Die Unterarten des Tigers

Amurtiger (Zoo Hodonin)

Amurtiger (Zoo Hodonin)

Man unterscheidet neun Unterarten des Tigers, von denen drei bereits ausgestorben sind. Der Unterartstatus des Malaiischen Tigers ist umstritten; in der folgenden Aufstellung wird er als eigenständige Unterart geführt. Genetische Analysen sprechen für die Unterteilung der noch lebenden Formen gemäß dem hier dargestellten Schema in sechs verschiedene Unterarten. Dabei scheinen sich die Unterarten des asiatischen Festlands relativ wenig voneinander zu unterscheiden, während relativ große genetische Differenzen zu den Tigern der Insel Sumatra bestehen. Die Tiger der Insel Sumatra wurden vermutlich vor 6.000 bis 12.000 Jahren von denen des Festlands getrennt, als der Meeresspiegel am Ende der letzten Kaltzeit anstieg und die ehemalige Landbrücke versank. Insbesondere die Unterschiede zwischen dem ausgestorbenen Kaspischen Tiger und dem Amurtiger sind so gering, dass beide möglicherweise zu einer Unterart zusammengefasst werden können.

Der Amurtiger, die größte Unterart des Tigers, war einst weit über das östliche Sibirien, die Mandschurei und Korea verbreitet. Das Fell ist relativ hell und besonders lang und dicht. Durch massive Nachstellung wurde der Bestand zwischenzeitlich auf etwa 30 Tiere im chinesisch-russischen und chinesisch-koreanischen Grenzgebiet reduziert; dieser Bestand ist inzwischen wieder auf etwa 350 bis 400 Individuen angewachsen, aber immer noch stark gefährdet.
Der Südchinesische Tiger ist etwas kleiner als Bengal- oder Indochinatiger, die Färbung ist intensiver, der Weißanteil kleiner. Die Streifen sind meist sehr dunkel und relativ weit voneinander entfernt. Einst in großen Teilen Chinas verbreitet vom 38. bis 40.° nördlicher Breite an südwärts bis in die nördlichen Grenzgebiete von Yunnan, Guangxi und Guangdong. Heute leben, wenn überhaupt, noch einige Exemplare in den Bergen von Guangdong. Diese möglichen Restbestände dürften kaum realistische Überlebenschancen haben, selbst wenn Schutzmaßnahmen greifen, da eine so kleine Population kaum überlebensfähig ist. Die Population in Zoos und somit ein Zuchtprogramm wurde erst spät aufgebaut und beschränkt sich fast ausschließlich auf chinesische Zoos. Die Zoopopulation stieg allerdings zwischen 2005 und 2007 von 57 auf 72 Tiere an. Wiederansiedlungen mit zoogeborenen Tieren sind geplant. Die Stiftung Save Chinas Tigers bemüht sich um Nachzucht und Jagdgewöhnung Südchinesischer Tiger außerhalb Chinas in einem Reservat in Südafrika, um diese später wieder in ihrem ursprünglichen Habitat auszuwildern.
Der Bengaltiger ist die zweitgrößte Unterart. Fellfärbung insgesamt relativ variabel, aber meist dunkler als beim Amurtiger und heller als bei den südöstlichen Unterarten. Die Streifen sind meist sehr dunkel. Ursprünglich vom Industiefland in Pakistan über den indischen Subkontinent bis Bengalen, Assam und in die Nordwestteile Myanmars verbreitet. Dabei bestehen gewisse genetische Differenzen innerhalb der Unterart, insbesondere die Tiger des Nordens unterscheiden sich von anderen Bengaltigern. Auch die Bengaltiger am Westende des Unterartgebietes zeigen moderate genetische Eigenheiten. Vor allem glichen die Tiere des Sariska-Nationalparks, wo Tiger im Jahr 2004 ausgestorben sind, genetisch sehr stark jenen aus dem benachbarten Ranthambhore-Nationalpark. Dies macht die Tiger aus Ranthambore zu den besten Kandidaten für eine mögliche zukünftige Auswilderung in Sariska. Heute kommt der Bengaltiger noch in isolierten Restbeständen in Indien, in Bangladesch, Teilen Bhutans und Nepals sowie im Westen Myanmars vor. Man geht heute von weniger als 2500 wildlebenden Bengaltigern aus, von denen der mit Abstand größte Teil, etwa 1400 (Stand 2008), in Indien lebt. Die deutlich höheren Populationszahlen der Zählungen der Jahre 2001 bis 2002 können aufgrund der unterschiedlichen Methoden nicht direkt verglichen werden. Die jüngeren Ergebnisse gelten aber als zuverlässiger. Der Bengaltiger gilt als bedroht, ist jedoch weniger gefährdet als die anderen Unterarten; Artenschützer warnten wiederholt vor dem drohenden Aussterben des Indischen Tigers in Indien und den benachbarten Staaten. Trotz eines internationalen Verbots betreiben kriminelle Organisationen einen schwunghaften Handel mit Tigerfellen.
Der Indochinesischer Tiger ist etwas kleiner als der Bengaltiger, Grundfärbung etwas dunkler, die meist sehr dunklen Streifen gehen häufig in Flecken über. Die Unterart ist auf dem Festland Südostasiens verbreitet, wo sie von den chinesischen Provinzen Yunnan, Guangxi und Guangdong sowie Nordmyanmar südwärts bis zur Halbinsel von Malakka vorkommt. Es gibt vermutlich nur noch 350 Exemplare, die unter anderem in Kambodscha, Thailand, Myanmar, Laos und in geringer Zahl in Vietnam überlebt haben. Die Population der Malaiischen Halbinsel stellt möglicherweise eine eigene Subspezies dar und wird separat als Malaiischer Tiger aufgeführt.

Malaiischer Tiger (Tierpark Berlin)

Malaiischer Tiger (Tierpark Berlin)

Der Malaiischer Tiger ist auf der Malaiischen Halbinsel verbreitet und ebenfalls stark bedroht. Es bestehen genetische Unterschiede zwischen den Populationen der Malaiischen Halbinsel und den nördlicheren Populationen, doch scheinen keine Unterschiede im Fellmuster oder Schädelbau zu bestehen. Auch gehen die Bestände nach Norden fließend in die des Indochinatigers über.
Der Sumatratiger ist die kleinste noch lebende, kontrastreich gefärbte Unterart, die Streifen zerfallen häufig zu Flecken. Auffällig ist der lange Backenbart der Männchen. Als einzige Insel-Unterart konnte der Sumatratiger bis heute überleben. Die IUCN listet die Unterart als „vom Aussterben bedroht“.
Der Javatiger ist kleiner als der Sumatratiger und ähnlich dunkel gefärbt. Streifen sehr eng und zahlreich. Einst auf Java, der am dichtesten bevölkerten Insel Indonesiens, verbreitet, wurde diese Unterart zuletzt in den 1970er Jahren nachgewiesen und gilt als ausgestorben.
Der Balitiger ist die kleinste Unterart. Noch dunkler gefärbt als Sumatratiger und die meisten Javatiger. Streifenmuster eher breit und dem des Sumatratigers ähnlicher als dem des Javatigers. Häufig Linien dunkler Flecken zwischen den Streifen. Ursprünglich endemisch auf Bali, wurde die Unterart durch exzessive Jagd und Habitatzerstörung in den 1940ern ausgerottet.
Der ebenfalls ausgestorbene Kaspische Tiger unterscheidet sich vor allem durch die meist vielen, schmalen Streifen vom Amurtiger. Die Streifen waren in der Regel recht hell, das Fell relativ lang. Neuere molekularbiologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Unterart mit dem Sibirischen Tiger identisch ist und das Verbreitungsgebiet der beiden Populationen möglicherweise erst durch den Menschen getrennt wurde.

Weißer Tiger (Zoo Aschersleben)

Weißer Tiger (Zoo Aschersleben)

Bei den in Zoos vorkommenden Weißen oder Goldenen Tigern handelt es sich um keine eigenständigen Unterarten. In freier Wildbahn kommen Weiße Tiger sehr selten bei Bengaltigern vor. Alle in Gefangenschaft lebenden Weißen Tiger gehen auf Tigerkater „Mohan“ zurück, der 1951 als Jungtier während einer Jagd von Martand Singh, dem Maharaja von Rewa, im Dschungel von Bandhavgarh entdeckt wurde. Singh hielt das Tier zwar in einem goldenen Käfig, gab ihm aber seit Erreichung der Geschlechtsreife stets Gelegenheit sich fortzupflanzen. Alle gezüchteten Weißen Tiger, die seitdem in Zoos der USA, später von Zirkussen und Schaustellern weitergezüchtet wurden, sind Nachkommen von Mohan und einer seiner Töchter, deren Wurf der erste mit Weißen Tigern war. Die heute unter dem Namen „Weißer Tiger“ (weiß mit schwarzen Streifen), „Schneetiger“ (ganz weiß), „Goldener Tiger“ (gelb mit blassen Streifen) usw. bekannten Show-Tiere sind durch Inzucht gezüchtete Farbformen, in die teilweise Sibirische Tiger eingekreuzt wurden.

Im Laufe der Geschichte kam es in Menagerien, Zoos und Zirkussen immer wieder, teils durch Zufall, zuweilen aber auch gezielt, zur Hybridisierung von Tigern mit anderen Raubkatzen. Am verbreitetsten waren und sind Kreuzungen zwischen Löwen und Tigern. Wie der Nachwuchs einer solchen Kreuzung aussieht, hängt nicht zuletzt von der Kombination der Eltern ab. Wenn ein weiblicher Tiger und ein männlicher Löwe Nachwuchs haben, entstehen sogenannte Liger, ist der Vater ein Tiger und die Mutter eine Löwin, nennt man die Nachkommen Tigon oder Töwe. Die Bastarde zwischen Tigern und Löwen sind in der Färbung und im allgemeinen Körperbau sehr variabel. Dabei zeigen die Grundfarbe, das Streifen- beziehungsweise Fleckenmuster sowie die Ausprägung der Mähne eine intermediäre Ausprägung, wobei Elemente beider Elternarten kombiniert werden.
Liger haben eine helle Grundfarbe, die ähnlich der von Löwen ist, zusätzlich aber noch helle, teilweise in Flecken aufgelöste Streifen. Tigone gleichen offenbar stärker als Liger dem Löwen. Auch tragen männliche Tigone meist eine Mähne, die jedoch kleiner bleibt als die typischer Zoolöwen. Männliche Liger bilden zuweilen auch eine leichte Mähne aus. Die Hybriden sind in der Regel recht groß, teilweise sogar größer als beide Elternarten. Dies wird auf einen Heterosiseffekt zurückgeführt. Männliche Hybriden sind meist steril, auf die Weibchen trifft dies nur bedingt zu. Beispielsweise wurde im Jahr 1943 ein Ligerweibchen erfolgreich mit einem Löwen verpaart. Darüber hinaus existieren Berichte über Tiger-Leopard-Hybriden. Diese sind jedoch nicht zu bestätigen, und lediglich ein Fall einer Paarung zwischen Tiger und Leopard ist bekannt. Die Jungen starben jedoch bereits in einem frühen Stadium der Embryonalentwicklung.
Auch Tiger der diversen Unterarten wurden in Gefangenschaft wiederholt verpaart. Einer 2008 in Current Biology publizierten Studie zufolge erwiesen sich jedoch 49 von 105 probeweise getesteten Tigern aus fünf Unterarten anhand von DNA-Analysen als genau einer Unterart zugehörig, also nicht als Hybride. Daraus leiteten die Forscher gute Chancen auf eine Bestandserhaltung der reinen Unterarten zumindest in Gefangenschaft ab, falls sich ihr Überleben in den Schutzgebieten als unmöglich erweisen sollte.

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