Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

Bedingt durch meine kleinen Abwesenheiten am Wochenende wird dieser Beitrag etwas länger (und ebenso der Zooticker). Nachdem die nächste Zooreise aber auch schon morgen beginnt, kann man sich durch das Lesen der langen Beiträge meine Abwesenheit versüßen. Natürlich wird (wie sonst auch) der Beutelwolf-Blog die nächsten Tage nicht brach liegen, aber die Texte der nächsten Tage kann man vernachlässigen.
Bei besonders großer Langeweile kann man natürlich auch den Blog nach seinem Lieblingstier durchforsten. Vielleicht findet sich ja das eine oder andere Wissenswerte, das man noch nicht wusste.
Oder man nutzt die Zeit für eigene Zoo- oder Museumsbesuche. Anregungen dafür findet man hier.

20.05.2014, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
Wissenschaftler entziffern erstes Termitengenom
Ergebnisse tragen dazu bei, die Ursachen des Sozialverhaltens bei Staaten bildenden Insekten besser zu verstehen
Eine große internationale Forschungsgruppe mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Freiburg hat erstmals das Genom einer Termitenart offengelegt und analysiert. Auf dieser Grundlage konnte sie das Erbgut der Termiten mit jenem von Ameisen und Staaten bildenden Bienen vergleichen, was für Forscherinnen und Forscher besonders interessant ist: Wissenschaftler erforschen seit Langem, wie das komplizierte Miteinander in Insektenstaaten funktioniert. „Unsere Untersuchungen sind der Anfang, um generelle Ursachen komplexen Sozialverhaltens bei Insekten zu studieren“, sagt die Freiburger Biologin Prof. Dr. Judith Korb. Die Studie wurde im Online-Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht. Projektleiter waren Judith Korb, Prof. Dr. Jürgen Liebig, Arizona State University/USA, Prof. Dr. Erich Bornberg-Bauer, Universität Münster, und Guojie Zhang, China National Genebank, BGI-Shenzhen.
Termiten sind mit den Hautflüglern, zu denen Bienen und Ameisen zählen, nicht näher verwandt, haben aber eine ähnliche Lebensweise: Sie bilden ebenfalls Kolonien und verschiedene Kasten, also beispielsweise Arbeiter und Geschlechtstiere. Die Forscher untersuchten, ob die Evolution von sozialem Verhalten in den verschiedenen Insektengruppen auf den gleichen molekularen Mechanismen beruht. Einen auffälligen Unterschied fanden sie bei Gruppen von Genen, die bei den männlichen Tieren an der Reifung der Spermien beteiligt sind. Diese Gene sind bei den Feuchtholz-Termiten, den Holz bewohnenden Termiten der Art Zootermopsis nevadensis, zahlreicher und stärker aktiv als bei den bisher untersuchten Ameisen- und Bienenarten. Die Forscher gehen davon aus, dass dies eine Besonderheit der Lebensweise widerspiegelt: Während die Männchen beispielsweise bei Ameisen und Bienen einmalig eine große Anzahl an Spermien produzieren und kurz nach der Paarung sterben, paaren sich die Termitenmännchen im Laufe ihres Lebens mehrfach mit der Königin ihres Nestes.
Ein weiterer Unterschied: Feuchtholz-Termiten besitzen im Vergleich zu den hoch sozialen Hautflüglern nur wenige Geruchsrezeptoren. Generell spielt der Geruch bei der Kommunikation und der Nestgenossen-Erkennung sozialer Insekten sowie bei der Futtersuche eine wichtige Rolle. Feuchtholz-Termiten haben jedoch eine einfachere Lebensweise als Ameisen oder Honigbienen. Sie entfernen sich zur Futtersuche beispielsweise nicht vom Nest und haben ein weniger komplexes Kommunikationsverhalten. Die geringere Anzahl an Geruchsrezeptoren spiegelt diese Lebensweise wider.
Die Forscher entdeckten jedoch auch Gemeinsamkeiten. So haben die Feuchtholz-Termiten beispielsweise ebenso wie Ameisen besonders viele Gene, die bei der Immunantwort eine Rolle spielen. Soziale Insekten sind verstärkt auf eine wirksame Infektionsbekämpfung angewiesen, da sich Krankheitserreger in den dicht besetzten Kolonien sonst leicht ausbreiten. Außerdem haben die Wissenschaftler Proteine gefunden, die eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der kastenspezifischen Merkmale spielen könnten – analog zu einem ähnlichen System bei der Honigbiene.
Originalpublikation:
Terrapon, N. et al (2014): Molecular traces of alternative social organization in a termite genome. Nature Communications 5

20.05.2014, Deutsche Wildtier Stiftung
Klebe-Alarm unter Linden!
Nützlinge helfen gegen Blattläuse
Honigtau: Der Name suggeriert die Reinheit von frischem Morgentau und die Süße von Honig. Doch bei Honigtau handelt es sich um die Ausscheidungen von Blattläusen! Wer sein Auto unter Linden parkt, ärgert sich im Frühsommer häufig über die schmierige Masse, die den Lack überzieht. „Schuld sind nicht die Linden – es sind die Läuse“, sagt Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. „Blattläuse verbreiten sich gerade jetzt bei diesem heftigen Temperaturwechsel invasionsartig.“ Sie sind mit einer Art Saugrüssel ausgestattet. Damit stechen sie die Pflanzen an, um an die Säfte zu gelangen. Der verdaute Zellsaft wird als klebriger „Kot“ wieder ausgeschieden.
Blattläuse befallen nicht nur Straßenbäume, sondern auch Balkon- und Gartenpflanzen. „Sie können Viren und andere Pflanzenkrankheiten übertragen“, sagt Goris. „Am Ende des großen Laus-Angriffs bleiben vertrocknete Blätter und abgestorbene Triebe übrig.“ Im Kampf gegen diese Schädlinge muss man nicht gleich zu Giften greifen. „Der natürliche Feind der Blattläuse ist der Marienkäfer“, sagt Eva Goris. Auch Florfliegen, Raub- und Spinnmilben sind nützliche Verbündete der Hobbygärtner und Balkonbesitzer. Diese hungrigen Einzelkämpfer sind tierisch erfolgreich: Eine einzige Marienkäfer-Larve vertilgt beispielsweise bis zu 150 Blattläuse am Tag.
Marienkäfer & Co kann man einfach im Internet bestellen. Sie werden im Larvenstadium verschickt und haben viele Vorteile. Sie fressen Schädlinge, aber sie verschonen andere Nützlinge wie Wildbienen und Falter. „Die Ausbringung ist kinderleicht und risikofrei, die Wirkung der hungrigen Helfer ist sehr effektiv“, sagt die Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. Erst Anfang August, mit dem Ende der Blütezeit, ist der Spuk wieder vorbei. Es empfiehlt sich „klebrige“ Autos häufiger zu waschen, denn der Honigtau kann den Lack angreifen.

21.05.2014, Georg-August-Universität Göttingen
Fossilfund in den Alpen: Einblicke in die Lebenswelt der urzeitlichen Tiefsee
Fossilien aus der Tiefsee werden mit zunehmendem erdgeschichtlichem Alter immer seltener. Dennoch ist es einem internationalen Forscherteam unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Universität Göttingen gelungen, in etwa 180 Millionen Jahre alten Ablagerungen in den Salzburger Alpen fossile Überreste von fast 70 verschiedenen Tiefsee-Organismen zu finden. Die Bedeutung der Tiefsee als Ort der Entstehung und der Erhaltung von Artenvielfalt ist deshalb wesentlich größer als bisher angenommen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B erschienen.
Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen findet fossile Überreste von fast 70 Organismen
Fossilien aus der Tiefsee werden mit zunehmendem erdgeschichtlichem Alter immer seltener. Dennoch ist es einem internationalen Forscherteam unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Universität Göttingen gelungen, in etwa 180 Millionen Jahre alten Ablagerungen in den Salzburger Alpen fossile Überreste von fast 70 verschiedenen Tiefsee-Organismen zu finden. Die Bedeutung der Tiefsee als Ort der Entstehung und der Erhaltung von Artenvielfalt ist deshalb wesentlich größer als bisher angenommen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B erschienen.
Durch einen Vergleich mit heute noch lebenden Verwandten konnten die Forscher zeigen, dass die Anpassung an die Tiefsee zwar vor Aussterben schützt, sie deswegen aber noch nicht das Ende der Evolution von Organismen bedeutet, die im harten Konkurrenzkampf in küstennahen Regionen nicht mehr bestehen können. Im Gegenteil, die Studie zeigt einen dynamischen Austausch von Artenvielfalt zwischen Tiefsee und Schelfmeeren. „In den vergangenen Jahren hat sich unter Biologen die Meinung etabliert, die Lebenswelt der Tiefsee sei im Zuge von Massenaussterben und globalen Veränderungen der Ozeane wiederholt ausgelöscht und durch Einwanderer aus den flachen Meeresgebieten ersetzt worden“, erklärt Ben Thuy, Erstautor der Studie vom Naturhistorischen Museum in Luxemburg, vormals Universität Göttingen.
Da Überreste von Organismen aus der Tiefsee jedoch nur selten als Fossilien gefunden werden, war eine direkte Überprüfung dieser Annahme bisher kaum möglich. Die nun entdeckten Fossilreste stammen von Seeigeln, Seesternen, Schlangensternen, Seelilien, Schnecken sowie den sogenannten Armfüßern, die heute in der Tiefsee sehr häufig und artenreich sind. Aber wie kommen Tiefsee-Fossilien überhaupt in die Alpen? „Durch Plattentektonik wurden die Ablagerungen des damaligen Ozeans im Laufe von Jahrmillionen zu einem Gebirge aufgefaltet. So bieten die Alpen einmalige Einblicke in längst ausgestorbene Ökosysteme, selbst aus großen Meerestiefen“, so Thuy. Etliche der untersuchten Fossilien sind die ältesten Nachweise ihrer Familien – älter als ihre Verwandten aus Ablagerungen von küstennahen Schelfmeeren.
Diese Tiergruppen entstanden deshalb in der Tiefsee und sind nicht, wie bisher vermutet, aus dem Flachwasser in die Tiefsee abgewandert. Zudem kennt man etliche der jetzt in den Alpen gefundenen Organismen seit Jahrmillionen nur noch aus Tiefsee-Ablagerungen, aber nicht aus Flachmeer-Ablagerungen. „Das passt nicht zur gängigen These vom Massensterben in der Tiefsee mit nachfolgender Neubesiedlung aus den Schelfmeeren“, sagt Mitautor Dr. Steffen Kiel von der Universität Göttingen. „Die Tiefsee spielt eine wesentlich größere Rolle als Ort der Entstehung und der Erhaltung von Artenvielfalt als bisher angenommen. Um so kritischer sollten die Auswirkungen der tiefen Schleppnetz-Fischerei und des aktuell geplanten Erzabbaus in der Tiefsee geprüft werden“, ergänzt Thuy.
Originalveröffentlichung: Ben Thuy et al. First glimpse into Lower Jurassic deep-sea biodiversity: in-situ diversification and resilience against extinction. Proceedings of the Royal Society B. Doi: http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2013.2624

23.05.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
„Vogelmonitoring in Sachsen-Anhalt 2012“ erschienen
Die Staatliche Vogelschutzwarte im Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt hat in Zusammenarbeit mit dem Ornithologenverband Sachsen-Anhalt e.V. (OSA) den Jahresbericht zum Vogelmonitoring 2012 herausgegeben. Die Artikel des insgesamt 86 Seiten umfassenden Heftes informieren über aktuelle Ergebnisse aus den Programmen zur Erfassung der Brut- und Zugvögel in Sachsen-Anhalt.
Einblicke in das Monitoring seltener Brutvögel geben insgesamt vier Beiträge: S. Fischer & G. Dornbusch beschäftigten sich mit der Bestandssituation ausgewählter seltener Brutvogelarten, A. Schonert & B. Simon berichten über Ergebnisse einer naturschutzfachlichen Erfolgskontrolle der Managementmaßnahmen im NATURA 2000-Gebiet Mittlere Oranienbaumer Heide, J. & A. Schonert werben für die Weiterführung der Kranicherfassung und H. Watzke & H. Litzbarski fassen die Beobachtungen von Großtrappen abseits des Fiener Bruchs aus den Jahren 1990 bis 2012 zusammen.
Über Ergebnisse der Wasservogelzählung in Sachsen-Anhalt aus 2012/13 berichtet M. Schulze, S. Fischer stellt die Ergebnisse der Kormoran-Schlafplatzzählung von Januar 2013 vor. Abschließend schildern A. E. Schlaich & R. Fonger ihre neuen Erkenntnisse zu den Zugwegen von im Altmarkkreis Salzwedel brütenden Wiesenweihen, die 2012 mit Satellitensendern ausgestattet wurden.
Leider sind die Druckexemplare des informativen und übersichtlich gestalteten Heftes bereits vergriffen. Ein PDF steht zum Download auf der Homepage des OSA bereit.

23.05.2014, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Die Inventur der Tausendfüßer – Einwanderung von Tausendfüßern in deutschen Gewächshäusern
Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Görlitz haben eine Inventur der in deutschen Gewächshäusern lebenden Tausendfüßer durchgeführt. Dabei fanden sie 18 zugewanderte Arten, die bisher noch nicht in Deutschland entdeckt wurden. Zwei der Tausendfüßer wurden das erste Mal in Europa nachgewiesen. Die zugehörige Studie ist in der Fachzeitschrift Biodiversity Data Journal erschienen.
Gewächshäuser sind frei von Frost und Kälte, haben meist konstante Temperaturen und eine regelmäßige Wasserzufuhr: Ideale Lebensbedingungen für wärmeliebende Tiere.
„Es ist demnach kein Zufall, dass sich die von uns untersuchten Tausendfüßer dort wohl fühlen.“, sagt Peter Decker, Erstautor der Studie und Biologe am Senckenberg Forschungsinstitut in Görlitz. Er hat gemeinsam mit seinen Kollegen Dr. Hans Reip und Dr. Karin Voigtländer das Vorkommen von Tausenfüßern – Diplopoda (Doppelfüßer) und Chilopoda (Hundertfüßer) – in deutschen Gewächshäusern untersucht.
„Wir haben eine intensive Literaturrecherche betrieben und verschiedene Museumssammlungen durchforstet, aber auch selbst in 29 Gewächshäusern in ganz Deutschland vor Ort nach den Tieren gesucht.“, erklärt Decker. Wie in den meisten anderen europäischen Ländern gab es in Deutschland keine aktuelle Bestandsaufnahme: Die letzte Auflistung zum Vorkommen dieses Unterstamms der Gliederfüßer stammte von 1952.
„Seit dieser Zeit hat sich aber einiges in Deutschland getan: Der Bau von neuen Tropen- und Schmetterlingshäusern und die vermehrte Einfuhr von exotischen Pflanzen, überwiegend aus den Tropen, begünstigt auch die Zuwanderung verschiedener, nicht-heimischer Tiere.“, ergänzt Decker. Eingeschleppt werden die Tausendfüßer versteckt in der Erde oder sonstigem Pflanzensubstrat, teilweise als Eier oder in juveniler Form.
Insgesamt haben die Wissenschaftler mehr als 1800 der vielbeinigen Tiere gesammelt – mit der Hand unter Steinen, Holz oder in der Laubstreu aufgelesen und im Einzelfall Frankfurter Palmengarten auch mit Bodenfallen.
„Wir konnten 53 Arten von Tausendfüßern unterscheiden, die in Gewächshäusern in Deutschland leben. 18 dieser Arten sind erstmalig in Deutschland nachgewiesen. Zwei sogar erstmals in Europa!“, erläutert Decker.
Insgesamt stammen 34 Prozent der Tausendfüßerarten von anderen Kontinenten – die Einwanderer aus Südamerika machen dabei den größten Anteil aus.
25 Prozent aller gefundener Arten bleiben ausschließlich in ihrem „Ökosystem Gewächshaus“. Im Umkehrschluss heißt dies, dass 75 Prozent der heimischen und der eingewanderten Arten auch außerhalb der Gewächshäuser verbreitet sind.
„Doch nur sehr wenige der eingewanderten Arten überleben im städtischen Bereich und stellen deshalb momentan keine Bedrohung für die einheimische Fauna dar.“, resümiert Decker.

23.05.2014, Deutsche Wildtier Stiftung
Nachwuchssorgen beim Rotmilan: Küken bleiben hungrig im Nest!
Die ersten Küken des Rotmilans sind bereits geschlüpft. Kaum aus dem gesprenkelten Ei geschlüpft, haben die Jungvögel reichlich Appetit. Sie benötigen viel Nahrung, um schnell zu wachsen – bereits Mitte Juli sind sie selbstständig und verlassen das Nest. Doch die Rotmilane haben aktuell große Sorgen, denn sie finden nicht ausreichend Nahrung für ihren Nachwuchs. Immer seltener gelingt es den Elterntieren, ihre Jungen erfolgreich großzuziehen: Viele verhungern im Nest oder sind zu geschwächt, um zu überleben.
Der Rotmilan ist ein ganz besonderer Vogel: Für unseren schönsten Greifvogel hat Deutschland große Verantwortung, denn mehr als die Hälfte aller Rotmilane weltweit brüten hier. „Um den Bestand der Art zu erhalten, sind zwei Jungvögel pro Jahr und Brutpaar notwendig. Doch diese Anzahl wird oft nicht erreicht“, so Christoph Grüneberg, Rotmilan-Experte des Dachverbands Deutscher Avifaunisten. Der Grund für diese Entwicklung liegt vor allem in der Intensivierung der Landwirtschaft. Großflächige Felder aus Raps und Wintergetreide wirken aus der Vogelperspektive im späten Frühjahr wie ein dichter Teppich, der den Blick auf die Beutetiere des Rotmilans versperrt. Lückige Brachen und artenreiches Grünland, auf dem die Greifvögel genügend Kleinsäuger erbeuten können, wurden in den letzten Jahren immer seltener. Die Folge: Rotmilan-Eltern kehren immer häufiger ohne ausreichend Futter zum Nest zurück.
Mehr Nahrung für den eleganten Greifvogel will nun ein neues Projekt schaffen: der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und die Deutsche Wildtier Stiftung bilden zusammen mit Praxispartnern das nationale Projekt „Land zum Leben“. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. In diesem Vorhaben werden land- und forstwirtschaftliche Betrieb in elf Modellregionen über die Möglichkeiten rotmilangerechter Landbewirtschaftung beraten und informiert.
Mehrjährige Kulturen wie Luzerne, extensive Ackerbewirtschaftung, die Anlage von Grünland und Brachen können die Nahrungssituation für den Rotmilan entscheidend verbessern. „Die Bundesländer können mit Agrarumweltprogrammen für Landwirte viel Gutes tun. Sie müssen ihre gemachten Zusagen zum Rotmilanschutz nun auch einhalten“, so Uwe Lerch vom Deutschen Verband für Landschaftspflege. Von rotmilanfreundlicher Landwirtschaft profitieren auch viele weitere bedrohte Arten der Feldflur, wie Feldhamster, Rebhuhn und Feldhase. Die Umsetzung der Maßnahmen des Projektes dient daher auch dazu die Ziele der nationalen Strategie zum Erhalt der Biodiversität zu erreichen.
Infos unter: www.rotmilan.org und auf der Homepage des Bundesprogramms Biologische Vielfalt unter http://www.biologischevielfalt.de/bp_pj_rotmilan.html

23.05.2014, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz
Maikäfer dank Temperaturanstieg in Fluglaune
Der milde Winter führte dazu, dass Pflanzen und Insektenpopulationen zu Beginn des Frühlings 2014 etwa zwei bis drei Wochen früher als üblich erschienen.
In den letzten Wochen gab es jedoch einige größere Temperaturschwankungen von sommerlich warm bis eisheiligenkalt, und das mehrmals innerhalb kurzer Zeit.
Die frühreife Natur hat sich dadurch inzwischen nicht nur selbst wieder reguliert, einige Tiere hatten auch echte Probleme mit dem unbeständigen Wetter. Der Feldmaikäfer Melolontha melolontha, dessen Männchen und Weibchen den Winter in der Erde geschützt verbracht haben, drängte seinem Namen gemäß Anfang Mai gar nicht richtig ans Tageslicht.
Die ersten Exemplare, die sich am 11. Mai (Muttertag!) im „Maikäferdorf“ Reichling im Landkreis Landsberg/Lech auf Ahornbäumen blicken ließen, wurden auch gleich wieder kalt erwischt. Vor Kälte starr an den Blättern festgekrallt, hielten sie aber aus und können jetzt die warme Witterung genießen.
Als wechselwarme Tiere sind Maikäfer wie alle Insekten in ihrer Aktivität stark von Wärme abhängig. Bei 13 Grad können sie sich zwar schon bewegen, aber deutlich langsamer als bei angenehmen 20 Grad. Bei Temperaturen knapp unter 30 Grad sind sie dagegen fast schon hyperaktiv und das Schwirren und Brummen um die Bäume herum ist deutlich zu hören.
Verstärkung für die damalige Vorhut der Feldmaikäfer gibt es zur Zeit von den anderen Tausenden Exemplaren, die im Zuge der heißen Tage aus den umliegenden Wiesen krabbeln. Geschwächt vom langen Aufenthalt im Boden und dem kräftezehrenden Herauswühlen aus der Erde fliegen sie sofort Bäume in der näheren Umgebung an, auf denen sie ihren Reifungsfraß vollziehen. Wirtsbäume sind vor allem Laubbäume wie Ahorn, Eiche, Buche, Rosskastanie, Haselnuss und verschiedene Obstbäume.
Der einzige Nadelbaum, der dem Feldmaikäfer zusagt, ist die Lärche. In den nächsten Wochen wird so mancher Baum in Reichling ziemlich kahl aussehen, absterben wird aber keiner der Bäume. Bis zum Johannitag wird die vorübergehende Schädigung durch die Maikäfer durch einen Neuaustrieb von Blättern ausgeglichen.
Die besondere Stellung dieses „Maikäferdorfes“ Reichling ergibt sich dadurch, dass man dort regelmäßig jedes Jahr einen Maikäferflug beobachten kann. Durch Frühstarter und Spätflieger, über Jahrzehnte hinweg, haben sich die Generationen derart durchmischt, dass sich nun in jedem Jahr ausreichend Partner zur Paarung finden.
In allen anderen Regionen Bayerns, die Maikäfer-Populationen vorweisen können, wie zum Beispiel im Spessart, im Bayerischen Wald oder im Inntal bei Oberaudorf/Niederaudorf, gibt es den bekannt klassischen Vierjahreszyklus. Dort wurde der letzte große Maikäferflug jeweils 2012 registriert, erst 2015 ist also wieder der nächste Flug zu erwarten.
Aber jetzt ist gerade in Reichling Hochzeit für „Herrn Sumsemann“, wie der Maikäfer liebevoll in Kinderbüchern genannt wird. Beeilen Sie sich, wenn Sie ihren Kindern einen echten Maikäfer zeigen wollen! In Reichling finden Sie garantiert nicht nur einen davon.
Falls Ihnen weitere größere Maikäfervorkommen bekannt sind, dann melden Sie diese bitte an die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz. Ansprechpartner ist Dr. Ullrich Benker, Tel.: 08161-715720, oder per Mail an: Ullrich.Benker@LfL.bayern.de (LfL)

27.05.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Für Geier tödliches Medikament Diclofenac bedroht auch Adlerarten
Das Medikament Diclofenac, welches auch in der Tiermedizin eingesetzt wird, ist in zahlreichen Ländern zu einem ernsthaften Problem für eine Vielzahl von Greifvögeln geworden. Viele dieser Arten wurden ohnehin bereits als in ihrem Bestand gefährdet eingestuft. Nur wenige Monate nach der Freigabe des für Geier tödlichen Medikaments Diclofenac für den tiermedizinischen Gebrauch in Europa zeigen zwei neue Studien, dass neben Geiern auch andere Greifvogelarten, darunter auch Adler, stärker als bisher angenommen durch dieses Medikament betroffen sind. Hierdurch werden die Forderungen nach einem Verbot des Einsatzes von Diclofenac im veterinärmedizinischen Bereich in Europa sowie stärkere Kontrollen des bereits bestehenden Verbots in Südasien, sowie eine Verhinderung der illegalen Verwendung von Diclofenac aus dem Humanbereich in der Viehwirtschaft deutlich unterstützt.
Einen ausführlichen Beitrag zu dem Thema, der in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift „Der Falke“ erscheint, können Sie bereit vorab kostenlos hier herunterladen.

27.05.2014, Philipps-Universität Marburg
Klimawandel begünstigt hell gefärbte Insekten
Schmetterlinge und Libellen in warmen Gegenden Europas sind im Vorteil, wenn ihr Körper hell gefärbt ist. Das belegt eine Studie Marburger und Kopenhagener Biologen, die jetzt in der Onlinezeitschrift „Nature Communications“ erschienen ist. Die helleren Tiere sind ihren dunkleren Artgenossen im Klimawandel überlegen, schreiben die Wissenschaftler.
„Bisher fehlte es in der ökologischen Forschung zur biologischen Vielfalt weitgehend an generellen Gesetzmäßigkeiten, warum bestimmte Arten in manchen Region vorkommen, in anderen aber nicht“, erläutert der Biologe und Geograph Dirk Zeuss von der Philipps-Universität, Erstautor der neuen Studie. „Mit unserer Studie können wir zeigen, dass Schmetterlinge und Libellen in Europa entsprechend ihrer Fähigkeit verteilt sind, die Körpertemperatur durch ihre Helligkeit zu regulieren.“
Tiere passen sich der Temperatur an, die in ihrem Lebensraum herrscht. In warmen Weltgegenden leben zum Beispiel mehr kleine Säugetiere als in kalten Regionen, denn der Wärmehaushalt hängt vom Verhältnis des Körpervolumens zur Körperoberfläche ab. Bislang war jedoch unklar, wie sich das Klima auf die Verbreitung der mit am Abstand artenreichsten Tiergruppe auswirkt, nämlich der Insekten. Diese regeln die Körpertemperatur meist durch Aufnahme von Wärmeenergie aus der Umgebung. Dabei ist die Farbe der Körperoberfläche von entscheidender Bedeutung: Dunkle Oberflächen nehmen Wärmeenergie besser auf als helle, so dass dunkel gefärbte Tiere im Vorteil sind, wenn sie in kühler Umgebung leben.
„Je höher die Umgebungstemperatur ist, desto weniger müssen die Insekten zusätzlich aufheizen, um zu fliegen, was für die Futtersuche und Paarung wichtig ist“, sagt Mitverfasser Dr. Stefan Brunzel. Ist es hingegen sehr warm, so müssen sich die Tiere vor Überhitzung schützen. „Hell gefärbte Arten können unter solchen Umständen länger aktiv sein als dunkle Spezies und sind in der Lage, vielfältigere Lebensräume zu nutzen“, ergänzt Arbeitsgruppenleiter Professor Dr. Roland Brandl.
Die Wissenschaftler analysierten 473 europäische Schmetterlings- und Libellenarten, um herauszufinden, wie die Farbe ihre geografische Verbreitung beeinflusst und ob sich diese durch die Klimaerwärmung verändert. Hierzu nutzten die Forscher computergestützte Bildanalyseverfahren, um aus Abbildungen der Tiere einen Helligkeitswert für jede Art zu ermitteln.
Dabei berücksichtigte das Forscherteam, dass das Aussehen der Tiere zum Teil auf Anpassungen beruht, die den heutigen Arten von ihren Vorfahren vererbt wurden. Obwohl die Farbe nicht nur auf die Körpertemperatur wirkt, sondern beispielsweise auch der Tarnung dienen kann, kamen die Wissenschaftler zu einem bemerkenswert deutlichen Ergebnis: Hell gefärbte Insektenarten dominieren den wärmeren Süden Europas, dunklere Arten den kühleren Norden.
Um zu ermitteln, welchen Effekt der Klimawandel hat, verglichen die Forscher die aktuelle Verbreitung von Insekten mit Daten, die bereits vor dem Jahr 1988 erhoben wurden. „In Europa fand in diesem Zeitraum eine Verschiebung hin zu helleren Farben statt“, berichtet Dr. Stefan Brunzel. „Bis jetzt konnten wir bei den massiven Veränderungen in der Insektenfauna während der letzten zwanzig Jahre nur zusehen“, gibt der Seniorautor der Studie zu bedenken; „jetzt haben wir eine Vorstellung, was eine Ursache davon sein könnte.“
Wie die Autoren hervorheben, zeigen die Befunde, wie wichtig die Wärmeenergie für die räumliche Verbreitung von Insekten ist. „Wir erwarten, dass sich das Vorkommen dunkel gefärbter Arten verschiebt und die Tiere eher schattige Lebensräume aufsuchen, wenn die Klimaerwärmung fortschreitet.“
Roland Brandl lehrt Tierökologie an der Philipps-Universität; er ist Verfasser des Lehrbuchs „Ökologie kompakt“, das in dritter Auflage vorliegt (Spektrum Akademischer Verlag). Das Evangelische Studienwerk Villigst unterstützte die Forschungsarbeit an der aktuellen Studie durch ein Promotionsstipendium für Dirk Zeuss.
Originalveröffentlichung: Dirk Zeuss et al., Nature Communications 2014,
DOI: 10.1038/ncomms4874,
URL: http://www.nature.com/ncomms/2014/140527/ncomms4874/full/ncomms4874.html

27.05.2014, Veterinärmedizinische Universität Wien
Die geheime Fracht der Stechmücken – Erstmals Dirofilaria repens in Österreich nachgewiesen
Bis vor kurzem galt eine Infektion mit dem Parasiten Dirofilaria repens in Österreich als klassische Reisekrankheit. Stechmücken aus dem Ausland übertrugen den Parasit auf Hunde, in einigen Fällen aber sogar auf den Menschen. Jüngste Forschungsergebnisse der Vetmeduni Vienna zeigen erstmals, dass der Parasit in Österreich eingeführt wurde und sich etablieren konnte. In Stechmücken aus dem Burgenland fanden die ForscherInnen die Larven des Parasiten. Die infizierten Stechmücken sind möglicherweise über Ost- und Südeuropa nach Österreich eingewandert. Die Forschungsergebnisse sind im Journal Parasites & Vectors veröffentlicht.
Der Parasit Dirofilaria repens ist ein Fadenwurm, der in erster Linie das Unterhautgewebe von Hunden befällt und dort Hautknoten, Schwellungen und Juckreiz verursacht. Neben Hunden können auch Katzen, Füchse, Wölfe und Marder von einer Infektion betroffen sein. „Beim Menschen wurden seit dem Jahr 2000 rund 16 Fälle von humaner Dirofilariose dokumentiert, die Dunkelziffer liegt aber in jedem Fall darüber“, so die Erstautorin Katja Silbermayr. Der Mensch ist jedoch ein sogenannter Fehlwirt, in ihm pflanzt sich der Parasit nicht fort und stellt keine große Gefahr dar.
Silbermayr ist Tierärztin und forscht an parasitären Hauterkrankungen. Sie betont: „Die sogenannte kutane Dirofilariose ist in unseren Breiten auch bei Tierärztinnen und Tierärzten noch recht unbekannt. Daher möchten wir mit unserer Arbeit mehr Bewusstsein unter MedizinerInnen schaffen. Knoten der Haut müssen nicht unbedingt Tumore sein, sondern können auch auf eine Dirofilariose hindeuten. Nur über die richtige Behandlung oder Prophylaxe kann die Verbreitung des Parasiten eingebremst werden.“
Österreichweites Screening offenbarte Dirofilarien im Burgenland
ExpertInnen vom Institut für Parasitologie untersuchten im Jahr 2012 rund 8.000 Stechmücken aus ganz Österreich. Dirofilaria repens fanden sie in zwei Ortschaften: In Mörbisch und Rust am Neusiedlersee. Es gab zwei verschiedene Stechmückenarten, die Dirofilaria repens in sich trugen, das waren Anopheles maculipennis und Anopheles algeriensis. „Grundsätzlich sind diese Parasiten nicht wählerisch, wenn es um ihren Vektor, also ihren Überträger die Stechmücke geht. Weltweit wird Dirofilaria repens in den unterschiedlichsten Mückenarten gefunden. Diesen Parasiten hätten wir also durchaus auch in anderen Stechmückenarten nachweisen können“, erklärt Silbermayr.
Der Einwanderungsgrund: Reisen und Adoption
Die Ursache der Einwanderung sieht Silbermayr darin, dass HundehalterInnen mit ihren Vierbeinern verreisen, vor allem in südliche Länder. Mit der Adoption ausländischer Tiere werden die Parasiten ebenfalls nach Österreich eingeschleppt. Die Klimaerwärmung ist laut Silbermayr nicht ausschlaggebend für die Verbreitung von Dirofilaria repens.
Die Forschenden gehen davon aus, dass sich Dirofilaria repens in Österreich weiter ausbreiten wird. In Spanien, Portugal, Italien, Kroatien, Ungarn und Slowenien ist der Parasit schon weit verbreitet. „Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis wir in Österreich auch in größerem Umfang betroffen sein werden.
Verwandter Parasit noch nicht in Österreich entdeckt
Ein verwandter jedoch weit gefährlicherer Parasit ist Dirofilaria immitis, zu Deutsch der Herzwurm. Er wird genau wie Dirofilaria repens von Stechmücken auf Hunde übertragen, siedelt sich in den Lunge und Herz der Hunde an. Dort entwickeln sich etwa 20-30cm lange Herzwürmer die zu Herzinsuffizienz, Atemnot und allgemeiner Leistungsverschlechterungen führen. Dieser Parasit wurde in Österreich bislang noch nicht in Stechmücken gefunden.
„Zur Vorbeugung von Insektenstichen gibt es prophylaktisch wirkende Präparate, die entweder als Spot-on auf die Haut der Tiere aufgetragen werden, oder auch in Tabletten enthalten sind. Ist der Parasit einmal im Tier, ist die Therapie meist aufwendig und langwierig und je nach Befallsstärke eventuell mit Komplikationen verbunden“ erklärt Silbermayr.
Der Lebenszyklus von Dirofilaria repens
Die infektiösen Larven des Parasiten werden mit dem Biss der Stechmücke auf Hunde übertragen. In der Haut paaren sich die Larven und bilden neue sogenannte Mikrofilarien, die dann ins Blut des Hundes gelangen. Stechmücken, in Österreich auch Gelsen genannt, nehmen den Parasit über die Blutmahlzeit wieder auf und können weitere Tiere infizieren.
Der Artikel „Autochthonous Dirofilaria repens in Austria“ von Katja Silbermayr, Barbara Eigner, Anja Joachim, Georg G Duscher, Bernhard Seidel, Franz Allerberger, Alexander Indra, Peter Hufnagl und Hans-Peter Fuehrer wurde im Journal Parasites & Vectors veröffentlicht. http://www.parasitesandvectors.com/content/7/1/226

30.05.2014, NABU
NABU und LBV: Immer mehr Vögel zieht es vom Land in die Stadt
Stadtpark statt Wiese und Hausgarten statt Feldflur: Immer mehr Vogelarten zieht es aus der freien Landschaft in Dörfer und Städte. Dies zeigt die diesjährige „Stunde der Gartenvögel“, an der 39.600 Naturfreunde aus ganz Deutschland teilnahmen. Für die gemeinsame Aktion des NABU und seines bayerischen Partners, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), beobachteten und registrierten sie vom 9. bis 11. Mai eine Stunde lang die Vögel in Gärten und Parks. Die „Stunde der Gartenvögel“ fand bereits zum zehnten Mal statt. Bei insgesamt mehr als 930.000 gemeldeten Vögeln landete wie in den Vorjahren der Haussperling auf Platz eins, gefolgt von Amsel, Kohlmeise, Blaumeise und Star.
„Unsere Aktion ermöglicht es, zuverlässige und deutschlandweit flächendeckende Zahlen zur Bestandsentwicklung von Vogelarten im Siedlungsraum zu sammeln“, erläutert NABU-Vogelexperte Lars Lachmann. Nach dem Prinzip der „Citizen Science“ schlüpfen Vogelfreunde und Naturliebhaber in eine Forscherrolle und tragen gemeinsam große Datenmengen zusammen, die einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag leisten. Die Ergebnisse bieten Vergleichsmöglichkeiten mit den Vorjahren sowie zwischen den Vogelarten und den verschiedenen Regionen des Landes.
Insgesamt überwiegen bei den Gartenvögeln die positiven Entwicklungen. Bei den 50 häufigsten Gartenvögeln stehen im Zehnjahresvergleich fünf abnehmenden Arten 22 zunehmende Arten gegenüber, die übrigen 23 Arten sind stabil. Die Zunahmen im Siedlungsraum stehen oft im starken Gegensatz zu den Rückgängen in anderen Lebensräumen. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung unserer Gärten und Parks als Rückzugsgebiete für die Natur. „Das Paradebeispiel hierfür ist der Feldsperling. Der ländliche Vetter des Haussperlings nimmt im Agrarland ab, in Städten und Dörfern dagegen konstant zu. 2014 gab es hier beinahe fünfmal so viele Feldsperlinge wie 2006. Damit konnte der Feldsperling erstmals einen Platz unter den Top 10 der häufigsten Gartenvögel erobern“, so Lachmann.
Doch auch im Siedlungsraum gibt es Sorgenkinder. Besonders gravierend sind die Rückgänge bei Mehlschwalben und Mauerseglern, die in diesem Jahr mit Abstand ihre niedrigsten Werte erreichten. Damit setzen sich die Trends der vergangenen Jahre fort. „Bei beiden Arten haben wir jetzt nur noch 58 Prozent des Bestandes von 2006“, warnt Lachmann. Grund dafür sind fehlende Nistmöglichkeiten an modernen oder sanierten Gebäuden, ein Rückgang von Fluginsekten als Nahrung und die Auswirkungen des Klimawandels auf die komplexen Wanderungen dieser Arten nach Afrika und zurück. Mauersegler und Mehlschwalbe könnte man durch sinnvolle Planung von Renovierungsarbeiten und Neubauten sowie durch den Einbau von Nistmöglichkeiten oder das Anbringen von Nisthilfen vergleichsweise einfach helfen.
Ein historischer Tiefstand ist auch bei der Amsel zu verzeichnen. Seit Beginn der „Stunde der Gartenvögel“ vor zehn Jahren setzt sich ihre kontinuierliche Abnahme fort. Die Amsel ist zwar immer noch zweithäufigster Gartenvogel, hat aber in diesem Zeitraum ein Viertel ihres Bestandes verloren. Nur ein kleiner Teil dieser Verluste lässt sich auf das Usutu-Virus zurückführen, das seit 2011 im Rheintal zu einem größeren Amselsterben geführt hat. Noch dramatischer sah es in diesem Jahr beim Grünfinken aus, der gegenüber 2013 einen Einbruch um 27 Prozent erlitt. „Zumindest in einigen Regionen ist dies mit dem vermehrten Auftreten einer Infektion mit einem parasitischen Einzeller erklärbar, die meist im Umfeld von sommerlichen Vogelfütterungen auftritt“, sagte Lachmann.
Die Ergebnisse der diesjährigen Aktion können online unter www.stunde-der-gartenvoegel.de angesehen und mit denen früherer Jahre verglichen werden. Interaktive Karten stellen dar, wie sich eine Vogelart in einem ausgesuchten Landkreis oder Bundesland entwickelt hat.

02.06.2014, Internes und externes Kommunikationsmanagement MA 49-Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien
Junge Seeadler in der Lobau!
Es ist ein Riesenerfolg: In der Lobau, im Wiener Teil des Nationalpark Donauauen, wurden nun wieder zwei kleine Seeadler in einem Horst entdeckt! „Durch den sorgsamen Umgang mit den Wald-
Wassergebieten und intensiven Schutzmaßnahmen verbesserten sich die Lebensbedingungen zunehmend“, erklärt Umweltstadträtin Ulli Sima. Die gute Zusammenarbeit zwischen den Wiener Magistratsabteilungen 49, 45 und 31 sowie der Seeadlerspezialisten vom WWF Österreich und der Nationalpark GmbH. machte dies möglich.
So kam es im Jahr 2001 in Österreich erstmals seit über 50 Jahren wieder zu einer erfolgreichen Brut die sich jährlich weiterentwickelt. Dabei steht der Seeadler auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten in Europa ganz oben. „Umso erfreulicher, dass er sich doch seit einiger Zeit im Wiener Teil des Nationalpark Donau- Auen, wieder sehr wohl fühlt“, so Forstdirektor der Stadt Wien Andreas Januskovecz.
Das Adlerpärchen hat bereits das fünfte Mal erfolgreich gebrütet und mittlerweile neun Junge großgezogen. Nach einer Brutdauer von ca. 38 Tagen sind die beiden Jungadler Mitte April geschlüpft und wurden sorgsam von ihren Eltern aufgezogen. In den kommenden Tagen werden die Jungen den Horst verlassen und in den nächsten Monaten von den Altvögeln wichtiges zum Überleben in den Donauauen lernen.

03.06.2014, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Vogelmonitoring in Thüringen erschienen
Mit einem Sonderheft der Reihe Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen widmet sich die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) den Programmen und Projekten rund um die Erfassung der Vogelwelt in Thüringen. Die Vogelkartierungen erfolgen sowohl bundes- als auch landesweit zum Großteil durch ehrenamtlich engagierte Vogelkundlerinnen und Vogelkundler. Auf Bundesebene sind daran ca. 6.000 Personen beteiligt, 300–400 davon in Thüringen. Für dieses großartige ehrenamtliche Engagement bedanken sich die Kollegen des TLUG und der DDA ganz herzlich!
In den insgesamt sieben Artikeln des Sonderheftes werden neben den Ergebnissen des Vogelmonitorings in Thüringen stets auch die wichtigsten Hintergründe erläutert. Internet-Links zu den vorgestellten Programmen, Projekten und den jeweiligen Ansprechpartnern, großformatige Fotos sowie eine Zusammenfassung in englischer Sprache machen das Sonderheft zu einer kompakten und informativen Informationsquelle für alle an der Vogelbeobachtung Interessierten.
Ein Überblick über bestehende Programme und Projekte zur Erfassung der Vögel in Thüringen leitet das Thema ein. Außerdem wird die gesetzliche Verpflichtung Deutschlands zur Untersuchung der Vogelbestände beschrieben, die sich aus der Unterzeichnung internationaler Abkommen und Konventionen ergibt. Weiter geht es mit einer Beschreibung der aktuellen Bestandssituation der sogenannten „wertgebenden“ Vogelarten, also derjenigen Arten, die ausschlaggebend für die Ausweisung der 44 Thüringer EU-Vogelschutzgebiete waren. Für den aktuellen Bericht nach EU-Vogelschutzrichtlinie wurden diese und viele weitere Daten zu Verbreitung, Häufigkeit und Gefährdung der Vögel in Deutschland im letzten Jahr so detailliert erarbeitet wie niemals zuvor. Ein Beitrag über das Monitoring häufiger Brutvogelarten (MhB) stellt das Programm auf Bundes- und Landesebene vor. Neben Geschichte und Methodik des Programms wird die Verwendung der Ergebnisse erläutert, die in bundes- und europaweite Auswertungen wie z.B. naturschutzpolitische Indikatoren und Rote Listen einfließen. Ein weiterer Beitrag befasst sich mit dem Monitoring seltener Brutvogelarten (MsB). Neben den Zielen des Programms wird die Methodik der Datenerhebung im Feld beschrieben und zur Mitarbeit aufgerufen.
Die Erfassung von Vogelarten erfolgt allerdings nicht nur über die vorgestellten Programme, sondern jede und jeder Einzelne kann Beobachtungen für die Auswertungen zur Verfügung stellen. Möglich macht dies ornitho.de – das seit 2011 in Deutschland verwendete Internetportal zur Eingabe von Vogelbeobachtungen. Anhand zweier Beispiele von Kranich und Bekassine werden die vielfältigen Möglichkeiten der Datenabfrage gezeigt, die jede Nutzerin und jeder Nutzer auf diesem Portal mit wenigen Klicks selbst durchführen kann.
Zwei Beispiele über spezielle Erfassungsprojekte runden das Heft ab: K. Schmidt schildert Ergebnisse seiner langjährigen Brutbestandserfassungen der Wiesenbrüter in der Werraaue, einem der größten zusammenhängenden Grünlandbereiche in Thüringen. C. Unger und Kollegen stellen ein seit 2012 im Thüringer Grabfeld durchgeführtes Artenhilfsprojekt zum Schutz des Steinkauzes vor.
Leseprobe und Inhaltsverzeichnis des Sonderheftes Vogelmonitoring in Thüringen (50. Jahrgang, Heft 4, 2013) der Reihe Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen finden sich unter http://www.thueringen.de/th8/tlug/presse_und_service/publikationen/lnt/
Die Autoren des Sonderheftes sind Stefan Jaehne (Staatliche Vogelschutzwarte Seebach), Stefan Frick (Verein Thüringer Ornithologen), Klaus Schmidt (Barchfeld/Werra), Christoph Unger (Landratsamt Hildburghausen) und Anke Rothgänger (TLUG).
Das Heft Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen erscheint viermal jährlich (einschließlich Sonderheft). Der Einzelpreis beträgt 5 Euro, ein Jahres-Abo kostet 13 Euro.
Bestellungen richten Sie bitte an die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, Göschwitzer Straße 41, 07745 Jena. Telefon 03641 684 103, E-Mail: Poststelle@TLUG.Thueringen.de, Internet:
www.tlug-jena.de

03.06.2014, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie
Max-Planck-Forscher gewinnen Einblicke in die Evolution des Auges
Die Larven des marinen Borstenwurms Platynereis dumerilii orientieren sich am Licht. In ihren ersten Lebenstagen schwimmen sie ins Helle, um sich mit oberflächennahen Meeresströmungen zu verbreiten. Später wenden sie sich vom Licht ab und schwimmen zum Meeresgrund. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie haben jetzt herausgefunden, dass für diesen Orientierungswechsel zwei unterschiedliche Sehsysteme verantwortlich sind. Sie erstellten erstmals eine neuronale Karte, anhand der sich ein vollständiges visuelles System nachvollziehen lässt – vom Reizeingang bis zur Verhaltensreaktion. Damit können die Forscher der Evolution der Sehsysteme regelrecht ins Auge blicken.
Fototaxis, die lichtabhängige Bewegung, ist bei den Larven wirbelloser Meerestiere weit verbreitet. Viele wechseln dabei im Laufe ihrer Entwicklung die Orientierung: Aus der positiven, also zum Hellen gerichteten Fototaxis wird eine negative, vom Licht abgewandte Fototaxis. Wie die marinen Winzlinge dies bewerkstelligen ist noch nicht im Detail verstanden. Doch zumindest für die Larven von Platyneris dumerilii kann Gáspár Jékely, Leiter der Forschungsgruppe „Neurobiologie des marinen Zooplanktons“, nun mit Sicherheit sagen: „Das Richtungsschwimmen ändert sich mit dem Augentyp. Wenn die Larven nach wenigen Tagen ihre ersten, sehr einfachen Augen nicht mehr nutzen, sondern auf eine weiter entwickelte Version zugreifen können, ändern sie auch ihr Verhalten. Statt ausschließlich zum Licht zu schwimmen, bewegen sie sich jetzt auch davon weg.“
In den ersten beiden Lebenstagen besitzt der Borstenwurm-Nachwuchs die einfachsten Augen der Welt: Auf beiden Seiten der Kopfregion sitzt jeweils eine einzelne Lichtsinneszelle, die von einer Pigmentzelle abgeschirmt wird. Wie Jékely bereits 2008 gemeinsam mit seinen Kollegen vom European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg herausgefunden hat, ist diese Lichtsinneszelle direkt mit dem Antriebsmotor der Larven verbunden, einem Wimpernkranz, der wie ein Kragen unterhalb der Kopfregion sitzt. Fällt Licht auf die Sinneszellen, beginnen sich die Larven spiralförmig vorwärts zu schrauben – immer in Richtung des Reizes.
Diese primitiven Augenflecken haben jedoch bereits nach drei Tagen ausgedient und werden nicht mehr benutzt. Dafür entstehen weiter oben am Kopf zwei neue, fortschrittlichere Augenpaare – die Vorläufer der Sehorgane erwachsener Borstenwürmer. Sie besitzen mehrere Lichtsinneszellen, einen Pigmentbecher und sogar eine einfache Linse. Außerdem entwickelt sich ein einfaches neuronales Netzwerk, das den Lichtreiz verarbeitet und weiterleitet.
Die Wissenschaftler in Jékelys Team haben dieses Neuronengeflecht mit Hilfe des Elektronenmikroskops genauer unter die Lupe genommen. So konnten sie eine Karte des visuellen Netzwerks einer drei Tage alten Larve erstellen. Sie identifizierten 71 Neurone, die über mehr als 1000 Nervenzellverbindungen, so genannte Synapsen, miteinander verknüpft sind. Dabei zeigte sich, dass das Lichtsignal zwar weiterhin an den Wimpernkranz weitergeleitet wird, jedoch kommt es zusätzlich auch an der Rumpfmuskulatur der Larve an. Außerdem sind die Augen der beiden Körperhälften miteinander vernetzt.
„Durch Verhaltensexperimente haben wir nachgewiesen, dass der Lichtreiz die Rumpfmuskulatur aktiviert und sich die Larven dadurch vom Licht abwenden“, sagt Nadine Randel, Erstautorin der Studie die im Fachmagazin “eLife” veröffentlicht wurde. Dazu beleuchteten die Forscher ein durchsichtiges Gefäß mit drei Tage alten Larven. In der Folge krümmten sich die Tiere, so dass sie um die Kurve schwammen – weg vom Licht. Blockierten die Forscher die Nervenbahnen zwischen Lichtsinneszellen und Muskeln biochemisch, schwammen die Larven normal weiter, jedoch völlig unbeeindruckt von der Lichtquelle.
Die Nervenzellverbindungen zwischen den Augen beider Körperhälften ermöglichen das räumliche Sehen. Außerdem haben die Max-Planck-Forscher Neurone identifiziert, die die jeweils gegenüberliegenden Sehorgane hemmen. „Das verstärkt den Kontrast zwischen hell und dunkel und verbessert so die Orientierung und das gezieltere Schwimmen vom Licht weg“, erklärt Randel.
Den Tübinger Entwicklungsbiologen ist es mit dieser Arbeit erstmals gelungen, ein einfaches visuelles Netzwerk vom Reizeingang bis zur Verhaltensreaktion vollständig zu beschreiben. Darüber hinaus haben sie auch einen tieferen Einblick in die Evolutionsgeschichte des Auges gewonnen. Das simple Sehsystem der frühen Borstenwurmlarven, bestehend aus gerade mal zwei Zellen, entspricht Charles Darwins Vorstellung vom Ur-Auge, dem Prototyp, aus dem alle heute existierenden Sehorgane entstanden sind. Das doppelte Augenpaar der drei Tage alten Larven verkörpert bereits eine Weiterentwicklung dieses Prinzips. „Es ist als ob wir in einem einzigen Tier gleich mehrere Etappen der Augenevolution beobachten können“, sagt Jékely. „Wir gehen davon aus, dass frühe Lichtsinnesorgane immer der Fototaxis dienten – erst später entwickelten sich Augen, mit denen sich Objekte erkennen ließen.“ Vermutlich konnten die ersten einfachen Augen in der Evolutionsgeschichte lediglich zwischen hell und dunkel unterscheiden. Aber sie gaben den Anstoß für die Entwicklung komplizierter Sehsysteme, zum Beispiel des menschlichen Auges.
Original Publikation:
Nadine Randel, Albina Asadulina, Luis A. Bezares-Calderón, Csaba Verasztó. Elisabeth A. Williams, Markus Conzelmann, Réza Shahidi, Gáspár Jékely: Neuronal connectome of a sensory-motor circuit for visual navigation. eLife 2014;10.7554/eLife.02730

03.06.2014, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Wo kommen all die Käfer her?
Forscher untersuchen Biodiversität und Evolution in Neu-Guinea
Die Artenvielfalt auf der Insel Neu Guinea ist in jeder Hinsicht atemberaubend, vor wenigen Jahren wurden sogar noch neue Arten von Baumkänguruhs entdeckt. Bei den Wirbellosen Tieren, und besonders den Käfern, ist die Fülle an Arten und Formen schier endlos. Jede Aufsammlung birgt hier viele neue, der Wissenschaft unbekannte Arten. “Neu Guinea ist ein El Dorado für Biologen” weiß die Wasserkäferexpertin Helena Shaverdo vom Naturhistorischen Museum Wien. “Alleine aus der Schwimmkäfergattung Exocelina, die man am Rande von kleinen Regenwaldbächen findet, werden wir bald etwa 100 neue Arten beschrieben haben”. Verwirrend dabei: Während der Artenreichtum Neu Guineas wahrhaft fantastisch ist, ist die Insel als solche relativ jung, die Evolution hatte also wenig Zeit, so viele Arten hervorzubringen. Weite Teile der Insel sind erst in den letzten wenigen Millionen Jahren durch hochkomplexe geologische Vorgänge entstanden. Emmanuel Toussaint und Kollegen von der Zoologischen Staatssammlung in München klärten nun anhand molekularbiologischer Methoden die Verwandtschaftsverhältnisse von Exocelina und rekonstruierten damit die Evolution dieser Käfer in Zeit und Raum. “Die Artenvielfalt in Neu Guinea kann durch massive Gebirgsauffaltungen in den letzten 7 Millionen Jahren erklärt werden” fand er, wobei sich mit den fast 5000 m hohen Bergrücken auch zahllose neue Lebensräume bildeten. Die Käfer breiteten sich horizontal und vertikal peu à peu aus, immer wenn neuer Lebensraum entstand, auch in die sich um die Zentralbergkette formierenden Vorgebirge und ins Flachland – und dann wieder zurück in die Berge. “So entstanden im Laufe der Zeit immer neue Arten, die sich an die neuen Umweltbedingungen anpassten”. Die Gebirgsbildung war dabei eine Art “Diversitätsmotor” für die gesamte Region. Die jetzt im Fachblatt Nature Communications publizierten Resultate können als Modell für weiterführende Studien an anderen Organismen dienen – eine Herausforderung, denn das Münchner Team benötigte etwa 10 Jahre, um in den entlegensten Dschungelgebieten der Insel und in Museen die entsprechenden Proben zu finden.
Referenzen:
Shaverdo H, Hendrich L, Balke M (2012) Introduction of the Exocelina ekari- group with descriptions of 22 new species from New Guinea (Coleoptera, Dytiscidae, Copelatinae). Zookeys 250: 1–76. doi: 10.3897/zookeys.250.3715
Toussaint E.F.A., Hall R., Monaghan M.T., Sagata, K., Ibalim S., Shaverdo H.V., Vogler A.P., Pons J. & Balke M. (2014) The towering orogeny of New Guinea as a trigger for arthropod megadiversity. Nature Communications 10.1038/ncomms5001

03.06.2014, Veterinärmedizinische Universität Wien
Forschende rufen zum Schutz wandernder Huftiere in der Mongolischen Steppe auf
In einem gemeinsamen Aufruf machen mongolische und internationale WissenschafterInnen, darunter Forschende der Vetmeduni Vienna, auf die mögliche Bedrohung der Steppen in der südlichen Mongolei aufmerksam. In dem Gobi-Steppenökosystem leben große Herden wandernder Huftiere, allen voran asiatische Wildesel und Mongolische Gazellen. Ihre Weidegründe werden bereits heute durch bestehende Bahnstrecken und Zäune teilweise begrenzt. Es droht eine weitere Zerschneidung durch neue Verkehrswege. Die AutorInnen empfehlen in ihrer Publikation in der Zeitschrift Conservation Biology, die voranschreitende Infrastrukturentwicklung mit den Bedürfnissen wandernder Arten in Einklang zu bringen.
In den letzten Jahren hat die Mongolei einen rasanten Wirtschaftsboom erlebt, der vor allem auf den Rohstoffreichtum des Landes zurückgeht. Für die Erschließung und den Abtransport dieser Rohstoffe werden zunehmend Straßen und Bahnstrecken geplant und gebaut. Diese neuen Verkehrswege drohen, ohne entsprechende Planung, die Wanderwege von Wildeseln, Gazellen und anderen Arten zu zerschneiden.
Wildesel und Gazellen sind ständig auf Achse
Das Gobi-Steppenökosystem ist weltweit für seine wandernden Huftiere bekannt. Diese legen auf ihrer ständigen Suche nach günstigen Weidebedingungen riesige Distanzen zurück. WissenschafterInnen am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben unter anderem gezeigt, dass Wildesel im Gobi-Steppenökosystem in einem Jahr auf einer Fläche von bis zu 70.000 km2 umherstreifen. „Da Niederschläge im Gobi-Steppensystem nur sporadisch und oft auch sehr lokal fallen, ist die Weide lückenhaft. Die besten Weidegründe sind für die Tiere daher schlecht vorherzusehen. Wildesel und Gazellen müssen ständig auf Achse sein, um genug Futter und Wasser zu finden“, erklärt Autorin Petra Kaczensky von der Vetmeduni Vienna.
Wanderschaft mit Hindernissen
Obwohl es in der Mongolei noch große Landstriche ursprünglichen Charakters gibt, treffen wandernde Huftiere inzwischen auf Hindernisse. Bis vor kurzem waren dies vor allem die Zäune entlang der internationalen Grenzen zu Russland und China und der trans-mongolischen Eisenbahn. Der Zaun entlang dieser Bahnstrecke stellt inzwischen die östliche Verbreitungsgrenze des Wildesels dar. Westlich der Bahnstrecke ist der Wildesel bereits ausgestorben. Auch für Gazellen stellt der Zaun eine massive Barriere dar, Im Gegensatz zum Wildesel versuchen Gazellen, gerade in Notzeiten, immer wieder den Zaun zu queren, bleiben dabei jedoch oft hängen oder müssen umdrehen.
Raumplanung auf Landschaftsebene
Eine Änderung des Zaundesigns und das Entfernen des Zauns in Gebieten mit geringer Viehdichte kann bestehende Barrieren entschärfen. „Wir raten zu einem Planungsprozess, der die negativen Einflüsse der Wirtschaftsentwicklung auf das Ökosystem mindert. So sollten neue Bahnlinien entlang bereits bestehender Verkehrsadern geführt werden statt durch bisher unzerschnittene Gebiete. Beim Neubau sollten notwendige strukturelle Ausgleichsmaßnahmen wie Grünbrücken eingeplant werden. Bei bestehenden Barrieren sollte nachgerüstet werden“, sagt Autor und Initiator des gemeinsamen Aufrufs Kirk Olson von Fauna & Flora International, einer weltweit tätigen Naturschutzorganisation mit Sitz in Großbritannien.
Der mongolische Autor Nyamsuren Batsaikhaan von der Nationaluniversität der Mongolei ergänzt: „Raumplanung muss großräumig, also auf Landschaftsebene passieren, denn nur so kann man dem riesigen Raumanspruch der wandernden Arten gerecht werden.“
Wissenschaft muss Politik informieren
Seit Jahren betreibt das AutorInnenteam Forschung zu Raumbedarf und Bewegungsmustern der Wildtiere im Gobi-Steppenökosystem der Südmongolei. Dabei wird es immer wichtiger, Konflikte zwischen Naturschutz und dringend benötigter Wirtschaftsentwicklung aufzuzeigen und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. „Die Wissenschaft kann und sollte in Planungsprozessen eine Rolle spielen“, resümiert Autor Chris Walzer von der Vetmeduni Vienna. „Universitäten sind auch dafür verantwortlich, Brücken zwischen Wissenschaft und Politik zu bauen“, betont Walzer und fügt hinzu: „Wenn wir es nicht schaffen unsere Ergebnisse in praktische Empfehlungen für den Naturschutz zu übersetzen, haben wir unseren Bildungsauftrag verfehlt.“ Die AutorInnen arbeiten am Erhalt des einmaligen Naturerbes in der südlichen Mongolei. Die Tierwanderungen im Gobi-Steppenökosystem sollen für zukünftige Generationen erhalten bleiben.
Der Artikel “Conserving the World’s Finest Grassland Amidst Ambitious National Development” von N. Batsaikhan et al. wurde in der Zeitschrift Conservation Biology veröffentlicht.

03.06.2014, Universität Hohenheim
Anpassung an den Wandel: Wissenschaftler untersuchen schnelle Evolutionsprozesse
Millionenschweres Forschungsprojekt: Prof. Dr. Karl Schmid von der Universität Hohenheim koordiniert neues Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Klimawandel und andere globale Veränderungen: Wenn sich Lebensräume verändern, müssen sich Menschen, Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen daran anpassen. Wie schnell solche Anpassungen stattfinden und welche evolutionären Prozesse dabei besonders wichtig sind, ist bisher wenig bekannt. Genau damit befasst sich das DFG-Schwerpunktprogramm „Rapid Evolutionary Adaption: Potential and Constraints“ unter der Koordination von Prof. Dr. Karl Schmid von der Universität Hohenheim. Ziel des 2015 startenden Schwerpunkts ist es, mit neuen wissenschaftlichen Methoden evolutionäre Anpassungsstrategien bei schnellen Umweltveränderungen zu erfassen. „Ein DFG-Schwerpunktprogramm ist eine besondere Auszeichnung für die Universität Hohenheim und Prof. Dr. Karl Schmid“, erklärt der Universitätsrektor Prof. Dr. Stephan Dabbert. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Schwerpunktprogramm über sechs Jahre mit insgesamt 10 Millionen Euro.
In dem neuen Schwerpunktprogramm wollen die Wissenschaftler untersuchen, welche Strategien Arten besitzen, um sich an große Umweltveränderungen anzupassen. Dazu zählen natürliche Ereignisse wie Vulkanausbrüche aber auch menschengemachte Einflüsse wie der Klimawandel und Änderung der Landnutzung durch die moderne Landwirtschaft.
„Wir wollen untersuchen, welchen Einfluss die genetische Vielfalt darauf hat, dass sich eine Art an neue Lebensbedingungen anpassen kann“, erläutert Prof. Dr. Karl Schmid. „Dazu zählt beispielsweise die Frage warum dabei manche Arten aussterben und andere Arten von den neuen Umständen profitieren.“
In dem interdisziplinär angelegten DFG-Schwerpunktprogramm arbeiten theoretische Populationsgenetiker mit Bioinformatikern und Biologen in etwa 20 Einzelprojekten zusammen. Mit neuesten mathematischen und statistischen Verfahren entwickeln sie Evolutionsmodelle, die sie mit umfangreichen Datenmengen aus Genomanalysen, Feldstudien und Laborexperimenten verschiedenster Arten vergleichen. Prof. Dr. Schmid und seine Kooperationspartner wollen verstehen, welche Bedeutung Merkmale wie die Populationsgröße, die bereits vorhandene genetische Variation und die Mutationsrate neuer genetischer Variation für die schnelle evolutionäre Anpassung von Lebewesen haben.
Beispiel: das Indische Springkraut
Ein Beispiel für eine Art, die sich erfolgreich an neue Lebensbedingungen anpasst, ist das Indische Springkraut. Die rosafarben blühende Pflanze stammt ursprünglich aus dem westlichen Himalaja. Inzwischen ist sie auch in Deutschland heimisch geworden und hat die hiesigen Bedingungen zu ihrem Vorteil genutzt: An vielen Standorten ist das Indische Springkraut unserer heimischen Flora überlegen und dabei, diese zu verdrängen. Diese hat es bisher nicht geschafft, sich an den Neuankömmling anzupassen und mit ihm erfolgreich zu konkurrieren.
Invasive Pflanzen- und Tierarten und die Frage, wie sie sich an ihre Umwelt anpassen, sind nur eines von vielen Beispielen, mit denen sich das auf sechs Jahre angelegte DFG-Schwerpunktprogramm „Rapid Evolutionary Adaption: Potential and Constraints“ befasst.
„Konkret geht es dabei um die Frage, welche Faktoren es einem Organismus ermöglichen, sich seiner Umwelt schnell anzupassen, aber auch, welche Bedingungen dafür sorgen, dass eine Anpassung nicht möglich ist“, erläutert der verantwortliche Koordinator Prof. Dr. Schmid das Ziel des Projektes.
Solche Fragen sind auch für die Medizin oder Landwirtschaft von Bedeutung. Konkrete Fragestellungen könnten beispielsweise sein, wie Mikroorganismen als Antwort auf erhöhten Antibiotika-Einsatz eine Resistenz entwickeln oder die moderne Landwirtschaft mit ihren großen Anbauflächen und geringen Vielfalt die Anpassung von Schädlingen an Spritzmittel oder resistente Pflanzensorten beeinflusst.
Bundesweiter Forschungsverbund
Neben dem Hohenheimer Wissenschaftler Prof. Dr. Karl Schmid sind auch Prof. Dr. Klaus Fischer von der Universität Greifswald, Prof. Dr. Wolfgang Stephan von der Universität München, Dr. Eva Stukenbrock vom Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie und Prof. Dr. Ralph Tiedemann von der Universität Potsdam im Lenkungsgremium des Schwerpunktprogramms vertreten.
Die endgültige Auswahl der Projekte des DFG-Schwerpunktprogramms „Rapid Evolutionary Adaption: Potential and Constraints“ erfolgt in einem weiteren Verfahren, an dem sich Wissenschaftler aus der Bundesrepublik mit einem passenden Projektantrag bei der DFG bewerben.

04.06.2014, NABU
Drohendes Aussterben
Walfangkommission berät sich zur kritischen Lage der Maui-Delfine
Neuste Untersuchungen bestätigen, dass Neuseelands Maui-Delfine bis zum Jahr 2031 ausgestorben sein könnten. Der Wissenschaftliche Ausschuss der Internationalen Walfangkommission (IWC) hatte in den vergangenen zwei Jahren dringende Empfehlungen ausgestellt, um die bedrohten Delfine vor Fischernetzen zu schützen. Doch Neuseeland hat diese Ratschläge nicht umgesetzt. Nun steht die verzweifelte Lage der letzten 50 Maui-Delfine bei dem diesjährigen Treffen der IWC Wissenschaftler in Bled, in der Slowakei, erneut zur Diskussion.
Mit weniger als 15 fortpflanzungsfähigen Weibchen zählen Maui-Delfine zu den seltensten und bedrohtesten Säugetieren der Welt. Durch Fangnetze ist die Population von schätzungsweise 1.800 Individuen im Jahr 1970 auf knapp 50 dezimiert worden. Bei solch geringen Zahlen kann sich sogar der Tod eines einzigen Tieres verheerend auf die Gesamtpopulation auswirken.
Eine von der Regierung ernannte Expertengruppe stellte 2012 fest, dass Kiemen-und Schleppnetzfischerei jedes Jahr fünf Maui-Delfine töten. Dr. Liz Slooten von der Universität Otago schätzt, dass die seitdem eingeführten Erweiterungen der Fischereisperrzonen das Ausmaß des Beifangs auf 3,3 bis 4,2 Individuen pro Jahr senken. Jedoch übersteigt diese Todesrate die nachhaltige Begrenzung immer noch 54-mal.
„Naturschutz Minister Nick Smith erkennt zwar, dass die Fischerei die größte Bedrohung der Maui-Delfine darstellt““ sagt Thomas Tennhardt, Geschäftsführer der NABU International Naturschutzstiftung. „Trotzdem hat Neuseeland die dringenden Aufrufe jeder denkbaren internationalen wissenschaftlichen Organisation, einschließlich der IWC, den Gebrauch von Kiemen und Schleppnetzen im Lebensraum der Mauis sofort verbieten, ignoriert.“
„Auf der Grundlage von Dr. Slootens Erkenntnissen zeigen unsere Berechnungen, dass Maui-Delfine bereits im Jahr 2031 ausgestorben sein könnten“, erklärt die Leiterin für Internationalen Artenschutz der NABU International Naturschutzstiftung, Dr. Barbara Maas. „Die leichte Verbesserung des von der neuseeländischen Regierung in Kraft gesetzten Fischereischutzes fällt deutlich unter den von Wissenschaftlern verlangten Null-Toleranz-Ansatz und wird den Untergang der Delphine bestenfalls um 4 bis18 Jahre verzögern.“
„Informationen zur Verbreitung der Maui-Delfine zeigen dass Küstengewässer bis zu einer Tiefe von 100 Metern (ungefähr 12 nautische Meilen vor der Küste) eine realistische Begrenzung für den Lebensraumes der Tiere sowie ihren Schutz darstellen. Würden diese realisiert, könnten sich Maui-Delfine innerhalb von 126 Jahren auf eine geringere Gefahrenstufe erholen, sofern andere Bedrohungen wie seismische Tests, die Förderung fossiler Brennstoffe und die großflächige Foerderung von Eisenerz-haltigem Sand abgewendet werden.“
„Aktuelle Schutzmaßnahmen bestehen aus einer willkürlichen Mischung uneinheitlicher und biologisch bedeutungsloser Fischereisperrzonen“, so Maas. „Sie erstrecken sich von null über zwei, vier und sieben nautische Meilen vor der Küste und entsprechen den Fischereiinteressen und nicht denen der Verbreitung der Delfine.“
„Als Wissenschaftler ist dieser Prozess zutiefst frustrierend“, sagt Dr. Slooten. „Die Daten könnten nicht eindeutiger sein. Wir wissen, dass kleine Delfinpopulationen sehr schnell verschwinden können. Der Baiji oder Chinesische Flussdelfin wurde vor kurzem als ausgestorben erklärt. Im Jahr 1998 gab es noch über 40 Individuen, aber bereits 2006 konnte trotz einer umfangreichen Suche kein einziges Tier gefunden werden. Es ist unvorstellbar, dass Maui-Delfine diesem traurigen Beispiel folgen sollten.“

04.06.2014, Eberhard Karls Universität Tübingen
Wie Krähen Bilder im Kopf behalten
Tierphysiologen der Universität Tübingen identifizieren Gedächtniszellen, mit denen Rabenvögel Gesehenes im Arbeitsgedächtnis speichern – ganz ohne Großhirnrinde
Ein gut funktionierendes Arbeitsgedächtnis für die kurzfristige Speicherung und Verarbeitung von Informationen ist eine wichtige Grundlage der Intelligenz. Ohne Arbeitsgedächtnis als einer Art „geistigen Notizblocks“ könnten wir keiner Unterhaltung folgen, Kopfrechnen oder „Memory“ spielen. Im Tierreich sind Rabenvögel bekannt für ihre Schläue, denn sie besitzen ein gut funktionierendes Arbeitsgedächtnis. Doch überraschenderweise hat ihr ansehnlich entwickeltes, aber grundsätzlich anders aufgebautes Endhirn keine Großhirnrinde, die bei uns Menschen und anderen Säugetieren das Arbeitsgedächtnis hervorbringt. Wie gelingt es Rabenvögeln, wichtige Informationen im Gedächtnis zu behalten?
Um dies heraus zu finden, brachten Lena Veit, Konstantin Hartmann und Professor Andreas Nieder vom Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen den Rabenkrähen eine Art „Memory“-Spiel bei. Die Krähen sahen auf einem Bildschirm kurz ein beliebiges Musterbild, das sie sich für eine Sekunde merken sollten und anschließend inmitten von vier Auswahlbildern wiedererkennen und mit dem Schnabel berühren sollten. Für die zielgerichtete Lösung der Aufgabe musste folglich das Bild im Arbeitsgedächtnis gespeichert werden, was den Krähen nicht schwer fiel.
Gleichzeitige Messungen von Hirnströmen zeigten, dass Nervenzellen in einem bestimmten Bereich des Endhirns der Krähen verantwortlich für dieses Erinnerungsvermögen waren. Obwohl das Musterbild schon wieder vom Bildschirm verschwunden war, waren solche Gedächtniszellen während der Erinnerungsphase weiter erregt und hielten dadurch die Information über das Musterbild im Arbeitsspeicher, bis die Krähe schließlich die richtige Auswahl treffen konnte. Wenn sich die Krähe nicht richtig erinnern konnte und ein falsches Bild wählte, waren diese Gedächtniszellen kaum aktiviert. Die anhaltende Aktivierung solcher Gedächtniszellen sorgt folglich dafür, dass wichtige Informationen gemerkt und über die Zeit gerettet werden können.
Die Forscher schließen aus den Ergebnissen, dass kognitive Fähigkeiten auf der Grundlage verschiedenartig entwickelter Gehirnstrukturen möglich sind: „Offensichtlich ist ein gutes Arbeitsgedächtnis, das uns Menschen in hohem Maße auszeichnet, auch ohne geschichtete Großhirnrinde zu verwirklichen. Das grundsätzlich anders aufgebaute Endhirn der Rabenvögel zeigt, dass die Evolution mehrere unabhängige Lösungen gefunden hat“, erklärt Lena Veit. Die Fähigkeit, Informationen in einem Speicher zwischenzulagern, bringt große Vorteile. „Ein Organismus mit gutem Arbeitsgedächtnis ist intelligent; es befreit ihn vom Zwang, auf jeden Reiz sofort reflexartig reagieren zu müssen“, erläutert Professor Andreas Nieder. „Die große Frage lautet nun, wie Nervennetze im Gehirn grundsätzlich aufgebaut sein müssen, um Informationen aktiv zwischenspeichern und verarbeiten zu können.“
Originalveröffentlichung:
Lena Veit, Konstantin Hartmann & Andreas Nieder: Neuronal Correlates of Visual Working Memory in the Corvid Endbrain. Journal of Neuroscience, 4. Juni 2014, DOI:10.1523/JNEUROSCI.0612-14.2014

04.06.2014, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Die Sanddornfruchtfliege bedroht den Sanddornanbau in Nordostdeutschland
Die Sanddornfruchtfliege, eine Bohrfliege mit dem wissenschaftlichen Namen Rhagoletis batava, legt ihre Eier in die reifenden Früchte des Sanddorns ab. Die Larven fressen die Früchte von innen aus und schädigen so die Ernte.
Zur Identifikation des Schädlings konnten Forscher der Zoologischen Staatsammlung München im Rahmen des deutschlandweiten DNA-Barcoding-Projektes die Fruchtfliege inzwischen genetisch analysieren. Sie arbeiteten hierzu mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow in Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Der Gencode ist ab sofort in einer Internet-Datenbank verfügbar und kann von Spezialisten für die Identifizierung herangezogen werden.
Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit erobert derzeit ein neuer landwirtschaftlicher Schädling weite Gebiete in Nordostdeutschland. Die Sanddornfruchtfliege, eine Bohrfliege mit dem wissenschaftlichen Namen Rhagoletis batava, legt ihre Eier in die reifenden Früchte des Sanddorns ab. Die Larven fressen die Früchte von innen aus und schädigen so die Ernte. Landwirte berichten von Verlusten bis zu 60 Prozent des Sanddornertrages.
Befall durch den Schädling wird meist erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt, da die Larven mit herkömmlichen Methoden nur sehr schwer zu identifizieren sind und anderen, harmlosen Fliegenmaden ähneln. Um die Art rasch und sicher identifizieren zu können, konnten Forscher der Zoologischen Staatsammlung München im Rahmen des deutschlandweiten Barcoding-Projektes den Schädling inzwischen genetisch analysieren. Sie arbeiteten hierzu mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow in Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Der Gencode ist ab sofort in einer Internet-Datenbank verfügbar und kann von Spezialisten für die Identifizierung herangezogen werden.
Sanddorn ist wegen seines hohen Vitamin-C-Gehalts und gesunden Öls zunehmend gefragt. Er wird in der Pharma- und der Kosmetikbranche verwendet sowie zur Produktion von Saft, Tee, Marmelade und Likören verwendet. Der deutsche Anbau beschränkt sich bisher weitgehend auf die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Noch sind die bebauten Flächen gering, in Mecklenburg wurden 2013 rund 200 Hektar angebaut. Doch der Anbau expandiert, auch weil derzeit neue Techniken zur Ernte und Aufbereitung entwickelt werden.
Aus diesen Grund bereitet der neue Schädling, der vermutlich aus Osteuropa zu uns eingewandert ist, große Sorgen. Eine Bekämpfung sei schwierig, und zurzeit fehlten vor allem geeignete Strategien für eine wirksame Eindämmung des Schädlings, erklärt Friedrich Höhne, Sachgebietsleiter Obstbau an der Landesforschungsanstalt in Gülzow. Da Sanddorn in Deutschland überwiegend ökologisch angebaut werde, so der Fachmann weiter, schließe dies eine Bekämpfung mit chemischen Pflanzenschutzmitteln aus. Die ersten massiven Schäden konnten die Landwirte 2013 beobachten.
Der Schädling selbst ist eine unscheinbare, wenige Millimeter große Fliege, die man kaum einmal zu Gesicht bekommt. Die Weibchen des Schädlings legen ihre Eier im Frühsommer in die jungen Sanddornfrüchte ab. Dort entwickeln sich die madenförmigen weißen Larven, die den eigentlichen Schaden verursachen. Die Früchte werden durch den Befall matschig und sterben schließlich ganz ab. Von der Gensequenzierung an der Zoologischen Staatsammlung in München erhoffen sich die Fachleute vor allem eine sehr schnelle und sichere Möglichkeit, den Schädling eindeutig zu erkennen. Das kann vielleicht eine Bekämpfung erleichtern.
Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen des Projektes „Barcoding Fauna Germanica“, bei dem die Münchener Forscher alle deutschen Tierarten genetisch erfassen und in einer Online-Bibliothek für Fachleute zur Verfügung stellen. Das Projekt ist Teil des internationalen Barcoding-Projektes iBol mit Sitz in Kanada, welches das ehrgeizige Ziel verfolgt, alle Tierarten weltweit genetisch zu erfassen. Gerade für landwirtschaftliche Schädlinge, die inzwischen über die Kontinente hinweg verschleppt werden, biete das Projekt großartige Möglichkeiten für die Praxis, beschreibt Oliver Hawlitschek, Projektkoordinator in München.

Die Fußball-WM wirft ihre Schatten voraus und nicht nur Deutschland ist im Brasilienfieber:

04.06.2014,
Gefahr für Jogis Jungs: Die Top 8 der wildesten Tiere Brasiliens =
Wildlife-Sender Nat Geo Wild präsentiert die gefährlichsten Gegner der Deutschen außerhalb des Platzes
Seit Monaten gibt es für Jogi und seine Jungs nur noch ein Thema: der Gegner auf dem Platz. Sein Verhalten, seine Spielweise und seine Taktik wurde von unseren Mannen bis ins kleinste Detail zerlegt und analysiert. Doch während unsere Nationalmannschaft für die Spiele bestens vorbereitet ist, haben sie eine bestimmte Gegner-Gruppe außer
Acht gelassen. Gegner, die ihnen vor den Stadien und um das Mannschaftshotel herum auflauern und gefährlicher werden können als Messi, Ronaldo und Neymar zusammen: Anlässlich der mehrteiligen Event-Programmierung „Wildes Brasilien“ (immer sonntags um 21.00 Uhr) stellt der Wildlife-Sender Nat Geo Wild (exklusiv bei Sky) die Top 8
der gefährlichsten Tiere Brasiliens vor: Die Anakonda, der Mohrenkaiman, der Süßwasserstechrochen, der Jaguar und der Rote Piranha.
Anakonda: Das Joggen in Wassernähe kann in Brasilien unverhofft zum Ringkampf ausarten. Die Anakonda ist eine der größten Riesenschlangen der Welt und wartet bewegungslos bis Vibrationen ihren Gegner ankündigen. Sie beißt mit ihren rund 100 Zähnen zu, umschlingt ihr Opfer und drückt mit ihrem Kampfgewicht von bis zu 100kg die Luftzufuhr des Gegners ab. Diese Auseinandersetzung steigert zwar die Fitness, kann aber auch jeden noch so guten Fußballer schnell aus der Puste bringen. Da kann sich nicht mal mehr Mario Götze befreien, der sich sonst immer problemlos durch die Abwehrketten schlängelt.
Mohrenkaiman: Auch aus einem erholsamen Spaziergang nach den Spielen kann schnell ein Kampf um Leben und Tod mit dem Mohrenkaiman werden. Das schwerste Raubtier des Kontinents tarnt sich nicht nur perfekt in
Flüssen, sondern verlässt gerne sein Revier für Ufererkundungen. Das bis zu sechs Meter lange Reptil hat mit seinen über 70 nachwachsenden Zähnen eine größere Klappe als Thomas Müller. Bei der Jagd kann es einen muskulösen Fußballspieler schon mal mit einem Sumpfhirsch verwechseln – und dann muss ein Ersatzspieler auf’s Feld.
Süßwasserstechrochen: Nicht einmal das seichte Ufer der Flüsse und Sümpfe Brasiliens kann zur Entspannung der abgespannten Fußballer-Füße dienen. Hier sind die Süßwasserstechrochen zu Hause, die im braunen oder trüben Wasser bis fast zur Unkenntlichkeit getarnt sind. Ein falscher Schritt und der Rochen schlägt im Bruchteil einer Sekunde mit seinem peitschenförmigen und mit einem Giftstachel ausgestatteten Schwanz zu. Das ist wie beim
entscheidenden Tor in der 89. Minute: Niemand hat damit gerechnet, aber plötzlich trifft Toni Kroos und der Schock für den Gegner ist groß. Da ist unsere Elf mit der Fußmassage des Mannschaftsphysiotherapeuten sicherlich besser bedient!
Jaguar: Ein Wettrennen mit dem heimischen Jaguar ist sicher nicht die empfehlenswerteste Trainingseinheit. Robust, muskulös und agil – das sind eben nicht nur unsere Fußballer, sondern auch die drittgrößte Raubkatze der Welt. Der Jaguar kann Jogis Elf vor allem nach Sonnenuntergang auflauern und selbst einen Stürmer wie Miroslav Klose
trotz seiner 55 bis 105 Kilo im lockeren Sprint einholen.
Roter Piranha: Wenn ein Fußballer Opfer einer Blutgrätsche wurde und die Wunde noch offen ist, sollte er seine Beine nicht in den brasilianischen Flüssen abkühlen. Rote Piranhas können selbst wenige Milliliter Blut im Wasser riechen: Eine größere Gruppe der Fische nutzt den Überraschungsmoment und überwältigt durch geschicktes Taktieren ihren Gegner. Jedes Tier besitzt bis zu 30 messerscharfe Zähne, mit denen sie blitzschnell Fleischstücke aus dem Körper ihres Opfers reißen können. Kann der Angegriffene nicht mehr rechtzeitig fliehen, bleiben nach kurzer Zeit nur seine Knochen übrig. Dabei machen Rote Piranhas im Ernstfall auch nicht vor unseren Top-Spielern Halt!
Pfeilgiftfrosch: Mit offenen Kratzern und anderen kleinen Wunden sollte die deutsche Elf sich auch nicht auf Erkundungstour durch den brasilianischen Regenwald begeben, da dort Pfeilgiftfrösche das Sagen haben. Ihre auffällige Färbung soll schon signalisieren, dass die Begegnung mit ihnen kein Freundschaftsspiel wird. Wer es trotzdem nicht lassen kann, wird die größte Niederlage seines Lebens einstecken. Gelangen die Gifte, die einige dieser Frösche in ihrer Haut produzieren, in den Blutkreislauf, kann es für den Menschen tödlich enden ¬- und unsere Jungs schreiben auf ganz unerwartete Art und Weise Geschichte.
Riesenvogelspinne: Unsere Lieblingssportler sollten lieber darauf achten, dass sie auch genügend Proteine zu sich nehmen, damit es vielleicht dieses Mal endlich mit dem Titel klappt! Die brasilianischen Ureinwohner schwören auf den Verzehr der Riesenvogelspinne zur Protein-Versorgung. Die bis zu zwölf Zentimeter große Spinne gilt als größte Vogelspinne der Welt. Sie ist zwar für den Menschen nicht tödlich, hat aber ein sehr aggressives Naturell. Bei Gefahr verteidigt sie sich ebenso wirksam wie Mats Hummels das deutsche Tor. Ein Biss ihrer etwa 2cm langen Giftklauen kann eine tiefe Fleischwunde hinterlassen. Vielleicht solltet ihr dieser exotischen Delikatesse doch einen Eiweiß-Shake vorziehen!
Gemeiner Vampir: Die Ruhephase nach den Spielen ist entscheidend. Aber auch wenn es in Brasilien sehr heiß werden wird, liebe Elf, bleibt zum Schlafen bitte in euren Quartieren. Die Nachtruhe unter freiem Himmel kann schnell einen ungewollten Blutsauger anlocken: den Gemeinen Vampir. Er ist der Sami Khedira unter den Tieren, der sich relativ unbemerkt anschleicht und das nötige Durchhaltevermögen beweist, um im richtigen Moment zuzubeißen. Dabei ist er ein echter Teamplayer, der das erbeutete Blut mit seiner Gruppe teilt. Die Folgen eines Bisses können verheerend sein – der gemeine Vampir kann seine Opfer durch den Biss mit Tollwut infizieren. Da ist ein
bisschen schwitzen im Quartier doch nichts dagegen!

05.06.2014, Universität Hohenheim
Bienenkundler schlagen Alarm: Völker durch Krankheiten nach mildem Winter hochgradig gefährdet
Milder Winter führt zu massivem Befall mit Varroa-Milben und Folgekrankheiten / Forscher der Universität Hohenheim warnen vor epidemieähnlichen Zuständen
Verkrüppelte Bienen sind das erste Alarmzeichen: Wenn diese sich häufen, sollten Imker ihre Völker dringend auf Milben-Befall untersuchen und diesen auch gleich bekämpfen. Schon jetzt befürchtet die Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim in Stuttgart, dass dieses Jahr überdurchschnittlich viele Völker durch diesen Bienenparasiten zu Grunde gehen. Ohne Gegenmaßnahmen wächst die Gefahr durch gegenseitige Ansteckung.
Schuld sind der milde Winter und der frühe Brutbeginn der Bienenvölker in Baden-Württemberg. Denn Dank milder Temperaturen haben sich auch die Varroa-Milben in Bienenstöcken stark vermehrt.
Dabei handelt es sich um einen eingeschleppten Parasiten, der die Bienen meist schon in der Brutzelle befällt um dort Bienenblut von Larve und Puppe zu saugen. Meist mit schwerwiegenden Folgen, denn wie die Zecken beim Menschen überträgt auch die Varroa-Milbe gefährliche Sekundärinfektionen.
„Befallene Bienen erkennt man an verkrüppelten Flügeln oder verkürztem Hinterleib – und in diesem Jahr häufen sich solche Beobachtungen bereits extrem früh im Jahr in besorgniserregendem Maße“, erklärt Dr. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim.
Befallene Bienenstöcke sofort sanieren
Alle Imker ruft die Landesanstalt für Bienenkunde deshalb dringend auf ihre Völker auf Varroa-Befall zu untersuchen: Ein weiteres Mittel, die Milben zu erkennen, sind Bodeneinlagen im Bienenstock. Weil Milben auch von Bienen abfallen und sich dort ansammeln, können Imker so nachzählen wie stark ihre Stöcke befallen sind.
Im Ernstfall sollten Bienenhalter die Krankheitsüberträger sofort bekämpfen. „Wir empfehlen eine rasche Behandlung mit Ameisensäure entsprechend dem Bekämpfungskonzept des Landes Baden-Württemberg“, sagt Dr. Rosenkranz.
Gute Bedingungen für Honigernte verschärfen Ansteckungsrisiko
Der Bienenspezialist ist sich bewusst, dass dies den Imkern einiges abverlangt, und das auch ökonomisch.
„Eigentlich sieht es so aus, als ob wir dieses Jahr zum ersten Mal seit langem wieder Waldhonig ernten könnten. Umso stärker appellieren wir an alle Imker nur nachweislich gesunde Völker im Wald aufzustellen “, so Dr. Rosenkranz.
Zum einen sei der Waldaufenthalt für Bienen eine Zusatzbelastung. Zum anderen erhöhe sich sonst die Ansteckungsgefahr zwischen den Völkern. „Zurzeit erhalten wir wirklich alarmierende Beobachtungen aus ganz Deutschland. Wenn die Imker nicht sofort reagieren, müssen wir in diesem Jahr mit einem erheblichen Bienensterben rechnen, das weit über das noch Akzeptable hinausgeht.“

05.06.2014, Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
Fledermäuse im Aufwind
Brandenburgs Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Anita Tack weist anlässlich des „Tages der Umwelt“ auf eine kürzlich veröffentlichte Studie zum Bestandstrend von europäischen Fledermäusen hin. Die Vereinten Nationen proklamierten 1972 den 5. Juni zum Tag der Umwelt. Seit 1976 wird dieser Tag in Deutschland begangen wie weltweit inzwischen in mehr als 100 Ländern.
„Erfolgsmeldungen im Artenschutz sind nicht unbedingt häufig, aber es gibt sie“, erklärte Ministerin Tack. Die europäischen Fledermausbestände haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erholt. Einer Untersuchung zufolge haben sich die Populationen von 16 der 52 in Europa vorkommenden Fledermausarten im Vergleich zum Beginn der 1990er Jahre weitgehend stabilisieren oder vergrößern können. Nachzulesen ist dies in einem Bericht der Europäischen Umweltagentur, der auch zum Download bereit steht unter
Insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlitten die Fledermäuse einen dramatischen Rückgang ihrer Bestände. Ursächlich waren neben direkter Verfolgung besonders der Verlust von Lebensstätten und Überwinterungsquartieren, die Anwendung von Giften wie DDT sowie die Intensivierung in der Land- und Forstwirtschaft. Dank vermehrter Anstrengungen, die auf den rechtlichen Schutzstatus, den Erhalt der Lebensräume und einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung abzielten, konnte der Abwärtstrend gestoppt und teilweise umgekehrt werden. Dies ist auch als Erfolg des im Jahre 1991 geschlossenen „Abkommens zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen“ (EUROBATS) zu werten, dem bereits 35 Vertragsstaaten beigetreten sind, und dessen UN-Verbindungsbüro seinen Sitz in Bonn hat.
Die Grundlage für den Kenntnisstand über diese nachtaktiven Säugetiere liefert ein Netz zuverlässiger, meist ehrenamtlich tätiger Spezialisten, die sich in ihrer Freizeit für den Fledermausschutz engagieren. „So sind wir auch über die Situation der 18 in Brandenburg vorkommenden Arten recht gut informiert“, betont Ministerin Tack. Es sei aber weiterhin unbedingt nötig, die Sommer- und Winterquartiere für die Tiere zu sichern sowie bei Planung und Bau von Anlagen und Gebäuden den Fledermausschutz zu berücksichtigen.

06.06.2014, Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere
Neuentdeckte Arten zirpender Riesenkugler aus Madagaskar bereits bedroht.
Ein internationales Forschungsteam um Dr. Thomas Wesener vom zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn, Dr. Daniel Le vom Field Museum, Chicago, und Dr. Stephanie Loria vom American Museum of Natural History, New York, entdeckte sieben neue Arten der zirpenden Riesenkugler auf Madagaskar. Diese Entdeckung wurde jetzt als ‚open access‘ Artikel in der Zeitschrift ZooKeys publiziert.
Die neu entdeckten Arten gehören alle zur Gattung Sphaeromimus, dies ist Latein für ‚kleines Kugeltier‘. So klein sind jedoch diese Atem nicht, – die größte der neuentdeckten Arten (Sphaeromimus titanus) ist etwas größer als ein Tischtennisball. Eine weitere Besonderheit der Gattung ist die Tatsache, dass ihre Arten die größten Zirporgane aller Tausendfüßer besitzen, welche vermutlich während der Paarung benutzt werden
Obwohl die neuen Arten ihr Habitat auf Madagaskar mit ‚großen‘ Riesenkuglern, welche die Größe eines Tennisballes erreichen können, teilen, sind diese näher mit Tausendfüßern aus Indien verwandt als mit ihren Nachbarn aus Madagaskar. Diese Verwandtschaft datiert mindestens 80 Millionen Jahre zurück in die Kreidezeit, als die Dinosaurier noch auf der Erde wanderten und Madagaskar und Indien einen gemeinsamen Kontinent bildeten.
Die Entdeckung der Art Sphaeromimus andrahomana liefert Hinweise auf die vor tausenden von Jahren auf Madagaskar bestehenden klimatischen Verhältnisse. Obwohl die Art in einer Höhle im trockenen Dornbusch Madagaskars gefunden wurde, ist sie genetisch eindeutig eine Regenwaldart. Die in der gleichen Höhle gefundenen Skelette teilweise ausgestorbener Lemurenarten deuten ebenfalls darauf hin, dass bis vor 3000-5000 Jahren die Umgebung mit Regenwald bedeckt war. Die Riesenkuglerart, in der feuchten Höhle vor Trockenheit geschützt, ist ein lebender Zeuge einer klimatisch anderen Vergangenheit.
Besonders interessant an der Entdeckung der neuen Arten ist die Tatsache, dass viele der Arten sogenannte Mikroendemiten sind, welches bedeuted, dass sie nur in kleinen Waldfragmenten zu finden sind, häufig nur wenige hundert Meter lang und breit.
Der Lavasoa-Kugler (S. lavasoa) kommt zum Beispiel nur auf den Lavasoa-Bergen vor, welche mit einem isolierten Überbleibsel von etwas mehr als 100 Hektar Regenwald bedeckt sind. Dieser Regenwaldrest ist berühmt für die Entdeckung eines Großskorpions und sogar eines Lemurs (http://www.uni-mainz.de/presse/57137.php).
Eine weiter neuentdeckte Art (S. saintelucei) ist der vermutlich am stärksten bedrohte Tausendfüßer Madagaskars. Sie konnte nur im Küstenregenwald von Sainte Luce mit Lateritboden gefunden werden, welches bereits so geschrumpft ist, das bereits keine Lemuren oder große Wirbeltiere dort leben können. Ein weiteres Waldstück von Sainte Luce auf Sandboden ist bereits von einer andere Art der Gattung (S. splendidus) zu finden ist. Beide Arten sind nichteinmal näher miteinander verwandt, obwohl sie so nah nebeneinander vorkommen. Beide Waldfragmente sind momentan durch ein großes, milliardenschweres Titanium-Tagebauprojekt bedroht. Obwohl die Minenagentur so genannte Reservatzonen anlegen wird, von denen aus die einmalige Tier- und Pflanzenwelt nach der Renaturierung die Bergbaufläche wiederbesiedeln könnte, wird zur Zeit der Schutz nur eines Waldstückes favorisiert, welches zum Aussterben einer der beiden nur dort zu findenden Riesenkuglerarten führen würde.
Originalquelle: Wesener T, Le Minh Tu D, Loria SF (2014) Integrative revision of the giant pill-millipede genus Sphaeromimus from Madagascar, with the description of seven new species (Diplopoda, Sphaerotheriida, Arthrosphaeridae). ZooKeys

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