Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

24.03.2014, Justus-Liebig-Universität Gießen
Neuer Blutparasit bei Seevögeln
Arbeitsgruppe von JLU-Biologin Prof. Petra Quillfeldt beschreibt neue Art
Im Rahmen einer Kooperation mit mexikanischen und spanischen Kollegen haben Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Verhaltensökologie und Ökophysiologie der Justus-Liebig- Universität Gießen (JLU) einen neuen Blutparasiten beschrieben. Dieser befällt Sturmschwalben, die als die kleinsten Vertreter der Seevögel mit den Albatrossen verwandt sind. „Wir waren auf einen älteren Literaturhinweis gestoßen, der einen bei Vögeln seltenen Blutparasiten der Gattung Hepatozoon bei Sturmschwalben im Pazifik vor der Küste Mexikos erwähnte“, berichtet Prof. Dr. Petra Quillfeldt vom Institut für Tierökologie und Spezielle Zoologie. „Wir waren darüber sehr verwundert, da die einzigen Verwandten mit einem Hepatozoon-Befall, die Wanderalbatrosse, auf Inseln rund um die Antarktis brüten.“
Nach einer Expedition zu den Brutgebieten auf abgelegenen Inseln wurde aus der Vermutung Gewissheit. „Es handelt sich um eine neue Art, bei der die Parasiten die roten Blutkörperchen der Sturmschwalben befallen. Die vorher beschriebene Art Hepatozoon albatrossi befällt dagegen weiße Blutkörperchen der Albatrosse.“ Der neue Parasit wurde Hepatozoon peircei genannt, in Anerkennung der Leistungen von Michael Peirce, der sich seit den 1970er Jahren dem Studium der Blutparasiten der Vögel widmet.
Viele Vögel werden sehr regelmäßig mit Blutparasiten infiziert, vor allem mit den Malaria-artigen der Gattung Plasmodium. Diese werden von Stechmücken übertragen. Bei Seevögeln ist der Befall unter anderem daher geringer, weil Mücken selten auf dem Meer und auf den entlegenen ozeanischen Inseln vorkommen, die den Seevögeln als Brutgebiete dienen. Andere potentielle Überträger wie Zecken sind dagegen in den Seevogelkolonien häufig anzutreffen und werden auch als wahrscheinlicher Überträger von Hepatozoon peircei vermutet. Weitere Untersuchungen sollen den Lebenszyklus des Blutparasiten aufklären.
Publikation
Merino, S., Martínez, J., Masello, J.F., Bedolla,, Y. & Quillfeldt, P. (in press) First molecular characterization of a Hepatozoon species (Apicomplexa: Hepatozoidae) infecting birds and description of a new species infecting storm petrels (Aves: Hydrobatidae). Journal of Parasitology.

25.03.2014, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Wie gut hören Kegelrobben?
TiHo-Wissenschaftler erforschen das Hörvermögen der Meeressäuger.
Wissenschaftler aus dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) erforschen unter der Leitung von Professorin Dr. Ursula Siebert und Dr. Andreas Ruser das Hörvermögen von Kegelrobben (Halichoerus grypus). Erste Ergebnisse haben sie im Online-Fachmagazin Plos one veröffentlicht (http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0090824). Finanziert hat die Untersuchungen das Bundesamt für Naturschutz (BfN), um das Wissen über die Auswirkungen von Unterwasserlärm auf Meeressäugetiere zu vergrößern. Sie sind Teil eines mehrjährigen, umfangreichen Forschungsprogramms des BfN. Das Messsystem wurde von der Wehrtechnischen Dienststelle 71 der Deutschen Bundeswehr gefördert.
„Wir müssen dringend mehr darüber erfahren, wie gut und in welchem Frequenzbereich Kegelrobben hören“, sagt Institutsleiterin Professorin Dr. Ursula Siebert. „Die letzte wissenschaftliche Veröffentlichung dazu stammt aus dem Jahr 1975.“ Die Lärmbelastung im Meer nimmt immer mehr zu: Schiffsverkehr, Bauarbeiten im Meer, Sprengungen, Schallkanonen, mit denen nach Erdöl gesucht wird, oder der Einsatz von Sonargeräten belasten die Tiere. Um die Auswirkungen des Unterwasserlärms auf die Tiere beurteilen zu können, benötigen die Wissenschaftler exakte Daten über das Hörvermögen der Kegelrobben. Diese Robbenart gehört mit Schweinswalen und Seehunden zu den häufigsten marinen Säugetieren in der Nord- und Ostsee.
Für ihre aktuelle Studie untersuchten die Wissenschaftler sechs Kegelrobben aus Aufzuchtstationen. Dr. Andreas Ruser erklärt: „Im Grunde sind wir nach dem Prinzip verfahren, das wir vom Ohrenarzt kennen.“ Da Tiere aber im Gegensatz zum Menschen nicht sagen können, wann sie einen Ton hören, war die Herausforderung für die Wissenschaftler, herauszufinden, ob die Robben einen Ton wahrnehmen oder nicht. Die Wissenschaftler sedierten die Kegelrobben kurz bevor sie ausgewildert werden sollten. Dann spielten sie ihnen Töne vor und maßen die Nervenimpulse, die von der Hörschnecke (Cochlea) an den Hörnerv weitergeleitet werden. Waren die Tiere wieder wach, konnten sie ausgewildert werden.
Da Robben im sedierten Zustand ihren äußeren Gehörgang verschließen, ist es nicht möglich, sie über Lautsprecher zu beschallen. „Wir haben deshalb speziell angepasste In-ear-Kopfhörer benutzt“, erklärt Ruser. Die Forscher fanden heraus, dass Kegelrobben, ähnlich dem Menschen, in einem Frequenzbereich zwischen 1.000 und 20.000 Hertz hören können und in dem Bereich größer als 3.000 Hertz wesentlich sensitiver sind, als es bislang bekannt war. Zudem gibt es noch nicht bestätigte Hinweise, dass Kegelrobben auch über 20.000 Hertz hören können. „Mit dieser Methode können wir an wilden Tieren allerdings ausschließlich ein sogenanntes Luftaudiodiagramm erstellen, also nur Messungen an der Luft durchführen. Unter Wasser werden Schallwellen anders übertragen. Wir vermuten daher, dass Kegelrobben unter Wasser in noch höheren Frequenzen hören.“
Diesen Unterschied möchten Ruser und seine Kollegen als Nächstes mit trainierten, in Menschenhand gehaltenen Kegelrobben an der „University of Southern Denmark, Odense“ untersuchen: Die Kegelrobben müssen dafür zunächst über Wasser, dann unter Wasser „lernen“ zu signalisieren, ob sie etwas hören. So sollen die Robben trainiert werden, eine festgelegte Reaktion zu zeigen, sobald sie einen Ton hören. Dieses Training findet in den Becken der jeweiligen Robbenanlagen statt. Den Kegelrobben werden die Töne dann unter kontrollierten Bedingungen an der Luft mittels Kopfhörern oder Lautsprechern und unter Wasser mittels Lautsprechern oder Hydrophonen vorgespielt. „Wir sind gespannt auf die weiteren Ergebnisse, insbesondere zum Hörvermögen der Robben unter Wasser“, so Professorin Siebert. „Wir hoffen auf belastbare Aussagen, inwieweit Robben durch die zunehmende Lärmbelastung in Nord- und Ostsee betroffen sind.“
Die Originalpublikation
In-air evoked potential audiometry of grey seals (Halichoerus grypus) from the North and Baltic Seas
Andreas Ruser, Michael Dähne, Janne Sundermeyer, Klaus Lucke, Dorian S. Houser, James J. Finneran, Jörg Driver, Iwona Pawliczka, Tanja Rosenberger, Ursula Siebert
Plos one, DOI: 10.1371/journal.pone.0090824

26.03.2014, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Auf den Spuren des Dschingis Khan der Braunbären: Y-Chromosomen offenbaren weitreichenden Genfluss
Männliche Bären durchstreifen viel größere Gebiete als Weibchen. Paaren sie sich dann fern ihres Geburtsortes, streuen sie ihre Erbanlagen über große geographische Distanzen. Deshalb ist das männlich vererbte Y-Chromosom eine wertvolle Informationsquelle: Damit können Wanderungsrouten und Populationsstruktur untersucht und genetische Unterschiede zwischen Bärenarten entschlüsselt werden. Wissenschaftler des Frankfurter LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums nutzten dies jetzt, um mittels der Analyse des Y-Chromosoms erstmals die männliche Seite der Evolution von Braun- und Eisbären zu beleuchten. Die Studie erscheint heute in der Fachzeitschrift Molecular Biology and Evolution.
In der neuen Studie wurde erstmals speziell die männliche Seite der Geschichte der Bärenevolution untersucht. Vieles von dem, was wir heute über die Populationsstruktur von Säugetieren wissen, beruht allein auf Daten, die aus mütterlich vererbter DNA aus den Mitochondrien (“Kraftwerke der Zelle”) gewonnen wurden. Dies ergibt jedoch ein verzerrtes Bild: Das stark ausgeprägte Wanderverhalten der Männchen vieler Säugetierarten führt dazu, dass diese ihr genetisches Material über viel größere geographische Distanzen verbreiten als die Weibchen. Bisher hatten Genetiker, basierend auf Analysen mütterlich vererbter DNA, den Braunbär als eine Art mit deutlichen Unterschieden zwischen verschiedenen geographischen Regionen beschrieben. Jetzt ist klar, dass dies nur für rein mütterlich vererbte Gene gilt und nicht für die Art als Ganzes repräsentativ ist.
Wissenschaftler um den Frankfurter Evolutionsbiologen Axel Janke vom LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) entwickelten mit Hilfe des kürzlich sequenzierten Eisbärgenoms männchen-spezifische Marker und analysierten mehrere Regionen des Y-Chromosoms von 130 Braun-, Eis- und Schwarzbärindividuen aus deren gesamtem Verbreitungsgebiet, das Europa, Asien und Nordamerika umfasst.
Wenn Bärengene auf Reisen gehen
Die Frankfurter Forscher fanden Anzeichen für einen ausgeprägten männlichen Genfluss, der zur Verbreitung einzelner Y-Chromosomen über riesige Distanzen geführt hat. Zu ihrer Überraschung weisen beispielsweise ein Braunbär aus Norwegen und ein Individuum der ABC-Inseln vor der Küste Alaskas trotz der großen Distanz fast identische Y-Chromosomen auf. Dies legt nahe, dass sich eine männliche Braunbärenlinie über das gesamte holarktische Verbreitungsgebiet hinweg ausgebreitet hat. „Dieses Verbreitungsmuster in Braunbärenpopulationen erstreckt sich über noch größere geographische Distanzen, als dies durch vergleichbare Analysen bei Menschen festgestellt wurde“, betonen die Autoren Tobias Bidon und Frank Hailer. „Diese wiesen die Y-chromosomalen Erblinien der Reiter Dschingis Khans, des Gründers des Mongolenreichs, in weiten Teilen Asiens nach”. Die Y-Chromosomen der Bären sind also noch weiter verbreitet als die der weit herumgekommenen Eroberer.
Braun- und Eisbär: seit langer Zeit getrennte Linien
In der Studie wird außerdem die Aufspaltung der männlichen Erblinien von Braun- und Eisbär neu datiert und auf etwa 0,4 bis 1,1 Millionen Jahre geschätzt. Die Daten belegen, dass Braun-, Eis- und Schwarzbären schon seit langer Zeit klar voneinander getrennte evolutionäre Linien sind. Insgesamt zeigt die Studie, dass das bislang in der Forschung vernachlässigte Y-Chromosom eine höchst wertvolle Informationsquelle ist, um die Evolution von Bären und anderen Säugetieren zu verstehen.
Publikation:
Bidon T, Janke A, Fain SR, Eiken HG, Hagen SB, Saarma U, Hallström BM, Le-comte N, Hailer F. (2014): Brown and polar bear Y chromosomes reveal exten-sive male-biased gene flow within brother lineages. – Molecular Biology and Evolution, DOI 10.1093/molbev/msy109

26.03.2014, Gemeinsame Pressemitteilung von BMUB und BfN
Hendricks: „Die Weichen für mehr Naturschutz stellen“
Bundesnaturschutzministerin Barbara Hendricks will die Weichen für mehr Naturschutz in Deutschland stellen. „Wenn wir gefährdete Tiere und Pflanzen in Deutschland erhalten wollen, brauchen wir eine Kurskorrektur in mehreren Bereichen“, sagte Hendricks bei der Vorstellung der neuen Berichte zur Lage der Natur. Die jüngste Bestandsaufnahme zeige neben einigen Erfolgen auch, dass mehr für den Naturschutz getan werden müsse. Als Handlungsfelder benannte Hendricks die Energiepolitik, die Landwirtschaft und den Hochwasserschutz.
„Der Natur geht es in manchen Teilen besser. Wir haben zum Beispiel wieder mehr Wildkatzen oder Seeadler. Hier zeigt sich, dass im Naturschutz Erfolge möglich sind. In anderen Bereichen geht es der Natur dagegen besorgniserregend schlecht. So leiden viele Arten wie Schmetterlinge oder Bienen darunter, dass blütenreiche Wiesen in Maisäcker umgewandelt werden“, sagte Hendricks.
Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN): „Der Natur in den Alpen und den Felsküsten geht es überwiegend gut. Aber die landwirtschaftlich genutzten Lebensräume sind aus Naturschutzsicht überwiegend in einem schlechten Zustand. Es gehen zu viele Grünlandflächen verloren und damit wichtige Lebensräume für eine Vielzahl von gefährdeten Arten. Wir spüren auch die Folgen des Verlustes der Flussauen. Denn Flussauen schützen nicht nur die Menschen vor Hochwasser, sie sind auch für viele Tiere und Pflanzen überlebenswichtig.“
Grundsätzlich ist der Naturschutz in Deutschland Ländersache. Aber auch der Bund könne einiges tun, sagte Hendricks. Als Beispiel nannte sie ein neues Programm zum „Präventiven Hochwasserschutz“, an dem das Bundesumweltministerium derzeit mit den Ländern arbeite. Wenn man den Flüssen mehr Raum gebe, sei das gut für Hochwasserschutz und Naturschutz gleichermaßen. „Ich bin dafür, dass wir den ökologisch wertvollen Maßnahmen, den Deichrückverlegungen und der Renaturierung von Flussauen beim Hochwasserschutz Priorität einräumen“, so die Ministerin.
Ambitioniertes Handeln sei auch im Bereich Landwirtschaft nötig, so Hendricks. Die Landwirtschaft ist für 54 Prozent der Landfläche in Deutschland verantwortlich. Damit habe sie auch eine besondere Verantwortung für die biologische Vielfalt. So müssten im Rahmen der Agrarreform die Weiden und Wiesen besser geschützt werden vor einer Umwandlung in Äcker.
Dafür müsse auch der Trend zum Anbau von immer mehr Energiepflanzen gestoppt werden. „Bereits heute wachsen auf mehr als 17 Prozent der deutschen Ackerfläche Energiepflanzen – das reicht“, so die Ministerin. Neue Biogasanlagen müssten daher mit Abfall- und Reststoffen gefüllt werden und nicht mehr mit Mais. „Wir müssen die weitere Vermaisung der Landschaft beenden“, sagte Hendricks. Auch ein weiterer Ausbau der Biokraftstoffe der ersten Generation sei für den Naturschutz gefährlich.
Zusatzinformationen:
Grundlage für die Analyse ist ein im Naturschutz bislang einmaliger Datenschatz: In rund 12.000 Stichproben haben Naturschützer und Behörden bundesweit den Zustand von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen erforscht, die über die europäischen FFH- und Vogelschutzrichtlinien geschützt sind. Aus den Daten lassen sich aber auch Rückschüsse auf die Lage der Natur in Deutschland insgesamt ziehen.
25 Prozent der untersuchten Arten sind in einem günstigen Erhaltungszustand, darunter der Biber, die Kegelrobbe oder der Steinbock. 29 Prozent sind in einem schlechten Zustand, das betrifft vor allem Schmetterlinge, Amphibien und Wanderfische. Bei den Lebensräumen sind 28 Prozent in einem günstigen Zustand, vor allem die Wälder haben sich stabilisiert. In einem schlechten Zustand befinden sich insgesamt 31 Prozent der untersuchten Lebensräume, besonders Wiesen und Weiden.
Ein ausführliches Informationspapier „Zur Lage der Natur in Deutschland“, die Ergebnisse von FFH- und Vogelschutzbericht sowie Steckbriefe ausgewählter Arten und Lebensräume finden Sie unter www.bmub.bund.de/p2976

26.03.2014, NABU
Deutschlands Natur blutet aus – Aktuelle Zustandsberichte sind alarmierend
Der NABU hat die am heutigen Mittwoch von Bundesumweltministerin Hendricks vorgestellten Berichte zum Zustand der Natur in Deutschland als Alarmsignal gewertet. Die Lage sei noch dramatischer als erwartet. „Zahlreiche Vogelarten, die hierzulande einst weit verbreitet waren, sind akut gefährdet. Ihre Lebensräume verschwinden immer schneller“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
Die Berichte, die die Bundesregierung für die EU-Kommission erstellt hat, beschreiben erstmals im Detail den Zustand von Tieren, Pflanzen und ihren Lebensräumen, mit zum Teil gravierenden Resultaten. Beispiel Vogelwelt: Demnach schrumpft hierzulande der Bestand jeder dritten Art – und das mit zunehmendem Tempo. So verschwanden in den vergangenen zwölf Jahren über die Hälfte aller Kiebitze und ein Drittel der Feldlerchen. In der intensiv bewirtschafteten Landschaft finden sie kaum mehr Nahrung und geeignete Brutplätze.
Auch abseits der Vogelwelt zeichnet der Bericht ein dramatisches Bild. Demzufolge haben in Deutschland rund 60 Prozent aller anderen durch das EU-Recht geschützten Tier- und Pflanzenarten große Probleme. Von den Lebensräumen sind sogar 70 Prozent in einem schlechten oder unzureichenden Zustand. Und der Trend ist weiter negativ: Wichtige Lebensräume wie artenreiche Wiesen werden in Maisäcker umgewandelt. Alte Eichenwälder werden zu Holzplantagen und die letzten Sanddünen im Binnenland wuchern zu, weil ihnen die traditionelle Beweidung fehlt. „Die neuen Daten zeigen ganz klar, wie die Natur bei uns schleichend verarmt. Das muss ein Weckruf für die Politik sein“, so Tschimpke.
Und offenbar könnte das Ergebnis sogar noch schlechter sein. So zweifelt der NABU die in den Berichten recht positiv bewertete Situation der Buchenwälder an. „Bund und Länder scheinen beim Bericht großzügige Bewertungskriterien angewendet zu haben. Uns ist bekannt, dass viele Bundesländer auch eintönige und viel zu junge Wirtschaftsforste häufig als gesunde Wälder bezeichnen, obwohl in ihnen kaum Artenvielfalt vorhanden ist. Wir hoffen, dass die EU-Kommission hier Nachbesserungen einfordert“, so der NABU-Präsident.
Die Hauptgründe für die Misere sieht der NABU in schädlichen Agrarsubventionen, unzureichenden Schutzgebietsbestimmungen und den personell und finanziell immer schlechter ausgestatteten Naturschutzverwaltungen. „Obwohl wir in der EU das wahrscheinlich beste Naturschutzrecht der Welt haben, mangelt es schlicht am Willen der zuständigen Bundesländer, es auch umzusetzen“, kritisierte Tschimpke. Erst in der vergangenen Woche hatten NABU und BUND die Naturschutzpolitik der einzelnen Bundesländer analysiert und dabei gravierende Versäumnisse offengelegt („Biodiversitäts-Check“ der Bundesländer – http://bit.ly/1m3S2Qe).
Der Bericht der Bundesregierung zeigt aber auch punktuelle Erfolge, nämlich genau dort wo der Naturschutz konsequent durchgesetzt und finanziert wird. Nutznießer sind etwa der Biber, die Wildkatze und einige Fischarten wie Barbe oder Steinbeißer. Sie konnten sich dank der EU-Vorgaben zur Ausweisung von Schutzgebieten, zur Regulierung der Jagd und zum Gewässerschutz erholen. Das gleiche gilt für einige Vogelarten: Das deutsche Wappentier, der Seeadler, aber auch Kranich, Wanderfalke und einige andere von der EU-Vogelschutzrichtlinie besonders geschützte Arten feiern derzeit spektakuläre Comebacks.
Angesichts der insgesamt aber dramatischen Lage fordert der NABU eine Naturschutzoffensive von den zuständigen Landesregierungen. „Vor allem die Natura-2000-Schutzgebiete müssen viel besser überwacht, betreut und finanziert werden. Andernfalls wird Deutschland sein international gegebenes Versprechen brechen, den Rückgang der biologischen Vielfalt bis 2020 zu stoppen und umzukehren. Nach den heute veröffentlichten Daten hat sich die Bundesrepublik jedenfalls weiter denn je von diesem Ziel entfernt“, so Tschimpke.

26.03.2014, Deutsche Wildtier Stiftung
Vor Ostern wird aus Ackerland ein Hasen-Friedhof!
Deutsche Wildtier Stiftung: Zahl toter Junghasen geht in die Hunderttausende
Alle Jahre wieder vor Ostern bereitet der Landwirt den Acker für die Aussaat vor. Ackerland, auf dem Mais, Zuckerrüben und Sommergetreide angebaut werden, wird jetzt gepflügt, geeggt und bepflanzt. Auf Grünland wird der Boden gewalzt und geschleppt. Unter den tonnenschweren Maschinen, die kein Stück Land unbearbeitet lassen, sterben die Junghasen: Sie werden zerquetscht und zerstückelt, untergepflügt und von spitzen Zinken zerrissen.
Niemand zählt die „Bauernopfer“ unter den Junghasen. „Ihre Zahl geht sicher in die Hunderttausende“, vermutet Dr. Andreas Kinser, Feldhasenexperte der Deutschen Wildtier Stiftung. So verwandeln sich Acker- und Grünlandflächen im Frühling in Killing-fields für Jungtiere. Und es sind nicht nur junge Feldhasen, die der Arbeit der Landwirte zum Opfer fallen: „Bodenbrüter wie Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche erwarten im Frühjahr die nächste Vogel-Generation. Ihre Gelege werden durch die Arbeit zerstört, die gerade geschlüpften Küken getötet“, sagt Kinser. Für Jungtiere, die vor der Gefahr nicht fliehen können, ist der Frühling die gefährlichste Zeit des Jahres.
Verluste durch landwirtschaftliche Arbeiten hat es unter Wildtiere immer schon gegeben, aber sie können bis zu einem gewissen Maße kompensiert werden. Doch durch den verstärkten Anbau von Mais zur Biogasgewinnung hat sich die Situation der Wildtiere wieder weiter verschärft. „Den Tieren fehlt es in unserer Agrarlandschaft an Hecken und Altgrasstreifen, die Jungtieren eine bessere Chance zum Überleben bieten“, so Kinser. Bei einer wildtierfreundlichen Landwirtschaft können beispielsweise Mischungen aus Wildpflanzenarten als Ergänzung zum Mais das Leben vieler Jungtiere retten. „Blütenreiche, mehrjährige Wildpflanzen müssen nicht in jedem Frühjahr neu ausgesät werden; sie bieten Wildtieren Nahrung und Deckung in den folgenden Jahren“, sagt Kinser.
Die Agrarpolitik könnte Weichen in die richtige Richtung stellen: „Wir fordern alle Bundesländer auf, Mittel für den Anbau mehrjähriger Wildpflanzenmischungen als alternative Energiepflanzen bereitzustellen“, so Kinser. „Landwirte würden einen Ausgleich für wirtschaftliche Einbußen durch wildtierfreundliche Anbauverfahren erhalten – und die Jungtiere hätten eine Chance, das Frühjahr zu überleben.“

26.03.2014, Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg
Schafe und Damwild vor Wölfen schützen: IFAW finanziert Beratung
Eine Beratung für Nutztierhalter zum besseren Schutz vor Übergriffen durch Wölfe startet der IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) dieser Tage in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark, Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz.
Potsdam (agrar-PR) – Die Wolfsbeauftragten Torsten Fritz und Constanze Eiser wollen bis Mitte Juni insgesamt 51 Tierhalterinnen und Tierhalter beraten und Tipps für die Praxis geben.
Bereits im Juni 2010 wurde zwischen dem brandenburgischen Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz und dem IFAW eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossenen. Das unterstützende Beratungsangebot ist Bestandteil dieser Vereinbarung. Es soll einerseits zur Akzeptanz und damit zum Schutz des Wolfes beitragen, andererseits Umsetzung der Regelungen, die im aktuellen Wolfsmanagementplan des Landes Brandenburg getroffen worden sind, unterstützen.
„Wölfe sind längst nichts Ungewöhnliches in Brandenburg mehr“, sagt Umweltministerin Anita Tack. „Mögliche Schäden an Haustierbeständen lassen sich durch konsequente Präventionsmaßnahmen deutlich reduzieren. Das Landesamt und unsere Kooperationspartner setzen die intensive Beratung der Tierhalterinnen und Tierhalter fort für einen besseren Schutz vor Wolfsübergriffen.“
Die Beratungen konzentrieren sich in diesem Jahr auf die Landkreise Potsdam-Mittelmark, Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz und tragen der aktuellen Verbreitung des Wolfs in diesen Regionen Rechnung. So ist im Bereich Göritz/Klepzig im südlichen, an Sachsen-Anhalt angrenzenden Bereich von Potsdam-Mittelmark seit 2012 ein neues Rudel Wölfe unterwegs. Zudem etablieren sich einzelne Wölfe und Wolfsrudel zunehmend auch in der südwestlichen Niederlausitz, insbesondere in den Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz. Viele der Nebenerwerbshalter dort haben noch keine Erfahrung mit dem Schutz ihrer Tiere. Präventive Maßnahmen zu Schadensverhütung und Konfliktbewältigung stehen deshalb auch im Mittelpunkt des Wolfsmanagementplans des Landes.
„Eine an die individuelle Situation angepasste, praxisorientierte Beratung ist sehr wichtig“, erklärt Robert Kless, IFAW Wolfsexperte und Projektbetreuer. „Nur so kann ein optimaler Schutz der Tiere vor Wolfsübergriffen erreicht werden. Zusätzlich helfen wir den Haltern bei Anträgen auf öffentliche Fördergelder zur Finanzierung der Schutzmaßnahmen.“
Mit seinem Projekt unterstützt der IFAW gezielt Nebenerwerbs- und Hobbyschäferinnen und -schäfer in Wolfsgebieten und klärt sie auf. Die enge Zusammenarbeit mit denjenigen, die unmittelbar von der Rückkehr der Wölfe betroffen sein könnten, ist wichtig, um die Akzeptanz für Wölfe zu verbessern. Bereits seit 2001 informiert der IFAW die Öffentlichkeit zum Thema Wolf und finanziert Wolfsmonitoring in Sachsen und Brandenburg. Ziel aller Bemühungen ist eine friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Wölfen.

27.03.2014, Max-Planck-Institut für chemische Ökologie
Die ersten Insekten konnten noch nicht richtig riechen
Geruchsrezeptoren in der Art moderner Insekten sind in der Evolution lange nach der Besiedelung des Festlands entstanden.
Der Geruchssinn ist für Insekten überlebenswichtig. Nur wenn sie kleinste Spuren chemischer Signale wahrnehmen, können sie ihre Nahrung finden, mit Artgenossen kommunizieren und sich vor Fressfeinden schützen. Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena zufolge haben sich viele Proteine zur sensiblen Wahrnehmung von Gerüchen bei Insekten trotzdem erst relativ spät entwickelt. Das komplexere Geruchssystem moderner Insekten ist demnach nicht wie ursprünglich angenommen eine Anpassung an ein Leben außerhalb des Wassers. Vielmehr fand die Entstehung der hochsensiblen Geruchswahrnehmung zu einem späteren Zeitpunkt in der Evolution von Insekten statt, vermutlich als Insekten das Fliegen lernten. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Open Access Zeitschrift eLife veröffentlicht. (eLife, 26. März 2014, doi: 10.7554/elife.02115)
Viele Insektenarten nutzten drei Familien von Rezeptorproteinen, um die vielen unterschiedliche Gerüche in ihrer Umgebung wahrzunehmen. Dazu zählen die Odorant-Rezeptoren. Sie bilden einen funktionellen Komplex mit einem anderen Protein, dem sogenannten Odorant-Rezeptor-Co-Rezeptor, der den Insekten eine hochempfindliche und schnelle Wahrnehmung von Umgebungsdüften ermöglicht.
Krebse und Insekten stammen von denselben Vorfahren ab. Da Krebse keine Odorant-Rezeptoren haben, gingen Wissenschaftler bislang immer davon aus, dass sich diese Rezeptoren im Zuge das Landgangs früher Insekten entwickelt haben. Diese These basiert auch auf der Annahme, dass für die Vorfahren der heutigen Insekten die Fähigkeit überlebenswichtig war, Duftmoleküle in der Luft und nicht mehr in Wasser aufgelöst wahrzunehmen.
Bisherige Forschungsarbeiten zu Geruchsrezeptoren von Insekten haben sich auf geflügelte Insekten konzentriert. Wissenschaftler um Ewald Große-Wilde und Bill Hansson aus der Abteilung Evolutionäre Neuroethologie am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie haben jetzt die Geruchswahrnehmung von evolutionsgeschichtlich älteren, flügellosen Insekten genauer unter die Lupe genommen: des Felsenspingers Lepismachilis y-signata und des ebenfalls ungeflügelte Ofenfischchens Thermobia domestica sowie des Wandelnden Blatts Phyllium siccifolium, das zu den geflügelten Insekten zählt. Da alle drei untersuchten Insektenarten zu unterschiedlichen Zeiten in der Evolutionsgeschichte der Insekten entstanden sind, wollten die Forscher Rückschlüsse auf den Zeitpunkt der Entstehung von Geruchsrezeptoren ziehen.
Christine Mißbach, Erstautorin der Studie, hat die aktiven Gene in den Insektenantennen, auf denen die Geruchsrezptoren sitzen, analysiert.
„Das Ofenfischchen, das am engsten mit den fliegenden Insekten verwandt ist, besitzt erstaunlicherweise verschiedene Co-Rezeptoren, während die Odorant-Rezeptoren selbst fehlen“, stellte sie überrascht fest. Im Felsenspringer dagegen haben die Forscher keinerlei Hinweise auf ein Geruchssystem gefunden, das auf Odorant-Rezeptoren basiert.
„Die für den Geruchssinn moderner Insekten wichtige Rezeptorenfamilie ist demnach nicht im Zuge des Landgangs entstanden, sondern weit später in der Evolution“, fasst Ewald Grosse-Wilde die Ergebnisse zusammen. Die Forscher glauben, dass die eigentlichen Odorantrezeptoren sich wohl unabhängig vom Co-Rezeptor entwickelten, und zwar lange nachdem die Insekten vom Leben im Wasser auf ein Leben an Land übergegangen waren. In weiteren Untersuchungen wollen die Wissenschaftler jetzt herausfinden, warum in manchen Arten nur Co-Rezeptoren vorkommen und welche Funktion sie haben. [AO]
Originalveröffentlichung:
Missbach, C., Dweck, H., Vogel, H., Vilcinskas, A., Stensmyr, M. C., Hansson, B. S., Grosse-Wilde, E. (2014). Evolution of insect olfactory receptors. eLife, doi:10.7554/elife.02115.

26.03.2014, Forschungsverbund Berlin e.V.
Panzernashörner: Genitaltumore reduzieren früh die Fruchtbarkeit weiblicher Tiere
Um die Fortpflanzung des indischen Panzernashorns ist es schlechter bestellt als gedacht. ForscherInnen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) konnten nun gemeinsam mit US-amerikanischen KollegInnen nachweisen, dass bereits im Jungtieralter entstehende gutartige Tumore an Vagina und Gebärmutterhals dafür ursächlich sind. Das hat Konsequenzen für die Zucht in Zoologischen Gärten.
Indische Panzernashörner werden bereits mit drei Jahren geschlechtsreif und können ein stattliches Alter von rund 40 Jahren erreichen. Doch obwohl auch die Weibchen bis ins hohe Alter fortpflanzungsfähig sein sollten, liegt der Zeitpunkt der letzten Geburt im Durchschnitt meist um das 18. Lebensjahr. Das belegen die Aufzeichnungen im internationalen Zuchtbuch für Panzernashörner– dem Stammbuch aller 189 weltweit in Zoos lebenden Nashörner. Darin stießen die ForscherInnen auf eine weitere Kuriosität: Tiere, die schon im Alter von rund fünf Jahren ihr erstes Kalb bekamen, bringen durchschnittlich bis zu sechs Nachkommen zur Welt. Nashörner, die sich erst in höherem Alter fortpflanzen, bekamen jedoch selten mehr als zwei Kälber.
Panzernashorndamen leiden bekanntermaßen häufig unter Genitaltumoren. Für ihre Studie analysierten Robert Hermes, Frank Göritz und Thomas Hildebrandt, alle veterinärmedizinische Wissenschaftler am IZW, und ihre Kollegin Monica Stoops vom Zoo in Cincinnati gemeinsam Ultraschall-Befunde von 23 weiblichen Tieren, die in den vergangenen 20 Jahren teils mehrfach untersucht worden waren. Das Resultat: „Schon mit 13 Jahren hatten alle Tiere Tumoren entwickelt! Sie wuchern zeitlebens meist unkontrolliert weiter bis Vagina und Gebärmutterhals mechanisch zugewachsen sind.“ Ein Prozess, der mit Nekrosen und Entzündungen einhergehen kann. „Abgesehen davon, dass dies im Endstadium für das Nashorn sehr schmerzhaft sein kann: der Deck-Akt wird praktisch unmöglich und die Spermienpassage ist nicht mehr gegeben“, erläutert Hermes.
Die ForscherInnen suchten nun nach einem Organismus mit vergleichbaren Tumoren und wurden bei einem ungewöhnlichen Modelltier fündig – dem Menschen. „80 Prozent aller Frauen haben mit Eintritt in die Menopause solche Myome. Diese können bereits in der Pubertät entstehen und wachsen in Abhängigkeit von der Eierstockaktivität. Anders als beim Nashorn sitzen diese großteils gutartigen Tumoren jedoch in der Gebärmutter und bleiben bei der Frau meist ohne Symptome“, erklärt Hermes. Myome wachsen während der Schwangerschaft und Stillzeit wegen der besonderen hormonellen Situation nicht weiter. Zudem haben Frauen, die mindestens ein Kind zur Welt brachten, ein um 40 Prozent vermindertes Risiko, Myome zu entwickeln.
Durch diese Analogie wird verständlich, warum Panzernashornweibchen, die früh trächtig werden, viel mehr Nachkommen produzieren als die „Spätzünder“: Die Trächtigkeit hemmt das Tumorwachstum. Auch eine Therapie für Tiere, die wegen besonders großer Tumoren unter Entzündungen und Schmerzen leiden, ist damit in Sicht. „Wir können sie künstlich in die Menopause schicken, indem wir die Ovar-Aktivität medikamentös unterbinden“, sagt Hermes.
Panzernashörner sind vom Aussterben bedroht. Nur noch 2.900 Tiere leben in freier Wildbahn. „Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass sie sich in Freiheit besser fortpflanzen als in Gefangenschaft“, sagt Robert Hermes. „Zoologische Gärten tragen die Verantwortung für eine erfolgreiche Zucht, bei der die genetische Vielfalt der gesamten Population genutzt wird. Es wäre fatal für die Diversität, wenn aufgrund der frühzeitig auftretenden Tumorerkrankung nur einige wenige Tiere viele, aber die meisten nur wenige oder gar keine Nachkommen bekommen.“ Darum verbinden die AutorInnen mit der Studie auch die dringende Empfehlung, bereits sehr früh mit der Zucht zu beginnen und die Bedingungen zu optimieren, damit die Tiere trächtig werden können.
In den meisten Zoologischen Gärten wird zu lange abgewartet, bis es von allein zur Paarung kommt – manchmal 12 oder 13 Jahre, bedauert Hermes. „Das ist zu spät, denn in diesem Alter haben alle Weibchen bereits Tumoren, und mehr als ein Kalb ist kaum noch zu erwarten“. Da Nashörner im Zoo sehr eng miteinander aufwachsen, haben die Jungtiere meist keinen regelmäßigen Eisprung. Hilfestellung ist also nötig. Vom „hormonellen Anstupser“ bis zur aktiven Unterstützung bei der Partnersuche gibt es eine ganze Palette möglicher Maßnahmen.
Publikation
Hermes R, Göritz F, Saragusty J, Stoops MA, Hildebrandt TB (2014): Reproduction tract tumours: the scourge of woman reproduction ails Indian rhinoceroses. PLOS ONE PONE-D-13-39338R1 10.1371/journal.pone.0092595

27.03.2014, Nationalpark Hohe Tauern
Bartgeiernews: Heuer bereits 2. Jungvogel geschlüpft
Nach magerem Bruterfolg im Jahr 2013 verspricht 2014 ein wahres Bartgeierjahr zu werden.
Matrei (TP/OTS) – Erfreuliches gibt es aus dem Nationalpark Hohe Tauern zu vermelden. Konnten 2013 nicht einmal zwei Jungvögel aus dem Zuchtprogramm in die Freiheit entlassen werden (auch in der Zucht gab es Nachwuchssorgen), so geben 2014 gleich drei Brutpaare im Nationalpark Hohe Tauern Hoffnung auf Nachwuchs.
Im Krumltal in Rauris, am Katschberg in Kärnten und im Gschlößtal in Osttirol brüten 2014 erstmals gleich drei Bartgeierpaare im Nationalpark Hohe Tauern. Letzte Woche schlüpfte ein Küken in Rauris
und seit heute ist es gewiss: Auch am Katschberg hat es einen Bruterfolg gegeben. Im Gschlößtal – sollte alles gut gehen – ist der geplante Schlupftermin für Ende April berechnet.
„Dies ist eine wahre Sensation im Bartgeierprojekt für den Nationalpark Hohe Tauern und zeigt, dass wir mit unserem internationalen Wiederansiedelungsprojekt auf dem richtigen Weg sind“, so LH-Stv. Ingrid Felipe, derzeitige Nationalparkratsvorsitzende und Naturschutzreferentin von Tirol.
„Nach 30 Jahren Auswilderung von Jungvögeln aus dem Zuchtprogramm im gesamten Alpenbogen und bisher mäßigem Bruterfolg in freier Wildbahn im Ostalpenraum trägt die Arbeit nun Früchte“.
Bartgeierexperte Michael Knollseisen, welcher seit Jahren das Projekt und vor allem die jungen Geier hautnah betreut weiß, dass mit dem Schlüpfen noch nicht alle Sorgen vorbei sind: „Gespannt hoffen
wir noch auf einen Bruterfolg in Osttirol und dass auch in den ersten kritischen Wochen/Monaten nach dem Schlüpfen die jungen Eltern alles richtig machen. In diese Zeit reagieren die Eltern sehr sensibel auf die geringsten Störungen. In Kärnten und Salzburg haben die Paare schon Erfahrung in der Aufzucht. In Osttirol hat sich ein neues Paar gefunden, welches die Elternrolle erst noch lernen muss.“
Seit 1986 werden Jungvögel im gesamten Alpenraum wiederangesiedelt. Der Nationalpark Hohe Tauern war von Anfang an mit dabei. Die erste alpenweite Freilassung gab es im Krumltal in Rauris.
Bis heute wurden 189 Bartgeier aus Züchtungen freigelassen – 54 davon im Nationalpark Hohe Tauern. 1997 kam es zur ersten erfolgreichen Freilandbrut in Frankreich. Erst 2010 gab es die erste erfolgreiche
Freilandbrut im Nationalpark Hohe Tauern. Bis Anfang 2014 schlüpften im Nationalpark Hohe Tauern 3 Jungvögel in Freiheit.
Auch 2014 wird es voraussichtlich im Juni in Kals am Großglockner/Osttirol wieder eine Freilassung zweier Jungvögel im Nationalpark geben. Bartgeierexperte Michael Knollseisen wird den Werdegang der Jungtiere wieder mitverfolgen. Interessierte können am eigens eingerichteten Informations- und Beobachtungsstand dann wieder den Horst beobachten und alles über die Bartgeier der Hohen Tauern
erfahren.
Aktuell sind 4 Bartgeier im Nationalpark Hohe Tauern besendert und liefern Daten über ihren Aufenthaltsort. Unter http://www.hohetauern.at/de/online-service/bartgeier-online.html können die Routen und Aufenthaltsorte mitverfolgt werden. Zusätzlich gibt es dort auch alle 1 – 2 Wochen neueste Informationen über die Geier.

28.03.2014, Pfotenhilfe
Pfotenhilfe informiert: Insektenhotels bringen ein Stück Natur zurück in Ihren Garten
Wien (OTS) – Durch den intensiven menschlichen Eingriff in die Naturlandschaft, unter anderen durch Pestizideinsatz im Acker- und Gartenbau, aber auch durch die vorhandene Tendenz zum „aufgeräumten“ Garten, sind die natürlichen Insektenlebensräume nur noch sehr eingeschränkt vorhanden. Dadurch wird der Lebensraum der Nützlinge immer kleiner wird und die Artenvielfalt der heimischen Insekten nimmt ab.
Gemähte Wiesen und gestutzte Sträucher stehen heutzutage bei Gartenbesitzern immer mehr für einen „gepflegten“ Garten. Vergessen wird dabei jedoch oft, dass bestimmte Insekten wie Wildbienen, Wespen, Florfliegen oder Ohrwürmer nicht nur nützlich, sondern auch für die Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts der Natur notwendig sind. Nur durch bestimmte Insekten werden Blüten bestaubt und Schädlinge natürlich bekämpft. Daher sind unter anderen auch Äpfel, Birnen, Marillen und Kirschen von der Blütenbestäubung durch Insekten abhängig. Einige dieser kleinen Tiere stehen mittleiweile schon auf der Liste für gefährdete Arten. Sogar 60 Prozent der heimischen Falterarten sind mittlerweile gefährdet.
„Sie müssen Ihren Garten nicht verwildern lassen, wenn sie ihm wieder ein Stück Natur zurückbringen möchten. Der beste Weg dazu ist, sich ein Insektenhotel anzuschaffen“ erklärt Sascha Sautner, Sprecher der Pfotenhilfe. Wenn man etwas handwerkliches Geschick besitz, kann man sich ein Insektenhotel auch mit wenigen Handgriffen selber bauen.
Im Internet findet man dazu jede Menge Bauanleitungen, der Phantasie und Größe sind dabei keine Grenzen gesetzt. Typische Materialien hierfür sind beispielsweise Baumscheiben, Äste, Holzwolle, Baumrinden, Stroh, Schilfrohr und Lehm. Das Material und der Anbringungsort des Insektenhotels wird abhängig davon ausgesucht, welchen Insektenarten man ein Zuhause bieten will – wichtig ist nur, dass sie an wind- und regengeschützten Orten montiert werden, damit
die Kästen nicht zu schimmeln beginnen. Heime mit Föhrenzapfen eignen sich zum Beispiel bestens für Marienkäfer und in der unmittelbaren Nähe sollten sich Klee- oder Liliengewächse befinden. Schmetterlinge wiederum benötigen ein Übernachtungsquartier aus Massivholz mit einem dünnen, länglichen Spalt. Sie ernähren sich unter anderem von
Brennnesseln, Lavendel oder Holunder.
„Da wir von der Pfotenhilfe Insekten schützen wollen, aber auch Besuchern bei unseren monatlichen Besucherwochenenden die Biologie der Insekten und den praktischen Naturschutz anschaulich näher bringen möchten, haben wir in unserem Tierheim in Lochen (OÖ) mehrere Insektenhotels angebracht. Es macht nicht nur Spaß den unzähligen Nützlingen zuzusehen, man kann hier auch Tiere bewundern, die man normalerweise gar nicht zu Gesicht bekommt“ freut sich Sautner.

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2 Kommentare zu Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

  1. Sabine sagt:

    Es gibt noch Tollwut in Deutschland!
    So die Aussage eines Artikels von Sonja Klein, der in der Januar-Ausgabe von „Bild der Wissenschaft“ veröffentlicht wurde.
    Nur die „terrestrische“Form der Tollwut sei ausgestorben, so Klein. Was bedeutet, dass es keine Tollwut bei Füchsen, Wildkatzen etc. mehr gibt. Hier waren die Impfungen erfolgreich. Bei Fledermäusen ist jedoch unlängst ein Fall in Berlin bekannt geworden.
    Tollwut ist eine besonders tückische Krankheit – nicht alle betroffenen Tiere sind „toll vor Wut“ – es gibt auch die „stumme“ Verlaufsform. Und infizieren kann man sich auch über Aerosole – also über die Luft.
    Wer sich einmal infiziert hat, muss sich impfen lassen bevor die Krankheit ausbricht. Denn eine wirksame Therapie gibt es nicht.

    PS.: …wobei mich mal interessieren würde: wie haben sich die Flattertierchen eigentlich angesteckt?? Denn in unseren Breiten ernähren sie sich doch von Insekten (und nicht wie Drakula vom Blutsaugen:-))!!!

    • tylacosmilus sagt:

      Der Hundetollwutvirus und der Fledermaustollwutvirus sind nicht identisch, auch wenn eine enge Verwandtschaft besteht. Die derzeit verfügbaren Tollwut-Impfstoffe wirken auch gegen diese Viren. Das bedeutet, dass sich die Fledermäuse wohl untereinander (durch Bisse und Aerosole) infizieren.
      Fledermaustollwut (verursacht durch den Europäisches Fledermaus-Lyssavirus = European bat lyssavirus) ist bisher noch relativ selten in Deutschland.
      Hoffentlich bleibt das auch so.
      Ich weiß allerdings nicht inwieweit eventuelle Therapieforschungen in Bezug auf die Tollwut in Amerika oder Australien unternommen werden.

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