Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

07.04.2014, Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz
Thüringer Züchter erhalten gefährdete Geflügelrassen
Landesverbandstag der Thüringer Rassegeflügelzüchter in Dermbach
Erfurt (agrar-PR) – Thüringens Agrarstaatssekretär Roland Richwien hat den privaten Züchtern von Rassegeflügel für ihr Engagement bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt gedankt. „Mit ihrer Zuchtarbeit leisten sie einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt alter, gefährdeter Lokalrassen, zum Erhalt der genetischen Vielfalt und zum Erhalt eines Kulturguts“, sagte Richwien heute anlässlich des Landesverbands­tags der Thüringer Rassegeflügelzüchter im Dermbach (Rhön).
Der Staatssekretär verwies außerdem auf die Bedeutung der Zuchtvereine für die Freizeitgestaltung und den sozialen Zusammenhalt. „Mit der Jugendarbeit legen sie das Fundament für die Rassegeflügelzucht der kommenden Jahrzehnte und lehren Kinder den verantwortungsvollen Umgang mit allem Lebendigen“, sagte Richwien.
Im Freistaat sind mehr als 7.000 private Rassegeflügelzüchter in einem Verein organisiert. Regelmäßig stellen die Züchter ihre Hühner, Gänse, Enten oder Tauben auf Kreis- und Landesebene zur Schau.

08.04.2014, Universität Zürich
Die Menschenaffen mit den unglaublichen Singkünsten
Gibbons sind Menschenaffen wie Schimpansen und Gorillas. Dennoch sind sie kaum bekannt. Die neue Sonderausstellung «Gibbons – die singenden Menschenaffen» im Anthropologischen Museum der Universität Zürich stellt die Tiere, ihren beeindruckenden Gesang, ihre Kletterkünste vor und macht auf ihre prekäre Lage aufmerksam: Früher verehrt, sind heute beinahe alle Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Ausstellung öffnet am 10. April ihre Pforten.
Lautes Heulen, ein kehliges Flöten, rhythmisches Stakkato, Melodien in aufsteigenden und fallenden Tonhöhen – ein Lied höchst exotischer Art singen die Gibbons im südostasiatischen Dschungel bei Tagesanbruch. Die territorialen Morgengesänge dieser Menschenaffen gehören zu den spektakulärsten Rufen unter den Säugetieren und gelten als bestes Modell für die Entwicklungsgeschichte der menschlichen Musik. Die Gibbons sind nämlich dem Homo sapiens nach den Schimpansen, Gorillas und Orang Utans verwandter als alle anderen Primaten. Doch im Gegensatz zu ihren grossen Verwandten ist in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt über diese kleinen Menschenaffen, die sich in den Baumwipfeln des Urwalds tummeln. Die neue Sonderausstellung im Anthropologischen Museum der Universität Zürich ist den Gibbons gewidmet, die mit ihren 19 Arten rund 70 Prozent der Menschenaffen ausmachen, weltweit aber vom Aussterben bedroht sind. «Die Ausstellung soll die faszinierenden Tiere vorstellen und die Besuchenden in die unbekannte Welt der Gibbons entführen», sagt Primatenforscher und Projektverantwortlicher Thomas Geissmann.
Effizientes Hangeln von Ast zu Ast
Auch abgesehen vom Gesang, mit dem sie sich im dichten Blätterwerk verständigen und in Duetten ihre Beziehung pflegen, sind die Gibbons in vieler Hinsicht einzigartig unter den Menschenaffen. So leben sie in kleinen Familiengruppen, bestehend aus einem erwachsenen Elternpaar sowie ein bis drei seiner Jungtiere. Diese monogame Gruppenstruktur kommt nur bei rund drei Prozent aller Säugetiere vor. Die Kleinfamilien bewohnen die Kronenregion der Urwaldbäume, wo sie sich hauptsächlich von Früchten und Blättern ernähren.
«Um diesen Lebensraum einzunehmen, haben die Gibbons ihre Fortbewegungen verglichen mit anderen Primaten hochgradig spezialisiert», erklärt Geissmann. Die rund fünf bis zwölf Kilo schweren Gibbons beherrschen das sogenannte Schwinghangeln perfekt: Es ist nicht nur energiesparend, sich mit den Armen von Ast zu Ast zu hangeln, sondern es erweitert ihren Bewegungsspielraum erheblich. «Während andere Affenarten sich zum Essen auf einen Ast setzen müssen, kann der Gibbon zusätzlich unter dem Ast hängend Früchte erreichen und verzehren», erklärt Geissmann. Der kleine Affe kann zudem auf den Ästen stehen und so aufrecht gehen wie kein anderer Menschenaffe.
Verehrt und trotzdem beinahe ausgerottet
Die Ausstellung beleuchtet auch die ambivalente Beziehung des Menschen zu diesen Tieren: Einerseits waren die Gibbons die ersten Menschenaffen, die eine wichtige Rolle in der menschlichen Kultur spielten und in China seit mehr als 2000 Jahren Eingang in Literatur und Malerei fanden. Sie wurden als Symbol für die Verbindung zwischen Mensch und Natur verehrt, da die Affen scheinbar menschliche Gestalt annehmen könnten. Gar vermutete man, dass Gibbons unsterblich seien, da sie durch ihren Gesang besonders viel «Qi» – nach daoistischer Philosophie also Lebensatem – erlangten.
Andererseits sind diese Menschenaffen vom Aussterben bedroht, weil der Mensch ihren Lebensraum zerstört, die Wälder abholzt und die Tiere jagt, um sie zu verzehren, als Haustiere zu verkaufen oder zu traditioneller «Medizin» zu verarbeiten. «Heute haben die Gibbons in China 99 Prozent ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes verloren», sagt Geissmann. Ältere Malereien und Gedichte der Verehrung ermöglichen heute die Rekonstruktion früherer Siedlungsgebiete in China. Ähnlich problematisch sieht die Situation in den anderen Ländern aus, in denen Gibbons vorkommen, zum Beispiel Bangladesch, Thailand, Kambodscha, Vietnam, Laos oder Indonesien. Gemäss Roter Liste der «World Conservation Union» sind weltweit 18 von 19 Gibbonarten bedroht, vier davon kritisch. Mit dieser Ausstellung hofft Thomas Geissmann, der die Tiere seit Jahren in Asien erforscht, auf die Gefährdung dieser Menschenaffen aufmerksam zu machen.
«Gibbons – die singenden Menschenaffen»
Neue Sonderausstellung im Anthropologischen Museum der Universität Zürich
www.aim.uzh.ch
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 12:00 – 18:00 Uhr, Eintritt frei
Museum der Anthropologie, Universität Zürich, Winterthurerstrasse 190, Standort Irchel, 8057 Zürich
Begleitheft zur Ausstellung: Bestellbar unter museum@aim.uzh.ch; CHF 10
Führung: Anmeldung unter http://www.aim.uzh.ch/Museum/fuehrungen.html

08.04.2014, Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz
Land fördert Umweltbildung am Wildkatzenpfad
Erfurt (agrar-PR) – Der Wildkatzenpfad rund um Hütscheroda wird zum interaktiven Lernort für Kinder und Jugendliche. Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz hat dazu heute dem Vorsitzenden des BUND Thüringen Ron Hoffmann einen Förderbescheid in Höhe von rund 66.500 Euro übergeben. Mit dem Geld will der BUND den Pfad zu einem „Wildkatzen-Forscherpfad“ mit acht Stationen ausgestalten und Schulungsmaterial entwickeln.
„Wissen über die Natur erwerben Kinder am besten durch eigene Erfahrungen. Das Projekt des BUND sensibilisiert spielerisch für einen achtsamen Umgang mit der Umwelt,“ sagte Minister Reinholz in Hütscheroda. „Besonders freut mich, dass dieses Projekt im Nationalpark Hainich stattfindet und die Bildungsarbeit der Nationalen Naturlandschaften in der Welterberegion ergänzt.“
Am Wildkatzen-Forscherpfad rund um das Thüringer Wildkatzendorf können Schüler bald erleben, wie sich die Flächennutzung in den vergangenen Jahrhunderten verändert hat und welche Folgen die menschliche Nutzung für die Umwelt hat. Als Beispiel dient die Wildkatze, deren Lebensraum durch die expansive Lebensweise des Menschen stark eingeschränkt wurde. Das Projekt soll nicht nur Wissen über die Natur, biologische Vielfalt und Artensterben vermitteln, sondern auch Handlungskompetenz trainieren.
Der BUND will mit den Fördermitteln unter anderem auch geeignetes pädagogisches Begleitmaterial erarbeiten und Projekttage für Schulklassen vor Ort bezuschussen. Das Thüringer Umweltministerium unterstützt das Projekt am Wildkatzenpfad im Rahmen der Förderung der Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Umweltbildung in Thüringen.

09.04.2014, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Verhaltensbiologen untersuchen Auswirkungen der Domestikation bei Meerschweinchen
Verhaltensbiologen der Universität Münster haben den Domestikationsprozess bei Meerschweinchen untersucht. Dabei konnten sie zeigen: Haus- und Wildmeerschweinchen weisen unter gleichen Haltungsbedingungen deutliche Unterschiede in ihrem Verhalten und in ihrem Hormonstatus auf – schon bevor sie ausgewachsen sind. Die Ergebnisse sind in „Frontiers in Zoology“ veröffentlicht.
Um aus einem Wildmeerschweinchen ein Haustier zu machen, reicht es nicht, es in einen Käfig zu sperren. Schon bevor die Tiere ausgewachsen sind, zeigen Hausmeerschweinchen und ihre wilden Verwandten unter gleichen Haltungsbedingungen deutliche Unterschiede in ihrem Verhalten und in ihrem Hormonstatus. Das haben Verhaltensbiologen der Universität Münster nachgewiesen. So sind Hausmeerschweinchen beispielsweise geselliger, Wildmeerschweinchen dagegen mutiger. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des frei zugänglichen Online-Fachmagazins „Frontiers in Zoology“ veröffentlicht.
Hausmeerschweinchen sind domestizierte Wildmeerschweinchen. In Südamerika werden sie bereits seit etwa 3000 bis 6000 Jahren gehalten, in Westeuropa seit dem 16. Jahrhundert. Typisch für Haustiere: Sie sind weniger aggressiv als ihre wilden Verwandten. Doch wie wurde aus der Wildform das Haustier? Welche Rollen spielen Erbanlagen und Umwelt?
Um Licht in den Domestikationsprozess zu bringen, verglichen die Forscher männliche Haus- und Wildmeerschweinchen, und zwar jeweils zu Beginn und zum Ende der Adoleszenz (umgangssprachlich Pubertät) im Alter von 50 beziehungsweise 120 Tagen. Da diese Zeit des Heranwachsens bei männlichen Hausmeerschweinchen wie beim Menschen eine Phase großer Veränderungen im Organismus ist, wählten die Forscher genau dieses Lebensalter für ihre Studie. In Verhaltenstests untersuchten sie, wie die Tiere auf andere Meerschweinchen reagierten und ob sie sich in verschiedenen Situationen mutig oder ängstlich verhielten – ob sie sich beispielsweise trauten, eine hell erleuchtete Arena zu erkunden oder von einer Plattform zu springen.
Die Ergebnisse: Die Hausmeerschweinchen waren geselliger als ihre wilden Verwandten, allerdings weniger abenteuerlustig. Wie die Hormonuntersuchungen zeigten, hatten sie einen deutlich höheren Testosteronspiegel. Auf Stress – verursacht durch eine unbekannte Umgebung – reagierten sie jedoch mit einem weniger starken Anstieg des Cortisolgehalts im Blut als Wildmeerschweinchen. Aus evolutionsbiologischer Sicht machen diese Unterschiede Sinn: Die stärkere Stressreaktion hilft Wildmeerschweinchen, schnell auf Gefahren zu reagieren. Ihr mutiges Verhalten erleichtert ihnen die Erkundung neuer Lebensräume. Hausmeerschweinchen dagegen müssen oft mit zahlreichen Artgenossen auf engem Raum zusammenleben, was nur bei friedlichem Verhalten möglich ist. Die Reaktionen der Tiere änderten sich mit zunehmendem Alter kaum, die Unterschiede zwischen Haus- und Wildmeerschweinchen bilden sich also nicht erst im Laufe des Heranwachsens heraus.
Benjamin Zipser, federführender Autor der Studie, erklärt: „Der Testosteronspiegel steigt durch häufige soziale Kontakte. Der erhöhte Testosteronspiegel wiederum bewirkt, dass die Hausmeerschweinchen weniger Cortisol ausschütten.“ Da eine starke physiologische Stressantwort aggressives Verhalten auslösen könne, erklären die Wissenschaftler das umgängliche Verhalten der Hausmeerschweinchen mit der abgeschwächten Ausschüttung des Stresshormons. „Über diesen Mechanismus könnten sich zumindest einige der Verhaltensunterschiede zwischen Wild- und Hausmeerschweinchen erklären lassen. Unsere Hypothesen müssen nun allerdings in weiteren Studien überprüft werden“, so Benjamin Zipser.
Benjamin Zipser ist Doktorand in der Abteilung für Verhaltensbiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Sachser und Mitglied im „Otto Creutzfeldt Center for Cognitive and Behavioral Neuroscience“, einem interdisziplinären Forschungsverbund der Universität Münster. Während der Promotion wurde er durch die Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert.
Literaturangabe:
Benjamin Zipser, Anja Schleking, Sylvia Kaiser and Norbert Sachser (2014): Effects of domestication on biobehavioural profiles: a comparison of domestic guinea pigs and wild cavies from early to late adolescence. Frontiers in Zoology 2014, 1:30; doi:10.1186/1742-9994-11-30

09.04.2014, Deutsche Wildtier Stiftung
Städter mit Stacheln!
Dr. Lisa Warnecke erhält den Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung für ihr Projekt rund um Igel in der Stadt
Hamburg (ots) – Die Hamburgerin Dr. Lisa Warnecke (35) erhielt gestern den mit 50.000 Euro dotierten Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung in Form eines Stipendiums. Die feierliche Verleihung fand im Zoologischen Museum in Hamburg statt. Ihr Projekt „Anpassung von Wildtieren an urbane Lebensräume – am Beispiel des Igels“ wurde von einer unabhängigen Jury renommierter Fachwissenschaftler ausgewählt.
„Mit dem Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung werden nur herausragende wissenschaftliche Forschungsvorhaben gefördert, die das Wissen rund um heimische Wildtiere in dichtbesiedelten und naturarmen Gebieten deutlich voranbringen“, betonte Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Vorstand der Deutschen Wildtier Stiftung in seiner Begrüßungsansprache. „Stadtökologie ist ein Themenfeld von wachsender Bedeutung, denn es gibt rund um das Zusammenleben von Menschen und Wildtieren im urbanen Lebensraum mehr Fragen als Antworten.“
Der Igel steht im Mittelpunkt der Arbeit von Dr. Lisa Warnecke, die am Zoologischen Institut der Universität Hamburg forscht. Lisa Warnecke wird im Jahresverlauf die Körpertemperatur und die Stoffwechselaktivitäten freilaufender Igel messen, um später die Unterschiede zwischen stacheligen Städtern und stacheligen Dorfbewohnern zu vergleichen. Gibt es eine Anpassung an urbane Lebensverhältnisse? Wie wirken sich Störungen in der Stadt auf Igel aus? Was haben schwankende Umweltbedingungen mit dem Energiehaushalt zu tun? Das Forschungsprojekt von Dr. Warnecke wird Antworten auf diese Fragen bringen.
Der Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung wurde gestern zum 10. Mal verliehen. Ausgezeichnet wurden im Laufe der Jahre unter anderem Arbeiten zum Feldhamster, zur Wiesenweihe, zum Siebenschläfer und zum Feldhasen.

09.04.2014, Forschungsverbund Berlin e.V.
Schädelmissbildungen bei Löwen
Ein internationales Wissenschaftsteam unter der Leitung von ForscherInnen der Hebräischen Universität in Jerusalem und dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin untersuchten Schädelmissbildungen bei Löwen, die für neurologische Erkrankungen und eine erhöhte Sterblichkeit verantwortlich gemacht werden. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Missbildungen durch eine Verschränkung von Umweltbedingungen und Erbanlagen entstanden sein könnten. Die Ergebnisse wurden jetzt im wissenschaftlichen Online-Journal PLOS ONE veröffentlicht.
Die WissenschaftlerInnen untersuchten die Morphologie von 575 Löwenschädeln, die sich in Sammlungen von Museen in Nordamerika, Europa, Asien und Afrika befinden und entweder aus dem Freiland oder aus der Gefangenschaft stammten. Die ForscherInnen verglichen die Ergebnisse mit den Schädeln von Tigern, einer ebenfalls rein fleischfressenden Raubtierart vergleichbarer Körpergröße. Während die Schädel von Tigern aus Gefangenschaft oder Wildnis ähnlich waren, wurden bei den Löwenschädeln große Unterschiede festgestellt.
Löwen werden seit Jahrzehnten in Gefangenschaft gehalten, und obwohl sie sich gut fortpflanzen, gibt es eine hohe Zahl von Totgeburten, sowie häufige Fälle von Krankheit und Sterblichkeit bei Neugeborenen und jungen Löwen. Viele dieser Fälle gehen auf Fehlbildungen der Schädelknochen zurück. So kommt es oftmals zu einer Verengung des Foramen magnum – der Öffnung an der Hinterseite des Schädels, durch die das Rückenmark mit dem Gehirn verbunden ist.
Die wissenschaftliche Kooperation zwischen der Hebräischen Universität in Jerusalem, dem IZW Berlin, der Universität Oxford, dem Zoologischen Zentrum Tel Aviv-Ramat Gan und den Blue Pearl NYC Veterinary Specialists zeigte, dass nur bei 0,4 Prozent der Löwenschädel aus dem Freiland eine Verengung des Foramen magnum vorlag. Bei Löwenschädeln aus der Gefangenschaft trat dieses Problem um das vierzigfache häufiger auf (15,8 Prozent der Tiere). Die Schädel von Tieren aus der Gefangenschaft waren zudem breiter und hatten ein kleineres Schädelvolumen. Diese Ergebnisse bei Löwen (und ihr Fehlen bei Tigern) weisen darauf hin, dass das Auftreten der Pathologie bei Löwen durch die Verschränkung von Umweltbedingungen und genetischer Veranlagung beeinflusst wird. „Die morphologischen Veränderungen, die bei vielen Löwenschädeln aus Gefangenschaft gefunden wurden, legen nahe, dass einige der Löwen an diesen Veränderungen starben, da das Hinterhirn und die Wirbelsäule durch die abnorme und übermäßige Deformation der Knochen zusammengestaucht wurden. Dies erzeugt neurologische Anomalien“, sagt Dr. Merav Shamir von der Hebräischen Universität Jerusalem. „Es wäre interessant zu wissen, ob dies ein besonderes Problem bei Löwen ist. Ähnliche Untersuchungen an anderen großen Katzen wären zur Aufklärung des Problems sehr hilfreich“, fügte Dr. Nobuyuki Yamaguchi von der Universität Oxford hinzu.
Die abnormale Schädelmorphologie von Löwen in Gefangenschaft wurde schon seit dem 15. Jahrhundert dokumentiert und ist seitdem Gegenstand vieler Untersuchungen. „Trotzdem ist die Ursache für diese morphologischen Veränderungen noch nicht bekannt“, sagt Dr. Joseph Saragusty vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Der Verlust von Löwen durch diese Erkrankung in Gefangenschaft macht deutlich, dass weitere Untersuchungen nötig sind, um die Häufigkeit ihres Auftretens zu vermindern.
Publikation
Saragusty J, Shavit-Meyrav A, Yamaguchi N, Nadler R, Bdolah-Abraham T, Gibeon L, Hildebrandt TB, Shamir MH. Comparative skull analysis suggests species-specific captivity-related malformation in lions (Panthera leo).
PLOS ONE, DOI: 10.1371/journal.pone.0094527

10.04.2014, Universität Zürich
Kamele stossen weniger Methan aus als Kühe und Schafe
Wiederkäuer atmen bei ihrer Verdauung Methan aus. Ihr Anteil an diesem weltweit produzierten Treibhausgas ist beachtlich. Bisher nahm man an, dass ähnlich verdauende Kamele in gleicher Menge das klimaschädigende Gas produzieren. Doch nun zeigen Forschende der Universität Zürich und der ETH Zürich, dass Kamele weniger Methan freisetzen als Wiederkäuer.
Wiederkäuende Kühe und Schafe verursachen einen wesentlichen Teil des global produzierten Methans. Aktuell stammen weltweit ungefähr 20 Prozent der Methan-Emissionen von Wiederkäuern.
In der Atmosphäre trägt Methan zum Treibhaus-Effekt bei – darum suchen Forscher nach Möglichkeiten, die Methanproduktion bei Wiederkäuern zu reduzieren. Über die Methanproduktion anderer Tierarten ist vergleichsweise wenig bekannt – nur soviel scheint klar: Wiederkäuer produzieren pro Menge verwertetem Futter mehr davon als andere Pflanzenfresser.
Die einzige andere Tiergruppe, die wie Wiederkäuer regelmässig «wiederkäut», sind Kamele – dazu gehören die Alpakas, Lamas, Dromedare und Trampeltiere. Auch sie haben einen mehrkammrigen Vormagen, auch sie würgen Nahrungsbrei aus diesem wieder hoch, um ihn durch nochmaliges Kauen zu zerkleinern. Deshalb nahm man bisher an, dass Kamele in gleicher Menge Methan produzieren wie Wiederkäuer. Forschende der Universität Zürich und der ETH Zürich haben nun diese Annahme in einem vom Schweizer Nationalfonds geförderten Projekt überprüft und kommen zum Ergebnis: Kamele setzen in absoluten Mengen weniger Methan frei als Kühe und Schafe mit vergleichbarer Körpergrösse. Bezieht man die Methanproduktion jedoch auf die Menge an verwertetem Futter, so ist sie bei beiden Gruppen gleich. «Um den Anteil an produziertem Methan zu berechnen, sollten für Kamele andere Schätzwerte als für Wiederkäuer herangezogen werden», erklärt Marcus Clauss von der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich.
Geringerer Stoffwechsel – weniger Futter – weniger Methan
Die Berechnung von «Methanbudgets» einzelner Länder spielt eine wichtige Rolle für jene Länder, in denen viele Kamele vorkommen – wie die Dromedare im Mittleren Osten und in Australien, oder die Alpakas und Lamas in verschiedenen Ländern Südamerikas. In Zusammenarbeit mit dem Zürich Zoo und privaten Kamelhaltern haben Wissenschaftler der Universität Zürich und der ETH Zürich die Methanproduktion anhand dreier Arten von Kameliden gemessen. «Die Ergebnisse zeigen uns, dass Kamele einen geringeren Stoffwechsel haben, somit weniger Futter benötigen und weniger Methan freisetzen als unsere Hauswiederkäuer», so der Veterinär Marcus Clauss. Der geringere Stoffwechsel von Kamelen könne erklären, warum sie vor allem in Gebieten mit Nahrungsknappheit – Wüsten- und kargen Bergregionen – erfolgreich sind.
Literatur:
Marie T. Dittmann, Ullrich Runge, Richard A. Lang, Dario Moser, Cordula Galeffi, Michael Kreuzer, Marcus Clauss. Methane emission by camelids. PLOS ONE. April 9, 2014. doi: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0094363

10.04.2014, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Schau Dir in die Augen, Fliege – Weltweit größte fossile Augenfliege entdeckt
Dresden, den 10.04.2014. Der Biologe Dr. Christian Kehlmaier vom Senckenberg Forschungsinstitut in Dresden hat drei neue Arten fossiler Augenfliegen entdeckt. Eine der Neuentdeckungen ist die bislang größte versteinerte Augenfliege weltweit. Die zugehörigen Studien wurden in den Fachjournalen „The Canadian Entomologist“ und „Arthropod Systematics & Phylogeny“ veröffentlicht.
Augenfliegen sind skurrile Geschöpfe: Ihr großer Kopf macht beinahe ein Drittel des Körpers aus und besteht fast komplett aus Augen. Mit diesen enormen Facettenaugen machen sich die Fliegen auf die Suche nach Zikaden und Schnaken, die ihnen als mobile Aufzuchtsstationen für ihre Larven dienen.
Weltweit gibt es über 1400 beschriebene Arten der großäugigen Zweiflügler. Forscher gehen aber davon aus, dass es noch einmal so viele, bisher unbeschriebene Arten gibt.
„Doch fossile Formen der Augenfliegen werden nur sehr selten gefunden“, erklärt Dr. Christian Kehlmaier von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden. Umso mehr freut sich der Biologe, dass er in letzter Zeit gleich drei neue, längst ausgestorbene Arten beschreiben und benennen konnte.
„Fossilien ermöglichen einen spannenden Einblick in die stammesgeschichtliche Entwicklung einer Tiergruppe. Und das Tollste an den neuen Funden: Unter ihnen ist eine der ältesten und die bislang größte fossile Augenfliege der Welt!“, ergänzt Kehlmaier.
Das gemeinsam mit seinen Kollegen S.B. Archibald und R.W. Mathewes von der Simon Fraser Universität beschriebene Insekt Metanephrocerus belgardeae hat eine Flügellänge von 9,3 Millimetern und stammt mit etwa 50 Millionen Jahren aus der erdgeschichtlichen Zeit des Unteren Eozäns.
Benannt wurde die Fliege nach Azure Rain Belgarde, einer Schülerin der Paschal Sherman Indian School in Collville, Washington, die das Fossil während einer Schulexkursion zu den Lagerstätten der Kleinstadt Republic gefunden hatte.
„Anhand des charakteristischen Musters der dunkel gefärbten Flügel konnten wir Metanephrocerus belgardeae deutlich von anderen Arten abgrenzen.“, erläutert der Dresdner Wissenschaftler. „Meistens sind für Artbestimmungen – auch bei fossilen Tieren – aber aufwendigere Methoden notwendig.“
So auch bei den zwei neuen Arten Metanephrocerus groehni und Metanephrocerus hoffeinsorum, die – eingeschlossen in baltische Bernsteine aus dem Mittleren Eozän – mithilfe von Mikrocomputertomographie von Kehlmaier und seinen Kollegen J.H. Skevington von den Canadian National Collection of Insects, Arachnids and Nematodes in Ottawa und M. Dierick von der Universität Gent untersucht wurden.
Durch diese modernste Methode konnten die Wissenschaftler sogar Genitalstrukturen sichtbar machen, die normalerweise von außen nicht erkennbar sind und bei frischem Material nur durch Präparation der Genitalkapsel einsehbar werden.
„Das sind schon ganz besondere Details, die wir an den etwa 40 bis 50 Millionen Jahren alten Tieren zeigen konnten“, sagt Kehlmaier und ergänzt: „Die Lebensweise und das Aussehen der Augenfliegen haben sich vor zirka 70 Millionen Jahren entwickelt. Die nun neu beschriebenen fossilen Arten lassen vermuten, dass schon relativ kurz nach der Etablierung der großäugigen Tiere ein reichhaltiges Artenspektrum existiert haben muss, das dem heutigen in keiner Weise nachsteht.“

10.04.2014, NaturVision
„NaturVision Filmpreis Bayern“ bereichert die NaturVision Filmtage
Neuschönau. Der FilmFernsehFonds Bayern steht Pate für den neuen NaturVision Filmpreis Bayern, der exklusiv bei den NaturVision Filmtagen verliehen wird.
Mit 50 aktuellen Natur-, Tier- und Umweltfilmen will NaturVision vom 30.5. – 1.6. im Hans-Eisenmann-Haus seine Zuschauer begeistern. Das Programm wird gewohnt vielfältig sein: es gibt Filme über ferne Landschaften und exotische Tiere, Dokumentationen, die sich mit der Pflanzen- und Tierwelt vor der Haustüre befassen, kritische Filme über Umwelt und Ernährung und natürlich Kinderfilme. In der beliebten Reihe HeimatSachen sind wieder Filme zu sehen, die mit der Bayerischen Heimat in Verbindung stehen. So wird die Dokumentation Sommer Winter Sommer von Harald Rumpf, die den Breitenberger Hausarzt Dr. Michael Rosenberger – seine Liebe zu Landschaft und Menschen – berührend porträtiert, die Filmtage am Freitag eröffnen.
Das Engagement von NaturVision für Filme aus und über Bayern spiegelt sich in einem Filmpreis wider, der in diesem Jahr erstmals verliehen wird: dem NaturVision Filmpreis Bayern! Pate für den mit 2000 Euro dotierten Preis steht der FilmFernsehFonds Bayern. Wettbewerbsvoraussetzung ist, dass die Filme in Bayern produziert wurden, von einem bayerischen Filmemacher gedreht wurden oder sich einem explizit bayerischen Thema widmen. Nominiert sind drei Filme: „Der Steinbockmann“, „Nach der langen Nacht – Winter in Spitzbergen“ und „Geheimnisvoller Garten“. Bei der feierlichen Preisverleihung am Sonntagvormittag wird der Siegerfilm prämiert.
Spannend wird es bei dieser Veranstaltung auch für die Schüler, die sich beim Ideenwettbewerb „Schulfilm: Natürlich!“ beteiligt haben, den NaturVision zusammen mit der Bayernwerk AG veranstaltet: Ihre Werke werden auf großer Leinwand gezeigt – und die drei Siegerfilme werden mit tollen Preisen belohnt.
„Es ist wunderbar, dass wir bei den Filmtagen zwei so hochwertige Preisverleihungen vornehmen dürfen“, meint Filmtageleiter Ralph Thoms zu der neuen Situation. „Die Preise machen die Veranstaltung, die uns so sehr am Herzen liegt, noch attraktiver und spannender!“
Die NaturVision Filmtage (30.5. – 1.6.) sind aus dem NaturVision Filmfestival erwachsen, das bis 2011 im Bayerischen Wald angesiedelt war. Die Veranstaltung zeigt an 3 Tagen etwa 50 aktuelle Filme zu den Themen Natur, Tier, Umwelt und Heimat. Ein großes Kinderprogramm, ein kleiner Markt mit nachhaltigen Produkten und OpenAir-Vorstellungen im WaldKino machen die Veranstaltung zum Event für die ganze Familie.

10.04.2014, Bundesanstalt für Gewässerkunde
BfG registrierte an Fischaufstiegsanlage Koblenz 30.000 Fische
An der Moselstaustufe in Koblenz wurde im Jahr 2011 eine neue Fischaufstiegsanlage eröffnet. Wie gut funktioniert diese Fischtreppe und welche Fische nutzen die Anlage zum Aufstieg? Zur Untersuchung dieser Frage hat die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in der Anlage einen automatischen Fischzähler installiert. Nun hat die BfG erstmals für die Jahre 2012 und 2013 detaillierte Zahlen zu den beobachteten Fischen vorgelegt.
Seit der Eröffnung am 30. September 2011 sind etwa 30.000 aufsteigende Fische in der neuen Fischtreppe erfasst worden (s. Tabellen). Dabei wurden 32 verschiedene Arten detektiert, meldet die Bundesanstalt für Gewässerkunde weiter. Stark dominant waren hierbei die Rotaugen, aber auch Flussbarsche und Brassen waren häufig vertreten. Mithilfe des Fischzählers konnten erfreulicherweise auch sehr seltene Arten nachgewiesen werden, wie z.B. Meerneunauge oder Quappe und Maifisch (die BfG berichtete). Vom Meer aufsteigende Großsalmoniden wie Lachs und Meerforelle wurden ebenfalls erfasst. Seit Eröffnung der Fischtreppe wurden 102 Meerforellen und 8 Lachse gezählt.
Bei den Aufstiegszahlen ist zu beachten, dass bisher nur Fische ab 2,5 cm Höhe und 15 cm Länge erfasst werden. Daher können Jung- und Kleinfische sowie die schlanken Flussneunaugen und Steigaale bisher nur selten beobachtet werden. Die eigentlichen Aufstiegszahlen werden daher deutlich höher sein. Beobachtungen aufsteigender Fische an den Sichtfenstern des „Mosellum – Erlebniswelt Fischpass Koblenz“ zeigen dies eindrücklich.
Im Jahr 2013 wurden allerdings auch die Grenzen der Erfassung mittels des automatischen Fischzählers deutlich. Ungewöhnlich häufige und ausgeprägte Hochwässer führten während der Hauptaufstiegsphase von April bis Juni oft zu derart trübem Wasser, dass eine kontinuierliche Detektion von Fischen nicht möglich war.
Der Fischzähler in Koblenz ist eine in seiner Größe und Ausführung weltweit einzigartige Installation (Abb. 1). Es handelt sich hierbei um einen kurzen beleuchteten Tunnel, 45 cm breit und 110 cm hoch, welchen in der Fischtreppe aufsteigende Fische passieren müssen. Den Eingang des Tunnels bilden zwei Platten mit Infrarotsensoren, die passierende Fische automatisch scannen und vermessen (Abb. 2). Während der Passage werden die Fische außerdem durch zwei übereinander liegende Videokameras gefilmt. Auf diese Weise ist eine sichere Artbestimmung gewährleistet. Nur bei sehr trübem Wasser kann man – wie bei jedem videobasierten System – keine Fische bestimmen.
Die ursprünglichen Einsatzgebiete des „River Watcher Fish Counters“ liegen in den klaren Lachsflüssen Nordeuropas und Nordamerikas. Für den Einsatz in Bundeswasserstraßen müssen daher spezielle Anpassungen z. B. an trüberes Wasser, Treibgut oder lichtscheue nachtwandernde Arten realisiert werden. Die Entwicklung dieser Anpassungen erfolgt parallel zur laufenden Erfassung und in Zusammenarbeit mit der isländischen Herstellerfirma Vaki. Hierdurch werden sich die Detektionszeiten und Sensitivitäten des Gerätes weiter verbessern.
Die Aufstiegssaison 2014 hat in Koblenz Ende März bei Wassertemperaturen von knapp unter 10 °C begonnen. Typischerweise sind die Nasen die ersten großen Fische, die schwarmweise die Laichwanderung beginnen, dicht gefolgt von Rotaugen. Es wurden seitdem schon über tausend Individuen gezählt. Bei dem momentan schönen Wetter und steigenden Wassertemperaturen sind in den nächsten Wochen zahlreiche weitere Sichtungen zu erwarten.
Die kontinuierliche Erfassung der aufsteigenden Fische ist für die Dokumentation und Bewertung der Fischaufstiegsanlage Koblenz sowie der gewässerökologischen Maßnahmen an der Mosel und ihren Zuflüssen von großer Bedeutung. Insbesondere für die Wiederansiedlung des Lachses im Rahmen des IKSR Programms Lachs2020 liefert diese Anlage wertvolle Informationen.
Der automatische Fischzähler der BfG hat gegenüber einer klassischen Reuse einige Vorteile. So kann eine kontinuierliche Erfassung von wandernden Fischen erfolgen, ohne diese fangen zu müssen. Eine ungehinderte stressfreie Passage ohne Verletzungsrisiko ist zielführend für eine tierfreundliche Vorgehensweise. Außerdem liefert das System z. B. Daten über bevorzugte Tages- oder Nachtzeiten des Fischaufstiegs, welche eine Reuse nicht liefern kann. Auf das System kann durch die BfG jederzeit per PC zugegriffen werden, wodurch stets eine aktuelle Momentaufnahme des Fischaufstiegs verfügbar ist, ohne vor Ort sein zu müssen.
Möglich wurde der Einbau des BfG-Fischzählers durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD Nord), welche für Planung und Bau der gesamten Aufstiegsanlage verantwortlich war, sowie dem Kraftwerksbetreiber RWE, auf dessen Gelände der Zähler installiert wurde.

11.04.2014, GEO
GEO ruft erneut zum GEO-Tag der Artenvielfalt auf
Die größte Feldforschungsaktion Europas findet bereits zum 16. Mal statt
Hamburg (ots) – „Jede Art zählt: Wie Vielfalt die Natur stabil hält.“ – So lautet das Motto zum 16. GEO-Tag der Artenvielfalt. Am 14. Juni 2014 werden rund 80 Experten in Bayern zur Hauptveranstaltung auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Ebern nördlich von Bamberg reisen, um dort eine Naturinventur durchzuführen und die dort lebende Vielfalt der Tiere und Pflanzen zu erfassen.
2004 wurde der Standortübungsplatz in Unterfranken stillgelegt und steht seitdem unter Naturschutz. Innerhalb von 24 Stunden sollen auf dem 270 Hektar großen Gebiet im Keuperbergland möglichst viele Tier- und Pflanzenarten gefunden und bestimmt werden – in einem Areal, das mit seiner Vielfalt an Lebensräumen rekordverdächtige Fundzahlen verspricht! Die Naturinventur wird GEO gemeinsam mit dem Institut für Biodiversitätsinformation e.V. (IfBI) und dem BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) durchführen.
Der GEO-Tag der Artenvielfalt ist die größte Feldforschungsaktion in Europa. Seit 16 Jahren entdecken Naturinteressierte regelmäßig verschollen geglaubte Arten und tragen somit zur Erhaltung und Dokumentation der Tier- und Pflanzenwelt bei. Im vergangenen Jahr haben rund 15.000 Naturverbundene an über 600 Aktionen in ganz Deutschland und in vielen weiteren Ländern teilgenommen, darunter renommierte Zoologen und Botaniker. Ziel des GEO-Tags der Artenvielfalt ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung der Biodiversität auch in der unmittelbaren Umwelt zu schärfen.
Jens Schröder, stellvertretender GEO-Chefredakteur: „Wir freuen uns über das Engagement vieler Experten und tausender, naturinteressierter Laien beim GEO-Tag der Artenvielfalt. Die große Begeisterung so vieler Naturfreunde trägt jedes Jahr dazu bei, dass Biodiversität noch stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt wird.“
Dr. Klaus Mandery, Vorsitzender des IfBI und des BN Haßberge: „Das Untersuchungsgebiet liegt in der alten fränkischen Kulturlandschaft. Es stellt ein Mosaik aus unterschiedlichsten Lebensraumelementen, wie verschiedenen Wald- und Wiesentypen, Hecken und Feldgehölzen dar. Über Jahrzehnte konnten dort weder Überdüngung noch Spritzmittel ihre Arten vernichtende Wirkung ausüben. Das Gebiet ist damit prädestiniert, ein ganz spezielles Arteninventar zu beherbergen. Wir sind sehr gespannt, welche Ergebnisse der GEO-Tag der Artenvielfalt bringen wird. Wir wollen den auch Tag nutzen, um Kinder wieder an die Natur heranzuführen.“
Jeder Interessierte kann an einem GEO-Tag der Artenvielfalt teilnehmen oder auch selbst einen organisieren: ob Laie oder Experte, ob Schüler oder Lehrer. In diesem Fall bieten sich bundesweit hunderte kleinere Aktionen zum Thema Artenvielfalt an, die alle in der Woche vor oder nach dem Aktionstag am 14. Juni stattfinden. Eine Übersicht zu allen Exkursionen findet sich im Aktionsportal, wo sich Interessierte bis Juni anmelden können. Bei den Aktionen gilt es jeweils, innerhalb von 24 Stunden in einem klar definierten Gebiet möglichst viele verschiedene Pflanzen und Tiere zu entdecken und zu bestimmen.
Wer einen eigenen GEO-Tag in seiner Region organisieren möchte, findet im Internet unter www.geo.de/artenvielfalt alle Informationen.

11.04.2014, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Ohrwurm-Geschwister versorgen sich gegenseitig
Kooperation von Geschwistern in Ohrwurm-Familien liefert Hinweis auf den Ursprung von Sozialverhalten.
Zu der Frage, wie im Verlauf der Evolution soziales Verhalten entstanden ist, haben Wissenschaftler der Universitäten in Mainz und Basel neue Erkenntnisse aus der Beobachtung von Ohrwürmern gewonnen. „Junge Nachkommen von Ohrwürmern konkurrieren nicht nur um Futter, sondern die Geschwister teilen die Nahrung auch untereinander, vor allem wenn die Mutter abwesend ist“, teilte Dr. Joël Meunier von der Abteilung Evolutionsbiologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) mit. Die Arbeitsgruppe des Mainzer Biologen hat zusammen mit Kollegen der Universität Basel die Interaktionen zwischen Geschwistern des Europäischen Ohrwurms (Forficula auricularia) untersucht. Die Wissenschaftler betreten damit Neuland, denn Insekten wurden, mit Ausnahme eusozialer Arten wie Bienen und Ameisen, bislang kaum im Hinblick auf kooperatives Verhalten zwischen Geschwistern untersucht. Dabei liefert der Europäische Ohrwurm, wie die Forschungsarbeit zeigt, wertvolle Hinweise auf den Ursprung sozialer Verhaltensformen.
Das Tierreich weist eine unglaubliche Vielfalt an sozialen Lebensformen auf, die von der zeitlich begrenzten Aggregation einzelner Individuen bis zu hoch arbeitsteiligen Sozialstaaten reicht. Für die Evolutionsbiologen stellt sich die Frage, wie es zu dieser Allgegenwart sozialer Lebensformen kommen konnte angesichts der damit einhergehenden „Kosten“, nämlich Konkurrenz und Konflikte unter den Gruppenmitgliedern. Bei Vögeln beispielsweise ist der Konkurrenzdruck unter Geschwistern häufig so groß, dass ein Teil der jüngeren Tiere stirbt.
„Wir finden bei Ohrwürmern ein System vor, das dem anfänglichen Zustand eines Familienlebens recht nahe kommt“, erklärt Jos Kramer, Doktorand in der Arbeitsgruppe von Meunier. Weibliche Ohrwürmer legen im Herbst durchschnittlich 40 bis 45 Eier und überwintern mit ihnen. Die Mütter passen auf die Eier auf, halten sie sauber, indem sie zum Beispiel Schimmel ablecken, und tragen sie im Nest hin und her. Wenn die Jungen (Nymphen) geschlüpft sind, ist die Anwesenheit der Mutter nicht mehr obligatorisch für deren Überleben. Die Nymphen könnten aus dem Familienverbund aussteigen, wenn er für sie nicht mehr vorteilhaft ist, und könnten sich fortan selbst versorgen.
Diese subsoziale Lebensform bietet ein günstiges Experimentierfeld, um der Frage nachzugehen, unter welchen Bedingungen die Vorteile eines familiären Zusammenschlusses die Nachteile überwiegen. Die Wissenschaftler aus Mainz und Basel haben hierzu 125 Ohrwurm-Familien mit gefärbtem Blütenpollen versorgt und untersucht, ob und wie das Futter unter den Geschwistern geteilt wird. „Wir haben beobachtet, dass sich die Geschwister kooperativ verhalten und Futter teilen und dass dieses Verhalten noch massiver auftritt, wenn die Mutter nicht anwesend ist und die Tiere nicht selbst füttert“, so Meunier. Dies könnte zumindest teilweise erklären, weshalb mobile Nachkommen trotz der damit verbundenen Nachteile in Familiengruppen bleiben. Darüber hinaus liefert die Beobachtung einen wichtigen Hinweis auf die frühe Entwicklung von sozialem Verhalten, wobei die bisher wenig berücksichtigte Geschwisterkooperation vielleicht einer der Schlüsselfaktoren für den Übergang von solitärem zu sozialem Leben ist.
Veröffentlichung:
Joachim Falk et al.
Sibling Cooperation in Earwig Families Provides Insights into the Early Evolution of Social Life
The American Naturalist, 11. Februar 2014
DOI: 10.1086/675364

11.04.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Die ADEBAR-Familie erhält weiteren Nachwuchs: Brutvogelatlas für Niedersachsen und Bremen vorgestellt
Am 10. April 2014 stellte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) den neuen Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen vor. Stefan Wenzel, Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz würdigte bei der feierlichen Präsentation des 550 Seiten starken neuen Werkes den hohen Einsatz der ehrenamtlich am Projekt beteiligten Personen. „Ihrem Einsatz haben wir das ausführliche Werk zu verdanken“, so Wenzel am Donnerstag in Hannover. Rund 650 Menschen haben zwischen 2005 und 2008 insgesamt etwa 60.000 Stunden ihrer Freizeit investiert, um die Brutvögel in den beiden Bundesländern zu erfassen.
Koordiniert wurde das Projekt durch die Niedersächsische Ornithologische Vereinigung (NOV) und die Staatliche Vogelschutzwarte im NLWKN. Die Kartierungen fanden einerseits im Rahmen Niedersächsischen Vogelarten-Erfassungsprogramms des NLWKN statt, andererseits wurden viele Arten speziell für den Atlas von Mitgliedern der NOV erfasst.
Insgesamt brüten in Niedersachsen und Bremen 208 Vogelarten, davon 196 Arten alljährlich. Während 40 Brutvogelarten jeweils auf mehr als 95 % der Landesfläche vorkommen, besiedeln 59 Arten einen Anteil von weniger als 5 %. Besonders artenreich ist der Osten Niedersachsens. Im Wendland und der Mittelelbeniederung leben mehr als 100 Brutvogelarten.
Ein Vergleich des neuen Brutvogelatlas mit dem vorhergehenden Atlas aus den 1980er Jahren zeigt große Veränderungen des von den Brutvögeln besiedelten Areals und ihrer Bestände. Während es bei Löffler, Seeadler und Kranich deutliche Bestandszuwächse gab, haben Bekassine, Star und Ortolan stark abgenommen. Mindestens halbiert haben sich die Bestände gegenüber den 1980er Jahren bei insgesamt 47 Arten. Damit ist etwa jede fünfte Vogelart in ihrem Bestand sehr stark zurückgegangen. Besonders hart trifft es die Bekassine: Ehemals eine weitverbreitete Charakterart der Niederungen im Nordwesten Deutschlands hat sie nach 1985 in Niedersachen und Bremen noch einmal 54 % ihres Verbreitungsgebietes verloren.
Aber es gibt auch Positives zu berichten: Neben Löffler, Seeadler und Kranich haben sich die Bestände von z. B. Wachtel, Wiesenweihe und Steinkauz gut entwickelt. Auch die Rückkehr der Adler gehört zu den Erfolgsgeschichten des Vogelschutzes in Niedersachsen. Galten See- und Fischadler 1981–1985 noch als ausgestorben, kamen 2005–2008 sechs Paare des Fischadlers und 21 Paare des Seeadlers vor.
Der „Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen 2005–2008“ erscheint als Heft 48 der Schriftenreihe Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen. Hauptautoren sind Thorsten Krüger, Jürgen Ludwig, Stefan Pfützke und Herwig Zang.
Bezug
Das Werk (552 Seiten + DVD) ist für 29,- € zzgl. 2,50 € Versandkosten zu beziehen bei:
Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)
– Naturschutzinformation –
Postfach 91 07 13, 30427 Hannover
E-Mail: naturschutzinformation@nlwkn-h.niedersachsen.de>
Tel.: 0511/3034-3305

11.04.2014, Veterinärmedizinische Universität Wien
Feldspitzmaus ist Reservoir für Pferdevirus
Feldspitzmäuse zählen zu den geschützten Tierarten in Mitteleuropa. Die Insektenfresser bergen jedoch ein dunkles Geheimnis. Forschende der Vetmeduni Vienna haben die Feldspitzmaus als Überträger des Bornavirus identifiziert. Bei Pferden verursacht eine Infektion mit dem Virus eine tödliche Gehirnentzündung. Bisher war die Übertragung des Bornavirus unklar. Nun ist der Weg über die Spitzmaus zum Wirt aufgeklärt. Die Studie wurde vor kurzem im Journal PLOS ONE veröffentlicht.
Die Bornasche Krankheit, benannt nach der deutschen Stadt Borna, in der vor mehr als 100 Jahren zahlreiche Fälle auftraten, betrifft in erster Linie Pferde und Schafe. In seltenen Fällen treten auch Infektionen bei Rindern und Kaninchen auf. Ein einziger Fall ist auch beim Hund dokumentiert. Die Erkrankung äußert sich beim Pferd unter anderem durch Absondern von der Herde, Depression und allgemeiner Desorientierung. Letztendlich führt die unheilbare Krankheit zum Tod.
Bornaviren in Feldspitzmäusen nachgewiesen
Lange Zeit tappten Forschende im Dunkeln, was die Übertragungsweise des Bornavirus betrifft. Die Spitzmäuse standen bereits im Verdacht, ein klarer Nachweis fehlte jedoch. Norbert Nowotny und Jolanta Kolodziejek vom Institut für Virologie sowie Herbert Weissenböck vom Institut für Pathologie und gerichtliche Veterinärmedizin untersuchten gemeinsam mit einem Kollegen aus Deutschland insgesamt 107 Spitzmäuse, vor allem aus dem deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt. Alle Tiere waren Totfunde. Davon gehörten 58 Tiere der Feldspitzmausart an, wovon 14 Individuen das Bornavirus in sich trugen. In allen anderen Spitzmausarten wurden keine Bornaviren nachgewiesen.
Mögliche Übertragungswege entdeckt
Untersuchungen von Gewebeproben zeigten, dass die Spitzmäuse große Virusmengen in nahezu allen Organen aufwiesen, darunter auch in den Schleimhäuten der Mundhöhle, dem Atmungstrakt sowie in der Haut. Es ist daher denkbar, dass die Hautschuppen dieser Tiere infektiös sind.
„Uns überraschte, dass wir besonders hohe Mengen des Virus in der Haut der Spitzmäuse fanden. Üblicherweise befinden sich die Viren eher im Inneren eines Überträgerorganismus und werden mit dem Urin und Kot ausgeschieden. Da bei Pferden zuerst das Riechhirn von einer Infektion betroffen ist, gehen wir eher von einer Infektion über die Atemwege als über den Verdauungstrakt aus“, so Co-Autor und Pathologe Weissenböck.
Spitzmäuse wandern nicht gern
Die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) gibt es nur in Mitteleuropa. Und überall dort, wo die Bornasche Krankheit vorkommt, lebt auch die Feldspitzmaus. Die Infektionskrankheit gibt es vor allem in Deutschland, aber auch in Gebieten der Ostschweiz sowie im angrenzenden Vorarlberg. Virologe Nowotny erklärt: „Die Verbreitung der Feldspitzmaus bleibt relativ konstant, da das Tier sehr standorttreu ist. Die Feldspitzmaus wandert nicht gerne.“ In den letzten Jahren sind die Krankheitsfälle sogar zurückgegangen. Mittlerweile kommt es etwa zu 100 Fällen im Jahr.
Genetik entlarvt Infektionsweg
Einen weiteren Beweis für die Feldspitzmaus als sogenanntes Erreger-Reservoir bietet die genetische Analyse der Viren aus den Spitzmäusen und den Pferden. Die Virusstämme in den untersuchten Spitzmäusen stimmen exakt mit den Stämmen aus den erkrankten Pferden derselben Region überein. Das spricht dafür, dass sich in den sehr standorttreuen Feldspitzmäusen offenbar über Jahrhunderte hinweg für bestimmte Regionen charakteristische Virussubtypen herausgebildet haben, die dann auf Pferde übertragen werden können.
Bornasche Krankheit ist nicht ansteckend
Der Übertragungsweg der Bornaschen Krankheit stellt eine Besonderheit dar. Das Virus wird nicht zwischen einzelnen infizierten Tieren übertragen sondern benötigt immer den Zwischenwirt – Feldspitzmaus. Die Krankheit ist demnach nicht direkt ansteckend, weswegen nie ganze Herden sondern nur Einzeltiere betroffen sind. „Eine Übertragung kann am besten mit dem Fernhalten der Spitzmäuse aus den Ställen verhindert werden. Übliche Hygienemaßnahmen sollten hier ausreichen“, so der Studienleiter Nowotny.
Der Artikel “The bicolored white-toothed shrew Crocidura leucodon (HERMANN 1780) is an indigenous host of mammalian Borna disease virus” von Ralf Dürrwald, Jolanta Kolodziejek, Herbert Weissenböck und Norbert Nowotny wurde am 3. April im Journal PLOS ONE veröffentlicht. http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0093659

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