Berliner Zoodirektoren: Heinrich Bodinus

Dr. Heinrich Bodinus

Dr. Heinrich Bodinus

Heinrich (Karl August) Bodinus, auch: Karl August Heinrich Bodinus (* 29. Juli 1814 in Drewelow; † 23. November 1884 in Berlin) war ein deutscher Arzt und Zoologe.
Er wurde als Sohn eines Domänenpächters in Drewelow bei Anklam geboren. Nach dem Besuch des Jageteufelschen Kollegium in Stettin studierte er ab 1833 in Greifswald und Berlin Medizin. Nach dem Abschluss ließ er sich zunächst in Bergen auf Rügen als praktischer Arzt nieder. 1852 zog er nach Greifswald, wo er ein Zoologiestudium aufnahm. Er beschäftigte sich vor allem mit Geflügelzucht. Durch mehrere Veröffentlichungen galt er als Autorität auf diesem Gebiet. Er setzte sich sehr für die Verbreitung der Stralsunder Hochflieger ein. Nach ihm wurde der Rassetyp Bodinussche Tümmler sowie die Bodinus-Amazone Amazona festiva bodini als Unterart der Blaubartamazone benannt.

Im Jahr 1859 folgte er einem Ruf von Caspar Garthe nach Köln, wo er erfolgreich den Zoologischen Garten aufbaute. Bodinus leitete den Zoo während eines Jahrzehnts mit viel Geschick und baute einen beachtlichen Tierbestand auf. Er verzeichnete zahlreiche Zuchterfolge, z. B. bei verschiedenen Hirschen, Agutis, Stachelschweinen und Makaken.

Elefantenhaus , ca. 1875 (Zoo Berlin)

Elefantenhaus , ca. 1875 (Zoo Berlin)

Im Herbst 1869 ging er nach Berlin, um dort den in schlechter Verfassung befindlichen Zoo erfolgreich zu reorganisieren. Als Erstes ging er daran, den feuchten Boden zu drainieren, den zu dichten Baumbestand auszulichten und die im Sommer übelriechenden Zooweiher zu sanieren. Damit wurde die Grundlage für eine tiergerechtere Tierhaltung gelegt. Dann ging er daran, die vorhandenen Tierhäuser zu verlegen und auszubauen. Hirsche und Rinder bekamen neue Stallungen und Gehege, die Kängurus ein beheizbares Haus. Das alte Affenhaus wurde erweitert und zum Vogelhaus umgebaut. Die Affen kamen ins frühere Raubtierhaus und die Großkatzen bezogen ein neues Haus. Danach entstanden eine Greifvogelanlage und eine Bärenburg, die fast ein Jahrhundert lang in Gebrauch sein sollte. Die während der Amtszeit von Bodinus errichteten Stilbauten prägten den Berliner Zoo während vieler Jahrzehnte. Das heute noch bestehende Antilopenhaus wurde im Stil einer minarettgeschmückten Moschee errichtet. Die monumentale Elefantenpagode war 70 Jahre lang in Betrieb, bis sie während des Zweiten Weltkriegs bei einem Bombenangriff zerstört wurde.
Entsprechend entwickelte sich der Tierbestand. Die Antilopen- und Dickhäutersammlungen galten als die reichhaltigsten und schönsten in ganz Europa. Im 1884 eröffneten neuen Affenhaus wurden 26 Affen- und Halbaffenarten gezeigt. Auch Völkerschauen wurden (in Zusammenarbeit mit Carl Hagenbeck) veranstaltet.

Am 23. November 1884 starb Dr. Bodinus unerwartet an einer Herzschwäche. Unter seiner Leitung war der Berliner Zoo zu einem der bedeutendsten Tiergärten Europas geworden.

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