Wer hat recht? Zoo oder Tierrechtler?

Artenschutzprojekte (Zoo Augsburg)

Artenschutzprojekte (Zoo Augsburg)

Es ist ein ewiger Kampf. Zoogegner gegen Zoofreunde, Zoodirektoren gegen Tierrechtler. Und die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.
Aber am Anfang werden Behauptungen aufgestellt, die widerlegt werden und die Gegebehauptungen kann man ebenfals widerlegen.
Aber wer hat Recht?
Es ist eine Tatsache, dass Tiere in Zoos gehalten werden und es ist ebenfalls eine Tatsache, dass es Zoos gibt, in denen Tiere leiden müssen.
Und wann immer ein Tier in einem Zoo stirbt, wird das Auslaufen der Zootierhaltung gefordert. Tiere in freier Wildbahn hätten es ja um so vieles besser.
Aber Zoo ist nicht gleich Zoo und so wie sich Zoos unterscheiden so unterscheiden sich die Lebensbedingungen der Wildtiere. Es gibt Gewinner und Verlierer. Verlierer findet man auf der ROTEN LISTE, die Gewinner (u. a.) vor der Haustür.

Es ist eine Tatsache, dass sich Zoos für den Schutz bedrohter Tiere einsetzen und dass es einige Tiere ohne die Bemühungen zoologischer Einrichtungen nicht mehr geben würde. Beispiele dafür sind die Socorrotaube, Davidshirsch oder Säbelantilope (siehe auch hier).

Es ist aber auch eine Tatsache, dass zahlreiche andere Tiere aussterben (betroffen davon sind vor allem Wirbellose und Amphibien) und ein Großteil der in Zoos gezeigten Tiere nicht zu den bedrohten Arten gehören. Viele bedrohte Arten (vor allem kleinere Tiere) findet man in Zoos nicht oder nur in sehr wenigen und ob dadurch eine sich selbst erhaltene Population geschaffen werden kann ist fraglich. Und nicht jede Tierart kann zur Zucht gebracht werden.

Nobby und Nele (Tierpark Hellabrunn)

Nobby und Nele (Tierpark Hellabrunn)

Es ist eine Tatsache, dass manche in Gefangenschaft geborene und lebende Tiere nicht ausgewildert werden können. Dazu gehören vor allem Raubtiere. Bei anderen Tieren (Vögeln, Huftieren) kann das durchaus funktionieren. Aber selbst wenn man bestimmte Tiere nicht wieder auswildern kann, mit den Nachkommen kann man es versuchen. Bei großen Tieren wird das nicht versucht und so süß die kleinen Eisbären in München und Bremerhaven derzeit auch sind, sie werden nie die Freiheit sehen. Ebensowenig Nachkommen seltener Tiger und Löwen und Elefanten. Grund dafür ist meist der Platzmangel. Der Mensch ist überall und überall wo er ist, wird der Freiraum der Tiere begrenzt. Das ist selbst in Deutschland so. Aber das heißt nicht, dass große Säugetiere nicht mehr ausgewildert werden können, bei Nashörnern funktioniert das.

Es ist eine Tatsache, dass Zoos nur einen geringen Bruchteil ihres jährlichen Budgets für Naturschutzprojekte aus. Gleichzeitig erhalten jedoch fast alle Zoos in Deutschland insgesamt mehrere Dutzend Millionen Euro an Subventionen aus städtischen Kassen.

Es ist eine Tatsache, dass Zoos Wissen über Tiere vermitteln. Es gibt Ausnahmen, aber die großen Zoos vermitteln sehr viel Wissen über Tiere. Es ist aber leider eine Tatsache, dass das die meisten Besucher nicht interessiert. Oder wie sind die hier geschilderten Begebenheiten sonst zu erklären. Wissen kann man nicht in die Besucher hineinprügeln.
Wer jedoch Interesse an den Tieren hat, kann viel über Tiere und ihre Lebensräume erfahren. Man muss nur wollen. Und leider ist es eine Tatsache, dass Zoos die Besucher nur dann für Natur- und Artenschutz sensibilisieren können, wenn diese auch wollen und nicht von Spielplatz zu Spielplatz hetzen und auf dem Weg dorthin den eigenem Nachwuchs mit falschen Informationen füttern. Zoos bestehen nun mal nicht ausschließlich aus Gastronomie und Spielplätzen, sondern versuchen einer ernsten Aufgabe nachzukommen.

Zoogegner belegen ihre Tatsachen mit wissenschaftlichen Studien, die man aber widerlegen kann (wie viele Studien…). Zoos belegen ihre Tatsachen ebenfalls mit wissenschaftlichen Studien, die man aber auch widerlegen kann. Und damit wäre man wieder am Anfang: Zoofreund gegen Zoogegner.

In der ganzen Diskussion wird aber jemand vergessen: Das Tier. Der Mensch hat sich die Erde untertan gemacht, und maßt sich an, zu wissen was ein Tier denkt oder fühlt. In gewissem Maße können wir das auch, aber jedes Tier ist anders und auch der Mensch ist nur ein Tier. Ich glaube nicht, dass der Mensch für das (andere) Tier sprechen darf, denn wenn man die Beweggründe hinterfragt bleibt immer nur eins: GELD. Irgendwann landet man immer dort.
Tierrechtsorganisationen und Zoos bitten auf unterschiedliche Art und Weise um Spenden. Wie der Spender mit seinem Geld umzugehen hat, bleibt ihm selbst überlassen, aber die Fragen, die er sich stellen sollte:
Wenn mir das Wohl der Tiere am Herzen liegt, was mache ich mit meinem Geld?
Unterstütze ich einen Zoo damit er größere (Bessere) Anlagen für seine Tiere bauen kann und vielleicht mit einem Bruchteil des Geldes Artenschutzprojekte fördert.
Unterstütze ich eine Tierrechtsorganisation damit sie …. (was auch immer sie mit den Spenden machen …)
Oder spende ich mein Geld gleich an eine Organisation, die sich direkt für das Wohl der Tiere einsetzt (beispielsweise einer Auffangstation für Reptilien, ein Tierheim, die Stiftung Artenschutz…)

Mein ursprünglicher Beitrag sollte ein anderes Thema haben, aber irgendwie habe ich mich gehen lassen. Aber das wollte ich schon immer sagen…

Und manchmal stelle ich mir die Frage, wie unsere Welt ohne Zoos aussehen würde …

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