Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

12.05.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Bundesweites Artenschutzprojekt für den Rotmilan gestartet
Land zum Leben heißt das neue Projekt, dass der DDA gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und der Deutschen Wildtier Stiftung durchführt. In insgesamt elf Projektgebieten in acht Bundesländern werden in Zusammenarbeit mit der Land- und Forstwirtschaft Landschaftspflegemaßnahmen umgesetzt, durch die die Lebensbedingungen des Rotmilans in Deutschland verbessert werden sollen.
Zwar brütet der elegante Greifvogel mit dem rostroten Gefieder in keinem anderen Land der Erde ähnlich zahlreich wie bei uns. Doch sein Bestand ist bedroht. Vor allem die immer intensiver werdende Landwirtschaft mit dem großflächigen Anbau von Mais und Wintergetreide machen ihm das Leben zunehmend schwer.
Langjährige Untersuchungen des Programms „Monitoring Greifvögel und Eulen Europas“ zeigen, dass sich der Bestand des Rotmilans seit Anfang der 1990er Jahre in Deutschland um rund ein Drittel verringert hat. Unsere Landschaft für den Rotmilan aufzuwerten und den negativen Trend umzukehren, dies sind die Ziele des neuen Artenschutzprojektes von DDA, DVL und Deutscher Wildtier Stiftung.
Vom 12. bis 13. Mai 2014 findet in Magdeburg die Auftaktveranstaltung zum Projektstart statt. Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesumweltministeriums) und Prof. Dr. Beate Jessel (Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz) werden das Projekt feierlich eröffnen. Vorträge von Josef Göppel (DVL), Prof. Dr. Franz Bairlein (Institut für Vogelforschung), Christoph Grüneberg (DDA), Dr. Bernd Nicolai (Museum Heineanum), Bernd Blümlein (DVL) geben Einblick in Ökologie, Gefährdung und Schutz des Rotmilans. Neben den Vertreterinnen und Vertretern der drei Projektorganisationen werden auch die Praxispartner aus den elf Projektregionen anwesend sein. Am zweiten Veranstaltungstag stehen die praktischen Landschaftspflegemaßnahmen in den Projektgebieten im Mittelpunkt. Madlen Dammig (Förderverein Sächsische Vogelschutzwarte Neschwitz e.V.) und Uwe Lerch (DVL) erläutern die Möglichkeiten zum Schutz des Rotmilans durch eine nachhaltige Landbewirtschaftung. Eine Exkursion ins Elbtal und eine Filmvorführung runden das Programm ab.
Logo Bundesprogramm Biologische Vielfalt Das Projekt Rotmilan — Land zum Leben wird durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert, mit dem die Bundesregierung die Ziele der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt umsetzt. Wir danken dem Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Naturschutz für die finanzielle Unterstützung.
Mehr Informationen zum Projekt erhalten Sie ab jetzt auf unserer Homepage unter „Rotmilan-Projekt“ und auf der Projekt-Homepage www.rotmilan.org

12.05.2014, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Spiel mir das Lied vom Überleben – Wie Fische eine für sie tödliche Umgebung besiedeln konnten
Schwefelwasserstoff (H2S) ist ein stark wirksames Atemgift. Populationen des Atlantik-Kärpflings haben es dennoch geschafft, Gewässer mit hohem Schwefelwasserstoffgehalt zu besiedeln. Die Fische können in dieser lebensfeindlichen Umgebung nur deshalb existieren, weil bestimmte Veränderungen ihres Erbgutes die schädliche Wirkung von H2S minimieren, wie jetzt ein Team des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) und der Goethe-Universität Frankfurt am Main nachwies. Die Studie erschien heute online in „Nature Communications“ und entschlüsselt erstmals die molekularen Grundlagen dieser überlebenswichtigen Schlüsselanpassung der Fische.
Atlantik-Kärpflinge (Poecilia mexicana) sind zwar nur wenige Zentimeter groß, aber trotzdem eine Ausnahmeerscheinung. Die Fische besiedeln im Süden Mexikos schwefelwasserstoffreiche Quellen vulkanischen Ursprungs. Dass sich die Zahnkarpfen, zu denen auch die aus dem Aquarium wohlbekannten Guppys gehören, diesen Lebensraum zu eigen machen konnten, ist eigentlich unmöglich. Denn das Gas ist für sie, wie für viele andere Tiere auch, bereits in geringer Konzentration tödlich, da es die Aktivität des sogenannten COX-Enzyms hemmt. Je mehr Schwefelwasserstoff (H2S) aufgenommen wird, desto mehr reduziert sich die Aktivität dieses Enzyms, das für die Atmung unverzichtbar ist.
Veränderung im Erbgut macht giftresistent
Ein Team um Prof. Dr. Markus Pfenninger, LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und PD Dr. Martin Plath, Goethe-Universität, hat die schwimmenden Überlebenskünstler unter die Lupe genommen. Im Labor zeigte sich: Bei den Atlantik-Kärpflingen, die in Gewässern mit hoher Schwefelwasserstoff-Konzentration leben, wird die Aktivität des COX-Enzyms durch das Gift nur in geringem Ausmaß herabgesetzt. Verantwortlich dafür sind eine Reihe von Veränderungen in den cox1- und cox3-Genen, die nur die dort gefundenen Populationen aufweisen. Setzt man Vertreter der gleichen Art, die bisher in ‚gesunder‘ Umgebung lebten, in die giftigen Gewässer um, sterben sie.
Anpassung an Extreme bis ins Molekül nachvollzogen
„Uns ist es damit gelungen, die Schlüsselanpassung an einen extremen Lebensraum bis in die molekularen Grundlagen auf der Ebene der Aminosäuren nachzuvollziehen. Damit können wir erstmals genau belegen, wo genau Anpassung, die durch die Umgebung notwendig war, evolutionär stattgefunden hat“, so Pfenninger. Das Team ging ins Detail und bildete die Proteinstrukturen als 3D-Modell nach, um auch die für die Anpassung verantwortlichen signifikanten strukturellen Veränderungen der Aminosäuren im cox1-Gen sichtbar zu machen. Ohne diese Veränderung wäre die Besiedlung der H2S-haltigen Gewässer für die Fische unmöglich gewesen – dabei hat das Leben hier durchaus Vorteile: Die dort vorkommenden, ebenfalls resistenten Zuckmückenlarven stellen vor allem auch deshalb eine reiche Beute dar, weil es aufgrund der lebensfeindlichen Umgebung kaum Nahrungskonkurrenten gibt.
Nah verwandte Fische wählen unterschiedliche Wege der Anpassung
Die Studie zeigt darüber hinaus, dass nah verwandte Populationen einer Art parallele, aber auch unterschiedliche Wege einschlagen können, wenn es darum geht, sich an vergleichbare Umweltbedingungen anzupassen. Insgesamt wurden im Rahmen der Studie nämlich Fische aus drei Atlantik-Kärpfling-Populationen untersucht. Zwei der drei untersuchten Populationen veränderten ihr Erbgut auf die gleiche Art und Weise, um sich an die lebensfeindlichen Bedingungen anzupassen. Bei der dritten Population konnten diese spezifischen genetischen Veränderungen jedoch nicht nachgewiesen werden. Zwar werden auch diese Tiere durch die hohe Schwefelwasserstoffkonzentration nicht beeinträchtigt – woran das jedoch liegt, ist noch Gegenstand momentaner Untersuchungen.
Publikation:
Pfenninger, M. et al.: Parallel evolution of cox-genes in H2S- tolerant fish as key adaptation to a toxic environment – Nature Communications, DOI: 10.1038/ncomms4873

12.05.2014, Universität Wien
Biodiversität: Neue Schwarze Liste für eingeschleppte Arten
Die Verschleppung von Tier- und Pflanzenarten gehört zu den größten globalen Veränderungen und hat langfristige Konsequenzen: Die gebietsfremden Eindringlinge zerstören die Lebensräume der heimischen Flora und Fauna und verursachen damit langfristig einen Rückgang der biologischen Artenvielfalt. Mit der Erstellung einer globalen Schwarzen Liste invasiver Arten sollen die schlimmsten Schädlinge priorisiert und deren Bekämpfung vereinfacht werden. Diese Schwarze Liste ist das Resultat einer internationalen Zusammenarbeit, an der auch die Universität Wien und das Umweltbundesamt Österreich mitwirkten und die aktuell im renommierten Fachjournal PLOS Biology erschienen ist.
Allein in Europa sind mehr als 13.000 gebietsfremde Arten bekannt, in Österreich sind es rund 2.000. Invasive Arten können in ihrer neuen Umgebung große Schäden anrichten, wie zum Beispiel heimische Organismen ausrotten, Nährstoff- und Wasserkreisläufe unterbrechen und natürliche Störungszyklen (z.B. Feuer) ändern. Solche Umweltschäden zu verhindern oder abzuschwächen, verschlingt große Teile der spärlich vorhandenen Mittel für den Naturschutz. Um effektive Regelungen für Prävention, Ausrottung und Kontrolle invasiver Arten entwerfen zu können, ist es wichtig zu wissen, welche Arten heute oder in Zukunft zu den schädlichsten gehören und welche keine großen Auswirkungen haben. Ein generelles Problem ist die Frage, wie man die enorme Palette an möglichen Schäden, die durch verschiedene invasive Artengruppen entstehen und sich in ihrer Komplexität sowie ihrer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung stark unterscheiden können, vergleichen kann.
Durch Vergleich zum Ziel
Ein Team ausgewiesener ExpertInnen aus vier verschiedenen Kontinenten, darunter Franz Essl, Biodiversitätsforscher an der Universität Wien und dem Umweltbundesamt Österreich, hat in Zusammenarbeit mit der internationalen Naturschutzorganisation, der International Union for Conservation of Nature (IUCN), eine pragmatische Lösung zu diesem Problem erarbeitet: „Wir definierten verschiedene Szenarien von schädlichen Auswirkungen auf heimische Arten, die durch unterschiedliche Mechanismen verursacht werden. Die Szenarien beschreiben verschiedene Stärken von Schäden und sind so gestaltet, dass zunehmend höhere Schadenskategorien eine Zunahme in der Größenordnung der Auswirkungen reflektieren, z.B. Auswirkungen auf heimische Individuen, Populationen oder Lebensgemeinschaften“, erklärt Franz Essl und ergänzt: „Dadurch kann die Höhe von Schäden, die durch verschiedene invasive Arten und unterschiedliche Mechanismen verursacht werden, direkt verglichen werden. Eine invasive Art, die so einer höheren Schadenskategorie zugeordnet wird, fügt der Umwelt damit einen höheren Schaden zu als Arten niederer Schadenskategorien, unabhängig vom Mechanismus.“
Gut gerüstet dank Schwarzer Liste
Das entworfene Schema ermöglicht die Anordnung von invasiven Tier- und Pflanzenarten entsprechend der Höhe des von ihnen verursachten Schadens und damit die Erstellung einer so genannten Schwarzen Liste von schädlichen gebietsfremden Arten. Das Schema entspricht in seiner Struktur und Logik der weithin anerkannten Roten Liste der IUCN zur Kategorisierung der vom Aussterben bedrohten Arten. Wie auch die Rote Liste kann die Schwarze Liste eingesetzt werden, um Arten mit hohem Handlungsbedarf zu identifizieren, wie dies von internationalen Abkommen zur Bedrohung der Biodiversität verlangt wird. Die Liste kann damit sowohl als Basis zur Priorisierung dienen, aber auch weiterentwickelt werden zu einem formalen Indikator der Fortschritte in Richtung der erreichten EU-Biodiversitätsziele zur Identifizierung und zum Management von prioritären invasiven Arten und ihren Invasionswegen.
Publikation in PLOS Biology:
Blackburn TM et al. (2014): A Unified Classification of Alien Species Based on the Magnitude of their Environmental Impacts. PLoS Biology 12(5): e1001850.
http://dx.doi.org/10.1371/journal.pbio.1001850

12.05.2014, Bundesamt für Naturschutz
BfN stellt neue Rote Liste der Meeresorganismen vor
● Artengefährdung in Nord- und Ostsee kaum geringer als im Binnenland
● Nur 31 Prozent von 1.700 Arten der Meere sind nachweislich nicht gefährdet
● Fischerei und Nährstoffeinträge beeinträchtigen Arten und Lebensgemeinschaften in der Nord- und Ostsee
Von allen untersuchten Arten der Fische, bodenlebenden Wirbellosen und Großalgen der deutschen Küsten- und Meeresgebiete stehen 30 Prozent auf der Roten Liste und sind damit als gefährdet einzustufen. Damit ist die Situation in Nord- und Ostsee kaum besser als im Binnenland. Dieses Resümee zieht das Bundesamt für Naturschutz (BfN) bei der Vorlage des vierten Bandes der Roten Listen gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. „Die Situation der Knorpelfische wie Dornhai und Glattrochen ist kritisch und hat sich weiter verschärft“, so BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Eine Hauptursache für deren Rückgang sei die nach wie vor viel zu hohe Fischereiintensität mit Grundschleppnetzen, die selbst in den Meeresschutzgebieten weitgehend unreguliert stattfindet. Zusätzlich werden die am Meeresgrund vorkommenden Organismen wie Schwämme und Muscheln oder die Lebensgemeinschaften der Sandkorallenriffe beeinträchtigt. Die aktuelle Rote Liste ist die bisher umfassendste nationale Gefährdungsanalyse für Meeresorganismen. Sie entstand in sechsjähriger Arbeit und beruht auf den Analyseergebnissen für gut 1.700 Arten.
Bisher wurden drei Bände der neuen Roten Listen vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) veröffentlicht. Darin wurden etwa 9.000 Arten von Land- und Süßwasserorganismen analysiert von denen 45 Prozent auf der Roten Liste stehen. „Im Vergleich zum Binnenland scheint die Situation in den Meeren mit 30 Prozent Rote-Liste-Arten deutlich besser zu sein, doch dieser Eindruck täuscht“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. „Denn bei etwa einem Drittel der Arten gibt es noch nicht genügend Informationen, um ihre Gefährdung hinreichend einschätzen zu können. Darunter befinden sich erfahrungsgemäß immer auch unentdeckte Rote-Liste-Arten. Nur knapp 31 Prozent aller erfassten marinen Arten können nach derzeitiger Kenntnis als ungefährdet gelten“, so Jessel. Im Binnenland hingegen seien es gut 38 Prozent.
Drei Gefährdungsfaktoren haben sich nach Meinung des BfN und der Autoren der Roten Listen als besonders bedeutsam herausgestellt:
1. Die Fischerei, vorwiegend die Grundschleppnetzfischerei, beeinträchtigt nicht nur die Fischfauna, sondern darüber hinaus den gesamten Lebensraum von Nord- und Ostsee inklusive der Nahrungsnetze.
2. Die Nährstoffeinträge mit anschließenden Mikroalgenblüten verringern den Lichteinfall in größere Tiefen und erhöhen die Schwebstofffracht im Wasser, was vielen Großalgen zu schaffen macht und den wirbellosen Tierarten, die ihre Nahrung aus dem Wasser filtrieren.
3. Die Abbau- und Baggerarbeiten zerstören den Lebensraum fest sitzender Arten schlagartig.
Für alle untersuchten Artengruppen liegen nun erstmals auch Gesamtartenlisten vor, so dass die Roten Listen gleichzeitig als Inventar der bekannten Arten fungieren. Weil sich Nord- und Ostsee ökologisch stark voneinander unterscheiden, werden in den Roten Listen die beiden Räume auch getrennt betrachtet. Bei den wirbellosen Tieren und den Großalgen gibt es regionale Verbreitungsangaben, die in Nord- und Ostsee vorkommenden Fische werden zusätzlich für beide Meeresteile separat bewertet. Bei ihnen zeigt sich im deutschen Nordseegebiet, wo 27 Prozent der Arten auf der Roten Liste stehen, insgesamt eine stärkere Gefährdung als im Teilbewertungsgebiet der Ostsee mit 17 Prozent Rote-Liste-Arten.
Die Datenbasis für die neue Rote Liste hat sich stark verbessert. Wissenszuwachs gab es am deutlichsten für die wirbellosen Tiere. Während etwa Zehnfußkrebse, Stachelhäuter oder Schnecken und Muscheln bereits in früheren Auflagen der Roten Listen bearbeitet wurden, konnten einige Artengruppen nun erstmals auf ihre Gefährdung hin untersucht werden. So wurde z.B. der Gefährdungszustand von den Cumazeen (zählen zu den Ranzenkrebsen), der Flohkrebse, Seepocken, der Asselspinnen sowie der Moostierchen und Schädellosen analysiert. Bei den Meeresfischen hat die Anzahl der untersuchten Arten hingegen 216 auf 94 abgenommen. Von früheren Listen wurden nur solche Arten erneut betrachtet, die als typischer Bestandteil unserer Fischfauna angesehen werden können. Das sind Arten, die in deutschen Gewässern regelmäßig nachgewiesen werden können oder früher vorgekommen sind.
Hintergrund
Die Roten Listen beschreiben die Gefährdungssituation der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten und stellen mit ihren Gesamtartenlisten eine Inventur der Artenvielfalt dar. Sie werden etwa alle zehn Jahre unter Federführung des Bundesamtes für Naturschutz für ganz Deutschland herausgegeben.

13.05.2014, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
Evolutionsforschung: Beweise durch fossiles Ur-Insekt: Erste Fluginsekten waren Gleitflieger
Die Entwicklung der Flugfähigkeit ist eines der Schlüsselmerkmale, das zum Erfolg der Insekten als artenreichste Tiergruppe beitrug. Bis heute war jedoch umstritten, ob die frühen Ahnen der Fluginsekten passive Gleiter oder aktive Flatterer waren.
Bei der Untersuchung eines bereits vor 30 Jahren entdeckten, 10 cm langen fossilen Rieseninsektes, das vor über 300 Millionen Jahren in böhmischen Sumpfwäldern der Steinkohlezeit lebte, kamen Dr. Arnold Staniczek und Dr. Günter Bechly, Wissenschaftler des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart, in Zusammenarbeit mit ihrem tschechischen Kollegen Dr. Pavel Sroka, Tschechische Akademie der Wissenschaften in Budweis, zu bemerkenswerten Erkenntnissen:
Die Forscher fanden konkrete Hinweise darauf, dass es sich bei dem Ur-Insekt Carbotriplura kukalovae um ein fossiles Bindeglied zwischen den ungeflügelten Silberfischchen und den Fluginsekten handelt, das den Ursprung der Fluginsekten als passive Gleitflieger nahe legt.
Die Analyse der Wissenschaftler widerlegte frühere Hypothesen, die das Fossil zu den ungeflügelten Silberfischchen oder Wasser lebenden Eintagsfliegenlarven stellten. Mehrere Merkmale sprechen hingegen für eine nähere Verwandtschaft mit den Fluginsekten, so etwa lange Laufbeine und vergrößerte Mittel- und Hinterbrustsegmente, die später bei Fluginsekten die beiden Flügelpaare tragen. Weitere Merkmale, wie verkleinerte Hüften der Hinterleibsbeinchen, vergrößerte Komplexaugen sowie vor allem seitlich verbreiterte Rückenschilde an den Brust- und Hinterleibssegmenten unterstützen ebenfalls diese Hypothese. Die seitlich verbreiterten Rückenschilde an Brust und Hinterleib ermöglichten dem Insekt nach Auffassung der Wissenschaftler das Herabgleiten von urzeitlichen Bäumen.
Evolutionsbiologen postulierten seit langem die Existenz eines solchen „Missing Links“ und erstellten hypothetische Rekonstruktionen, denen das nun untersuchte Fossil frappierend ähnelt. Die neuen Ergebnisse bestätigen zudem die Theorie, dass die Flügel der Insekten sich aus tragflächenartigen Rückenplatten entwickelten, was die Stuttgarter Forscher schon 2011 bei ihrer Aufsehen erregenden Entdeckung der Chimärenflügler vermutet hatten.

13.05.2014, Universität Wien
Sexuelle Selektion kann Bildung von Arten verhindern
Eine häufige Form von sexueller Selektion entsteht, wenn sich Weibchen ihre Partner nach gewissen Kriterien aussuchen. Reinhard Bürger von der Fakultät für Mathematik veröffentlichte gemeinsam mit einer US-Kollegin in „PNAS“ ein mathematisches Modell über die populationsgenetischen Auswirkungen dieser sexuellen Selektion. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Ansicht fand er heraus, dass sexuelle Selektion die Aufrechterhaltung von Artgrenzen nicht fördert, sondern sogar im Gegenteil verhindern kann.
Sexuelle Selektion tritt auf, wenn sich Individuen desselben Geschlechts innerhalb einer Art in ihrer Fähigkeit unterscheiden, einen Partner zur Fortpflanzung zu finden. Dazu kommt es etwa dadurch, dass Männchen durch Paarungskämpfe entscheiden, wer sich paaren darf. Eine andere häufige Form von sexueller Selektion entsteht dadurch, dass sich Weibchen ihre Paarungspartner nach gewissen Kriterien aussuchen. Eindrucksvolles Beispiel dafür sind Laubenvögel in Neu Guinea oder Australien, deren Männchen während der Paarungszeit ausgefallene bunte „laubenähnliche“ Objekte bauen. Die Weibchen besuchen mehrere dieser „Lauben“, bevor sie sich mit einem dieser Männchen paaren. Männchen haben daher unterschiedlichen Paarungs- und damit auch Fortpflanzungserfolg, wodurch Selektion aufgrund sexuell relevanter Eigenschaften entsteht.
Da Weibchen oft Präferenzen für Männchen mit unterschiedlichen Merkmalen zeigen, wird sexuelle Selektion seit Darwin als ein wichtiger Faktor angesehen, der die Trennung nahe verwandter Arten aufrecht erhält, oder sogar zur Artbildung beiträgt. „Diese Trennung bleibt erhalten, da Weibchen aus einer Unterart Männchen ihrer eigenen Unterart wesentlich stärker präferieren als Männchen aus einer anderen Unterart, obwohl eine Paarung biologisch durchaus möglich und deren Nachkommen lebensfähig wären“, erklärt Reinhard Bürger, Mathematiker an der Universität Wien.
Neue Arten entstehen aus einer Vorgängerart oft dadurch, dass sie sich sehr lange in räumlicher Trennung entwickeln und daher an unterschiedliche Umweltbedingung anpassen. Wenn sie durch räumliche Zusammenführung wieder in Kontakt geraten, ausgelöst etwa durch geologische oder klimatische Veränderungen, dann haben Weibchen meist eine Präferenz für ihre „eigenen“ Männchen.
„Mit Hilfe mathematischer Modelle aus der Populationsgenetik konnten wir zeigen, dass nach erfolgtem Kontakt die Differenzierung zwischen beiden Arten schwächer wird, je stärker die Präferenz der Weibchen für die ‚eigenen‘ Männchen ist“, so Reinhard Bürger. Dadurch kann auch ein Evolutionsprozess ausgelöst werden, der zu schwächeren Präferenzen führt. Als Konsequenz werden sich auch die beiden Arten in dem Merkmal, das sie an unterschiedliche Umweltbedingungen angepasst hat, ähnlicher. Bürger: „Das war ein sehr überraschendes Resultat: Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung konnten wir nachweisen, dass sexuelle Selektion die Aufrechterhaltung der Artgrenzen nicht fördert, sondern sogar verhindern kann“.
Der Untersuchung liegt die Modellannahme zugrunde, dass Weibchen eine Präferenz für ein männliches Merkmal zeigen, das zur besseren Anpassung an die „eigene“ Umwelt führt. Durch Migration kommen nun aber beide Arten in beiden Territorien vor. Fremde Weibchen kommen im fremden Territorium häufiger vor als ihre Männchen, die dort ja einen Selektionsnachteil haben, und damit seltener das Paarungsalter erreichen. Wie die ForscherInnen herausfanden, führt das dazu, dass diese fremden Männchen relativ zu den heimischen Männchen häufiger zur Paarung kommen als ihre männlichen einheimischen Kollegen. Daher hat ein fremdes Männchen im Schnitt mehr Nachkommen als ein Einheimisches. Dadurch verringern sich die Unterschiede zwischen den beiden Arten im Lauf der Zeit. Je stärker die Präferenz der Weibchen, desto geringer werden die Unterschiede, da eine starke Präferenz der fremden Weibchen deren Männchen stärker bevorzugt.

13.05.2014, Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere
64 unbeschriebene Süßwasserfischarten im Mittelmeergebiet entdeckt
Wissenschaftler der Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere (ZFMK) in Bonn berichten aktuell in einer großen Studie mit über 30 europäischen Koautoren über die komplette Süßwasser-Fischfauna des Biodiversitätshotspots des Mittelmeergebietes. Mittels molekulargenetischen Methoden (DNA Barcoding) wurden über 3000 Fische von knapp 500 verschiedenen Fischarten untersucht. Den Forschern gelang es erstmals eine nahezu komplette Abdeckung aller Arten zu erreichen (98%). Dabei stellten die Wissenschaftler unter anderem fest, dass bis zu 64 Arten in dieser Region bisher unentdeckt (40), bzw. unbeschrieben geblieben sind (24).
Die Studie wurde im Rahmen des von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Projektes „FREDIE“ erstellt.
Die Ergebnisse erschienen in dem international anerkannten Journal „Molecular Ecology Resources“. „Die hinterlegten Daten werden in Form einer DNA Barcode Bibliothek in Zukunft als wichtige Referenz für alle nachfolgenden Studien sowie systematischen Erfassungen, Beobachtungen oder Überwachungen der Arten und Populationen, also dem Monitoring, dienen“ erläutert Dr. Matthias Geiger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZFMK die besondere Bedeutung der groß angelegten Studie. „Wir sehen, dass Langzeiterfassungen der Entwicklungen der Fischarten in Europa auch weiterhin extrem wichtig sind, um überhaupt Schutzmaßnahmen von Lebensräumen formulieren zu können“ ergänzt Dr. Fabian Herder, Leiter der Sektion Ichthyologie am ZFMK.
Quelle:
Molecular Ecology Resources (2014) doi: 10.1111/1755-0998.12257

13.05.2014, Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere
Neue seltene und bedrohte Fischart in Griechenland gefunden
Wissenschaftler der Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn haben 2011 im Rahmen des von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Projektes „FREDIE“ eine spektakuläre neue Fischart in Griechenland gefunden und kürzlich wissenschaftlich beschrieben.
Es handelt sich um einen Vertreter der einzigen in Europa endemischen Fischfamilie Valenciidae, mit nur zwei bekannten Arten bisher. Alle drei Valencia Arten sind stark gefährdet oder akut vom Aussterben bedroht und strengstens geschützt. So hat Valencia letourneuxi erst 2012 traurigen Ruhm als eine der Top 100 meistgefährdetsten Arten weltweit erlangt. „Die neue Art trägt den Namen Valencia robertae, zu Ehren der griechischen Ichthyologin Roberta Barbieri, welche sich seit Jahren für den Schutz bedrohter Fischarten einsetzt“ erklärt Dr. Matthias Geiger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZFMK, die Namensgebung für die neue Art. „Selbst in Europa können solch spektakuläre Neufunde von Arten zeigen, wie wichtig es ist, die zeitlichen und räumlichen Veränderungen der Verbreitung von Arten zu erfassen“ ergänzt der Ichthyologe Dr. Jörg Freyhof, seit kurzem geschäftsführender Direktor bei GEO BON (Group on Earth Observations – Biodiversity Observation Network) in Leipzig, und zuständig für den Aufbau eines globalen Beobachtungssystems für biologische Vielfalt.
Quelle:
Ichthyol. Explor. Freshwaters, Vol. 24, No. 4, pp. 289-298, 11 figs., April 2014,
© 2014 by Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, Germany – ISSN 0936-9902
http://www.pfeil-verlag.de/04biol/pdf/ief24_4_01.pdf

14.05.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Elektrosmog stört Orientierung von Zugvögeln
hat unterhalb bestimmter Grenzwerte keine Auswirkungen auf biologische Prozesse oder gar auf die menschliche Gesundheit — das galt bisher als Stand der Wissenschaft. Erstmals konnte nun ein Forscherteam um Prof. Dr. Henrik Mouritsen, Biologe und Lichtenberg-Professor an der Universität Oldenburg, das komplette Versagen des Magnetkompasses von Rotkehlchen nachweisen, sobald elektromagnetische Störungen im Mittelwellenbereich auf die Vögel einwirken — selbst wenn die Signale nur ein Tausendstel des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unbedenklich eingestuften Grenzwerts betragen.
Bei Untersuchungen zur Navigationsfähigkeit von Vögeln stellten die Wissenschaftler fest, dass Rotkehlchen in Holzhütten auf dem Campus der Universität Oldenburg nicht ihren Magnetkompass nutzen konnten. Erst nach dem Abschirmen der Hütten mit geerdeten Aluminiumplatten hatten die Vögel plötzlich keine Probleme mehr, sich zu orientierten, und fanden ihre Zugrichtung. So konnte ein eindeutiger und reproduzierbarer Effekt menschlich verursachter elektromagnetischer Felder auf ein Wirbeltier dokumentiert werden. Diese Störungen stammten nicht von Stromleitungen oder Mobilfunknetzen, sondern im Wesentlichen von Elektrogeräten. Die Intensität der Störungen lag weit unter den Grenzwerten der Internationalen Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Um den beobachteten Effekt sicher zu beweisen, wurden bewusst über sieben Jahre hinweg zahlreiche Experimente durchgeführt und belastbare Beweise gesammelt. Dabei zeigte sich: Sobald die Erdung entfernt wurde oder das elektromagnetische Breitbandrauschen absichtlich innerhalb der abgeschirmten und geerdeten Holzhütten erzeugt wurde, büßten die Vögel ihre Fähigkeit zur magnetischen Orientierung wieder ein.
Die Wissenschaftler konnten zudem nachweisen, dass die Störeffekte durch elektromagnetische Felder hervorgerufen werden, die einen viel breiteren Frequenzbereich in einer weit geringeren Intensität abdecken, als frühere Untersuchungen vermuten ließen. Dieses elektromagnetische Breitband-Rauschen ist im urbanen Umfeld allgegenwärtig. Es entsteht überall dort, wo Menschen elektrische Geräte benutzen. Erwartungsgemäß ist es in ländlicher Umgebung deutlich schwächer.
Anders als auf dem Campus der Universität funktionierte der Magnetkompass der Rotkehlchen in Orientierungskäfigen, die ein bis zwei Kilometer vor den Toren der Stadt aufgestellt wurden, auch ohne Abschirmung und Erdung. Die Auswirkungen des Elektrosmogs auf den Vogelzug sind somit lokal begrenzt. Dennoch sollten diese Ergebnisse zu denken geben — sowohl was die Überlebenschancen der Zugvögel als auch was mögliche Effekte für den Menschen angeht, die es noch zu untersuchen gilt.
Die Ergebnisse der von neun Oldenburger Wissenschaftlern gemeinsam mit Prof. Dr. Peter J. Hore von der University of Oxford (Großbritannien) durchgeführten langjährigen Forschungen sind jetzt in der aktuellen Ausgabe der renommierten englischsprachigen Fachzeitschrift Nature unter dem Titel „Anthropogenic electromagnetic noise disrupts magnetic compass orientation in a migratory bird“ erschienen.

14.05.2014, Forschungsverbund Berlin e.V.
Verwandtschaftsverhältnis der stark bedrohten Mönchsrobben aufgeklärt
Ein internationales Forscherteam konnte die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Gattung der Mönchsrobben (Monachus) neu bestimmen. Dazu nutzten die WissenschaftlerInnen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), der Smithsonian Institution und der Fordham University in den USA DNA-Analysen der bereits ausgestorbenen Karibischen Mönchsrobbe. Auf Grundlage der gewonnen Erkenntnisse können zielgerichtete Maßnahmen zum Schutz der Mönchsrobben ergriffen werden. Die Ergebnisse wurden im Wissenschaftsjournal ZooKeys veröffentlicht.
Erstmals 1494 von Kolumbus erwähnt, war die Karibische Mönchsrobbe (Monachus tropicalis) in der ganzen Karibik verbreitet. Durch die uneingeschränkte Jagd im 19. Jahrhundert wurden die Zahlen schnell dezimiert. Die letzte eindeutige Sichtung einer Karibischen Mönchsrobbe war 1952. Damit stellt diese Mönchsrobbenart die jüngste Ausrottung eines Meeressäugers in der westlichen Hemisphäre dar. Zur Gattung Monachus gehören neben der Karibischen noch die Mittelmeer- und Hawaii-Mönchsrobbe – beides stark bedrohte Arten. Das Verwandtschaftsverhältnis zwischen den Mönchsrobben wurde bislang nicht vollständig verstanden.
Um die Karibische Mönchsrobbe zu klassifizieren, nutzten die WissenschaftlerInnen Jahrhunderte alte Häute von Mönchsrobben aus den Sammlungen der Smithsonian Institution in den USA. Außerdem wurden für die morphologischen Untersuchungen Robbenschädel verglichen. „Durch unsere Analysen haben wir festgestellt, dass die molekularen und morphologischen Unterschiede zwischen der Mittelmeer-Art und den zwei Arten der „Neuen Welt“, aus der Karibik und Hawaii, tiefgreifend waren“, kommentiert Prof. Dr. Alex Greenwood vom IZW in Berlin. Dies führte dazu, die Karibische und Hawaii-Mönchsrobbe in einer neuen Gattung namens Neomonachus zu klassifizieren.
Für den DNA-Vergleich arbeitete das Team des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin mit dem Smithsonian Institute in Washington DC und der Fordham Universität in New York zusammen. Die Analysen zeigen, dass die Karibische Mönchsrobbe näher mit der Hawaii- als mit der Mittelmeer-Mönchsrobbe verwandt ist. Zudem entdeckten die WissenschaftlerInnen, dass sich die Karibische und die Hawaii-Mönchsrobbe vor rund drei bis vier Millionen Jahren in ihre unterschiedlichen Arten aufgetrennt haben. Zur gleichen Zeit wurden der Atlantische und Pazifische Ozean durch die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika (Isthmus von Panama) getrennt und dadurch auch die beiden Mönchsrobbenarten voneinander isoliert.
„Diese Untersuchungen sind sehr spannend, da sie uns eine klare Vorstellung über die Evolution von Mönchsrobben geben. Die neu entdeckten Zusammenhänge heben die Dringlichkeit hervor, diese bemerkenswerten und hoch bedrohten Robben zu bewahren“, kommentiert Kristofer Helgen, Kurator der Säugetierabteilung am Smithsonian National Museum of Natural History.
„Wir identifizieren gelegentlich neue Arten großer Säugetiere, wie das beim Anden-Makibär (Olinguito) der Fall war, den wir im letzten Jahr entdeckt haben“, sagt Graham Slater von der Smithsonian Institution. „Aber eine neue Gattung benennen zu dürfen, und noch dazu eine Gattung der Robben, ist sehr selten und eine große Ehre.“
Die Gruppe der Mönchsrobben ist im Gegensatz zu anderen Robben an das Leben in wärmeren Gewässern angepasst. Die Hawaii-Mönchsrobbe verbleibt nach dem Aussterben der Karibischen Art, als letzte der Gattung Neomonachus – genau wie die Mittelmeer-Art der Gattung Monachus. Beide Arten stehen als stark gefährdet auf der Roten Liste der „International Union for Conservation of Nature (IUCN; Weltnaturschutzunion)“. Mit einer verbleibenden Zahl von 1.200 Hawaii- und weniger als 600 Mittelmeer-Mönchsrobben gehören sie zu den seltensten Säugetierarten der Erde.
Publikation:
Scheel DM, Slater GJ, Kolokotronis S-O, Potter CW , Rotstein DS, Tsangaras K, Greenwood AD, Helgen KM (2014): Biogeography and taxonomy of extinct and endangered monk seals illuminated by ancient DNA and skull morphology. ZooKeys 409: 1–33, DOI: 10.3897/zookeys.409.6244.

14.05.2014, Ruhr-Universität Bochum
Wie Prachtbienen ihren persönlichen Duft finden und Artgenossen anlocken
Ein wohlriechendes Parfüm hat schon so manchen Mann und manche Frau zusammengebracht. Auch Prachtbienen setzen bei der Partnerwahl womöglich auf die Duftnote. Die Männchen stellen sich im Lauf ihres Lebens ein artspezifisches Bouquet zusammen, das sie in Taschen an den Hinterbeinen aufbewahren. Eines Tages entlassen sie es. Um Weibchen anzulocken, vermutet Tamara Pokorny, Biologin an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Sie erforscht das Sammelverhalten der fliegenden Parfümliebhaber.
Den idealen Duft zusammenzustellen braucht ein ganzes Leben
Durchschnittlich 20 bis 40 charakteristische Komponenten enthält das vollständige Parfüm eines Männchens. Das Bouquet von jungen Tieren weicht in der Regel weit von der Idealmischung ab, weil sie noch nicht die Chance hatten, so viel zu sammeln wie ihre älteren Artgenossen. Das zeigen Daten von Tamara Pokorny, die sie während eines Forschungsaufenthalts in Mexiko gemeinsam mit Marko Hannibal erhob. Die Wissenschaftlerin vom Lehrstuhl Evolutionsökologie und Biodiversität der Tiere fand auch heraus, dass die Bienen wissen, was sie schon gesammelt haben. Selbst wenn ein attraktiver Duftstoff im Übermaß vorhanden ist, hören die Bienen auf, ihn mitzunehmen.
Jede Prachtbienenart bevorzugt einen bestimmten Typus Baum
Wenn Prachtbienen ihr Bouquet entlassen, wählen sie einen Baumstamm, der das Zentrum ihres Territoriums bildet. Die Wahl erfolgt nicht zufällig, weiß Tamara Pokorny. In Costa Rica analysierte sie gemeinsam mit Studierenden die Lieblingsbäume einiger Prachtbienenarten. Kleinere Gattungen bevorzugten Äste oder Stämme mit kleinem Durchmesser, größere Gattungen mit größerem Durchmesser. Eine glatte Oberfläche war generell attraktiver als eine raue Baumrinde. Wo genau am Stamm sich ein Männchen niederlässt, um seinen Duft zu verteilen, hängt scheinbar auch von der Windrichtung ab.
Energie für kraftraubende Flüge tanken
Die Bochumer Biologin beschäftigt sich auch mit der Flugleistung der Prachtbienen. Die kleinen Tiere fliegen durchaus 50 Kilometer weit. Tamara Pokorny hat eine Theorie, wie sie die Energie für diese langen Strecken aufbringen, ohne Versorgungsstopps an Blüten einlegen zu müssen. Mit einer bestimmten Rüsselbewegung scheinen die Bienen die Zuckerlösung, die sie trinken, einzudicken. Überschüssiges Wasser scheiden sie aus und behalten nur den Energielieferanten im Körper.
Orchideen, Eukalyptus und Fäkalien
Prachtbienen leben in Mittel- und Südamerika und werden durchschnittlich bis zu drei Monate alt. Vertreter der unterschiedlichen Arten interessieren sich für verschiedene Düfte. Orchideenblüten gehören zu den besonders beliebten Quellen, und auch das nach Eukalyptus riechende Cineol findet sich häufig in der Mischung. Doch nicht nur Stoffe, die für den Menschen wohlriechen, landen in den Sammeltaschen, auch Skatol, das sich in Fäkalien findet, gehört für manche Arten zum Bouquet.
Ein ausführlicher Beitrag mit Bildern findet sich online im Wissenschaftsmagazin „RUBIN“:
http://rubin.rub.de/de/gefluegelte-parfuemhersteller.

14.05.2014, Ludwig-Maximilians-Universität München
Muschelkrebse – Erster fossiler Nachweis von Riesenspermien
Eine bizarre Fortpflanzungsmethode überdauert Krisen der Erdgeschichte: Die LMU-Paläontologin Renate Matzke-Karasz rekonstruiert erstmals Riesenspermien von 16 Millionen Jahre alten Muschelkrebsfossilien.
Muschelkrebse (Ostrakoden) des Süßwassers wachsen bei der Fortpflanzung im wahrsten Sinne des Wortes über sich hinaus. Sie produzieren fadenförmige Riesenspermien, die oftmals länger sind als sie selbst. Dass sie mit dieser Methode evolutionsgeschichtlich sehr erfolgreich sind, konnte nun Dr. Renate Matzke-Karasz, Privatdozentin für Geobiologie am Department für Geowissenschaften der LMU zeigen.
Der LMU-Paläontologin ist es erstmals gelungen, direkt in Millionen Jahre alten Fossilien Riesenspermien nachzuweisen. „Wir können das Spermium auf Zellniveau abbilden. Sowohl der Zellkern als auch eine markante Einstülpung der Zellhülle sind erhalten“, sagt Matzke-Karasz. Dabei sehen die Spermien nicht anders aus als die heutiger Muschelkrebse. „Wir erkennen im Fossil die typische Verdrillung des Spermiums und seiner Zellorganellen, wodurch sich ein Aussehen ergibt, das an ein Seil erinnert. Das Erstaunliche an unserm Fund ist, dass sich die Fortpflanzungstechnik dieser Kleinkrebse bis heute nicht geändert zu haben scheint.“
Die Fossilien lagen etwa 16 Millionen Jahre im australischen Sediment, bevor Matzke-Karasz sie zusammen mit Kollegen mit modernsten technischen Mitteln untersuchte: Sie durchleuchtete 66 Ostrakoden-Fossilien an der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) in Grenoble mithilfe der Synchrotron-Röntgentomografie, einem bildgebenden Verfahren ähnlich der Computertomografie. Erstmals nutzte die Wissenschaftlerin dabei auch die hochauflösende Nanotomografie. „Mit diesen Methoden können wir die fossilen Spermien im dreidimensionalen Raum rekonstruieren“, sagt Matzke-Karasz. Muschelkrebse sind nur wenige Millimeter groß, doch ihre Spermien können bis zu einem Zentimeter lang werden.
Ostrakoden gibt es schon seit 500 Millionen Jahren. Sie sind dank ihres verkalkten zweiklappigen Gehäuses sehr häufig versteinert und damit heute noch nachweisbar und teils sehr gut erhalten. Mit den fossilen Klappen können Sedimente datiert und frühere Umweltbedingungen rekonstruiert werden. Doch nur in seltenen Fällen überdauern auch die Weichteile. Die Organe, die für die Übertragung der Riesenspermien nötig sind, konnten Matzke-Karasz und Co-Autoren bereits an Fossilien aus der Kreidezeit nachweisen, die in der berühmten Santana-Formation im Osten Brasiliens gefunden worden waren.
Opulente Fortpflanzungstechnik
Die nun untersuchten Fossilien sind etwa 16 Millionen Jahre alt und wurden in Sedimenten einer ehemaligen Höhle in Australien von den beiden Wirbeltierpaläontologen Professor Michael Archer und Dr. Suzanne Hand von der University of New South Wales gefunden. „Vermutlich liegt es an sehr hohen Phosphatwerten im Ablagerungsmilieu, dass die Fossilien so gut erhalten sind“, sagt Matzke-Karasz. Wie Archer und Hand rekonstruierten, lebten die Muschelkrebse in einem kleinen Gewässer in einer Höhle, in die Sonnenlicht eindrang und die von Fledermäusen bewohnt wurde. Offenbar ist es dem phosphathaltigen Kot der Fledermäuse zu verdanken, dass ihre kleinen Höhlenmitbewohner so viele Millionen Jahre später als phosphatisierte (apatitische) Fossilien die Fachwelt erstaunen.
Süßwasser-Muschelkrebse haben ein aufwändiges Fortpflanzungssystem, das etwa ein Drittel ihres Körpervolumens ausmacht. Die Männchen haben extrem verlängerte Samenleiter und ein Organ, das als Saug-Druck-Pumpe funktioniert und den Transport der Riesenspermien ins Weibchen erst ermöglicht. Die Weibchen verfügen über lange Kanäle und voluminöse Samenbehälter, in denen die Spermien bis zur Eiablage aufbewahrt werden. Auch diese Organe konnten in einigen der jetzt untersuchten Fossilien nachgewiesen werden.
„Muschelkrebse müssen viel Energie in Produktion, Transport und Aufbewahrung der Riesenspermien einsetzen, was auf den ersten Blick etwas opulent wirkt“, sagt Matzke-Karasz. Ihre 3-D-Darstellungen zeigen nun, dass Spermien und Fortpflanzungstechnik vor 16 Millionen Jahren nicht anders waren als heute. „Das weist darauf hin, dass diese Fortpflanzungsart funktionell ein Erfolgsmodell darstellt – über Millionen Jahre hinweg“, sagt Matzke-Karasz. Weitere Untersuchungen sollen nun Aufschluss darüber geben, was diese bizarr anmutende Fortpflanzungsmethode so erfolgreich macht.

14.05.2014, NABU
Haussperling verteidigt seinen Platz als häufigster Gartenvogel
Am vergangenen Wochenende hat der NABU die zehnte „Stunde der Gartenvögel“ durchgeführt. Naturfreunde waren aufgerufen, eine Stunde lang Vögel im Garten, Park oder vom Balkon aus zu zählen und dem NABU zu melden. Bislang wurden Meldungen von 25.000 Beobachtern aus mehr als 17.000 Gärten und Parks mit 600.000 erfassten Vögeln ausgewertet. Der Haussperling landet auch in diesem Jahr wieder auf Platz Eins, gefolgt von Amsel, Kohlmeise, Blaumeise und Star. „Der Haussperling ist der häufigste Brutvogel im Siedlungsraum. Er hat sich von allen Vögeln am engsten an den Menschen gebunden. Im Gegensatz zu früheren Rückgängen, die dazu geführt hatten, dass die Art derzeit sogar auf der Vorwarnliste der deutschen Roten Liste geführt wird, zeigen unsere Daten zumindest für das vergangene Jahrzehnt erfreulicherweise eine Stabilisierung des Bestands“, so NABU-Vogelexperte Lars Lachmann zum Spitzenreiter unter den Gartenvögeln.
Besorgniserregend sind die Rückgänge bei Mehlschwalbe und Mauersegler. „Sie erreichen in diesem Jahr mit Abstand ihre bisher niedrigsten Werte. Damit setzen sich die Trends der vergangenen Jahre bei diesen beiden Arten fort. Die Rückgänge sind sicher auch auf das regnerische und schlechte Wetter zurückzuführen, weil Mehlschwalbe und Mauersegler als sogenannte Luftjäger dann weniger aktiv sind und teilweise sogar noch einmal nach Süden ausweichen. Dadurch können sie weniger beobachtet werden“, erläuterte Lachmann. Aber: Die Rückgänge seien auch eine Fortsetzung der Entwicklung der Vorjahre. Beides seien Gebäudebrüter und Langstreckenzieher und gehörten damit zu den beiden wegen der Auswirkungen des Klimawandels und der zunehmenden Gebäudesanierung am stärksten gefährdeten Artengruppen im Siedlungsraum.
Auch bei der Amsel sei ein historischer Tiefstand zu verzeichnen. Es setzt sich damit die kontinuierliche Abnahme dieser Vogelart seit Beginn der „Stunde der Gartenvögel“ fort, auch wenn es immer noch für Platz Zwei reicht. Weitere Auswertungen müssen zeigen, welcher Teil dieser Abnahme auf die Viruserkrankung Usutu zurückzuführen ist und wo andere Ursachen für den Schwund auszumachen seien. Der Grünfink hat wie befürchtet ebenfalls gegenüber dem vergangenen Jahr stark abgenommen, derzeit um 22 Prozent. „Das kann, muss aber nicht, ein Effekt des vermehrten Auftretens einer Infektion mit dem Einzeller Trichomoniasis sein“, so Lachmann. Denn die Werte dieses Jahres befänden sich durchaus noch im Bereich der Ergebnisse aus früheren Jahren.
Alle Meldungen der diesjährigen Aktion können auf www.stunde-der-gartenvoegel.de nachverfolgt und mit Zahlen früherer Jahre verglichen werden. Interaktive Karten stellen dar, wie sich eine Vogelart an einem ausgesuchten Ort, einem Landkreis oder einem Bundesland entwickelt hat. Jährlich wiederholte Aktionen wie die „Stunde der Gartenvögel“ bieten die Möglichkeit, zuverlässige und flächendeckende Zahlen zum Artenbestand zu sammeln. Nach dem Prinzip der „Citizen Science“ schlüpfen möglichst viele Menschen in die Rolle des Forschers und liefern gemeinsam große Datenmengen, die nach Auswertung wichtige Hinweise auf Veränderungen der Bestände liefern.
Meldeschluss ist der 19. Mai. Erste Ergebnisse der gemeldeten Beobachtungen sind im Internet unter www.stunde-der-gartenvoegel.de mitzuverfolgen. Das Endergebnis unter Berücksichtigung der postalisch eingegangenen Meldungen wird voraussichtlich erst Ende des Monats vorliegen.

15.05.2014, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Einmal gelernt, nie vergessen
Erwachsene Meeresschildkröten legen häufig sehr lange Strecken zwischen ihren Brutstätten und ihren Nahrungsgründen zurück. Bisher war jedoch nicht bekannt, woran sie sich bei der Auswahl ihres Lebensraumes orientieren. Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel haben gemeinsam mit Kollegen aus Großbritannien und Australien einen Zusammenhang zwischen Meeresströmungen und dem Wanderungsverhalten von Meeresschildkröten entdeckt. Die Studie ist jetzt in der internationalen Fachzeitschrift „Ecology“ erschienen.
Manche Meeresschildkröten sind wahre Langstreckenschwimmer. Bis zu 3000 Kilometer liegen zwischen den Küsten, an denen sie ihre Nahrung finden, und den Stränden, an denen sie sich fortpflanzen. Andere marine Schildkrötenpopulationen hingegen nisten an denselben Orten, an denen sie auch fressen. „Wonach die Tiere ihre Nahrungsgründe aussuchen, war bisher jedoch unklar“, sagt die Biologin Dr. Rebecca Scott vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.
Zusammen mit Kollegen von der Swansea University und der University of Southampton in Großbritannien sowie von der Deakin University in Warrnambool, Australien, ging sie in einem gemeinsamen Projekt von Biologen und Ozeanmodellierern dieser Frage nach. Dabei stießen die Forscher auf einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen den Wanderungen der erwachsenen Schildkröten und den vorherrschenden Oberflächenströmungen in den jeweiligen Meeren. Die Studie ist jüngst in der renommierten Zeitschrift „Ecology“ erschienenen.
Grundlage der Studie waren die Wanderungen von erwachsenen Meeresschildkröten, die dank Satellitenüberwachung recht gut erforscht sind. „Erwachsene Schildkröten mit Sendern auszustatten ist kein Problem, deshalb sind ihre Bewegungen in den Ozeanen einigermaßen bekannt“, erklärt Dr. Scott. Zweite Grundlage waren die Oberflächenströmungen in den Meeren, über die ozeanograpische Messstationen und frei treibender Messbojen Daten liefern. Diese Daten liefern wiederum die Grundlagen für Computermodelle, in denen ganze Ozeanbecken simuliert werden können. In ein solches Modell namens NEMO setzten die Wissenschaftler nun virtuelle, frisch geschlüpfte Schildkröten an den bekannten Brutstränden in den Ozean ein und verfolgten ihre Wege in den Strömungen. „Da frisch geschlüpfte Tiere noch nicht über ausreichend Kraft verfügen, um gegen die Meeresströmungen anzuschwimmen, konnten wir sie im Modell als treibende Körper simulieren“. erklärt Dr. Scott.
Anschließend verglichen sie und ihre Kollegen die vorhandenen Satellitendaten der erwachsenen Schildkröten mit den modellierten Driftrouten der Jungtiere. Dabei stellte sich heraus, dass erwachsene Schildkröten vornehmlich dort fressen, wohin sie als Jungtiere getrieben werden. Aus diesen Daten schließen die Autoren, dass erwachsene Schildkröten nach jeder Eiablage zu den Nahrungsgründen zurückkehren, an denen sie schon als Jungtiere gute Futterbedingungen vorgefunden haben.
Allerdings scheint es bei der Auswahl der Nahrungsgründe eine obere Grenze bezüglich der Distanz von Brut- zu Nahrungsgrund zu geben. Sind die beiden weiter als 3000 Kilometer voneinander entfernt, können erwachsene Schildkröten die Strecke nicht überbrücken. „Die Energie, die sie beim Fressen aufnehmen, reicht einfach nicht für denn Hin- und Rückweg“, erklärt die Biologin. Ist der Abstand also zu groß, suchen die Schildkröten ihre Nahrung in unmittelbarer Umgebung zu ihren Brutplätzen oder direkt im offenen Meer.
Das Wanderungsverhalten der Schildkröten steht damit im Kontrast zu dem von anderen bekannten Tierarten. Von einigen Bartenwalen und Vögeln ist beispielsweise bekannt, dass sie ihren Müttern oder erfahreneren Artgenossen auf ihren Reisen folgen und so ein soziales Lernverhalten aufweisen. Manchen Vogel- und auch Insektenarten, hingegen, sind Migrationsmuster angeboren. Obwohl bekannt ist, dass die Meeresströmung einen großen Einfluss auf die Verteilung von treibenden Kleinstlebewesen hat, ist diese Studie die erste, die zeigen kann, dass auch aktiv schwimmende Tiere in ihrer weitreichenden Wanderung direkt durch die Ozeanströmung beeinflusst werden. „Die Ergebnisse dieser Studie können helfen, die Auswahl der Lebensräume der vielfach bedrohten Schildkrötenarten besser zu verstehen und dadurch zu ihrem Schutz beitragen“, betont Scott.
Manche Meeresschildkröten sind wahre Langstreckenschwimmer. Bis zu 3000 Kilometer liegen zwischen den Küsten, an denen sie ihre Nahrung finden, und den Stränden, an denen sie sich fortpflanzen. Andere marine Schildkrötenpopulationen hingegen nisten an denselben Orten, an denen sie auch fressen. „Wonach die Tiere ihre Nahrungsgründe aussuchen, war bisher jedoch unklar“, sagt die Biologin Dr. Rebecca Scott vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.
Zusammen mit Kollegen von der Swansea University und der University of Southampton in Großbritannien sowie von der Deakin University in Warrnambool, Australien, ging sie in einem gemeinsamen Projekt von Biologen und Ozeanmodellierern dieser Frage nach. Dabei stießen die Forscher auf einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen den Wanderungen der erwachsenen Schildkröten und den vorherrschenden Oberflächenströmungen in den jeweiligen Meeren. Die Studie ist jüngst in der renommierten Zeitschrift „Ecology“ erschienenen.
Originalarbeit:
Scott, R., Marsch, R., Hays, G. C.: Ontogeny of long distance migration. Ecology. In press http://dx.doi.org/10.1890/13-2164.1

15.05.2014, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Afrikanische Schildkröte: Bedrohter, als gedacht
Wissenschaftler des Senckenberg-Forschungsinstitutes in Dresden haben mit genetischen Methoden herausgefunden, dass sich hinter der Sumpfschildkröte Pelomedusa subrufa in Wirklichkeit mindestens 10 verschiedene Arten verbergen. Bisher ging man von einer einzigen in fast ganz Afrika, Madagaskar und Arabien verbreiteten Art aus. Die neue Einteilung hat auch eine Veränderung der Gefährdungseinschätzung zur Folge: mindestens eine der neu beschriebenen Arten ist vom Aussterben bedroht. Die zugehörigen Studien sind heute im Fachjournal Zootaxa erschienen.
Die Sumpfschildkröte Pelomedusa subrufa fühlt sich in kleinen, stehenden Gewässern wohl, kann aber – indem sie sich vergräbt – auch Trockenphasen jahrelang überdauern. Die maximal etwa 30 Zentimeter langen Panzerträger sind weitverbreitet. Man findet sie von Südafrika bis in die Sahelzone, in Madagaskar und auf der Arabischen Halbinsel. Diese große Verbreitung und ihre Fähigkeit, Trockenzeiten gut zu überstehen, brachten den Schildkröten den Ruf ein, „ungefährdet“ zu sein.
„Unsere Forschungen zeigen aber, dass die bisherigen Auffassungen grundfalsch sind“, sagt Prof. Dr. Uwe Fritz, Direktor bei Senckenberg Dresden. Gemeinsam mit einem internationalen Wissenschaftlerteam hat er die Schildkröten mit morphologischen Methoden und modernster molekulargenetischer Technik untersucht. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es sich hier nicht um eine, sondern um mindestens zehn, eventuell sogar um noch mehr verschiedene Arten handelt“, erklärt Fritz.
Insgesamt haben die Dresdner Wissenschaftler rund 350 Schildkröten unter die Lupe genommen und etwa 200 davon genetisch untersucht. Unter anderem wurden auch Proben von – zum Teil über hundert Jahren alten – Exemplaren aus verschiedenen naturkundlichen Museen genetisch analysiert.
„Bisher galt die Pelomedusen-Schildkröte als extrem weit verbreitet und deswegen ungefährdet, da man dachte, dass in ganz Afrika dieselbe Art vorkommt. Unsere Untersuchung zeigt, dass es viele Arten gibt und dass die Verbreitungsgebiete der einzelnen Arten sehr viel kleiner sind“, erläutert Fritz. „Deswegen sind manche Arten wahrscheinlich wesentlich gefährdeter, als bisher gedacht“. Eine der neu beschriebenen Schildkröten ist aufgrund der Wasserknappheit in ihrer Heimat, der südwestlichen Arabischen Halbinsel, wahrscheinlich sogar akut vom Aussterben bedroht.
Fritz bedauert, dass derartige Forschungen in Zukunft womöglich nicht mehr durchgeführt werden können. „Aktuell wird auf europäischer und deutscher Ebene eine Änderung der Nutzung genetischer Ressourcen gesetzlich festgeschrieben, die eigentlich dazu dienen soll, dass sich keiner an genetischen Daten anderer Länder bereichern kann“, erzählt der Dresdner Biologe. „Der Gesetzesentwurf zielt zum Beispiel auf Pharma-Firmen ab, die Wirkstoffe für Arzneimittel von anderen Ländern zum ‚Nulltarif räubern‘.“
Er befürchtet, dass der gut gemeinte Riegel, den man diesem Vorgehen vorschieben wollte, echten Schaden anrichtet, weil damit die Biodiversitätsforschung massiv erschwert wird.
„An Forschung wie im Fall der Pelomedusen-Schildkröten lässt sich kein Geld verdienen und der große Gewinner solcher Forschung ist der Artenschutz“, meint Fritz.
Saudi-Arabien wird nun wahrscheinlich für die bedrohte Pelomedusen-Schildkröte Maßnahmen ergreifen, um die gefährdete Art vor dem Verschwinden zu bewahren.
„An Schutzmaßnahmen für diese Schildkröte hätte ohne unsere Ergebnisse aber niemand gedacht, weil man bislang dachte die arabischen Schildkröten seien dieselbe Art wie in ganz Afrika. Die Nutzung von genetischen Material ist deshalb für unsere Forschung und zum Erhalt der Biodiversität unumgänglich!“, fasst Fritz zusammen.
(siehe auch hier)

16.05.2014, Veterinärmedizinische Universität Wien
Plötzliches Gämsensterben in Österreich aufgeklärt
Im Frühjahr 2010 starben im Norden Österreichs 30 Prozent der dort angesiedelten Gämsen. Die Todesursache war unklar. Beunruhigte Jäger und Forstwirte sandten gefundene Tierkadaver zur Obduktion an die Wildtierpathologie der Vetmeduni Vienna. Umfangreiche Untersuchungen ergaben, dass die Tiere an einer bakteriellen Lungenentzündung verstorben waren. Die Ursache waren zwei, bisher bei Gämsen unübliche, Bakterienstämme. Die Ergebnisse wurden vor kurzem im Journal of Wildlife Diseases veröffentlicht.
Gämsen (Rupicapra rupicapra) teilen ihren Lebensraum mit unterschiedlichen Wildtieren und auch mit Nutztieren. Werden erkrankte oder gar verstorbene Tiere von JägerInnen oder ForstwirtInnen entdeckt, ist die Aufklärung der Krankheits- oder Todesursache wichtig, da das Risiko einer Übertragung zwischen verschiedenen Tierarten besteht. Das Pathologische Labor am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie hat sich auf solche Fälle spezialisiert.
Schwere Lungenentzündung als Todesursache
19 der verstorbenen Tiere aus der Region Amstetten, Lilienfeld und Salzburg wurden untersucht. Die Forschenden obduzierten die Tiere, analysierten verschiedene Gewebe und suchten nach Bakterien, Viren oder Parasiten in den Kadavern. Die umfangreichen Analysen ergaben, dass die Tiere an einer massiven Lungenentzündung verstorben waren.
Zwei Bakterienstämme als Verursacher
Die Ursache der schwerwiegenden Entzündung waren Bakterien mit den klingenden Namen Mannheimia glucosida und Bibersteinia trehalosi. Bislang wurden diese Bakterien in Rindern und Schafen nachgewiesen. Dass diese Keime bei Gämsen tödliche Lungenentzündungen mit Seuchencharakter auslösen können, war den ExpertInnen bisher nicht bekannt. „Wildtiere dürfen nicht medizinisch behandelt werden. Deshalb gibt es nur wenige Möglichkeiten, den seuchenartigen Verlauf einzubremsen“, erklärt Annika Posautz vom Pathologie-Team des Forschungsinstitutes. „Man kann beispielsweise die Verwendung von Salzlecksteinen vermeiden.“
Seit dem Jahr 2010 ist kein akutes Gämsenmassensterben mehr aufgetreten. Die Forscherin Posautz erklärt, warum die Bakterienstämme gerade damals so viel anrichten konnten: „Es war wahrscheinlich ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Der Winter war sehr hart und die Tiere litten unter Parasitenbefall. Beides schwächt das Immunsystem der Tiere und führte wahrscheinlich zu den fatalen Sterbefällen.“
Auch Haustierbestände sind bedroht
Gämsen kommen in den Alpen auch mit Haustierarten wie Rindern und Schafen, die auf den Almen weiden, in Kontakt. Weil Krankheitserreger zwischen Haus- und Wildtieren übertragen werden können, sind auch Haustierbestände von solchen Ausbrüchen bedroht. Die Wildtierforscherin Posautz setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit JägerInnen und ForstwirtInnen. Ein verstärktes Monitoring, also genaues und flächendeckendes Beobachten der Tiere und rasches Handeln sei im Ernstfall entscheidend.
Der Artikel „Acute die-off of chamois (Rupicapra rupicapra) in the eastern Austrian Alps due to bacterial bronchopneumonia with Pasteurellaceae” von Annika Posautz, Igor Loncaric, Anna Kübber-Heiss, Alexander Knoll und Christian Walzer ist im Journal of Wildlife diseases erschienen. DOI: 10.7589/2013-04-090 http://www.jwildlifedis.org/doi/abs/10.7589/2013-04-090

16.05.2014, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Biber-Multikulti in Deutschland: Senckenberger befürworten Vermischung verschiedener Bibervorkommen
Wissenschaftler des Forschungsinstituts Senckenberg haben mittels genetischer Methoden die Populationsstruktur von Bibern in Mitteleuropa untersucht. Molekulargenetische Analysen konnten erstmals zeigen, dass sich Biber verschiedener Herkunft erfolgreich vermischen und dabei eine erhöhte genetische Vielfalt im Vergleich zu reinen Reliktpopulationen aufweisen. Die Biologen befürworten diese Vermischung und stellen gleichzeitig die bisherige Unterteilung in Unterarten für Mitteleuropa in Frage. Die zugehörige Studie ist in der Fachzeitschrift PLoS ONE erschienen.
Sie bauen Burgen und Dämme, fällen Bäume und sind die größten Nagetiere Europas: Nachdem der Biber Mitte des 20. Jahrhunderts kurz vor der Ausrottung stand, sind die Nager nun in mehreren Teilen Deutschlands wieder auf dem Vormarsch.
„Durch die Einstellung der Biberjagd, verschiedene Wiederansiedlungsprojekte und Schutzmaßnahmen konnten die Biber in Deutschland wieder Fuß fassen“, erklärt Erstautorin der Studie Christiane Frosch, die im Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen ihre Doktorarbeit angefertigt hat. Dabei hat sie 235 Biberproben aus fünf ausgewählten Regionen in Deutschland, der Schweiz, Luxemburg und Belgien mit verschiedenen genetischen Methoden untersucht.
Der invasive Nordamerikanische Biber Castor canadensis konnte lediglich in den Grenzgebieten von Rheinland-Pfalz, Belgien und Luxemburg nachgewiesen werden. Dr. Robert Kraus, Mitautor der Studie ergänzt: „Mit einem intensiven Management in diesen Regionen sollte der Nordamerikanische Biber dort aber in Kürze nicht mehr in freier Wildbahn anzutreffen sein.“
Der eingewanderte Biber ist etwas größer, als sein europäischer Verwandte Castor fiber und steht im Verdacht seinen Artgenossen aus dessen Lebensraum zu verdrängen.
Die Taktik zur Wiederansiedlung und zum Management der nagenden Vegetarier sollte aber den neuen Erkenntnissen angepasst werden, sagen die Gelnhäuser Biologen.
„Unsere Untersuchungen in Mitteleuropa zeigen, dass in allen Gebieten die ursprünglich ansässige Westlinie dominiert“, erläutert Frosch. Bisher war man davon ausgegangen, dass auch zahlreiche Tiere der Ostlinien durch Wiederansiedlungsprojekte aus Russland zur heutigen Population beigetragen haben. Die molekulargenetischen Untersuchungen bestätigen jedoch, dass in vielen Gebieten Europas Biber der westlichen Linie – aber verschiedener Herkunft – ausgewildert wurden.
„Kein wirkliches Problem“, meint Kraus, „die Unterarten können sich uneingeschränkt mischen und unsere Forschung zeigt, dass diese Mischung sogar zu einer höheren Vielfalt im Erbgut der Tiere führt.“
Die Empfehlung, nur ursprünglich ansässige Biberunterarten anzusiedeln, halten die Senckenberger deshalb für überholt: „In Hessen wurden beispielsweise 18 Elbebiber aus der deutschen Reliktpopulation ausgewildert. Unsere Studie zeigt, dass die Tiere dieser Region die geringste genetische Diversität aufweisen und damit einem erhöhten Inzuchtrisiko ausgesetzt sind“, erklärt Frosch.
Die Wissenschaftler empfehlen vielmehr ein Überdenken des derzeitigen Biber-Managements: „Es gibt keinen Grund Eurasische Biber verschiedener Herkunft im Untersuchungsgebiet zu trennen oder deren Vermischung zu vermeiden, im Gegenteil scheint die Vermischung sogar Vorteile mit sich zu bringen.“ Außerdem sollte diskutiert werden, ob eine Unterscheidung in „Unterarten“ – zumindest für Biber in Mitteleuropa – überhaupt sinnvoll ist, resümiert Frosch.

15.05.2014, Georg-August-Universität Göttingen
Ist Evolution wiederholbar?
Göttinger Wissenschaftler untersuchen Genomveränderungen an kalifornischer Stabschrecke
Ist Evolution vorhersehbar und wiederholbar? Würde die natürliche Selektion einer Tier- oder Pflanzenart unter ähnlichen Bedingungen beim wiederholten Male ähnlich ablaufen? Eine internationale Studie mit Beteiligung der Universität Göttingen kommt zu dem Ergebnis, dass dies zumindest eingeschränkt gelten könnte. Die Wissenschaftler untersuchten das Genom einer kalifornischen Stabschreckenart. Dabei stellten sie fest, dass sich Teile des Genoms im Laufe der Zeit der jeweiligen geografischen Umgebung und den Lebens- und Ernährungsbedingungen der Tiere anpassen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Science erschienen.
Die flügellose Stabschrecke Timema cristinae lebt auf zwei unterschiedlichen nebeneinander vorkommenden Pflanzenarten, die ihr als Nahrungsgrundlage dienen. Je nach Pflanze unterscheiden sich die beiden Ökotypen durch einen Streifen auf dem Rücken, der dem Schutz vor Fressfeinden dient. Frühere Studien haben gezeigt, dass sich die Art möglicherweise gerade in einem Spaltungsprozess befindet, der sogenannten parallelen Artbildung.
In der jetzigen Studie sequenzierten die Wissenschaftler zunächst die Genome von 160 Stabschrecken aus dem gesamten Verbreitungsgebiet beider Pflanzen. Dabei stießen sie auf Genomveränderungen, die jedoch eher auf die geografische Herkunft der Tiere zurückzuführen sind als auf die von ihnen bewohnte Pflanzenart. Allerdings entdeckten sie auch einige parallele Entwicklungen in den Genomen der Ökotyp-Paare.
Um die Hypothese zu testen, ob diese Veränderungen die Folge von paralleler, wirts-spezifischer natürlicher Selektion sind, sammelten die Forscher rund 2.000 Tiere in der Nähe von Los Angeles und setzten sie in einem anderen Gebiet aus. Nach einem Jahr – also einer Stabschrecken-Generation – analysierten sie etwa 400 der Tiere erneut. Deren Genomsequenzen wiesen trotz der relativ kurzen Zeit einige Veränderungen auf, die tatsächlich offenbar auf die bewohnte Pflanze zurückzuführen sind. Diese sind vermutlich für die Effektivität der Nahrungsaufnahme, Pigmentierung des Tieres und Morphologie der Kauwerkzeuge verantwortlich.
Originalveröffentlichung: Soria-Carrasco et al. Stick insect genomes reveal natural selection’s role in parallel speciation. Science 2014. http://www.sciencemag.org/lookup/doi/10.1126/science.1252136

16.05.2014, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Zahlen und Fakten zum Tag der Biologischen Vielfalt
Ob bei Tieren oder in der Pflanzenwelt: Überall ist die biologische Vielfalt es wert, erhalten zu bleiben. Denn alte und seltene Exemplare können wichtige Gene liefern, die zum Beispiel bei Klimawandel oder Konsumveränderungen für neue Züchtungen von Bedeutung sein können. Aktivitäten gibt es viele: Über 170.000 Muster von Kultur- und Wildpflanzen werden in Genbanksammlungen in Deutschland erhalten. Für die bedrohte Schweinerasse „Bunte Bentheimer“ wird ein spezielles Zuchtprogramm entwickelt – sind doch 52 von 74 heimischen Nutztierrassen gefährdet. Die BLE hat Daten und Fakten rund um die Biologische Vielfalt zusammengestellt.
2.900 Pflanzenarten, 188 einheimische Baum- und Straucharten, 269 Arten von Meer- und Süßwasserfischen, 74 Tierrassen alleine bei vierbeinigen Nutztieren zählen zur heimischen biologischen Vielfalt in Deutschland. Ihre Erhaltung ist wichtig, damit ihre Eigenschaften für zukünftige Nutzungen auch unter veränderten Umweltbedingungen verfügbar sind. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) unterstützt das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) bei der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung dieser Vielfalt.
Dazu sichert das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben nahezu 150.000 Muster von Kultur- und Wildpflanzen. Die Deutsche Genbank Obst am Julius Kühn-Institut für Züchtungsforschung an gartenbaulichen Kulturen und Obst in Dresden-Pillnitz wartet mit einem Bestand von über 1.000 Obstsorten auf, davon über 400 Apfel- und 300 Erdbeersorten. Die genetische Vielfalt im Wald wird an über 10.000 Standorten gesichert, 52 von 74 Tierrassen sind laut der Roten Liste einheimischer Nutztierrassen gefährdet.
Diese und weitere Informationen zu den Beständen, der Erhaltung und Gefährdung von Kultur- und Wildpflanzen, Nutztieren, Forstpflanzen sowie aquatischen Lebewesen geben die nationalen Inventare, die vom Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der BLE geführt werden.
Erhebungen, Modellvorhaben und Forschung sichern Vielfalt
Die BLE ist seit nunmehr zehn Jahren Projektträger des BMEL für Erhebungen und Modell- und Demonstrationsvorhaben zur Erhaltung und Förderung der Biologischen Vielfalt. Sie hat seitdem rund 80 ausgewählte Modellvorhaben mit einem Fördervolumen von rund 12,9 Millionen Euro bewilligt. Derzeit laufen 33 Vorhaben. Das Spektrum in den vergangenen zehn Jahren erstreckte sich beispielsweise von der Erhaltung der Vielfalt von Süßkirschensorten über die Wiedereinführung alter Salatsorten zur regionalen Vermarktung bis hin zur Mittelwaldähnlichen Waldrandgestaltung und -nutzung zur Förderung einzelner Edellaub- und Nadelgehölze wie Elsbeere, Wacholder oder Eibe.
Im BMEL-Programm zur Innovationsförderung wird derzeit ein ökonomisch ausgerichtetes Zuchtprogramm für die bedrohte Schweinerasse „Bunte Bentheimer“ entwickelt. Auch im Ökolandbau ist die Biologische Vielfalt Thema. Bei sogenannten „Fokus Naturtagen“ erfolgen Hof-individuelle Beratungen von zunächst 80 Testbetrieben. Ziel ist es, unter anderem Ideen für Naturschutzmaßnahmen zu erarbeiten sowie für das Thema Biodiversität zu sensibilisieren. Außerdem finanziert die BLE über das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) ein Forschungsvorhaben zur Wiederansiedlung seltener und gefährdeter Ackerwildpflanzen auf Ökobetrieben.
Des Weiteren konnte die BLE im Auftrag des BMEL in den vergangenen zehn Jahren 31 Aufträge zur Erhebung unterschiedlicher Aspekte der Biologischen Vielfalt mit einem Auftragsvolumen von rund 6,7 Millionen Euro vergeben. Hierbei ging es beispielsweise um Daten zur genetischen Struktur der Vogel-Kirsche als Grundlage für ein genetisches Monitoring wichtiger Waldbaumarten in Deutschland, den Aufbau einer erweiterten Zellbank für Karpfenstämme, die Vielfalt obstgenetischer Ressourcen sowie um Populationsdaten tiergenetischer Ressourcen diverser Geflügel- und anderer Tierarten. Sie alle dienen der politischen Entscheidungsfindung sowie als Grundlage für weitere Aktivitäten zum Erhalt der Biologischen Vielfalt in Deutschland.

16.05.2014, Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Brandenburg
Rücksichtnahme auf Wildtiere während der Setz- und Brutzeit besonders wichtig
Wald und Feld bilden derzeit eine große Kinderstube für viele Vögel und Wildtiere. Gerade in dieser Zeit sollten Elterntiere und Junge von den in der freien Landschaft Erholungssuchenden nicht mehr als unbedingt notwendig gestört und belästigt werden, denn jetzt sind Störungen besonders belastend.
Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger: appelliert „an alle Erholungssuchende, namentlich Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer und Reiter, durch ihr angepasstes Verhalten auf die mit der Jungenaufzucht befassten Wildtiere und Vögel besondere Rücksicht zu nehmen.“
Zu den in diesen Tagen notwendigen Verhaltensregeln gehört, vor allem während der Morgen- und Abendstunden, auf den Wegen zu bleiben, keinen übermäßigen Lärm zu machen und Hunde an der Leine zu führen.
Im Wald sind ohnehin ganzjährig Hunde an der Leine zu führen. Weiterhin gilt, sich von aufgefundenen Jungtieren zügig und geräuschlos zu entfernen, diese nicht anzufassen und an der jeweiligen Fundstelle zu belassen. In aller Regel halten sich die Elterntiere in der Nähe auf und kehren alsbald dorthin zurück.
Während der Jungenaufzucht können sich Wildtiere gegenüber dem Menschen auch aggressiv verhalten. Dies gilt für Wildschweine, die eine Unterschreitung der Fluchtdistanz als Angriff auf ihre Jungen verstehen und sich mitunter gegenüber dem vermeintlichen Eindringling auch deutlich zur Wehr setzen.
Rücksicht nehmen sollten auch Landwirte bei anstehenden Feld- und Erntearbeiten. Insbesondere vor dem ersten Grasschnitt zur Heuernte sollten sie sich mit den örtlichen Jägern verständigen, um Jungwild und Vogelgehege vor dem Mähtod zu bewahren.

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