Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

25.02.2014, Stiftung Artenschutz
CBLCP erhält Verdienstauszeichnung
Das Cat Ba Langur Conservation Project (CBLCP) erhielt eine Verdienstauszeichnung vom Hai Phong People’s Committee. Das Projektteam erhielt das „Certificate of Merit“, als Anerkennung für sein Engagement und seinen herausragenden Beitrag zum Artenschutz im Jahr 2013.

25.02.2014, Stiftung Artenschutz
Rettung aus illegaler Hand
Am 19. Februar trafen im Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) über 80 Vögel ein, die von einem illegalen Tierhändler in Siem Reap beschlagnahmt worden waren. Dank des Engagements des Wildlife Rapid Rescue Teams (WRRT) kamen die Tiere in gutem Zustand an und werden zurzeit in der Quarantänestation des ACCB versorgt. Einige erwachsene Vögel sind in so guter Kondition, dass sie nach Beendigung der Quarantänezeit wieder in die Freiheit entlassen werden können. Flugunfähige Jungtiere, die alleine nicht überleben würden, werden von den Tierpflegern im ACCB bis zu ihrer Auswilderung gepflegt.

25.02.2014, Stiftung Artenschutz
Neue Population vom Buschmannhasen im Nationalpark entdeckt
Der Buschmannhase gilt als einer der fünf bedrohtesten Vertreter aus der Familie der Hasenartigen weltweit. Im Jahr
1989 wurde sein Gesamtbestand auf weniger als 1500 Tiere geschätzt und ist seither kontinuierlich weiter gesunken.
Alle bisher bekannten Vorkommen befinden sich auf privatem Farmland. Doch vor Kurzem wurde eine ganz neue
Population im 81.000 Hektar großen Anysberg Nature Reserve Nationalpark gefunden. Eigentlich ist die Art hier nicht heimisch. Vermutungen zufolge sind die Tiere aus einer nahegelegenen Farm eingewandert. Mitarbeiter zweier Naturschutzorganisationen äußerten den Verdacht, dass die langohrigen Säuger vermutlich dem trockenen Flussbett gefolgt sind. Die ersten Tiere fanden Mitarbeiter des Nationalparks während einer täglichen Begehung des
Gebietes. Die sensationelle Nachricht verbreitete sich schnell und am Abend kamen ein Dutzend Mitarbeiter mit Lichtstrahlern zurück, um die Anwesenheit der eigentlich nachtaktiven Tiere zu bestätigen. Dabei fanden sie sogar ein Jungtier.

25.02.2014, Stiftung Artenschutz
Gemeinsam gegen den illegalen Tierhandel – internationale Konferenz findet in London statt
Der illegale Wildtierhandel gehört inzwischen zu den lukrativsten illegalen Geschäften der Welt. Viele Länder
erleben eine bisher nie gekannte Welle der Wilderei, zahlreiche Tierarten stehen am Rande der Ausrottung. Das
Thema ist hoch auf der internationalen Agenda gerutscht und Mitte Februar kam die offizielle Kampfansage von
höchster Ebene. Vertreter aus 42 Nationen sowie des britischen Königshauses trafen sich bei einer Konferenz gegen den illegalem Wildtierhandel. Die Konferenz wurde auf Initiative von Prinz Charles und Prinz William organisiert und fand in London statt.
Die Vertreter der teilnehmenden Staaten sowie von elf Naturschutzorganisationen unterzeichneten eine gemeinsame Abschlussdeklaration. Diese Deklaration zielt besonders auf die Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels durch Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit und des Informationsaustausches ab. Gleichzeitig sollen härtere Strafen für Wilderer etabliert werden. Die teilnehmenden Nationen wollen die Wilderei und den illegalen
Wildtierhandel als schwere Straftat im Sinne der UN-Konvention gegen transnational organisierte Kriminalität einstufen und entschieden hart gegen Korruption und Bestechung vorgehen. Die Teilnehmer wollen gemeinsam die Öffentlichkeit besser informieren und einbinden sowie Konzepte für nachhaltige Einkommensquellen ehemaliger Wilderer
entwickeln, um für die lokale Bevölkerung eine Alternative zur Wilderei und zum Wildtierhandel zu schaffen.

25.02.2014, Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
Sensationelle Schätze im Berliner Naturkundemuseum: Teile der Sammlung Albertus Seba wiederentdeckt
Die Herpetologen Aaron Bauer (Villanova-University, USA) und Rainer Günther vom Museum für Naturkunde Berlin (MfN) machten eine sensationelle Entdeckung: Nach jahrelangen Recherchen wiesen sie Amphibien- und Reptilienpräparate aus der berühmten naturkundlichen Sammlung des Holländers Albertus Seba im MfN nach, darunter viele Stücke, die als Grundlage für die Erstbeschreibung von Arten dienten. Damit stammen die ältesten Exemplare der Herpetologischen Sammlung des MfN nicht, wie bisher angenommen, aus den 1770er Jahren sondern sind mindestens 40 Jahre älter. Die Entdeckung ermöglicht weitere Untersuchungen sowohl der Taxonomie der Arten, als auch der Geschichte der frühen Museumssammlungen.
Als ältestes Exemplar in der Herpetologischen Sammlung des Berliner Museums für Naturkunde (MfN) wurde bisher ein kleiner Skink angesehen, der von Ernst Bloch im Jahre 1776 unter dem Namen Lacerta serpens beschrieben worden war. Es wurde jedoch schon mehrfach vermutet, dass die Berliner Sammlung auch Exemplare aus dem Naturalienkabinett des Holländers Albertus Seba (1665-1736) enthält. Dieses Naturalienkabinett ist das wohl berühmteste Naturalienkabinett des 18. Jahrhunderts. Diese Vermutung konnten jetzt die Wissenschaftler Aaron Bauer (Villanova University, USA) und Rainer Günther (MfN, Berlin) bestätigen. Nach langjährigen Recherchen fanden sie in einer vom Grafen von Borcke im Jahre 1817 dem Zoologischen Museum der Berliner Universität (heute Teil des MfN) geschenkten Sendung verschiedene Amphibien- und Reptilien-Präparate von Seba.
Nach den Studien von Bauer und Günther könnten im MfN insgesamt 23 Individuen aus 21 Tierarten auf Sebas zweite Kollektion zurückgehen. Viele von ihnen haben Typenstatus, sind also die Grundlage für die Erstbeschreibung der jeweiligen Art. Am überzeugendsten ist das Präparat einer Riesenschlange (Phyton sebae), deren Bauch und Magen geöffnet wurden, so dass Kopf und Schnabel eines Vogels sichtbar sind. Das gleiche Präparat wurde in Sebas Thesaurus (1735) abgebildet und ist im Verkaufskatalog der zweiten Seba-Kollektion unter der Nummer 357 als „een gabandeerde Slang met een Vogeltje in de buik“ (eine gebänderte Schlange mit einem Vogel im Bauch) aufgelistet. So hat sich die von Borcke-Sammlung, die bisher nur als relativ unbedeutende frühe Schenkung an das Berliner Naturkundemuseum angesehen wurde, als einer der historisch wertvollsten Bestandteile der Sammlungen des Museums herauskristallisiert. Das Präparat von Python sebae (und wahrscheinlich viele weitere Exemplare dieser Schenkung) ist nun zumindest als das älteste herpetologische Material in der MfN-Sammlung anzusehen und geht mindestens auf das Jahr 1734, möglicherweise aber bis 1717 zurück, als Seba begann, eine neue Kollektion aufzubauen. Außerdem gewinnt die Berliner Sammlung eine neue historische Bedeutung dadurch, dass sie die wohl größte Zahl herpetologischer Objekte besitzt, die von Seba stammen und eine größere Anzahl ihrer Objekte mit Blasius Merrem, dem Autor mehrerer bedeutender herpetologischer Werke, assoziiert werden konnte. Die Entdeckung dieses Materials eröffnet die Möglichkeit für weitere Untersuchungen sowohl der Taxonomie der Arten, deren Typen wiedergefunden wurden, als auch der Geschichte der Museumssammlungen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
Publikationen:
BAUER, A & GÜNTHER, R.: Origin and identity of the von Borcke collection of amphibians and reptiles in the Museum für Naturkunde in Berlin: a cache of Seba specimens?- Zoosystematics and Evolution 89 (1): 167-185 (2013)
AUER, A. & GÜNTHER, R.: Die Amphibien und Reptilien aus der VON BORCKE-Sammlung des Berliner Museums für Naturkunde: eine Fundgrube für verschollen geglaubtes SEBA-Material.- Sekretär 14 (1): 3-33 (2014)

25.02.2014, Universität Bielefeld
Inzucht: Neue Genanalyse erkennt Gefahr für seltene Tierarten
Bielefelder Wissenschaftler hat Studie mit geleitet
Inzucht kann die Gesundheit von Tieren stark beeinträchtigen. Eine neue Studie zeigt, wie Inzucht und ihre Folgen verlässlich in Wildtieren gemessen werden kann. Entwickelt wurde das Verfahren von einem Forschungsteam, das von Dr. Joseph Hoffman von der Universität Bielefeld und Dr. Kanchon Dasmahapatra von der University of York (England) geleitet wurde. Die Methode kann künftig als Frühwarnsystem eingesetzt werden, um Inzucht bei seltenen Tierarten zu erkennen. Das Forschungsmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ präsentiert die Studie der Biologen als Titelgeschichte in seiner gestern (24.02.2014) erschienenen Ausgabe.
Bei Zootieren ist es gewöhnlich kein Problem, zu messen, wie stark ihre Gene von Inzucht beeinflusst sind. In ihrem Stammbaum ist verzeichnet, wer ihre Vorfahren sind. Bei wild lebenden Tieren ist eine genaue Messung jedoch nur in Ausnahmefällen möglich. Biologen müssen die DNA der Tiere einer Population vergleichen, um zu klären, wie eng sie miteinander verwandt sind. „Solche Analysen waren bislang nur sehr grob“, erklärt Dr. Joseph Hoffman vom Lehrstuhl Verhaltensforschung. Für die Genanalysen greifen die Biologen auf genetische Marker zurück – das sind eindeutig identifizierbare DNA-Abschnitte, die bei verwandten Tieren ähnlicher sind als bei nicht verwandten Tieren.
Bisherige Methoden verwendeten nur etwa zehn DNA-Marker, so dass die Ergebnisse ungenau ausfielen. Für die neue Methode wurden mehr als 10.000 Marker ausgewertet. „Damit können wir sehr präzise zeigen, wie eng die Tiere miteinander verwandt sind“, sagt Hoffman. Um das neue Verfahren zu testen, wertete das Forschungsteam zunächst die Gene einer Population von Mäusen aus, deren Stammbaum bekannt war – mit Erfolg.
Danach wendeten sie die Methode erstmals bei wild lebenden Tieren an: Sie verglichen DNA-Marker von verendeten Seehunden, die an Nordseestränden gefunden wurden. „Die Untersuchung hat gezeigt, dass die Lungen von Seehunden aus Inzucht mit höherer Wahrscheinlichkeit von Parasiten befallen sind als die von ihren Artgenossen“, sagt Hoffman. Grundsätzlich gilt, dass Nachkommen, die infolge von Inzucht geboren werden, oft anfälliger für Krankheiten sind als Kinder, die von Tieren stammen, die nicht miteinander verwandt sind. Inzucht hat gewöhnlich auch eine geringere Fruchtbarkeit zur Folge. Kommt es also in einer Population von seltenen Tieren vermehrt zu Inzucht, steigt die Gefahr, dass diese Population kleiner wird und schließlich verschwindet.
„Insgesamt deutet unsere Studie darauf hin, dass Inzucht in einigen Arten ein größeres Problem darstellt als bislang angenommen“, erklärt Hoffman. Hoffmans Kollege Kanchon Dasmahapatra sagt: „Die neue Technik lässt sich einsetzen, um zu klären, ob in einer Population einer Tierart Inzucht überhandnimmt. So kann frühzeitig eingegriffen werden, um zum Beispiele seltene Arten zu schützen.“
Originalveröffentlichung:
Joseph I. Hoffman, Fraser Simpson, Patrice David, Jolianne M. Rijks, Thijs Kuiken, Michael A. S. Thorne, Robert C. Lacy, Kanchon K. Dasmahapatra: High-throughput sequencing reveals inbreeding depression in a natural population, Proceedings of the National Academy of Sciences, http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1318945111, erschienen am 24. Februar 2014.

25.02.2014, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Ceausescus fliegende Bären: Genetischer Nachweis für ungewöhnlichen Ausbreitungsweg
Gelnhausen/Frankfurt, den 25.02.2014. Eine genetische Studie an Braunbären im Balkangebirge und in den Rhodopen in Bulgarien zeigt, dass hier Bären vorkommen, deren Vorfahren aus den Karpaten stammen. Wie sind sie dort hingekommen? Natürliche Wanderung ist unwahrscheinlich. Tatsächlich wurden die Vorfahren dieser Bären eingeflogen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Senckenberg Fachgebietes Naturschutzgenetik veröffentlichten in der Zeitschrift „Conservation Genetics“ gemeinsam mit rumänischen und bulgarischen Naturschutzorganisationen sowie der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt den Beleg für eine legendäre Geschichte von für einen Diktator gezüchteten und angelieferten Bären.
Der Braunbär ist in Europa eine stark bedrohte Art. Während die großen Beutegreifer im Westen des Kontinents bereits weitgehend ausgerottet wurden, existieren in Russland, den Karpaten und in den Gebirgsregionen auf dem Balkan noch größere Populationen. „Über einige dieser letzten großen Bärenbestände wissen wir leider weder die genaue Verbreitung noch die Anzahl an Tieren“, stellt Dr. Carsten Nowak, Wildtiergenetiker bei Senckenberg, fest. Gefördert von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt untersuchten daher Wissenschaftler des Fachgebiets Naturschutzgenetik und des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) zusammen mit der Milvus Group – Bird and Nature Protection Association und der Balkani Research Society die DNA der Tiere.
Seit 2009 wurden über 200 Kot- und Haarproben von Bären gesammelt und über genetische Analysen die Individuenanzahl in einem Gebiet sowie der regionale Isolationsgrad bestimmt. Bei den Verwandtschaftsanalysen fiel den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um Dr. Carsten Nowak und die Doktorandin Christiane Frosch ein ungewöhnliches Muster auf: In drei Regionen im nördlichen Balkangebirge sowie den südlicheren Rhodopen fanden sie Material, das genetisch nicht zu den übrigen Proben passte. Einige Bären weisen scheinbar keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu den übrigen Bären im Land auf. Woher kommen diese Bären oder woher stammen ihre Vorfahren?
Die Lösung des Rätsels fand das Team, als sie die „Ausreißer“ mit DNA-Profilen von Bären aus weiter entfernten Regionen verglichen: Alle Proben passten statistisch zur Bärenpopulation in den rumänischen Karpaten. Dazwischen liegen mehrere hundert Kilometer. Bären können tatsächlich sehr weit wandern.
„Wir können zwar die Möglichkeit nicht gänzlich ausschließen, dass ein Wanderkorridor zwischen den Karpaten und der Balkanregion und somit eine natürliche Ausbreitung auf dieser langen Strecke möglich ist“, erläutert Nowak, „aber die geografische Entfernung der genetischen „Ausreißer“ zum einzigen möglichen Wanderkorridor machen den Luftweg sehr viel wahrscheinlicher.“
Bärenjagd – ein Diktatoren-Hobby?
Recherchen und Ortsbegehungen erbrachten folgende Erklärung: Zur Zeit des Sozialismus waren einige der osteuropäischen Regierungschefs besessene Bärenjäger. Der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu (1918-1989) soll weit über 1000 Bären erlegt haben, die ihm von Helfern regelrecht vor die Flinte getrieben wurden. Ceausescus Bären wurden zu Jagdzwecken auch in Zuchtgehegen gepäppelt, um immer Nachschub für die Jagdleidenschaft des Staatschefs zu haben.
Die Tiere wurden sogar für die internationalen Beziehungen zu befreundeten Machthabern genutzt. So wird in Rumänien und Bulgarien erzählt, dass die mächtigen Karpatenbären zur Blutauffrischung des dortigen, kleineren Bärenbestandes von Militärflugzeugen nach Bulgarien gebracht und dort in eigens errichteten Stationen bis zur Aussetzung gehalten wurden. Tatsächlich konnte die Existenz einer dieser Stationen im Rahmen der Studie belegt werden. Passenderweise liegt diese exakt in einer Gegend, in der mehrere genetische Karpatenbären gefunden wurden.
Damit ist eine kuriose Legende über zwei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Sozialismus in Osteuropa bestätigt: Luftverbreitung kommt nicht nur bei Pflanzen, Insekten und Vögeln, sondern gelegentlich auch bei Bären, den größten Landraubtieren der Erde, vor.
Im Übrigen konnte trotz intensiver Recherche bis heute kein einziges schriftliches Dokument über die Bärentranslokation gefunden werden, die nach Angaben von Zeitzeugen unter strenger Geheimhaltung erfolgte. Die genetische Studie, die jetzt in der Zeitschrift „Conservation Genetics“ veröffentlicht wurde, hält diese Geschichte erstmals schriftlich fest.
Publikation
Nowak, C.; Domokos, C.; Dustov, A.; Frosch, C.: Molecular evidence for historic long-distance translocations of brown bears in the Balkan region; 2014, Conservation Genetics.
dx.doi.org/10.1007/s10592-014-0570-7

25.02.2014, Veterinärmedizinische Universität Wien
Verhaltensforschung in der Statistik-Falle
Ob das Verhalten von Tier und Mensch genetisch bestimmt ist oder im Laufe des Lebens erlernt wird, ist eines der spannendsten Themen der Evolutionsbiologie. Forschende der Vetmeduni Vienna haben herausgefunden, dass einige VerhaltensforscherInnen bei der Interpretation ihrer Daten bisher in zwei statistische Fallen getappt sind. Ob Vögel eher in kleinen oder größeren Kolonien brüten, war bis vor kurzem noch der Genetik zugeschrieben. Jedoch könnten die Ergebnisse auch zufällig entstanden sein. Der Aufruf zur Neuinterpretation alter und neuer verhaltensbiologischer Studien wurde im Journal Scientific Reports veröffentlicht.
Viele Tierarten, insbesondere Vögel, haben die Wahl zwischen einem Leben in größeren oder kleineren Gruppen. Beide Lebensformen bringen Vor- und Nachteile mit sich. Während es in größeren Kolonien eher zu aggressiven Konflikten untereinander und zur Übertragung von Krankheiten kommen kann, sind kleinere Kolonien weniger mit Parasiten belastet, jedoch gibt es dort auch weniger Nahrung für die Gemeinschaft.
Schwalbenstudie neu interpretiert
Die Idee, dass die Entscheidung für ein Leben in der Großfamilie oder der Kleinfamilie, insbesondere bei Vögeln, genetisch festgelegt ist, gewann im Jahr 2000 große Akzeptanz. Damals veröffentlichte das Forscherpaar Charles und Mary Brown einen Artikel, in dem sie Daten aus einem Feldversuch mit Fahlstirnschwalben interpretierten. Diese Vögel leben von Natur aus in unterschiedlich großen Gruppen. Einige Individuen dieser amerikanischen Schwalbenart scheinen resistenter gegen Nestparasiten zu sein als andere und vertragen deshalb die größere Parasitenbelastung in den Großgruppen. Auch das Nahrungsangebot ist in Großgruppen reicher, da größere nachbarliche Gemeinschaften Insektenschwärme besser verfolgen können.
In ihrem Experiment untersuchten die Browns insgesamt 2.000 Jungvögel. Die Forschenden tauschten frisch geschlüpfte Küken aus kleinen Kolonien mit Küken aus großen Kolonien und ließen die Jungvögel bei den „fremden“ Eltern aufwachsen. Als die umgesiedelten Vögel dann nach Jahren selbst Nester bauten, um zu brüten, analysierten die Forschenden, welche Gruppengrößen die Tiere wählten. Es zeigte sich, dass Schwalben, die in großen Gruppen zur Welt gekommen waren und in kleinen Gruppen aufgezogen wurden, selber wieder die Großgruppe als Lebensform bevorzugten. Das genaue Gegenteil passierte mit der anderen Gruppe. Schwalben aus Kleingruppen, die jedoch in Großgruppen aufwuchsen, brüteten ihrerseits in Kleinkolonien. Kurz gesagt, es sah so aus, als würde die Wahl der Lebensform vererbt und somit genetisch bedingt sein.
Statistischer Fehler entdeckt
Was wäre jedoch der evolutionäre Vorteil eines Gens, das die Wahl der Gruppengröße bestimmt? Der Verhaltensforscher Richard Wagner vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung und Erstautor Étienne Danchin von der Universität Toulouse vermuteten, dass die Ergebnisse der Studie durch den verwendeten methodischen Ansatz verfälscht worden sein könnten. Gemeinsam mit Eric Wajnberg, einem Populationsgenetiker vom Institut INRA in Sofia, berechneten sie die Originaldaten aus dem Experiment der Browns neu und fanden heraus, dass die Ergebnisse genauso per Zufall hätten entstehen können.
Werte nahe dem Durchschnitt sind wahrscheinlicher als Extremwerte
Das Problem ist größtenteils auf ein statistisches Phänomen, das als “Regression zur Mitte” bekannt ist, zurückzuführen. Sir Francis Dalton, der Cousin von Charles Darwin, hat dieses Problem bereits im 19. Jahrhundert beschrieben. Es handelt sich um einen Effekt, nachdem auf außergewöhnlich hohe oder niedrige Messergebnisse mit hoher Wahrscheinlichkeit „normalere“ Werte folgen.
Im Experiment der Browns lag gerade hier der Fehler. Vögel, die von kleine in große Kolonien übersiedelt wurden, suchten sich später selber kleinere Kolonien für ihre Brut. Statistisch gesehen, liegen diese kleineren Gruppen aber dann auch der durchschnittlichen Gruppengröße näher. Und genauso verhält es sich umgekehrt mit der anderen Gruppe. Die Ergebnisse wären also auch ohne Bezug zu genetischen Faktoren entstanden.
Wagner und Danchin fanden außerdem noch einen weiteren Fehler. Das zweite Problem bezieht sich auf einen Fehlschluss bezüglich räumlich strukturierter Daten und wurde 1984 von dem Forscher Arie van Noordwijk aufgedeckt. Es besagt, dass Individuen, die nicht die gleichen Wahlmöglichkeiten bezüglich der Orte haben, die sie aufsuchen können, auch nicht miteinander verglichen werden können. In der Studie der Browns hatten die miteinander verglichenen Vogelgruppen nicht dieselben Möglichkeiten.
Eine Frage des Studiendesigns
Nach der Neuberechnung der Studienergebnisse gilt es, viele bereits veröffentlichte Daten noch einmal zu überdenken. Vor allem die Rolle der Genetik könnte in der Verhaltensbiologie bislang in vielen Fällen falsch interpretiert worden sein. “Uns überraschte, dass genau jenes experimentelle Design, das häufig in diesem Zusammenhang verwendet wird, den Trugschluss der „Regression zur Mitte“ erzeugt. Selbst die am sorgfältigsten gestalteten Studien können unter diesem Problem leiden. Die Ergebnisse werden so bedeutungslos“, warnt Wagner.
Die WissenschafterInnen schlagen auch eine Lösung für das Problem vor. Werden Gruppen miteinander verglichen, die dieselben Wahlmöglichkeiten haben (im Falle der Schwalben müssten alle Küken von einer in eine andere Kolonie übersiedelt werden), so wären die Forschenden mit ihrer Interpretation auf der sicheren Seite.
Der Artikel „Avoiding pitfalls in estimating heritability with the common options approach“ von Étienne Danchin, Éric Wajnberg und Richard H. Wagner erschien vor kurzem im Journal Scientific Reports. doi:10.1038/srep03974
http://www.nature.com/srep/2014/140205/srep03974/full/srep03974.html

25.02.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Sinkflug stoppen – Der Rotmilan bekommt Land zum Leben
Mehr als die Hälfte aller Rotmilane weltweit lebt in Deutschland. Deswegen hat Deutschland eine besonders hohe Verantwortung für das Überleben des Rotmilans, unseres heimlichen Wappenvogels. Doch ihm geht es zunehmend schlechter: „Die Anzahl der bei uns brütenden Paare hat in den letzten 20 Jahren um ein Drittel abgenommen“, sagt Greifvogelexperte Christoph Grüneberg vom Dachverband Deutscher Avifaunisten.
Um den Sinkflug des faszinierenden Greifvogels aufzuhalten, haben sich Landschaftspflegeverbände und Akteure aus Wissenschaft und Naturschutz nun zusammengeschlossen. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und die Deutsche Wildtier Stiftung (DeWiSt) bilden gemeinsam mit den Partnern vor Ort das nationale Schutzprojekt „Rotmilan — Land zum Leben“. Kern des Vorhabens ist die Beratung und Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft in elf Modellregionen in acht Bundesländern. Mit ihr gemeinsam soll die Agrarlandschaft so gestaltet werden, dass der Rotmilan eine sichere Zukunft hat. Das Vorhaben wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.
Rotmilane sind überwiegend Zugvögel und von Oktober an im Winterquartier — meist in Spanien. Ab März kann man sie wieder am Himmel über Deutschland segeln sehen. Dann brauchen die Rotmilan-Eltern für den Vogel-Nachwuchs ausreichend Futter wie Mäuse und andere Kleintiere. „Doch auf unseren Feldern und Wiesen finden sie davon immer weniger“, so Peer Cyriacks von der Deutschen Wildtier Stiftung.
Unsere Landwirtschaft hat sich geändert — auf monotonen, stark gedüngten Feldern, die oft bis zum letzten Zentimeter genutzt werden, haben Wildtiere immer weniger Platz. Auch Lebensräume wie Brachen, Feldränder und Blühstreifen sind seltener zu finden. Dabei ist abwechslungsreiches Acker- und Grünland Lebensraum zahlreicher bedrohter Wildtierarten. „Indem wir Landwirte zum Rotmilan und seinen Bedürfnissen beraten, können wir für mehr Nahrung sorgen“, sagt Uwe Lerch vom Deutschen Verband für Landschaftspflege. Landschaftspflegeverbände sind für die Beratung besonders geeignet, da sie sowohl die Interessen des Naturschutzes vertreten als auch die der Landwirtschaft.
Wie „rotmilanfreundlich“ die Maßnahmen sind, die die Landwirte praktisch umsetzen, wird von den Wissenschaftlern des Projekts untersucht. Anschließend werden die gewonnenen Erfahrungen und Ergebnisse für Empfehlungen in der Umwelt- und Agrarpolitik verwendet. Weitere Informationen über unseren heimlichen Wappenvogel und das Projekt „Rotmilan — Land zum Leben“ finden Sie unter www.rotmilan.org und auf der Homepage des Bundesprogramms Biologische Vielfalt unter www.biologischevielfalt.de/bundesprogramm.html

25.02.2014, Österreichische Bundesforste
Gletscher-Fund: 3.500 Jahre altes Steinbock-Horn aus Eis geborgen
Steinbock-Überreste aus der Bronzezeit in Bundesforste-Revier Telfs im Tiroler Ötztal entdeckt – erstmals genetische Analyse möglich – Ausstellung im „Ötzi-Museum“ in Südtirol
Einen nicht alltäglichen Fund machte ein Südtiroler Tierarzt auf Bundesforste-Flächen in Tirol an der Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien: Im Forstrevier Telfs zwischen den Gipfeln des Trinkerkogels und Heuflerkogels – am äußersten Ende des Tiroler Ötztals – entdeckte er die Überreste prähistorischer Alpensteinböcke (Capra Ibex). Zahlreiche Horn- und Knochenfragmente sowie seltene Fellreste und Fäkalien von Steinböcken konnten sichergestellt werden. Laut Radiocarbondatierung weisen die Funde ein Alter von 1.300 bis 1.450 Jahre vor Christus auf und stammen somit aus der späten Bronzezeit. Die Fundstelle liegt auf 3.100 Meter Seehöhe im Einzugsgebiet des Rotmoosferner-Gletschers. Mehrere tausend Jahre lang lagen die Steinbock-Überreste durch natürliche Gefriertrocknung konserviert im Eis bis sie durch den Rückgang der Gletscherflächen nun wieder zu Tage traten. Als archäologisch sehr interessant gilt das besonders gut erhaltene 40 cm lange Horn eines Alpensteinbocks. Seine Größe und Ausprägung zeigen unter anderem, dass die Tiere der Bronzezeit größer und kräftiger waren als die heutigen Populationen. Jetzt wird das Steinbock-Horn zum ersten Mal im Archäologiemuseum Bozen (Südtirol) ausgestellt. Dieses beherbergt bereits einen berühmten Ötztaler: die Mumie aus der Jungsteinzeit – genannt „Ötzi“.
Erstmals DNA-Proben prähistorischer Steinböcke
Mit dem Fund der Knochen- und Hornreste steht nun erstmals Probenmaterial zur Verfügung, um die prähistorischen Steinbockpopulationen mit heutigen Beständen zu vergleichen. Besonders bemerkenswert ist die Sicherstellung der mehrere tausend Jahre alten Fell- und Kotreste der Tiere. Sie erlauben weitere tiermedizinische Untersuchungen und können Aufschluss über Ernährungs- und Lebensweise der bronzezeitlichen Tiere geben. Die seltenen Funde zeigen auch, dass der Alpengrat vor rund 3.500 Jahren nicht oder kaum vergletschert war und die Sommerrückzugsgebiete der Steinböcke teilweise höher lagen als heute. Die Fundstelle – eine steile Passage knapp unterhalb des Grates – könnte demnach auch für die so trittsicheren Alpentiere eine gefährliche Durchzugsroute auf ihrem Weg vom Ötztal (Tirol) ins Passeiertal (Südtirol) gewesen sein.
Archäologischer Grenzgang
Die genaue geografische Vermessung des 750 m² großen Fundorts stellte sicher, dass die Steinbock-Überreste auf österreichischem Staatsgebiet liegen und sich in einem Forstrevier der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) befinden. Damit gelten der Finder der Steinbock-Überreste und die Bundesforste als Grundbesitzer als Eigentümer der prähistorischen Funde. Deren Bergung und erste wissenschaftliche Untersuchung übernahm das Amt für Bodendenkmäler in Bozen im Auftrag des Österreichischen Bundesdenkmalamtes. Die Funde wurden anschließend tiefgefroren dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck übergeben.
3.500 Jahre altes Steinbock-Horn im „Ötzi-Museum“ erstmals ausgestellt
Für die Öffentlichkeit werden die archäologischen Fundstücke nun erstmals zugänglich. Der Südtiroler Tierarzt und die Österreichischen Bundesforste stellen das 40 cm lange Alpensteinbockhorn aus der Bronzezeit für die Sonderausstellung „Frozen Stories“ im Archäologiemuseum in Bozen (Südtirol) zur Verfügung. Die Ausstellung läuft ab sofort und endet im Februar 2015. Nach dem weltberühmten „Ötzi“ sind die Ötztaler Alpen nun ein weiteres Mal als Fundstelle für prähistorische Schätze im Museum vertreten.

26.02.2014, Universität Zürich
Ernährungsgewohnheiten eines frühzeitlichen Tieres aufgedeckt
Bei der Erforschung des Landgangs der Tiere spielt Acanthostega eine zentrale Rolle: Das frühzeitliche Tier wies nämlich Merkmale sowohl der Fische wie der Landwirbeltiere auf. Forschende des Paläontologischen Instituts und Museums der Universität Zürich haben dessen Ernährungsgewohnheiten untersucht. Sie stellen fest, dass sich Acanthostega nicht nur im Wasser aufgehalten, sondern sich überraschenderweise auch aquatisch ernährt hat.
Die Entwicklung vom Fisch im Wasser zum Wirbeltier auf dem Land ist einer der bedeutungsvollsten Übergänge in der Evolution. Acanthostega ist eine ausgestorbene Tiergattung, die vor 365 Millionen Jahren lebte und sowohl fischähnliche Körperteile hatte als auch Merkmale von Landwirbeltieren besass. Diese Fisch-Landwirbeltier-Zwischenform ist damit ideales Objekt für die Erforschung der anatomischen, funktionellen und ökologischen Schritte bei der Entstehung des typischen Körpers von Landwirbeltieren. Die Acanthostega hatten Kiemen, sensorische Kanäle auf dem Schädel und eine Schwanzflosse wie ein Fisch. Gleichzeitig war wie bei Landwirbeltieren neben vier Gliedmassen mit Fingern und Zehen bereits die Ausprägung eines Halses sowie ein vergrösserter Brust- und Beckengürtel vorhanden.
Die breite Schnauze dieser Tiere wies ebenfalls Merkmale beider Tierklassen auf – und Forschende der Universität Zürich haben nun in Zusammenarbeit mit den Universitäten von Lincoln, Cambridge und Bristol untersucht, ob das Tier im Wasser oder auf dem Land seine Beute gefressen hat. In den «Proceedings of the Royal Society of London B.» postulieren sie, dass Acanthostega nicht nur im Wasser gelebt, sondern sich auch hauptsächlich aquatisch ernährt hat.
Analyse von Kiefer und Funktion mit neuen Verfahren
Um Rückschlüsse auf die Ernährungsgewohnheiten zu ziehen, hat die Forschungsgruppe um James Neenan vom Paläontologischen Institut und Museum der Universität Zürich die Kieferform und ihre Funktion unter die Lupe genommen: Mittels eines neuartigen Standardisierungsverfahrens – der Geometrischen Morphometrie – wurde der Unterkiefer von Acanthostega mit jenen von verschiedenen Fischen und Landwirbeltieren verglichen. In einer Funktionsanalyse, der sogenannten «Finite Ele-mente Analyse», ermittelten die Forschenden im Weiteren anhand von Computersimulationen die Kräfteverteilung bei einem Biss.
Das Ergebnis der beiden Analysen ist klar: «Der Biss von Acanthostega war relativ schwach, die Si-mulationen zeigen keine Kräftespitzen», erklärt Erstautor James Neenan. Daraus lässt sich schlies-sen, dass das Tier nicht in der Lage war, mit seinem Kiefer kräftig zuzupacken.
Die Untersuchungen zeigen weiter, dass mit dem breiten Unterkiefer und seinen nach hinten geneigten vorderen Zähnen eine schnelle Schnappbewegung oder sogar ein Saugschnappen möglich war – ideal für den effizienten Fang einer schnellen Beute. «Wir schliessen daraus, dass sich Acanthostega vorwiegend, wenn nicht ausschliesslich im Wasser ernährt hat», fasst James Neenan zusammen. Diese Erkenntnis sei überraschend, denn sie stehe eigentlich im Widerspruch zu den gut verzahnten Schädelknochen, die viel mehr an ein Landwirbeltier erinnerten.
Literatur:
James M. Neenan, Marcello Ruta, Jennifer A. Clack and Emily J. Rayfield. Feeding biomechanics in Acanthostega and across the fish-tetrapod transition. Proceedings of the Royal Society B, Biological Sciences 281:1781. doi: 10.1098/rspb.2013.2689.

26.02.2014, Deutsche Wildtier Stiftung
Südwind und gute Sicht erleichtern die Reise!
Deutsche Wildtier Stiftung: Rückenwind beschleunigt den Heimflug der Zugvögel
Die ersten Störche wurden bereits gesichtet und haben ihr Nest besetzt. Auch Kraniche und der Rotmilan kehren jetzt ungewöhnlich früh aus ihren Winterquartieren in Afrika und dem Süden Europas zurück nach Deutschland. Sogar die Stare sind bereits aus dem Mittelmeerraum heimgekehrt. „Zugvögel profitieren aktuell von der vorherrschenden Windrichtung. Weil der Wind jetzt aus Süden weht, beschleunigt sich der Rückflug der Vögel – sie haben quasi Rückenwind und sparen Energie“, sagt Peer Cyriacks, Ornithologe der Deutschen Wildtier Stiftung.
Die Großwetterlage auf dem Weg spielt beim Rückflug eine nicht unerhebliche Rolle. „Trockene Kälte macht Zugvögeln nichts aus, aber wenn es dauerhaft regnet und die Sicht schlecht ist, Gegenwind ihnen den Weg schwer macht, legen sie oft einen sogenannten Zugstopp – also eine Reisepause – ein und warten auf bessere Flugbedingungen“, so Cyriacks.
Doch zurzeit ist das Wetter perfekt; und wer zuerst kommt, balzt zuerst! Obwohl gerade große Vogelarten meistens „treu“ sind und häufig monogame Beziehungen führen, bringen sie sich in der Balz-Saison immer wieder neu in Paarungs-Stimmung. Die Balz ist ein Naturspektakel: Kraninche führen einen eleganten Tanz auf, während der Rotmilan mit kunstvollen Balzflügen seinen Partner beeindrucken will. Ehepaar Storch hingegen klappert synchron im Nest, um die alte Beziehung wieder zu beleben. Er ist bereits vor ihr in Deutschland gelandet, um das Nest zu „renovieren“.
Auch die Blässgänse macht sich jetzt in Schwärmen auf den Heimweg zu ihren Brutplätzen: Sie fliegen allerdings zurück in die arktischen Weiten Russlands, nachdem sie bei uns überwintert haben.

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