Zooticker

Besonders erfreulich ist dieser Zooticker nicht.
Von den Münchner Eisbäre gibt es nichts Neues zu berichten (der letzte Beitrag zu Giovanna und ihren Kindern liegt noch nicht solange zurück, siehe hier), zu den Öffnungszeiten der Zoos mit Winterpause habe ich mich schon im letzten Zooticker geäußert (siehe hier).
Den Großteil der Zoonews wird es in der nächsten Zoopresseschau geben, also bleibt nicht viel übrig.
Und ich muss gestehen, dass ich keinen Überblick über die zahlreichen Tiergeburten in den vielen kleine Zoos und Tiergärten habe.
An dieser Stelle noch einmal der Aufruf an alle kleineren Tierparks, Wildparks…: Ich bin gerne bereit über eure Neuigkeiten zu berichten: Bauvorhaben, Todesfälle, Geburten und andere Neuzugänge, Veranstaltungen…

Was jetzt für diesen Zooticker noch übrig bleibt sind PETA, EndZOO und ProWal.

18.03.2014, EndZoo
Zoo Münster: Neue Sicherheitstechnik ein Fehlereingeständnis?
EndZOO Deutschland bekräftigt erneut seine Vorwürfe der Zoo-Mitschuld
Münster – Die Tierschutzorganisation EndZOO sieht in der vom Zoo Münster gestern vorgestellten „neuen“ Sicherheitstechnik für die Raubkatzenanlage ein klares Fehlereingeständnis der Aufsichtsbehörden, der Berufsgenossenschaften und des Zoos. Damit bekräftigt die Tierschutzorganisation nochmals ihre Vorwürfe der Zoo-Fahrlässigkeit von 2013, nachdem in Münster ein Tierpfleger bei einem Tigerangriff ums Leben kam. Denn das aktuell vorgestellte technische Grundprinzip einer Zwangsverriegelung und auch die Installation von Überwachungsmonitoren gab es bereits viele Jahre zuvor in anderen Zoos. So hatte ein Zoo in Sachsen, nach einem zweiten aber tödlich endenden Raubkatzenangriff, schon 2004 eine solche mechanische Zwangsverriegelung installieren lassen. Davon wusste der Zoo Münster. In Münster rechtzeitig umgesetzt (Reduzierung Risiko) hätte es den Tod von Martin H. möglicherweise verhindert oder das Risiko erheblich gemindert. Auch die Installation von Monitore ist, nachdem ein Tiger im Frankfurter Zoo in einem Schieber ums Leben kam, seit 2002 „keine vollkommen neue technische Errungenschaft“ mehr, sagt die Tierrechts-Organisation. EndZOO fordert aus Aktualität einen deutschlandweiten Umbau aller Gefangenschaftshaltungen von Raubkatzen auf diesen neuesten Sicherheitsstandard.
„Nach dem tödlichen Tigerangriff in Köln (2012) betonte Zoodirektor Adler noch öffentlich, dass sein Zoo den maximalsten Sicherheitsstandard hätte. Nach dem Todesfall in seinem eigenen Zoo 2013 bekräftigte Adler dann erneut, dass sein Zoo über alle gängigen Sicherheitsvorkehrungen verfüge. In nur fünf Monaten eine völlig neue und bisher unbekannte Sicherheitstechnik zu erfinden, würde also an ein Wunder grenzen. Doch das System der Zwangsverriegelung ist kein Wunder. Das System der Zwangsverriegelung gab es schon viele Jahre zuvor in einem anderen deutschen Zoo. Die Aussagen von Herrn Adler entsprachen also schon 2013 nicht der Realität. Ein Mensch musste erst sterben“, so Zoo-Experte und EndZOO-Sprecher Frank Albrecht abschließend.

19.03.2014, ProWal
Baulärm löste Panik bei Delfinen aus – Tierschützer wollen Nürnberger Tiergarten wegen Tierquälerei anzeigen
Nürnberg (ots) – Erneut gerät der Tiergarten in Nürnberg wegen seiner umstrittenen Delfin-Haltung in den Fokus von Tierschützern. Ein veröffentlichtes Video zeigt, wie Delfine vergeblich versuchen, sich vor dem Baulärm in Sicherheit zu bringen.
Andreas Morlok, Geschäftsführer der Delfinschutz-Organisation ProWal: „Weltweit haben wir für Recherche-Arbeiten bereits in etwa 50 Delfinarien Inspektionen vorgenommen. Was jedoch Anfang dieser Woche im Nürnberger Delfinarium geschah, das haben wir noch nicht einmal in der schlimmsten Anlage erlebt! Bei einer Baustelle an der sogenannten „Delfin-Lagune“ befanden sich in unmittelbarer Nähe die Kalifornischen Seelöwen und Delfine. Bei den Bauarbeiten wurden Gerätschaften eingesetzt, die einen Lärmpegel von bis 110 Dezibel erzeugen. Bereits ab 80 db müssen Bauarbeiter Ohrenschützer tragen. Steht man nur 100 Meter von einem startenden Düsenjet entfernt, dann verursacht dies einen Lärm von 125 db! Es ist unverantwortlich, dass die Tiere während den Bauarbeiten in die Außenbecken gesperrt und nicht in das Innengebäude gebracht wurden. Die Seelöwen waren direkt neben der Baustelle und sie brüllten herzzerreißend. Die hörsensiblen Delfine zeigten, durch die Baumaschinen verursachten Vibrationen und dem Lärm, Stressverhalten und drückten sich vor lauter Angst an die Beckenwände. Einige Delfine versuchten mit ihren Schnauzen und aller Kraft die Trennschieber zwischen den Becken hochzuschieben, um flüchten zu können – jedoch ohne Erfolg. Ein verängstigter Delfin sprang in Panik herum und knallte an den Beckenrand. Am liebsten wäre man ins Wasser gesprungen, um den Delfinen zu helfen, aber Aufseher verhindern jegliches Eingreifen.“
ProWal kündigte nun an, den Tiergarten Nürnberg wegen Tierquälerei anzuzeigen.
ProWal weiter: „Der Zoo behauptet, dass die Seelöwen und Delfine vergesellschaftet seien und auch alle Becken benutzen könnten. Die Beckentrennschieber werden angeblich nur dann heruntergelassen, um mit einzelnen Tieren zu trainieren. Dies ist unwahr, denn die Seelöwen und Delfine waren in unterschiedlichen Becken eingesperrt und der Schwimm-Schleusenzugang zu der Delfinhalle war verschlossen. Laut Vorgaben des Säugetiergutachtens muss jedem Delfin ein Zwei-Becken-System zur Verfügung stehen, was nicht der Fall war. Den Meeressäugern steht in diesen einzelnen winzigen Becken noch nicht einmal der vorgeschriebene Platz zur Verfügung. Wir werden nun Strafanzeige wegen Tierquälerei stellen und die zuständigen Behörden auffordern, dass dem Zoo seine Betriebserlaubnis für das Delfinarium entzogen wird. Die Delfine bleiben sonst den illegalen Machenschaften der Betreiber völlig hilflos ausgeliefert.“

21.03.2014, PETA
Keine neuen Leoparden für Zoo Hoyerswerda – PETA fordert Zooleitung zur Aufnahme von Raubkatzen aus Zirkusbetrieben auf
Hoyerswerda / Gerlingen, 21. März 2014 – Zoo Hoyerswerda als Refugium für Raubkatzen aus Zirkusbetrieben? Nach dem Tod der letzten Leopardin im Zoo Hoyerswerda am vergangenen Dienstag hat die Zookuratorin die Fortführung der Leopardenhaltung angekündigt. Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. hat die Zooleitung nun in einem Schreiben darum gebeten, künftig ausschließlich Großkatzen aus Zirkusbetrieben aufzunehmen und diesen Tieren damit ein neues Zuhause zu bieten. In deutschen Zirkusbetrieben leiden etwa 150 Tiger und Löwen unter der Haltung in engen Käfigwagen. Veterinärbehörden vermeiden die dringend erforderliche Beschlagnahmung dieser Tiere, da keine geeigneten Auffangstationen für die Großkatzen zur Verfügung stehen. Eine Aufnahme geretteter Raubkatzen aus Zirkusbetrieben dürfte dem Zoo nach Auffassung von PETA Sympathien und gesteigertes Besucherinteresse einbringen.
„Zoos züchten ständig Raubkatzen nach, die jedoch grundsätzlich nicht ausgewildert werden können. Gleichzeitig warten Dutzende Tiger und Löwen in Zirkusbetrieben auf ihre Rettung“, sagt Diplom-Zoologe Peter Höffken, Wildtierexperte bei PETA Deutschland e.V. „Der Zoo Hoyerswerda sollte seine Tore für Tiere aus dem Zirkus öffnen, die dort ein Leben voller Entbehrungen führen. Dies wäre eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.“
Freilebende Tiger sind in den dichten Wäldern Asiens zu Hause, wo ihr Revier mehrere hundert Quadratkilometer umfasst. Die intelligenten Großkatzen haben einen enormen Bewegungsdrang und verfügen über hohe kognitive Fähigkeiten, die in Gefangenschaft jedoch verkümmern. Laut Angaben von Artenschutzorganisationen leben heute nur noch etwa 3.200 der vom Aussterben bedrohten Tiere in freier Wildbahn. In Gefangenschaft geborene Tiger können nicht wieder ausgewildert werden, da sie grundlegende, zum Überleben benötigte Fähigkeiten nicht erlernt haben.

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4 Antworten auf Zooticker

  1. Manfred sagt:

    Hallo

    Solange hier Mitteilungen von radikalen Tierrechtsorganisationen, oder von gemeinnützige Gesellschaften, die von Einzelpersonen geführt werden, veröffentlicht werden kann man keine Mitteilungen von Zoos oder Tierparks erwarten.

  2. tylacosmilus sagt:

    Vielleicht hast du Recht, aber ich finde, dass auch jene radikale Tierrechtsorganisationen gehört werden müssen. Man mag davon halten was man will, aber es hilft vielleicht nicht immer alles zu glauben, was behauptet wird. Ich mag mir damit vielleicht keine Freunde machen, aber die Zoos sind nicht die heile Welt, die sie vorgeben zu sein (und auch die Tierrechtsorganisationen müssen hinterfragt werden) und deswegen kann ich durchaus vertreten auf meinem Blog beiden Seiten Platz zu geben.
    Ob mein Angebot angenommen wird oder nicht, kann jeder selber entscheiden.

  3. Sabine sagt:

    Hallo zusammen,
    in den Beiträgen oben wurde das Thema „Auswildern von Nachzuchten“ kurz angesprochen.
    Macht Auswilderung tendenziell Sinn? Oder ist es wegen Zerstörung des Lebensraums eher verlorene Liebesmüh?

  4. tylacosmilus sagt:

    Auswilderung macht tendenziell durchaus Sinn. Allerdings nicht bei allen Arten. Große Tiere, deren Lebensräume zerstört werden, sind schwerer bis gar nicht auszuwildern, bei kleineren Arten mag das leichter sein.
    Hinzu kommt vielleicht noch, dass einige Tiere bewusst gejagt werden (wegen ihres Fleisches oder angeblicher heilender Wirkungen). Gründe, warum Tierarten zurückgehen sind zahlreich und solange diese nicht bekämpft werden, macht eine Auswilderung wenig Sinn. Wenn man aber den Grund des Rückgangs eindämmen kann, dann kann man auswildern und die vorhandene Population stärken. Bei einigen europäischen Tierarten scheinen sich langsam Fortschritte einzustellen (Wildkatze, Luchs)

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