Wissenswertes über Iguanodontia

Ursprüngliche Vorstellung eines Iguanodons (Samuel Griswold Goodrich)

Ursprüngliche Vorstellung eines Iguanodons (Samuel Griswold Goodrich)

Die Iguanodontia waren pflanzenfressende, quadruped (vierbeinig) oder biped (zweibeinig) sich fortbewegende Dinosaurier, die auf allen Kontinenten vom Oberjura bis zur späten Oberkreide vorkamen. Zu der Gruppe gehören alle Vogelbeckendinosaurier, die näher mit Edmontosaurus als mit Thescelosaurus verwandt sind, auch die bekannten Hadrosaurier.

Iguanodonten waren mittelgroß bis groß. Der leicht gebaute, bipede Dryosaurus wurde etwa zwei bis drei Meter lang, Iguanodon, nach dem die ganze Gruppe benannt wurde, erreichte eine Länge von zehn bis elf Metern und wog wahrscheinlich 2.500 kg. Für den sehr schwer gebauten Lurdusaurus wird sogar ein Gewicht von 5.000 kg angegeben.
Der Schädel der meisten basalen Iguanodonten war langgestreckt und seitlich etwas abgeflacht. Nur Dryosaurus und Zalmoxes hatten einen kompakteren, kürzeren Schädel. Das untere Schädelfenster war oval, die Augenhöhle rund und ohne verstärkende Knochenplatten. Die Nasenlöcher waren groß. Die Anzahl der Zähne nahm von basalen zu den fortschrittlichen Formen immer mehr zu. Zudem entwickelten letztere einen Schnabel auf dem Prämaxillare. Tenontosaurus und Zalmoxes hatten zehn bis zwölf Zähne auf dem Maxillare, bei Dryosaurus waren es schon 13 bis 17, bei Camptosaurus 14 bis 16. Iguanodon kam auf fast 30 Zähne, Eolambia hatte 33.
Grundsätzlich zeichneten sich alle Gattungen beziehungsweise Arten der Iguanodontia durch ihr Gebiss aus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Dinosauriern waren sie in der Lage ihre pflanzliche Nahrung mit dem vorderen Teil der Schnauze abzubeißen und anschließend mit den Zähnen zu zerkauen.

Camptosaurus dispar  (© N. Tamura)

Camptosaurus dispar (© N. Tamura)

Der erste sicher nachzuweisende Iguanodont ist Camptosaurus aus dem frühen Kimmeridgium von England und Dryosaurus aus dem Kimmeridgium von Nordamerika und Afrika. Im oberen Jura war die Gruppe in Afrika, Europa und Nordamerika verbreitet. Noch älter aus dem mittleren Jura (Callovium) ist Callovosaurus, dessen genaue Zugehörigkeit in der Systematik noch nicht einwandfrei geklärt ist. Jedoch zeigt er Merkmale, die dem späteren Camptosaurus ähnlich sind.
Aus der frühen Kreide sind auch Funde aus Asien, Südamerika und Australien bekannt. Während der mittleren Kreide (Albium bis Cenomanium) war ganz Laurasia von Iguanodonten bewohnt. In der letzten Hälfte der späten Kreide kamen nicht-hadrosauride Iguanodonten mit Rhabdodon und Zalmoxes nur noch in Europa vor. Auf allen anderen Kontinenten sind sie von Hadrosauriern abgelöst worden. Alle Iguanodonten starben am Ende der Kreidezeit vor 65,5 Millionen Jahren mit allen anderen Dinosauriern aus. Zalmoxes ist die letzte fossil nachgewiesenen Gattung.

Iguanodon bernissartensis (© N. Tamura)

Iguanodon bernissartensis (© N. Tamura)

Iguanodon („Leguanzahn“) ist eine Gattung der Dinosaurier aus der Gruppe der Ornithopoda aus der frühen Kreidezeit und ist der größte und bekannteste Vertreter der Iguanodontidae. Aufgrund der relativen Häufigkeit der Funde und einer angenommenen vergleichbaren Lebensweise spricht man beim Iguanodon und seinen Hadrosauridae-Verwandten oftmals von den „Kühen der Dinosaurierzeit“.
Iguanodon war einer der ersten entdeckten Dinosaurier überhaupt. Bereits im Jahr 1809 fand ein Unbekannter in Sussex (Großbritannien) einen Schienbeinknochen. 1822 entdeckte der Arzt Gideon Mantell mehrere Zähne des Tieres. Für die oftmals geschilderte Version, Mantells Frau habe die Fossilien gefunden, während sie auf die Rückkehr ihres Mannes von einem Patienten wartete, gibt es hingegen keinen Beleg. Mantell erkannte sofort, dass es sich um den Zahn eines pflanzenfressenden Reptils der Kreidezeit handelte, veröffentlichte aber erst nach umfangreichen Recherchen 1824 die erste Beschreibung und nannte das Tier Iguanosaurus („Leguan-Echse“). Im folgenden Jahr gab er der Gattung den heute gültigen Namen.
Das Tier wurde damals leguanähnlich auf vier Beinen laufend gezeichnet. Der spitze Daumenknochen wurde noch auf die Nase gesetzt. Heute ist bekannt, dass das Tier meist auf seinen beiden Hinterbeinen lief. Die Zähne ähneln denen der heutigen Leguane (daher die damaligen, falschen Rückschlüsse).
Bekannt ist das Tier auch für seine spitzen Daumen, die wohl auch als Waffe dienten. Das 8 m lange Tier war aufgerichtet 5 m hoch und wog bis zu 4,5 Tonnen. Die Hände hatten je 5 Finger, die Füße je 3 Zehen.
Gefunden wurde Iguanodon in Westeuropa, Mitteleuropa, Rumänien, Nordamerika, Nordafrika und in der Mongolei. In Dorset, Großbritannien, sind Fußabdrücke (24 cm breit) gefunden worden. Sehr bekannt ist die Fundstätte in einem Kohlebergwerk nahe der belgischen Gemeinde Bernissart, wo man von 1877 bis 1878 in 322 Meter Tiefe die Überreste von insgesamt 31 Individuen barg. Sie wurden damals von Louis Dollo beschrieben und rekonstruiert. Auch in Deutschland wurden Knochen von Iguanodon entdeckt. Bei Ausgrabungen im Briloner Ortsteil Nehden kamen sogar zwei Skelette von Jungtieren ans Tageslicht.
Der Nomenklatorische Typus war anfangs I. anglicus, doch die Art war nur mit einem einzelnen Zahn belegt. Da auch später kein vollständiges Skelett gefunden wurde, legte die ICZN den Nomenklatorischen Typus im Jahre 2000 auf I. bernissartensis neu fest, der durch die zahlreichen gut erhalten belgischen Funde weitaus besser belegt ist. I. bernissartensis ist der einzige gesicherte Vertreter der Gattung Iguanodon, bei allen anderen Arten besteht großer Zweifel der Zuordnung zu dieser Gattung.

Wissenswertes über Hadrosaurier

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