Portrait: Kanadagans

Kanadagans (Zoom Gelsenkirchen)

Kanadagans (Zoom Gelsenkirchen)

Von der Größe her übertrifft die Kanadagans die Maße der Graugans und ist damit die größte Gänseart, die in Europa in freier Wildbahn zu beobachten ist. Sie gilt als die häufigste Gänseart der Welt. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet ist Nordamerika, in Europa wurde die Kanadagans zum Teil gezielt angesiedelt. Ein großer Teil der heute vor allem in Großbritannien, Irland, Skandinavien und den Niederlanden existierenden Populationen sind auch auf Gefangenschaftsflüchtlinge zurückzuführen. Seit den 1970er Jahren ist sie auch in Deutschland als Brutvogel vertreten. Auch in Neuseeland hat sich die Kanadagans etabliert.

In der Regel sind die Weibchen etwas kleiner als die Männchen, obwohl beide einander ähnlich im Farbmuster sind. Die Kanadagans erreicht eine Körperlänge von etwa 90,0 bis 100,0 Zentimeter und eine Flügelspannweite von etwa 175,0 bis 180,0 Zentimeter. Das Gewicht variiert erheblich. Das Männchen erreicht ei Gewicht von etwa 3,5 bis 6,5 Kilogramm, während das Gewicht des Weibchens zwischen 3,0 und 5,5 Kilogramm liegt. Der Hals, Kopf, Füße und Schnabel sind schwarz. Die Kanadagans ist leicht an ihrem hellem Kehlfleck zu erkennen. Ferner zieht sich im Gesicht vom Wangenknochen bis hin zu den Ohrdecken ein weißer breiter Streif. Der untere Halsbereich und die Brust sind gräulich bis hellbraun gefärbt. Die Unterseite ist ebenfalls gräulich bis hellbraun getönt. Der Körper ist in der Regel bräunlich-grau, obwohl die Färbung der Unterarten variiert. Bei den kleineren Unterarten ist der Körper von einer dunkelbraunen Farbe und bei einigen größeren Unterarten weist die Färbung einen leichten Grauton auf. Der Schnabel der Kanadagans verjüngt sich vom Schnabelansatz bis zur Schnabelspitze etwas. Der Schnabel weist an der Außenseite Lamellen oder Zähnchen auf, die als Schneidwerkzeug Verwendung finden. Die jungen Kanadagänse sind gelb gefärbt und auf dem Kopf sowie auf dem Rücken zeigt sich eine grünlich-graue Färbung. Wie bei dem Farbmuster der Erwachsenen, gibt es auch einige Unterschiede zwischen den verschiedenen Unterarten. Die jungen Kanadagänse der dunkleren Unterarten haben eine bräunliche olive oder eine stumpfe gelbe Färbung, während die jungen Kanadagänse der helleren Unterarten in der Färbung heller sind. Diese Farben verblassen, wenn der Gosling das Alter der Erwachsenen erreicht. Alle jungen Kanadagänse haben einen blau-grau gefärbten Schnabel und blau-grau gefärbte Beine, die jedoch mit zunehmendem Alter die schwarze Färbung annehmen.

Kanadagänse sind sehr soziale Vögel, die in Schwärmen zu jeder Zeit des Jahres, außer wenn sie nisten, anzutreffen sind. Die Migration beginnt im Herbst und findet in großen Schwärmen statt. Große Gruppen bilden sie während des Winters auf Seen, in Küstengewässern und im Wattenmeer. Im Flug bilden die Schwärme große V- oder gerade Diagonal-Linien. Dies liegt daran, dass jeder Vogel nicht direkt hinter einem anderen Vogel fliegt, sondern in einem Winkel, so dass sie die Vorteile des Windschatten durch den anderen Vogel nutzen können. Die Migration erfolgt in einem langsamen Tempo und es werden mehrere Pausen eingelegt. Aus diesem Grund kommen die Vögel zu ihren Brutplätzen in einer guten körperlichen Verfassung an. Kanadagänse sind vor allem während des Tages aktiv. Die Männchen sind aggressiver als die Weibchen. Der Schnabel wird nicht nur zum Fressen benutzt, sondern wird auch bei Angriffen als Waffe eingesetzt. Wenn jedoch Gefahr droht, ergreifen die Vögel in erster Linie die Flucht. Eine weitere Abwehrhaltung ist das völlige Flachliegen mit ausgestrecktem Hals am Boden, um so weniger sichtbar zu sein. Währen der warmen Tage des Jahres glätten und pflegen die Gänse intensiv ihr Gefieder, um so die Wärme zu reduzieren und den Körper kühl zu halten. An kalten Tagen werden die Federn geflust, um den Körper warm zu halten. Diese Vögel lieben es zu schwimmen und im Wasser zu baden, vor allem an warmen Tagen. Einige Unterarten machen eine jährliche Mauser der Schwungfedern im Sommer durch und sind während dieser Zeit auch flugunfähig.

Kanadagans (Zoo Dortmund)

Kanadagans (Zoo Dortmund)

Kanadagänse benötigen Reviere, zu denen Gewässer von mittlerer bis großer Größe gehören. Diese haben eine Gewässertiefe von mindestens einem Meter und weisen idealerweise auch Inseln auf. Voraussetzung für die Etablierung eines Brutreviers ist ein unmittelbar an das Gewässer angrenzendes Gebiet, auf dem die Gänse weiden können, sowie ein weitgehend ungestörtes Areal, auf dem die Nester gebaut werden können. Kanadagänse legen ihre Nester auf festem Grund an und bevorzugen Stellen, von denen aus der brütende Vogel das angrenzende Gebiet gut beobachten kann. In Nordamerika findet man deshalb häufig Nester auf den Bauten von Bisamratten.
Reviere, die diese Voraussetzungen bieten, sind in Europa vor allem Parks, parkähnliche Gelände oder Weidegebiete, die an Seen angrenzen. Die Art hat sich dabei stärker als in Nordamerika einem Leben in einer landwirtschaftlich stark genutzten Landschaft angepasst. In Nordamerika ist die Gans an den Flüssen und Seen bewaldeter und offener Landschaften zu finden.
Die Anforderungen an das Überwinterungsrevier sind weniger spezifisch. Die Gänse halten sich in dieser Zeit sowohl an der Küste als auch im Binnenland auf Stoppelfeldern und Grasland auf.

Zum Nahrungsspektrum der Kanadagans zählen eine Vielzahl von Gräsern, einschließlich Bermuda-Gräser, Salz-Gräser, Stauden, Wurzeln und wilde Gerste.
Des Weiteren ernährt sich die Kanadagans auch von Weizen, Bohnen, Reis und von Mais. Die Kanadagans bevorzugt bei der Nahrungssuche Flächen mit niedrigem Bewuchs. Auch Wasserpflanzen gehören zum Nahrungsspektrum wie Seegräser, See-Salat und Sago.

Kanadagans (Tiergarten Nürnberg)

Kanadagans (Tiergarten Nürnberg)

Kanadagänse führen eine monogame Ehe. Die Paare bilden sich während des Winters, während der Migration oder auf dem Weg zu ihren Winterquartieren für die nächste Brutsaison. Verpaarte Paare können für mehr als ein Jahr zusammenbleiben, manchmal bleiben sie sogar ein Leben lang zusammen. Die Männchen kämpfen um die Weibchen mit ihren Flügeln und mit ihren Schnäbeln. Der Gewinner nähert sich dem Weibchen mit gesenktem Kopf und gebogenem Hals. Dabei macht das Männchen zischende Geräusche. Die Paare paaren sich entweder bevor oder nachdem sie einen Nistplatz gefunden haben. Die Kopulation erfolgt im Frühjahr auf dem Wasser. Währen der Begattung wird das Weibchen in der Regel teilweise unter Wasser getaucht. Die durchschnittliche Gelegegröße beträgt fünf Eier, wobei die Größe zwischen zwei und neun Eier variiert. Die Inkubationszeit beträgt 23 bis 30 Tage. Nur das Weibchen brütet und wählt auch den Nistplatz für den Nestbau und baut das Nest allein ohne das Männchen. Das Männchen verteidigt nur das Territorium, das Nest und die Eier vor Eindringlingen wie andere Gänse. Weibliche Kanadagänse wählen Nistplätze, die isoliert sind, aber eine gut Sicht haben.
Dadurch können sie schnell sehen, wenn Gefahr naht. Der Nistplatz muss sich außerdem im Bereich vom offenen Wasser mit niedrigen Ästen befinden, so dass sie einen schnellen Zugang zum Wasser haben. Sümpfe, Moore, Wiesen, Seen und andere derartige Flächen gehören zu den beliebtesten Nistplätzen. Die kanadischen und Alaska-Küsten haben weite Tundraflächen, die gute Nistplätze bieten. Kanadagänse werden oft auf kleinen Inseln nistend gesehen, die keine sehr hohen Gräser haben oder sie nisten auf kleinen Inseln, die von Bisamratten (Ondatra zibethicus) angelegt wurden.
Die Nester sind sehr einfach konstruiert und auch schnell angelegt. Materialien die für den Nestbau verwendet werden, sind Unkräuter, Zweige, Gräser, Moose, Nadeln und andere derartige pflanzliche Stoffe. Nach Fertigstellung des Nest-Ausbaus bildet das Weibchen mit dem Körper eine flache Mulde im Nest und passt die Materialien dem Nest an. Von Zeit zu Zeit rundet das Weibchen die Nestmitte mit der Brust und mit den Füßen. Wenn kein geeigneter Nistplatz in der Vegetation für das Nest vorhanden ist, dann scharrt mit den Füßen und mit der Brust eine einfache Mulde in den Boden. Sobald die Eier gelegt sind, wird das Nestinnere mit Federn und Daunen ausgepolstert, so wird das Nest von unten her gegen extreme Wärme und Kälte gut isoliert und die Eitemperatur stabilisiert. Die Inkubation erfolgt unmittelbar, nachdem das letzte Ei gelegt ist. Das Weibchen wendet die Eier regelmäßig, um die notwendige gleichmäßig Wärme für jedes Ei zu gewährleisten. Beim Schlupf öffnen die Küken mit einem Eizahn, der sich oben auf dem Schnabel befindet, die Eischale. Alle Küken eines Geleges sind dann innerhalb von 24 Stunden vollständig geschlüpft. Gänseküken innerhalb eines Geleges haben meist ein Geschlechts-Verhältnis von 1:1. Die jungen Kandagänse sind Nestflüchter, d. h., dass sie nach dem Schlüpfen sofort das Nest verlassen und gleich ihren Eltern folgen. Das Männchen und das Weibchen füttern und beschützen die Jungen jedoch weiterhin. Die Familienmitglieder bleiben in der Regel in der gleichen Gruppe zusammen.

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