Zooticker

09.07.2014, VdZ e. V.
Von Inzestzucht und Zombies im Zoo
Neues vom Internetauftritt des Verbandes der Zoologischen Gärten
„Inzestzucht“, womit das Verpaaren nächster Blutsverwandter gemeint ist, gehört zu den Lieblingsvokabeln der Zookritiker, wenn sie die Erhaltungszucht in Zoologischen Gärten diskreditieren wollen. In der Haus- und Heimtierzucht wird diese Verpaarungsmethode angewandt, um reine Linien herauszuzüchten. Bei Wildtieren ist sie eigentlich unerwünscht und wird von den Zuchtkoordinatoren möglichst vermieden. Sie kommt aber zwangsläufig dann zum Zug, wenn die Gründerpopulation sehr klein ist. Dass dies nicht die katastrophalen Auswirkungen haben muss, wie sie von den selbsternannten Experten aus der Tierrechtsszene immer wieder beschworen werden, geht aus einer Meldung des Tiergartens Nürnberg hervor, die nun mit etwa 30 anderen des Monats Juni unter Pressemitteilungen veröffentlicht worden ist.
In Zusammenhang mit der Überstellung eines Mishmi-Takin-Zuchtbullen (Takine sind „Rindergemsen“) verweist der Tiergarten darauf, dass alle Mishmi-Takine in europäischen Zoos auf nur drei Stammeltern zurückgehen: ein Paar, das Mitte der 1970er-Jahre aus Rangun, Myanmar, in den Tierpark Berlin kam sowie auf einen Bullen, der 1999 von derselben Quelle importiert wurde. Aus diesen drei Gründertieren konnte in Europa ein Bestand von 118 Takinen aufgebaut werden, die zwar „inzestgezüchtet“, aber trotzdem kerngesund sind. Diese Zoopopulation ist umso wichtiger, als der Bestand im Freiland auf nur noch 3’500 Tiere geschätzt wird und laufend abnimmt.
Dass solche, von sehr kleinen Gründerpopulation abstammenden Tiere keine „Zombies“ sind, wie die Zoogegner oft behaupten, und dass sie nicht nur in den Zoos erhalten, sondern mit Erfolg wieder im Freiland angesiedelt werden können, belegt die neue Zusammenstellung Gründerpopulationen und heutiger Bestand in der Abteilung „Umwelt-, Natur- und Artenschutz“), in der detaillierte Angaben zu den Zeitpunkten der Entnahme der Gründertiere aus der Natur, der Größe der effektiven Gründerpopulationen und den heutigen Beständen gemacht werden.
Unter den soeben veröffentlichten Pressemitteilungen finden sich nicht nur solche, die erfreuliche Zuchterfolge, allen voran das erste in Deutschland geborene Walross im Tierpark Hagenbeck, Neuanschaffungen, wie die Afrikanischen Marabus im Zoo Frankfurt, oder den unerwarteten Tod eines Gorilla-Jungtiers im Zoo Leipzig betreffen, etliche berichten auch von eben eröffneten oder geplanten Neuanlagen, was belegt, dass die Weiterentwicklung der Zoos – nicht in dem von den Zoogegnern angestrebten Sinn – zügig voranschreitet.
Absolute Spitze ist diesbezüglich der Zoo Zürich, der seinen neu eröffneten, 10’000 Quadratmeter großen und 47 Millionen EURO teuren Kaeng Krachan-Elefantenpark ohne staatliche Hilfe, ausschließlich durch Spenden finanziert hat. Erfreulicherweise wurde hier kurz nach der Eröffnung Elefantenkalb Nummer 9 des Zoos geboren. Die Anlage soll u.a. dazu dienen, Mittel für den Schutz der letzten wilden Elefanten in Thailand zu generieren.
Nach fast zweijähriger Bauzeit konnten im Zoo Wuppertal die Zwergschimpansen ihre neue Außenanlage beziehen, ein naturnah gestaltetes Gehege mit bis zu 11m Höhe und über 300 m2 Grundfläche, für dessen Erstellung ein Betrag von 1’100’000 € erforderlich war. Das Gehege wird im Wechsel auch von den beiden alten Schimpansen genutzt werden. Ebenfalls fertig gestellt wurde die erste Phase des Umbaus der Bären-/ Wolfsanlage (110’000 EURO), bei der die Fläche für die Wölfe von rund 320 Quadratmetern auf etwa 2’100 Quadratmeter vergrößert wird.
Am 5. Juni konnte der Zoo Neunkirchen den ersten Bauabschnitt der neuen Raubtieranlagen eröffnen, in dessen Kosten von 1.68 Millionen EURO sich Stadt, Land und die gemeinnützige Zoo-GmbH geteilt hatten. Auf einer Fläche von über 6’000 Quadratmetern bietet die Anlage Platz für Bären, Schneeleoparden und Asiatische Wildhunde.
Im Zoo Saarbrücken haben sich die Gorillas in ihrem am 19. Mai eingeweihten, 1’400 Quadratmeter großen, mit einem Aufwand von 1.4 Millionen EURO errichteten, neuen Freigehege gut eingelebt. Die zeitgleichen Investitionen in den beiden Saarländer Zoos machen es wenig wahrscheinlich, dass einer von Ihnen geschlossen wird, wie dies manche Leute periodisch fordern.
Im Zoo Osnabrück werden gegenwärtig die beiden Sumatratiger – Bestand im Freiland noch etwa 350 Tiere – in der 1’280 Quadratmeter großen und mit einem Aufwand von rund einer Million EURO erstellten Außenanlage des „Tiger-Tempelgarten“ zusammengewöhnt. Gegenwärtig läuft in Osnabrück auch eine Spendenaktion, um den 1.6 Millionen EURO teuren Umbau der Anlagen für die Orang-Utans zu finanzieren.
Der Zoo Neuwied hat mit Bauarbeiten im Hinblick auf den Ersatz des alten Affenhauses und der Huftierstallungen begonnen, die nach über 50 Jahren intensiver Nutzung marode sind. Die Neubaukosten wurden mit 3.2 Millionen EURO veranschlagt.
Der Zoo Frankfurt will für seine neu angekommenen Marabus zusätzlich eine übernetzte Außenanlage bauen, welche die für die Vögel nutzbare Fläche um mehr als das Doppelte vergrößern wird.
Andere Bereiche der Zoo-Aktivitäten werden vom Zoo Heidelberg angesprochen, dessen Forschungsarbeiten zur Vermeidung von Malaria-Erkrankungen bei Vögeln beigetragen haben, und der im Rahmen der „Pole to Pole“-Kampagne des Europäischen Zoos und Aquarien-Verbandes die Besucher für Probleme des Klimawandels sensibilisiert, von der Wilhelma Stuttgart, die wiederum von frei fliegenden Störchen als Brutort ausgewählt worden ist, und vom Tiergarten Schönbrunn, der einmal mehr vier junge Habichtskäuze an ein Wiederansiedlungsprojekt gegeben hat.
Ferner teilen die Zoos von Hannover, Leipzig und Wuppertal mit, dass sie von TripAdvisor mit dem Exzellenz-Zertifikat ausgezeichnet worden sind, und der Tierpark Nordhorn freut sich darüber, dass er bereits am 2. Juni die Hälfte des angestrebten Jahresziels von 300’000 Besuchern erreicht hatte.
Schließlich repliziert der Verband der Zoologischen Gärten unter „Nachrichten“ mit einem Artikel „Zukunft liegt in der Arterhaltung“ auf nicht fundierte Anwürfe aus der Tierrechtsszene, die einmal mehr ihren Platz in der Tagespresse gefunden haben, ohne hinterfragt zu werden. Was ihren Wahrheitsgehalt auch nicht größer macht.

10.07.2014, Tiergarten Worms
Bauernhof im Tiergarten wird ausgezeichnet
Der Bauernhof ist am Mittwoch, dem 9. Juli, mit der Arche-Plakette aufgezeichnet worden. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) kümmert sich um Nutztierrassen, die vom Aussterben bedroht sind. Der Bauernhof des Tiergartens erfüllt alle Anforderungen dieser Gesellschaft und ist als besonders vorbildlicher Betrieb von Dr. Herbert Reuter ausdrücklich gelobt worden.
Voraussetzungen für die Ernennung als ein solcher Arche-Hof sind eine artgemäße Haltung und Fütterung aller Tiere. Außerdem müssen sämtliche auf dem Hof gehaltenen Zuchttiere gefährdeter Rassen eindeutig individuell identifizierbar sein. Ein Schwerpunkt des Tiergartens ist der Bauernhof mit seinen seltenen Haustierrassen. Neben den Glanrindern und den Bunten Bentheimer Landschweinen sind die Thüringer Waldziegen und das beeindruckende Pfalz-Ardenner-Kaltblut zu finden.
Reviertierleiterin Suzanne Demmer, die auch den Antrag gestellt hat, freut sich ganz besonders, dass der Einsatz und das Engagement des ganzen Teams des Tiergartens jetzt diese Würdigung erfahren hat. Auch Achim Herb vom Freundeskreis ist stolz auf diese Auszeichnung, ist sie doch eine Bestätigung für all die Anstrengungen die der Freundeskreis in den vergangenen Jahren unternommen hat, um den Bauernhof weiter zu entwickeln und auch finanziell zu unterstützen.

10.07.2014, Alternativer Bärenpark Worbis
Daggi im Bärenpark Worbis angekommen
Die Odyssee von Daggi und ihr tristes Schicksal als Zirkusbär haben ein glückliches Ende gefunden. Nach einer behutsamen Eingewöhnungsphase wird sie ihr neues Bärenparadies erkunden können.
Wer möchte der erste Pate von Daggi sein?
Bei strömenden Regen ist gestern Mittwochabend die Bärin Daggi mit dem Betreuungsteam von Holland her wohlbehalten im Bärenpark Worbis angekommen. Zufrieden und erleichtert erklärte Geschäftsführer Rüdiger Schmiedel vor den sofort herbeigeeilten Medienleuten, dass die ganze Aktion gut über die Bühne ging. Nachdem sich Daggi zunächst über den üppigen Willkommensapéro aus frischem Obst und Gemüse hergemacht hatte, schlummerte sie um 19.30 Uhr müde ein. Es war doch ein aufregender Tag und wahrscheinlich hatte sie auch noch etwas einen Brummschädel von der Narkose her. Ob sie wohl bereits von ihrem neuen Bärenparadies träumte?
Noch muss die ehemalige Zirkusbärin einige Zeit in der Quarantänestation verbringen und sich erst einmal an die neue Umgebung gewöhnen, bevor sie dann behutsam die anderen Mitbewohner des Bärenparks kennenlernen darf. Dann steht einem unbeschwerten Bärenleben in einem naturnahen Umfeld nichts mehr im Wege. Daggi muss nie mehr in den engen, montonen Zirkuswagen zurück!
Vorerst sind einfach einmal alle glücklich, dass alles wie geplant geklappt hat. Allerdings war die aufwendige Rettungsaktion auch kostspielig. Wir sind deshalb froh um jede Spende. Natürlich braucht Daggi auch möglichst viele Patenschaften, um ihren Aufenthalt im Bärenpark zu ermöglichen. Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung!
Spendenkonto:
Bankleitzahl/Kontonummer
243 743 00 260 612 91 Volksbank Mitte eG
IBAN BIC/SWIFT
DE98 2606 1291 0024 3743 00 GENODEF1DUD

10.07.2014, Haus des Meeres Wien
Seltener Zuchterfolg: Piranhas im HdM
Piranhas gelten trotz zahlreicher aufklärender Fernsehdokumentationen und sachlicher Informationsarbeit fälschlicherweise immer noch als brutale Killerfische. Daher ist es für viele Leute verwunderlich und überraschend, dass sie im Gegensatz zu ihrem Ruf aufopfernde und liebevolle Eltern sind, die zur Brutzeit Bereiche von Wasserpflanzen befreien und damit Laichstellen für ihren Nachwuchs anlegen. Die Gelege selbst, die schon mal ein paar tausend Eier umfassen können, werden dann vom Vater bis zum Schlupf vehement verteidigt.
Nachzuchten bei Piranhas sind eher selten. Bei uns im Haus des Meeres ist das Brutpflegeverhalten der Piranhas des Öfteren, auch von mehreren Paaren gleichzeitig, zu beobachten. Beim letzten Ablaichen gelang es uns schließlich, einige Eier aus einem kaum zu erkennenden Gelege abzusaugen und zu erbrüten. Mittlerweile sind die Jungfische bereits richtige Halbstarke, knapp 2cm lang und sehen schon wie kleine Piranhas aus – und sie benehmen sich ihren Artgenossen gegenüber auch ein wenig ruppig! Da wird schon mal hin gebissen oder der Unterlegene gejagt.
Piranhas erfüllen im Ökosystem eines südamerikanischen Flusses die Funktion eines Raubfisches, der sich von anderen, hauptsächlich kranken und geschwächten Tieren, in erster Linie Fischen, ernährt. Vermutlich gibt es wohl kaum ängstlichere Fische als Piranhas. Unsere Pfleger müssen beim Scheiben reinigen sogar regelmäßig aufpassen, dass sie sich dabei nicht zu schnell bewegen, die Tiere nicht in Panik geraten und sich bei einem unkontrollierten Davonschwimmen nicht den Kopf stoßen. Von Aggressionsverhalten oder Attacken auf Finger oder Hände kann absolut keine Rede sein.
Nichtsdestotrotz sind Piranhas aber Raubfische, die mit einem scharfen Gebiss ausgestattet sind und auch untereinander einen sehr rauen Umgangston pflegen, bei dem schon mal Bisswunden oder Flossenverletzungen vorkommen können. Das einzige, was Jung und Alt unterscheidet ist, dass der Nachwuchs sehr wohl auf die Finger zu schwimmt. Allerdings nicht um zu beißen, sondern um daraus Futter zu entnehmen. Piranhas, die Futter aus der Hand nehmen – klingt das nicht verrückt?
Einige von unseren Nachwuchspiranhas können jetzt gerade – rechtzeitig zu Ferienbeginn – in einem Einhängeaquarium im eigentlichen Piranha-Aquarium im 2. Stock beobachtet werden. Ob deren Eltern wohl ab und zu stolz zu ihrem Nachwuchs hineinblicken? Oder voll Neid, weil sie den Großen die Show stehlen? Machen Sie sich selbst ein Urteil…

Der nächste Tag der offenen Tür im Raubtierasyl Ansbach ist am Sonntag, 03. August 2014 zwischen 13.00 und 17.00 Uhr.

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