Berliner Zoodirektoren: Heinz-Georg Klös

Heinz-Georg Klös wurde am 6. Januar 1926 in Elberfeld (heute zu Wuppertal gehörend) geboren.
Er wuchs als Sohn des Chemikers Dr. Heinrich Klös in der Nähe des Wuppertaler Zoos auf. Schon als 5-Jähriger war er vom Beruf des Zoodirektors fasziniert. Mit 14 Jahren erwarb Klös erste praktische Tierpflegeerfahrung im Zoo seiner Heimatstadt Wuppertal. Weitere Praktika in verschiedenen Zoos (u. a. im Zoo Frankfurt), aber auch beim Zirkus folgten in späteren Jahren. Klös wurde als Luftwaffenhelfer, zum Reichsarbeitsdienst und zur Wehrmacht eingezogen. Nach der Entlassung aus der britischen Kriegsgefangenschaft musste er am Elberfelder Gymnasium aufgrund eines provisorischen „Reifevermerks“ zunächst das Abitur ablegen, bevor er von 1947 bis 1953 an der Justus-Liebig-Universität in Gießen Veterinärmedizin studieren konnte. Die Promotion erfolgte 1953 mit einer Dissertation über Vergleichende Untersuchungen über die Wirkung von Digitalisglycosiden Strophantin, Digoxin, Boviea und Digitoxin auf die glatte Muskulatur des Darmes und Uterus des Meerschweinchens vor und nach Blockade der Ganglien mit d-Tubocurarinchlorid mit „Summa cum laude“. Während seiner Studentenzeit wurde Klös am 21. Juni 1950 als nebenberuflicher, freier Mitarbeiter des General-Anzeigers für Elberfeld-Barmen Zeuge des Sturzes des Zirkus-Elefanten „Tuffi“ aus der Wuppertaler Schwebebahn in die Wupper.
Im April 1954 begann Klös seine tiergärtnerische Laufbahn als damals jüngster Zoodirektor Deutschlands im Tierpark Osnabrück. Nachdem er einem Ruf an den Zoo Leipzig aufgrund der politischen Situation nicht folgte, trat er auf Empfehlung von Bernhard Grzimek am 27. Dezember 1956 die Nachfolge von Katharina Heinroth als wissenschaftlicher Direktor des Zoologischen Gartens in Berlin an. Zeitgleich wurde er Mitglied des Vorstandes der Zoologischer Garten Berlin AG und zum 1. Januar 1969 deren Vorstandsvorsitzender. Unter Klös Leitung wurde der im Krieg schwer zerstörte Zoo weiter aufgebaut, modernisiert und erweitert. Am 31. August 1991 wechselte Klös vom Vorstand in den Aufsichtsrat der Zoologischer Garten Berlin AG, dem er bis 2006 angehörte. Dem Aufsichtsrat der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH gehörte er vom 15. April 1991 bis 11. April 2001 als Vorsitzender an.
Heinz-Georg Klös starb am 28. Juli 2014.

Unter Heinz-Georg Klös entstanden im Zoo Berlin zahlreiche Tierhäuser, so u. a. das Haus für Menschenaffen und Niedere Affen (1958), ein Vogelhaus (1960), ein Nashornhaus (1964), ein Raubtierhaus (1974) mit der ersten Nachttierabteilung in einem deutschen Zoo und nach einem Entwurf von Ursula Klös (1975). Zwischen 1978 und 1983 konnte das Aquarium generalsaniert und 1980 durch das Landschaftsaquarium erweitert werden. Während Klös Direktorat gelang dem Berliner Zoo die Welterstzucht des James-Flamingos (1989), der Großtrappe (1964) und des Berg-Anoas (1972) sowie die deutsche Erstzucht des Grauwangenhornvogels (1977), der Eulenkopfmeerkatze (1960), des Rosaflamingos (1963), des Chileflamingos (1965), des Andenflamingos (1975) und der Östlichen Vollbartmeerkatze (1961).

Klös gab gemeinsam mit Hans Frädrich von 1977 bis 2002 die Zeitschrift Bongo des Berliner Zoos heraus. Er war von 1960 bis 1977 im Vorstand des Verbandes Deutscher Zoodirektoren tätig, davon 1969 bis 1971 als Präsident. Von 1996 bis 2008 wirkte er als Wissenschaftlicher Beirat der Heinz-Sielmann-Stiftung und richtete 2005 die von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft verwaltete Ursula-und-Heinz-Georg-Klös-Stiftung ein. Die Stiftung vergibt alle zwei Jahre den „Ursula-und-Heinz-Georg-Klös-Preis“, einen Nachwuchs-Forschungspreis für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Zootier,- Wildtier- und Exotenmedizin, der im Rahmen des Jahreskongresses der „Deutschen Gesellschaft für Zootier-, Wildtier,- und Exotenmedizin ZWE-DVG“ verliehen wird. Die Ausschreibung findet sich unter anderem in den veterinärmedizinischen Printmedien.

Werke (Auswahl)
1971: Paradies für wilde Tiere
1976 (gemeinsam mit Ernst Michael Lang): Zootierkrankheiten
1969: Von der Menagerie zum Tierparadies. 125 Jahre Zoo Berlin
1978: Berlin und sein Zoo
1981: Die Berliner und ihre Tiere
1990 (gemeinsam mit Ursula Klös): Der Berliner Zoo im Spiegel seiner Bauten 1841-1989
1994 (gemeinsam mit Hans Frädrich und Ursula Klös): Die Arche Noah an der Spree. 150 Jahre Zoologischer Garten in Berlin
1995 (gemeinsam mit Reinhard Göthenboth): Krankheiten der Zoo- und Wildtiere
1997: Freundschaft mit Tieren. Der Altdirektor des Zoologischen Gartens Berlin erzählt

Ehrungen und Auszeichnungen
1970: Ernennung zum Honorarprofessor durch die Veterinärmedizinische Fakultät der Freien Universität Berlin
1974: Bundesverdienstkreuz Erster Klasse
1981: Großes Verdienstkreuz
1982: Verleihung der Wilhelm-Pfeiffer-Medaille durch den Fachbereich Veterinärmedizin und Tierzucht der Justus-Liebig-Universität Gießen
1984: Verleihung der „Golden Conservation Medal“ durch die Zoological Society of San Diego
1986: Großes Verdienstkreuz mit Stern
1986: Ernennung zum „Ritter Commandeur der Goldenen Arche“ durch WWF-Präsident Prinz Bernhard der Niederlande
1998: Verleihung des Ordens „Francisco de Miranda“ Erster Klasse durch den Präsidenten von Venezuela
1990: Verleihung der Ehrendoktorwürde der Veterinärmedizinischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
1991: Ernst-Reuter-Plakette, durch den Berliner Senat verliehen
1991: Konrad-Lorenz-Medaille des Wiener Volksbildungswerks
1991: Oskar-Röder-Ehrenplakette, durch die Veterinärmedizinische Fakultät Leipzig verliehen
1992: Ehrenmedaille der Veterinärmedizinischen Universität Brno
1993: Ehrenmedaille der Polnischen Gesellschaft für Veterinärmedizinische Wissenschaften
1994: Heinz-Sielmann-Ehrenpreis der Heinz-Sielmann-Stiftung
1997: Ernennung zum Ehrenmitglied der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft
1998: Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig
2000: Verleihung der Würde eines „Stadtältesten von Berlin“
2000: Ernennung zum Ehrenpräsident der Europäischen Gesellschaft für Säugetierschutz
Heinz-Georg Klös ist Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH und Ehrenmitglied des Aufsichtsrates der Zoologischer Garten Berlin AG.

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