Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

03.03.2014, Technische Universität München/Wissenschaftszentrum Weihenstephan
Muschelschützer-Treffen in Weihenstephan
München (agrar-PR) – Die Koordinationsstelle für Muschelschutz am Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie der Technischen Universität München (TUM) bringt Praktiker aus Natur- und Gewässerschutz ins Gespräch: Sie veranstaltet am 11. März 2014 zusammen mit der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege eine Fachtagung, die Muschelschützern aus ganz Bayern Hilfestellung bei ihrer Aufgabe im Spannungsfeld zwischen Gewässernutzung und Klimawandel bieten will.
Die Flussperl- und Bachmuschel hat es von jeher nicht leicht: Sie kann nur dort leben, wo das Wasser sauber genug ist und der Gewässergrund die richtige Struktur aufweist. Artenschützer, die die bayerischen Muschelbestände von Berufs wegen pflegen, kämpfen heute zudem mit weiteren Herausforderungen: Die intensive Nutzung der Gewässer durch Boots- und Schiffsverkehr sowie der Klimawandel schränken den eng begrenzten Lebensraum für Muscheln in Bayern weiter ein. An der TUM tauschen sie sich aus, um anhand von neuesten Forschungsergebnissen und bewährten Praxisbeispielen innovative Managementkonzepte für den Muschelschutz zu diskutieren.
Journalisten und Pressefotografen sind bei der Fachtagung herzlich willkommen, für sie ist die Teilnahme nach vorheriger Anmeldung kostenlos.
Datum: Dienstag, 11. März 2014, 10.00 bis 16.45 Uhr
Ort: Wissenschaftszentrum Weihenstephan, Hörsaal 12, Emil-Ramann-Str. 2, 85350 Freising-Weihenstephan
Veranstaltung: „Muschelschutz im Spannungsfeld zwischen Gewässernutzung und Klimawandel – Herausforderungen in der Naturschutzpraxis“
Anmeldung:
Technische Universität München
Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie
Koordinationsstelle für den Flussperl- und Bachmuschelschutz in Bayern
Tel: 08161 / 71-2564 oder -3478
muschel@tum.de
http://www.fisch.wzw.tum.de/index.php?id=24

05.03.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
avifauna-rlp.de online — Jetzt Artpate werden!
Das Publikations-Großprojekt „Die Vogelwelt von Rheinland-Pfalz“ (Avifauna) wird voraussichtlich in drei Bänden erscheinen, die nach und nach auf den Markt kommen. Das Erscheinen von Band 1 ist für Herbst/Winter 2014 geplant. Schon jetzt hat die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e.V. (GNOR) dazu eine Internetpräsenz freigeschaltet, die Sie unter www.avifauna-rlp.de erreichen.
Wie bereits von mehreren Atlas-Projekten hierzulande bekannt, können auch in der Avifauna für Rheinland-Pfalz Artpatenschaften übernommen werden. Alle Spender werden im Internet bei ihrer Art als Unterstützer namentlich erwähnt. Bei höheren Beiträgen erfolgt die Nennung der Namen von bis zu fünf Spendern außerdem bei der gewünschten Art im gedruckten Buch.
Die technische Umsetzung der neuen Internetpräsenz wurde von Karsten Berlin (DDA) übernommen, Mathias Schäf stellte dankenswerter Weise brillante Vogelfotos für den Aufbau der Seiten bereit. Auf der Startseite begrüßt eine lohnenswerte Diaschau die BesucherInnen, eine übersichtliche Navigationszeile führt zu den einzelnen Bereichen der Seite mit einer Beschreibung des Buchprojektes und Hinweisen zur Möglichkeit der Übernahme von Artpatenschaften. Bringen auch Sie Ihre Sympathie für eine Vogelart zum Ausdruck und unterstützen Sie „Die Vogelwelt von Rheinland-Pfalz“ unter www.avifauna-rlp.de.

05.03.2014, Forschungsverbund Berlin e.V.
Einzigartige Fortpflanzungsmechanismen beim Eurasischen Luchs
Für das Überleben und die erfolgreiche Nachzucht des hoch bedrohten Iberischen Luchses ist es unabdingbar, die Mechanismen seiner Fortpflanzung zu kennen. Forscher haben nun einen möglichen Schlüssel zur Verbesserung der Reproduktionsrate entdeckt.
Der Gelbkörper (Corpus luteum) der Eurasischen Luchse (Lynx lynx) besitzt die längste Lebensdauer unter allen bislang bekannten Säugetieren. Diese Hormon produzierenden Drüsen sind beim Eurasischen Luchs dafür verantwortlich, dass sie nur einen Östrus (Eisprung) im Jahr haben und daher nur einmal pro Jahr trächtig werden können. Das gilt vermutlich auch für den Iberischen Luchs. Dieses Ergebnis veröffentlichte ein internationales Forscherteam jetzt im Wissenschaftsjournal PLOS ONE.
WissenschaftlerInnen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin nutzen den Eurasischen Luchs als „Modellart“. Sie haben seinen Fortpflanzungszyklus erforscht, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse für die Erhaltungszucht der weltweit am meisten bedrohten Wildkatzenart, dem Iberischen Luchs, einzusetzen. Derzeit leben 149 Exemplare in menschlicher Obhut und 309 in freier Wildbahn. Die freien Wildkatzen kommen in zwei Gebieten in Spanien vor. Die Erhaltungszuchtzentren in Spanien und Portugal spielen daher eine zentrale Rolle für das Überleben des Iberischen Luchses. Erfolgreich nachgezüchtete Tiere werden ohne Kontakt zum Menschen aufgezogen und anschließend ausgewildert. Um die Nachzucht zu optimieren, ist es von wesentlicher Bedeutung, die Besonderheiten der Fortpflanzung zu verstehen.
Die WissenschaftlerInnen des IZW fanden heraus, dass Luchse eine einzigartige Fortpflanzungsstrategie unter Katzenartigen (Felidae) aufweisen, bei der sie die Gelbkörper – diese sind für die Produktion des Trächtigkeitshormons Progesteron zuständig – über viele Jahre in den Eierstöcken erhalten können. Damit besitzen Luchse Gelbkörper mit der längsten bei Säugetieren bekannten Lebensdauer. Bei anderen Tierarten verschwinden Gelbkörper bei weiblichen Tieren vor oder kurz nach der Geburt von Jungen. Überraschenderweise sind Luchse dazu in der Lage, die Produktion von Progesteron zu reduzieren, wenn ein neuer Zyklus im Frühjahr beginnt, ohne die Gelbkörper dabei zu zerstören.
Anschließend wird die Progesteron-Produktion wieder aufgenommen und konstant beibehalten, wodurch eine Follikelentwicklung in den Eierstöcken unterdrückt wird. Dadurch wird ein zweiter Eisprung innerhalb desselben Jahres verhindert. Kommt es bei einem Weibchen während der fünf bis sieben fruchtbaren Tage im Jahr nicht zu einer Paarung, verliert das Tier eine vollständige Fortpflanzungssaison. Für stark dezimierte Populationen, wie beim Iberischen Luchs, kann das dramatische Auswirkungen auf die Populationsentwicklung haben.
Johanna Painer vom IZW berichtet: „In der Studie zum Eurasischen Luchs verfolgte unser internationales Team über fast drei Jahre hinweg den Reproduktionszyklus von Luchsweibchen. Die Luchse stammten aus deutschen Zoos und aus der freien Wildbahn in Norwegen. Mit Unterstützung des norwegischen Wildtierprojektes ‚Scandlynx‘ war es uns möglich, auch freilebende Tiere zu erforschen.“ Für die Untersuchungen kamen hochmoderne Ultraschall-Geräte zur Erzeugung dreidimensionaler Bilder der inneren Reproduktionsorgane und im IZW durchgeführte Hormonanalysen zum Einsatz. So war es den Forschern möglich, den mysteriösen Zyklus zu enträtseln.
In Europa sind zwei Luchsarten beheimatet, der Eurasische Luchs (Lynx lynx) und der Iberische Luchs (Lynx pardinus). Beide Arten mussten während des letzten Jahrhunderts drastische Verluste in ihren Populationsgrößen erleiden. Während sich der Bestand des Eurasischen Luchses durch erfolgreiche Wiederansiedlungsprojekte in vielen Gebieten erholt, brach die Population des Iberischen Luchses vollständig ein. Der Iberische Luchs wurde von der „Internationalen Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN)“ als die weltweit am meisten bedrohte Wildkatzenart eingestuft. Für die Zukunft ist es ungewiss, ob Luchse die Möglichkeit haben, ihre Fortpflanzungsmechanismen an die durch Menschen beeinflussten Umweltbedingungen anzupassen.
Die vorliegende Studie bietet grundlegendes Wissen für den erweiterten Einsatz von assistierten Reproduktionstechniken in der Erhaltungszucht des Iberischen Luchses. Techniken wie künstliche Besamung und Embryo-Transfer können ohne Kenntnisse der besonderen Reproduktionsbiologie nicht entwickelt werden. Zukünftige Forschungsvorhaben werden ihren Fokus auf die positive Beeinflussung der Reproduktionsleistung richten, um den Erfolg des Erhaltungszuchtprogramms zu verbessern. Dafür müssen die molekularen Mechanismen, die hinter diesem einzigartigen Zyklus-System stecken, entschlüsselt werden.
Publikation:
Painer J, Jewgenow K, Dehnhard M, Arnemo JM, Linnell JDC, Odden J, Hildebrandt TB, Goeritz F (2014): Physiologically persistent corpora lutea in Eurasian Lynx (Lynx lynx) – longitudinal ultrasound and endocrine examinations intra-vitam. PLOS ONE

05.03.2014, Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (MUGV)
„Storchenaufzucht live“ bietet eindrucksvolle Einblicke in das Nistgeschehen
Potsdam (agrar-PR) – Mit 23.904 Euro Lottomitteln unterstützt Brandenburgs Umweltministerium das Projekt „Storchenaufzucht live“ des Besucherzentrums Rühstädt. Ministerin Anita Tack hat heute einen symbolischen Scheck an den NABU-Landesvorsitzenden Friedhelm Schmitz-Jersch und die Leiterin des Besucherzentrums Rühstädt Petra Schlaugat überreicht. „Kaum ein anderer Vogel ist so populär wie der Weißstorch. Eindrucksvolle Einblicke in das Nistgeschehen sind bei jung und alt beliebt und faszinieren seit Jahren die Gäste des Storchendorfes“, so Tack. Bis zu 1.400 Brutpaare werden in Brandenburg pro Jahr registriert.
Das Storchendorf Rühstädt im Biospährenreservat „Flusslandschaft Elbe – Brandenburg“ ist alljährlich Anziehungspunkt für tausende einheimische und ausländische Touristen. Nirgendwo in Deutschland brüten so viele Störche wie in Rühstädt. Über Jahrzehnte wurden mehr als 30 Brutpaare direkt im Ort gezählt. 1996 hat das Dorf von der Stiftung Euronatur den Titel „Europäisches Storchendorf“ erhalten. Seit 1997 informiert die NABU-Ausstellung „Weltenbummler Adebar“ über die hier brütenden Weißstörche – auch mittels einer Nest-Kamera. Die Übertragung der Szenen aus dem Nest ist ein wesentlicher und beliebter Punkt der Ausstellung.
Besucherinnen und Besucher können über eine Kamera live dabei sein, wenn das Storchenpaar im Nest auf dem Dach des Besucherzentrums seine Jungen aufzieht. „Die Übertragungstechnik ist in die Jahre gekommen, veraltet und zum Teil defekt, die Bildqualität nicht mehr zeitgemäß. Eine Modernisierung ist deshalb dringend erforderlich“, erläuterte Petra Schlaugat, Leiterin des Besucherzentrums Rühstädt. Allein konnte der NABU-Landesverband die Kosten von insgesamt fast 30.000 Euro für die Erneuerung nicht stemmen. Schmitz-Jersch: „Wir freuen uns über die Unterstützung und wollen pünktlich zum Saisonstart am 1. April mit der Installation fertig sein.“ Neben der verbesserten Qualität der gezeigten Bilder soll künftig ein interaktives Modul ermöglichen, dass Gäste selbst auswählen können, welche Szenen des Brut- und Aufzuchtverhaltens sie ansehen wollen.
Noch ist der Weißstorch in Brandenburg als gefährdet und in Berlin als vom Aussterben bedroht eingestuft. Gründe dafür sind der Verlust von Feuchtgebieten bzw. die Beeinträchtigung an Nahrungsflächen durch Monokulturen und den Einsatz von Bioziden. „Wir wollen jede Gelegenheit nutzen, um für den Weißstorch und seinen Lebensraum zu werben. Die Ausstellung in Rühstädt und die Livebeobachtung der Aufzucht sind eine gute Möglichkeit, Sympathie und Verständnis für diesen großen Vogel zu wecken“, sagte Tack.
Das Besucherzentrum Rühstädt, das vom NABU und der Naturwacht gemeinsam betreut wird, bietet vom 1. April bis 30. September täglich von 10 bis 18 Uhr vielfältige Informationen zur Natur des UNESCO-Biosphärenreservates und zum Europäischen Storchendorf. Außerhalb der Saison ist ein Besuch der Ausstellung nach Anmeldung möglich:
Besucherzentrum Rühstädt, Neuhausstraße 9, 19322 Rühstädt
Tel. 038791/98024, NABU-Besucherzentrum@t-online.de

06.03.2013, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Ein besonderes Jubiläum — der Hiddensee-Ring wird 50!
Im Januar 1964 trat die „Verordnung über die Markierung der Vögel und Fledermäuse in der DDR“ in Kraft, durch welche die bereits 1936 gegründete Vogelwarte Hiddensee zur nationalen Zentrale für die wissenschaftliche Vogelberingung der DDR mit eigenen Vogelringen bestimmt wurde — der Hiddensee-Ring war geboren.
Anlässlich des 50 jährigen Bestehens des Hiddensee-Ringes laden die Beringungszentrale Hiddensee am LUNG in Mecklenburg-Vorpommern und die Universität Potsdam am 8. und 9. März 2014 zu einer Festveranstaltung und ornithologischen Fachtagung in den Audi Max der Universität Potsdam ein. „Vom Vogelring zum Datenlogger? Stand und Perspektiven der Markierungsmethoden in der modernen Ornithologie“ lautet der thematische Schwerpunkt der Tagungsbeiträge, der von Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der Vogelberingung aus europäischer und deutscher Sicht beleuchtet wird. Angesichts rasanter technischer Entwicklungen, u.a. bei der Miniaturisierung von Sendern und anderer Hilfsmittel für die Positionsbestimmung der Vögel, stellt sich dabei auch die Frage, welche Zukunft der klassische Vogelring in der ornithologischen Forschung haben wird.
Die wissenschaftliche Vogelberingung, d.h. die Markierung von Vögeln mit individuell geprägten Metallringen, ist seit ihrer ersten Anwendung vor über 100 Jahren eine sehr probate Methode der ornithologischen Forschung. Denn sie vereint eine sehr geringe Belastung für die markierten Individuen mit einer ganz einzigartigen Aussagekraft zu vielen Aspekten des Vogellebens, die auch für den Menschen in vieler Hinsicht bedeutsam sind.
Die Beringungszentrale Hiddensee betreut gegenwärtig etwa 280 mit behördlichen Ausnahmegenehmigungen ausgestattete ehrenamtliche Vogelberingerinnen und -beringer, die in einer breiten Palette unterschiedlicher wissenschaftlicher Untersuchungsprogramme tätig sind. Dabei werden alljährlich etwa 120.000 Vögel von über 200 Arten gefangen, beringt und wieder in die Freiheit entlassen. Die Beringungsinformationen wie auch jene, die durch die jährlich etwa 22.000 Rückmeldungen durch Ringablesungen und Totfunde von Hiddensee-Ringvögeln anfallen, werden in einem Datenarchiv gesammelt, das derzeit etwa 5,2 Mio. Beringungs- und knapp 500.000 Wiederfunddatensätze umfasst.
Der DDA gratuliert der Beringungszentrale Hiddensee ganz herzlich zum Jubiläum ihres Ringes und wünscht weiterhin viel Erfolg bei den zahlreichen nationalen und internationalen Beringungsprojekten.
Mehr Informationen zur Beringungszentrale Hiddensee sowie das Tagungsprogramm der Jubiläumsveranstaltung erhalten Sie unter www.beringungszentrale-hiddensee.de

06.03.2014, Dachverband deutscher Avifaunisten
Brutvogelatlas Schleswig-Holsteins ist jüngstes Mitglied in der ADEBAR-Familie
Nun sind die Ergebnisse der bundesweiten ADEBAR-Kartierung aus den Jahren 2005-2009 detailliert auf Landesebene auch für Schleswig-Holstein publiziert. Etwa 150 überwiegend ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erarbeiteten während der mehrjährigen Feldarbeiten umfassende Informationen zu den über 200 schleswig-holsteinischen Brutvogelarten. Vergleiche der aktuellen Verbreitungskarten mit den Ergebnissen der ersten landesweiten Kartierung aus den Jahren 1985-1994 machen Veränderungen im Vorkommen und der Verbreitung der einzelnen Brutvogelarten in unserem nördlichsten Bundesland deutlich. Viele der bereits bei der damaligen Kartierung aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten für die Durchführung der zweiten landesweiten Brutvogelerfassung gewonnen werden und wertvolle Erfahrungen zu den von ihnen bearbeiteten Landesflächen einbringen.
Zahlreiche Fotos veranschaulichen die unterschiedlichen Lebensräume und Vogelarten, Tabellen und Diagramme geben eine Übersicht über Bestandsentwicklungen und Siedlungsdichten. Ausführliche Beschreibungen von Vorkommen, Lebensraum, Bestand und Entwicklung sowie Gefährdung und Schutz der behandelten Vogelarten beleuchten die von Bernd Koop und Rolf K. Berndt in Zusammenarbeit mit zahlreichen schleswig-holsteinischen Ornithologinnen und Ornithologen erstellten Artkapitel. So ist der zweite Brutvogelatlas Schleswig-Holsteins ein spannendes Nachschlagewerk für alle Natur- und Vogelinteressierten sowie umfassende Informationsquelle für alle im Natur- und Vogelschutz tätigen Personen, Verbände, Behörden und viele weitere Einrichtungen.
Herausgeber ist die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein und Hamburg. Erschienen ist der neue Brutvogelatlas Schleswig-Holsteins als Band Nr. 7 in der Reihe „Vogelwelt Schleswig-Holsteins“. Eine Leseprobe ist auf der Homepage der OAG möglich.
Der über 500 Seiten starke Atlas kostet für Mitglieder der OAG 40 € inkl. Porto und Verpackung, Nicht-Mitglieder bezahlen 48 € zzgl. Porto und Verpackung.
Bestellungen richten Sie bitte unter Angabe der Versandadresse an Stefan Wolff (wolff@ornithologie-schleswig-holstein.de).

(für Nichtmitglieder ist vermutlich eine Bestellung über amazon günstiger, da weder Porto noch Verpackung anfallen)

Quelle: Springer-Verlag

06.03.2014, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V.
Europas Naturschutzgebiete besser schützen – Praxis-Handbuch zeigt mögliche Wege
Zwei Dinge könnten den Schutz von Europas Naturschutzgebieten künftig verbessern: Die Verantwortlichen in Politik und Praxis müssen mehr über den Klimawandel und seine Folgen für Flora und Fauna wissen und sie sollten ihre Erfahrungen mit Klimaanpassungsmaßnahmen austauschen. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren des Buches „Managing Protected Areas in Central and Eastern Europe under Climate Change“. Es ist hervorgegangen aus dem Projekt HABIT-CHANGE, das vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) geleitet wurde.
Der Klimawandel mit seinen Folgen für Lebensräume sowie Pflanzen- und Tierwelt ist eine der großen Herausforderungen, vor denen Naturschutzgebiete in ganz Europa stehen. Die Management- und Schutzstrategien von National- und Naturparks oder Biosphärenreservaten müssen entsprechend angepasst werden. Doch bisher fehlen Erfahrungswerte und Handlungsempfehlungen.
Diese Lücke schließt das Buch „Managing Protected Areas in Central and Eastern Europe under Climate Change“. Gemeinsam haben die 17 an dem Projekt HABIT-CHANGE beteiligten Forschungseinrichtungen, Naturschutzbehörden und Schutzgebietsverwaltungen aus Mittel- und Osteuropa Empfehlungen erarbeitet. Im Ergebnis bilden sie eine praktische Anleitung, wie das Management von Schutzgebieten auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren kann.
In dem grenzüberschreitenden Forschungsprojekt wurde deutlich: Um geeignete Klimaanpassungsmaßnahmen umsetzen zu können, müssen in den Schutzgebieten zunächst die Fähigkeiten entwickelt werden, Folgen des Klimawandels und das Zusammenspiel mit anderen belastenden Faktoren zu erkennen, zu bewerten und zu dokumentieren. Basierend auf den Daten und Methoden, die in dreieinhalb Jahren Projektlaufzeit erhoben und entwickelt wurden, präsentiert das Handbuch mögliche Wege eines optimierten Schutzgebietsmanagements.
Kurze und anschauliche Beispiele aus den mittel- und osteuropäischen Untersuchungsgebieten illustrieren, wie sich der Klimawandel lokal auswirkt und welche Konsequenzen dies für das künftige Management hat. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Lebensräumen, die besonders empfindlich gegenüber sich verändernden Klimabedingungen sind. Alpine Gebiete gehören ebenso dazu wie Feuchtgebiete, Wälder, Graslandschaften oder Küstengebiete. Die Fallbeispiele zeigen nicht nur den potenziellen Nutzen von Anpassungsmaßnahmen auf, sondern machen auch deutlich, wo in der praktischen Umsetzung Hindernisse auftreten können. Mit der Präsentation von Beispielen greift das Buch eine wichtige Erkenntnis aus dem Forschungsprojekt auf: Hier hatte sich gezeigt, dass die Partner besonders vom Austausch der eigenen Erfahrungen im Gebietsmanagement profitierten. Denn unterschiedliche Perspektiven führten immer wieder zu neuen Lösungen für die einzelnen Schutzgebiete.
Das Buch ist in einer auch für Laien verständlichen Sprache verfasst und richtet sich an ein breites Leserspektrum.
Literaturverweis:
Rannow, S. & Neubert, M. (eds): Managing Protected Areas in Central and Eastern Europe under Climate Change, Advances in Global Change Research, Vol. 58, Springer, Dordrecht, 308 p., DOI: 10.1007/978-94-007-7960-0 (ISBN 978-94-007-7959-4).
Managing Protected Areas in Central and Eastern Europe Under Climate Change (Advances in Global Change Research)
Managing Protected Areas in Central and Eastern Europe Under Climate Change (Advances in Global Change Research) – Kindle Edition

06.03.2014, Max-Planck-Institut für Ornithologie
Vogelschlaf mit Rhythmus
Wenn wir in einen tiefen Schlaf fallen, ziehen gleichmäßige und lange Wellen neuronaler Aktivität durch den Neocortex, einem Teil der Großhirnrinde. Auch Vögel haben eine Tiefschlafphase, besitzen aber keinen Neocortex. Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben nun erstmals Einblick in das schlafende Vogelgehirn bekommen. Sie fanden dort eine sich in komplexen dreidimensionalen Wolken ausbreitende Gehirnaktivität, die sich von der zweidimensionalen Wellenstruktur bei Säugetieren klar unterscheidet. Die Ausbreitung dieser 3D-Wolken im Vogelhirn benötigt also keine in Schichten angeordnete Nervenzellstruktur wie im Neocortex, sondern folgt vermutlich anderen Regeln.
Säugetiere, einschließlich uns Menschen, brauchen für das Lösen komplizierter geistiger Aufgaben die Rechenleistung im Neocortex. Auch beim Schlaf spielt er eine wichtige Rolle: Während des Tiefschlafes bilden die Aktivitäten seiner Nervenzellen eine langsame Schwingung aus, die als Welle durch den Neocortex wandert, ähnlich den Zuschauern bei einer “La-Ola-Welle“ im Stadion. Es wird vermutet, dass diese Welle der Koordination der Informationsverarbeitung in weiter entfernt liegenden Gehirnregionen dient. Vögel besitzen zu den Säugetieren vergleichbare Fähigkeiten, haben aber eine unterschiedliche Gehirnstruktur. Ihnen fehlt die für den Neocortex charakteristische schichtweise Anordnung der Nervenzellen. Stattdessen sind dort gleichgestaltete Nervenzellen zu einfacheren kernartigen Nervenzellhaufen zusammengefasst.
Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben nun mit Kollegen aus den Niederlanden und Australien an Zebrafinken-Weibchen untersucht, wie sich deren Gehirnaktivität im Schlaf über Raum und Zeit ändert. “Als wir die Aufnahmen der Gehirnaktivität zum ersten Mal sahen, schien es, als ob die Tiefschlaf-Wellen gleichzeitig in allen Aufzeichnungsorten im Gehirn vorhanden waren. Erst als wir die Daten in einem Film in Zeitlupe abspielten, zeigte sich ein faszinierendes Muster“, sagt Gabriël Beckers von der Universität Utrecht, der am Max-Planck-Institut eine hochauflösende Aufnahmemethode entwickelt hatte. Die Aktivitätswellen der Nervenzellen bewegten sich entlang des Neocortex in zweidimensionalen Bögen. Diese zeigten sich auch noch, wenn im 90 Grad-Winkel dazu gemessen wurde. Auf diese Weise ergaben sich dreidimensionale Wolken, die in verschiedenen Gehirnregionen gefunden wurden. Dieses neuartige Muster könnte also allgemeingültig für die Nervenzell-Aktivität im Vogelgehirn sein.
Die Ergebnisse lassen auch Rückschlüsse auf Schlafmuster im Neocortex der Säugetiere zu: “Für die Verbreitung von Tiefschlaf-Wellen ist eine schichtweise Anordnung der Nervenzellen wie im Neocortex nicht notwendig“, sagt Niels Rattenborg, Leiter der Forschungsgruppe “Vogelschlaf“ in Seewiesen. “Wenn die Schichten kein einzigartiges Merkmal für diese Art der Nervenorganisation sind, kann die Forschung an Vögeln unser Verständnis verbessern, was das Besondere am Neocortex ist“, so Rattenborg weiter.
Die Forscher vermuten, dass die dreidimensionale Verbreitung der Wellen im Vogelhirn anderen Gesetzen als im Neocortex gehorcht. So ist beispielsweise im Laufe der Evolution der Vögel der dreischichtige Aufbau des Cortex der Reptilien – den Vorfahren der Vögel – durch kernartige Gehirnstrukturen ersetzt worden. “Vermutlich bietet dieser eher unstrukturierte Zusammenschluss der Nervenzellen zu Gehirnkernen im Vogelhirn Vorteile, die sich bislang noch unserem Verständnis entziehen. Unsere Ergebnisse im schlafenden Vogelhirn könnten zur Lösung dieses Phänomens beitragen“, sagt Niels Rattenborg.

06.03.2014, Technische Universität Bergakademie Freiberg
Freiberger Wissenschaftler entdecken lebendes tropisches Korallenriff vor Iraks Küste
Forscher der TU Bergakademie Freiberg entdeckten ein 28 Quadratkilometer großes lebendes Korallenriff vor der irakischen Küste. Bei wissenschaftlichen Tauchexpeditionen sind die Forscher durch Zufall auf das unbekannte Riff im Arabischen Golf im Mündungsgebiet vom Shatt Al Arabe (Euphrat und Tigris) gestoßen. Bislang galt es als unwahrscheinlich, dass sich Korallen unter den extremen Bedingungen dieser Meeresregion ansiedeln könnten. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Scientific Reports (Nature Publishing Group).
Obwohl Korallenökosysteme in den Küstenregionen der meisten Länder des Arabischen Golfs (Bahrain, Iran, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten) vorkommen, waren vor der nur 58 Kilometer langen Küste des Irak bisher keine Korallenriffe bekannt. „Aufgrund der starken Trübung der Küstengewässer durch die Zuflüsse von Euphrat und Tigris konnten die Korallenriffe auch nicht mit Hilfe von Satelliten geortet werden“, erklärt Hydrogeologie Prof. Broder Merkel, Leiter des Scientific Diving Centers (wissenschaftliches Tauchzentrum) und Prorektor für Forschung an der Bergakademie. Das Forscherteam des Freiberger Wissenschaftlichen Tauchzentrums war zu Ausbildungszwecken mit den Kollegen der irakischen Universität Basrah in den Jahren 2012 und 2013 in den irakischen Küstengewässern unterwegs. Dabei stießen die Wissenschaftler zufällig auf das tropische Korallenriff, das sich über eine Ausdehnung von vier mal sieben Kilometern erstreckt, und welches sie während mehrerer Tauchexpeditionen untersuchten.
„Der Fund war eine Sensation für uns alle“, sagt Prof. Hermann Ehrlich, Heisenberg-Professor für Biomineralogie und Extreme Biomimetik, „denn tropische Korallenriffe sind ein äußerst sensibles Ökosystem. Sie entstehen normalerweise in klaren Gewässern, deren Temperatur selten unter 20°C absinkt. Hier dagegen gibt es Temperaturschwankungen zwischen 14 und 34 Grad Celsius.“ Das untersuchte Gebiet dagegen sei durch starke Trübung, hohe Strömungsraten sowie große Temperatur- und Salzgehaltschwankungen im Jahresverlauf gekennzeichnet. Bei ersten Untersuchungen der Korallen zeigten sich bereits entsprechende Unterschiede zu anderen Riffen in der Region: Vier der identifizierten Korallengruppen gehören zu den besonders langsam wachsenden Arten, die massiv und robust genug sind, um sich unter den rauen Umgebungsbedingungen entwickeln und überleben zu können.
Weitere Untersuchungen sind im Frühjahr und Herbst dieses Jahres geplant, um die Korallenökosysteme unter den besonderen Klima- und Umweltbedingungen besser zu verstehen. Vor dem Hintergrund des globalen Klimawandels könnte dies nach Ansicht der Forscher wertvolle Erkenntnisse darüber liefern, wie sich marine Ökosysteme an extreme Bedingungen anpassen. Angesichts der intensiven Öl- und Gasförderung in der Golfregion benötige das Riff dazu jedoch zunächst dringend Schutz, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie.

06.03.2014, Deutsche Wildtier Stiftung
Grünspecht im „klü-klü-klü“-Glück!
Deutsche Wildtier Stiftung: Der Vogel des Jahres 2014 balzt auch gern in Streuobstwiesen
Als „Trommler“ zeichnet sich der Grünspecht im Vergleich zur heimischen Specht-Verwandtschaft eher durch leise Töne aus: Seine „Wirbel“ sind unspektakulär. Dafür beeindruckt der Grünspecht die Zuhörer mit lautem Reviergesang, was einem hohen Lachen nicht unähnlich ist. Seine „klü-klü-klü-klü-klü“-Rufe sind jetzt zu hören, denn der Vogel des Jahres 2014 beginnt mit der Balz. „Für den Bau von Nisthöhlen bevorzugen Grünspechte knorrige alte Bäume“, erläutert Peer Cyriacks, Ornithologe der Deutschen Wildtier Stiftung. „Die findet der Vogel vor allem in Parks, alten Wohnsiedlungen und auf Streuobstwiesen.“
Früher Bestandteil dörflicher Landschaften, werden Streuobstwiesen heute immer seltener. Ihre Pflege ist aufwendig. Intensiv bewirtschaftete Obstplantagen sind ökonomischer und zeitsparender zu pflegen. Deshalb wurden viele Streuobstwiesen aufgegeben. Heute gehören diese Lebensräume zu den am stärksten bedrohten Biotopen in Deutschland. Auf Streuobstwiesen wachsen nicht nur Obstbäume. Insekten wie Wildbienen, Tagfalter und Schwebfliegen nutzen Kräuter, Gräser und Staudenpflanzen, die auf der traditionellen landwirtschaftlichen Kulturform wachsen. Die Vielfalt auf der kleinen Fläche wird deshalb zum Lebensraum für viele Tierarten.
Der Grünsprecht ist Vogel des Jahres 2014. Von ihm gibt es rund 42 000 Brutpaare in Deutschland. Er ist häufiger Gast auf der Streuobstwiese in Wildtierland Gut Klepelshagen. Die Deutsche Wildtier Stiftung pflegt dort schon seit Jahren eine alte, etwa zwei Hektar große Streuobstwiese. Im Laufe der Zeit wurden 80 alte Obstsorten von der Stiftung gepflanzt und gepflegt. In Kooperation mit ALNATURA, einem Unternehmen der Biolebensmittelbranche, wurde eine weitere Streuobstwiese im Dorfbereich von Klepelshagen angelegt. Hier wachsen 49 regionaltypische, seltene Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschsorten. Schafe halten den Rasen kurz. Streuobstwiesen sind nicht nur wertvoller Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere. Auch der Mensch erfreut sich am Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft.

06.03.2014, NABU
Tödliche Gefahr für Europas Geier
Berlin (ots) – Der NABU und sein internationaler Partner BirdLife International sowie die European Vulture Conservation Foundation fordern ein sofortiges Einsatzverbot des Wirkstoffes Diclofenac bei Tieren in Europa. Diclofenac ist ein starkes schmerz- und entzündungshemmendes Mittel, das für das beinahe komplette Aussterben aller Geierarten Indiens, Pakistans und Nepals verantwortlich ist. Die Tiere sterben qualvoll an Nierenversagen, sobald sie von Tieren fressen, die vor ihrem Tod mit diesem Mittel behandelt wurden. Nun droht eine Wiederholung dieser ökologischen Katastrophe in Europa. Obwohl für Geier unschädliche alternative Wirkstoffe existieren, wurde Diclofenac vor Kurzem für die Behandlung von Rindern, Schweinen und Pferden in Italien und Spanien, wo 80 Prozent aller europäischen Geier leben, zugelassen. In Deutschland ist der Wirkstoff verboten.
Nach Ansicht von Experten des NABU und von BirdLife International besteht damit die große Gefahr eines Geier-Massensterbens, das die Erfolge jahrzehntelanger Schutzmaßnahmen innerhalb weniger Jahre zerstören kann. Alle Geierarten leben ausschließlich von Aas und erfüllen damit als Gesundheitspolizei eine wichtige Rolle im Naturhaushalt. In Europa leben vier, durchweg seltene, Geierarten: Der kleinste von ihnen, der Schmutzgeier, gilt weltweit als gefährdet, der riesige Mönchsgeier – einer der größten Greifvögel der Welt – steht auf der Vorwarnstufe der Roten Liste. Die anderen beiden Arten, Gänsegeier und Bartgeier, können nach extremen Bestandstiefs inzwischen aufgrund jahrzehntelanger gezielter Artenschutzmaßnahmen gute Bestandserholungen vorweisen. Dafür haben die Europäische Union und mehrerer ihrer Mitgliedsstaaten viele Millionen Euro ausgegeben. „Seit einigen Jahren tauchen spanische Gänsegeier auf der Suche nach neuem Lebensraum auch regelmäßig wieder in Deutschland auf, so dass bereits Hoffnungen auf eine baldige Wiederansiedlung aufkommen“, erläuterte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. „Die Einführung von Diclofenac in der Tiermedizin auf dem europäischen Markt gefährdet die Früchte der aufwändigen Schutzbemühungen.“
Auf dem indischen Subkontinent wurde Diclofenac in den 90er Jahren zur Behandlung von Rindern angewandt. Nach dem Tod der Tiere verblieb das Mittel im Körper der Kadaver, die von den damals Millionen zählenden Geiern gefressen wurden. Diese starben danach sehr schnell einen qualvollen Tod. In nur einem Jahrzehnt starben so etwa 99 Prozent aller Geier Indiens und damit standen einige der häufigsten und wichtigsten Vogelarten des Subkontinents unmittelbar vor dem Aussterben. Hinzu kam die Ausbreitung von Tollwut: Die Kadaver wurden nicht mehr entsorgt und die Zahl verwilderter Hunde explodierte. Das vollständige Aussterben der Geierarten konnte nur gestoppt werden, weil die Anwendung von Diclofenac bei Tieren auf Betreiben von Naturschützern aus dem von BirdLife International initiierten Netzwerk SAVE-Vultures verboten wurde. Heute können Vogelschützer erste Anzeichen einer Erholung der indischen Geierbestände erkennen.
Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben sich durch die EU-Vogelschutzrichtlinie und die Gesetzgebung zu Tierarzneimitteln verpflichtet, Geier zu schützen und Mittel zu verbieten, die ökologischen Schaden anrichten können. „Ein sofortiges Verbot von Diclofenac für Tiere in der gesamten EU ist daher die einzig mögliche Lösung, um den europäischen Geiern das Schicksal ihrer Vettern in Indien zu ersparen“, so Lachmann. „Dies gäbe auch den Ländern in Afrika, wo noch mehr Geier leben, das richtige Signal, die Verbreitung des Mittels zu stoppen.“ Der NABU hat daher die Bundesregierung gebeten, bei der EU-Kommission eine europaweite Neubewertung und ein Verbot des Mittels zu verlangen.

07.03.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
„Seltene Vögel in Deutschland 2011/12“ erschienen
Ende 2012 veröffentlichte die Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK) den ersten Band der neuen Reihe „Seltene Vögel in Deutschland“. Gut ein Jahr später folgt nun die zweite Ausgabe der Zeitschrift mit dem Bericht der Kommission über die bundesweit dokumentationspflichtigen Beobachtungen der Jahre 2011 und 2012. Dank der zeitnahen Dokumentation von Seltenheiten durch die zahlreichen BeobachterInnen und die gute Zusammenarbeit mit den Avifaunistischen Landeskommissionen konnte ein Doppeljahrgang realisiert werden, mit dem ein Jahr „aufgeholt“, und damit an internationale Vorbilder angeknüpft werden konnte.
Die zweite Ausgabe von „Seltene Vögel in Deutschland“ umfasst 80 Seiten. Im Kernbeitrag des Heftes werden die Nachweise seltener Vogelarten in Deutschland in den Jahren 2011 und 2012 veröffentlicht. Zu den Highlights dieser Jahre gehören zweifelsohne die ersten Nachweise von Langzehen-Strandläufer, Kumlienmöwe, Middendorf-Laubsänger, Östlichem Hausrotschwanz und Braunkopf-Kuhstärling für Deutschland. Es glückten darüber hinaus die zweiten Nachweise von Spitzschwanz-Strandläufer, Kronenlaubsänger und Schwarzkehlbraunelle sowie der einer als Wildvogel angesehenen Orientturteltaube. Diese und mehrere hundert weitere Nachweise werden detailliert und mit zahlreichen Fotos und ergänzenden Grafiken und Karten präsentiert.
Ein Artikel von Stefan Stübing und Thomas Sacher beschäftigt sich mit dem bemerkenswerten Auftreten der Steppenweihe in Mittel- und Westeuropa in den Jahren 2011 und 2012. Bundesweit wurden in diesen Jahren 32 bzw. 27 Individuen als ausreichend dokumentiert anerkannt, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem bislang dokumentierten Maximum von 18 Tieren im Jahr 2005 darstellt. Neben einer ausführlichen Erläuterung der Phänologie und der räumlichen Verteilung der Nachweise werden die Ursachen des starken Auftretens sowie die mögliche Herkunft der in Deutschland beobachteten Vögel diskutiert.
Der spektakuläre Einflug von Polarmöwen in Deutschland im Winter 2011/2012 wird ebenfalls ausführlich untersucht und in einem Artikel von Benjamin Steffen und Martin Gottschling vorgestellt. Neben dem zeitlich-räumlichen Verlauf des Einflugs werden Altersstruktur und Anwesenheitsdauer der beteiligten Vögel genauer betrachtet. Neben einer Übersicht zum Auftreten in Deutschland und Nordwesteuropa werden mögliche Ursachen für den Einflug und die Herkunft der Vögel erläutert.
Im Rahmen des Einflugs von Polarmöwen gelangte auch eine Reihe von kanadischen Kumlienmöwen in das nordwestliche Europa. Für Deutschland konnte diese nach derzeitigem Kenntnisstand auf Hybridisationen zwischen Thayer- und Polarmöwen der Nominatform zurückgehende Form erstmalig dokumentiert werden. Mit dem Erstnachweis der Kumlienmöwe für Deutschland und deren Bestimmung beschäftigt sich ein Artikel von Martin Gottschling.
Abgerundet wird der Band durch einen Beitrag von Christian Wegst und Marco Sommerfeld über einen neuen Nachweis der Zwergtrappe in Deutschland. Neben der aktuellen Brutverbreitung wird auch auf die bisherigen deutschen Nachweise dieser früher hierzulande sogar als Brutvogel vorgekommenen Art eingegangen. Die potentielle Herkunft des Vogels wird unter Berücksichtigung weiterer Nachweise von Zwergtrappen abseits der regulären Verbreitungsgebiete betrachtet.
Die ansprechend gestaltete und reich bebilderte zweite Ausgabe von „Seltene Vögel in Deutschland“ kann zum Preis von 9,80 € zzgl. Versandkosten bestellt werden bei:
DDA-Schriftenversand
An den Speichern 6, 48157 Münster
Tel: 0251 / 2101400
E-Mail: schriftenversand@dda-web.de
Internet: www.dda-web.de/publikationen
Die Reihe ist auch im Abonnement erhältlich. Eine Ausgabe kostet dann 7,50 € zzgl. Versandkosten.
Mit dem Erscheinen des zweiten Bandes von „Seltene Vögel in Deutschland“ möchten wir Ihnen außerdem den Seltenheitenbericht der ersten Ausgabe „Seltene Vogelarten in Deutschland 2010“ kostenlos als online lesbare Version anbieten.

07.03.2014, Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
Giganten, Zwerge und die Umwelt
Wissenschaftler des Museums für Naturkunde Berlin haben in einer Studie untersucht, wie sich die Kaulquappen des Grasfrosches unter verschiedenen natürlichen Bedingungen entwickeln. Überraschenderweise scheint die Umwelt nur eingeschränkt für die teilweise enormen Unterschiede in der Entwicklung der Frösche zu Giganten oder Zwergen verantwortlich zu sein. Offensichtlich gibt es beim Grasfrosch eine große Breite an individuellen Reaktionsmöglichkeiten auf unterschiedliche Umweltbedingungen. Erst wenn man weiß, wie die Umwelt Organismen beeinflusst, kann man das Anpassungspotential unterschiedlichster Arten und Populationen an verschiedene Umweltbedingungen verstehen.
Der Grasfrosch ist eine der häufigsten und bestuntersuchten Amphibienarten Deutschlands. Trotzdem wissen wir wenig darüber, ob und wie sich diese Art auf unterschiedliche und sich verändernde Umweltbedingungen anpassen kann. Die Toleranz einer Art gegenüber unterschiedlichen Umweltbedingungen wurde und wird oft in standardisierten Laborexperimenten untersucht. Hier werden dann meist nur ein oder wenige Faktoren variiert, um deren spezifischen Einfluss, z.B. auf die Entwicklung der Art, zu erforschen. Beim komplexen Zusammenspiel vieler Faktoren in natürlichen Umwelten können aber ganz andere Prozesse wichtig werden. Um zu untersuchen, wie sich Grasfrösche unter verschiedenen natürlichen Bedingungen entwickeln, haben nun Forscher des Museums für Naturkunde Berlin mit ihren Kollegen von den Universitäten Bayreuth und Würzburg analysiert, wie sich die Entwicklungszeit sowie die Größe und das Gewicht von Jungfröschen aus 18 Gewässern im nordfränkischen Steigerwald unterscheiden. Diese Parameter sind auch für die weitere Entwicklung sowie für die Überlebens- und Fortpflanzungschancen der Frösche von zentraler Bedeutung. Einige dieser Gewässer wurden dabei über drei Jahre hinweg auf die sich in ihnen entwickelnden Grasfrösche untersucht.
Eigentlich sollten große schwere Jungfrösche, die früh im Jahr an Land gehen, im Vorteil sein. Für die Forscher völlig überraschend waren die beobachteten enormen Unterschiede in Größe, Gewicht sowie in der Zeit vom Schlupf der Kaulquappen bis zur Metamorphose. Noch überraschender war allerdings, dass sich Jungfrösche aus einem Teich um bis zu einer Zehnerpotenz im Gewicht unterschieden und diese Entwicklungsunterschiede in keinem engen Zusammenhang mit den Umweltfaktoren zu stehen scheinen. Es gab so auch zwischen den Jahren keine sich wiederholenden Muster, also z.B. Tümpel, aus denen immer große oder immer kleine Grasfrösche abwanderten. Die Forscher interpretieren ihre Ergebnisse so, dass es beim Grasfrosch ganz offensichtlich eine große Breite an individuellen Reaktionsmöglichkeiten an unterschiedliche Bedingungen gibt. Für ein tiefergehendes Verständnis wie sich Arten anpassen können ist es deshalb vermutlich wichtiger, die individuelle Variabilität zu erfassen, als standardisierte Durchschnittwerte für Prognosen zu verwenden. Ob kleine und große Jungfrösche bis zum Erwachsenenalter ganz unterschiedliche Strategien verfolgen, sollen weitere Untersuchungen klären.
Zitat: GRÖZINGER, F., J. THEIN, H. FELDHAAR & M.-O. RÖDEL (2014): Giants, dwarfs and the environment – metamorphic trait plasticity in the Common Frog. – PLoS ONE, 9(3): e89982. doi:10.1371/journal.pone.0089982.
Die Veröffentlichung ist frei zugänglich unter:
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0089982;jsess.

07.03.2014, WWF
Camilo IV, Engmaulfrosch
Sechsjähriger Kolumbianer entdeckt neue Froschart im Swimming-Pool
Der sechsjährige Camilo hat im Nord-Osten Kolumbiens einen neuen Frosch entdeckt. Der Junge fischte das Tier ausgerechnet aus dem elterlichen Swimming Pool. Zufällig war auf der Farm eine WWF-Expedition zu Gast. Die Forscher waren für eine zoologische und botanische Bestandsaufnahme in der Region im Orinoco Becken unterwegs. Dabei untersuchten sie das Vorkommen bestimmter Tiere und Pflanzen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Vergleich zu naturbelassenen Arealen. Die WWF-Biologen stutzten beim Anblick des Minifrosches, der gerade einmal zwei Zentimeter misst. Eine genauere Prüfung ergab, dass es sich um eine bislang unbekannte Art handelt.
„Schwimmbäder dürften nicht zum typischen Habitat des Frosches gehören“ scherzt der Amphibienforscher Daniel Cuentas, der die wissenschaftliche Klassifikation des Tieres vornahm. Engmaulfrösche leben in Übergangsgebieten von Savannen zu Galeriewäldern und halten sich meist in der Nähe von Termitenhügeln auf. Der Fund biete die Chance, mehr über die evolutionären Zusammenhänge dieser Tierfamilie zu verstehen. „Leider schreitet in der Gegend die Naturzerstörung so schnell, voran, dass viele Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden“, so Daniel Cuentas.
Für den WWF ist das Auftauchen des Frosches ein deutliches Indiz für den hohen biologischen Wert der Region. Savannen und Feuchtgebiete werden in Plantagen umgewandelt und trocken gelegt. Hier wird zunehmend Palmöl angebaut und die Rinderzüchter dringen mit immer größeren Herden in bislang unberührte Savannen und Waldgebiete vor. „Vor diesem Hintergrund ist eine sorgfältige Landnutzungsplanung zwingend erforderlich“, unterstreicht Ilka Petersen vom WWF Deutschland. Ziel ist es, die Gebiete mit der höchsten Biodiversität zu identifizieren und unter Schutz zu stellen.
Einen offiziellen Namen hat der Frosch aus dem Pool noch nicht. Klar ist aber: er gehört zu den Microhylidae, den Engmaulfröschen. Sie kommen nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in Afrika, Asien und Australien vor. Den endgültigen Beweis, ob es sich tatsächlich um ein neues Mitglied, dieser mehr als 400 Arten umfassenden Großfamilie handelt, muss ein Gentest bringen. Bis dahin nennen die WWF-Forscher die Amphibie nach seinem Entdecker: Camilo IV. Ein Vorname, den auch schon Vater und Großvater des kindlichen Froschforschers tragen.
Die WWF-Expedition war Teil des Sulu-Projekts, das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums gefördert wird (www.globallandusechange.org).

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