Mensch und Elefant

Asiatischer Elefant (Tierpark Hellabrunn)

Asiatischer Elefant (Tierpark Hellabrunn)

In freier Wildbahn kommt es, insbesondere durch die zunehmende Einengung der Lebensräume des Elefanten, immer wieder zu Konflikten zwischen Elefant und Mensch, die durch die „Human-Elephant Conflict“-Statistik (HEC) erfasst werden. Elefanten leben in freier Wildbahn in 37 afrikanischen und 12 asiatischen Staaten. Nach Schätzungen werden weltweit jährlich über 500 Menschen durch Elefanten getötet, davon allein 300 in Indien. Gleichzeitig werden auch tausende Elefanten durch Menschen getötet − vielfach durch Bauern, die ihre Felderträge schützen wollen, oder als Vergeltung für menschliche Todesopfer, in zunehmendem Maße aber auch wieder durch Wilderei. Darüber hinaus werden Elefanten durch die Auswirkungen menschlicher Auseinandersetzungen, etwa durch Landminen in Sri Lanka, getötet.

Die frühesten Anzeichen für die Zähmung von Asiatischen Elefanten sind Gravierungen auf Siegeln, die im Tal des Indus gefunden wurden und auf das dritte Jahrtausend v. Chr. datiert werden. Klassische Literatur wie das Rig Veda aus dem 20.–15. Jhd. v. Chr., die Upanischaden aus dem 9.–6. Jhd. v. Chr. und Gajasastra (Sanskrit für Elefantenkunde) aus dem 6.–5. Jhd. v. Chr. dokumentieren Details über Fang, Schulung und Haltung von Elefanten. Sie wurden bei Rodungen eingesetzt, um Bäume zu fällen und Holz aus den Lichtungen zu schleppen.
Der erste Hinweis, dass Elefanten auch im Krieg eingesetzt wurden, findet sich im indischen Heldenepos Mahabharata, nach dem während des Krieges der Pandava gegen ihre Cousins im 11. Jhd. v. Chr. die Truppen mit Elefanten in den Krieg zogen und die Krieger vom Rücken der Elefanten aus kämpften. Dokumentiert ist, dass König Poros im Jahr 326 v. Chr. mit einer großen Phalanx von indischen Kriegselefanten in die Schlacht am Hydaspes zog, wo Alexander der Große ihn besiegte.
In seiner Monographie über Indien Indika beschrieb der griechisch-römische Geschichtsschreiber Arrian, dass Elefanten schwer zu zähmen seien, wenn sie als erwachsene Tiere gefangen werden. Die Inder legten sie in Ketten, so dass sie wütend wurden; um sie zu beruhigen, schmeichelten sie ihnen mit Futter. Wenn sie aber begannen zu singen und Musikinstrumente zu spielen, spitzten die Elefanten die Ohren, ihr Ärger ließ nach, und sie wendeten sich langsam dem Futter zu.
Später wurden im gesamten Mittelmeerraum immer wieder Elefanten eingesetzt.
Im 16. Jahrhundert brachten die portugiesischen Könige indische Elefanten aus ihren Kolonien nach Europa, um sich mit ihnen zu präsentieren und sie als diplomatische Geschenke weiterzugeben; namentlich bekannt geworden und urkundlich belegt sind Hanno, ein Geschenk an Papst Leo X., und Soliman, der erste Elefant in Wien.
Von Indien aus breitete sich die Kenntnis der Zähmung von Elefanten über Süd- und Südostasien aus. Sie werden bei Forstarbeiten zum Tragen von Baumstämmen eingesetzt; früher kamen sie auch beim Rangieren von Güterzügen zum Einsatz. Langjährig geschulte Elefanten können bis zu 23 Kommandoworte befolgen.

Shiva und Parvati baden ihren Sohn Ganesha. Kangra-Miniatur, 18. Jahrhundert. Allahabad Museum, New Delhi.

Shiva und Parvati baden ihren Sohn Ganesha. Kangra-Miniatur, 18. Jahrhundert. Allahabad Museum, New Delhi.

Der Elefant gilt als weise, stark und keusch, aber auch als böse. Er ist auch ein Symbol für die Mäßigkeit. Er ist das Wappentier mehrerer asiatischer und afrikanischer Staaten sowie das politische Wappentier der Republikaner in den USA. Der höchste dänische Orden heißt Elefantenorden. Die Seekriegsflagge Thailands ziert ein weißer Elefant, der dort als Zeichen von Macht verehrt wird.
In der indischen Mythologie ist Airavata der erste Elefant. Gott Ganesha erscheint mit dem Kopf eines Elefanten. Er ist eine der beliebtesten Gottheiten des Hinduismus und gilt als Verkörperung von Weisheit und Wohlstand und als Helfer in schwierigen Lebenssituationen. Die buddhistische Überlieferung kennt eine Legende, nach der Mahamaya, der Mutter Siddhartha Gautamas, vor dessen Geburt ein weißer Elefant erschien.
Im Gleichnis „Die blinden Männer und der Elefant“, das im Sufismus, Jainismus, Buddhismus und Hinduismus erzählt wird, geht es um die begrenzte Fähigkeit des Menschen, die Realität – symbolisch durch den Elefanten dargestellt – so zu erkennen und zu verstehen, wie sie wirklich ist.
In China erscheint ein weißer elefantenköpfiger Gott, der eine jungfräuliche Göttin, Moye, schwängert. Moye gebiert den Helden Fu-Hi. In China gelten Elefanten noch heute als Symbol für männliche Potenz. Im Judentum bzw. Christentum taucht der elefantenköpfige Dämon Behemoth auf, und auch er symbolisiert die „Fleischlichkeit“, d. h. die sexuelle Energie. Die Verbindung zwischen Elefanten und sexueller Energie existierte auch in Heldenepen des europäischen Mittelalters, in denen „Hörner aus Elfenbein“ eine wichtige Rolle spielten (z. B. das Horn Olifant im Rolandslied). Gemahlenes Elfenbein gilt noch heute bei einigen asiatischen Völkern als Potenzmittel. In eine andere Richtung deutet dagegen die Legende vom Elefantenfriedhof.
Seit dem indischen Chaturanga bestand in vielen historischen Schachformen eine Elefantenfigur.

THE BRITISH ARMY IN BURMA, MARCH 1945, The British commander and Indian crew of a Sherman tank of the 9th Royal Deccan Horse, 255th Indian Tank Brigade, encounter a newly liberated elephant on the road to Meiktila, 29 March 1945.

THE BRITISH ARMY IN BURMA, MARCH 1945, The British commander and Indian crew of a Sherman tank of the 9th Royal Deccan Horse, 255th Indian Tank Brigade, encounter a newly liberated elephant on the road to Meiktila, 29 March 1945.

Schon im 3. Jahrtausend v. Chr. waren Elefanten im ägyptischen Einflussgebiet ausgestorben oder ausgerottet. Thutmosis III. ging nach einem erfolgreichen Eroberungsfeldzug in Asien auf Elefantenjagd. Assyrische Königsinschriften des 8. bis 7. Jahrhunderts v. Chr. berichten von der Elefantenjagd im heutigen Syrien, was auch durch entsprechende Knochenfunde belegt ist.
Während in Indien Arbeitselefanten bereits im Altertum eingesetzt wurden, kannten die Griechen zunächst nur das Elfenbein als Handelsobjekt. Erste Begegnung mit Elefanten hatten sie bei der Schlacht von Gaugamela. Später wurden in allen Diadochen-Heeren bis zu 500 Kriegselefanten gleichzeitig eingesetzt. Einer von ihnen, Pyrrhus, setzte sie bei seinen Kämpfen gegen Rom ein. Nach der Region, in der der erste Kampf stattfand, nannten die Römer die Elefanten anfänglich „lukanische Ochsen“ (boves Lucas).
Der karthagische Feldherr Hannibal überquerte 218 v. Chr. mit Kriegselefanten die Alpen.
In Rom waren die ersten Elefanten im Triumphzug 275 v. Chr. zu sehen. Seit 169 v. Chr. wurden sie im Zirkus zur Schau gestellt. Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurden Elefantenschaukämpfe gegen Tiere und Menschen Mode, die in der späteren Kaiserzeit durch artistische Darstellungen abgelöst wurden. Im Triumphzug mit vorgespannten Elefanten (Quadriga) scheiterte Pompeius 81 v. Chr. an den engen Stadttoren Roms. Dies sollte später Severus Alexander und Gordian I. gelingen.
In die europäische Geschichte namentlich eingegangen sind Abul Abbas, ein Geschenk des Kalifen Harun ar-Raschid an Karl den Großen, Hanno, das Lieblingstier Papst Leos X., Soliman, der erste Elefant in Wien, Hansken (1630–1655), eine gelehrte Elefantendame des 17. Jahrhunderts, und Jumbo (ca. 1861–1885), der König der Elefanten. Ludwig IX., der Heilige, brachte 1255 nach einem Kreuzzug einen Elefanten nach Frankreich, den er an Heinrich III. von England weiterverschenkte. Ludwig XIV. von Frankreich hielt 13 Jahre lang ein seltenes afrikanisches Exemplar in Versailles.
In Asien gibt es noch heute Elefantenschulen, in denen Elefanten teilweise für Touristen, teilweise aber auch für die Arbeit abgerichtet werden. Indische, thailändische und sri-lankische Elefantenführer werden Mahut (auch: Mahout) genannt.

Elefantenhaltung im Zoo

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