Wissenswertes über Sauropoden – Einleitung

Alamosaurus sanjuanensis (© N. Tamura)

Alamosaurus sanjuanensis (© N. Tamura)

Die Sauropoden sind eine der artenreichsten und am weitesten verbreitete Gruppe pflanzenfressender Dinosaurier. Ihr Habitus war durch einen tonnenförmigen Rumpf auf vier massiven Beinen, einen langen Hals und Schwanz und einen unverhältnismäßig kleinen Kopf gekennzeichnet. Die Sauropoden als die größten landbewohnenden Tiere der Erdgeschichte gingen mit ihrem Gigantismus bis an die Grenzen des physiologisch und physikalisch Möglichen innerhalb des Bauplans der Landwirbeltiere. In der Tierwelt erreichen nur einige Walarten eine noch größere Körpermasse.
Die Sauropoden erscheinen in der Obertrias vor etwa 228 Millionen Jahren und erreichten während des Oberjura ihren größten Artenreichtum. Vor 66 Millionen Jahren, am Ende der Kreidezeit, starben sie aus, zusammen mit allen anderen Nicht-Vogel-Dinosauriern. Ihre fossilen Überreste finden sich auf allen Kontinenten. Unter den Dinosauriern sind die Sauropoden die zweitartenreichste Gruppe; es werden über hundert Gattungen mit mehr als 150 validen Arten (Stand 2011) unterschieden. Dennoch ist nur von fünf Gattungen ein vollständiges Skelett bekannt, da derart große Körper an Land äußerst selten im Ganzen im Sediment eingebettet wurden.

Sauropoden waren meist sehr große, teils gigantische, sich stets quadruped (vierfüßig) fortbewegende Pflanzenfresser. Der Körperbau war bei allen Vertretern ähnlich und ist durch einen meist extrem langen Hals und Schwanz, einen massigen, tonnenförmigen Körper mit säulenartigen Beinen sowie einen proportional sehr kleinen Kopf gekennzeichnet. Ihre Größe reicht von sechs Metern Länge bei der in Deutschland entdeckten Inselform Europasaurus bis zu über 30 Metern Länge und vermutlich über 70 Tonnen Gewicht bei Riesenformen wie Argentinosaurus, deren tatsächliche Größe sich jedoch – aufgrund der meist nur fragmentarischen Funde – nur schätzen lässt.
Etwas ältere Abbildungen zeigen Sauropoden, wie sie ihre langen Hälse ähnlich einer Giraffe zum Abweiden von Bäumen fast senkrecht in die Höhe strecken und den Schwanz hinter sich herschleifen. Heute wird davon ausgegangen, dass die meisten Sauropoden den Hals waagerecht über den Boden hielten. Inwieweit der Hals seitlich und vertikal bewegbar war, hängt jedoch von den einzelnen Gattungen und ihrer Wirbelbeschaffenheit ab. Das fast völlige Fehlen von Schwanzabdrücken in fossilen Fährten lässt darauf schließen, dass der Schwanz stets über dem Boden gehalten wurde.

Das auffälligste Merkmal nahezu aller Sauropoden war ihre enorme Größe, die sich bereits bei den frühesten Sauropoden in der späten Trias zeigte. Die größten Sauropoden, von denen fast vollständiges Skelettmaterial bekannt ist, sind Diplodocus mit einer gesicherten Länge von 27 Meter und der kürzere, aber massigere Brachiosaurus mit 22 Meter Länge. Hinweise auf noch größere Arten finden sich in verschiedenen Abstammungslinien; die tatsächliche Größe lässt sich jedoch aufgrund der meist fragmentarischen Überreste nur schätzen. Die Ermittlung des Gewichts ist besonders schwierig und führte zu vielen Diskussionen – so wurde Brachiosaurus in einer Studie von Colbert (1962) auf 80 Tonnen geschätzt, wobei eine Studie von Béland und Russel (1980) auf lediglich 15 Tonnen kam.Heute wird für Brachiosaurus ein Gewicht von 30 Tonnen angegeben.
Zu den besonders großen Sauropoden zählt unter anderen der zu den Diplodociden gehörende Supersaurus, der schätzungsweise 33–34 Meter lang und 35–40 Tonnen schwer wurde. Seismosaurus, der in den Populärmedien oft als „der längste Dinosaurier“ mit einer Länge von über 50 Metern gehandelt wird, gilt heute als juveniles Synonym mit Diplodocus und erreichte nach neueren Forschungsergebnissen wohl etwa 30 Meter Länge. Wesentlich massiger war der argentinische Titanosaurier Argentinosaurus, welcher auf eine Länge von 30 Metern und ein Gewicht von 73 Tonnen geschätzt wurde. Der Brachiosauride Sauroposeidon soll schätzungsweise 32 Meter lang geworden sein, ist jedoch nur durch wenige Halswirbel bekannt. Mysteriös ist Amphicoelias fragillimus, der im Jahr 1878 von Cope anhand eines riesigen, unvollständigen Rückenwirbels beschrieben wurde. Kurz nach seiner Beschreibung scheint der Wirbel jedoch verloren gegangen zu sein; die Beschreibung lässt allerdings auf einen Diplodociden schließen, der – hätte er den gleichen Körperbau wie Diplodocus gehabt – 58 Meter lang und über 9 Meter hoch gewesen wäre.

Apatosaurus (Dmitry Bogdanov)

Apatosaurus (Dmitry Bogdanov)

Die Frage, warum Sauropoden so groß wurden, kann noch nicht zweifelsfrei beantwortet werden. Vorteile einer derartigen Größe könnte die Erschließung weiterer Nahrungsquellen sein, die für kleinere Herbivoren nicht erreichbar wären, sowie der Schutz vor Räubern. Einige Forscher vermuten, dass durch ein größeres Körpervolumen die Effizienz der Verdauung steigt, besonders bei nährstoffarmen Pflanzen. So hat ein größerer Körper naturgemäß einen längeren Verdauungstrakt, wodurch die Nahrung länger im Körper verweilt. Dies erlaubt heutigen Großtieren wie Elefanten, Nashörnern oder Flusspferden das Überleben mit energiearmen Nahrungsquellen, besonders in Verbindung mit Fermentation im Dickdarm oder in speziellen Kammern. Sauropoden könnten auf diese Weise Dürreperioden überdauert haben.

Sauropoden gehören zu den in der Populärkultur am häufigsten dargestellten Dinosauriern und treten in vielen Dokumentations- und Spielfilmen auf. Die Sauropoden Brachiosaurus, Diplodocus und Apatosaurus (früher Brontosaurus) gehören zu den populärsten Dinosauriern überhaupt.
Sogar Godzilla könnte sich aus einem Apatosaurier entwickelt haben, der zuviel radioaktive Strahlung abbekommen hat.

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