Mensch und Eule

Schneeeule (Zoologischer Garten Hof)

Schneeeule (Zoologischer Garten Hof)

Eulen haben im Aberglauben der Menschen eine große Bedeutung, wobei diese von Region zu Region wechselt. Manchmal sind Eulen Boten des Bösen, manchmal Vorboten von freudigen Ereignissen. Manchmal sind sie intelligent und wiese, manchmal dämlich.

Die Eulen mit ihren auffällig großen Augen, den wangenähnlichen Gesichtsflächen, dem an eine stark gebogene Nase erinnernden Schnabel und der aufrechten Haltung unterscheiden sich so deutlich von anderen Vogelgattungen, dass es sehr viel unterschiedlichen und teilweise widersprüchlichen Aberglauben rund um diese Vogelfamilie gibt.
Der Aberglaube differenziert dabei selten zwischen den einzelnen Eulenarten. Für den Aberglauben ist es in der Regel nicht wichtig, ob es sich bei der verwendeten Eulenfeder um die einer Zwergohreule oder die eines Uhus handelt. Als am nächsten zum Menschen lebende Art wird jedoch die Schleiereule in abergläubische Rituale involviert gewesen sein.

Bereits im antiken Griechenland galt der Ruf der Eule als schlechtes Vorzeichen.
Im Alten Testament erscheint sie als Bild stattgehabter Zerstörung:
Ich bin wie die Eule in der Einöde, wie das Käuzchen in den Trümmern. (Ps102,7)
sondern Wüstentiere werden sich da lagern, und ihre Häuser werden voll Eulen sein; Strauße werden da wohnen, und Feldgeister werden da hüpfen, (Jes 13,21)
dass Herden sich darin lagern werden, allerlei Tiere des Feldes. Auch Rohrdommeln und Eulen werden wohnen in ihren Säulenknäufen, das Käuzchen wird im Fenster schreien und auf der Schwelle der Rabe. (Zef 2,14).
Im Mittelalter wurde die Eule (wie Katzen oder Raben) als Vertraute von Hexen gehalten.
Am Tag ist die Eule selten zu sehen. Geschieht das trotzdem und ist sogar ihr Ruf tagsüber zu hören, dann wird es Seuchen oder eine Feuersbrunst geben. Im Isergebirge weist ihr Erscheinen am helllichten Tag nur auf Regen hin.
Unglück bedeutete es auch, wenn dem Brautpaar auf dem Weg zur Kirche eine Eule entgegengebracht wird. Ein ebenfalls weit verbreiteter Aberglaube war, dass der Ruf der Eule den Tod ankündige.
Eine an die Scheunentür genagelte Eule soll Unheil vom Hof abwenden und ihn vor Blitzeinschlag und Feuer schützen. Ihr Ruf kündigt in manchen Regionen auch eine bevorstehende Geburt an.
Der Aberglaube an die Eule als Todesbote lässt sich auch bei Shakespeare finden. In seinem Drama Julius Cäsar kündigt Eulengeschrei den Mord an.
Und gestern saß der Vogel
Der Nacht sogar am Mittag auf dem Markte
Und kreischt‘ und schrie.

Und Lady Macbeth hört im Drama Macbeth die Eule, während ihr Mann den rechtmäßigen König ermordet:
– Still, horch! –
Die Eule war’s, die schrie, der traur’ge Wächter,
Die gräßlich gute Nacht wünscht.

In Grimms Kinder- und Hausmärchen Nr. 174 Die Eule wird sie ausführlicher charakterisiert. Auch in anderen Märchen spielen Eulen eine Rolle (Jorinde und Joringel, Das Waldhaus, Der Zaunkönig, Der Grabhügel).
In vielen Kinder- und Jugendbüchern spielen Eulen eine Rolle. Zu den bekanntesten dürfte Hedwig, die Schneeeule aus den Harry-Potter-Büchern von J. K.Rowlings gehören.

Aberglaube ist häufig regional unterschiedlich; so gibt es einige Regionen, in denen das Eulengeschrei nicht den Tod, sondern die Geburt eines Kindes ankündigt. Dies ist beispielsweise in der Region Bern, Schweiz, der Fall. Und in der Lausitz ist der Ruf einer Eule in der Nähe eines Hauses, in dem eine Schwangere lebt, nach Auffassung des regionalen Aberglaubens der Hinweis, dass eine komplikationslose Geburt zu erwarten ist.
Glück soll es auch bringen, wenn sich eine Eule in den Taubenschlag flüchtet.

In der westlichen Welt gilt die Eule auch als Vogel der Weisheit; als solcher ist der Steinkauz das Begleittier der Göttin Athene. Zu diesem Ruf haben sicherlich der starre, ruhige Blick ihrer Augen beigetragen. Im alten Athen gab es einst viele Eulenbilder und -statuen zu Ehren der Athene, und auf den silbernen Tetradrachmen befand sich eine Eule, so dass der Spruch „Eulen nach Athen tragen“ als Synonym für eine überflüssige Handlung entstand. Das Bild einer Eule befindet sich auf der Rückseite der griechischen 1-Euro-Münzen. Die Eule der Minerva – Minerva ist die römische Göttin, die der Athene entspricht – ist zur Redewendung geworden.
In vielen Kinderbüchern, wie beispielsweise Pu der Bär, und in Zeichentrickfilmen taucht die Eule mit Brille und gerne mit Buch unter dem Flügel auf, wodurch ihre besondere Weisheit symbolisiert werden soll.
In Indien gilt die Eule dagegen seit alter Zeit als dumm und kommt in dieser Eigenschaft schon im Panchatantra (ca. 300 n. Chr.) vor. „Eule“ (Hindi ullū) gilt auch als Schimpfwort im Sinn von „Idiot“.

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2 Kommentare zu Mensch und Eule

  1. Dass Eulen so oft mit dem Bösen oder dem Tod in Verbindung gebracht wurden, liegt sicher auch an ihrer nächtlichen Lebensweise. Ähnliches lässt sich ja auch bei anderen nachtaktiven Tieren finden.

    • Martin sagt:

      Die Dunkelheit hatte schon immer etwas Böses. In vielen Filmen (und Büchern) passiert Nachts immer etwas schreckliches. Und Geschöpfe der Nacht wie Eulen und Fledermäuse leiden darunter. Dabei sind beide Tiergruppen (nur als Beispiele genannt) sehr interessant.
      Und dabei wird vergessen, dass einige Eulen auch am Tag unterwegs sind…

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