Zooreise 6, Tag 2 – Ganz hoch hinauf

Der zweite Tag unseres verlängerten Wochenendes war angebrochen, gleichzeitig sollte das auch der letzte Nutzungstag der ThüringenCard sein.
Geplant waren Besuche des Thüringer Zooparks, des Baumkronenpfad in der Nähe von Bad Langensalza und ein Besuch des Opfermoors in Niederdorla. Hätte das Wetter nicht mitgespielt, hätte es einige Alternativen gegeben, aber im Großen und Ganzen blieb es trocken. Und wenn es mal geregnet hatte, dann war das nur kurz und betraf uns meist nicht direkt.
Der Besuch des Erfurter Zooparks war bereits der zweite in diesem Jahr und wird auch nicht der letzte sein. Die ersten beiden Besuche wurden mit der ThüringenCard bezahl, der nächste (im September) wird regulär bezahlt werden. Ich hatte ja gehofft, dass wir zur Eröffnung der neuen Elefantenanlage in den Zoopark gehen würden, aber das war nicht der Fall, die Eröffnung ist erst im September.
Aber der Zoopark ist immer einen Besuch wert und man kann doch einiges erleben: Fleischfressende Borstenhörnchen, Erdmännchen, die beim Obstverzehr das Raubtier raushängen lassen oder Kampfgänse, die ihrem Namen alle Ehre machen. Unvergessen auch die Begrüßung im Löwenhaus: „Verzieht euch wieder“, die eine Tierpflegerin sehr unfreundlich von sich gab. Wir waren nicht gemeint, die Adressaten dieses Rausschmisses waren zwei Pfauen, die sich im Haus umsehen wollten.

Nach dem Zoopark fuhren wir zum Baumkronenpfad in der Nähe von Bad Langensalza.

Der Baumkronenpfad ist der zweitlängste und höchste Baumkronenpfad in Deutschland. Er wurde als zweiter Baumkronenpfad Deutschlands am 26. August 2005 eröffnet und befindet sich nahe dem Forsthaus Thiemsburg im gleichnamigen Waldgebiet des Hainich, rund zehn Kilometer westlich der Kurstadt Bad Langensalza. Er führt von einer Höhe von 10 m auf 24 m und ist der Fauna im Nationalpark gewidmet. Die zweite 238 m lange Schleife wurde am 14. Mai 2009 eröffnet und gilt dem Urwald selbst.
Dem Besucher sollen durch den Baumkronenpfad Einblicke in die Wipfelregion des Waldes und die Zusammenhänge seiner verschiedenen Bestandteile ermöglicht werden, die ihm normalerweise nicht möglich sind.
Neben dem Tourismus dient die Anlage der Baumkronenforschung, insbesondere der Untersuchung der auf Bäumen lebenden Kleinsäuger, Vögel, Käfer, Spinnen und Schmetterlinge. Die Arbeitsbedingungen der Wissenschaftler sind durch die dauerhafte Einrichtung des Baumkronenpfads und den bequemen Zugang statt der sonst üblichen Klettertechnik erheblich erleichtert und ermöglichen und ergänzen dadurch langfristige angelegte Forschungsprojekte. Zusammen mit an verschiedenen Stellen im Urwald vorhandenen Messstellen gestattet dies ein Umweltmonitoring.

Nachdem wir von der Aussichtsplattform eine sich nähernde Regenfront bemerkten ergriffen wir frühzeitig die Flucht. Ganz bis zum Parkplatz schafften wir es nicht, der Regen war schneller und durchnässte uns.
Trotzdem hielten wir an unserem Plan fest, zum Opfermoor Vogtei in Niederdorla zu fahren.
Seit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 befindet sich etwa 500 m nördlich von Niederdorla der geographische Mittelpunkt Deutschlands. Dies wurde durch Dr. Finger aus Dresden und Dr. Förge aus Göttingen vermessen und bestätigt. Als Messmethode wurden dabei die jeweils entferntesten Punkte des heutigen deutschen Staatsgebietes in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung gewählt. Der damit ermittelte Schnittpunkt befindet sich dabei an der oben erwähnten Stelle bei 51°10′ nördlicher Breite und 10°27′ östlich Greenwich.
Am 12. Oktober 1990 wurde die Gemeinde Niederdorla über diesen Umstand unterrichtet. Am 26. Februar 1991 wurde als Würdigung am geographischen Mittelpunkt eine Kaiserlinde gepflanzt. Ein aufgestellter Mittelpunktstein in unmittelbarer Nähe gibt ebenfalls Auskunft über diesen Umstand.
Wir waren an Deutschlands Mittelpunkt und fanden nichts spektakuläres vor: Ein Baum, ein Stein, das wars. Vielleicht ist das anders, wenn das „Fest am Mittelpunkt Deutschlands“, das einmal im Jahr stattfindet, gefeiert wird.

Das Opfermoor ist eine vorgeschichtliche Kultstätte in einem flachen See nördlich von Niederdorla im thüringischen Unstrut-Hainich-Kreis Es liegt in der Vogtei südwestlich von Mühlhausen in der Gemarkung von Oberdorla, etwa 200 m entfernt vom nördlichen Ortsrand von Niederdorla. In der Hallstattzeit wurde das Opfermoor von einer Bevölkerung genutzt, deren Nachkommen in den Rhein-Weser-Germanen aufgingen. Die vor- und frühgeschichtlichen Kultanlagen des Opfermoors wurden zwischen 1957 und 1964 archäologisch untersucht. Funde und Erkenntnisse werden durch das Opfermoormuseum in Niederdorla und das Freilichtmuseum am Opfermoor einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Bei der Senke handelt es sich um eine Auslaugungssenke des Mittleren Muschelkalks, in der sich Grundwasser sammelte und sich ein Sumpf und offene Wasserflächen von etwa 700 m × 200 m bildeten. Der Flachsee verlandete und vermoorte. Aus den abgelagerten Sedimenten und Torfen konnte der Beginn der Verlandung mit 100 v. Chr. erschlossen werden. Die Torfe wurden ab 1947 abgebaut und der See so auf die heutige Größe und Form vergrößert. Im Zuge des Torfabbaus stieß man auch auf die vorgeschichtlichen Hinterlassenschaften.
Grabungen unter Günter Behm-Blancke, dem Direktor des Museums für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar, legten kreisförmige Zaunanlagen aus Haselruten frei, in deren Zentren sich Altäre, Kultstangen und Göttergestalten, sogenannte Pfahlgötzen, befanden. Die Grabungen förderten des Weiteren zahlreiche Knochen von Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen, aber auch Menschen sowie Waffen, ein Kultboot und verschiedene Alltagsgegenstände und -werkzeuge zu Tage. Es ist von Tier- und Menschenopfern auszugehen. Dem Seeheiligtum wird überregionale Bedeutung zugewiesen, da die Funde keinem speziellen Stamm zugeordnet werden konnten, sondern aus allen Teilen des damaligen Germanien stammen. Im 1. Jh. v. Chr. erbauten die Hermunduren im Opfermoor ein Rundheiligtum, das zur Völkerwanderungszeit ein großes Zentralheiligtum war. Unweit des Opfermoors, im Mahllindenfeld, wurde die größte prähistorische Siedlung Thüringens ergraben. Diese diente den Bauten im Museumsdorf als Vorbild.

Nachdem wir durch das Opfermoor gewandert waren fuhren wir wieder nach Erfurt zurück, mit denselben Problemen bei der Hotelsuche wie am Tag davor. Aber wir fanden über Umwege zurück. Abends gab es thüringische Küche in der Feuerkugel.


(das musste jetzt sein, ich entschuldige mich zwar dafür, aber ich konnte nicht wiederstehen)

Nach dem Essen spazierten wir (wie am Tag davor) durch Erfurt, diesmal hatte ich auch meine Kamera dabei, um einige prominente Bewohner der Stadt fotografieren zu können:

Wir kamen bis zum Domplatz und wären auch fast auf das Weinfest gegangen, aber es war uns zu voll. Außerdem waren wir vollgefressen (nach einer Portion Spaghettieis noch viel mehr) und wollten uns nur ausruhen. Den restlichen Abend verbrachten wir im Hotelzimmer. Dort durfte ich auch feststellen, dass die Kampfgänse durchaus ihre Spuren hinterlassen haben, in Form von blauen Flecken.

18,50 € hätten wir ohne ThüringenCard gezahlt. Mit dem Besuch im Opfermoor war das „Abenteuer“ ThüringenCard beendet und rückblickend kann ich sagen: Es hat sich gelohnt. Es hätte sich auch gelohnt, wenn wir uns nur auf die Zoos konzentriert hätten, aber zusammen mit diversen Höhlen und anderen Sehenswürdigkeiten war es ein kleines Erlebnis für sich. Natürlich muss jede selber entscheiden, ob er Karten wie diese in Anspruch nehmen will, aber mir hat es Spaß gemacht rund um die Karte unseren Urlaub (bzw. einen Teil davon) zu planen. Nicht alles, was wir gesehen haben war ein Highlight, aber wir haben Dinge erfahren, die uns sonst verwehrt geblieben wären und einige Sehenswürdigkeiten werden uns noch lange in Erinnerung bleiben).

Thüringer Zoopark

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