Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

23.06.2014, Deutsche Wildtier Stiftung
Huhn ohne Hoffnung?
Neuste Ergebnisse genetischer Untersuchungen belegen die Bedrohung der seltenen Birkhühner
Für Birkhühner ist die Partnersuche ein Problem. Auf dem Hühner-Heiratsmarkt herrscht zwar Polygamie, aber es gibt einfach zu wenig Auswahl auf dem Balzplatz! Die Folgen sind dramatisch: „Die genetische Vielfalt der heutigen Birkhühner hat sich mit der Abnahme der Bestände deutlich reduziert“, sagt Dr. Gernot Segelbacher.
Der Privatdozent, der vor sechs Jahren mit dem Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung ausgezeichnet wurde, hat jetzt seine Forschungsarbeiten über die genetische Vielfalt der letzten Birkhuhn-Populationen in Mitteleuropa im Vergleich zu den Vorkommen Anfang bis Mitte des letzten Jahrhunderts vorgelegt. Birkhühner waren damals eine weit verbreitete Art – ihre Zahl ging in die Zehntausende. Das Ergebnis der Forschungsarbeit von Dr. Segelbacher zeigt die dramatische Entwicklung der heute seltenen Birkhühner auf: „Die deutlich geringere genetische Vielfalt lässt sich durch DNA-Analysen der Präparate wissenschaftlich belegen.“ Segelbacher lehrt und forscht an der Universität Freiburg.
Um den Beweis für die Bedrohung des Birkhuhns anzutreten, hat sich der Forscher als Feder-Sammler betätigt und für seine Untersuchungen die Mauser-Federn der letzten noch lebenden Birkhuhnvorkommen in Mitteleuropa genetisch untersucht und dann mit historischen Präparaten aus Dänemark, Schleswig-Holstein und Niedersachsen verglichen. Neben Material aus naturkundlichen Museen konnte Dr. Segelbacher auch auf Federn von ausgestopften Tieren zurückgreifen, die Jäger ihm zur Verfügung gestellt haben. „Ohne die Hilfe der Jäger und die finanzielle Unterstützung der Deutschen Wildtier Stiftung wäre die Arbeit nicht möglich gewesen“, betont Dr. Segelbacher.
„Das Forschungsergebnis ist eine letzte Warnung“, betont der Wissenschaftler. Ob das Birkhuhn noch zu retten ist, bleibt ungewiss. Durch das fortschreitende Trockenlegen von Flachmooren und Feuchtwiesen, durch den Rückgang der Heidegebiete und intensive Landnutzung in unseren Agrarlandschaften, verliert das Birkhuhn seine Lebensräume. Die letzten rund 200 Birkhühner Norddeutschlands stehen vor dem Aus.
Gernot Segelbacher hat seine „Liebe“ zu Birkhühnern schon vor Jahren als junger Forscher entdeckt. Das Birkhuhn ist ein „komischer“ Vogel. Das „Liebeslied“ der Hähne während der Balz hat nur zwei Strophen: Erst wird gekullert, dann geblasen, was ein bisschen wie Gurgeln und Zischen klingt. Die gefiederten Sänger sind auch kreative Tänzer. Beim Kullern trippeln sie mit gefächerten Schwanzfedern und abgespreizten Schwingen über den Balzplatz, um den Hennen zu imponieren. „Damit der eindrucksvolle Balz-Tanz der Birkhühner nicht eines Tages zum Toten-Tanz wird, müssen in Zukunft die Lebensräume der seltenen Hühnervögel erhalten werden“, fordert Segelbacher.

23.06.2014, Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Niedersachsen
Das gesamte Wattenmeer ist jetzt Weltnaturerbe
Umweltminister Stefan Wenzel: Ökosystem Wattenmeer braucht gemeinsame Strategie zum Schutz und zur Entwicklung der weltweit einzigartigen Naturlandschaft
Doha (agrar-PR) – Das UNESCO-Welterbekomitee hat auf seiner Sitzung in Doha, Katar, am Wochenende entschieden, das Weltnaturerbe Wattenmeer mit dem dänischen Teil des Wattenmeeres und zusätzlichen deutschen Offshore-Gebieten zu erweitern. Damit ist das gesamte Wattenmeer jetzt Weltnaturerbe. „Naturschutz darf an Grenzen nicht haltmachen. Aus diesem Grund freue ich mich sehr, dass das Weltnaturerbe Wattenmeer nun komplett ist“, sagte der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel nach der Entscheidung. „Das Ökosystem Wattenmeer braucht eine gemeinsame Strategie zum Schutz und zur Entwicklung dieser weltweit einzigartigen Naturlandschaft.“
Der Leiter des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats Jens Enemark sprach vom größten Erfolg für die gemeinsamen Bemühungen der drei Wattenmeerstaaten seit der Gründung der trilateralen Zusammenarbeit im Jahr 1978. Jetzt gelte es, die Zusammenarbeit zwischen den Staaten zu verstärken, um den außergewöhnlichen, universellen Wert des Wattenmeers zu erhalten und zu auszubauen. Durch eine gemeinsame Kommunikation des Wattenmeeres als Ganzes wird die Verantwortung aller drei Staaten für das Wattenmeer unterstrichen. „Seitdem das deutsch-niederländische Wattenmeer 2009 in die Weltnaturliste aufgenommen wurde, haben viele Menschen vor Ort diese Auszeichnung aufgegriffen und unterstützen das Weltnaturerbe“, sagte Enemark in seiner Rede in Doha weiter. Die Erweiterung wird auch auf vielen Veranstaltungen gefeiert, die in diesem Juni anlässlich des fünften Jahrestages des Weltnaturerbes Wattenmeer stattfinden.
Das niedersächsische Welterbegebiet wurde um 47.000 Hektar erweitert. Das gesamte Welterbegebiet umfasst nun 11.500 Quadratkilometer und ist das weltweit größte zusammenhängende Watt-Inselgebiet der Welt. Es ist unverzichtbar für Millionen von Vögeln: Nur im Wattenmeer finden sie genug Nahrung für die Tausende Kilometer lange Reise zwischen den Brutgebieten in der Arktis und den Überwinterungsgebieten in Afrika. Das Weltnaturerbe Wattenmeer steht auf einer Stufe mit anderen weltberühmten Naturwundern wie dem Great Barrier Reef in Australien, dem Grand Canyon in den USA und der Serengeti in Tansania. Außerdem ist es eines von nur vier transnationalen Weltnaturerbestätten, die sich über drei Staaten erstrecken.

24.06.2014, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Dringend Gesucht: Der Hirschkäfer
Aufruf und Hinweise zur Kartierung in Niedersachsen
Hannover (agrar-PR) – Er ist schwarz-braun, etwa sieben Zentimeter groß und wird in der Abenddämmerung so richtig aktiv: Der Hirschkäfer. Der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) ruft dazu auf, den Hirschkäfer zu suchen und ihn zu kartieren. Warum ist der Käfer so interessant? „Nach der FFH-Richtlinie haben wir für seine Erhaltung eine besondere Verpflichtung übernommen“, sagt Roland Heuser vom NLWKN. Denn der Bestand der Hirschkäfer hat in Mittel- und Südeuropa stark abgenommen – für die Tiere sind immer weniger Lebensräume vorhanden.
Doch um den Großkäfer zu schützen, müssen die Naturschützer zunächst einmal wissen, wo er lebt. Der große Käfer ist leicht zu erkennen – besonders auffällig ist sein „Geweih“, das ihm den Namen Hirschkäfer eingebracht hat. Dabei handelt es sich um massiv vergrößerte Oberkiefer. Über die Verbreitung und den Bestand dieses größten europäischen Käfers gibt es trotz seiner Größe nur unzureichende Informationen, da die Tiere sehr unauffällig leben. „Die meisten Hirschkäfer werden eher zufällig entdeckt“, ergänzt Heuser. „Wegen der versteckten Lebensweise ist eine systematische Bestandsaufnahme der Hirschkäfer sehr zeit- und kostenaufwändig und kaum planbar“, betont der NLWKN-Experte. Deshalb hat der Landesbetrieb jetzt den Aufruf mit einem speziellen Flyer gestartet, um eine Grundlage für gezielte Hilfs- und Schutzmaßnahmen zu bekommen. Der Appell richtet sich insbesondere an Personen, die sich viel in der freien Natur aufhalten. Da sich Hirschkäfer auch innerhalb oder am Rande von Siedlungen entwickeln können, sind aber auch Gartenbesitzer oder Spaziergänger sehr wichtige potenzielle Beobachter und Melder. Ganz besonders große Chancen bei der Hirschkäferbeobachtung haben Forstbedienstete und Jäger.
Weitere Infos unter www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/hirschkaefer-46208.html.
Dort gibt es auch spezielle Meldebogen und ein Faltblatt zum Download.

24.06.2014, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz bereitet sich auf die Rückkehr des Wolfs vor
Mainz (agrar-PR) – Mit einem Wolfsmanagementplan bereitet sich Rheinland-Pfalz auf die Rückkehr des Wolfes vor. Umweltministerin Ulrike Höfken erklärte: „Der Wolf kann in absehbarer Zeit auch in unserem Bundesland einwandern und findet hier geeigneten Lebensraum. Das wäre eine Bereicherung für unsere Artenvielfalt. Der Wolf kann in friedlicher Koexistenz mit dem Menschen leben.“ Die Eckpunkte für den Wolfsmanagementplans erörterte das Ministerium heute am Runden Tisch mit betroffenen Interessengruppen wie Jägern, Schäfern und Naturschutzverbänden. Die Verbände haben den Entwurf miterarbeitet und nun erneut Gelegenheit bis September darüber zu beraten, bevor er in einem weiteren Runden Tisch abschließend diskutiert wird. Der Wolfsmanagementplan soll im Januar 2015 in Kraft treten.
Der Managementplan sei eine Art „Betriebshandbuch“ im Falle der Wiederkehr von Wölfen in Rheinland-Pfalz. Er orientiere sich an bundesweiten Plänen zum Umgang mit Großraubtieren in Deutschland, erklärte die Ministerin. Der Plan soll Handlungsabläufe regeln, Ansprechpartner nennen und Maßnahmen auflisten, die im Konflikt- oder Schadensfall ergriffen werden können. Dabei werden nicht nur Naturschützer sondern auch Behörden, Kommunalvertreter, Polizei, Veterinäre, Jäger, Schäfer und interessierte Bürger angesprochen. Er soll auch Vorsorgemaßnahmen und Maßnahmen für Gebiete mit Wölfen benennen. So können zum Beispiel in Wolfsgebieten Herdenschutzhunde, verstärkte Zäune und auch Schulungen gefördert werden. Wie in anderen Bundesländern auch, soll die Teilnahme an Vorsorgemaßnahmen eine Voraussetzung für Entschädigungsleistungen durch das Land sein. Insgesamt ist das Wolfsmanagement eine umfassende Begleitung der Wiederansiedelung des Wolfs.
Im April 2012 wurde im Westerwald ein Wolf getötet. Es war der erste Wolf, der seit 123 Jahren in Rheinland-Pfalz gesichtet wurde. „Das Tier hatte keine Chance, sich in unserer heimischen Fauna anzusiedeln. Dieser Vorfall zeigt, dass beim Schutz der seltenen Art noch viel geleistet werden müsse. Der Wolfsmanagementplan soll helfen, in Zukunft besser auf die Ankunft dieser Art vorbereitet zu sein“, sagte Höfken. Dazu habe das Ministerium alle betroffenen Gruppen bereits vor zwei Jahren an einen Tisch geholt und ihre Befürchtungen und Wünsche in den Managementplan integriert. Das sei wichtige Voraussetzung für die Rückkehr des Wolfs, so die Ministerin.

25.06.2014, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Vogelschutz lohnt sich! – Vogelbestände in Osteuropa profitieren von neuer Gesetzgebung
Cambridge / Brno / Frankfurt, 25. Juni 2014. Die Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre etablierte Gesetzgebung zum Vogelschutz in Osteuropa hat dazu beigetragen, den Rückgang der Bestände geschützter Vogelarten zu verringern. Das traf insbesondere in den Ländern zu, in denen die Ressourcen für den Schutz für ausgewählte seltene oder stark bedrohte Arten verwendet wurden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die vor kurzem im Fachjournal Biological Conservation veröffentlicht wurde. Beteiligt waren Forschende der Universität Brno, des Frankfurter LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) sowie weitere Experten, z.B. die internationale Vogelschutz-Organisation BirdLife.
Vogelschutz ist eine internationale Aufgabe, nicht zuletzt, weil für Vögel nationale Grenzen bedeutungslos sind. Jedoch fußt der Schutz vor Ort auf nationaler Gesetzgebung. Während frühere Studien bereits den Nutzen des legislativen Vogelschutzes in Westeuropa und den Vereinigten Staaten untersucht haben, stellt eine neue Studie nun den Nutzen der Vogelschutz-Gesetzgebung in Osteuropa auf den Prüfstand.
Vergleich von Langzeitenreihen von Vögeln in zehn Ländern
Für die Untersuchung wurden Daten der Bestände geschützter und ungeschützter Vogelarten in zehn osteuropäischen Ländern – Tschechische Republik, Slowakei, Polen, Weißrussland, Litauen, Moldawien und Estland sowie Ungarn und Kroatien – ausgewertet. Allen Ländern ist gemein, dass die den Vogelschutz betreffende Gesetzgebung in den späten 80er oder frühen 90er Jahren verabschiedet wurde. Ein Team der Universität Brno, des Frankfurter LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) und weiterer Universitäten verglich, wie sich die Bestände einzelner Vogelarten in diesen Ländern in den Zeiträumen 1970 bis 1990 und 1990 bis 2000 entwickelt haben. Die Daten lieferte die Vogelschutzorganisation BirdLife, die regelmäßig großräumig Populationsdaten von Vögeln in Europa zusammenträgt.
Geschützte Vögel profitierten vom politischen Umbruch in Osteuropa
Die beiden Untersuchungszeiträume fallen mit der Zeit vor und nach dem politischen Umbruch und der Einführung moderner Umweltgesetzgebung in vielen Ländern in Osteuropa zusammen. Der Zustand der Populationen im ersten Zeitraum (d.h. ‚vor‘ der Schutzgesetzgebung) konnte daher direkt mit der Anzahl der Vögel im zweiten Zeitraum, also nach Etablierung der Schutzgesetzgebung, verglichen werden. Es zeigte sich, dass sich die Bestände geschützter Arten nach 1990 besser entwickelt haben als die der nicht-geschützten Arten. „Das deutet darauf hin, dass nationale Regelungen tatsächlich dazu beigetragen haben, den Rückgang geschützter Arten aufzuhalten. Insbesondere hat sich der Bestand geschützter Vogelarten in den Ländern positiv entwickelt, die mit großem Aufwand ausgewählte seltene oder charakteristische Vogelarten schützen“, so Prof. Katrin Böhning-Gaese, BiK-F.
Kombination unterschiedlicher Schutzkonzepte am effektivsten
Dieses Konzept kommt in Weißrussland, der Tschechischen Republik, Litauen, Moldawien und der Ukraine zum Tragen, die per Gesetzgebung für weniger als 50 % der Vogelarten einen solchen tiefgreifenden Schutzansatz anwenden. Kroatien, Estland, Ungarn, Polen und die Slowakei schützen über 80 % ihrer Vogelarten, auch solche die nicht akut bedroht sind, jedoch mit vergleichsweise oberflächlichen Maßnahmen. Obwohl es sich zunächst nur um eine Korrelation handelt, deutet der positive Zusammenhang zwischen Schutz und Bestandsentwicklung darauf hin, dass Artenschutz per Gesetz funktioniert. Insgesamt scheint es am effektivsten, viele Arten unter Schutz zu stellen und gleichzeitig besondere Maßnahmen zu ergreifen, um seltene oder bedrohte Arten zu erhalten.
Gesetzgebung konnte allgemeinen Negativtrend aber nicht aufhalten
„Dass die Bestände geschützter Arten nach Beginn des Schutzes durchschnittlich nur noch halb so stark zurückgingen wie vorher, klingt zunächst gut. Aber wir haben auch gesehen, dass in den Jahren 1990-2000 die Vogelbestände unabhängig vom Schutzstatus im Mittel noch immer rückläufig waren“, so der Ko-Autor der Studie, Dr. Matthias Schleuning, BiK-F. Ein dritter Statusbericht von BirdLife zum Zustand europäischer Vogelarten, in den auch im Auftrag der Europäischen Kommission zusammengestellte neue Daten einfließen, wird deshalb mit Spannung erwartet: Er wird zeigen, ob die in der vorliegenden Studie aufgezeigten Trends weiterhin gelten, und ob Europa sein Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt und den Rückgang der Ökosystemleistungen bis 2020 zu stoppen, erreichen kann. Die auf dem neuen Statusbericht basierende Rote Liste der Vögel Europas wird 2015 veröffentlicht.
Publikation:
Koleček, J et al.: Birds protected by national legislation show improved population trends in Eastern Europe. -Biological Conservation. DOI: /10.1016/j.biocon.2014.02.029

25.06.2014, Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV)
Alarmierend hoher Varroabefall gefährdet hessische Bienenvölker
Imker sollen Völker vorsorglich regelmäßig kontrollieren
Wiesbaden – Die außergewöhnlich milde Witterung des vergangenen Winters hat bei vielen Bienenvölkern einen frühen und schnellen Anstieg der Belastung mit Varroamilben zur Folge. Aktuelle Erhebungen des Bieneninstituts Kirchhain zeigen schon jetzt Infektionsgrade, die sonst erst Ende Juli oder im August beobachtet werden. Dies kann zu einer Gefährdung der Völker und Verlusten schon vor dem Herbst führen.
Das Hessische Landwirtschaftsministerium und der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen weisen daher ausdrücklich auf die besondere Gefährdungssituation hin und fordern die Imker dazu auf, den Varroabefall ihrer Völker regelmäßig zu kontrollieren und gegebenenfalls rechtzeitig zu behandeln.
Mit Hilfe der „Puderzuckermethode“ kann der Befall auf relativ einfache Weise von jedem Imker schnell ermittelt werden.
Auf der Homepage des Bieneninstituts Kirchhain sind ein Anleitungsvideo und Protokollblätter zur Befallsbeurteilung verfügbar (http://www.llh.hessen.de/bieneninstitut-kirchhain.html).
Hintergrundinformationen:
Bei niedrigen Temperaturen während des Winters stellt die Bienenkönigin normalerweise das Eierlegen ein, und das Bienenvolk zieht sich im „Energiesparmodus“ zu einer sogenannten Wintertraube zusammen. Erst wenn die Temperaturen im Vorfrühling steigen und die ersten Frühblüher wie Hasel und Weide Pollen spenden, beginnt das Bienenvolk wieder mit dem Brüten.
Diese Brutpause im Winter bedeutet gleichzeitig eine Vermehrungspause für den Brutparasiten Varroamilbe, der für die eigene Fortpflanzung auf Bienenbrut angewiesen ist. Führt der Imker dann auch eine Winterbehandlung durch, reduziert sich die Milbenzahl im Winter stark und das Volk startet mit einer geringen Anzahl von Parasiten in die Saison.
Aufgrund des milden Wetters im vergangenen Winter fiel diese Brutpause bei vielen Bienenvölkern allerdings aus. Als Folge davon erreichte die Winterbehandlung nicht alle Milben und die Milbenvermehrung konnte in den Wintermonaten weitergehen. So hatten die Bienenvölker schon zum Saisonstart eine deutlich erhöhte Belastung mit Varroamilben.
Nach der Bienenseuchenverordnung sind Imker verpflichtet, ihre Völker in eigener Verantwortung angemessen gegen Varroamilben zu behandeln. Durch eine rechtzeitige und effektive Sommerbehandlung können die Parasitenvermehrung und -verbreitung eingedämmt und somit Verluste von Bienenvölkern vermieden werden.

Tierschutz ist jetzt eher ein Thema im Beutelwolf-Blog, das noch stiefmütterlicher behandelt wird als Reptilien, Amphibien und Fische, aber es gibt genug Blogs, die sich damit befassen und nachdem der Tierschutz teilweise in Richtungen geht, die mir nicht gefallen oder mit denen ich nichts anfangen kann, behalte ich mir vor, den Beutelwolf-Blog (fast) tierschutzfrei zu machen.
Ausnahmen bestätigen die Regel (beispielsweise die Ostern- und Weihnachtsaktionen von diebrain.de).
Und auch die Pressemitteilung des österreichischen Vereins PFOTENHILFE sollte man nicht ignorieren. Übrigens: Was für Österreich gilt, kann man hier auch für Deutschland anwenden.
Einen interessanten Blog zum Thema Tierschutz (u. a. auch Auslandstierschutz) findet man hier.

26.06.2014, Verein PFOTENHILFE
Verein PFOTENHILFE appelliert: Keine lebenden Urlaubsmitbringsel mitnehmen
Wien (OTS) – Wer den Urlaub im Ausland verbringt, trifft nicht selten auf streunende Hunde und abgemagerte, kranke Katzen. Sie vermehren sich mangels Kastration ungehemmt, so dass sie das Straßenbild in vielen Ländern prägen. Oft lässt man sich leicht dazu verleiten, diese Tiere zu füttern. Die Vierbeiner gewöhnen sich sehr rasch an diese vermeintlich sichere Nahrungsquelle, die jedoch nach der Urlaubssaison sofort wieder versiegt. Viele Streuner verhungern nach Saisonende oder werden ganz einfach „entsorgt“.
Oft entsteht angesichts großer, trauriger Tieraugen der Wunsch, helfen zu wollen und wenigstens eine Seele zu retten und mitzunehmen. Die Einfuhr von Tieren aus dem Ausland will aber wohl überlegt sein,
sonst droht an der Grenze durch den Zoll ganz schnell das Aus. „Gerade bei der Einfuhr von Tieren aus nicht EU-Ländern gelten bestimmte Vorschriften, die in erster Linie dem Schutz vor Einschleppung der Tollwut dienen.“ erklärt Sascha Sautner, Sprecher der PFOTENHILFE.
Ein Tier zu übernehmen, egal ob aus dem In- oder Ausland, sollte aber immer gut überlegt sein. Spontane Entscheidungen aus Mitleid oder weil der Vierbeiner doch so süß ist, enden meist unglücklich.
Ein Haustier bedeutet Verantwortung, aber auch Kosten für viele Jahre. Dessen sollte man sich vor der Anschaffung eines Vierbeiners bewusst sein. „Jedes Jahr aufs Neue werden im Tierheim PFOTENHILFE
Lochen zahlreiche Tiere abgegeben, die wenige Wochen zuvor aus dem Urlaub mitgebracht, dann aber doch zu viel Arbeit wurden.“ so Sautner.
„Außerdem macht es wenig Sinn, weitere Tiere aus dem Ausland einzuführen, wenn doch bereits in Österreich die Tierheime überfüllt sind.“ gibt Sautner zu bedenken. Am besten können Sie den Tieren vor
Ort helfen, indem Sie einen lokalen, anerkannten Tierschutzverein direkt am Urlaubsort mit einer Spende unterstützen. Damit können in der Folge Futter und Kastrationen finanziert werden.
Aufgepasst werden muss aber auch bei der Einfuhr von kleineren tierischen „Mitbringseln“. „Vor allem in Mittelmeerländern werden von lokalen Händlern oft getrocknete Seepferdchen, Riesenmuscheln und
Korallen zum Verkauf angeboten. Diese sind zwar beliebte Souvenirs, die Einfuhr ist aber illegal und strafbar. „Informieren Sie sich am besten vor Urlaubsantritt über die genauen Bestimmungen in Ihrem
Urlaubsland.“ so Sautner abschließend.

26.06.2014, Forschungsverbund Berlin e.V.
Bildgebende Verfahren können Nashornfüße retten
Forscher haben eine innovative Methode entwickelt, die Fußkrankheiten bei großen pflanzenfressenden Säugetieren diagnostiziert. Eine Kombination aus hochauflösender Computertomographie und digitaler Röntgentechnik ermöglicht gezielte medizinische Behandlungen.
Unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin entwickelte ein internationales Wissenschaftsteam unter Einsatz bildgebender Verfahren eine neue Methode, um Krankheiten in den Füßen von südlichen Breitmaulnashörnern (Ceratotherium simum) und indischen Panzernashörnern (Rhinoceros unicornis) festzustellen. Dank ihrer Ergebnisse können Nashörner in menschlicher Obhut in Zukunft frühzeitig gezieltere Behandlungen bei Fußerkrankungen erhalten.
Ein neuer Ansatz kombiniert und synchronisiert zwei bildgebende medizinische Diagnoseverfahren: Computertomographie und digitales Röntgen. Das Ergebnis sind neue diagnostische „Werkzeuge“ für Wildtiermediziner: radiologische Protokolle, ein optimales Vorgehen zur Positionierung von Füßen, verlässliche anatomische Orientierungspunkte, artspezifische Röntgenaufnahmen und Interpretationshilfen für normale und krankhafte Fuß-Anatomie.
„Mit unserer Forschung können wir Fachtierärzten grundlegendes Wissen über bildgebende medizinische Verfahren vermitteln und sie mit wichtigen diagnostischen Werkzeugen ausstatten. Darüber hinaus hilft die neue Arbeitsmethode dabei, weltweit gewonnene Röntgenaufnahmen von Nashornfüßen korrekt zu interpretieren“, sagt Dr. Gabriela Galateanu vom IZW, Erstautorin der wissenschaftlichen Studie, veröffentlicht in der Online-Fachzeitschrift PLOS ONE.
Besitzt man keine diagnostischen Methoden, um frühzeitig krankhafte Fußprobleme zu erkennen, können auch keine Maßnahmen ergriffen werden, um gezielte Behandlungen einzuleiten. Chronische Fußerkrankungen bei Nashörnern in menschlicher Obhut beeinträchtigen deren Zuchtfähigkeit. Zoologische Gärten spielen eine wichtige Rolle bei der Erhaltungszucht von Nashörnern. „Deshalb ist es unsere Hoffnung, dass nach unserer Veröffentlichung dieser Studie radiologische Untersuchungen an Füßen von Nashörnern zu einem Standard-Verfahren in der Krankheitsdiagnostik werden und idealerweise als eine Methode zur regelmäßigen Gesundheitskontrolle angewendet wird“, empfiehlt Galateanu.
Weitere Ergebnisse der Studie sind die erstmalige Dokumentation von artspezifischen Röntgenaufnahmen mit einer einzigartigen detaillierten Knochendarstellung und die Möglichkeit der Erfassung und akkuraten Bewertung eines jeden einzelnen Fußknochens im gesamten Nashornfuß.
Nach rund 40 Millionen Jahren erfolgreicher Evolution und der Entstehung zahlreicher Arten umfasst die Familie der Nashörner (Rhinocerotidae) heutzutage nur noch fünf verschiedene Arten. Lebensraumverlust und ihr begehrtes Horn führen zu einer starken Reduktion ihrer Bestände: Von den noch lebenden fünf Nashornarten sind bereits vier am Rande der Ausrottung. Wilderer verfolgen und töten die Nashörner sogar in ihren Schutzgebieten. Es ist absehbar, dass es wohl für manche Arten nur noch ein Leben in Gefangenschaft geben wird.
Ungeachtet der langen Historie von Nashörnern in Gefangenschaft, die mindestens bis in die römische Zeit zurückreicht, ist sogar das Schicksal einiger Arten in zoologischen Gärten ungewiss. Die in menschlicher Obhut lebenden Nashörner leiden unter chronischen Fußerkrankungen. In einer vorangegangenen Studie konnten die Wissenschaftler zeigen, dass diese Fußerkrankungen sich nicht nur, wie bisher angenommen, auf die Weichteile der Nashornfüße beschränken, sondern auch die Knochen sehr stark betroffen sind.
Der Einsatz von Röntgentechnik ist zurzeit das einzige brauchbare Verfahren, um Nashornfüße zu untersuchen. Bisher gab es jedoch keine verlässliche diagnostische Methode. Durch verbesserte Diagnose-Methoden kann in Zukunft eine optimale medizinische Versorgung stattfinden. Daher wird die neue Methode, der Kombination von bildgebenden Verfahren mit den daraus generierten diagnostischen Werkzeugen, als wichtiges Verfahren im Gesundheitsmanagement von in Menschenhand gehaltenen Nashörnern empfohlen. So können die Ergebnisse dieser Studie einen Beitrag zum nachhaltigen Gesundheitszustand von Nashörnern leisten.

27.06.2014, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Warum Vögel das Lassafieber nicht übertragen
Eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat das fast 30-jährige Rätsel gelöst, warum Vögel das für den Menschen oft tödliche Lassavirus nicht übertragen können. Die Erkenntnisse führen zu einem besseren Verständnis, wie das Virus Säugetiere infiziert. Zur Überraschung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler benötigt das Virus einen zweiten Rezeptor im Inneren der Zelle, um die Infektion auszulösen. Die Ergebnisse werden am Freitag, 27. Juni, in der internationalen Fachzeitschrift Science veröffentlicht.
Das Lassavirus ist ein gefährliches Virus, welches besonders häufig in Westafrika auftritt. Es wird durch Nagetiere übertragen, eine Infektion von Menschen ist mit einem schweren und oft tödlich verlaufenden Fieber verbunden. „Vor mehr als 30 Jahren entdeckten Forscher, dass das Virus eine große Bandbreite von Zellen infizieren kann, aber Hühnerzellen scheinbar immun sind“, berichtet der Co-Autor der Studie, Professor Paul Saftig vom Biochemischen Institut der CAU und Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“.
Das Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Thijn Brummelkamp (Niederländisches Institut für Krebsforschung) fand nun durch genetische Verfahren heraus, dass ein Membranprotein namens LAMP1 maßgeblich für die Infektion von Zellen mit dem Virus verantwortlich ist. Wenn Lassaviren sich an den Rezeptor einer Zelle hängen, wird das Virus zunächst ins Zellinnere zu Strukturen transportiert, die Lysosomen heißen. Lysosomen werden oft als eine Art Abfallbehälter für Zellen betrachtet. Um eine Zelle zu infizieren, muss das Lassavirus den Lysosomen entkommen. Das Virus nutzt das natürliche Vorkommen des LAMP1 Proteins in Lysosomen aus, um an dieses Protein zu binden und damit die Zellen effizient zu infizieren.
„Aus virologischer Sicht ist diese zweite Entdeckung die spannendste“, sagt Lucas Jae, der Erstautor der Studie. „Der Rezeptor an der Zelloberfläche ist seit 15 Jahren bekannt, aber niemand erwartete einen zweiten Rezeptor innerhalb der Zelle“. Forschungsteam stellte vor drei Jahren fest, dass auch das Ebolavirus einen ähnlichen Mechanismus nutzt, um Zellen zu infizieren. Das Team vermutet, dass mehr Viren als bisher bekannt einen ähnlich komplexen Mechanismus zur Zellinfektion nutzen wie das Lassa- und das Ebolavirus.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten außerdem zeigen, dass der Unterschied zwischen dem menschlichen LAMP1 und dem von Vögeln in einer einzigen Zuckerverbindung liegt. Diese Struktur kommt bei Menschen und Mäusen vor, fehlt aber bei Vögeln. Mit Hilfe von Kolleginnen und Kollegen aus Harvard und Kiel konnte an Mäusen, denen das LAMP1 Protein fehlte, gezeigt werden, dass diese immun gegen das Lassavirus waren. „Unsere Erkenntnisse zeigen, warum Menschen, aber nicht Vögel mit dem Lassavirus infiziert werden“, fasst Studienleiter Brummelkamp zusammen. „Unsere weiteren Untersuchungen sollen jetzt zeigen, ob der doppelte Rezeptormechanismus auch bei anderen Viren existiert.“ Durch diese Entdeckung sind in der Zukunft auch neue Perspektiven für die Therapie und Prävention dieser Virenerkrankungen denkbar.
Originalpublikation:
Jae, L.T., Raaben, M., Herbert, A.S., Kuehne, A.I., Wirchnianski, A.S., Soh, T.K., Stubbs, S.H., Janssen,H., Damme, M., Saftig, P., Whelan, S.P., Dye, J.M. and Brummelkamp, T.R. (2014): Lassa virus entry requires a trigger-induced receptor switch. Science,
http://dx.doi.org/10.1126/science.1252480

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