Ausgestorbene Raubtierfamilien

Daphoenus superbus  (Robert Bruce Horsfall)

Daphoenus superbus (Robert Bruce Horsfall)

Die Amphicyonidae sind eine ausgestorbene Familie der hundeartigen Raubtiere. Sie entstanden im Eozän vor etwa 45 Millionen Jahren und überlebten bis ins späte Miozän. Die Tiere glichen einer Mischung aus Bären und großen Hunden, woher sich der Name Bärenhunde ableitet. Früher war man sich unsicher, ob sie eher den Hunden oder den Bären zuzuordnen sind, heute werden sie meist als eigene Familie angesehen.
Die meisten Amphicyoniden waren robuste Tiere mit relativ kurzen Beinen. Einige wie Cynelos waren aber auch schlanker gebaut. Amphicyoniden gehörten zu den ersten größeren Vertretern der Raubtiere. Eine frühe Gattung aus dem Eozän Europas war Simamphicyon. Im Verlauf des Miozäns brachten sie zahlreiche verschiedene Formen hervor, von allesfressenden Generalisten bis zu hochspezialisierten Fleischfressern. Die bekannteste Gattung war Amphicyon, deren Männchen bis zu 300 kg Körpergewicht erreichen konnten. Die kräftigen Reißzähne dieser Gattung waren wahrscheinlich sogar geeignet, große Knochen zu zerbeißen. Diese Vermutung wird auch durch große Muskelansatzstellen am Schädel gestützt.
Die Amphicyonidae erschienen erstmals im Eozän Nordamerikas vor etwa 45 Millionen Jahren. Im späten Eozän vor etwa 35 Millionen Jahren hatten sie sich nach Europa ausgebreitet. Asien und Afrika erreichten sie im frühen Miozän vor etwa 23 Millionen Jahren. Die letzten Angehörigen der Familie starben im späten Miozän vor etwa 8 Millionen Jahren aus.

Dinocrocuta gigantea (Dmitry Bogdanov)

Dinocrocuta gigantea (Dmitry Bogdanov)

Die Percrocutidae ist eine ausgestorbene Linie der katzenartigen Raubtiere. Ursprünglich wurden sie den Hyänen zugerechnet, doch gelten sie heute als eigene Familie. Sie entwickelten ähnliche Merkmale wie die Hyänen und dürften die ökologische Nische der großen aasfressenden Hyänen besetzt haben, als die Hyänen selbst noch ausschließlich aus kleinen schleichkatzenartigen Formen bestanden. Die ersten Percrocutiden stammen aus dem mittleren Miozän Europas und Westasiens und gehörten zur Gattung Percrocuta. Percrocuta zeigte bereits eine Tendenz zu vergrößerten Prämolaren, verfügte allerdings noch nicht über ein derartig massives Brechscherengebiss wie die spätere Form Dinocrocuta aus dem späten Miozän, das geeignet war auch sehr große Knochen zu knacken. Letztere Gattung wurde, unter Voraussetzung eines hyänenähnlichen Körperbaus, rekonstruiert bis zu 380 kg schwer.
Gelegentlich wird empfohlen die Percrocutiden zusammen mit anderen Gattungen, wie etwa Stenoplesictis, zur Familie der Stenoplesictidae zusammenzufassen.

Auch die ausgestorbenen Barbourofelidae gehören zu den katzenartigen Raubtiere. Sie entstanden im frühen Miozän und überlebten mit ihrer letzten Gattung Barbourofelis bis ins späte Miozän. Ursprünglich wurden sie als Unterfamilie der Nimravidae angesehen, doch gelten sie heute als eigene Familie. Der Hauptgrund hierfür ist der große zeitliche Abstand von 25 Millionen Jahren zwischen dem Auftreten der ersten primitiven Nimraviden im mittleren Eozän und dem erstmaligen Erscheinen primitiver Barbourofeliden im unteren Miozän.
Die Barbourofelidae haben ihren Ursprung offenbar in Afrika, wo die ältesten Gattungen Afrosmilus, Syrtosmilus und Ginsburgsmilus im unteren Miozän auftauchen. Besonders die späten Gattungen erinnern mit ihren extrem verlängerten oberen Eckzähnen stark an die Säbelzahnkatzen, mit denen sie aber nur entfernt verwandt sind.

Dinictis und Protoceras (Charles R. Knight)

Dinictis und Protoceras (Charles R. Knight)

Die Familie der Nimravidae entstanden im Eozän vor etwa 50 Millionen Jahren. Ursprünglich wurden sie für Vorfahren der Katzen gehalten, doch heute gelten sie als deren Schwestergruppe. Demnach entwickelten sie ihre katzenartigen Merkmale durch konvergente Evolution. Weil einige Arten der Nimraviden mächtige Säbelzähne besaßen, die an jene der Säbelzahnkatzen erinnern, aber die Nimravidae eine eigene Familie bilden, bezeichnet man sie auch als Scheinsäbelzahnkatzen. Die Barbourofelidae wurden ursprünglich als Unterfamilie der Nimraviden betrachtet.

Bevor sich die Carnivora zu den Gipfelräubern entwickelten, wurde diese Nische von zwei anderen Säugerordnungen ausgefüllt, die bereits vor langer Zeit ausstarben. Die ersten waren die Mesonychia, fleischfressende Huftiere, die im Paläozän und Eozän verbreitet waren. Sie brachten die ersten großen Fleischfresser unter den höheren Säugetieren hervor. Eine zweite Gruppe räuberischer Säugetiere waren die Creodonten („Scheinraubtiere“). Im frühen Paläogen waren die eigentlichen Raubtiere noch verhältnismäßig klein, die Creodonten jedoch waren mit einer beachtlichen Formenfülle großer Fleischfresser vertreten. Ebenso wie die Carnivora hatten die Creodonten ein Brechscherengebiss entwickelt. Die Brechscheren von Raubtieren und Creodonten bestanden jedoch jeweils aus unterschiedlichen Backenzähnen, ein Beleg dafür, dass beide Gruppen sich unabhängig voneinander, also konvergent, entwickelt haben.

Auf den Kontinenten Australien und Südamerika, wo lange Zeit keine modernen Raubtiere lebten, wurde die Rolle größerer Fleischfresser ursprünglich von verschiedenen Beuteltierarten ausgefüllt. In Südamerika lebten bis in das Pliozän fleischfressende Beuteltiere der Ordnung Sparassodonta, zu denen auch die den säbelzahnkatzenähnliche Gattung Thylacosmilus gehörte. Mit der Bildung der mittelamerikanischen Landbrücke und dem großen amerikanischen Faunenaustausch am Ende des Pliozäns wanderten Carnivora aus Nordamerika ein und verdrängten ihre südamerikanischen Konkurrenten. Unter den speziellen Bedingungen Australiens konnten sich unter den Beutelsäugern einige mittelgroße Fleischfresser entwickeln, wie etwa die Beutelmarder und der Beutelteufel, die zu den Raubbeutlern gehören. Einer anderen Familie der Raubbeutlerartigen gehört der Beutelwolf an, der im 20. Jahrhundert verschwand. Fleischfresser außerhalb der Raubbeutlerartigen waren z. B. die Beutellöwen, die im Pleistozän ausstarben, oder fleischfressende Känguruarten der Gattung Ekaltadeta, die bereits im Obermiozän ausstarben.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen