Zoos und Naturschutz II – Tierpark Hellabrunn, München

Zoos und Naturschutz I
Zoos und Naturschutz III – Augsburg und Straubing
Zoos und Naturschutz IV – Tiergarten Nürnberg
Zoos und Naturschutz V – Salzburg und Linz
Zoos und Naturschutz VI – Augsburg

In diesem Teil von Zoos und Naturschutz will ich näher auf die Bemühungen des Tierpark Hellabrunn eingehen.

Der Tierpark hält nicht nur Humboldtpinguine, er ist auch Mitglied des Vereins Sphensico, der sich den Schutz der Pinguine zur Aufgabe gemacht hat. Auch der Beutelwolf-Blog hat schon auf diesen Verein hingewiesen (hier).

Humboldt-Pinguine und ihre Fans from Sphenisco e.V. on Vimeo.

(weitere Videos zu den Humboldtpinguinen findet man hier)

Aber der Münchner Tierpark setzt sich nicht nur für die Pinguine ein. Auch die Waldrappe sind dem Zoo ein Anliegen (mehr über die Artenschutzprojekte für den Waldrapp findet man hier)
Auch bei der Auswilderung der Przewalski-Pferde spielt der Tierpark eine große Rolle:

Przewalsi-Pferd (Tierpark Hellabrunn)

Przewalski-Pferd (Tierpark Hellabrunn)

Die Przewalski-Pferde, die heute in Gefangenschaft gehalten werden beziehungsweise zwischenzeitlich ausgewildert wurden, lassen sich alle auf eine geringe Anzahl von Wildpferdfohlen zurückzuführen, die zwischen 1899 und 1904 gefangen wurden. Den ersten Anstoß für Fangaktionen gab der Privatsammler Friedrich von Falz-Fein. Die Jagdexpeditionen organisierte ein in Bijsk, Gouvernement Tomsk, ansässiger Kaufmann mit Nachnamen Assanow, der die Fohlen nicht nur an Privatliebhaber wie Friedrich von Falz-Fein weiterverkaufte, sondern auch an andere Tierhändler und Zoos. Die meisten Wildpferde, die nach Westeuropa gelangten, wurden durch Carl Hagenbeck eingeführt. Hagenbeck rüstete in dieser Zeit mehrere Fangexpeditionen nach Inner- und Mittelasien aus und fing während dieser Zeit auch Wildpferde. Er kaufte darüber hinaus von dem Kaufmann Assanow eine große Anzahl von Wildpferden ein.
Die Fangweise war aus heutiger Sicht brutal. Meist wurden die erwachsenen Stuten einer Herde abgeschossen, um dann die führungslosen Fohlen und Jährlinge einzufangen. Für die noch von Muttermilch abhängigen Fohlen hatte man Hauspferdammen mitgebracht, deren Fohlen man tötete, damit sie die Przewalski-Fohlen annahmen. Trotzdem starben die ersten gefangenen Pferde alle kurz nach ihrem Einfang. Erst 1899 gelangten die ersten gefangenen Tiere lebend auf das Gut Askania Nova von Friedrich von Falz-Fein.
Zwischen 1899 und 1903 gelangten insgesamt 54 Einzeltiere an Zoologische Gärten und Privatliebhaber. Von den 24 Hengsten und 30 Stuten starben eine große Anzahl von Tieren, teilweise noch bevor sie die Geschlechtsreife erreichten. Nur zwölf davon hatten nachweislich Nachkommen. Zählt man noch die mongolische Hausstute hinzu, die von einem Przewalski-Hengst gedeckt wurde und deren Sohn in Halle als Deckhengst für die dort gehaltenen Przewalski-Stuten genutzt wurde, stammt die gesamte heutige Population von insgesamt 13 Pferden ab.
Unter den heute bestehenden Przewalski-Zuchten hat Prag die längste Tradition. 1921 und 1923 hielt Prag aus dem Haustiergarten des Landwirtschaftlichen Institutes Halle insgesamt drei Pferde, die den Grundstock der Zucht bildeten. In diese Linie war jedoch einmal eine Mongolenstute eingekreuzt worden. In Hellabrunn, wo man mit der Przewalski-Zucht etwas später als in Prag begann, wurden neben der sogenannten Prager Zuchtlinie auch Pferde aus der Askania-Linie gezüchtet. Die wichtige Zuchtlinie im ukrainischen Askania Nova erlosch in den Kriegs- und Besatzungsjahren 1941 bis 1943. Die Zucht wurde dort 1949 neu begründet. Basis der neuen Askanier-Linie war eine Stute, die als letztes Wildpferd in freier Natur gefangen wurde, zwei Stuten aus der Prager Zucht sowie ein Hengst aus der Zucht des Tierparks Hellabrunn. Das Erbgut aller in Gefangenschaft gehaltenen Przewalski-Pferde ist durch mongolische Hauspferde beeinflusst.
Das internationale Zuchtbuch der Rasse wird heute in Prag geführt. Initiatorin des Zuchtbuches war Erna Mohr, eine der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Zoologischen Museums in Hamburg. Im Rahmen ihrer Arbeit an einer Monographie über das Przewalski-Pferd ermittelte sie, dass sich zu Beginn des Jahres 1956 nur noch 41 Pferde in menschlicher Obhut befanden und diese Tierart damit von Aussterben bedroht war. Auf ihre Initiative hin lud der Zoologische Garten in Prag im Herbst 1959 zum ersten Internationalen Symposium zur Rettung des Przewalski-Pferdes ein. 1980 war die Anzahl der in Gefangenschaft gehaltenen Tiere auf 416 gestiegen, 1994 betrug sie etwa 1.400. Eine Population von Przewalski-Pferden wird in der 1.860 Hektar großen Kernzone der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide zusammen mit Wisenten und Rothirschen aufgebaut. Die Tiere sollen dort in Zukunft weitgehend unbeeinflusst vom Menschen leben. Auch im österreichischen Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel, wo das Wildpferd ebenfalls einmal heimisch gewesen sein soll, wird seit den 2000er Jahren ein Zuchtprogramm betrieben, wovon bis 2012 vier Pferde ausgewildert werden konnten.
Mehr über das Przewalski-Pferd und seine Auswilderung findet man hier.

Der Tierpark unterstützt auch ein Projekt der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt in Bukit Tigapuluh, Sumatra. Dieses Projekt unterstützt die Auswilderung von illegal konfiszierten Sumatra-Orang-Utans, die langsam wieder zu einem selbständigen Leben im Urwald zurückgeführt werden sollen.

Der Tierpark Hellabrunn führt das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) sowie das Internationale Zuchtbuch (ISB) für den Drill und ist Mitglied im Verein „Rettet den Drill“. Damit wird das Projekt „PANDRILLUS“ vor Ort in Nigeria unterstützt.
Mehr zum Verein findet man hier.

Im Jahr 2001 wurde auf Initiative des Heidelberger Zoos die WAPCA (West African Primate Conservation Action) ins Leben gerufen. Der Zoo ist auch für die Koordination des Projektes verantwortlich. Auch der Tierpark Hellabrunn ist Mitglied.
Die wichtigsten Aufgaben der WAPCA sind:
Durchführung von Tierbestandsaufnahmen
Einrichtung von Schutzgebieten
Ausbildung und Bezahlung von Wildhütern
Förderung des Ökotourismus als alternative Einnahmequelle
Aufklärung der lokalen Bevölkerung über den Schutz der Affen
Betreiben einer Auffangstation für beschlagnahmte Affen

Weitere Informationen findet man hier.

Aber nicht nur im Ausland ist der Tierpark tätig, auch in der näheren Umgebung unterstützt Hellabrunn ein Naturschutzpojekt: Die Allacher Heide.
Die Allacher Heide befindet sich im Umkreis des Münchner Rangierbahnhofs und ist durch diesen teilweise zerschnitten. Trotz des Bahnbetriebes hat sich auf der Allacher Heide aber eine große Artenvielfalt und Vielgestaltigkeit gehalten. Bereits 2004 begann der LBV hier zu pflegen, mittlerweile kümmert er sich um insgesamt sechs Teilflächen. Wegen ihrer Bedeutung für die Natur wurde die Allacher Heide zum Naturschutzgebiet und Schutzgebiet von höchstem europäischem Rang (FFH-Gebiet) ernannt. Neben vielen anderen seltenen Arten wachsen auf unseren Flächen z.B. der Gekielte Lauch, die Ästige Graslilie, verschiedene Nelkenarten und mehrere Orchideen. Die große Blütenpracht in den Sommermonaten zusammen mit der Strukturvielfalt der Trockenrasen locken zudem auch viele Schmetterlingsarten, Wildbienen, seltene Wanzen, Reptilien und Amphibien auf die Flächen.

Außerdem besitzt der Tierpark ein Artenschutzzentrum, das über die einzelnen Projekte informiert und Räume für Vorträge zur Verfügung stellt. Wegen Umbauarbeiten wird das Zentrum vorraussichtlich bis Ostern 2014 geschlossen sein.

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