Wissenswertes über Singvögel

Die Singvögel sind eine Unterordnung der Sperlingsvögel mit über 4000 Arten.
Der größte Singvogel ist der Kolkrabe, der kleinste das Wintergoldhähnchen (welches auch der kleinste europäische Vogel ist).

Dreigang-Laubenvögel (Daniel Giraud Elliot)

Dreigang-Laubenvögel (Daniel Giraud Elliot)

Der Körper der Singvögel ist auf das Fliegen und somit eine schnelle Fortbewegung in der Luft ausgerichtet. Zudem ist ihr Körperbau auch auf das Singen spezialisiert.
Das Skelett ist sehr leicht und trotzdem stabil gebaut. Viele Knochen, darunter auch der kräftige Schnabel, sind innen hohl, so dass in sie Ausstülpungen der Luftsäcke hineinragen. Sie werden deshalb „pneumatisierte Knochen“ genannt. Die schweren Körperteile, vor allem Flug- und Beinmuskeln, liegen eng am Brustkorb und an der Wirbelsäule an, so dass der Vogel im Flug sehr gut das Gleichgewicht halten kann.
Die Flugmuskulatur mit ihrem äußerst aktiven Stoffwechsel gilt als effizienteste Skelettmuskulatur aller Wirbeltiere. Jedoch setzt ein Singvogel im Flug 15-mal so viel Energie um wie im Ruhezustand.
Die Lungen sind etwa 10-mal leistungsfähiger als bei etwa gleich großen Säugetieren, aber auch erheblich kleiner. Auch in großen Höhen können sie der Luft noch Sauerstoff entnehmen. Von den Lungen aus erstrecken sich mehrere Luftsäcke in den Bauchraum zwischen die großen Flugmuskeln und andere Körperteile. Die Luftsäcke sind direkt oder indirekt mit den Bronchien verbunden und nehmen bis zu einem Fünftel des Körpervolumens ein. Der Kanarengirlitz atmet durch Heben und Senken des Brustbeins. Die Luftsäcke sorgen vor allem für Kühlung, damit die Muskeln des Vogels nicht „überhitzen“. Zudem dienen sie als Luftreservoir und helfen beim Druckausgleich. Außerdem verringert sich durch die Luftsäcke das spezifische Gewicht des Vogels.
Der Vogelgesang ist eine komplexe verhaltensbiologische Leistung. Vögel singen unter anderem zum Anlocken von Partnern und zur Markierung ihres Reviers. Weibchen erhalten dadurch Hinweise auf Leistungsfähigkeit und Gesundheitszustand eines Bewerbers.

Rotscheitel-Borstenschwanz ( John Gerrard Keulemans)

Rotscheitel-Borstenschwanz ( John Gerrard Keulemans)

Der Gesang vieler Singvögel ist strophenartig aufgebaut und häufig sehr variationsreich. Selbst Haussperling oder Mehlschwalbe verfügen über mehr als einen Strophentyp. Der Gesang der Singvögel ist im Vergleich zu anderen Vogelarten nicht angeboren, sondern muss erlernt werden. Eine Prädisposition für den arteigenen Gesang liegt allerdings vor, so dass bereits die wenige Male bis einmalige Wahrnehmung eines singenden Artgenossen zum Lernerfolg führen kann. Für das Erlernen von Vogelgesang gibt es artspezifische Lernphasen (Zeitfenster), die ähnlich einem Prägemechanismus funktionieren. Sie liegen für Männchen meist in der ersten erlebten Jahreszeit, in der die Artgenossen zu singen beginnen. Isoliert aufwachsende männliche Singvögel singen ebenfalls, jedoch oft mit deutlich veränderten Mustern. Unterschiede im Gesangsverhalten können mit Tontechnik und oszillografischen Vergleichen sichtbar gemacht werden.
Unter den einheimischen Vögeln hat zum Beispiel die Nachtigall einen sehr komplexen Gesang. Die Gründe, warum manche Arten sehr komplex singen, andere hingegen eher trivial, sind nicht vollständig geklärt. Singvögel zeigen aber ein umso ausgeprägteres Territorialverhalten, je gesangsbegabter sie sind, das heißt die Gesangsbegabung korreliert mit der Intensität der Revierverteidigung. Unter musikalischen Aspekten wäre somit zu verstehen, warum Singvögel mit komplexen Gesängen (Amsel, Singdrossel, Nachtigall, Rotkehlchen usw.) sich gegenüber Artgenossen solistisch und aggressiv verhalten, während Singvögel mit einfach strukturierten Gesängen (Haussperling, Mehlschwalbe usw.) gesellig und verträglich sind. Dieses solistische Verhalten gesangsbegabter Singvögel zeigt sich auch während der Zugzeit, denn Singvögel mit komplexen Gesängen ziehen durchweg einzeln oder in sehr kleinen Trupps und meistens auch nachts.
Der Gesang der Singvögel wird im unteren Kehlkopf (Syrinx), wo sich die Luftröhre in die beiden Hauptbronchien gabelt, gebildet. Beim Singen reckt das Männchen seinen Hals, holt tief Luft und singt aus „voller Kehle“. Die Töne werden erzeugt, indem Membranen angespannt und in Schwingungen versetzt werden. Das geht nur beim Ausatmen.
Dass Kanarien scheinbar ohne zwischendurch Luft zu holen weitersingen können, liegt daran, dass sie rasch und schwingend mit einer Frequenz von 25 Hertz Luft ausstoßen. Indem sie die beiden Membranen an ihrem Stimmorgan, der Syrinx, unabhängig voneinander schwingen lassen, könnten sie im Duett mit sich selbst singen.
Singvögel haben einen Gesichtskreis von 300° bis 320°, da sie ihre seitlich gelegenen Augen unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen bewegen können. Mit diesem Gesichtskreis sind sie in der Lage, alles das wahrzunehmen, was vor ihnen, seitlich und schräg hinter ihnen passiert. Singvögel vermögen Farben zu unterscheiden.
Das Hörvermögen der Singvögel ist sehr ausgeprägt. Die untere Hörgrenze liegt bei 1500 Hz und die obere bei 29000 Hz. Manche Vertreter dieser Unterordnung können zudem sehr schnelle Tonfolgen unterscheiden, im Gedächtnis speichern und wiedergeben. Das Tonunterscheidungsvermögen der Singvögel ist so ausgeprägt, dass sie Töne unterscheiden können, die nur um 0,3 Prozent in der Höhe voneinander abweichen. Zudem können sie auf etwa 20° genau erkennen, woher ein Ton kommt.

Weißbrauen-Waldsänger ( Joseph Wolf)

Weißbrauen-Waldsänger ( Joseph Wolf)

Singvögel haben ein empfindliches Gleichgewichtsorgan mit Sitz im Innenohr. Sie können auf dünnen Ästen und in der Luft das Gleichgewicht halten.
Nicht besonders gut ausgeprägt ist ihr Geruchssinn und damit ihr Geschmackssinn. Ob Nahrung zum Verspeisen geeignet ist, entscheiden nach den Augen Tastkörperchen an den Schnabelrändern. Wenn auch nicht besonders gut, so können Singvögel doch schmecken. Außerdem haben nicht alle artgleichen Singvögel dasselbe Schmeckvermögen.

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