Wissenswertes über Sauropoden – Forschungsgeschichte

Cetiosaurus oxoniensis (© N. Tamura)

Cetiosaurus oxoniensis (© N. Tamura)

Die ersten wissenschaftlich untersuchten Sauropodenknochen wurden in England entdeckt. Bereits im Jahr 1825 meldete John Kingston fragmentarische Beinknochen aus dem mittleren Jura, weitere Riesenknochen aus jurassischen Gesteinen wurden innerhalb der nächsten 16 Jahre entdeckt. Der spätere Erstbeschreiber der Dinosauria Richard Owen, gab unwissentlich dem ersten Sauropodenfossil einen wissenschaftlichen Namen; er nannte einen Zahn Cardiodon, obwohl er nicht wusste, zu welchem Tier dieser gehörte.
In seiner 1842 veröffentlichten Studie über fossile Reptilien aus England beschrieb Owen unter anderem die bisher gefundenen und später zu den Sauropoden gestellten Riesenknochen. Er meinte, sie gehörten zu einem großen Tier und könnten keiner bekannten Form zugeordnet werden, hätten gleichwohl den Walen, eine schwammige Knochenstruktur. Auf dieser Feststellung basierend nannte er das unbekannte Tier Cetiosaurus, was soviel wie „Walechse“ bedeutet. Er ging von einem großen, marinen Krokodil aus. 1860 erstellte Owen eine neue Unterordnung der Krokodile, die Opisthocaudia, wo er Cetiosaurus und Streptospondylus (später als Theropode neubeschrieben) einordnete.

Zwar wurden in den 30 Jahren nach der Beschreibung von Cetiosaurus verschiedene fragmentarische Funde beschrieben (zum Beispiel Pelorosaurus und Aepisaurus), diese gelten jedoch als ungültig oder dubios. Ein erstes Bild von der wahren Natur der Sauropoden konnte man sich erst nach der Entdeckung eines teilweise erhaltenen, jedoch schädellosen, Cetiosaurus-Skelettes machen. Dieses wurde in einem Steinbruch bei Gibraltar nahe Oxford geborgen und in dem 1871 veröffentlichten Buch „The Geology of Oxford“ von John Phillips detailliert beschrieben. Phillips vermutete, dass die Knochen von einem großen, landlebenden Dinosaurier stammen. Er entdeckte, dass die Beine nicht so abgespreizt stehen konnten wie bei Krokodilen, sondern gerader unter den Körper standen. Auch schloss er erstmals aus dem einzigen erhalten gebliebenen Zahn, dass es sich um einen Herbivoren handeln musste.

Zwischen 1870 und 1890 wurden weitere für das Verständnis der Sauropoden-Anatomie wichtige Funde gemacht; im Jahr 1877 wurde mit dem indischen Titanosaurus (Lydekker) der erste Sauropode aus einem südlichen Kontinent beschrieben.

Bereits 1856 wurden zwei Zähne aus Maryland als Astrodon beschrieben, der erste Nachweis eines Sauropoden aus Nordamerika. Ab 1877 setzte eine Flut von neuen Entdeckungen aus der spätjurassischen Morrison-Formation ein. Die beiden Rivalen E. D. Cope und O. C. Marsh beschrieben in ihren sogenannten „Knochenkriegen“ eine gewaltige Menge an Material (besonders aus Garden Park, Morrison und Como Bluff), mit dem Ziel, den anderen mit allen Mitteln zu überbieten. Dieser Konkurrenzkampf führte zwar zu insgesamt 142 neuen Dinosaurierarten, die Veröffentlichungen waren jedoch oft nur sehr kurz und in vielen Fällen war das zugrundeliegende Material zum Großteil noch nicht vom umliegenden Gestein befreit. Dies führte nicht zuletzt zu vielen Synonymen (Doppelbenennungen für dasselbe Tier).

Othniel Charles Marsh

Othniel Charles Marsh

Die bedeutendsten Beiträge in Bezug auf Sauropoden kamen zu dieser Zeit von Marsh. Im Jahr 1878 stellte er die Gruppe Sauropoda auf und beschrieb zehn Merkmale, welche das neue Taxon charakterisieren. 1879 beschrieb er erstmals einen teilweise erhaltenen Schädel und nannte das Tier „Morosaurus“ („dumme Echse“), aufgrund der im Vergleich zum restlichen Körper winzigen Größe des Schädels. Morosaurus wurde später jedoch als ein Synonym mit dem von Cope beschriebenen Camarasaurus erkannt; da letzterer vor Morosaurus beschrieben wurde, ist Camarasaurus der heute gültige Name. 1883 beschrieb Marsh ein fast vollständiges Skelett als „Brontosaurus“ excelsus und veröffentlichte erstmals eine vollständige Rekonstruktion. Allerdings wurde auch Brontosaurus später als ein Synonym mit Apatosaurus (Marsh, 1877) erkannt, weshalb Brontosaurus heute als ungültig gilt. 1884 beschrieb Marsh die Gattung Diplodocus und damit den ersten vollständigen, verbundenen Sauropodenschädel.

Um die Jahrhundertwende gab es bedeutende Entdeckungen aus Como Bluff und dem nahegelegenen Bone Cabin Quarry, zwei Dinosaurierfriedhöfen aus Wyoming. Alleine aus Bone Cabin Quarry wurden hunderte Funde gemacht, darunter viele verbundene Gliedmaßen-Knochen von Sauropoden. Die Funde führten unter anderem zu detaillierten Beschreibungen von Diplodocus (Hatcher, 1901), Apatosaurus (Hatcher, 1902) und Haplocanthosaurus (Hatcher, 1903). Abgüsse eines Skeletts von Diplodocus wurden an Museen auf der ganzen Welt versandt.

Earl Douglass entdeckte 1909 den größten Fundort für Sauropoden-Knochen, das Dinosaur National Monument in Utah. Hier kamen neun komplette oder fast komplette Sauropodenschädel von Camarasaurus, Diplodocus und Apatosaurus zum Vorschein, sowie fünf Skelette. Auch die seltene Gattung Barosaurus ist unter den Funden.

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde eine weitere, heute vertraute, Sauropodenfauna in der ehemaligen deutschen Provinz Ostafrika (das heutige Tansania) entdeckt – die Fauna der spätjurassischen Tendaguru-Formation. So kamen durch eine deutsche Expedition Fossilien zum Vorschein, die von E. Fraas 1908 beschrieben wurden und heute als Tornieria und Janenschia bekannt sind. Weitere Ausgrabungen unter der Leitung von Werner Janensch brachten eine Vielzahl von Knochen zum Vorschein, welche später von Janensch von 1914 bis 1961 beschrieben wurden. Der Großteil dieser Knochen befindet sich heute im Humboldt Museum für Naturkunde in Berlin, inklusive Brachiosaurus und Dicraeosaurus.

Aus den 1920ern und 1930ern gab es detaillierte Veröffentlichungen über Camarasaurus (Osborn und Mook, 1921) – erstmals wurde ein fast komplettes Sauropodenskelett beschrieben (Gilmore, 1925) – sowie über Apatosaurus (Gilmore, 1936). Weitere Veröffentlichungen schließen die umfassende Beschreibung des chinesischen Euhelopus (Wiman, 1929) sowie Beschreibungen der argentinischen und indischen Titanosaurier (Huene und Matley, 1933) mit ein.

Ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es eine Folge von Veröffentlichungen des chinesischen Forschers C. C. Young über die reichen Fossilienvorkommen aus dem mittleren und späten Jura Chinas. Im Jahr 1972 wurde Mamenchisaurus aus Sichuan beschrieben, welcher einen im Verhältnis zum Körper bemerkenswert langen Hals aufweist. Weitere Arten stammen aus der oberen Shaximiao-Formation, die heute, zusammen mit der nordamerikanischen Morrison-Formation und der ostafrikanischen Tendaguru-Formation, zu den am besten bekannten Sauropodenfaunen gehört – unter den Funden sind Shunosaurus, Datousaurus und Omeisaurus. China hat durch viele fragmentarische und vollständige Skelette heute eine große Bedeutung bei der Erforschung der Sauropoden gewonnen. Auch aus anderen Gebieten Asiens, vor allem der Wüste Gobi, gab es bemerkenswerte Funde, einschließlich Nemegtosaurus, Quaesitosaurus und Opisthocoelicaudia.

Neben China ist Argentinien die Region, aus der heute die meisten neuen Sauropodenfunde stammen. Erwähnenswerte Funde aus dem mittleren Jura bis zur späten Kreide sind unter anderem Patagosaurus, Saltasaurus, und aus der jüngeren Vergangenheit Rayososaurus, Amargasaurus, Andesaurus und Argentinosaurus. Weitere Funde stammen aus der Sahara Nordafrikas, wie beispielsweise Nigersaurus und Jobaria.

Futalognkosaurus dukei (© N. Tamura)

Futalognkosaurus dukei (© N. Tamura)

Bedeutende neuere Entdeckungen schließen den Titanosaurier Rapetosaurus (2001) aus Madagaskar und den kleinwüchsigen Europasaurus (2006) aus Deutschland mit ein. Weitere wichtige Funde aus der jüngeren Vergangenheit sind unter anderem der primitive Spinophorosaurus (2009) sowie die Titanosaurier Futalognkosaurus (2007) und Tapuiasaurus (2011).

Einleitung

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