Alfred Brehm

Alfred Brehm

Alfred Brehm

Alfred Edmund Brehm (Spitzname: Chalihl Effendi) wuchs in dem thüringischen Dörfchen Unterrenthendorf als Sohn des Pfarrers Christian Ludwig Brehm und dessen zweiter Ehefrau Bertha auf. Christian Ludwig Brehm machte sich als Ornithologe mit Veröffentlichungen und einer umfangreichen Sammlung präparierter Vögel in der Fachwelt einen Namen. Über 9000 tote Vögel boten im Pfarrhaus einen Einblick in die europäische Vogelwelt. Die Forschungen des Vaters weckten zwar früh das Interesse Alfreds für die Zoologie, aber sein Berufswunsch war es, Architekt zu werden.
Im Frühjahr 1844 kam Brehm zu einem Baumeister in Altenburg in die Lehre. Er erlernte bis September 1846 das Maurerhandwerk und absolvierte die Altenburger Kunst- und Handwerksschule. Ende 1846 ging er nach Dresden, um Architektur zu studieren, brach das Studium aber nach zwei Semestern ab, weil der zu seiner Zeit bekannte Vogelkundler Johann Wilhelm von Müller einen Begleiter für eine Afrika-Expedition suchte.

Als Sekretär und Gehilfe des Barons von Müller brach Brehm am 31. Mai 1847 zu einer fünfjährigen Expedition auf, die ihn nach Ägypten, in den Sudan und auf die Sinai-Halbinsel führte; die wissenschaftliche Ausbeute war so bedeutsam, dass er im Alter von nur 20 Jahren mit der Mitgliedschaft der Akademie der Naturforscher (Leopoldina) ausgezeichnet wurde.
Nach seiner Rückkehr begann er 1853 mit dem Studium der Naturwissenschaften an der Universität in Jena. Wie sein Bruder Reinhold wurde er bei dem Corps Saxonia Jena, einer Studentenverbindung aktiv; wegen seiner Forschungsreisen durch Nordafrika erhielt er von seinen Corpsbrüdern den respektvollen Spitznamen „Pharao“. Nach nur vier Semestern schloss er sein Studium 1855 mit der Promotion ab. Mit seinem Bruder Reinhold begab er sich 1856 auf eine zweijährige Spanienreise. Danach ließ er sich in Leipzig als freier Schriftsteller nieder und schrieb zahlreiche populärwissenschaftliche Beiträge für die berühmte Zeitschrift Die Gartenlaube und andere Zeitschriften. Zwischendurch unternahm er 1860 eine Expedition nach Norwegen und Lappland.
1858 wurde Brehm durch die Empfehlung seines Freundes Hans Zille Freimaurer und gehörte der Freimaurerloge Apollo in Leipzig an, die ihn 1873 in den Meistergrad erhob.
Im Mai 1861 heiratete Brehm seine Cousine Mathilde Reiz, mit der er fünf Kinder hatte. Seine Reiselust hielt ihn nicht lange zu Hause. So nahm er 1862 gerne eine Einladung des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha an, ihn auf eine Reise nach Abessinien zu begleiten. Danach ging es noch mehrfach nach Afrika sowie nach Skandinavien und Sibirien.
1863 wurde in Hamburg der Zoologische Garten eröffnet. Brehm war bereits ein Jahr zuvor als der erste Direktor berufen worden. Ende 1866 kam es zu Auseinandersetzungen über die Öffentlichkeitsarbeit, die vom Verwaltungsrat als nicht ausreichend kritisiert wurde. Brehm verließ noch vor Ende 1866 den Posten eines Direktors.
1869 entstand nach seinen Ideen in Berlin Unter den Linden das Berliner Aquarium, das er bis 1878 als Direktor leitete.
In den Jahren 1878 und 1879 unternahm er zwei Reisen nach Ungarn und Spanien auf Einladung von Kronprinz Rudolf von Österreich, der Hobby-Ornithologe war und Brehm bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb.
Seine Aufsätze und Reiseberichte mit Beschreibungen der Tierwelt fanden großen Anklang in weiten Kreisen des Bildungsbürgertums, so dass der Verleger Herrmann Julius Meyer bei ihm ein großes vielbändiges Werk über das Tierreich für das Bibliographische Institut in Hildburghausen bestellte. Als Brehms Tierleben machte es ihn weltweit bekannt. Obwohl Brehms Verhaltensbeschreibungen von Tieren aus heutiger Sicht auch Fehlinterpretationen enthalten, ist sein Werk noch heute ein Begriff. Aus wissenschaftlicher Sicht gab es jedoch bereits in den 1860er-Jahren heftige Angriffe auf Brehm und seine Publikationen, vor allem von dem Eberswalder Zoologen und Forstwissenschaftler Bernard Altum.
Sein Leben war mit schriftstellerischer Arbeit, Forschungs- und Vortragsreisen reichlich ausgefüllt.
Im Winter 1883/84 unternahm Brehm eine Vortragsreise in die USA. Kurz vor seiner Abfahrt erkrankten seine vier bei ihm wohnenden Kinder an Diphtherie. Brehm, der seit 1878 Witwer war, entschloss sich trotzdem zur Reise, da er das Geld für die sonst fällige Vertragsstrafe nicht aufbringen konnte. Ende Januar erreichte ihn dann die Nachricht vom Tod seines jüngsten Sohns. Zum seelischen Schmerz kam die Malaria, an der Alfred Brehm schon in jungen Jahren in Afrika gelitten hatte. Am 11. Mai 1884 kehrte er nach Berlin zurück. Um Ruhe zu finden, zog er im Juli wieder in seine Heimat nach Renthendorf, wo er am 11. November 1884 starb. Dort befindet sich die Brehm-Gedenkstätte.

Brehms Tierleben (1881) bei zeno.org

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