Berliner Zoodirektoren: Katharina Heinroth

Katharina Heinroth

Katharina Heinroth

Katharina Heinroth wurde 1897 als Katharina Berger in Breslau geboren. Sie wuchs mit vier Geschwistern in einem harmonischen Elternhaus auf. Bereits in der familiären Wohnung in Breslau hielt sie in jungen Jahren Teichmolche, Frösche und Weiße Mäuse. Dieses Hobby wurde durch ein westlich von Breslau gelegenes Landhaus begünstigt, das ihr Vater später erwarb. Dort interessierte sie sich für die Entwicklung von Schmetterlingen. „Für mich war Wohnwitz der Beginn meines eigentlichen Lebens, hier fand ich meine Lebensaufgabe und den Sinn meines Daseins.“, so Heinroth in späteren Jahren über den Umzug.
Im Jahr 1916 erwarb Heinroth die Universitätsreife an der Cäcilienschule in Breslau. Auf Wunsch des Vaters absolvierte sie erst ein pädagogisches Studium, ehe sie sich den naturwissenschaftlichen Fächern zuwandte. Sie studierte Zoologie, Botanik, Geographie und Geologie an der Universität Breslau und promovierte 1923 mit summa cum laude über das Hörvermögen von Reptilien. Ihr Doktorvater war Otto Koehler. 1925 ging sie mit ihrem Verlobten Gustav Adolf Rösch nach München, der dort als Notgemeinschaftsassistent für Karl von Frisch arbeitete. Katharina Berger bekam selbst eine Privatassistentenstelle angeboten und beschäftigte sich in den kommenden Jahren intensiv mit der Bienenforschung. 1928 ging sie mit Rösch nach Berlin. Beide heirateten noch im gleichen Jahr. Nach einem kurzen Aufenthalt in Hohenheim trennte sich Katharina Rösch von ihrem Ehemann und ging zunächst nach München. Von hier wechselte sie 1933 nach Halle, wo sie als Sekretärin und Bibliothekarin bei der Leopoldina ihr Geld verdiente und am Abend bis in die späte Nacht an der Universität an Springschwänzen forschte. Noch im selben Jahr wechselte sie nach Berlin, wo sie am 13. Dezember den Ornithologen und Kurator des Aquariums im Berliner Zoo Oskar Heinroth heiratete und dessen Forschungsarbeit unterstützte.
Nach der Flucht von Zoodirektor Lutz Heck und weiteren engen Mitarbeitern am 2. Mai 1945 sowie dem Tod ihres seit Wochen schwerkranken und daher nicht transportfähigen Ehemannes am 31. Mai 1945, wurde Katharina Heinroth wissenschaftliche Leiterin des im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörten Berliner Zoos. Zugleich setzte sie die Arbeit ihres Mannes an einem umfangreichen Werk über die mitteleuropäische Vogelwelt fort. Seit 1953 hatte sie auch einen Lehrauftrag für Allgemeine Zoologie an der TU Berlin. Katharina Heinroth leitete den Berliner Zoo bis zum 1. Januar 1957 und leistete wertvolle Aufbauarbeit. Wiederaufbau von Antilopenhaus und Aquarium sowie die Neubauten Elefantenhaus und Flusspferdhaus (inzwischen abgerissen) stammen aus dieser schwierigen Schaffensperiode. Heinroth war damals die erste und einzige weibliche Zoodirektorin in Deutschland, was ihr den Spitznamen „Katharina die Einzige“ durch den befreundeten Berliner Kollegen Heinrich Dathe einbrachte. Katharina Heinroth war Mitglied des Verbandes Deutscher Zoodirektoren sowie der Internationalen Union von Direktoren Zoologischer Gärten. Auch in letzterer hatte sie lediglich zwei weibliche Kolleginnen.
Ein besonderes Fachgebiet von Katharina Heinroth war die Vergleichende Verhaltensforschung, früher als Tierpsychologie bezeichnet, zu deren Begründern ihr Ehemann Oskar Heinroth gezählt wird. Nach dem Krieg wohnte sie in Berlin W30, Budapester Str. 36 bzw. in Berlin 21, Händelallee 7. Sie starb im Alter von 92 Jahren in Berlin.

Katharina Heinroth

Katharina Heinroth

Katharina Heinroth war Ehrenmitglied des Berliner Tierschutzvereins seit 1949. 1957 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Am 24. Januar 1985 wurde die neue Zooschule des Berliner Zoos als „Katharina-Heinroth-Haus“ eröffnet. Die Universität Bielefeld verlieh ihr am 26. November desselben Jahres die Ehrendoktorwürde. Am 1. Oktober 1987 erhielt sie den Verdienstorden des Landes Berlin.
Die Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin schreibt jährlich den „Katharina-Heinroth-Preis“ für Studierende der drei Berliner Universitäten aus. Der Preis wird vergeben für hervorragende Examensarbeiten (Diplomarbeiten oder experimentelle Staatsexamensarbeiten) oder für bedeutende, von Studierenden selbständig durchgeführte und schriftlich dokumentierte Projekte bzw. Studienjahresarbeiten auf dem Gebiet der biologisch orientierten Naturwissenschaften.

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