Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

31.03.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Deutsche Avifaunistische Kommission bittet um Seltenheitsmeldungen 2013
Anfang März wurde die zweite Ausgabe der Zeitschrift „Seltene Vögel in Deutschland“ veröffentlicht. Das Heft enthält neben Artikeln über Steppenweihen, Polarmöwen, Kumlienmöwen und Zwergtrappen den Bericht der Deutschen Avifaunistischen Kommission (DAK) über die bundesweit dokumentationspflichtigen Beobachtungen der Jahre 2011 und 2012. Durch den Doppeljahrgang konnte ein Jahr „aufgeholt“ werden, sodass es künftig möglich wird, den Bericht über das Auftreten seltener Vogelarten in Deutschland bereits zum Ende des Folgejahres zu veröffentlichen.
Um Ihnen bereits im nächsten Winter den Bericht über seltene Vogelarten in Deutschland 2013 vorlegen zu können, benötigen wir allerdings Ihre Mithilfe! Eine ganze Reihe im vergangenen Jahr beobachteter Seltenheiten ist bereits dokumentiert worden. Für viele teils gut belegte Raritäten liegen jedoch noch keine Dokumentationen vor. Falls also noch undokumentierte Beobachtungen seltener Vogelarten aus dem vergangenen Jahr in Ihren Notizbüchern oder bei ornitho schlummern, möchten wir Sie bitten, die Dokumentationen bis zum 31. Mai 2014 an die DAK zu senden.
Zur Dokumentation bundesweit dokumentationspflichtiger Arten nutzen Sie bitte den vorgefertigten Meldebogen. Bitte senden Sie den ausgefüllten Bogen direkt an die DAK! Wir leiten alle Dokumentationen auch umgehend an die Landeskommission des betreffenden Bundeslandes weiter.
Viele Dokumentationen erreichen uns mittlerweile sehr zeitnah, oft schon wenige Tage nach der Beobachtung. Dafür danken wir allen Beobachterinnen und Beobachtern ganz herzlich!
Das Team der Deutschen Avifaunistischen Kommission
Die Meldeadresse der DAK lautet:
Deutsche Avifaunistische Kommission
c/o Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V.
An den Speichern 6
48157 Münster

01.04.2014, Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Der Neandertaler steckt in unseren Genen
Europäer besitzen dreimal mehr Neandertaler-Varianten in ihren am Fettabbau beteiligten Genen als Asiaten und Afrikaner
Obwohl die Neandertaler ausgestorben sind, finden sich Fragmente ihres Erbguts im Genom heute lebender Menschen wieder. Diese Fragmente sind aber nicht gleichmäßig über das Genom verteilt. Stattdessen sind einige Bereiche im Genom stärker mit Neandertaler-Varianten angereichert als andere. Ein internationales Forscherteam um Philipp Khaitovich vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und vom CAS-MPG Partner Institute for Computational Biology in Shanghai hat jetzt herausgefunden: DNA-Sequenzen, die sowohl beim modernen Menschen als auch beim Neandertaler vorkommen, waren vor allem in den am Stoffwechselabbau von Fetten beteiligten Genen reichlich vorhanden. Besonders häufig fanden die Forscher sie im Erbgut von heute lebenden Menschen europäischer Abstammung, denen sie möglicherweise einen selektiven Vorteil verschafften.
Die Wissenschaftler haben die Verteilung der Neandertalervarianten im Erbgut von elf heute lebenden menschlichen Populationen afrikanischer, asiatischer und europäischer Herkunft analysiert. Dabei stellten sie fest, dass Gene, die an der Fettsynthese beteiligt sind, bei heute lebenden Menschen europäischer Abstammung besonders viele Neandertaler-Varianten enthalten, nicht aber bei Asiaten und Afrikanern. „Diese DNA-Sequenzen zeigen Zeichen von positiver Selektion“, sagt Philipp Khaitovich vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und vom CAS-MPG Partner Institute for Computational Biology in Shanghai. „Möglicherweise haben sie modernen Menschen, deren Erbgut die Neandertalerversion enthielt, einen selektiven Vorteil verschafft.“
Darüber hinaus haben die Forscher untersucht, welchen Einfluss die Neandertaler-Varianten beim modernen Menschen auf den Fettstoffwechsel haben. Dabei fanden sie heraus, dass es zu evolutionären Veränderungen hinsichtlich der Fettkonzentration und der Expression von Stoffwechselenzymen im Gehirn von Menschen europäischer Abstammung gekommen ist. „Wir wissen nicht, wie sich diese veränderte Fettkonzentration auf das Gehirn auswirkt. Aber schon die Tatsache, dass Neandertalergene den Aufbau unseres Gehirns verändert haben könnten, ist äußerst interessant“, sagt Philipp Khaitovich. Weitere Studien sind nötig, um potenzielle funktionale Auswirkungen dieser Veränderungen umfassend zu erforschen.
Originalpublikation:
Ekaterina E. Khrameeva, Katarzyna Bozek, Liu He, Zheng Yan, Xi Jiang, Yuning Wei, Kun Tang, Mikhail S. Gelfand, Kay Prufer, Janet Kelso, Svante Paabo, Patrick Giavalisco, Michael Lachmann and Philipp Khaitovich
Neanderthal ancestry drives evolution of lipid catabolism in contemporary Europeans
Nature Communications, 01 April 2014, DOI: 10.1038/ncomms4584

01.04.2014, Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
Eine Art oder zwei? Wie unterscheidet man ähnliche Tiere?
Forscher des Museums für Naturkunde Berlin und des Naturhistorischen Museums Genf überprüften, ob Baumfrösche aus West- bzw. Zentralafrika verschiedenen Arten angehören oder artgleich sind, wie auf Grund äußerlicher Ähnlichkeiten bis dahin angenommen. Die Berliner Forscher verglichen die genetischen und akustischen Merkmale der Frösche und stellten fest, dass es sich doch um verschiedene Arten handelt. Um anderen Forschern die Überprüfung ihrer Ergebnisse zu erleichtern, wurden nicht nur die genetischen, sondern auch die akustischen Daten öffentlich zugänglich gemacht und können nun aus der Datenbank des Tierstimmenarchivs des Museums für Naturkunde Berlin heruntergeladen werden.
Arten sind die Basis für alle wichtigen biologischen Fragestellungen. Damit sind sie nicht nur für Taxonomen interessant, sondern auch die Bezugsgröße für Physiologen, Ökologen oder Naturschützer. Es ist deshalb von zentraler Bedeutung entscheiden zu können, ob Tiere zweier Populationen einer Art angehören oder zwei verschiedenen Arten zugerechnet werden müssen. Dies wird an einem Beispiel deutlich, dem sich in einer aktuellen Publikation Berliner und Genfer Zoologen gewidmet haben. Von einem Kollegen waren Baumfrösche aus West- und Zentralafrika, die bisher als vier Arten betrachtet wurden, zu zwei Arten zusammengefasst worden, die jeweils in West- und Zentralafrika vorkommen sollten. Dies stand allerdings im Wiederspruch zu bekannten Fakten der Zoogeographie, nach denen Waldfrösche entweder in West- oder in Zentralafrika leben, so gut wie nie aber in beiden Regionen gleichzeitig nachgewiesen werden können. Die Klärung dieser Frage ist wichtig um zum Beispiel zu verstehen, wie sich die Landschaft Afrikas in diesen Regionen über Jahrmillionen entwickelt hat. Da sich diese Frösche im Wesentlichen äußerlich nur durch ihre Größe unterschieden ließen, haben die Forscher nun in der aktuellen Arbeit weitere Merkmale zur Überprüfung der Artzugehörigkeit herangezogen. Dies waren zum einen die Genetik, zum anderen die Paarungsrufe einzelner Populationen. Da Froschmännchen ihre Weibchen über artspezifische Rufe anlocken müssen, geben die Rufmerkmale (z.B. Dauer, Frequenz) sehr zuverlässig Auskunft darüber, ob es sich um Tiere einer oder unterschiedlicher Arten handelt.
In ihrer Arbeit konnten die Berliner Forscher klar zeigen, dass es sich wie von ihnen vermutet nicht um zwei, sondern um vier Arten handelt: jeweils eine große und eine kleine Art, die entweder in West- oder in Zentralafrika lebt. Um Kollegen für spätere Untersuchungen ihre Daten zur Überprüfung und zum Vergleich zugänglich zu machen, haben die Wissenschaftler nicht nur die genetischen Sequenzen der Frösche öffentlich hinterlegt, sondern auch die Rufe frei zugänglich im Tierstimmenarchiv des Museums für Naturkunde Berlin deponiert. Jeder kann nun diese anhören oder herunterladen http://www.tierstimmenarchiv.de
Originalpublikation
RÖDEL, M.-O., M. EMMRICH, J. PENNER, A. SCHMITZ & M.F. BAREJ (2014): The taxonomic status of two West African Leptopelis species, L. macrotis SCHIØTZ, 1967 and L. spiritusnoctis RÖDEL, 2007 (Amphibia: Anura: Arthroleptidae). – Zoosystematics and Evolution, 90: 21-31 ist frei verfügbar unter http://zse.pensoft.net/articles.php?id=1089

01.04.2014, Veterinärmedizinische Universität Wien
Hundeleben mit Höhen und Tiefen – Wie sich Aufmerksamkeit im Laufe des Lebens verändert
Der Hund gilt als bester Freund des Menschen. Kein anderes Haustier hat sich dem Lebensstil des Menschen so angepasst wie diese Vierbeiner. WissenschafterInnen vom Messerli Forschungsinstitut an der Vetmeduni Vienna haben erstmals untersucht, wie sich die Aufmerksamkeit bei Hunden im Laufe ihres Lebens entwickelt und welche Ähnlichkeiten es dabei zum Menschen gibt. Das Resultat: Die Entwicklung von Aufmerksamkeit und Sensomotorik verlaufen parallel zur Entwicklung beim Menschen. Die Ergebnisse wurden im Journal Frontiers in Psychology veröffentlicht.
Hunde sind individuelle Persönlichkeiten, besitzen ein Bewusstsein und sind äußerst lernfähig. Damit ihnen das Lernen gelingt, müssen sie über ein ausreichendes Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration verfügen. Die Aufmerksamkeit verändert sich allerdings im Laufe des Lebens bei Hunden sowie beim Menschen. Erstautorin Lisa Wallis und ihre KollegInnen vom Messerli Forschungsinstitut an der Vetmeduni Vienna untersuchten 145 Border Collies verschiedener Altersgruppen (sechs Monate-14 Jahre) im Clever Dog Lab und ermittelten erstmals, wie sich die Aufmerksamkeit bei Hunden über die gesamte Lebenszeit verändert.
Personen sind für Hunde interessanter als Dinge
Um herauszufinden, wie rasch Hunde unterschiedlicher Altersklassen ihre Aufmerksamkeit entweder Objekten oder Personen schenken, führten die Forschenden zwei Tests durch. Die Tiere wurden in der ersten Situation mit einem Kinderspielzeug konfrontiert, das plötzlich von der Decke baumelte. Wie rasch jeder einzelne Hund auf dieses Ereignis reagierte und wie schnell die Hunde sich daran gewöhnten, wurde gemessen. Es stellte sich heraus, dass alle Hunde zu Beginn ähnlich rasch auf den Reiz reagierten. Ältere Tiere verloren aber eher das Interesse an dem Spielzeug als jüngere.
In der zweiten Testsituation betrat eine dem Hund bekannte Person den Raum und gab vor, eine Wand anzumalen. Alle Hunde reagierten, indem sie die Person und die Malerrolle in den Händen der Person länger betrachteten, als das Spielzeug, das zuvor von der Decke hing.
„Die ‚soziale‘ Aufmerksamkeit war bei allen Hunde größer als die ‚nicht-soziale‘ Aufmerksamkeit. Sie achten im Schnitt also eher auf Objekte, die von Personen benutzt werden, als auf Objekte ohne Personen. Wir fanden auch heraus, dass ältere Hunde genauso wie reifere Menschen eine gewisse Gelassenheit zeigen. Sie sind nicht so rasch aus der Ruhe zu bringen wie jüngere Hunde“, schlussfolgert Wallis.
Selektive Aufmerksamkeit ist im mittleren Erwachsenenalter am höchsten
In einem weiteren Test untersuchte Wallis die sogenannte selektive Aufmerksamkeit. Die Hunde mussten dabei sich abwechselnde Aufgaben hintereinander lösen. Zuerst sollten sie Wurststückchen, die Wallis in den Raum warf, finden. Nach dem Auffressen des „Leckerlis“ sollten die Hunde Blickkontakt mit Wallis aufnehmen und ein erneut geworfenes Wurststückchen finden. Die Aufnahme des Blickkontakts markierte Wallis mithilfe eines Klickers, einem Gerät, das ein klickendes Geräusch erzeugt. Nach 20 Durchläufen ermittelte Wallis die Zeitspannen vom Finden des Futters bis zur Aufnahme des Blickkontakts. Es waren die Hunde mittleren Alters (3-6 Jahre), die am schnellsten reagierten.
„Die sensomotorischen Fähigkeiten von Hunden mittleren Alters befinden sich unter diesen Testbedingungen auf einem Höchstniveau. Jüngere Hunde schnitten wahrscheinlich schlechter ab, weil sie insgesamt weniger Erfahrung haben. Bei älteren Hunden sind es wahrscheinlich die motorischen Fähigkeiten, die mit dem Alter nachlassen. Beim Menschen gibt es im Alter zwischen 20 und 39 einen vergleichbaren Höhepunkt der sensomotorischen Fähigkeiten“, so Wallis.
Pubertäre Hunde besitzen die steilste Lernkurve
Auch Hunde gehen durch eine schwierige Phase während ihrer Adoleszenz (1-2 Jahre). Diese Phase der hormonellen Umstellung ist vergleichbar mit der Pubertät beim Menschen. Beim „Klicker-Test“ reagierten die Junghunde deshalb manchmal etwas verzögert. Es zeigte sich aber auch, dass adoleszente Hunde nach mehreren Wiederholungen ihre Leistung schneller verbesserten als andere Altersgruppen. Die Lernkurve der Pubertierenden ist demnach am steilsten. „Die Pubertät birgt also ein erhebliches Lernpotenzial und große Trainierfähigkeit bei den Hunden“, so Wallis.
Hunde als Modell für ADHS und Alzheimer
Da die Entwicklung der Aufmerksamkeit im Laufe eines Hundelebens viele Parallelen zur menschlichen Entwicklung aufzeigt, dienen Hunde als Modelltiere für verschiedene psychologische Erkrankungen des Menschen. Beispielsweise kann der Verlauf von Erkrankungen wie ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) oder Alzheimer am Verhalten der Vierbeiner studiert werden. In ihrem aktuellen Projekt erforscht Wallis die Auswirkungen von Ernährung auf die kognitiven Fähigkeiten bei älteren Hunden. Dazu ist die Forscherin noch auf der Suche nach HundebesitzerInnen, die mit ihren Vierbeinern gerne an einer Langzeitstudie teilnehmen möchten.
Der Artikel „Lifespan development of attentiveness in domestic dogs: drawing parallels with humans“ von Lisa J. Wallis, Friederike Range, Corsin A. Müller, Samuel Serisier, Ludwig Huber und Zsófia Virányi wurde am 7. Februar 2014 im Journal Frontiers in Psychology veröffentlicht. http://journal.frontiersin.org/Journal/10.3389/fpsyg.2014.00071/abstract

01.04.2014, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Borkenkäfer schwärmen aus
Der trocken-warme März hat in den bayerischen Wäldern die Entwicklung der Borkenkäfer beschleunigt.
München (agrar-PR) – Experten rechnen in weiten Teilen Bayerns schon in den nächsten Tagen mit dem ersten großen Schwärmflug.
Forstminister Helmut Brunner hat deshalb die Waldbesitzer aufgerufen, ihre Fichtenwälder in den kommenden Wochen gründlich auf frischen Befall zu kontrollieren. Besonders anfällig sind Bereiche, die bereits im Vorjahr von Käfern befallen wurden, frisch durchforstete Bestände und noch nicht aufgearbeitete Schneebruchnester aus dem vergangenen Winter.
Laut Brunner sind die Symptome gut erkennbar: Bei bereits länger befallenen Bäumen färben sich die Kronen braun und die Rinde blättert ab. Frischer Befall ist am braunen Bohrmehl zu erkennen, das sich auf Rindenschuppen, am Stammfuß, in Spinnweben oder auf der Bodenvegetation ansammelt.
Die sogenannte „saubere Waldwirtschaft“ ist dem Minister zufolge die einzig wirksame und bewährte Methode, um eine Massenvermehrung zu verhindern. Deshalb sollten Käferbäume möglichst rasch aufgearbeitet, entrindet oder mindestens 500 Meter aus dem Wald transportiert werden.
Wegen der derzeit hohen Waldbrandgefahr rät Brunner dringend davon ab, die Rinde und Gipfel der befallenen Hölzer zu verbrennen. Weitaus wirtschaftlicher und ungefährlicher seien das Häckseln und der anschließende Verkauf an Biomasseheizkraftwerke.
Tagesaktuelle Informationen zur Borkenkäfersituation in ganz Bayern gibt es im Internet unter www.borkenkaefer.org. Die Förster an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stehen den Waldbesitzern in allen Fragen der Käferbekämpfung und der Förderung der Wiederaufforstung als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Adressen der zuständigen Ämter finden sich im Internet unter www.forst.bayern.de.

02.04.2014, Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
400 junge Störe für die Oder – Besatzaktion im Nationalpark
Criewen (agrar-PR) – Am kommenden Dienstag (8. April) werden im Nationalpark Unteres Odertal wieder junge Störe ausgesetzt. 400 einjährige Jungfische werden in ihre angestammte Heimat entlassen. Die Fische sind mit kleinen Marken versehen, um das Verhalten der Tiere in ihrem Lebensraum weiter zu erforschen.
Die Gesellschaft zur Rettung des Störs e.V. führt damit im Rahmen des offiziellen Projektes „Der Stör – Rückkehr eines lebenden Fossils“ der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ das bereits 1996 gestartete Vorhaben fort. Ziel ist die dauerhafte Wiederansiedlung des Atlantischen Störs (Acipenser oxyrinchus) in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet, zu dem auch das Flusssystem der Oder gehört. Tatkräftig unterstützt wird die Besatzaktion von Nationalparkfischern und von Mitgliedern des „Angelvereins Ortsgruppe Schwedt/Oder 1922 e.V.“, einem Kooperationspartner der Nationalparkverwaltung. Berufsfischer und Hobbyangler begleiten die Wiederansiedlung des Störs von Beginn an.
Seit dem Erstbesatz der Oder im Jahr 2007 wurden schon über 400.000 Störe, die von der Gesellschaft zur Rettung des Störs und ihren Projektpartnern aus der Nachzucht kanadischer Elterntiere bereitgestellt wurden, im Flusseinzugsgebiet ausgesetzt. Die Vermehrung und einjährige Aufzucht der Jungfische, die schon bis zu einem Kilogramm schwer sind, erfolgte in der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern.
Im Nationalparkhaus in Criewen können Besucher im Oder-Aquarium einige Exemplare des urtümlichen Fisches, der 2014 in Deutschland zum Fisch des Jahres gekürt wurde, besichtigten. Fänger markierter Störe werden gebeten, die Nummer auf der Marke abzulesen, alle Fangdaten zu notieren und die Störe mit der Marke wieder schonend zurückzusetzen. Die Meldung der Daten wird an die Gesellschaft zur Rettung des Störs e.V., Fischereiweg 408 in 18069 Rostock (Tel. 0381 8113429) oder an die Nationalparkverwaltung Unteres Odertal in 16303 Schwedt OT Criewen, Park 2 (Tel. 03332 26770) erbeten und mit einer Fangprämie von 10 € belohnt.

02.04.2014, Umweltbundesamt
Artenschwund auf dem Acker
Pflanzenschutzmittel gefährden Feldvögel
Dessau/Rosslau (agrar-PR) – Der großflächige Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft gefährdet zunehmend Vögel auf Feldern. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA). Vor allem Rebhuhn und Feldlerche finden durch den Chemikalieneinsatz weniger Nahrung, weil mit den Schädlingen auch Futtertiere wie Schmetterlingsraupen und andere Insekten getötet werden. Herbizide beseitigen außerdem Wildkräuter auf den Äckern, von denen die Insekten leben. So wird die Nahrungskette nachhaltig gestört. Dabei wäre es möglich, die Artenvielfalt auf Äckern, Feldern und Wiesen zu schützen. Thomas Holzmann, derzeit amtierender Präsident des Umweltbundesamtes: „Wir brauchen einen Mindestanteil von Flächen, auf denen nicht gespritzt wird. Auf solchen Blühstreifen und Brachen fänden Feldvögel, Schmetterlinge, und Bienen dann genügend Nahrung.“
Vor allem bei Feldvogelarten, die für die Aufzucht ihrer Jungen auf den Feldern nach Insekten suchen, führt der Einsatz eines Insektenvernichtungsmittels während der Aufzucht oft zum Verhungern der Jungtiere und zur Gefährdung der Art. Bei Rebhuhn, Goldammer und Feldlerche sind solche indirekten Gefährdungen durch Pflanzenschutzmittel nach überwiegender wissenschaftlicher Auffassung weitgehend gesichert. Alle Vogelarten, die am Boden brüten, leiden zudem darunter, dass Getreide durch den Einsatz von Pilzbekämpfungsmitteln (Fungiziden) immer dichter angepflanzt werden kann. Den Vögeln bleibt so zu wenig Raum und Nahrung, um ihre Nachkommen aufzuziehen. Für die aktuelle Studie haben Forscher und Forscherinnen die Ergebnisse zahlreicher anderer Studien zur Gefährdung von Beständen ausgewertet, bei insgesamt 27 Vogel- und 22 Säugetierarten. Sie wollten wissen, welche Ursachen es für den an vielen Orten beobachteten Artenrückgang gibt.
Da mit der intensiven Landwirtschaft ein generelles Verbot chemischer Pflanzenschutzmittel nicht vereinbar ist, sind Ausgleichsmaßnahmen notwendig: „Mit Blühstreifen, Brachflächen und unbehandelten Dünnsaaten lässt sich auch in der modernen, intensiven Landwirtschaft die Artenvielfalt auf den Äckern schützen. Vieles davon ist bereits Bestandteil von den Agrarumweltprogrammen der Bundesländer, wir haben also gute Praxiserfahrungen damit. Die negativen Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln lassen sich so deutlich mindern, ohne die Erträge zu gefährden.“, sagte Thomas Holzmann. Langfristig müsse die Abhängigkeit der Landwirtschaft von chemischen Pflanzenschutzmitteln ohnehin verringert werden. Das sei auch der klare Auftrag der EG-Rahmenrichtlinie zur nachhaltigen Verwendung von Pestiziden an die Mitgliedstaaten. „Der Ökolandbau zeigt schon heute, dass es möglich ist, weitgehend ohne chemische Pflanzenschutzmittel auszukommen. Bislang hat der Ökolandbau in Deutschland allerdings nur einen Flächenanteil von 6 Prozent – und verfehlt damit das Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie von mindestens 20 Prozent Ökolandbau. Hier kann und muss mehr passieren.“, so Thomas Holzmann.
Hintergrund
In Deutschland werden pro Jahr fast 100.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel auf Äckern, Wiesen, Wein- und Obstkulturen eingesetzt. Die Mittel unterliegen einer strengen Zulassung, an der auch das UBA beteiligt ist. Pflanzenschutzmittel dürfen nur nach guter fachlicher Praxis angewendet werden und sich nicht unvertretbar auf die biologische Vielfalt auswirken. Im Zulassungsverfahren prüft das UBA umfassend die Umweltverträglichkeit eines Pflanzenschutzmittels und macht Vorschläge für ein Risikomanagement.

04.04.2014, Stiftung Universität Hildesheim
Nationalpark Asinara: Juniorforschergruppe entwickelt Strategie zum Erhalt der Artenvielfalt
Auf Asinara, einer ehemaligen Gefängnisinsel vor Sardinien, leben heute kaum Menschen, dafür weist die Insel jedoch eine besonders hohe Biodiversität auf. So wurden beispielsweise etwa 700 Pflanzenarten auf der Insel nachgewiesen. Doch diese Vielfalt ist durch eine zu große Zahl an Weidetieren und Klimawandel bedroht. Biologen und Geologen der Universität Hildesheim untersuchen seit einem Jahr die Wechselwirkungen zwischen Klima, Böden, Beweidung und Biodiversität. Sie zählen Tiere und protokollieren Verhaltensweisen. In Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Asinara entwickeln sie ein Schutzkonzept für den Nationalpark.
Im mediterranen Raum zählt Sardinien zu den Gebieten mit dem höchsten Artvorkommen in der Pflanzenwelt. Auf der italienischen Insel Asinara – die nur 52 Quadratkilometer groß ist – wurden etwa 700 Pflanzenarten gefunden. Diese hohe Artenzahl kommt durch die reich strukturierte Landschaft – hügeliges Inland und Küstenzonen – sowie durch die hohe Vielfalt an großen Weidetieren, wie beispielsweise Pferde oder Esel, zustande.
„Doch die Insel leidet an Überweidung durch ausgewilderte Nutztiere wie Ziegen, Pferde und Esel, die durch Menschen in das eigentlich abgeschlossene Ökosystem eingebracht wurden. Sie vermehren sich – es gibt bisher keine ausreichende Regulierung. Wie Alcatraz war Asinara eine Gefängnisinsel, erst seit 1999 ist sie ein Nationalpark – und somit dürfen Tiere dort eigentlich nicht gejagt werden“, sagt Jasmin Mantilla-Contreras, Juniorprofessorin für Ökologie und Umweltbildung an der Universität Hildesheim. Gemeinsam mit Geographieprofessor Martin Sauerwein leitet sie das Forschungsprojekt. Dabei geht es um Lösungswege, wie der Nationalpark gemanagt werden kann, um die Artenvielfalt zu erhalten. Nicht nur Überweidung, auch der Klimawandel ist in dieser Region spürbar. „Das mediterrane Ökosystem liegt in einer sensiblen Klimazone und kann auf Klimawandel bei geringen Änderungen extrem reagieren. So könnten beispielsweise die Sommer in der Zukunft noch trockener werden“, sagt Martin Sauerwein. Insbesondere sensible Arten könnten dann verdrängt und die hohe Artenzahl insgesamt verringert werden, wenn nicht ausreichend Wasser zur Verfügung steht.
Auf Asinara leben heute kaum Menschen, nur die Nationalparkwächter. Seit einem Jahr sind die Biologen und Geologen regelmäßig vor Ort. Darunter vier Doktoranden. Welchen Einfluss die Beweidung auf die Artenvielfalt hat – darauf konzentrieren sich die jungen Nachwuchswissenschaftler. Robin Stadtmann untersucht den Boden und das Relief, um insbesondere die Ökosystemdienstleistungen der Böden abschätzen zu können. Tim Drissen – wie Robin Stadtmann einer der ersten Absolventen des Masterstudiengangs Umweltwissenschaft und Naturschutz der Hildesheimer Universität – untersucht die pflanzliche Diversität auf der Insel. Julia Treitler untersucht, wie viele Weidetiere auf der Insel leben, wie groß die Herden sind und welche Fraßvorlieben sie haben. Aus den Einzelvorhaben sollen Rückschlüsse gezogen werden welche Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen dem Relief, dem Boden, der Vegetation und den Weidetieren bestehen. Seit diesem Monat ist noch eine weitere Doktorandin dazu gekommen: Rebecca Winter untersuchte in ihrer Masterarbeit das Vorkommen von Fledermäusen auf der Insel. Da sie eine sehr hohe Aktivität sowie eine große Artenzahl auf der Insel fand, wird sie ihre Forschungen im Rahmen einer Doktorarbeit erweitern.
In einer ersten Phase – das gesamte Forscherteam war zum Projektbeginn 2013 zehn Wochen auf der Insel – wurden Zählungen durchgeführt und Verhaltensprotokolle geschrieben. Welche Tiere sind wo, welche Pfade nutzen sie? Dabei wurde deutlich, dass insgesamt zu viele Tiere auf der Insel sind. Besonders problematisch sind Ziegen und Wildschweine, die sich zahlreich vermehrt haben und durch Überweidung oder Umwühlen von Vegetation Schäden anrichten. Pferde kommen hauptsächlich auf dem Südteil der Insel vor, graue Esel auf dem Nordteil, weiße Esel bevorzugt im Süden; Mufflons, Ziegen und Wildschweine kommen auf der gesamten Insel vor. Viele Tiere wie etwa die weißen Esel nutzen die alten Gefängnisgebäude als Schattenplätze. Es zeigte sich zudem, dass sich die Tiere in den Sommermonaten anders verhalten als in den Wintermonaten, was an der Jahreszeit liegen kann, aber auch an der Abwesenheit der Touristen während der Wintermonate.
Mittlerweile konnten die Juniorforscher erste Lösungsstrategien in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark entwickeln. Der Nationalpark möchte die Esel und Pferde auf der Insel halten, es soll jedoch eine starke Regulation der Ziegen und Wildschweine erfolgen. Die Juniorforschergruppe schlägt außerdem vor, die alten Gebäude stehen zu lassen, da diese auch von Fledermäusen als Quartiere genutzt werden. Da Touristen einen Einfluss auf die Tiere zu haben scheinen, sollte überlegt werden weniger Touristen auf die Insel zu lassen.
Die Hildesheimer Juniorforschergruppe „Einfluss von Beweidung, Pedosphäre, Relief und Klimawandel auf die Biodiversität im Nationalpark Asinara (Sardinien)“ arbeitet mit der Freien Universität Bozen (Prof. Dr. Stefan Zerbe) zusammen. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Fischer-Stiftung) fördert das Forschungsprojekt mit 150.000 Euro bis 2016. Die Glaser-Stiftung, ebenfalls im Stifterverband, unterstützt die Doktorarbeit von Rebecca Winter mit weiteren 45.000 Euro bis 2017. Die Forscher binden auch Studierende der Bachelorstudienvariante Umweltsicherung sowie des Masterstudienganges „Umweltwissenschaft und Naturschutz“ ein, sie nehmen an Exkursionen nach Sardinien teil. Derzeit schreiben zwei weitere Masterstudierende ihre Abschlussarbeiten auf Asinara.

04.04.2014, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
My bonnie is over the ocean – Süßwasser-Schildkröte überwindet zwecks Fortpflanzung Ägäisches Meer
Dresden, den 04.04.2014. Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden haben gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam die weitverbreitete Süßwasserschildkröte Mauremys rivulata untersucht. Trotz geographischer Barrieren sind die Schildkröten in ihrem riesigen Verbreitungsgebiet genetisch sehr ähnlich. Dies deutet darauf hin, dass die Tiere hunderte Kilometer Meer überqueren, um sich mit ihren Artgenossen fortzupflanzen. Die zugehörige Studie erscheint heute im Fachjournal „Zoologica Scripta“.
Mauremys rivulata ist eine höchstens 24 Zentimeter große Schildkröte, die sich in und an Seen und Bächen im Gebiet der östlichen Mittelmeerländer von Südosteuropa und Griechenland über die westliche Türkei bis in den Libanon sowie in Israel, Syrien und auf den Inseln Kreta und Zypern tummelt und wohl fühlt.
Die weite Verbreitung der Panzerträger nahm die Forschergruppe von Prof. Dr. Uwe Fritz, Geschäftsführender Direktor bei Senckenberg Dresden, zum Anlass, die Schildkrötenart genauer zu untersuchen.
„Durch die vielen geographischen Barrieren im Lebensraum dieser Süßwasser-Schildkröten – allen voran das Ägäische Meer – sind wir davon ausgegangen, dass es viele genetisch unterschiedliche Populationen gibt. Dem lag die Überlegung zugrunde, dass der Genfluss zwischen den einzelnen Vorkommensgebieten fehlt, da das Meer die Populationen voneinander isoliert.“, erzählt Fritz.
Es zeigte sich jedoch ein völlig anderes Bild: Mit verschiedenen genetischen Methoden untersuchten die Wissenschaftler 340 Schildkröten-Proben von insgesamt 63 Lokalitäten, die sich über das gesamte Verbreitungsgebiet verteilten. „Das Erstaunliche ist, dass selbst räumlich weit voneinander entfernte Schildkröten ein nahezu identisches genetisches Muster zeigen“, erklärt Fritz. Die Schildkröten müssen demnach einen Weg gefunden haben, ihre Gene über weite Distanzen – und über hunderte Kilometer Meeresstrecken hinweg – auszutauschen.
Doch wie schaffen es die Tiere, auf beiden Seiten der Ägäis zu leben, ohne dass sich im Laufe der Zeit eine eigenständige Art entwickelte? „Eine Idee wäre, dass die Schildkröten von Menschen in die verschiedenen Regionen gebracht wurden und sich so der Genpool immer wieder mischen konnte.“, erklärt Melita Vamberger, die Erstautorin der Studie, und ergänzt „Doch Mauremys rivulata wurde – im Gegensatz zu anderen Schildkröten – nie gern gegessen, weil diese Tiere furchtbar stinken. Es gab und gibt daher keinen ersichtlichen Grund, die Schildkröten im großen Stil zu transportieren.“
So blieb für die Forscher nur noch eine, auf den ersten Blick abwegige Möglichkeit: „Wir gehen davon aus, dass diese Süßwasser-Schildkröte regelmäßig über das Meer verbreitet wird. Vermutlich werden Schildkröten immer wieder über Stürme aus ihren Lebensräumen in Küstensümpfen ins Meer verfrachtet und dort können sie offenbar lange überleben. So lange, bis sie irgendwo wieder an eine Küste gespült werden. Dieser gelegentliche Austausch reicht!“
Tatsächlich wurde vor einiger Zeit eine Mauremys rivulata auf offener See bei Zypern gefangen, was diese Hypothese unterstützt.
Und was eine Schildkröte kann, ist auch für andere eine denkbare Option. „Es sei gut möglich“, meint Fritz, „dass auch weitere Süßwasserarten den Weg übers Meer nehmen.“ Dies hätte dann auch weitreichende Folgen für die Schutzmaßnahmen der verschiedenen, häufig bedrohten Schildkrötenarten.

03.04.2014, NABU
NABU reicht Beschwerde in Brüssel wegen Verlust von artenreichem Grünland ein
Angesichts des dramatischen, zuletzt auch von der Bundesregierung selbst belegten Verlusts an artenreichen Wiesen und Weiden sowie den davon abhängigen Vogelarten hat der NABU heute formell Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. Die deutschen Bundesländer verstoßen nach Ansicht des NABU klar gegen die EU-Naturschutzrichtlinien, weil sie zu wenig für den Erhalt besonders geschützter Lebensräume und Vogelarten tun. Laut NABU kann man dabei von einem Systemversagen der Verwaltung auf ganzer Linie sprechen. „Ein klarer Fall für eine EU-Beschwerde – notfalls muss Deutschland vor den Europäischen Gerichtshof, damit sich endlich etwas ändert“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
Vögel wie Kiebitz, Uferschnepfe und Bekassine haben in den vergangenen 25 Jahren drei Viertel ihres Bestandes eingebüßt. Sogar in Schutzgebieten werden laut NABU-Studien in großem Stil geschützte Grünlandflächen meist ungestraft untergepflügt und zum Beispiel in Maisäcker umgewandelt. Viele Flächen werden auch durch Düngung oder Entwässerung intensiviert und damit ökologisch entwertet. „Gehen Entwicklungsländer so mit dem Regenwald um, ist die Empörung groß. Wenn aber vor unserer Haustür ein massenhaftes Artensterben beim ‚Tafelsilber‘ unserer Kulturlandschaft angerichtet wird, werden gerne alle Augen zugedrückt – von den Landratsämtern bis zur Bundesregierung“, so Tschimpke.
Der NABU hofft nun auf ein Verfahren der EU-Kommission, um Reformen zu erzwingen. Die von Deutschland mit verabschiedete EU-Vogelschutzrichtlinie verlangt nämlich von den Regierungen, die Bestände aller wildlebenden Vogelarten in einem günstigen Zustand zu erhalten. Mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) haben sich die Mitgliedstaaten der EU zudem verpflichtet, artenreiche Grünlandlebensräume zu erhalten und Verschlechterungen auszuschließen. Erst vergangene Woche hat die Bundesregierung Daten nach Brüssel gemeldet, die zeigen, dass in Deutschland genau der gegenläufige Trend zu beobachten ist. „In unseren Analysen haben wir gravierende Verstöße gegen beide Richtlinien festgestellt, daher reichen wir zwei Beschwerden in Brüssel ein“, so Tschimpke.
Der NABU betont in diesem Zusammenhang, dass ein Gerichtsprozess vor dem EuGH keinesfalls erstrebenswert ist und nur die letzte Wahl für den Naturschutz darstellt. Um ein aufwendiges Verfahren zu vermeiden, fordert der NABU von Bund und Ländern einen verbindlichen Aktionsplan für das artenreiche Grünland. Darin sollte jeglicher Grünlandumbruch in Schutzgebieten verboten und ein Maßnahmenpaket zur Behebung der Vollzugsdefizite im Grünlandschutz vereinbart werden. Ferner fordert der NABU einen effektiven nationalen Schutz für die Natura-2000-Schutzgebiete nach EU-Recht sowie eine deutlich stärkere und gezieltere Förderung des artenreichen Grünlands und der Wiesenbrüter über die Förderprogramme von Bund und Ländern.

Dieser Beitrag wurde unter Wissenschaft/Naturschutz abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen