltungszucht für den vom Aussterben bedrohten chilenischen Frosch Alsodes vanzolinii
Telmatobius gigas – Schutz einer fast unbekannten Froschart
Erstellung eines langfristigen Monitoring- und Managementplans zum Schutz der Kröte Amietophrynus taiensis und ihrer Lebensräume
Habitatsschutz in Ghana als Lebensaruamerhaltung des Frosches Arthroleptis krokosua

Das sind nur einige Beispiele. Die Liste lässt sich noch fortsetzen, ist aber im Vergleich zur Gesamtheit der Artenvielfalt sehr gering. Trotzdem wird einiges unternommen, um Lebensräume und Arten zu erhalten, finanziert durch Spenden und die Eintrittsgelder.

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4 Antworten auf Zoos und Naturschutz I

  1. Thomas Ras sagt:

    Vielen Dank für den Beginn einer sicherlich interessanten Artikelreihe.
    Ich habe auch bemerkt, daß sich in letzter Zeit doch einiges verbessert hat.
    Wenn ich noch an die Zeiten denke, wo die Raubkatzen in ihren Käfigen immer und immer wieder von Links nach rechts und zurück gelaufen sind, und das den ganzen Tag…das habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Sicher gibts die wohl noch, aber merkbar weniger.

    • tylacosmilus sagt:

      Es hat sich tatsächlich einiges geändert/verbessert, aber es muss trotzdem noch viel getan werden. Mögen sich auch große Zoos sehr um ihre Tiere bemühen, so gibt es doch immer noch die einen oder anderen Mängel, die hoffentlich in baldiger Zeit verschwunden sind.
      Ach ja, es freut mich, dass dir die Artikelreihe gefällt. Es gibt noch einiges zu berichten über die außerzoolichen Bemühungen und die Fortsetzung wird nicht lange auf sich warten lassen.

  2. Sabine sagt:

    Super, dieses Engagement für den Naturschutz! Ich bin begeistert!

    • tylacosmilus sagt:

      Da geht noch mehr. Vor allem was die Öffentlichkeitsarbeit anbelangt habe ich den Eindruck, dass die Bemühungen der Zoos noch in den Kinderschuhen stecken.
      Und bei einigen Zoos könnte es durchaus mehr Bemühungen in Bezug auf Natur- und Artenschutz außerhalb ihres Geländes geben.

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